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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-09 · Heft 556 (9.8.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 556 (9.8.1920)
Date
1920-08-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Men.'MönM" Telegramme. Fortgesetzte Unterredungen mit den Volschewikenvertretern. .Paris,8.August. Wie der «Matin^ aus London meldet, hatte Lloyd George gestern wieder eine längere Unterredung mit K a m e n e w und K r a s s i n. Man glaube, die englische Regierung sei bereit, ihren ersten Standpunkt aufrechtzuerhalten, d. h.die Er ö f.f n u n g der Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen anzuraten. In Londoner offiziellen Kreisen sei man heute etwaoptimistischer. Ern Communiquö über die französisch-englische - Konferenz. Parks. 8. August. (Wolff.) Die Konferenz zwischen Millerand und Lloyd George begann heute vormittags um 10 Uhr 15 Min. in Hyshe und dauerte bis 1 Uhr 30 Mrs. nachmittags. Um 2 Uhr 30 Min. wurde folgender Communiqua aus englischer Qselle veröffentlicht: ,Die englische Rezikrung hat von den Sowjets eine Antwsrt auf die Rote, die ibneu am Freitag überreicht wurde, sicht erhalten. Indessen erhielt sie Andeutungen ööer die Absichten der Bolschewiken, die voraussetzen lassen, daß diese sich weigern, der vorgeschlagenen Einigung zuzustimmen. Man weiß, daß nach der Konferenz, die Lloyd George, Bvnar Law und Lord C u r z o n am Freitag mit den Hauptdelegierten der Sowjerregierung in London hatten, ein Memorandum nach Moskau geschickt wurde, um den Abschluß einer Waffenruhe für die Zeit von zehn Tagen an der russisch-polnischen Front zu erlangen, unter der Bedingung, daß man beiderseits in den Stellungen verbleibe, ohne sie während dieser Zeit zu verbesiern. Da sich die Sowjets weigern, die Operationen zu unterbrechen, fand den ganzen Vormittag über ein reger Meinungsaustausch über die zu treffenden Maßnahmen statt, der nm Uhr wieder ausgenommen werden soll.* Lord Riddoll, der dieses Communigus den Journalisten mitteilte, beendete seine Erklärungen mit den Worten: »Die Lage ist ernst!^ Die Engländer find optimistisch. London, 7. Aug. Daß Rentersche Buren« erfähr'» daß die Mitglieder der für die Konferenz in Hythe bestimmten britischen Delegation bezüglich der Bereinigung der russischen Fragen Optimismus an den Tag legen. Premierminister Lloyd G e o r g e ist in Begleitung des Feldmarschalls WilsoN und CurzonS heute abends zur Konferenz ab gereist. Keine Dnrch»arschabsichten der Entente durch Deutschland. BerN«, 8. August. (Wolff.) Au der von der Korrespondenz ,Dena* ohne tatsächliche Unterlagen verbreiteten Nachricht über Durchmarschpläne der Entente nimmt jetzt auch die französische Presse Stellung. Der ,5 c m p s" schreibt: Die Alliierten haben niemals und in keiner Form Deutschland die Absicht Lundgegeben, durch deutsches Gebiet Trupe« hindurch,ujühren, die bestüwM wäre«. <m der polnische» Front zu kämpfen. Diese Mttteilung des »Temps* entspricht durchaus den Tatsachen. Das Pariser Blatt weist seinerseits darauf hin, daß die Entente eine Note an die deutsche Negierung richten wolle, die Über deutsche Eingriffe in den regelmäßigen Zugsverkehr nach dem Abstimmungsgebiet Beschwerde führt. Diese Note ist inzwischen in Berlin eingegangen. Sie verweist auf mehrere Fälle von Durchsuchungen regelmäßiger .Ententezüge nach Oberschlesien und macht darauf aufmerksam, daß eine Wiederholung solcher Fälle die regelmäßige Verbindung der Truppen und der Kommission