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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-06 · Heft 553 (6.8.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 553 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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L Seite 41 Men, Freitag > pk—--- —" 9 ' ,„-,f sek stets mit Schnaps- und' Champägnerflasch'en voll gewesen. Dorthin habe man auch Dobo gebracht und ihn betrunken gemacht. Dobo sei tatsächlich betrunken gewesen, allerdings nicht in dem Grade, daß er nicht gewußthätte, was um ihn herum vorging. )[; Stephan Dobo. bemerkt hiezu, er habe die ganze Rächt getrunken. Man habe ihn in trunkenem.Zustand -in die Villa geführt mit der Begründung, daß man nur lerne Verhaftung vornehmen wolle, denn man habe wohl ^gewußt, daß er den Auftrag, Tisza zu ermorden, schon kzweimal abgelehnt hatte. Hauptmann Csernyak sei eigens zu ihm gekommen, um ihm zu sagen, daß Tisza Überhastet werden solle, und hinzugefügt, daß schon vors her Sechsergruppen zur Verhaftung Szterenyis und des ^Generals Lukasich abgegangen seien, f Hierauf werden die Sachverständigen im Schießfa'ch j befragt, worauf die Verhandlung abgebrochen wird, um j.jix der Villa Rohein einen Lokalaugenschein vorzu- || Bet dem Lokakaugenschein, der in ber Villa vorgenommpn i wurde, schildert der Angeklagte Hüttner an Ort und j Stelle die Verübung des Attentats. Ms die Täter. bei dem ^Tor eintraten, erzählt Hüttner, gingen Gärtner und Lang in den Park. Hüttner blieb beim Eingang zurück. Später horte er Schüsse, und als er Csernyak laufen, sah, lief er chnt nach. An ber Ecke des Hungariaringes standen zwei Kraftwagen. Er stieg mit Efernhak in einen der . Wagen eüu Bald darauf kamen auch die übrigen ^Täter, zuletzt Kerr. Hüttner fuhr dann mit Cfernyak in bas Hotel Astoria. Der Angeklagte Dobo erklärt, daß an der Tür ein Wendarm. stand, zu dem Pogany einige Worte sprach, worauf der-Mendarm fein Gewehr auf den Arm uahm und wegging, sl -Angeklagter Sztankovszki teilt mit, haß Pogany ihn beim Eintreten erjucht hatte, er solle sich überzeugen, ob die, Verbindung nach rückwärts aufrechterhalten werde. Er sich', daß Pogany und. Horvath-Dzamovich nnt ihren Gewehren MrMr.ziftten. . { iS.j k Mederösterreichischer Landtags t (Die letzte Sitzung der Sommersrssion.) Der Landtag ist gestern nach einer vierstündigen Mtzung in die Ferien gegangen, nachdem er vorgestern das Gesetz über die neuen Gesamtsteuern in einer sehr erregten Debatte zum Beschluß erhoben hatte. Auch die gestrige Sitzung nahm einen ziemlich erregten Verlauf, als der Referent Adolf Müller den Antrag des Finanzausschusses, die Bahnbaustrecke Ruprechts- Hofe n—-W i e s e I b u r g—G r e st e n aufzulassen, begründete. . Es handelt sich um die Abtragung einer 36-Kilo- Meter-Bahnlinie, um die investierten Werte zu retten, .einen traurigen Akt, der eigentlich der Verwaltung der -früheren Zeit zukommen würde, die diese Bahn gebaut hat, obwohl jeder voraussehen mußte, daß von einer Rentabilität dieser Bahnlinie nicht im entferntesten gesprochen . werden konnte. Der Referent betont, daß zu Gefallen der Dynastie, deren Hausgüter Weinzierl-Wangg an dieser Linie liegen, die Bahn gebaut werden sollte, wie aus einem Berichte des Landesausschusses hervorgeht. (Rufe: Habsburg-Bahn!) Für die Notwendigkeit dieser Bahn, die;a noch nicht ausgebaut und viele Millionen schon ■ verschlungen, spreche nichts. 1902 wurde der Beschluß Zum Bau gefaßt und zehn Jahre später hätte man erst mit dem Bau begonnen. Da müssen also andere Gründe vorgewaltet haben, als „die Hebung der * Sensen- Industrie", die an dieser Strecke ihre Betriebe hat. Der Referent bespricht in eingehender Weise, wie leichtfertig mit den Steuer ge ldern des Volkes zugunsten der Dynastie gewirtschaftet wurde Und beantragte die Auflassung dieser Bahnbaustrecke. In der folgenden Debatte ergriffen die Christlichsozialen Jekl, Sturm, Beyrer und Steiner das Wort, um in erregter Weise die vom Referenten vorgebrachten Beschuldigungen zu widerlegen. Schließlich wurde der Referentenantrag einstimmig angenommen und die Sitzung geschlossen. Die Jugoslawen räume». Klagenfurt» 5. August. Heule vormittag? wurde von de» Jugoslawen mit der Räumung der Demarkationslinie Lrgouurri. Der Verkehr zwischen den beiden Abstmmnngszonen wir.d in -doller Freiheit vor sich gehen. i ' ^Beratungen über die Aufhebung des Boykotts gegen Angarn.' Wie gemeldet wird, sindet morgen nachmitts-S eine Sitzung der Vorstände der Gewerkschaften statt, in der tber die Weiter- Wrrnrg, des Boykotts gegm Ungarn entscheidende Beschaffe Lyaßt werden sollen. __ Der Sozialistenkongretz für Oesterreich. r Genf, 5'/ August. (Korr.