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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-08 · Heft 555 (8.8.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 555 (8.8.1920)
Date
1920-08-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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[ Seite 4 Wien, Sonntag _ Wiener Mvrgenzeitrrrrg Ureitig protestiert sie energisch gegen jeden Versuch, di« gegenwärtigen Ereignisse als Vorwand zu .benütze«, dnn sich in dir russischen Angelegenheiten einzu- Aschen. Der Beschluß über Ungarn begrüßt die Rück- Mr der ungarischen Genossen zu den. demokratischen Grundsätzen her International« und protestiert energisch gegen den weißen Terror in Ungarn. Die Resolution, betreffend die Lage de rIuden in Po len, «immt den früher schon erh»H«ne« Protest gegen den Antisemitismus wieder auf, der immer «och in Polen herrsche und stellt die Forderung auf, daß in den Ländern, in denen eine größere Anzahl Juden kebt, wie in Polen, ihnen, dir volle Freiheit und die Freiheit der Ein- und Auswanderung gewährt werde. Der Beschluß nimmt Kenntnis von der Gründung eines national-jüdischen Zentrums in Palästina und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die jüdischen Arbeiter in Palästina eine sozia-' llistische Republik zu errichten vermögen. R»ßi«rds Friedensdedi»K««gen. Lmidon, 7. August. (Funkspruch.) Dir Note Kn m e- «ewS a» Lloyd George wurde -estern perSffrnd' licht. Die besagt, daß Somjetr,ß!anb selbffderstSchUch «jemals beabsichtigt habe noch beabsichtig, die Herchandlungen über einen Daffenstillstand mit tzenen über einen endgültigen Frieden zwischen Polen und Rußland zu vereinigen. Jedoch sei es unvermeidlich, daß bei den Da'fenstillsbanbsderhandlungen auch über gfc- 3t)iffc Bedingungen und Garantien gesprochen werden müsse, dir nicht ausschließlich militärischer Natur seien. Die rwrgeschichre des polnischen Anßriffes, die franjdfif che Hilfe für Polen und der Ksmpf des Generals Drangel am rechten Flügel der Pow» «rachen Garantie« notwendig, damit nicht während der Verhandlungen Polen von neuem Feindseligweiten beginne Sowjetrußland werde die Unabhäw» Äiten beginne. Ssivjetrußland werde die U nab hängig ks it Polens und bas Recht feiner Völker auf Selbftb7stimmung voll achten und die Bestimmungen des DasfenstillstanbeS und Friedend würden daS polnische Volk in keiner Weise behindern. Dir russische Negierung sei noch immer der Ansicht, daß u n m i 11eU Verhandlungen zwischenPolen und ÄSußland den Interessen beider Dölwr am Heven tziene« werden, und wiederholt ihre de» polarischen Staate weitere Grenzen zu geben, als der Oberste Rat und die britische Note dom?ü. Juki gezeichnet haben. Eine Konferenz in LorKon itzwischm Rußland und den Verbündeten wäre sehr Zweckmäßig, um die internationalen schwebende« Fragen zu erle-i^ex und den allgemeinen Zrie'^n heröriführen. Ueber di« Note wurde Oester« »«der Svrfttz Klvtzd Georges im Kabinett beraten. ItaNen für die Anerkennung der Dorsche* - wlkerrregierung. , Die Kammer verhandelt den Gesetzentwurf betreffend die RatifiDierung des Friedensvertrayrs von Gaint-Germain. Minister des Aenhern Graf Sforza erklärte ix bezug «uf dk «rffffch^rünische Frage: Die Kirver Expedition war «in Irrtum, oiber jetzt will P^en aufrichtig den Frtchr»- «rotz der ruffschen exDnnponiBsche« tk*etHefenm§m — w«, 5|ofi Regime wechselt, aber die Aeberlieferungen bleiben — fcft zu hoffen, daß die Sowjetregierung ihr Intereste begreift, tut Polen einen hrenhasten Frieden zn schließen. Das r uffi. che kommunistische Experiment mutz sich bis ans Die Stadtverwaltung von Jerusalem. f'i T> Wir entnehmen dem «t Toronto er* scheinenden Tagblatte „The Hebrew Jourtud“ die nachfolgenden interessanten Darle- / «ungen von David N e l l i it, welcher vor kurzem Dizebüvgermeister von Jerusalem geworden