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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-27 · Heft 574 (27.8.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 574 (27.8.1920)
Date
1920-08-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 574 Wien, Freitag -; ■ ‘ Wiener 7' 27. AUgMIMVU ^CJCWj 40^ Telegrmüme. Die Schlacht am Rapetv Warschau, 26. August. (Havas.) In den drei letzten Tagen haben im Sumpfgelände des Mrew bei O st r o l e n k a und Lom z a, wo sich die Bolschewiken um jeden Preis einen Weg nach Bialystobahnen wollten, erbitterte 5rämpfe stattgcsunden. Auf beiden Seiten waren die.Verluste zi enllich; schwer. Die Bedeutung der Niederlage der Bolschewiken läßt, sich noch, nichteinschatzen. Jeden Tag überliefern die Bauern 'den Militärbehörden zersprengte feindliche Jnfcmterieabteilüngen. Gruppen von Infanterie und Kavallerie, denen es gelungen War, D entMn'tzN, haben sich in nördlicher Richtung. auf die Linie'der Seen und Sümpfe zurückgezogen. Der Feind verfalgt offenbar die Absicht, sich in der Gegend von Ossowiee festzusetzen, um die Verbindung mit ^Ostpreußen aufrechtzuerhalten und dadurch. den Polest den Zugang nach; Litauen zu versperren. ' Während das vor Warschau geschlagene Gros der Noten Armee sich zur Flucht wandte, war Galizien den neuerlichen Schrecken einer Invasion ausgesetzt. Die dadurch verursachten materiellen Schäden sind sehr schwer. In der Untgefeilng v on Tarnopol führen die Bolschewiken alles Vieh, Möbel, Werkzeuge und Kleider weg und stecken die Ernte und die Dörfer in Brand« Die Verfolgung des Feindes dauert an. Das oftgalizrsche Naphthagebiet außer Gefahr. Krakau, 26.- August. Nach Mitteilungen, die hier aus Lemberg von kompetenter militärischer Seite eingelangt sind, ist das ostgalizische Naphthagebiet, das die bolschewikischen- Truppen einzuschließen sich bemühten, seit dem Rückzug der Sowojetarmee ans Stryj nicht mehr .gefährdet. Die antijüdischenExzeffs i« Galizien. Krakau, 26. August. (Istvish Corr. Bur.) Wegen der andauernden Iudenexzesse in Galizien intervenierien die Abgeordneten Dr. Thvn und De. Hilf stein Hirn Generätdelegaten Galeekr, der versprochen hat, di« erforderlichen .Gegenmaßnahmen zu ergreifen.? Die Flucht der Rnffen auf deutsches Gebiet. - Berlin, 26. August. Wie das Wölfische Bureau aus Königsberg erfährt,- beträgt die Zahl der über die deutsche Aelchsgrenze „ übergetretenen Russen o0.000 bis 60.000 Mann. Seit gestern nachmittags kommen weitere drei Divisionen herüber, so daß nach vorsichtiger Schätzung sich die Zahl der Lbergetretenen Russen auf 70.000 bis 80.000 Mann erhöhen dürfte. England bricht die Beziehungen zu Rußland ab- Berlin, 26..August. Der Vertreter der „Deutschen Allgemeinen Zeitung - in Luzern erfährt, daß die englische Regierung di «Bezieh u n gen zu S o w j'et r uß l a n d abgebrochen habe. Rußland erklärt England den Krieg. London, 25. August. (Reuter.) .Pall Mall Gazette* erfährt aus autorisierter Quelle, daß die LNoskauer Regierung Kamenew die Weisung, London zu verlaffen, erteilt habe, noch bevor er das Schreiben Balsours erhalten hatte. Das Blatt fügt hinzu, im Verlaufe eines Privatgespräches hätten die Mitglieder der rusfWen Abordnung eingeräumt, daß ihre Abreise d er Erk l-ä rung des Kr rege s an England in der Form eines Angrifies auf . das britische Reich im fernen Osten gleichkomme. Nach Budapester Muster. Riga. 34. August. (Iewish Coro. Bur.) Der <ifadsmische Senat der Universität in Riga hat