Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 564 (17.8.1920)
- Date
- 1920-08-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Leite 4 Wien, D'ienskaq Wiener Morgeuzeitung > ■» >l> ■ "■ *.^■'n?nrt7 nr^wnir'rrigir fTifr^gi 17. August 1920 ' -i ,mi mm i. ■■ M i ' > >>->»> ■■■ Nr. 564 Ein ttKlienischer Botschaftex nych Moskau. London, 16: August. (Tel.-Komp.) „New Dork Gerald'" berichtet, daß die italienische Regierung die Ernennung des Signore della Torretta als Botschafter in M.o s k a u bekanntgegebeir habe. Della Torretta war ^hon'wahrend des Krieges italienischer Geschäftsträger m Rußland.? Dela Kun in Mosknu. ' -Moskau, 16. August. (Funkspruch.) . Bela Kun ist in. Moskau eingetroffen. Er wurde im Bahnhof von Vertretern der kommunistischen Partei, des Sowjet- Präsidiums, der- Gewerkschaften und des Roten Heeres begrüßt. P o l i d o r o w vom -Zentralkomitee erinnerte m seiner Ansprache an die Mitwirkung Bela Kuns bei den Kämpfen während der Oktoberrevolution in Moskau. Der Budapester Pogrom. Heute Beginn der Standrechtsperhandlung. " Budapest, 16. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Morgen beginnt die Standrechtsoerhandlung wegen der blutigen Ereignisse vor dem Cafe Klub,. Pie Angeklagten werden der Mittäterschaft und der Anstiftung zum Morde beschuldigt. Gleichzeitig richtet sich die Anklage auch auf das Verbrechen des Aufruhrs, weil die Staatsanwaltschaft die sich wiederholenden organisierten Ungriffe gegen einzelne Schichten der bürgerlichen Gesellschaft als Aufruhr qualifiziert. Der Prozeß gegen die ungarischen Bolksbeaufträgteu. > Budapest/ 16. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Am heutigen Verhandlungstag.im Prozeß gegen die ehemaligen Volk s beauftra g.ten wurde der in Hast befindliche Ignaz.Bogar verhört, der während der Proletütterd'iktatur' Mitglied des Fünfer-Direktoriums der Hauptstadt und Bürgermeifterstellvertreter war. Oberstaatsanwalt Aczel erklärt, daß Bogar wahrend der.Proletarierdiktatur 15 Million en'de* fr au d i er t habe. Sodann werden mehrere Zeugen verhörck, die über Ke Schäden berichten, die die Banken während der Diktcftnr erlitten haben. . Die Einwanderung in Palästina. > Soiiftm, 15. August. (Jetvish Corr. Bur.) Mit Rücksicht auf die Freigabe der Einwanderung in Palästina werden Vorbereitungen getroffen, um den jüdischen Emigrationsstrom aus Ostrmd Zentraleuropa nach Palästina zu dirigieren. Die Hauptarbeit in dieser Richtung soll m Prag, Wien und. Konstantins p el konzentriert werden. Im Zusammenhang mit diesem Plan soll S. L a n d-yr a n n, „Sekretär der Zionistischen Organisation, in kurzem die genannten Städte besuchchr," inn die Errichtung der erforderlichen Emigrations- . Lster zu beaufsichtigen. . . .. . r Mesopotamien. Lo«do«, 16. August. .(Reuter.) Nach einer Mitteilung des Amtes M Indien sind die ersten Schritte unternommen worden, am gemäß den Bestimmungen des Mandats eine Versammlung von Vertretern der Bevölkerung Mesopotamiens «ach Bagdad ewzuberufen, die das Wahlgesetz sür die National-! Versammlung äusarbeiten soll. Die Nationalversammlung wird dmm im Einvemrhmm mit den englischen Verwaltungsbehörden daS Grundgesetz des Landes auszuarbeiten haben. Bolschewismus in Perfien. Ztehera«, 16. .August. (Havas.) Bolschewikische Kreise in Tiflis melden dm Sturz der Regierung K utschukKhans durch die Bolschewiken. Diese bemächtigten sich 'der Stadt E n s e k r 'und' errichteten dort rin revolutionäres Komitee, das .den Kampf gegen ddn*englischen Imperialismus erklärte. WeiterS stehm 8000 Mann bolschewikischer Truppen bei Artasaba an der armenischen Grenze. Ein deutscher Land rat im besetzte« Gebiet verhaftet. Düsseldorf, 16. August. (Wolff.) Der Landrat von Neuß, Freiherr von Lüninck, wurde am 13. August durch belgische