ist: , . In London ereilte mich die Nachricht, daß ich zum KizMrgermeister der Stadt Jerusalem ernannt wurde. ßDiese Nachricht hat mir große Freude bereitet,, da diese Stellung mir ein weites Arbeitsfeld für den Auf- und Ausbau meiner Geburtsstadt Jerusalem eröffnet, Nicht zum ersten Male gehöre ich her Stadivei> -Wallung von Jerusalem an. Denn schon vor 15 Jahren iwurde ich in den dortigen Stadtrat gewählt und beneidete diese Stelle vier Jahre? vorher hatte mein ater durch vier Jahre das gleiche Amte inne gehabt., och wie groß ist der Unterschied zwischen damals und' eute! Es genügt, daran zu erinnern, daß damals die Ärkei das Land beherrschte: und wenn «an damals -etwas für Jerusalem tim wollte, bedurfte es einer Er« jlaudnrs aus Konstantinopel und das bedeutete: Bakschisch tun die Machthaber, welche gr«tze« Gesdhnnser batten'und Weld brauchten, um de« tseldhunger her noch Höhere» ,v befriedigen, damit sie sie weiter bei ber Macht lalle». Damals wurde jede Initiative gleich nn lltnftmg erstickt und die Stadtverwaltung konnte sich bloß »it Klein»» Seiten befassen. Di« Sitzungen fanden hinter geschlossenen Türen statt und nur die unwichtigste» Nescküüsie durften veröffentlicht werden. Als ich »«nt ersten Male jttt her Stadtverwaltung über «tn Arbeitsprogramm sprach, hielten mich meine Kollegen für verrückt. Eizren Ende frei entwickeln. Der Bolschewismus mutz leben oder von selbst sterben und darf nicht ein Märtyrer oder ein falscher Märtyrer sein. Deshalb haben wir mit der Moskauer Regierung eine Vereinbarung wegen Zulassung eines russischen Vertreters in Italien und eines italienischen Vertreters in Rußland ab» geschloffen, die an der Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder arbeiten werden. Der russische Vertreter Worewski wird erwartet. Er wird in Italien die weitestgetzewde Gastfreundschaft genießen. Es ist aber selbstverständlich, daß er sich in keiner Weis« in unsere innere Politik.«iranischen wird. Der Zusammenbruch. Köln, 7. August. (Korr.-Bur.) Unter ber Ueb«rschrift „Der Zusammenbruch Polens" läßt sich die „Kölnische Zeitung von ihrem Warschauer Derichterstatte): folgendes melden: Die Lage Polens hat sich zu einer militärischen Katastrophe und zu einem völligen tenerpolitische» Zusammenbruch entwickelt. Selbst die militärischen Ratgeber P<lens, die Frangofe», hoben am Donnerstag »tttog ihren SchÜtzli»g prelSWegebeu und beim deutsche« General» konsnlat für sämtliche Mission-Mitglieder fchKunigst bk Pässe zur Abrrise bestellt. Segen des Pers»»alma«KelS bei den deutsche» Behörden übernahmen drei französische Majore die Schreibarbeit indem deutsche» Generalkonsulat. Dir einzige m litarische Hoffnung Polens, die vom General Haller aufgrstMe Freiwilligenarme«, hat in den ersten schweren Kämpfen, die sie anfangs tzieser Wdchr mit dem Feinde an der Rordfront hatte, 'zwar teilweise unter ungeheuren blutigen Verlusten heldenmütiges geleistet, teilweise aber auch' vollkommen versagt. ' Zersetzend hat ganz besonders die eigenartige Stellung der französischen Generalftabsofsrziere des Generals Weygand gewirkt, die als Berater den Generalstäben beigegeben waren. Das militärische Ehrgefühl der Polen sträubte sich dagegen, sich von den Franzosen bevormunden zu lassen, und häufig wurden von den polnischen Führern des einen Abschnittes die Befehle auS» geführt, im Nachbarabschnitt aber autzeracht gelassen, so daß das Ergebnis dieser sogenannten französischen Hilfe eine heillose -Verwirrung der Kommandoverhätt- «isie an der Front war^ Am Dienstag und Mittwoch wurde das letzte Hindernis für den Vormarsch gegen Warschau, der Flußlauf des Bug,., in 40 .Kilometer breiter Front zwischen Janow und Drohytschin .