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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-08 · Heft 555 (8.8.1920) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 555 (8.8.1920)
Date
1920-08-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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£ UL M»" Sie». SoMtag Inland. . Dr. Renner Lei Minister Benesch. (• Prag, 7. August. (Tschecho-slov. Preß-Bur.) Staatssekretür für Arutzeres Dr. Renner hat heule auf feiner Reise nach Böhmen Prag passiert. Rachmittags hatte er mit Minister Dr. Benesch eine längere Aiiterrrdung über akt«e N e p o li t i sch e Fr a g e «, die sich aus der internationalen Situation er» geben. Dr. Renner fährt morgen nach Wien HurürN. Der Staatssekretär für Finanzen in London. Der SdaatZsekretär für Finanzen Dr. N Lisch Hai sich über Einladung der englischen Negierung von Paris nach KöNdon bogoben. , , . Telegramme. Außerordentliche Gerichte in Irland. , Dohdon, 7. AügusL. (Unterhaus.) Die .Vorlage Aber die außerordentlichen Gerichte -in Irland wurde .Kn dritter Lesung mit 206 gegen 18 Stimmen angenommen. Im Zerlauf der Debatte richtete der irische Nationalist D'evlin heftige Angriffe gegen die irische Politik der Negierung-und gegen di^-Vorlage, Als der Vorsitzende ihn aufjörderte, seinen Platz wieder ein zunehmen, fuhr er fort,, zu sprechen und weigerte sich, dem Ersuchen des Vorsitzenden, das Haus zu verlassen, zu folgen. Der Antrag auf ..Ausschließung Dev lins wurde mit 229 gegen 48 Stimmen angenommen. Devlin verließ hierauf das Haus, Legleitet, von den-anderen Nationalisten und der Mehrheit der Arbeiterpartei. - Die iuternationale Fiftanzftonfsranz Sau Sebastian, 7. August. (Tel.-Komp.) Der Völkerbund hat die international« FriedenZkonferenz für den 24. September in Brüssel festgesetzt. Da Deutsch' land und. die anderen ehemaligen Feinde zu dieser Sitzung eingeladen sind, hat der Präsident der Konferenz den Austrag erhalten, sämtliche Fragen welche Noch zwischen der Entente und Deutschland schweben, vorher nicht zu behandeln. .vr Die erste DLlkerbunbtagrmg. ,? Paris, 8. August. (Tel. der „Wiener Morgenztg.".) ^Echo de Paris" meldet aus Washington: Wilson hat offiziell die erste Tagung des Völkerbundes «inberufen. Das Datum ist noch nicht festgesetzt, dürfte aber höchstwahrscheinlich der 16. November fein. Man sagt, daß Wilson die Absicht habe, aus das Programm der Tagung des Völkerbundes Fragen von äußerster Wichtigkeit zu setzen, die die Vereinigten Staaten berühren, wenngleich diese nicht Mitglied des Völkerbundes sind. Die Verhaftung Dr. DorLens. Wie «Echo de Rhm" meldet,, hat der» NücbskommWr v. S tark der Interalliierten Nhein-Kommission in Koblenz daS Bedauern der R e i ch S r e g i r r un g über die!k?ege» die im besetzten Gebiete geltenden Bestimmungen erfolgte Verhaftung D r. D o r t e n S in einer Verbalnote ausgedrückt, die gleichzeitig zam Ausdrucke bringt, daß die preußische Regierung «ne Untersuchung der Angelegenheit betreibe, um die 'Verantwortlichkeiten frstzustelle« und die Schuldigen zur Rechenschaft zu zichm. Baumen und Alleen ist infolge des heißen Klimas sehr wichtig. Im allgemeinen muß für die Verschönerung des Stadtbildes von Jerusalem gesorgt werden. Die Stadt hat wunderschöne Plätze, welche durch Bäume und Ziersträucher noch zu stärkerer Wirkung gebracht werden stinnen. Jerusalem , muß so verschönert werden, daß jeder Bewohner und jeder Tourist seine Schönheitsschcitze sehen kann. Die Touristen