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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-12 · Heft 559 (12.8.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 559 (12.8.1920)
Date
1920-08-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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x '«mnrr Men, Donnerstag " ■ ..- . --1—in M Die poale-zionistische Wettkonferenz. Die-Spalümg in der Poale-zionistischen Partei, welche Ergebnis dieser Konferenz zu erwarten war, ist früher eingetreten, als es nach den Verhandlungen der Ersten Tage den Anschein hatte. Inden langen Besprei'chungen und Debatten über den'Anschluß'an die DritteJnternationale waren sich die „Rechten" -und „Linken" darüber einig, daß der Anschluß zweck- Mäßig sei. Die „Linken", welche Oesterreich, die Tschecho.. (Slowakei, Rußland und zum Teile Polen vertreten, for- 'Serien jedoch den bedingungslosen Anschluß an die Dritte Internationale, während die „Rechte" (die Delegierten^ -aus -Amerika, Argentinien, England, Palästina) und ltzuch.. düs Verbandsbureau - aus - dem 'Standpunkt verharrten, daß der Är^chluß an die Dritte Internationale (für hie Poüle-Zion nur mit Vorbehalten, die aus ddr besonderen Situation des jüdischen Volkes und seines Proletariats sich ergeben, möglich sei. Wie weitgehend diese Vorbehalte sein müßten, dariiber herrschte durchaus kerne einheitliche Anschauung und e§' war daher umso schwerer, die beiden Flügel auf einer gemeinsamen Plattform. zu einigen. . ' -- 'Ms nun die „Linken" auf ihrem Antrag des bedingungslosen Anschlusses an die Dritte Internationale sieharrten und drohten, sofort ans dem Parteiverband auszutreten, wenn ihr Antrag, wie angesichts des 'Stimmenverhältnisses vorauszusehen war, mit knapper Majorität' abgelehnt würde, beschlossen die „Rechten", sich der Abstimmung zu enthalten, um nicht alle Möglichkeiten, die Einheit der Partei doch zu erhalten, zu verschütten. Dieses Bemühen zeitigte nun eine sonderbare Abstimmung, bei welcher sich es wurde nach dem den einzelnen -Ländern im MandätsauIfchuß zugesprochenen Stimmenschlüssel abgestimml —. 178 Stimmen für den bedingungslosen Anschluß an die Dritte Internationale ergaben, 1 Stimme (Kaplansky für die Verbandsleitung) dagegen , war und 179 Stimmen sich des Votums enthielten. Der Anschlütz an die Dritte Internationale wurde trotz ''dieses' Ergebnisses crls he schlossen erklärt. Daraufhin berließen d te „Ut echt en" d i e Ko nserenz. Nur,die Delegierten aus Polen, welche vermittelnd hatten ei'ngreifen wollen, verblieben auf der 'Konferenz. . ' Nunmehr tagt wieder eine „Rümpfkonferenz"^ welche die.Frage der. Arbeiteraut o n o mie diskutiert, übrigens ihre Tagungen bald schließen dürste. Der Zustand,. daß eine Gruppe von Delegierten, welche eine, wenn auch-knappe Majorität der auf der Konferenz be- * rechtsten Stimmen repräsentiert, den Verhandlungen fernbleibt,' ist natürlich unhaltbar. Hier noch die Möglich-' keit zu finden, die Einheit der Partei zu erhalten, ist 'anscheinend der Zweck von Verhandlungen, welche sich hinter'den Kulissen abspielen. Angesichttz der Tatsache, daß gerade für eine jüdisch-sozialistische Partei die. Frage des Anschlusses an die Dritte Internationale nicht einheitlich gelöst werden kann, daß ferner zwischen den beiden