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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-11 · Heft 558 (11.8.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 558 (11.8.1920)
Date
1920-08-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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p'lüubcr« könne, so viel sie .wolle, besonders, die Lev po löst ad t. Die Offiziere, besonders die, Leutnants und Fähnriche, freuten sich mehr auf das. Plündern als die Mannschaft. Auch Iu d e n p v g r o in e M veranstalten wurde 'uns wärmstens empfohlen. 'Im Jnterniertenlager find auch Deutschösterreicher, die bei der roten Armee waren. Auch viele Fvauen und Mädchen sind interniert, die, wie mir von Kommunisten und einem Manne der ungarischen Dache erzählt wurde, oft von den ungarischen Soldaten vergewaltigt churden. Die österreichische Legion mußte auch Wjache stellen für das Jnterniertenlager. Der Zugsführer Hüber aus St. Pölten war einer von den ärgsten Mannschaftsschindern und Speichelleckern Vom Oberleutnant Slavik gilt dasselbe. Aitch dem Rittmeister Barry hat mancher ein« Kugel versprochen.; - . Der Geflüchtete fügt noch hinzu: Ich habe viel mit Ungarn, mit Offizieren sowie Mannschaftspersonen, gesprochen und kann sagen, daß viele unter ihnen keine große Begeisterung für Habsburghaben. Es gibt aber' noch genug Offiziere und höhere, Unteroffiziere, besvnders in Budapest, die das K noch in der Rosette tragen. - ■ ■_ Antisemitismus als Grund für Nichtirominiernnznm Präsidentschaftskandidaten. New-Aork, 9. August. (Iewish Corr. Bur.) Der bekannte amerikanische Autokönig und Anführer der antisemitischen Propaganda in den Vereinigten Staaten, Ford, beschloß letztens, bei den Präsidentenwahlen zu kandidieren. Als aber die Partei, die feine Kandidatur hätte aufstellen sollen, zusammenttat, um die Nominierung vorzunehmen, erklärte ein christlich-progressiver Delegierter aus Middlewest, Ford könne keineswegs zum Kandidaten nominiert werden,, da er eine antistmitische Propaganda führe und die Hetze gegen bi« Juden zum Hauptprogramm seiner Wahlkampagne zu Machen beabsichtige. Die Partei setzte zur Prüfung der obigen Angaben ein Komitee ein und als dieses auf Grund von Informationen der jüdischen „B n e - B r i t h"-Liga die Angaben als richtig befunden hatte, wurde von einer Nominierung Fords zum Präsidentschaftskandidaten endgültig Abstand genommen. Der Moskauer Kongreß der Dritten Internationale geschloffen. Moskau» 9. August.. (Korr.»Bur.) Am 7 Auaust fand hier im groben SlaalSthrater die leierftchc S.thsnbntzttng drS rweitc» KonareffeS der Drillen slomrministiikffen) JnttrnaNonale statt. In ihren Reden gaben K « 11tr t n, T r otzky mtb Sinow je w sowie die englischen und die andk'en Delegierten ihrer Vetriedigunq über dlk.iErgebn.sfe dcS Kongresses und jeme Bejchtüffe Ausdruck. Inland. Die polnische Krise und Mitteleuropa. Im Laufe des gestrigen Vormittags waren in Wien Gerüchte verbreitet, daß die Bert eier der Tscheche-Slow akei, Jugoslawiens it n b Rum äniens in Vuda):st ier uns-a.'ifchen Regierung ein Ult imatum überreicht hät en des Inhalts, daß die Rüstungen Ungarns Dimensionen -annehmen, welche die genannten Mächte beunruhigen müßten. Daher müsse Ungarn binnen einer beftiminten. Frist seine Heeresstärke auf 30.000 Mann her ab setzen. Diese Meldungen sind lediglich aus die Tatsache zurückzuführen, daß die drei- Gesandten in Budapest anfragten, ob Un garn rüste. Ungarn hat diese Amfrage bereits-durch das gestern veröffentlicht a mtliche C o nr m u n i q u 6 ^'antwortet. Im Zusammensammenhange mit diesen Gerüchten wurde auch die Pra ge r Reise Dr. Renners erwähnt. Die Verhandlungen zwischen Oe st