waren schon früher eine wichtige Erwerbsquelle für die Stadt, und in Zukunft wird dies noch mehr der Fall sein. Heute kann man übrigens Jerusalem von Aegypten auS bereits auf dem Landweg erreichen. Das Programm, das hier entwickelt ist, erfordert große Geldmittell Die Lage Jerusalems ist aber heute derartig, daß bett Einwohnern keine neuen Steuern zur Deckung der Kosten auferlegt werden können. Daher wird es notwendig sein, eine langfristige Anleihe aufzunehmen.! Die Stadtverwaltung hat aber noch verschiedene andere Aufgaben. Sie muß eine Anzahl von Jnstitutisnen errichten, deren die Stadt dringend bedarf, mich auf hie Preisbildung der Lebensmittel einwirken, um hie Bevölkerung vor Ausbeutung zu schützen, und auch die heute so brennende Wohnungsfrage einer Lösung zu- Mhren, wobei die Interessen der Mieter geschützt werden müstön. Diese und noch viele andere Arbeiten müssen vom Standpunkt des Interesses-der breitesten Oeffenilichkeit an unserer Stadt in großzügigster Weise ausgeführt werden, damit Jerusalem wirklich die Stadt werde, auf welche die Augen der ganzen Welt gerichtet sind, die Stadt, welche ein großer Dichter „Das einzige' JerusÄM" genannt hat. 'umTtn -»ritiiikVi Wtim« MÄWiLeNuirs^ - ReichStöehrttrtpperr an die deutsch-polftische Greaze. ' Paris, 7. August. (Wolfs.) Beim Oberste:: Rot ist heute eine dritte Note der deutschen Regierung cingelangt, in der zum Aushruck gebracht wird, daß sich an der deutsch-polnischen /Grenze Schutz wehren gebildet hätten, über die die deutsche Regierung die Kontrolle in die Hand nehmen müsse. Die deutsche Regierung ersuche daher um die Genehmigung, Neichswehrtruppen durch die Abstimmungsgebiete nach der Grenze schaffen zu können. Dr. Strauß sretgesproche«. -Budapest, 7. August. <llug. Te/.-Korr.-Bur.) Beim Budapesrer SNasgerickishoi wurde heute das Urteil m der Srrassacke des etemalizcn PrastLxiNru des Odcrstrn SlcalsrcchnuuüShofeL Dr. Steian S t r aus verkündet. De»' LeiichtSbvf sprach Dr. Strauß von der Auflage, deS VerbrccheuS der Aiürcizung frei. In der Begründuus dcs.Urteüs wird Ijeujorflchoteii, daß die Absicht der Ausrcüune nicht als erwiesen angesehen iwctbcn Knute. Der Prozeß gegen die ungarischen Volksbeauflrazten. Budapest, 7. August. (UM. Tel.-Korr.-Bur.) Irr der heutigen Verhandlung gegen die ehemaligen Volksbeauftragten wurden mehrere Hörer der Teschnischen Hochschule .einvernommen, die Ende April vMgen Jahres verhaftet und zur Polizei gebracht worden waren, wo sie von den Terroristen mißhandelt wurden. , Die als Zeugin einvernommene Marie S z o m s s y gibt an, daß man sie mit ihrer ganzen Familie verhaftet und in das Parlamentsgebäude gebracht habe, wo Volks-' kommissar Landler sie mit dem Aufhängen bedroht habe, falls sie nicht aussagen wollten. Aehnliche Aussagen machten die übrigen einvernvmmenen Zeugen. Das tschecho-slowaktsche Budget. Prag. 7. August. (Tck.»Komp.) Fm FinanMinisterium ist das Budget llir 19sa/2l nahem sertig^estellt. Finauzminister Englisch plant großchgigtz Reformen, und hofft, daß sehr bald das - Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Nusgaden hergestellt sein wird. Als Hütlpkeinnahmspost rechnet er mit der «eurn Kohlenn n d der W ar e n v e r k e h r ö st e n r r. Das bestehende Steuersystem wird mvdmüsiett und auf eine ganz tteue Basis gestellt melden. Widerstand gegen die Assentierungen in der Slowakei.' Krag, 7. August. (Tel.