Hauptgxuppen außerdem noch tiefgehende Unterschiede in der Stellung zum Palästinaproblem und . zur zionistischen Organisation vorhanden sind, sind die.Aussichten auf die Erhaltung der Einheit in der Partei minimal. Es scheint auch, daß' die Bemühungen, eine Einigung zu erzielen, wenig Aussicht'auf Erfolg haben, da.die „Rechten" bereits eine gesonderte Tagung im 'Hotel „Bayrischer Hof" abhalten. So dürften bald zwei poale-zionistische Parteien gegründet werden. - - InlKRÄ. Wiener Morgeuzeittmg Mitteilungen aus dem Publikum. Amalie Arzt Moses Preiss Jaroslau ZIoczow empfehlen sich als Verlobte Wien, im August 1920. 3255 ZUR VERLOBUNG unseres Ehrenpräsidenten M. PREISS mit Frl. A. ARZT gratuliert herzlichst der Hum. Ges.-Verein „Amicus“ Holzhändler Verlobte. Wien, ll, im August 1920. »se» B ■' K$|| 1 AHT^Ü PERlENundJUWELEN kayfi teurer als Jeder « Vägö, Juwelier, I., Graben 96 ——!1I Adresse beachten II! - . H I RILL ANTEN, Perlen, gold, Silber, Platin und Uhren kauft zu Höchstpreisen Ttn-H-a«* Rotonturmstrasno 83 Msilahilferstr. 98 77i Täglich Gelogenheitskäufe. Original englische 780 Oummi u. impräg. für Herren und Damen Richard 8m WIEN, I. Rotenturmstr. 31 Telephonaufruf Z8169 Errichtung'einer Gesandtschaft in Wien ehestens offizielle Beziehungen aufzünetzmen. Zu diesem Zwecke hat die jugoslawische Regierung den Chef der bisherigen diplomatschen Repräsentation, Lega'tionsrat Dr. Miroslav Jan kovitsch, zu -ihrem Vertreter bei der Regierüng"in Wien bestimmt. Konskribierung der Reserveoffiziere. In den letzten Tugen haben die Reserveoffiziere der Armee der früheren Monarchie, die in Wien-leben, durch das PlatzaM — nennt fid} jetzt das frühere Platzkon)mand^—.-rekomnMdierte Zuschriftendes -nachstehendest-Inhalts/ erhalten:^ ,...-t * - . „Ester 'Hochwöhlgeboren wallen btnx. Platzamte, Wien, 1. B»'z., LMiggas.se 6 (Landwehr,! Ruhestandsgruppe), Zimmer Nr. 22, umgehend bekanntgeben, ob die im Gruirdbuchblatte vermerkte 'Heimatszuständigkeit nach einem der neuen Nationalstaaten buch' heute noch zu Recht besteht,'falls geändert, seit-wann und wohin. Sollten Ester' Hochwvhlgeboren die Heimatszuständigkeit'in einer Gemeinde Oesterreichs bereits erworbn haben, so ist eine Abschrift des Heimatscheines, Mesche gerichtlich' oder notariell beglaubigt sein muß, anher vorzulegen."-' . iL August IS«? «SsT'l Tiiri . 1lr - ..n-i Empfang der Bedingungen habe ich' die Note Franko. reicht und Italien zur Kenntnis gebracht. Wir haben der polnischen Regierung unsere ersten Eindrücke mitgeteilt. Ich halte es aber nicht für angebracht, darüber; hinaus weitere Bemerkungen zu machen, da dies bedeuten würde, daß wir der polnischen Regierung die- Verhandlungen aus der Hand nehmen. Ich bin aber der Meinung, daß eine neue Lage entstanden ist. Der türkische Friedensvertrag unterzeichnet. ■ London, 10. August. .Heute nachmittags wurde der türkische Friedcnsvertrag in Sevres unterzeichnet. Ministerpräsident Millerand führte bei der Zeremonie den Vorsitz. Serbien und Hedschas Unterzeichneten nicht und waren nicht vertreten.;• Die Aufstände in Persien Paris, 10. Anguss (Funkspruch.) Die persische Gesandtschaft beirtentiert amtlich.die Nachrichten von ■ der Entthronung des Schah und der Ausrufung der Republik. Moskau, 10. August. (Funkspruch.) Volkskommissar des