Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 578 (31.8.1920)
- Date
- 1920-08-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 573 Wien. SSMcnstüfl W'euev ^Korgp».**'.'Cttitg den. Wahrscheinlich bereitet die Regierung iHLnd^ine, Kktiön mit Genehmigung bev'sranzösisch^riHeglerüftg. 9ot und weit sie die allgetneind.Nnzuftwdenheit.des bulgarischen Volles fürchtet; afjuticl) wie Nadoslachotv 191.4, bemüht sie sichdurch die verschärfte Zensur und den Kriegszustand die revolutionäre Bewegung und die allgemeine Unzufriedenheit zu unterdrücken. Gegen das frühere Mimsterium Malin-ow ist nach Beschluß deS Mnisterraws eine Untersuchung tsegen zu späten MschlirsseZ des WafftnstiN^ndeZ lind des Friedens eingeleitet wprd«r. Nachdem dieser Beschluß vom Minrsterrat uttd nicht von der NaLioüäl'- oersammlung angenommen wurde, wrlgerten sich die Minister des Ministeriums Mülinvw, vor der UnterfuchnngIkommissivn zu lttscheinen. Ei« rusfisch-detttscher GeheimverLrag? «o«, Sv. August. (Tel.-Somp.) »Gazzetta de Popolo^ «eldet, a« letzten Loge der Konferenz zwischen Giolitii und Aoyd George hat Millerand den beiden Staatsmännern die Beweise für die Existenz ei nes geheimen V erfrag eL zwischen Rußland und Deutschland zesandt, daS eine« neuen Angriffskrieg gegen Frankreich bezweckt. Unter diesem Eindrücke beschlossen Lloyd George und Giolitii, von der Sowjetregierung erschöpfende Aufklärung zu verlangen. Inland. Jüdische Wähler und WSHlerinnen! Mittwoch de« 1. September Beginn der Reklamationsfrist! Reklamiert euer Wahlrecht! , A« Wahltag kann nur mahlen, wer in die Liste eingetragen ist! Wer also nicht, nachschaut und sich nicht vergewissert, ob er eingetragen ist, gefährdet sein Wahlrecht! Einsicht an jedem Wochentag voll 3 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends, an Sonntagen und am Feiertag von 8 Uhr früh bis 12 Uhr mittags. In jedem Hause muß bereits jetzt ein Verzeichnis der Wähler dieses Hanfes angeschlagen sein, in welchem steht, wo die Wählerliste für dieses Haus aufliegt. Dorthin muß man gehen, um Einsicht zu. nehmen, ob man in die Wählerliste eingetragen ist. In dieser Hauswählerliste sind die Wähler des Hauses nicht mit Namen verzeichnet. Wohl aber ist ersichtlich, wieviel männliche und weibliche Wähler in jeder Wohnung vorhanden und eingetragen sind. Wahlberechtigt sind alle deutschösterreichischen männlichen und weiblichen Staatsbürger, die vor dem 1. Jänner-1920 zwanzig Jahre alt geworden find. Wer erst am 1. Jänner 1900 oder später geboren ist, ist kein Wähler. Staatsbürger ist: I. Wer in einer Gemeinde der Republik Deutfchösterreich heimatberechtigt (zuständig) ist/ H. Derjenige, der nach dem Umsturz die Staatsb ürg erschaftserklärung abgegeben hat. Auch die Frauen und Kinder derer, die eine solche ÄtaatsbLrgerschaftserklärung abgegeben haben, sind wahlberechtigt. Ferner diejenigen Personen, die nach Deutsch-Westungmn zuständig sind, denn gemäß dem Fnedensvertrag gehört Deutsch-Westungarn zu Deutschösterreich. Als in Deutschösterreich heimatberechtigt kommen sürdiese Wahlen auch diejenigen Personen in Betracht, die nach Deutschböhmen. Deutschmähren (einschließlich Brünn, Iglau und Olmütz) sowie dem deutschen Teil Schlesiens zuständig find. Um eingetragen zu werden, muß man das Alter von zwanzig Jahren (am 1. Jänner 1920), die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft und den Wiener Wohnort Nachweisen. Also braucht man: Meldezettel, Geburtsschein, Heimatschein, eventuell