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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-22 · Heft 569 (22.8.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 569 (22.8.1920)
Date
1920-08-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr. 569 WM,SonnLag> . . .. Zv,ixd dem Judentum, den- Muttin ^weit .grqß^K^ Merk heranzutretsn, welches mömentüüe politisch^ Situation VÄe Judenheit verlangt: an / die -Veranstaltung -eittfc^! alljgemctucit jüdischen Weltkongresse«. . Das war ^auch-der.Sinn -^r Worte, mit denen So ko low am Ende der ÄPnfevenxmptcr tzvoßem Beifall seine Ansprache schloß. . - - r- Der Prozeß gegen die Mörder LiszäO-/^- Püdaprst, : 21'. August. (Usttz. Del.-Ko^r/-Hur.> D^ilitäranwa!t LiitpmericzkW protestiert"gegen^as Hyrgehen des der Friedrich-GrupP«..airgeh örigeu Abgeordneten t.iy KativNLlversammluug D.in-i-ch^per ieiner Zeitungsmechung zu/p^ge cheinr, chrinisterpLSii-M^n gegen das angeblich parteiisch.? Vorgehen-des Militärgericht e s im PrMß Beschwerde gessthrt habe, und erklärt, daß die Militarstaatsanwaltschaft gegen den AhgeordKeten veiM wmpetentLN Gerichtshof ßsie notwendigen Schritte unternehmen^ 'werde. -? i Dr. Török weist namens der Verteidigung.-die Dtzschuldigung, daß das Militärgericht parteiisch vargehe, Zurück.; . Hierauf wird das Zeugenverhör fortgesetzt..DbrrstilLutnant Ladislaus Makraü-gibt 'an, er habe- 'beim jGrflfen Manfred Colloredo Akten, gesehen, in' denen Arier anderLm däüM 8ie'"ZMö'fcte Mitglieder Des Soldatenrates i von Ft ied rich >BelÄhnUNgen Orhalten haben. - " -'u ■*■•'/• r yrrt":.;- j- Hauptmann Elemer N o wa k - sagt aus,'- er habe ^seinerzeit eine Mrsott, welche Wlgschristen NM BudN Hest schmuggeln wollte, verhaftet. Unter Liesen-Mug^ Hhristen befanden sich auch Angri ffe? gegen Hried- Mch im Zusammenhang Mit ' der Ermardung-'Tiszas.!/ Leutnant Elemer Jeszensz.ky" gibt än/ sr Habe j&tt Dezem.ber 1918 gelegentlich/ einer Eisenbastlifahrt An Gespräch von Matrosen angehört,,wonach Fr,re d- Lrch in. einep'.1 D'KiürA/W'-HaMWtMs erklärte,.es Müsse endlich z u" Talen ge sch riLien werden. Erp' Mitglied dH Soldaw.nrates' habe darauf geritsen, -daß Man Äszr^t'si'.L'e.^ iMsei' Hr/der /fi^" daran^schlietzensdsen Debatte,, wer die Tat ausssthrest solle, Hütte F x,i c dkiäj gesagt, er habe bereits dazu einen .Mann, '.'Zptge ha^e.übet/den Bürsall seinerzeit" seine Anzeige, erstattet,/ Werl er, glaubte, daß die Leute,nür. aus Nuhörrediigkeih fps. sprachen. . .’/ ' '/; / ' ’ " Z'//^ ///’ i; IDer wegen wUmunistischei-^Uchtriehe M,?ssndliche Zeuge Julius- Far^agv,s. ehemaliger''Hnge- Allier der.FriedM)scheu Fabrik, ,gibt^n„daß/Frued-- «!ich im August oder in; .Sep^nch2N,>lW^U/^iner Gegenwart mit Bezug auf.Tisza gesagt-Haber/ „Fftchet KK denn AemLNd^d.eAh.iE'HKAPrW^ Hch.-mü^d^M>^Er.Kgt-Mähn^Mß^H!ed-. der - Chefredakteur ^iuch /HÄ:aMgsberr;M. -Mceli^ MdLLalen Blattes „A Nap" war.. . >.-.. *•'. 7 •/, ft Berbandlungsleiler M ondacka erklsirtr..;D.