Militärpolizei in seinem Bureau v e 'r h a f t e t, in Krefeld zwangsweise vorgeführt und nach dreistündiger Vernehmung in Untersuchungshaft genommen, aus der er am Samstag morgens^ gegen Stellung von Kaution entlasten wurde. Der Grund der Verhaftung ist darin zu suchen, daß Freiherr von Lüninck Anordnungen der militärischen Stellen tn mehreren Fällen, die sich nicht im Sinne der Bestimmungen des Rheinlandabkommens und der Komniission hielten, nicht sofort ausgeführt, sondern zuerst Aufklärungen und Erläuterungen erbeten hatte. Keine Bedingungen zugunsten Deutschlands. Pkcrs, Iß. August. Iu einer a i die „Hun-anitä" gericl/iten Crkläru ig, die de: Londoner Korrespondent des BÄttrs von Käme new erhielte -tritt der Präsident der - russischen Mi'ffon den französischen Blättermeldungen. entgegen, da/, die Son'jetrsgierung beabsichsichtige, -bei den Fri?d<".rSverhandlungen mit Polen V e. d i n g n n g'e u zug u nsten D e u t s ch l a n d s .zu stellen.--Di" Erklärung bo'agt: 1. Die.Sowjetregiernng. habe weder mit Deutschland noch mit anderen Staaten eine Vereinbarung getroffen, die direkt oder indirekt gegen Polen gerichtet wäre; 2. die den Polen gestellten Bedingungen enthalten nichts über die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen oder über die Grenzen eine Kundgebung der ■ F< Arbeiter Graz, 16. August. (Korr.-Bur.) Heute fand, hier die angekündigte Demonstration der Arbeiterschaft von Graz und Umgebung gegen reaktionäre Umtriebe statt. Von 4 Uhr nachmittags an ruhte die Arbeit; die Geschäftslokale waren, gesperrt. Die Arbeiter marschierten in geschlossenem Zuge von den einzelnen Betrieben zum Freiheitsplatz, wo um 6 Uhr eine Massenversammlung abgehalten wurde. Landeshauptmannftellvertreter Pongratz begrüßte die nach Tausenden zählende Menge mit einer kurzen Ansprache, worauf Landesrat Machold den Zweck des Aufmarsches der Arbeiterschaft darlegte. Er betonte, die Arbeiterschaft bringe ihren unumstößlichen Willen zutn Ausdruck, daß sie bereit sei, mit allen, selbst mit den äußersten Mitteln, die Republik und ihre blutig erkämpfte Freiheit zu verteidigen sowie alle geheimen ■ und offenen Pläne der Reaktion zunichte zu machen und zu verhindern. , >....... ■ Redrrer wandte sich gegen die Hesimwehren, deren Förderer und Kommandanten Vielzuviel Verbmdmtgen mit dem Regime ht Ungarn hätten. Redner unterbreitete sodann eine Entschließung, welche entschiedenes Einschreiten gegen alle Persönlichkeiten verlangtdie sich an reaktionären, gegen den Bestand der Republik oder ihrer freiheitlichen Ei nr ich tim gen gerichteten Bestrebungen beteiligen, namentlich die Entfernung aller Beamten, die den Reaktionären Vorschub leisten, sowie aller Offiziere, die den Aufbau der Wehrmacht sabotieren, und schließlich die Auflösung des südsteirijchcn Bauernkommandos sowie der Heimwehreu un^ deren Ersetzung durch bloß dem öffentlichen Sicherheitsdienst dienende.- Ortswehren fordert, die im Einvernehmen mit alten Gemeindeeinwohneru zu Hilden seien. / ■ Die Versammelten erklären, daß sie gewillt sind, bei ZUchterfüllung ihrer Forderungen die äußersten Konsequenzen zu ziehen,und fordern schließlich, daß die'Landtagswahlen zugleich mit den Wahlen in die Nationalversammlung stattfinden. Mit der einstimmigen Annahme der Entschließung wurde die Dersammlung geschlossen, worauf sich die sozialdemokratischen Teilnehmer zu einem Zuge formierten, der seinen Weg durch die Stadt nach dem Lendplatz nahm, wo. er. sich in voller Ordnung auflöste. * ... Die kommunistischen Teilnehmer, blieben jedoch aus! den: Bersammlungsplatz zurück, wo die kommunistischen Führer Mare sch und Wertheimer Ansprache» hielten, in denen sie für die Aufnahme der Beziehungen mit Sowjetrußland/ für die Organisierung der Arbeiterschaft auf der Grundlage der Dritten