Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 577 (30.8.1920)
- Date
- 1920-08-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r cm» ' /Men. Mdnlag W. ■■11111)11—i ''Tiiäi.. Telegramme. Amerika warnt Polen. Paris» 29. August. Nach einer Meldung «ms Washington hat das Staatsdepartement eine zweite Note an Polen gerichtet, in der die polnische Negierung auf die unangenehmen Folge« eines Vordringens der polnischen Truppen auf russisches Gebiet aufmerksam gemacht wird. Ein neuer Verhandlungsort- Kopenhagen, 29. August. (Priv.-Tel.) Nach einer Meldung aus Reval hat Tschitscherin die dortige Sowjetgesandtschaft beauftragt, die Regierung um die Erlaubnis zu bitten, dir polnisch-russische Friedenskonferenz von Minsk nach Reval oder Dorpat zu verlegen. Wie», 29. August. Die Korrespondenz Herzog meldet . aus W a r s^ch a u: Der Rat der nationalen Verteidigung beschloß, die Delegation, in M ut f f anzuweisen, die Verlegung d e r Ve r h an d l n n g en uach Riga zu fordern. Der polnische Frontbericht. Warschau, 29. August. (Polnische Telegraphenrgentur.) Frontbericht vom 28. August. Längs der ganzen (roch von Grajewo bis Wlodawa schwache ZWung mit dem Feinde. Nördlich von B e l z h a r til L ck lg e K ä m p f e mit der Kavallerie BudjennyS, seren Abteilungen bis Tyszowce gelangten. Im Abschnitt Bobrka und Swirz wehrten unsere Abteilungen mehrmalige feindliche Angriffe ab rnd gingen nachher zu energischer Gegenaktion über; sie zersprengten bei Sarniki einige feindliche Schwa- »ronen. Die Armee des Generals Pawlenko forcierte in der Nacht vom 26. auf den 27. den Dnjestr und 'ückt in nördlicher Richtung vor. Der Ausbau der polnischen Erfolge. Paris, 29. August. (Havas.) Botschafter Abernon, Zer hierher zurückgekehrt ist, erklärte gegenüber einem Vertreter des »Petit Journal-, der Sieg Polens >' e i vollständig, doch erfordere die Zukunft die; r ö ß t e Vorsicht. Er glaube indes nicht, daß ich die Rote Armee vor dem Wincker erholen könne, zumal ihr die Polen fast die gesamte Artillerie abgenommen haben. Ein Offizier aus dem Gefolge des General- Wey-' zünd erklärte, -atz über die Notwendigkeit, die polnische Armee in festen Stellungen zu organisieren, zwischen Deygand und der englischen Mission volle Uebettinitimmung herrsche. Ebenso bestehe bezüglich aller milirärischen Fragen ein vollkommenes Eittverneh- *u n zwischen London und Paris. Weygand werde oahrscheinlich nicht nach Polen zurückkehren, roch betrachte er seine Aufgabe nicht als beendet. Zus- »esondere werde er sein Ansehen geltend machen, um von »e« Alliierten Material, Munition und Kleirung für die polnische Armee zu erlangen. Dfchitscherlu kündigt eine neue Offensive au. Chriftiania, 28. August. Aus Moskau wird rom 27. 5. gemeldet: Tschitscherin 'richtete an die in London befindlichen russischen Bevollmächtigten folgendes Telegramm: Die phantastischen Erzählungen der oestlichen Preffe über das die Sowjet-Armee angeblich setkvWe ^Unglück verdienen keinen Glauben. Der feindliche Flankenangriff zwang die Sowjet-?l r m e e^z u m R ü ck z u g. Während des Ruckzuges waren gewisse Verluste unvermeidlich, doch überstiegen diese nicht ras ° ttt anderen ähnlichen Fällen gewohnte Maß. Die* Kote Armee befindet sich jetzt inUmgruPpierung, ne hat, ihre G efe-chtsstärke nicht ein gebüßt, Unfalls ein Friede nickt zustande kommt, wird eine neue Offensive begonnen werden. Weygand in Paris. Paris, 29. August. (Havas.) General W e y p a njb wurde bei seiner Ankunft im Bahnhof von einer riesigen Menschenmenge, darunter zahlreichen polnischen Versöch" lichtesten, erwartet und, als er den Zug