-ie s MhSri -n icht hie-.her.".Friedrich fungiert-'hirp/nicht -W Angeklagter, diese Sache gehört vor das chüLMliche Gericht. Zeuge Stephan M ihal y, der sich,gleichfalls wegen Hmmunistischer Umtriebe^in Haft befindet. -gibt an/ in der Friedrichschen Fabrik angestellt gewesen zu'.sein. Im Laufe eines politischen Gesprächsdas er?, kurze Zeit nach dem Lekaischen Attentat auf Tisza -mrt> Friedrich hatte, habe ihm F r i e d r i ch v o r g e s ch l a g e n, x x m ö g e e i n e k l e i n e G e f? l l s ch a f t a n w e r h e n, die mit Tisza ein Ende mache. .- ....—... Das polnische Judentum im Abgründ. V. Don Israel Zangwill. ' 1‘ <'j''- Heber Jakob FingermannK. Roman -- vl ^Menschen im .Abg-p.uy.p", J:ton ' dessen Besprechung wir, oa her.-.. Autor .unserem Redaktionsverband angehöpt, abgesehen haben, schreibt Jfxae! a n gr-r,f* {biII im Londoner Tagblato „Di^Zeit"?.-«i . : (..The Jewrsh Times") urt^r derstoben . - ' angegebenen Titel einen längeren' Auf¬ 's." sah,, dem wir nachstehendes entnehmen: Einem geschenkten Gaul soll man nicht ins Maul Men, und da Jakob Fing ex manns neuer Äöman ■$k enschen im Abgrund" (Verlag R. Löwih^ Wien ynd Berlin) dem Schreiber dieser Zeilen gewidmet ist, hrnn dies als Anlaß betrachtet werden, nicht zu -skrititzhren. Aber ebenso wie her junge Autor gerade, darauf Gewicht legt, meine vor der OeffeEchkeit abgegebene Meinung zu hören, ebenso kann ich nicht davon amteten, sie ihm zu sagen. In Wirklichkeit ist auch das,.was er gpthüllt hat, überaus ernst und drängt, nach tagheller Heleuchtung. // W Herr Fingerinann mir mitteilte, was Mr ein Wpch.er schreibe — die/Tragödie, des polnischen Fuden-' itmn^ während des Krieges — da war ich natürlich auf Schilderungen von Mafsenaustreibungen vorbereitet, auf antisemitische Verfolgungen. Pogrome und Nadelstiche,. Wirtschaftlichen Boykott. Beschuldigung der Preistreiberei -pyd des Perrates von seiten aller Jnvasionsaxmeen. Zumindest halte boxt infolge unserer Blockade meiner. Vorstellung nach Hunger herrschen müssen. Aber dgs Degenteil traf ein: Wenn auch die Armen noch ärmer sind als Überall, so steigt uns. doch der. Geruch von gehrcsttzpen Mnsen und frischgebackenen weißen Brötchen in die s>r-se, der SamoMr singt, der Champagner perlt und Tanzmusik gibt wiegenden, schwebenden Rhythmus. Die alten Cbassidim bangen rächt inu ihre Bärte und'sind von iunenet ^corgenAruxung Hosrat Mdrykg --Leiter des Presseamtes. Wie die.. PolitlfHe ^,^okMMüd'eu^ erlahit, ist mit. der' Leitung deS Piesscamtrs ^üm/'SHatsMU: für.Aeußer^S für ^d:e Dauer der -Beurlaubung, des... Mttzrp^Meu.-Leilrrs Otto Pohl der bisherige. Stellyerch'ster /Höstnt/Eduard Ludwig' betraut worden. Pohl üEEvsLatt Mtzereist. Die Politische Korrespondenz meldet: Die^ auf Grund der Kopenhac/ener Berhandlnngen^ ausgestellte Repatriierungskomnnsjion sm die österreichischen Kriegsgefangenen in Liußland h at d ie A u s r e i s e nach ihrem Bestimmungsort angetreten. Der^ mit Beschluß des Kabinettsrates ernannte Chef der Mission, der bisherige Leiter des. Presseamtes im. Staatsamt für Äeußeres, Otto Pohl, reist heute früh über Reval nach Moskau ab. In seiner Begleitung befinden sich der der Mission-beigegebene' Arzt Dozent Dr. Martin Pappenheim und dessen -Gattin, die gleichfalls Arzt ist. _ . .. . . Der ungarische Einbruch irr PreLenkirchen. V. , Wie dielPolitische Korr?spouder.z erfährt.;st au die österreichische-.Gesandtschaft in Budapest dev Auftrag ergingen, wegen.' des Vorfalles von P r.e l l e n l i r ch e n die entsprechenden Schritte bei der ungarischen. Regierung zu.uu‘cntrfi;nc;t. ■ "r;:" TelegMMML. Die Berhandlungerr rn Mirrsl. Mosk-tU, 21. August. (Funkspruch.) - --Friedkns-.' 