überschritten. Hiebei wurde eine Brigade der Freiwilligenarmer derart auSeinanöergetrieben. daß dis^ Trümmer in aufgelösten Trupps bis Warschau zurückfluiete« und abgerissen, verwundet oder hell, mit oder ohne Waffen, in Rudeln von 20 bis 40 Mann die Straßen durchzogen. Die unmittelbare Bedrohung der Hauptstadt durch den Feind wurde durch die Bildung einer Bürgerwehr und Einsetzung eines M i l i t ä r g o u v e r n e u t % mit außer- »rdmttlichen VvAmachten zur allgemeine» Kenntnis gebracht. Die Heiden Noch i»toftt* WeichselHrßcken wurde» ffttr EPreutz»»» »»rtzersttch AI» Vchßffstv,M»Ht «uf der WeWel ist bei Todesstrafe verbvtt». Rach dem Urteil polnischer Militärs galt Warschau schon am Donnerstag fste schwrr gefährdet, doch galt es als Ehrensache, es. ^is zum letzten Blutstropfen Bauplan filr Jerusalem gab es nicht. Jeder baute, wie es ihm beliebte, und oftinals auf Grund, der ihm nicht gehörte. So entstanden Neubauten in der Stadt, die besser nie hatten entstehen sollen. Meine Stelle befriedigte mich auch deshalb nicht, Werl es nichts unangenehmeres gibt, als mit Stadträten zusammenztisitzen, welche kein .Empfinden für das allgemeine Wohl haben, sondern, tun, was für sie einträglich ist. Diese Periode des Stillstandes und der Willkür ist jetzt verschwunden und dem Lande lerMsi ein neues Licht auf. Da Erez Israel die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes werden soll, hat ferne Hauptstadt Jern-. salem, Aussichten auf eine ganz neue Zukunft und Bedeutung. Die ganze Welt will Jerusalem jetzt als Must^rstadt eingerichtet sehen und jetzt ist auch dte Maglichkeit dafür, dies zu verwirklichen. Au meiner größten Freud« ist jetzt di« Zeit gekommen, i« Jerusalem Arbsit zu leisten, welche snihrr unmöglich war. Eine neue Verwaltung ist da, mit neuen Meuschem Präsident der Stadtverwaltung wurde ein Freund Danab-Vel-Nassib!, ein moderner Man» mit moderner Gesumung, welcher wirklich danach strebt, daß seine AedurtSstadt aufiedt. Auch die anderen Mitglieder der Siadtperwaltung wisirn, was die Zeit von ih«e» fordert: daß Jerusalem die Perle deS Landes tzeerd«^ Di, Ardett ist W»er. Gd «nch daperWech werde», was dkr frühere» verwalk»»««» dervortze» hoben und daß« matz «ach »rne Ardett kämmen. Vir muffe» von Onrada lernen und Hach dadei hadenke», datz daß eigenartig, Seprchr, der UmgtbunQ gewahrt bleide. AffeD mnß Orientalische» Charakter tragen, »end wer nach Jmtsalem kommt, mutz fühken, daß er fich in der Epiadf Salpmsß und HiSkijahits hcfjndet »nd nicht in hqr Dtzpendance einer europäischen Großstadt, «ir werden S August 1920 ML A8Y - ' zu vereidigen. Infolge der trüben Lage an der Frost bemächtigte sich im Laufe deS Donnerstag der Warschauer Bevölkern«- eine Panikstimmung. Die Banken wurden um 1 Uhr geschlossen, die Börse um halb 12 .Uhr vorzeitig abgebrochen. Lebensmittelgeschäfte wurden gestürmt. Die jüdischen Läden im Ghetto wurden wegen der Pogromsttmmung mit Eisenstangen und Rolläden verschanzt. Die Regierung begann die Stadt zu verlassen, zuerst das Finanzministerium, Als Fluchtvrt galt Czenstochan, möglicherweise auch Krakau oder Kalicz, keinesfalls Posen. Von einer einheitlich:» Negierung kann somit nicht mehr die Rede «sein. Der Mimfterpräsi^ent W i t o S z befindet sich mit einem Stab höherer Beamtet in Lemberg, die übrigen Ministerien vermutlich in Czenstochan. Der Staatschef, der aleichreitig als 5^brrkommandierender gilt, und die mklitLr^schenHehörben vl'iben m Warschau. PllsudSki sagt man in OfsizierKkre.sen nach, er wolle lieber den Tod auf dem Schlachtfeld finden als Polens Elend überleben. Noch zerbrochener ist die Lnnerpolitische Lage. Der Kongreß der Zweiten Internationale für die Juden in Polen. Gmf, 6. August. (Dblff.) DäS Execkuttvkvmitre der Zweiten 9»tcrnat!onale, bas sich heute kvnstituierlo. ernaunte eine Kommission von 5 Mitgliedern, bestehend aus je einem englischen, französischen, belgischen, holläntzffchen und skandinavischen Delegierten, um eine Untersuchung über die