verließ, mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Die Amerikaner in Danzig. Washington, 28. August. (Reuter.) Der Marine- Sekretär hat den vor Reval ankernden Kreuzer »Pitts, bürgnach Danzig beordert, um den Schutz der Amerikaner zu Übemehmen. Amerikanische Anleihe für Frankreich. Paris, 29. August. »Excelsiormeldet aus R e w - I o r f, die Verhandlungen der französischen Fivanzkommission hätten zu einem Erfolg geführt. Eine Anleihe von 150 M i llionen Dollar sei mit einer amerikanischen Bankengruppe, darunter der Bank Morgan, zum Abschlüsse gelangt. Am 1b. Oktober sei die Anleihe von 500 Millionen, die Frankreich und England gemeinsam in Amerika ausgenommen haben, zurückzuzahlen. Auf Frankreich entfallen hievon 250 Millionen. Die neue Anleihe soll die Rückzahlung erleichtern, da Frankreich majakbx 100 Millionen bar zu zahlen haben werde. Wiener Morgenzestnng Die Anruhen in Oberschlefie«. Die Korrespondenz Herzog meldet aus Beuthen: Seitens der deutschen und polnischen Parteien werden die Vorgänge in Oberschlesien in einem Weißb uch dargelegt werden. Berlin, 29. August. Heute nachmittags fand im Lustgarten eine große Protestkundgebung der in Berlin lebenden Oberschlesier gegen die polnischen Gewaltakts und die Mißhandlungen der Deutschen in dberschlefien statt. An der Kundgebung, die einen ruhige«Verlauf nahm, nahmen Awa 50.000 Personen teil. Von sieben verschiedenen Stellen sprachen Zeugen der furchtbaren Greuelszenen in Oberschlefie« und Redner aller politischen Parteien. Zum Schlüsse wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, worin n. a. restlose Entwaffnung der polnischen Banden, schärfste Ahndung der begangenen Verbrechen, Ausweisung der mitschuldigen Urheber, insbesondere der bekannten polnischen Führer, verlangt werden. Die VreSlauer Verfälle. Bedauern der deutschen Regierung — Standrecht. Paris, 28. August. (Havas.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris hat heute nachmittags dem Generalsekretär im Ministerium des Aeußern Paleol o g u e einen Besuch abgestattet, um ihm das lebhafteste Bedauern der deutschen Regierung wegen der Plünderung defranzösischen Konsulats in Breslau auszusprechen. Gleichzeitig gab er die Versicherung, daß die Schuldtragenden bestraft werden und daß die deutsche Negierung der sranzöfifchen jede mögliche Genugtuung bieten werde. Generalsekretär Paleologue nahm diese Er» llärung zur Kenntnis mit dem Bemerken, daß von 'btt französischen Botschaft in Berlin ein eingehender Bericht über das Vorkommnis abverlangt worden sei. Rach Erhalt des Berichtes werde die französische Regierung der deutschen bekanntgeben, welche Sühne und Entschädigung ihr notwendig erscheinen. Breslan, 29. August. Wegen der Unsicherheit in Breslau infolge der Vorgänge in Oberschlesien hüben sich die Vertreter der Behörden mit der Frage des Außnahmszustandes beschäftigt. Vertreter aller Parteien sind zu einer Aussprache in dieser Angelegenheit im Overptäsidium znsanimengekommen. Oberpräsident Zimmer erklärte, daß sich die verantwortlichen Beamten in Stadt und Provinz genötigt sehen, bei der Regierung den Ausnahmszustand za erwirken. Man müsse alles »ersuchen, um den interalliierten Kommissionen den nötigen Schutz zu verschaffen. Auch innerpolitische Gründe veranlassen diese Maßnahmen, denn es gäbe kein anderes Mittel, um all der dunklen Elemente Herr tu werden, die sich jetzt als Flüchtlinge aus Oberschlesien bemerkbar machen und die Volksmassen zu wahnsinnigen Handlangen aufpeitschen. Der Chef der Heeresleitung General v. S eekt ist gestern, SamStag vormittags in Breslau emgetrvffen. Es