'Verhandlungen in Minsk, zweiter VerhLlrdlungstag.' Am.' 19. August .fand die z wer t c Sitz u n g - der -Vor- - friedenskonfernz von Minsk statt. Der Vorsitzende der polnischen Fri^dertsabordnung. verlas, ein? Erklärung,.^ wonach die polnische Abordnung nach.Minsk gekonunen sei, umdie Wafsenstillstalchs- und VorftteÄLttsbedin-, gnngen fcstzusetzen. P o l e u H a b e den K r i e g n ich t - grwün scht. Polen.chabe ein GOi<!L> befetzt, .das einst' ihm /gehörte, jedoch nicht, um es s ich ernz uverl«! ib e n, sondern nur im Nmnen des. Wchicksals der panischen RepubE. Nach der Besetzung Wilnas' hrL? Marschall Pilsudski sogleich an die Bevölkerung einen Aufruf erlassen mtt. der Aufsoröerüng, ihr Schicksal selbst.^ zu.hestiminen. D ü n abür g -und. andere Stcwte wurden detn li-amscheu^SLaat überlassen. 'Rußland dagegen sei stets bestrebt, in Polen'SdwjLLs' ei, n z,u füch-r Ln.^ Dw ^Mlsch^u FriedenMedmgmrgen, . dK'Mr/MbeWMMg. ge'Äiger^jveM -seien, utt Sinne der /vollständigen .Ünähhängig'eic ^'Po.ens .und des Nichteingreisens Rußlands in.muerpsli ische 'Angelegenheiten. ausgestellt.' Bisher kein Erfolg der Verhandlungen. LouÄou, 21. August. (Funkspruch.) Nach War-- , s ch a.ü e r M c l d u n g e n wurde bei den M i n s k e r Verhandlungen bisher noch nichts erzielt. Polnische Erfolge. Posen, 21. August. (Funkspruch.) Frontbericht vom 20. August: Unser Gegenangriff in Pommern fiihrfe zur Wiedergewinnung von Brodnica und Nowomiasto. In den Kämpfen bei Brodnica verlor der keinen Gefahren bedroht. In ihren fettigen, abgeschabten Kaftan gehüllt, sitzen sie nächtelang vertieft in ihre mystischen Bücher, auf deren Blätter leise das Wachs ihrer Lichter tropft, und lernen auf Kosten eines reicheren Chassids. Sie finden durch seine Güte ein Festmahl aus Wurst,' Eiern und Branntwein. Bei einer Hochzeftsfeier sitzt die Braut mit den Brautführerinnen weiß gekleidet (der Bräutigam läßt nach dem Brauch in Polen seine Anwesenheit nur erraten). Die Musikanten spielen lärmende Weisen, der Marschalik läßt fröhliche Reime hören. Reiche Ehemänner und Väter kaufen blitzendes Geschnleiöe für ihre Frauen und Töchter. An der Börse und in den Kaffees wird rührig spekuliert. In den Theatern'schmücken schöne Damen in duftigen Toiletten die Logen; bei den Kartentischen wird eifrig gespielt und Häufen Rubel gehen von Hand zu Hand. Und doch ist die ganze Geschichte eine fast ünfaßbare Tragödie seelischer Degeneration. Es ist die Geschichte eines Volkes im Abgrund. Der Verfasser hat eine Situatiyn von ungewöhnlicher Schärfe geschaffen. Er hat zum Schauplatz Lublin gewählt, eine polnische Stadt, über die der Krieg faktisch nie hingezogen ist, obwohl dort Regimenter für die Front formiert wurden. Aber obwohl Lublin unberiihrt