wirtschaftlichen Derhältirisse in den Zentralstaaten vvrzunehm?n. Die Kommission wird sich zü diesem Zwecke mit allen Arbeiterorganisationen in Berbludung setzen. Das Exekutivkomitee setzte sodann gemäß dem ^Vvn dem Kongreß erteilten Auftrag defini-; tiv d<n Text für die Resolutionen, betreffend Ungarn, die Lage ber Juden in Polen und die Rechte ber Völker, fest. Die Resolution Über Ungarn begrüßt die Rückkehr, ber ungarischen Genossen zu den demokratischen Grunde sätzen der Internationale und protestiert 'gegen den weihen Terror der militärischen Reaktion in Ungarn. me jüdische WelthilfsKonferenz ttftttdM, 6. August. (Jewish Korr-Bur.) Im Armen des amerikanischen Judentums begrüßte noch AAxander Kahan (Rew-Aork), im Ramen der Stadt Orrlsbad ei« Vertreter dieser Stadt die Konferenz, ffrwhtf *»rte die Grft«ttun» b«S Referats über die wirtschaftliche Lage der Jeden in .den einzelnen Ländern fortgesetzt. Es sprachen Riemiervwer über Rumänien, S lu z ki über Beßarabien .und C h u r g i n über. Mißrußlayd. Den Bericht,, über Oester rech erstattete Frau Anitta M ü l l e r, E i s n e r über die Slowakei, Prof. Engel üb-r Tschechien, Oberrabbiner Dr. ChajeS Über Ungarn und Italien und Doktor Krämer über die Bukowina. Eine Darstellung'der Heuligen Emigratio ns fragen gab K a u f m a n « (De utschfand). Gor den Mahlen in die Spezialkommifsionen e stattete ter Man^atsprümng^auSschuß den Bericht, demzufolge 15 Mandate annulliert warben. Hierauf wurde ein Permanenzausschuß, in dem sämtliche Parteien aller Schattierungen vertreten sind, gewählt. Es wurde beschlossen, den gestern von Tcmkin erstatteten Beriet ßder die Pogrome in der Ukraine als Schwarzbuch n;. fünf Sprachen her«uSzugehen. Die S»»fere»z »ahm auch ei««n Antrag des Ober-. ecklldtaerS LhnjeS «», einen Protest gegen die Judtnrnetzeteien in der Ukraine und der Vergewaltigung der . Juden Ungarns zu veröfsentlichen. Hierauf wurden die, Kommissionen für Emigration, soziale Fürsorge, Meder- «usbau, Finanzen und > Organisation gewählt. dabei gewiß alle technischen Errungenschaften benützen müssest, nm das Leben in der Stadt.bequem zü^ machen, aber das Reue muß mit dein Alten harmonisch Vörbunden sein. Die erste Arbeit wird ein Plan für die Erweiterung der Stadt sein müsseru Ein solcher Plan Wurde bereits vor zwei Jahren^ entworfen, er rechnete jedoch einerseits nicht mit der Topographie der Umgebung von Jerusalem, welche voll Berge und Täler ist, und anderer- , fette nicht mit den bereits vorhandenen. Siedlungen. Deshalb muß ein neuer, geergrieter Plan ausgeckrbettet werfen, in welchem iw voraus die Stellen bestimmt sind, an denen städtische und RegienmgZgebäude, Parks, Promenaden usw. sich befinden werden. Es darf Nicht iibersehen werden, daß in der ersten Zeit eine fieberhafte Vautätigkeit einsetzen und Hunderte von? Hausern in kurzer Zeit entstehen werden. Wahrscheinlich wird ein Konkprsattsschreibm für eiem Ausbauplcm von; Jsrmfakem erfolgen und dann werden für den defi^ttipen- Plan die verschiedene 'Vorschläge vereinigt werden. Dis Kanalisation, welche für die Gesundhettsverhciltmffk von hefonderer Wichtigkeit ist, wird besondere Aufmeriffamkett «rforvern. Vor allem wird die Wasserfrage gosiist werhr» müffe»^ tzas llSafser, ivelches jetzt in die -elystet wird, reicht nicht äns, und bei Dergrötzent*§ btt Stt»di wird dies noch mehr fühlbar werden. ES werde» die Waffergussivn im Norden Jerusalems horch R-Hrr» rngelettet werden müssen, vm endlich die BeOktznng pexdrrdenen lVafferS, welches Krankheitskeime «KWt» dinten-nbatten. Per gegenwärtige Zustand der Sttaßon ist schlecht «nd stört me Kommunikation^ besonders in der Kegdnreit. Gin Elektrizitätswerk muß errichtet werfen, um alle Häuser JerrrsalemS mit elektnfHer BeleuKtung zu versorgen. Die Antzftanzung von

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