Staatsbürgerschastserklärung» Reisepaß oder ein altes Arbeits- oder Dienstbotenbuch, wenn man nichts anderes hat, ein Militarzertifikat usw.; kurz die Dokumente, in denen Alter und Staatsbürgerschaft amtlich angegeben erscheinen. Verheiratete Frauen müssen auch den Trauungsschein bringen. Die Reklamation muß nicht persönlich ge schehm. Auch diejenigen können reklamieren, die erst jetzt nach Wien gekommen sind. Auskünfte und Durchführung von Reklamationen H ä u p t b u r e a u, II., Tabor st r a ß e 2 0 a, von 9bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 5 Uhr nachmittags. ' Ausweisungspraxis und Staatsfinanze«. Ein bekannter Rechtsanwalt schreibt uns: Einer meiner Klienten, ein polnischer Staatsangehöriger, er b'iel! vor einigen Monaten die Steuervorschreibungen sür die Jahre 1917 bis 1.91.9 zu gestellt. Die ihm vorgrschriebenen Steuern getragen rund 490.000 Kronen Da er diesen hohen Betrag nicht auf einmal zahlen -an«, suchte er um Bewilligung von Raten an und Hai: auch.in monatlichen Ratenzahlungen von 20.000Kronen einen Teilbetrag von 100.000 Kronen abgestattet. Die Wiener Polizei-Direktion erteilt jedoch diesem Steuer träger keim Aufenthaltsbewilligung und die Landesregierung hat' die EntscheidUM. dK!. Bolide i-DirektE Dr. Benesch über die Grundlagen der Kleinen Entente. Paris/ 30. August. Minister des Atußekn Doktor B en esch erklärt in einem Telegramm an den ,Matin", die Grundlage für btfc Entente zwischen ZugbsläwiM, Rumänien und . der Tschecho-Slowakei bilden inbbesonrere folgende politische Erwägungen: S^it dem Wessen- 'tillsiand befanden sich die Staaten ZentraleUrdpaS in einem Zustand der Nervosität, hervorgerusen durch die mannigfachen Gefahren von außen, namentlich, aber durch die Angst, die schwer errungene Freiheit zu btt* irren. Dis nsttgeschaffene Kleine Entente gebe nun den Verhältnissen in Zentnaleuropa eine bessere Stabilität und deren Völker« mehr Vertrauen in die eigene Kraft. Weiters werdedie politische Entente. nolWeUdiHttwerse auch zit einer Ordnung in Wirtschaft' lichen Beziehungen führe«. Die Politik Tslhecho-Sls° wakiens, Jugoslawiens und Rumäniens sei eine Politik des Friedens und der Pngifiziernng Zentraleuropas. Die der drei Staaten sei gegründet auf die Durchführung des Vert-rages von Triauon. Daher seien die Staatsmänner der Keine« Entente entschlossen, den Friedentzdertrag mit Ungar« gegen jede Abänderung zu vertreidigen und für alle Zukunft zn verhindern, daß Ungarn den Herd von Unruhen in Mitteleuropa bilde. Hiebei wünschen sie jedoch nicht, feindlich gegen Ungarn mifzutreten, sondern es sei im Gegenteil ihr Wunsch, das; Ungarn normale und wenn möglich freundschaftliche Beziehungen mit allen seinen Nachbarn anbahne. Die Staatsmänner des neuen Bundes wollten auch beweisen, daß die Alliierten durch die Auflösung der österretchisch-ungarischen Mon archie keinen politischen Fehler begangen haben und daß anch der Gedanle der Donaufööeration fallen. gelassen werden könnte und daß gerade* dnrch den Zerfall der allen Monarchie die Grundlage zur Bildung neuer Staaten in Mitteleuropa geschaffen wurde, die besser als die Monarchie oder eine Konföderation zur Anfrechterhaltimg des Friedens in Europa beitragen werde. Paris, 30. August. (Funkspruch.) Nach Meldungen aus Bukarest wird Venizelüs anfangs September gleichzeitig mit dem serbischen Prinzregenten und dem Ministerpräsidenten Desnic iw Bukarest .eintrefftn. um die Einzelheiten eines ritmänifch--s»dslawisch.griechischtn Bündnisses zu besprechen, an welchem die Tschechoslowakei ieilnchmcn werde. *3* bestätigt.