Auswärtigen T s ch i t s ch e r i n hat dem persischen Botschafter in London, Prinzen Mirza Firux, mit- - geteilt, daß die Untersuchungen, die infolge des persischen ' Einspruchs durchgeführt wurden, ergeben haben,, daß keinerlei bolschewikische Land- oder Seestreitkräste sich auf persischem Boden oder in persischen Gewässern be- - fänden. Sowjetrußland habe den Grundsatz der Nichteinmischung, Die Streitkräfte, die sich in Nescht befänden,; ■ stünden mit Sowjetrußland in gar keinem Zusammenhang, sie seien Rrvolutionäre. die für das persische Volk gegen die Regierung von Teheran kämpfen. Die" Sowjetregierung habe keine Ursache, die Regierung in Teheran zu stützen, und wünsche den um ihre Freiheits-- * rechte Kämpfenden vollen Erfolg. Gewalttaten in Irland. London, 10. August. (Fnnkspnüh.) Samstag abends übersielen Sinn feiner eine Polizeipatrouille von sieben Mann 'und schossen sechs aus' dem Hinterhalt nieder. Sie ließen sie ohne Hilfeleistung liegen; Mer der Polizisten ist . bereits verschieden. Besetzung von Tesche» durch die Tscheche. Slowaken. Prag, 10. August. Heute wurde die Stadt T e sch t tt durch tschecho-slowakische Truppen besetzt. Die Grieche» auf Galttpoli. Athrn, 11. August. (Habas.) Die Besetzung des östliche» Thrazien durch die griechischen Truppen geht, in normaler Weise vor sich. Die griechischen Streitkraste sind jetzt^bis zur.Halbinsel Gallipoli gelang! D^r Verwaltungsdienst auf. dieser Halbinsel wird durch Zivil-- beamte, denen, die Türken unter Mitwirkung der fran- - zösischen Besatzungsbehörden die Macht übergeben haben, , versehen. Die Lage ist nunmehr gemäß den Bestimmung -gen des Friedensvertrages geklärt. : -i; Vor dem Generalstreik im Saarrevier. Frankfurt a. M., 11. August. (Wolfs.) Der „Frank-! furter Zeitung" zufolge hat sich im Saar gebiet die Lage durch die Druckmaßnahmen der Regierungskommission noch verschärft. Nachdem die Bergarbeiter den Streik beschlossen haben, erwartet man nunmehr den.- Begum des G e n e r a l st r e i k s. . . Errichtung einer Vsterreichischen Vertretung - in Moskau. > . 'Wie verlautet, - wird, entsprechend deiP Ueberein- Kommen/über den Austausch der Kriegsgefangenen, auf Gründ defseü' Svwjetrußland einen Vertreter nach Wien jentsendet hat, nun auch in Moskau eine Vertretung der Republik Oesterreich, errichtet werden/ - > Als Vertreter Oesterreichs in Sowjetrußland ist der- 'bisherige - Pressechef P o h l bestimmt, Ihm' wird ein "gcyrz^ köeiM Buveau -beigegebdn. . -Die'Abreise Pohls, steht bereits für die. allernächste Zeit-bevor. . Die Mission wird sich ausschließlich'auf die An-i gelegenheiten der Kriegsgefangenen zu beschränken haben und jede politische Betätigung unter- ^ssen.- , \ ' i Die Abreise Pohls soll einige Veränderungen in der Besetzung der leitenden Stellen des amtlichen Pressedienstes mit sich bringen. Pohls Stellung im Auswärtigen Amt wird Hofrat' Dr. Wirth, der derzeitige Leiter des Delegraphen-- Korrespondenz-Bureaus, übernehmen, während Hofrät Ludwig die-Leitung des gesamten Pressedienstes in der Staatskanzlei übernimmt. Der bisherige -Pressechef der Staatskanztei Ludwig Brüg e l wird als Präsidialst in das '-St-cratsamt - für Ueußeres übersiedeln. -r- -- ' ■' Ein jugoslawischer Gesandter in Wien.? Nachdem der Friedensvertrag von Saint-Germain