in Oberschlesien gefährden würde. Sie lenkt die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf den unerlaubten Charakter solcher Vorgänge und auf die Notwendigkeit, geeignete Maßnahmen zu ihrer Verhinderung zu ergreifen. Die deutsche Bevölkerung muß sich dessen bewußt fein, daß bei der berechtigten Sorge um unsere Neutralität alle Schritte vermieden werden müssen, die unsere Neutralität gefährden könnten. Bot unüberlegten Eigenmächtigkeiten, die geeignet sind, Zwischenfälle herbeizuführen, wird daher aus das dringendste gewarnt. Deutschlands unÄetzingts NeuLraÜtSt. Frankfurt. s. Su,ust. RtiärssisasnSksister Dr. W i r t h bel-raä bcntr «uf ei*« brr Aentruwspvtlri eise Recht tt'.dA'uttIn irtSkrtu rmb teuere«P»lE A« v , l « il «Shrs Kri, tz »»ff« Deutschland «hi, Blvt tmfc ö n b? b i » f t« Re »ttalität tewahr«. Mr Hatz« feirtc* \ajfa bei WtmKa, mt Äe beit fea » »5 sische»S«sit-lir»««mtz«l Ki*« Sv -ikß«. Anbw«° feitS hnn m «brr «ch «chW S»:<- vv« Osten *Wntrs ^dentek« k»,,«t toe w fk»»ßsi'chr» Wwtse« pH»«- tM,scheu Gn««« »ix »m «,»r-6ch w'rd->n Tk 2o*e iw I«mr« gilt btt Swftet ew Sch»i-ri,k»it mb nicht nach. Bei einer Ssbvlage feer 6ßnf»wiun* ftkutr. mt ne bereit, mehrlach versucht wmche, ist'Her Mantmmbruch nnncrmeidl'ch. Wiener MorgenzeitunA Ein Ausruf der deutschen sozialdemokratischen Partei. Berlin, 8. August. Der Allgemeine Deutsche Gewerk fchaftSbund, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands und die Kommunistische Partei Deutschlands (Spartalus-Bund) veröffentlichen folgenden Aufruf: Bon Tag zu Tag mehren sich die Gerüchte, daß Ententetruppen am Rhein zusammengezogen und daß dort Kriegsmaterial und Lebensmittel üNgehäuft werden, die dazu bestimmt sind, in dem durch die Schuld der polnischen Negierung entfesselten polnisch-russischen Krieg die Polen gegen die russische Rote Armee zu unterstützen. Erzwingt die Entente den DurchtranSport von Truppe« und Kriegsmaterial durch Deutschland, so bedeutet dies den Bruch der deutschen Neutralität und hat zur Folge, daß Deutschland Kriegsschauplatz wird. Die deutsche Arbeiterklasse muß dies mit allen Mitteln verhindern. Deshalb fordern wir die deutschen Arbeiter auf, dem Versuche der Tmppen, Kriez-serLt und Munition durch deutsches Gebiet zu trmiSpoktteren, jegliche Hilfe zu verweigern. Die Elfenbahner und Transportarbeiter Hab« die Gefahr bereits erkannt und die größte Wachsamkeit gezeigt. Sie dürfen der Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft sicher sein. Wir erwarten mit aller Bestimmtheit, daß auch die französischen und die englischen Arbeiter sich ih;n internationale« Pflicht bewußt sind und sie betätigen. Hattet euch brrMl Hoch die internationale Solidarität des Proletariats! Tschitscherk« WM «eite Verhartdlrtikge« mit Polen. Warschan, 9. August. Die russische Sowjetregierung hat am Samstag abends einen von Tfchitscherin Unterzeichneten Funkspruch an die polnische Regierung abgesandt. Darin wird die polnische Regierung aufgefordert, am 6. August, 8 Ü h r abends, Delegierte nach der Chaussee M e s h e r j e t s j e(?)*-D r e st-Ä i t o w s k zu entsenden. Die russische Regierung erklärt sich bereit, aus der Grundlage der völligen Unabhängigkeit Polens in Verhandlungen einzutreten, in denen gleichzeitig die Friedensbedingungen festgesetzt werden sollen. Verweigerter Transport von KrkegSmateriar »ach Pole». Amsterdam, 7* August. (Wolff.) Das Organ der sozialdemokratischen Partei „Hei Volk* meldet, baß die deutsche Besatzung des gegenwärtig imRotterdamer Hasen liegenden, nach Danzig bestimmten Dampfers „EphS* sich geweigert hat, auszufahren, bevor 500 große Kisten, in denen fük Polen bestimmtes Kriegsmaterial fein soll, fürtgeSrücht seien. Der Kapitän versprach, nach Deutschland zn telegraphieren, und wenn es sich bestätigen sollte, daß eS sich um Waffen und Munition fük Pole« handle, die Kistru wieder autladen zu lassen. M-shatte»» MR»raoMr«s« f* **$*?