- Daraufhin Hai bie-Polizst-DiretiiM ^in Abschaffttngserlt'rnU.nis ergehen lassen. Mein Klient kann - freiwillig nicht abreisen, weil ihm die Steuerbehörde utifc Rücksicht auf ferne hohe Steuerschuld igle i t die Ausreisebewiltiguug nicht erteilt. Andererseits droht. ihm die ' Polizei-Direktion - mit .der... Abschaffung, wiewohl ihr der Sachverhalt bekannt ist. Ein Polizei-' veamter war sogar so naiv, zu nieimir. daß der Aufenthalt des BetrsfsÄrdSri in Oestetrelch nicht notwendig sei, da man die Steuern van-ihm auch, durch die ausländische Behörde einheben lassen könne. Der Fall lehrt, wie bei uns eine Behördegegm die ander« arbeitet und wohin der von Hklwn Sever gn>ßgezogene bureaukr-atische llnverstand. führt. Es handelt sich Natürlich um keinen vereinzelten Fall. Einerseits werden österreichische Staatsangehörige durch die Steuerschraube bis zur vollständigen Blutleere ausgevreßt. anderer-- seits erklärt, unser Bettelstaat hvchurütig, daß er auf Millionen von Steuern vernichte und leister sich den Luxus, Leute, die Steirern schulden mw bezahlen wollen, hinauszujagen. . . Die Reparatiouskommiffio« fordert das in Wien vorhandene Kriegsmaterial an. Wie rnitgLteilt wird, hat die Rcparatianskvmp miffton vor einiger Zeit da? vorhandene, im Arsenal und anderen Depots befindliche Kriegsmaterial, sowohl brauchbares als reparables, angefordert. Es schweben derzeit noch Unterhandlungen, doch ist es zweifellos, daß auf Gruüo der bezüglichen BeftinrMungÄr des Friedensvertrages der Anforderung voll ^Rechnung getragen wird. Gestern wurde verlachtet, daß eine Beschlagnahme seitens dör Reparationskvwmiftion vorliege, doch wird uns an zuständiger Stelle erklärt, daß dies nicht der Fall sei, sondern die Anforderung durch die Keparationskommission eben den Beschlüssen von Saint- Germain entspricht.; Ein 460-Mllionen-KrediL für Orfterreich. Die Wiener argentinische Gesandtschaft teilt mit: Die Argentinische Regierung hat am 27. d. M. das Gesetz, betreffend die Gewährung eines Kredits im Betrage von 5 Millionen Pesos an die österreichische Regierung zwecks Unterstützung der Wiener notleidenden Bevölkerung, sanktioniert. Dieser Kredit soll der österreichischen.Regierung ermöglichen, in Argentinien Lebensmittel und Bekleidungsstücke für Kinder zu kaufen. Sie kann den Gegenwert der gekauften Artikel zum Kostenpreis zinjenfrei und zu beliebiger Zeit und in beliebiger Form zurückerstattsn. (S Millionen PefoS repräsentieren heute einr.n Wert von -itnfi.efäfii 460. . WilliMen. Kronen.) Telegramme. .Kommandant Bkanchial einem NeV< erlegen. .' - Jerusalem, 26. August Der italiemsche Kor baut B i an ch in i ist mrf dem Wege nach Dam a skull einen: Beduinllkiangriff zum Opfer gefallett. Er ist bei B e r n a an der HedschnSbahn tot. anfgefundev worden. Komiuandant Bianchini war als Delegierter der italienischen Juden, Mitglieder der Zionist Con" missiStt, in Palästina v ,* Oie Juden MeV der Bötterbund. Paris, 28. August, (tzewish Corr. Bur.) Wie ver«i lautet, bereitet das Kornltee der jiidischen Delegation« eine großzügige Propaganda für die Idee des B o lller« buttdes unter den Juden der ganzen Welf vor. Es heißt nuch, daß das Kouritev nv Aussührsins seiner letzten Beschlüsse eine Aktion unternimmt, um der jüdischen Volke eine Vei-tretrmg beim Völkerbund v» möglichen. Die Anvichen in Irlarrd. London, 29. August. (Reuter.) Nach Besprechung! der königlichen Botschaft, welche die Möglichkeit der Fteilasirrng deS Vürgektneistüns von .Cork in NnSsichü nimmt, haben die in London weilenden Minister ein^ stmnnig bsMvssen, daß es errtsprechend sei, die frühe r q Entscheid u n g ausrechguhalten. . 