Internationale und für die Bewaffnung des ^Proletariats eintraten. Sodann bewegten sich die Teilnehmer unter Vorantragung von Tafeln mit Aufschriften, die dem Gedankengange dieser Reden entsprachen, in geschloffenem Zuge nach dem 'Griesplatz, wo die Kundgebung nach' abermaligen Ansprachen ohne 'Störung ihr Ende erreichte, dieser beiden Länder; 3. die Sowsetregierung weise jeden Gedanken zurück, daß der Sieg über die polnischen Imperialisten der Stärkung des Militarismus, in Deutschland oder in irgendeinem anderen Staate dienen solle. : , Horthh rückt ein. Prag» 16. August. (Tschecho-siow. ' Preßbur?. Ans Ungvar wnd gemeldet: Nach Gerüchten, die iu Beregizasz verbreitet wurden, erwartete man dort am 15. d. M. den Einzug berHorthh-Truppen. Wahrscheinlich unter dem Eindrücke dieser Gerüchte, veranstaltete gestern die chrisilichsoziale Partei in der römisch-katholischen Kirche von Beregszasz eine Feier, an der sich die Einwohner sehr zahlreich beteiligten. Die Bevölkerung verhielt sich gegenüber der tschechischen Beamtenschaft sehr provokativ.' In der Nachbargememde Mako S-J a n o s i wurden am Vormittag Flugblätter hochverräterischen Inhalts verbreitet. Die dortige ' Gendarmeriestation war genötigt, die Gemeinde z» verkästen, da die Einwohnerschaft eine drohende Halwng rinnahm. Es wurden 15 Soldaten und 5 Gendarmen nach Makos-Janosi entsendet, denen es gelang, die Ordnung in der Gemeinde wiederherzustellen. Heute herrscht in beiden Gemeinden Ruhe. In Beregszasz wird heute eine Abteilung von 300 Mann emtreffen. Ein englisch-französisches Geschwader iu den russischen Gewässer«. Berlin, 16. August. (Tek.-Kompi) Ein englisches G es chwaber, bestehend ans vier Kreuzern und sechs Torpedobooten, erschien in den n o r d-r u s s i s ch en G'ew ä s s er n auf der Höhe von Kronstadt und Rarwe. Di« deutsche Hanbelsschiffahrt Lübeck—'Stettin—Finnland wurde bisher nicht behinderk. Auch Frankreich', bäs seine Position in der Ostsee erheblich auszubanen beabsichtigt, entsendet ein Geschwader, bestehend aus einem Kreuzer .und vier Torpedobooten,,in die Gegend von Memel. _ Tagesbericht. - Ein Mädchenmord aus Eifersucht. Im 16. Bezirk hat gestern früh eine Bluttat, die aut offener Straße begangen worden ist, riesiges Aufsehen hervorgerufen und beinahe zu einem Lyirchgericht an dem Mörder geführt. Ein junger Mann hat aus Eifersucht ei» Mädchen erschossen und wurde, ehe er verhaftet wurde, von der entrüsteten Menge arg mißhandelt. Wir erfahren darüber folgende Einzelheiten: Beim Hause Thäsiastraße 123 hat gestern srüb der 25jährige Perussuntevofsizier Franz Red er der "23jährigen Manipulantin Johanna S ch u l t h e i ß tu der Absicht, sie zu töten, aufgelauert'. Ms er das Mädchen kommen sah, zog er eins« Revolver-hervor und gab auf die Entsetzte einen Schuß ab; die Uebersallene versuchte zu flüchten, doch Leder schoß ihr nach und traf'sie am Kopfe, so daß sie lieblos zu Boden stürzte. Man trug die Bewußtlose in den Lichthof eines Hauses, wo sich' Parteien ihrer annahmen. Indessen war die wütende BolkSmÄrge über den Täter hergefallen; sie mißhandelte den Mörder durch Hiebe, die hageldicht auf ihn .fielen. Er würde von den erbosten Leuten an die Auslage eines.Geschäftes gedrückt; dir Scheibe gwg in Trümmer und der Mann erlitt eine Schnittwunde am Kopfe, abgesehen von zahlreichen' kleineren Verletzungen. Unter riesigem Aufsehen wurde er dann festgeuoimnen, und die Sicherheitswache hatte Mühe, ihn vor weiteren Mißhmidlungen zu schützen. Di« Filiale der Rettungsgesellschaft entsendete einen Hilfszug auf dett Platz. Der Arzt fand das unglückliche Opfer der Bluttat schon tot. Reber wurde dem Militärgericht ejngeliefeck. Er hatte ' die Schultheis; tm Jänner dieses Jahres kennen gelernt. Er tncg miKtiBmtmmmtmmmmmmBummmmammmmmmumtuKmm! nv