-Komp.) Die „Narodni Listy" meldet aus T y r n a u, daß auch in der Slowakei der Widerstand gegen die Assentierungen begonnen hat. Die Assentpflichtigen werden aufgehetzt, nicht vor den AssentkoMmissionen zu erscheinen,, unter anderem mit der Begründung, daß der Landesverteidigungsminister Dr. Markovics ein Jude sei. In Tyrnau kaiy es am 2. d. M. aus diesem Anlaß auch zu PliinderilNgen. Auswandernngserleichterringe« für die Angehörigen der östlichen Randgebiete. Marschau, 4. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Auf Intervention der jüdischen Vertreter beim polnischen ßniigrationskomitee, versprach letzteres, mit seinem ganzen Einfluß beim Ministerium dafür einzutreten, daß Angehörigen der Randgebiete, die zur Militärdienst leisturig nicht verpflichtet sinh, keine Schwierigkeiten bei der Auswanderung gemacht werden. Entschädigung für die Pogromopfer in Jerusalem. Jerusalem, 4. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Im Lokal des 1 WMd-Hair. fand eine Versammlung der Opfer des in Jerusalem vorgekvmmeuett Pogroms statt. Es wurde ein achtgliedriges Komitee gewählt, das die Schäden registrieren und/entsprechende Entschädigung von der Regierung verlangen soll. Die Emigrationsbewegung in Polen. Warschau, 4. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Das ameri konische Konsulat erklärt, nicht inehr als 265 Bisa täglich ausstellen zu können. . Sollte jedoch Washington den Vorschlag, täglich 1000 Bisa zu erteilen, billigen, so stehe der Ausstellung der Visa nach Amerika in dieser Zahl keine Schwierigkeit im Wiege.. England, Frankreich und Belgien warnen Polen vor rittgift Pogrom in Lemberg Paris, 4. August. (Jüd/Korr.-Bur.) D'r. Julius Goldman, der europäische Direktor des American Joint Distribution Commiij/es. versandet nachstehendes Telegramm: „Ich erhielt Nachricht aüs London, daß die englische Nsgtertuig Polen vor einem eventuell-n Pogrom in Lemberg warnen wird. Dieselben Schritte wchcd auch di' ftaMöiifche und' belgische NegiLrnngüutdrnehmen. Auch das amerikünische Rote Kreuz hat versprochen, allen seinen Einfluß zu bentitzen, NM einem möglichen Pogrom vorznbeugen. Die englischen und französischen Bergarbeiter gegen eine Besetzung des Auhrgevietes. Beelin, 7. August. Bar »LagMaft" berichtet ans Genf: Die englischen uui) französischen Dnisru'veiter haben den soss:- chgen Eintritt in den Streik'Ungesichert, falls bas Auhrgebiet besetzt werde. Der endgültige Beschluß hierüber wiU» tu Lmtzban im. d. Oktober vssn inlrrnnttonaftn Bera<NM«raiULschun nefam »orrocu. SÜ'WT.' ' «eisir* mmm Z(6ARETTC*fflllBIER6: ZlGARETTEHHÜtSEM: Sie ObepfreTlö» selbst « ckiv höchste» Cm»i»haBa0fc » des?auch«jea*. gj SBtSIMtllMMMlMMHffM? Der russisch-litauische Friedensvertrag ratifiziert. Kopenhagen, 7. August. Wie ^BerlingsLe Tidende" aus Kowno meldet, wurde heute der Friedens^ vertrag mit Rußland von der litauischen^ konstituierenden Versammlung ratifiziert. Die Russen haben mit der Räumung der von ihnen besetzten Teile von Litauen und von Wilira begonnen. Italien und Pole«. Der „Tempo" schreibt: Falls Frankrich wirklich versuchen sollte, in dem rnssisch-polmschen Konflikt auch noch Nnmänicn und Ungarn hineinZuziehen, wäre es die Pflicht Italiens, sofort zu erklären, daß es nicht mitmachen wolle und keinesfollö mit ihm gerechnet werden dürfe--Italien wünscht die baldigste BerndiguNg des Konfliktes und bereitetseinerseitS die W i e d..e r a wf n a h'm enorm «l er B e z i eh u ng e u z u d c n S o w j c t s vor. Tagesbericht. Empfang IabotinSkys und der übrigen Gefangenen von Akko in Jerusalem. NachträgNch wird aus I?