und ruhig die kleine lebend-tote Provinzstadt bleibt, welcher bloß ihre Juden Bewegung geben,, streckt doch der unendliche Krieg taufend Arme aus, um alles, wes dort an Ordnung und Sitte herrscht, zu erwürgen. Vom Zweck des Krieges hören wir kein Wort; In dem Buche ' herrscht nicht die zauberische Rhetorik: mit' welcher die Seele des Engländers den Krieg umhüllt hat. Und doch gibt es keine überzeugendere Anklage gegen den Krieg als die, welche unbewußt aus dem zarten und zugleich brutalen Büche tönt. Wohl fliegt kein Aeroplan über Lublin und doch sputen wir die nervöse Furcht davor, daß die Sicherhett bald enden wird, trotz all der satten Zufriedenheit, die dort herrscht. Schwindel und Aus-' gelasienheit überall. Da haben wir die traurigen Ergebnisse dos'"Krieges ohne die erlösende Heldenhaftigkeit. •w£, xiuyufi; iÄu oe|tt'0; Feind 400 Tote. A ch t. D c u i j ch e„ die sich mu ÄamH lauf seüerrMk'.'BölsDMken"'b'eteiligt''tzü!tiens"ümtden-er« schossen. . : - Im Gebiet, von P l o : k-haben wir nach Vsldrän-'' gunll des - Feindes aus der Studt die Linie ,St r:v- »i zewü—Trzepowo erreicht. Gefangene und st Ma« - schinengewehre; wurden . eingebracht.-.- -Die ZivilbevLU^ rung hatte mit außerordentlicher Aufopferungunb Heldenmut an den Kämpfen teilgenommen und betracht.. 'liche Mrlnste/Etten. Nach dem Rückzug der Bülfche- - wijken -wurden, barbarische Mißhandlungen/- der-.Bevölkerung und der Gefangenen.festgestellt/ unter anderem.-. - sind.als . Opfer vier Krankenschlvestern gefallen ■ /. Im Abschnitt C ie ch a.n o w habeir unsere .Mtmluy-i gen eine Reihe ernster Erfolge davongetragen. Die Stadt'. Ciechanow, die vor einigen Tagen von urrs verlassen, werden mußte, wurde wieder genommen. Die Läge des Gegners zwischen der Weichsel und -^er deutschen Grenze wird dadaurch immer kritischer. Der Feind geht, in Urwrdnung Richtung Ostrow zurück , und wird von i, uns Verfolgs. '' Im Zentrum der Front entwickelt. sich unser sieg, reicher Angriff ausgezeichnet. Am 19. d. M.10 llhr imchts. sind Abteilungmr unserer -dritten Legionendttüsion in D r e st - L i t o w s k emgerückt,' die Ostwerke sintz^ bereits von uns besetzt., In Drogitschin wurden der.' Stäb der 1.7. Division und Teile des Stabes der ■$: und /! 27. Division gesängengenommen. Die Gefangenenaiizahl.^ /ist" auf 18.W '.gesttztzew Im'-Abschnitt Grubieszow halten - unsere Abteilungen den Andrang -des aktiv Ärgtzbenden1 Feindes zurück, der Belzesc zu besetzen trachtet. . ' An der Südfront, bei L e m b e r g, wurde der Feind /wiederholt schwer'gesMagen. Bei K n l i k o w haben Ab».- -teilüngen des ObetsteN Rümnrel' in glänzendem^ Aiißrifs/ i einige «feindliche Eskadronen vernichtet. Bei Pikulowic«^ (wurden mit'geschicktem Nachtmanöver größere Ahteilün./' lgeMudyemfis rimAngelt und zur Uebergabe gSztoringen.; Megen UeMgang des' Feindes über den' Dujesir' bei? .^Mikulajew sind Gegenaktionen im Gange. V y, * | Moskaver Frontbericht. - ' i Moskau, 21. August. (Fimkspruch.) FronkdenchU dom 20./August:/Im Gebiet von Plonsk dauern hart<!