sich gegen« dLö.'Zulassung von „Ausländern" zur ImmNtrilulierung an den lettischen 'Hochschulen ausgesprochen.,, /Unter diesem Vorwand werden die jüd ischen S tuheit tc« vom Studium an der Universität in Riga a u-geschlossen. Die, Mische Presse kennzeichnet diele Maktikeu des akademischen Senats als die alte zaristische „Prozenlnvrm". - . . Italien will die Deziehnnge» zu Sowjetrußland anerkennen. Paris, 26. August. (Wolfs.) Nach einer Radio- Meldung hat die italienische Regierung auf die Note dts amerikanischen Staatssekretärs Colby geantwortet, daß die Beziehungen zur Sowjetregieruug wieder ausgenommen werden müßten, weil diese augenolicklich die stärkste Macht in Rußland darftelle. Die irische Revolution. London, 26. August. (Reuter.) Mehrere tausend Personen veranstalteten vor dem Gefängnis zu Brixton «ine Kundgebung für die sofortige Freilassung Oes Bürgermeisters von Cork. Die Polizei griff mit blanker Waffe ein, um die Manifestanten gn zerstreuen, wobei es einige Derwukdete gab. ' ' In Irland, wo bedeutende Truppenverstärkungen angekommen sein sollen, -mehren sich die Anschläge. In Belfast ist es im Laufe von Unruhen zu Zusammenstößen zwischen Polizei und den Manifestanten - gekommen. Die Truppen haben von der Waffe Gebrauch gemacht. Putschplüne in Ungarn« Karl soll zurütkkommen. B « - a p oft, 26. August. Zn btt heutigen Sitzung der Nationalversammlung verwies Honvedminister S r e t c t in Beantwortung der Interpellation E r e k r darauf, daß gewisse Kreise selbst vor PutfchPlLnen nicht zurückschrecken. So hätten mitte Inlr ungefähr SN Personen über die Zurnckb r i n g n n g des Königs Karl verhandelt und sogar bereits eine förmliche M r n i st s r l i/st e zusammrnqestellt Die Mitteilungen des ÄttuisLers riefe« große Erregung hervor, so daß sogar das Verlangen nach Abhaltung einer geheimen Sitzung gestellt wurde, doch erklärte der 'Präsident, daß nach den Ausführungen des Ministers zn einer solchen Sitzung keine Veranlassung sei MjBMsaaawMBMi Die englische Arbeiterschaft gegen Lloyd George. London, 26. August. (Wolfi) Das Aktionskomitee der englischen Arbeiterschaft hat nach Kenntnisnahme des Luzerner Communiques' Llohd George wissen lassen, daß das Komitee indem CommuniquS einen Schritt zum Kriege und einen reaktionären Akt erblicke. : Eine schwere Anklage des Senators Cox. New-Pork, 26. August. (Wolfi.) Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Washington soll Gouverneur Cor gegen die republikanische Partei die Anklage erhoben haben, sie habe bedeutende Summen zusammengebracht, um die Präsidentschastzukaufen. Die Lage in Mesopotamien. London, 26. August. (Junkspruch.) Infolge der Unruhen in Mesopotamien sind nach Mitteilungen von amtlicher Seite der britische Vertreter in Teheran, Sir Percy Cox, und Philby, der hervorragendste Kenner der arabischen Verhältnisse, nach Bagdad entsendef werden. Man hofft dadurch, di« Schwierigkeiten rasch erledigen zu können. Die beiden Abgesandten haben von der Regierung unbeschränkte Vollmacht erhalten. Es bleibt ihnen überlassen, den semerzeitigen Vorschlag, einen Staatsrat und eine allgemeine Kammer wählen zu lassen, öurchzuführen oder eine ausschließlich arabische Verwaltung unter britischer Leitung einzurichten. „Westminster Gazette" erklärt hiezu, es sei verwunderlich, daß die Araber in Mesopotamien sich auflehnen, während die Araber an der Grenze Palästinas Sir Herbert Samuel um Ausdehnung der britischen Verwaltung gegen Osten gebeten haben. Mach der Antwort Samuels tvürden einige britische Beamte in jene Gegenden gesendet werden, um die Amber die Selbstregierung Zu lehren sowie sie in der Verteidigung, Verwaltung, und in Handelsfragen zu unterweisen. Dieser'Vorgang sei am vernünftigsten, weil er die britische Verantwortung mindere und die politische Entwicklung der. Araber be- .schleunige/ V Die kleine Entente Prag, 26. August. (Korr.