- r u s a l e m gemeldet: Am 12. Juli um halb. 7 Uhr abends kamen unsere Gefangenen von Akto in Jernsalem an. Eine tausendköpfige Menge hatte sich anr Bahnhof eingefunden. Es p.cu\ nicht nur die junge zionistisch erzogene Geueratwn,^ . auch die Massen des. „alten Jischuö", waren herbeigeeilt; ein lebensgefährliches Gedränge herrschte auf der Plattform des Bahnhofes. Es waren ursprüWlich Auszüge der Turner und der Zdfim (Boyscvuts) zum Bahsthof geplant, die jedoch -nicht gestattet wurden. Die „Mailabi" und Zosim verblieben daher in der Umgebung der Lämelschule, wo der offizielle Empfang stattfinden sollte irnd sperrten dort hie Gassen gegen die.u-ndränger.den Massen der jüdischen Bevölkerung, die Jabo» tinskh dort erwarteten. Am Bahnhof erschienen, die Mitglieder, der Zionist Commission Dr. Ruppin, Doktbr Eder, L. Jäffe, ferner Dx. Eliasch, van.Brietzlmr^ Mr. Nurock zum Empfang, Jabotinsky wurde von der ' Masse auf den Schultern in das Automobil der „Hadasfa" getragen, das ihn inmitten stürmischer Äkkla'mativnen der Menge nach Jerusalem brachte. Im großer Hofe der Lämelschule fand sodann die Begrüßung statt. D'r. Schmarja Lew in begrüßte die befreiten Gefangenen namens der Zionistischen Organisation. Er erzählte von der gewaltigen Erregung, welche die Ereig^ nisse von Jerusalem in der ganzen Welt hervorgerusep haben. Die Judenheit fühlte, daß dies die letzte mütigung ist, die wir auf uns nehmen mußten und daß die.Stunde der Erlösung nahe ist. Dr. Nuppin' ergriff das Wort zur Begrüßung im Namen der Zionist Commission — es war Dr. Nuppins erste hebräische Rede vor einer großen Versammlung. Doktor Thon sprach im Namen der Wäad Hasmani: „Du bist der Schöpfer der Legionen: Du hast-uns zur Disziplin aufgevufen, ^ib' jetzt du ein Beispiel der Disziplin und stelle dich in chie Reihen der Arbeiter ein." Im 'Namen des Oberrabbiners K u ck verlas E. M. Lipschütz ein heimliches Begrüßucktzsschreiben. Hierauf ergriff Jabotinsky das Mit und begann mit der Begrüßung: „Schalom Jerusalem! Wir kamen zum Frieden und zur Arbeit." Er gab einen Rechenschaftsbericht über die Arbeit der „Hagonah" (Gelbstwehr) in Jerusalem und ging bann zur Besprechung seines Pro-- zvsseS über, den er mit dem Dreysus-Prozeß vergliche Llber niemals haben er und seine Freunde an der Gerechtigkeit Englands gezweiftlt. Er werde in England die Revision seines Prozesses verlanget. Er'habe von Gir Herbert Samuel einen Brief erhalten, daP eine andere Form der Begnadigung nicht möglich -war,' aber wenn er eine Revision des - Prozesses wünsche^ werde Samuel eine solche in England befürworten., Jabotüiskh. betonte hieraus die Nvtwendigkeit der Politik scheu Kritik. Die jüdische Oesfentlichftüt müsse kritisieren. fordern, drängen, denn dieser Druck führt zur Erneuerung und Gesundung. Mn.n viele Neainw bisher als Judensreunde ins Land kamen und sich hier in unsere Gegner verwandelten^ geschah das nach dem Gesetz'- des geringsten Mderstaudes. da war von arabischer' Seite ein Druck vorhanden war. Jabotinsky erwähnte/ daß die gemeinsame Hast mit den Arabern in Akko sie gegenseitig genähert lstrt. „Mr haben bei den Arvbrru' gute Gefühle gefunden, Höflichkeit Md Dankbarkeit.- W!ir haben erkannt, daß wir mit den Arabern in Frieden und Ruhe leben können." Jabotinsky erniahntr z»»r' Schluß die Bevölkerung von Jerusale,«. d'te bitten Vergangenheit zu vergessen und jetzt nur on de,l -'Vn*' avfbau zu denken.

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