$» rnßtnnd. Präs, 6. Attgnst. Rach den ^Lidove Noviriy* wurden in Karpathenrußland mehrere MünitionSzöge angehalten. Da die Gefahr bestand, daß sie über die ungarische Grenze gehen könnten, wurde Befehl gegeben, die Züge in baS Innere zu leiten. Polnischer Fronttzericht. Warschau, S. August. Poknifcher HeerrSbericht vom 7. Aitgust: Die feindliche Infanterie Hst nach schweren Kämpfen Ostrolen^a eingrnommm. An der Narrwlinie südlich von Rostan sind Kämpf« mit feindlichen Abtr-langen im Gange, die den Flub überschritten haben. Zwischen Narew und Bug Kampfe im Raume von PrzetySh. In drr Gegend Dkalktn unternahmen unsere Abteilüngeu Gegenangriffe und machten dabei einige hnndert Gefangene. IM Raume von S o k y l o w befinden fich unsere Abtetlvngen in schweren Kcimpün mit dem tzeinbe. In der Gegend von Ianow ergaben sich öei'e'nem unserer Ängriffe einige hündekt Bolschewiken. WestlichvonBreß in der Gegend von Kt-czaSz und Kiiowiecz -«ist der Feind weitet an. Unsere Abteilungen lttffen Widerstand und machen Gegenangriffe. An der D N g 11« i e südlich vü» Brest sind unstte Truppen in loser Fühlung mit dem Feinde Im Raum von W l o i a w * fühlte der Feind hestige Angriffe -egen de« Brückenkopf, wurde »der tmSck^fchlaOe». Geßltch von Wrkul!»cr .Mischen A«,«th und Stepp« sind Gefechte aut \m Wtzt«st»deW Foind i» Gtmz. LschUsch«»« Sv«rp«t, »ach AmjchckMtz <m*w »Ml«*«**. 9. AlJpkst. Die hiesiaen MLÜer vorchffentltche« emL Vt*<t«tt «i«m A«fr«s rschitschert«tz, »•ritt dieser iM-ilt, b«ß 4m Wittreise bktttfcher Arbeiter nach Nußlnttv sb*e dieGittreffoerlimbnis der russischen Bertretung nickt erlaubt ist, iwd vor einer Auswanderung nach Rußland in größere« Umsange warnt. 9. August 1920_Nt. 556 Die englischen Vorschläge an Rußland. Paris, 8. August. (Korr.-Bur.) Nach einer Mtt« teilung des o u r n a l d e s D 6 b a 1 s* hat di, englische Regierung der Sowjetregierung vor. geschlagen, daß die Alliierten darauf v e r« zichten würden, sich in die polnisch-russischef Fnedensverhandlungen e i n z u m i s ch e n. Polcri würde Leine Freiwilligen mehr ausheber, und die interalliierte Militärmission würde nicht mehl intervenieren. Auch tvürde Lein Kriegsmateria! nach Polen entsendet und die beiden Heere rvürdeu in ihren jetzigen Stellungen verbleibetr.^ Düs sei iri großen Zügen der nach Moskau übermittelte Plan, auf den Lloyd George heute vormittags eine Antwor« zu erhalten hoffte. Heatfchland für Wiederaufttähme Ser Beziehungen zu Rußland. Berlin, 8. August. NeichSmimster Dr. SimonS er. klärte gegenüber einem Berichterstatter der „Leipziger Botts, zeitung", daß Deutschland sofort zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Sowjet, rtttzlaüd bereit sei. tvevn Sowjettußland entsprechend« Genugtuung für die E r M » k d u r i des Grafen Mirbach gebei Der Minister bemerkte wettet», daß eine Gesundung Europanur durch eine Zusammr «rbeit mit Rußland m8g. lich sei. Alle polittschen Parteien in Deutschland seien in der Frage der Wiederaufnahme und Pflege der deutsch, russischen Beziehungen einig. Die Randstaatrn, schloß de« Minister, seien als Brücke des friedliche» Austausches mit Rußland von hohem Wert, aber BarrierettgeLilde würden bei un» da» Bedürfnis nach einer Grenze mit Rußland Über, mächtig machen. Da» letzte Wort darüber fei Übrigens in unmittelbare« Voetzandlungen mit Rußland zu spreche«. Der Verkehr mit Ungarn ausgenommen. Budapest, 8. Angust. (U. T. K.