erreich und Ungarn über einige noch schwebende Fragen wurden dieser Tage wieder ausgenommen'und stehen so günstig, daß ein befriedigender Abschluß zu erwarten ist. Der tschechische Minister desAeujftrn Dr. Bene s ch wird am Freitag mit dem Staatssekretär des Aeußern Dr. Renner in dessen Wohnung in Gloggnitz konferieren. Von dort fährt Dr. Bene sch nach Belgrad. Auf seiner Rückreise nach Prag wird er abermals eine 'Begegnung mit Dr. Renner haben. In politischen Kreisen hält man den Abs chluß einer Neutralitäts-Konvention zwischen den drei Staaten für nicht ausgeschlossen. Zivilkommissariat im Staatsamt für Heerwesen. DaS Staatsgesetzblatt verlautbart die II. Vollzugsanweisung zum Wehrgesetz, betreffend den Wirkungskreis und de Geschäftsordnung des ZivilkoniMlssariateS im Staatsamte für Heerwesen. Nach dieser Bollzugsanwrisung besteht das Zivilkonumssariat aus fünf von der Nationalversammlung für die Dauer deren Wahlperiode nach dem Berhaltniswahlrrchte gewählten Mitgliedern, die bei der Ausübung ihrer Befugnisse die Stellung von öffentlichen Beamten haben und berechtigt sind, in die Verwaltung der HeereSangrlegenheilen Einblick zu nehmen. Aenderrrrig der StenerauSgleiche. Da» henti-o Gtaatlgrsrtzblatt »erßffinlkcht «ine 9»V|it|6* äNMkisunß tef ElsatSamtr» fRr finmwt nl dB GtaatSamt^ für Handel und Qt»nt% -ndnstri« wi Bauten über dir Arnderung der SteverauSgleichr »ach der BerzollungSordnunr , an- Anlaß der eingetretenen Erhöhung der VraimtweinproduktionS- »und Konsumabgabe und der ZMrstruer.,, Telegramme Ein jüdischer Mittifter in Lettland. Riga, 9. August. (Iewish Torr. Bur.) Bei den Wahlen in die lettische Konstituante sind vier jüdische Kandidaten durchgekommen: Dr. Nuwck, Advokat Krön, Dr. Helman und Doktor Münz. Letzterer ist ins neue Kabinett als M i n i st t r ohne Portefeuille hineinyekommen. Außerdem wurde von der vereinigten jüdisch-lettischen sozialdemokratischen Liste der Bundist R a b i n v w i t s ch gewählt. Im Unterrichtsministerium wurde ein D e p a r t em ent f ii r d i e nationalen Minderheiten mit einer besonderen jüdischen Abteilung errichtet. Bulgarische Politiker in Prag. Prag, 10. August. (Privat.) Hier ist eine Gruppe bulgarischer Politiker und Journalisten emgetroffen. Die Delegation bleibt bis Ende dieser Woche in Prag. Antisemitische Hetze des ungarischen Ministers des Innern. Budapest, 10. August. (Privat.) Der Minister des Innern Göndös veröffentlicht im „Szoszat" einen Leitartikel, in welchem er in dezidierter Weise den Antrag des Abgeordneten Dudajany auf Ausnahmsgesetzgebung gegen die Juden unterstützt. Der Minister stellt die Forderung auf. daß ein fünfprozentiger Numerus clausus gegen Juden in Schulen, Zeitungen und Banken eingeführt werde, und erklärt, daß eine derartige Bewegung in der ganzen Welt einsetzen müsse. Der Prozeß gegen die Mörder Tiszas. Budapest, 9. August. Zeuge Dl eh er gilt cm, am 29. Oktober habe er F r i e d r ich im Ministerrat gesehen, am 30. ' Oktober Feuhes, Keri, Friedrich und andere im Hotel Astoria. Am 80. Oktober vormittags sagte der Jägeroberleutnant PuSztafi, daß die Feldwebel Rex und Törok, ferner Horvath-Szamowitsch auserkoren wären, TiSza zu ermorden. Als Zeuge am 31. Oktober dem Stadtkommando als stellvertretender Automobilveferent zugeteilt wurde, le« gab er sich nach dem Irmenhof des StadtkommandoS, wo er neben zwei Automobilen Szendrei und Horvath-Szamowitsch und vielleicht auch Dobo sah. Er sah, wie Horvath-Szamvwitsch das Automobil bestieg, sah jedoch nicht daS Automobil übfahren. Zeuge habe bei einer späterem Gelegenheit Hüttnerim Hotel Astoria getroffen. Hüttner zeigte ihm den Brief, in dem es angeblich hieß, daß der Soldaten rat 10 0.0 0 