fand eine Truppenübung dev Garnison statt. Schwacher Besuch der Leipziger Mustermesse. Leipzig, 29. August. (Wolfs.) Am ersten Tage der Allgemeinen Mustermesse setzte morgens der Verkehr lebhaft ein. wenn auch merklich schwächer als auf den letzten Messen. Infolge der reichen Beschickung durch die Industrie mit über 12.000 Ausstellern ist das. äußerliche Bild das gewohnte. Der GnkLuferbesuch bleibt aber bisher i gegen das Frühjahr zurück Besonders gilt dies von den Ausländern. Ministerpräsident Drfar über die deutsche» Schulen. Prag, 29. August. Das »Präger Lagblatt* meldet aus Teplitz: Gegenüber einer Abordnung des Stadtrates von Turn, der wegen Auflassung deutscher Schulen beim Ministerpräsidenten T u s a r vorsprach, erklärte dieser, die Frage der Auflassung deutscher Schulklassen und der Sperrung deutscher Schulen werde in den nächsten Tagen Gegenstand eingehender Beratung aller beteiligten Faktoren im Unterrichtsministerium fern. An alle Bezirksschulräte würden bis zum 31. August Aufträge hinanZgehen, die Einschreibungen auch für die ausgelassenen Schulklassen d u r ch z u f ü h r e n. Die Schülerverzeichniffe werden einer neuerlichen Prüfung, und zwar in liberalstem Sinne, unterzogen werden. Unter allen Umständen werde vermieden werden, daß höher orgamftcrfc Schulen in niedriger organisierte verwandelt werden. Der Prozeß gegen die MVrder Tiszas. Budapest, 29, August. (Nng. Tel.-Korr.-Burean.) Am heutigen 26, Verhandlungstag wird zunächst die Aussage des . in Jugoslawien befindlichen gewesenen Matrosen Franz Steiner verlesen, wonach Horvath- S z a m o v i c s ihn einmal gefragt habe, ob er nicht bei der Beseitigung eines „großen Hundes* mzttuu wolle. Er habe dies abgelehnt. Zwei Wochen nach der Ermordung Tiszas habe Horvath im Sanatorium Paier von Friedrich einen rekommandierten Brief erhalten. Horvath habe ihm damals gesagt, Friedrich sei ihm verpflichtet. Im November habe ihm Horvath erzählt, daß, als er zum zweitenmal im Karolyi- Klub gewesen sei, Friedrich Leute zur Ermordung Tiszas gef u cht habe. Später habe er ihm erzählt, daß sie im Automobil in dre Villa Tisza gefahren seien. Dobo. Pvgnny und et Hütten «fMoffctt, die übrigen nur assistiert. «07 August I92RT 9b. 577~ Admiral Troubrid^e über denDonauverkehrl Budapest, 29. August. (Ungar. Tel.-Korr.-Vur.) »Pelli Hirlap* veröffentlicht eine Unterredung mit dem Präsidenten der Internationalen Donaukommission Ad^ miral Tro ubri dge, der u. «. erklärte, die Kommission habe sich die Aufgabe gestellt, den Donauverkehr für den Handel und die Schiffahrt in möglichst großem Mabstabe freizumachen. Er wies ferner darauf hin, daß sämtliche Nebenflüsse der Donau, die wenigstendurch zwei Länder fließen oder sie berühren, als internationale Flüsse erklärt worden sind. WaS Ungarn betrifft, gehören hiezu die D r a«, die Theiß und die Maros. Die Kohlen frage, dieler wichtigste und schwitz, rigste Punkt der Schiffahrt, habe bereits ihre Lösung gefunden. Es sei ihm gelungen, durchzusetzen, a'as den Teschener und Fünslirchener Kohleng r n b e n das für den Donauverkehr notwendige Kohlenquatztmk zu erhalten. Dieses werde unter die einzelnen Schiffahrts-Unternehmungen aufgeteilt werden. Troubridge erklärte, daß die Aussichten für die Znknült' überaus günstig seien, und schloß: Unser Ziel ist, zwischen deN Uferstaaten eine friedliche Stimmung zu schaffen. Wir arbeiten, wie in der Vergangenheit, so auch jetzt, in dieser Richtung, denn nur unter normalen und ruhigen politischen Verhältnissen kann sich der zam wirtschaftlichen Aujschwung eines Landes notwendige Handel entwickeln. Bildung einer