üackK Kämpfe' (an. ' In der Richtung W ^r s ch ä tt,; flämpfeu wir westlich der Linie Wyschkow—-Staniflrwow/. (Bei Bte.st-Litowsk Kämpfe am Westufer deZ BugH'!Im Gebiet von Grubieszow schreitet unser Dormarsc^.. (fort,. Zamo.se wurde besetzt. Knatzp östlich . Ppn..r; Lemberg wird gekämpft. 300 Gefangene und 20 Geschützes wurden eingebracht. Im Tarnopoler Bezirk schreitet',' .-der/Pornrarsch nach Ueberschreiten der Strypa erfolg-'/ (reiöh vorwärts. Im Krimabschnitt Kmnpfe im. .Gedieh' -von Orfechow. Wafiljew wurde besetzt. , MitzhaydlZrnq eines gefangene« russischen - : Sowjetkommiffars. '- .1 Rotterdam, 21. August. (Tel.-Komp.) Du Soudcc' iberrchterstatter drS „Nreuwe Rotterdamsche Courant" in Warschaus /berichtet, daß die Meldungen von der Front dauetud gstnstrger > werden. Nowo-Minsk ist heute von den Pole« wieder/ Norbert worden. Unter de» zahlreichen Gefangenen befindet M auch ein Kommissar der Sowjetregiemng. rin sehr junger Manu. •? Ec erklärte, es sei nicht wahr, daß er SowietkommissZr wäre// Die Bevolkerang bezrichuete ihn jedoch als solchen und die bei ihm gefundenen Paviere bestätigen diese Behauptuüg. Die to"tvr- / den Polen haben ihwdieHäudegebuuden uud ih v mißhandelt. Der moralischen Pest, welche von den wetten Schlachte feldern herhaucht, können die Juden nicht entrinnend" zum Teil infolge der ihnen innewohnenden Assimp- , lationsföhigkeit, hauptsächlich jedoch infolge der besonderen Behandlung, der sie unterworfen sind. Eben hier zeigt sich die Verfolgung des polnischen- Judentums — die mehr negattv ist als positiv, — dis Weigerung, ihnen auch nur . die geringsten Lebensbedingungen zu gewähren, lind wie / Shylocks Wort: „Ihr nehmet mir das Lehen,, wenn ihr mir die Mittel zum Leben nehmet" Mhr ift^ so bedeutet dies tatsächlich eine Ausrottung des polni-, fchen Judentums. Wenn man ihr auch fiir Geld ent-, rinnen konnte, bleibt doch noch.-immer;, die nroralische- Vernichtung. Es gibt Falle, wo die Reichen m ihrem ' kleinlichen Geiz und ihrer-Niedrigkeit ihre eigenen- Frauen und Töchter zur. Erlangung von. Handelskon- Zessionen in die Kre'rskominanden schicken; aber in. den -, meisten Fällen handelt es sich um eine Frage dringender. Not, wie sie FsO«g, der weltmännische Jude des BucheS. kennzeichnet. Es wirkt selbstverständlich, daß ei» -weiter Jude in dem Buche sagt, daß die alten Grundlagen deS füdi-. fchen Lebens untergraben werden; denn wie kann das Judentums ohne die Reinheit der Familie Bestand habenst Um'nochmals Shylock zu zitieren: „Ihr nehmet mir mein; Haus weg.' wenn ihr' den Stützpfeiler wegnehmet, auf; welchem es ruht!" .? /: Eine nach der anderen fallen die. Personen der-.. Geschichte rn den Abgrund, an dessen Rand sie sich he- / wegen. Und dieses ganze zerstörte und verzerrte Leben^ findet seine unvermeidliche Nemesis — die Lichter verlöschen, die Musik erstirbt . . . Lublin, das vom Schicksal verschont wurde, Schlachtfeld zu sein, ist am Ende mti? Leichen bedeckt. ./ Indiesem furchihar erregenden Buche gibt es; Charaktere, welche in der Gheüoltteratur neu sind. Fingernranns Stärke liegt weniger in der Charakter, schilderung als in der Beschreibung. Die Lebendigkeit -

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