0 Kronen bekommen sollte. Er hörte, daß Stephan Friedrich den Brief geschrieben habe. Es soll auch darin geheißen haben, daß TiSza für die Revolution gefährlich wäre. Er habe den Brief jedoch selbst nicht gelesen. Zeuge B l e y e r fährt nun fort, er sei Horvath-Szamo» witsch im November , begegnet, wobei er ihm sagte, daß er im Ministerium von Friedrich Geld bekommen habe, ein gutes Päckchen Tausender, als Kostenvergütung.. Er rate auch den übrigen, ins Kriegsministerium zu gehen. Man werde jhnen allen ihre revolutionären Auslagen vergüten. Sie begaben sich zu Hauptmann Hacsics, Kriegsminister Linder und Friedrich, heuen sie dann ihr Anliegen borbrachten, die aber schriftliche Angaben verlangten. Zeuge Libita, Güterdirektor des Erzherzogs Josef, erklärt, er sei im Nationalpalais gewesen, als die Mitglieder der neu ernannten Karolhi-Regierung dort zur Eidesleistung erschienen waren. Er hörte, wie man einem UniversitätS» prvfeffvr, der als Justizminister auSersehen war, zuredet«, diese Ernennung anzunehmen. Da meldete der Portier Tiszas ' Ermordung. Der Zeuge teilte diese Nachricht-erschüttert dem Grafen Mchael Kärolyi mit, der sie jedoch ganz kühl aufnahm, so daß Zeuge den Eindruck hatte, daß sie ihn nicht überraschte. Als der Uuiversitätsprofeffor das hörte, rief er aus: Jetzt nehme ich das Jüstizportefeuille schon gar nicht an, denn die Regierung wird die Täter nicht verfolgen. Zeuge hatte den Eindruck, daß Karolyi das Attentat zumindest ahnte, sonst hätte er die Nachricht nicht so ruhig ausgenommen. Der beabsichtigte magyarische Einfall in Karpatho-Nrrtzland. Prag, 10. August. (Privat.) Das Abendblatt des „Pravo Lrdu" befaßt sich mit der Nachricht, daß bte: Ungarn Truppen für einen Einsall in Kapatho-Nußlanv konzentrieren, und sagt dazu: Wir «erden unsere Neutralität bis zum letzten Blutstropfen verteidigen, insbesondere gegen die Magyaren. Bis zum letzten Mann würde die tschechische Nation ihre Grenzen schützen. Mit einer Entschiedenheit, wie sie sich in einem solchen Maße noch nie gezeigt.hat, würden wir uns den Absichten der Weißen Magyaren entgegenstellen und ihre Frechheit strenge bestrafen. Die Streiks in der Tschecho-Slowakei. r Prag, 10. August. Das „Prager Dagdlatt" meldet vUS A s ch r Kn «iner großen Volksversammlung wurde deschloss«», Un Generalstreik |s Leende«. Hentr frtlh wurde die Arbeit wieder ausgenommen^ Der ,^8vh«mia" zuftlge ist im KöniKgratzer Gebiet ein G«n11aU jjrei? de« Metallarbeiter EgebroKen.^ Tagesbericht. Ein Ultimatum der Telegraphen- und Telephonangestellten an die Regierung. Der zweite Dag des Poststreiks hat die Situation noch weiter verschärft. Die Verhandlungen der Streikleitung mit der Regieru'ug sind gestern an den loten Punkt gelaugt uub alle Geschicklichkeit des Staatssekretärs H a n u s ch, der wenigstens die ärgsten Schnitzer des ahnungslosen Herrn May r gutzumachen versuchte, konnte nichts helfen. Die Regierungsresereuten, die bekanntlich auf Urlaub ftrn von Wien wellten, wurden in Staatsautomobilen nach Wien geholt, zeigten sich aber gestern über die Streitfragen so wenig orientiert, daß keine Einigungsba'is gesunden werden konnte. Jnztvischen ist der Streik über ganz Oesterreich ausged-ehnt worden und überall kvuriten nur die Polizeistellen sowie Feuerwehren upd Rettungsgesellschaften telephonischen Verkehr erhalten.. lieber den gestrigen Tag berichtet die Korrespondenz Herzog: Oie Verhandlungen der Streikleitung mit den Staatssekretären Han usch und Breiskh und Sektionschef Dr. Gri mm haben zu keinem Ergeb- Siisse geführt, da die Zusagen der Regierung sich nur aus minder belangreiche Forderungen erstreckten und Sektionsches G.r i mm bezüglich der Forderungen nach Verbesserung de? Juli-Avancements, der Schaffung eines Prvvisionssonds und Bewilligung von 1000, resp. 800Kron7n monatlicher Zulage bis zur Erledigung der Besvldungsreiorm erklärte, die Ver an twortung nich t üb e rnehmen zu!