sich alsbald mit der ernsten Wsicht, das Mädchen zu heiraten, und scheint anfangs auch bei ihr Gefallen gefunden zu haben» Es ergaben sich aber im Verlaufe der Zeit kleinere Unstimmigkeiten; sie führten dazu, daß sie mr Mar die Verlobung aufhob. Leder konnte den. Verlust nicht verschmerzen und. suchte, was er nicht in Güte erreiche»! konnte, mit Gewalt chiederznerlcnrgen. Er machte briefliche Versuche, sie zu vo» wegen, die Beziehungen wieder aufzunehmen; doch die Schultheiß ließ feine Briese ohne Antwort.. Das hat seine Ste6e itt unbändigen Haß umgekehrt, dessen Ausfluß die gestrige Tch: war. Der Niunoni« clausus auf der Budapester Universität. Die Inskriptionen für das erste Semester des Schuljahres 1920/21 beginnen an der Budapester Universität in den nächsten Tagen. Das Rektorat teilt nün in einer Kundmachung mit, daß jeder Student sich, in Hinkunft in einem schriftlichen Gesuch um die Aufnahme bewerben muß. und daß nur derjenige inskribiert werden kann, Lessen Ausnahme gestattet worden ist. (Das heißt,'wer von den ^Erwachenden Ungarn" geprüft und für. gut befunden würbe.) Die Regierungspartei beschäftigte sich vor eiuigm Tagen mit diesem Gesetzentwurf und ein Mitglied der Partei, der frühere Rektor der Debrecziner Universität, Ferdinand ' Bernolak, beantragte, wenigstens den Prozentsatz festrustellr», der bei der Aufnahme der jüdischen Hörer maßgebend sein soll,' da sonst keln einziger Jude sich inskribieren lasim wirb. Der UnterrichiSminisier Stephan Haller erllarte, er könne auch diese K o n z e f s i o n nicht machen, denn er wolle auch sür da§ nächste Jahr, so wie e§ heuer der Fall war. die Erledigung der Frage, wer als Hörer ausgenommen werden soll, dem Proiesiorenkörper und der chrisilichnationalen Universitätsjugend. anvertrauen. Die Konferenz faßte den Beschluß, die Abstimmung über das Amendement Bernolaks freizugeben. Bersuche mit drahtloser Telephouie. Das deutsche Neichspostministerium hat schon ^seit längerer Zeit Versuche mit drahtloser Telephonie vornehmen lassen. Di« Nachrichten wurden von etwa 3v Empfangsstellen ausgenommen, die-der Lußlinie nach 30 bis 600 Kilometer vo» der Sendestclle entfernt lagen. Die Lautstärke war selbst an den entferntest gelegenen Orte«, wie in Friedrichshascn und Konstanz, befriedigend. Die Zghl. der Orte, die weniger als 50 v. H. des übermittelten Wörtlänts aufgenominen hatten, betrug vier, die, die weniger als 30 v. H, erhalten hatten, einen. Das angewandte Uebermittlungsverfahven, zunächst den ganzen Satz vorzulrsrn und dann die einzeli'en Worte — unter Buch^ stabierung der schwerer verstö'Michcn — zum Nachschrriben zu dittierm, bewährte sich. Zwischen Männer- und Frauenstimmev bestand, wenn es sich um einigennaßen geübte Personen handelte kein Unterschied. Im übrigen spielte neben den technischen Vorbedingungen, iibec die die Versuche wertdokke Ausschlüste brachten die individuelle Eignung der gebenden und anfnehmendeu Persoy eine noch erheblich größere Rolle als bei der Drahttelephouie Besonders klare und anpassungsfähige Aussprache ist ebenso notwendig wie Gewandtheit des Ausnehmenden. Daher werde» zu den weiteren Versuchen sprachtechnisch und im Ausnehmen er« sahrene und geübt: Personen herangezogrn werde». Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Versuche die erst>rd er sichen trchnrschen Grmrdlagen liefern werden, um bald auch dieseneue Rachrichtenmcktet m den Dienst der Allgemeinhei' stellen »rr können. Eine AuiverfilSt für Tesche«? »Gon. Krak? meldet: In politischen Teschenrr Kreisen be» steht der Plan, dir Umversitat von Wilna nach Teschen zu Vev legen. Wenn sich die Berhältniste nicht ändern, wird dieser Plar?.«m Herbst verwirklicht. Dann würde hier auch ein Lehrstuhl föi slawische Sprachen «üchU^ was große morolljche Lp deutuvg hätte.