in Wirksamkeit getreten ist, hat die Negierung des Königreiches der Serben, Kroaten' und Slowenen beschlossen, rrr’.t der Regierung der. Republik Oesterreich durch die Telegramme. Die Friedensbedingungen der Sowjeiregierung. London, 111 August. (Unterhaus.) Nach den Erklärungen Lloyd Georges über die polnische Frage bedauerte A's q usi i-h, 'daß' der Völkerbund nichts getan habe, um den polnischen Angriff zu verhindern, und daß der Oberste Rat nicht mterv entert habe. C l y n'e s' erklärte namens der Arbeiterpartei, diese werde ihre Haltung revidieren, wenn es sich zeigen sollte, daß Polens Unabhängigkeit bedroht werde. Lord Robert C e eil sprach seine Befriedigung darüber aus, ' -aß England unter keinen Umständen zu KriegsckäßnahHen übergehen werde, falls es sich nicht um'die Verteidigung der Unabhängigkeit Polens handle. Am Schlüsseder 'Debatte teilte'Lloyd Georg e mit, daß ihm nach Beendigung seiner Rede ein Dokument Kamenews zugestellt worden sei, welches die Friedensbedingungen Sowjetrußlands an Polen enthalte. Lloyd Geörge verlas mit Zustimmung Kamenews die Bedingungen, die folgendermaßen lauten: 1. Herabsetzung des polnischen Heeres auf 50.000 Mann; 2. Aufhebung der polnischen Kriegsindustrie; 3. die Grenzen Polens werden so laufen, wie der Oberste Rat sie festgelegt hat, doch werden einige Verbesserungen ' bei - Bialystok und Cholm angebracht werden; i . 4. ein-freier Handelsw'eg für die Bolschewiken nach der Ostsee über Bialystok bis nach Ostreußen. (Sitte neue Lage entstanden ... Amsterdam,. 1,1. August. Nach Verlesung der bokschewi.sischen Friedensbe^ingungen im englischen Unterbü»s bemerkte Lloyd George: Sofort .nach dem Tschitscherin für die Heimbeförderung der Kriegsgefangenen. Moskau, 11. August. (Funkfprüch.) Volkskommissar T s ch 11 scherin hat dem norwegische» Außenminister - für Frithjof Nansen mitgeteilt,, baß die Sowjetregierung die Anregung Nansens, hie Gefangenen nicht mehr über Narwa, sonder» über Riga zu senderg erwäge und alles tun werde, um den unglücklich>en Opferr- - des Krieges zu helfen. - ■: Die tschecho-slowakischen Sozialdemokraten Prag, 11. August. Nach den Blättern findet Freitag eine' gemeinschaftliche. Sitzung, der sozialdemokratischen Senatoren und Abgeordneten statt mtt dem Programm: Politische .innere und äußere Situation. ,; .-]<; Arbeiterparteiler in Südnorfolk gewählt. London, 10. August. (Funksprüch.) In der Nach* Wahl in Südnorfolk wurde Gedwards (Arbeiterpartei) mit 8594 Stimmen gegen den KoalitionMndidaten.Batty (6476) und den Unabhängigen Roberts' (3718 Stimmen) gewählt. Friedrichs Auslieferung. Budapest. 11. August. (Uug, Tel -Korr^Bur.) In btt Sitzung der Nationalversammlung vom Mittwoch erklärte Abgeordneter B e r n o l e k (Regierungspartei), man dürfe nicht dutdeu. hast sich unter den Mitgliedern der Nationalversämmluug solche befinde«, die unter dem Perdacht eiyeS schwere« Verbrechen? stehen. ES müsse der Rechtspflege steter Lauf grlafiep werden. Der Anklageschrift der Budapests Obrrstaatsanwalischasi nach welcher Abgeordneter Friedrich nichtverdächtigt werden könne, sei krinegroße moraltscheBedeutung zuzuschreiben. Der Präsident erteilt dem Redner den Ordnungsruf wegen' Beleidigung der öffentlichen Rebördm.

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