4- Belfast, 29. Tvgust. iReuier.) Bei den gestrigem Ausschreitungen sind allst Perforiert gelotet und fünfzigj verletzt worden. Kas rumänische Kabinett gestürzt London, 30. August. (Reuter.) One Depesche der! „Morning Bost" meldet den Strrrz des rnnrünifche« Kabinetts Fl or.ü.se n soll mit dckr Bildung eines reich sozialistischen Kabinetts beauftragt worden fern. ForLdattSr der JttdenN-rfotgunge« in London, 29. Ängnst. (^ewlsb Corr. Bur.) Au» Warschau wird gemeldet: Die Behörde, hat den Vorsitzenden' der i ii d i s ch t n G emeind ein o T o,tu i n. Herrn 'St t o s rt tz kr, als "Oetfrl t n t e r n i e rt./ Dich Exekutiv kom itee der Poale Zion richtete eilten offenep Brief an den M^ennmMrb'rcUöenten Daszynski, in welchem er ausgrsardert wird, die in Haft genommenen jüdischen Ärbeiterftihrer auf freien Fuß setzen zu lassen. Ein Prstsst der Mdischen Gemeinde von MilnÄ Äowno, 28. August, (tzewifh.. Corr. Psir.^ litauische Delegation hat im Einvernehmen Mit der jiiischen Genreinde in W i 5 n a bei der Sowjetregrerunj in Moskau gegen die seitens der Sowjetbehoröerr ir Wilna vorgenominentzn Verhaftungen von h rr n d ir?: Juden und ge-.wn die Erschießung von sieben nnschn!^ igelt litauischen Bürgern ichärrsten Protest eingelegt '& Ermordmrg ium Zionisten in Komr! London, 26. August. sI'elvish Corr. Änr.) „Haares zufolge haben die Bolschewiterr in H o m a l die Ziöniste Sacharin und Chajkin erschossen, weil dc Zionistische Kreiskomitee daran ging, int Einvernehmer mit der antikommunistischen britischen Regierung Weisungen betreffs der jüdischen Auswanderung na^ Palästina und deren Regelung durch die Verwaltung in Palästina zu veröffentlichen. '? Die ukrainischen Anfftändischen vor Odeffül Larnow, 90. August. (Uff. Msftdienst.) Die nikche« AufständischLu, di,: bereits das gWzv. GoupeW« ment Cherson und die. Städte ^ei'atsriyoslaw >tnp lolajew besetzt haben, haben ans.ivgö August mit zah» reichen Kräfwir einen allgemeinen Angriff gegen Odessa unternommen. Die Roten Truppen ivurhen bereit« gezwungen, die Bahnlinie Ra z d e l n a ja--O d e ss anfzugebmi und sich bis auf wenige Kilometer vosi Obrssa zurückznstehen. Seit drei Wachen ist Odessa vvsi jeder Zufuhr adgejchnitwn und t'i iwrrjcht.ftnngersnoü dr die Vorräte an Lehensmitteln bereits erschöpft Der Banerttaufftüud. Prag, 30., August. Wie das „Pravp Lwn'l au^ Ü ngvar meldet, werde infolge des Rückzuges, ptzä bolschewiftschen Reiterei «rrs der Gr.tzend , pchr StrhI der polnisch.: Druck auf dem rechten FlükVist von,Mpf7 »trninischerl Aujständischrn mit eigenen Krästesi 'äus^ gehalten. Die ukrainischen -Äuiständii^en hä-teu ^öskliH Boryslaw eine größere polnische Abteilung rntroaffmit^ wobei ihnen Waffen. Munition und Train ul Penw in die Hände gefallen icteit. Wrangel ^«rückgeworfen. Moskau, 30. August. (Firpftpruch.) Vo.tstontmifsäll Ts chit scher irr teilt« dem Sowjetvertrewr Kame^. new in London mit, daß nach partUlirftgen. rtnft schwierigen Gefechten der Widerstand Wrangst^, gebrochen sei. Di« Sowjetarmee gehe f-iwohl Laurien als anch auf Taman vorwärts, Wra> gel ziehe sich auf die Kri^r zurück. Die Lax in Kuban sei vollkommen gefestigt. Die Meldungen Ük die Einnahme dort Noworofshsk und Zelaterinodar^hurl