Internationale« Austvanderungskommisfion. Graz, 29. August. (Wvlff.) DaS Internationale ArbeitS-, amt teilt mit: Entsprechend dem Beschluß der Internationale« Arbrltskdnferenz in Washington vom Jahre ISIS, ist eine Internationale NuSwandkrungS^ k v m m i s s iö » gebildet worden, dir die Aufgabe hat!' die Auswanderung der Arbeiter an S ihre« Heimatländern z« regeln «nd die Jntereffeas der Lohnarbeiter, die sich in einem anderen Lande als ihrem Heimatland befinde«, z« schützen. Die Kommission umfaßt 18 Mitgliederdie sich an» Vertreter» der Regierungen, dev Arbeitnehmer und der Arbeitgeber zusammensetzen. Deutschlands hat eine« Vertreter der Arbeitnehmer delegiert. j Das Internationale Arbeitsamt hat an 43 Regierungen^ die sich ihm angeschlossev haben, einen Fragebogen gesandt, dni- Aufklärung über die Auswanderung, die diesbezügliche Gesetz- - gebvng uswverlangt. Di« bisher eingegangenen Antworten sin^. noch zu allgemein, als daß sich darauf «schöpfende. Arbeiten der AuswanderungSkommissio« aufbauen ließen. Dre m Frage stehenden Regierungen sind daher nochmals ersucht worden^. ihre Äntworteu bis zum 15. Oktober d. I. einzureichen. Voraussichtlich wird die Kommission im Jänner 1931 in Gyts zniammentreten.' . Tagesbericht. Derattt«g der Theaterdirektoren. Heute entscheidende Verhandlungen. Heute vormittags findet im Deutschen Volks- theater eine Sitzung des DirektorenverbandeL statt, iw der die neuen Forderungen des künstlerischen Persy-,: nalS zur Verhandlung gelangen. Voraussichtlich Werdensdie Vertreter der Schauspieler an dieser Sitzung, teilnehmen, so daß eine Einigung, wenn auch yur eine provisorische, erzielt werden dürste. , Einige Wiener Bühnen stehen vor der merkwürdigen Tatsache, daß sie selbst bei fortgesetztem glänzenden Geschäftsgang mit einem Defizit arbeiten müßten, wenn sie alle Forderungen ihrer Angestellten bewilligen. Wenn demnach im letzten Augenblick nicht ein Kompromiß zustande kommt, so steht die Schließung^ dieser Theater unmittelbar bevor. Dev erst» jüdische Ingendtag in IngosSawien. In Ausführung des im Vorfahr auf der Broker Konferenz aller jüdischen Jugendorganisationen deS' Königreiches S.-H.-S. gefaßten Beschlusses fand am 9. und 10. d. M. der erste j ü d if ch e Iu g en dtag Jugoslawiens in Osijek statt. Er sollte einen Beweis der im verfloffenen Jahre geleisteten Arbeit an der nationalen Erziehung der jüdischen Jugend liefern und die gemeinsamen Bande der in den entferntesten Gegenden deS Staates weilenden jüdischen Jugend noch fester knüpfLn. Aus allen Teilen Jugoslawiens kam sie und gestaltete den Jugendtag zu einer imposanten Manifestation unserer nationalen Idee. Zwei Vormittage waren der Konferenz der Delegierten gewidmet. In der Eröffnungsrede begrüßte der . Präsident des Verbandes der jüdischen Jugendorganisationen Nikola Tolnauer die Delegierten und Gäste und wiesauf die Bedeutung dieses ersten Jugendtages hin. Der nun folgende Geschäftsbericht des Aktions-- komiteeS zeigte die Resultate.der verfloffenen Arbeitsperiode. Der Wichtigkeit und Bedeutung nach steht obenan die Gründung zweier Chaluzgruppen in. B i j e l i n a und V i l o v o mit zusammen 25 Mitgliedern, i deren Leistungen bereits so weit gediehen sind, daß man hoftt. das in Bijelina aus Kosten eines Privaten und des Palästina-Amtes bearbeitete Gut bald in eigeneVerwaltung übernehmen zu können. Derzeit sinh bereits, weitere 126 Chaluzim angemeldst, doch, können siemangels finanzieller Hilfsmittel weder in alte Gruppen, eingeteilt, noch können für sie neue gegründet werden. Man hofft aber, in kürzester Zeit eine weitere Kolonie in