-Bur.) „Ceske Slovo" schreibt im Leitartikel, die sogenannte kleine Entente werde allmählich den Charakter einer Großmacht annehmen. Außerdem werden in Europa drei mächtige Blocks bestehen: Im Westen der englisch-französische, im ykorden der deutsche, und dann Rußland. Die kleine Entente müsse zu allen gute Beziehungen unterhalten, ohne unter den.ausschließlichen Einfluß eines derselben zu geraten. Die N e u t r a l i t ä t § e r k l ä r u n g im russisch-polnischen Krieg sei die logische Folge dieses StrebenZ. An der Anknüpfung wirtschaftlicher Beziehungen mit Sowjetrußland sei der Staat eminent interessiert. Die Entsendung einer Wirtschaftskommission nach Rußland sei daher unumgänglich notwendig. Abberufung Towers. , Kopenhagen, 28. August. (Teh-Komp.) »Daily News" schreiben, daß der englische Kommissär in Danzig Sir Reginald Tower abberufcn werden witd. (Tower hatte sich bei der französischen Regierung dadurch mißliebig geinachk. daß er die Ausladung von Kriegsmaterial im Danziger Hafen mit RüDsicht auf die Erregung unter der Arbeiterschaft hatte einstellen lassen. ' Nach einer Havas-Meldincg hat er inzwischen wieder Munition ansladen lassen.) Die französischen Kriegsgefangenen in Rußland. ''.'Paris, 26.''August.' (Fnnkspruch.) Ministerpräsident M i'l l e r n n d hat nach Moskau folgende Depesche gerichtet: „vi'n den Volksiommissür in Moskau! Ich nehme die von Ihnen au Herrn^Nans e n abgegebene Erklärung r.iir Kenntins, daß ©if' sich der Anregung der französischen Negierung, alte französischen Kriegsgefangenen gegen alle russischen.so bald als möglich ausZntanschen, anschließen. Die französischen '• Seebehördvn werden dchr letzten Russeutranspört aus Frankreich am 15. September utld aus Algerien am 20. September abfertigen. Daher müssen alle 'Franzosen bis Eride . Septeurber entweder an die finnische Grenze oder nach Odessa gebracht worden sein. Wenn am 1. Oktober noch ein einzig« Franzose gegen seinen Willen auf russischem Boden zurückgehalten wrrd^ werde ich mich gezwungen sehen, durch die fd.ttjW fische Flotte m Siidrußland jene Sicherstell,mgew zu verschaffen, die als unbedingt notwendig werden an*i gesehen werden.- „ Das westnngarische RegLernngskommissä«»«^ anfgehoben. 1 Budapest, 26. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Das! Amtsblatt meldet: Die Negienmg hat über Vorschlag! des Ministers des Innern beschlossen, das ans das feiet der Komitate Oedenburg, Eisenbicrg. Wieselburg i und Zala sowie ans die Stadt Oedenburg sich erstreckende westungarische Negierungsko»tiifsarioti aufznhe b e n. Gleichzeitig wird auch der westungarische Regierungskommissär" Graf Czreaky seines'! Amtes e n t h o b e n. Die Agenden der Obergespanschaft des Komitats Eisenbnrg nürd Graf Cziraky auch weiter^ hin versehen. — . . '' Das Prirgelgesetz iti Ungarn. Budapest, 26. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bnr^ - In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde? zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderungen^ des Vertrages der Ungarischen Fluß- - und Seeschiffahrts- Gesellschaft ohne Debatte im allgemeinen und in den Details angenommen. Sodann wurde die Verhandlung, des Gesetzentwurfes über den wirksameren strafrechtlichen S ch u tz d e s V e r m ö g e u s, der M v rä k! und der Person fortgesetzt. Die Abgeordnete«! H e n tz e r, O r b o k, und B e r n o I a f, sämtlich Am»! Hänger der Regierungspartei, erklären, die Varlage! abzulehnen, weil sie gegen die Einführung der! Prügelstrafe aus politischen, beziehungsweise juristischen! Gründen seien. Ebenso bekämpft der christlichnational«! Abgeordnete Gießwein die Vorlage. Abgeordneter^ R e ö k nimmt die Vorlage an. u . * Horthy-Urteile Budapest, 26. August. (II. T.-K.-B.) Die! Sekretärin des Volkskommissars Szanto, Charlotte! Fonyo, ist wegen Aufreizung, Aufruhrs und Er-! prefiung (?) zu. sechs Jahren Auchthaus verurteilt! worden. Stowenische Angriffe gegen Tnsar. Laibach, 26. August. (Tel.-Komp.) Unter dem! Titel: „Unstimmigkeiten in der tschechischen äußeren! Politik" veröffentlicht der „Slovenski Narod* einen! heftigen Angriff gegen den tschechischen Minister-! Präsidenten Tusar, dem er vorwirst, er habe Mangel an polüischem Takt gezeigt, als er zur Zeit, da der Außenminister Dr.Benefch in Belgrad weilte, Potiorose bestlchts und hernach in Venedig mit dem italienischen Außenminister Grafen Sforza eitte Zusammenkunft hatte. Tusar sei daraufhin, nicht wie vorgesehen war, über Laibach, sondern über Pontafel und Villach nach Prag gefahren. Das slowenische Blatt ^erklärt, Tusar falle den neuen Verbündeten der Tschechen, den Jugo-! slawen in der A d ria sr ag e in d e n Rü cke tt,, man müsse an die Zweischneidigkrit der tschechischen Politik glauben. __ Politischer Beamtenstreik in Karpatho« Rußland. Prag, 26. August. Im karpatho-russischen Ge-j biet, das vor einiger Zeit von den Rumänen geräumt wurde, haben alle Beamten mit Ausnahme von dreien den Treueid für die t s ch e ch o - s l o w a k ische Republik verweigert. Es ist dadurch ein, Stillstand in der öffentlichen Verwaltung «in? getreten. _ Keine Bewaffnung der oberfchleftsche« Gewerkschaften. Breslan, 26. August. (Wolfs.) Im Oberpräsidiurrk fand heute in Gegenwart des preußischen Ministers deßs Innern Severing, des Staatssekretärs im Staats-j Ministerium des Innern Lewald und eines Vertreters, des Auswärtigen Amtes eine Besprechung mit verschie-j denen Vertretern der freien und der christliche Gewerkschaften Oberschlesiens statt. Minister Se vering legte in Uebereinstimmnug mit den Vertreten der Reichsregie^lmg dar, daß vor' irgendeiner gewcüt samen Aktion der deutschen Bevölkerung in Obeffchlesie nicht dringend genug gewarnt werden könne. Dem'hier! und dort austretenden Verlangen der obcrschlesischen Be völkerung nach Bewaffnung könne von seiten der^Re gierung unter keinen Umständen entsprochen werden. Di fltegierung werde sich auch weiterhin streng an denFriedens vertrag von Versailles halten und mit größtenr Nach druck die Wiederherstellung der gesetzlichen Znstände in^ Oberschlesien durch die Entente fordern. Das Frauenstimmrecht in den Vereinigten Staaten. , New-Aork, 26. August. Nachdem die gesetzgebend« Körperschaft des Staates Tennessee die bereits pW amerikanischen Kongreß angenonnnene Gesetzesvorlage,- betreffend die Einführung de s F t a u t n ft i m * r e chte 8,’ ratisizrertchat. wird die Vorlage züm G e.s e tz'!' Die Zustimmung van 36 Städten war erfordeffich-nndj' Tennessee ist der sechsundreißigste.

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