-B.) Da Ui . Boykott gegen Ungarn eingestellt ist, hat die ungarische Regierung die bisherigen Gegenmaßnahmen außer Kraft gesetzt. Demzufolge hat der Minister deS Innern die auf die Reisen nach Oesterreich bezüglichen verschärften Versüßungen mit dein heutjUn Tage aufgehoben, so daß von Montag an ein besonderes Visum der regelrecht ausgestellten Neisepäfst feitendes MmißetS tut Stettin nicht mehr notwendig ist. Der Prozeß gegen die Mörder LiszaS. Budapest, 8. August. (Ung. Tel.'Korr.-Bnr.) Zn Fortsetzung deS ZeugenverhörS vor dem Mili- , tärgericht ist die Aussage des Baron Radvanszk-Uinteressant. Er erzählte, er habe TiSza am Tage des Mordes besucht. Ich empfing, erklärte der Zeuge, nach dem Morde dann den Abgesandten LindnerS, der anfragen ließ» ob er der Familie Hehilflich fein könnte. Der abgesandte Leutnant sagte dann, die Regierung w ü n s ch e z u w i s s e n, wie die Tat vor fich gegangen sei. Der Zeuge erzählt nun den Hergang der Tat, Der Leutnant kam dabei in große Verlegenheit, errötete Md sagte, es Ware sein Aüftrag, sich zu überzeuge«, i ob Graf TiSza tatsächlich gestorben sei. Erzog einen Diensizettel herauf der seine Behauptung be- > stätizte. Zeug« bat den LeutNAttt, mit etwas Taktgefühl aufztttreten, Sffuete die Salovtüre »ttd der Offizier warf einen Blick auf den Leichnam, worauf er das Beileids der Regierung zum Ausdruck brachte. Als Zeuge sah^ daß tm Interesse der Erhebungen 1 nichts geschah, kam er zur Ueberzeugung, daß Michae > K a r o l Y i von der Sache gewußt habe. Keine Aüklage gegen Friedrich. Budapest, 8. August. Gegen die der Zivilgerichtsbarleit unterstehenden Angeklagten im Prozeß' wegen der Ermordung des Grasen Tlsza hat der Leiter der Staatsanwaltschaft eine umfangreiche Anklageschrift. eingereicht. Der Täterschaft sind angeklagt Stephan s D o b o, Tibor SztankovSzky, Theodor' H o r v a t H-S z a n o v i e S und Jöfef P o g a n y, als Anstifter Paul K e r i, SüdiSlauS Fenhes und ' Emmerich Csernillk, der Porschubleistung Marcel'. GSriner, Ladislaus L e y g y e l und Eugen V a g o- W i l h e i nt. Die Anklageschrift schildert eingehend den politischen Hintergrund des Verbrechens, namentlich den Zusammenschluß aller destruktiven Elemente während deS OktoberzusammenbrstcheS, und sagt: Die Anklageschrift besaßt sich hierauf mit der Persott Stephan Friedrichs, dessen Name auf Grund der Aussage Hüttners in die Angelegenheit ver-, wickelt wurde. Die Anklageschrist stellt fest, daß diese AnSsage zur Erhebung erner Anklage nicht c b ti Q t Und sich auch als unwahr erweise. Hüttner atze auch mcht, ob Friedrich erne Aeußerung getan habe. Dre Attteesenheit bei solchen Vesprechnttgen biete noch keitt« aettßgettde Grnttdlage für die Ein« .lpttung einer Verfahrens. Der zweite Teil der Angaben, der sich auf die Ereignisse auf der Kettenbrücke bezieht, habe sich chettsall« att unwahr herausgestellt, da Friedrr ch nach ge« ie frn baba, daß er a« 29. und 80. Oltober gar nicht in vabapest und erst am Rackwtttag des 81. Oktober «atz Budapest zurückgekehrt war. Zur Verhandlung sind etwa 460 Zeugen vorgeladen. Sie dürste im Herbst stottfinden.

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