önnen. Diese Forderungen müßten dem Kabinettsrate vorgelegt werden. Die Verhandlungen, die stellenweise sehr lebhaft waren, wurden abg ebrochen, da die Streikleitung auf dem St andpunkt steht, daß es angesichts der Wichtigkeit der in Betracht kommenden Ingressen Pflicht aller Kübinettsniitglieder ist, den Urlaub zu unterbrechen und nach Wien zu kommen. -Inzwischen geht der Streik mit unverminderter Schärfe in Wien und in der Provinz .weiter. Die Streikleitung ist für den Fall, als das Staats- <uni für Finanzen auf seiner ablehnenden Haltung beharrt, entschlossen, den Streik noch zu verschärfen und gewisse Ausnahmen, dieim öffentlichen Interesse gemacht wurden, zurückzuziehen. Auch die Lei der Konferenz anwesenden Vertreter der P o st g e w e r k s ch a f t erklärten sich von den Zugeständnissen, soweit sie davon betrvss.n werden, nicht befriedigt und werden der.morgigen Terrrauensmännerversammlung . entsprechende Anträge vorlegen. Staatssekretär Hanusch setzte sich wieder-, hoft in wärmster Weise für die Erfüllung der Forderungen ein, stieß jedoch auf die von Dr. Grimm geltend gemachte verfassungsmäßige Verantwortung; Staatssekretär Hanusch erklärte zum Stusse: Ich will ruhig zu gestehen, daß hier nicht alles Nötige geschehen ist, was von den maßgebenden Faktoren hätte geschehen können. Aber alles kann nicht auf einmal erledigt werden! Die Streikleitung erwartet die sofortige Rückkehr, der abwesenden Kabinettsmitglieder und Fortsetzungder Verhandlungen. Inzwischen, har der Zentralausschuß der Angestellten der Telegraphenverivaltung die Fortführung, des Slr^iks beschbrssen. Eine unter freiem Himmel siattgefundene Versammlung der Mitglieder der „Tech«. urschen Union" hat diesem Beschlüsse einhellig zu ge stinlmt. Abe nds wird gemeldet: Da? Streikkomitee' hat unter Zuziehung der Vertrauensmänner einhellig die Zugeständnisse der Regierung als unbefriedigend, sowie die Fortführung d e s, S t r e i k s beschlossen. In einer an die Regierung übersandten Mitteilung heißt es: Das Streik-., kornitee ersucht die Regierung. bis zum 11. d. M., 12 Uhr mittags, mitzuteilen, ob sie geneigt ist, die von Wien ablveMöen. Mitglieder der Regierung schleunigst nach Wien zu. heryftzn, um zu den gestellten Forderungen Stellung zu. nehmen. Das Streiktoulitec beehrt sich bekanntzngeben, daß für. den Fall einer unbefriedigendeil Antwort.mit dein verstärkten Streik eingesetzt wird. Wie, gemeldet wird, würden im Falle einer tiubc* friedig.'nde.r Antwort der Negierung auch die letzten noch bestehenden Delephonanschlüsse (Spitäler, Rcttungsgeselljchast, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Polizei/ Landesbefehlshaberamt, diplomatiichc Sle.l'n, Reparationskommisfivn. Straßenbahn,/ Ernä^r^m^sa>^^t,. .Abstimmungsgebiet in Kärnten) a b gef cha l te t werden. In diesen. Falle werden sich die P o st b e d i e n st r t e n dem Streik ans chließen, um mich den Postbctrieb lahmznlegen. Bon den erhobenen 12 Forderungen hat die Regierung sechs minderwichtige akzeptiert und bezüglich der drei Hauptpunkte (Verbesserung des Juli- Avancements, Prvvisionsfonds und Gewährung einer mdnatlichen Zulage von 1000 Kronen für die Perheirateten mck All) Ovvmn für die ledigen Äslvphonuub DelegraphendebiOnstetAn) den KabinetWrat als: kompetent erklärt, dessen schleunigsten Zusammentritt it i [|j;f; t :f . " rr 1 IW, "iQ/; *r .■ .■iu-., •iMV.-l.-. V'-;- '■■'sr-v-3 <; rili $M W’; im

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