-Bur.) HuySmanS hat auf ptm Kongreß der Zweiten Internationale eine R t f o I a 11 o tt «mgebracht, es sei Pflicht der Ententrregierungen, Oesterreich gegen dieBedrohungen Ungarns zu § ch ü tz e n. \ Dre Resolution wurde von den Vertretern aller Nationen -einstimmig angenommen und ist . von den Italienern an Las Auswärtige Amt in Rom telegraphisch übermittelt worden. I Wie verlautet, hat Abgeordneter H « e die Absicht, auf dem Wergarbeiterlvngrej) die K o h l e n n o t Oesterreichrur Sprachr zu bringen. .. Wiener Morgenzeitung -.... "'■oyv" — — 4^ Telegramme. Die Londoner Konferenz in Frage gestellt. London, 6. August. Reuter erfährt: Die englische Note an Rußland spreche zunächst daS Erstaunen über das Nichtrintrcffcn einer Antwort auf die englische Mitteilung vom 29. v. M. aus. Ferner lege sie dar, daß, wenn die für die Abhaltung einer Konferenz in London festgesetzten Bedingungen auch weiterhin unbeachtet blieben, die Folge derBerzichtaufdie KK> nf e r e n z sein müßte. Wenn die Sowjetregierung bei ihrer Forderung bleibe, daß die polnischen Vertreter ermächtigt werden sollen, nicht allein einen Waffenstillstand, sondern auch den Frieden abzuschließen, so werde die Londoner Konferenz nicht stattfinden. Nach ihrer heutigen Unterredung mit Lloyd George und Bonar Law sind die russischen Delegierten nicht in der Lage, dies ihrer Regierung klar darzulegen.* England mobilisiert zwei Divisionen. London, 5. August. Meuter.) „Daily Expreß" glaubt zu wissen, daß die englische Negierung die nötigen Maßnahmen für die rasche Mobilisierung zweier Divisionen getroffen habe. Das Amt für die Liquidierung der Kriegsbestände habe gewisse bereits eingegangene Verpflichtungen rückgängig gemacht. Moskauer Frontbericht. Moskau, 4. August. (Flmkspcn'ch? An der 'Nord- Westfront wurden Lomscha, Masowiezk, Schepetowka und eine Reihe westlich gelegener Ortschaften genommen. Ziechanowiecz wurde nach Kämpfen genommen, der B u g bei der Nurezmündung erreicht. Am Westufer des Bug wurde der starke feindliche Widerstand vor Siedlce gebrochen. Im Raume von Tarnopol und Czort- -kow wurden die P o l e n auf die Strypa z u r ü ck g eworfen. Moskau, 5. August. (Funksprüch.) An der Bahnlinie Sarny—Kowel wurde der Stochod überschritten. In allen Ortschaften des befreiten Gebietes haben sich Bauern- und Arbeitersowjets gebildet. Ii;*»•; .3 ir Die deutschen Eisenbahnbeamten gegen die Truppentransporte. Berlin» 5. August. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, hat die Reichsgewerkschast der dentschen Eisenbahnbeamten eine Kundgebung erlassen, worin die deutsche Eisenbahnbeamtenschasl geschloffen auf-dem Boden der von der Reichsregierung verkündeten Neutralität steht, und alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel anwenden wird, um dem beabsichtigten Durchstoß alliierter Truppen zur polnischen Grenze die. Eisenbahnen zu entziehen. Sie wird mit allen Kräften verhindern Helsen, deutschen Boden zum Etappen- oder Kampfgebiet der Alliierten werden zu laffen. Der Sozialisterrkorrqretz gegen den Versailler Frieden. Genf, '4. August. (Wolfs.) In seiner heutigen Vormittagssitzung nahm der Internationale Sozialistenkongreß eine Resolution über den Frieden , und den Völkerbund an, in ber es heißt: Der Internationale Sozialisten kongreß stellt fest, daß ber Krieg, der Europa dem wirtschaftlichen Untergang zugeführt hat, mit einem Frieden abgeschlossen worden ist, ber die Welt in einem Zustand der Unjrcher he1t und Zerrissenheit beläßt. Im Namen der einen Frieden und eine Neuorganisation des politischen und kvirisch aftlichen Lebens verlangenden Menschheit protestiert der Kongreß gegen jene Bestimmungen des Versailler Vertrages, deren einseitiger Charakter für die - Aufrechterhaltung eines dauernden und endgültigen Friedens ein Hindernis bildet. Der Geist der Unverföhnlichkeit, der die Vorberatungen beherrschte, und die Revision des Friedensvertrages zurückhielt, fährt fort, einen verhängnisvollen Einfluß auszuüben. Gegen die offene oder versteckte Intervention fremder Regierungen''gegen R uß land erhebt der Kongreß energischen Protest. In der Vormitkagssitzung wurde bann noch die verschiedenartige Behandlung besprochen, die die alliierten Regierungen Oesterreich und Ungarn zuteil werden ließen, welch letzteres noch eine bedeutend stärkere Armee unter den Waffen halte, als der Friedensvertrag ihm vorschreibe. Die Ausschreitungen in Irland. London, 5. August. (Funkspruch.) Das Mizen-Head- Leuchthans wurde von Sinnfeinern überfallen, die 12.00 Schuß Nebelsignalpatronen raubten. Auf Verfügung ber Regierung werden bis auf weiteres die aus Amerika kommenden Dampfer Irland nicht wehr anlaufen. Das Gerichtsgebäude der Grafschaft Donegal wurde gestern von Sinnfeinern in Brand gesteckt und zerstört. In Cork kam eS gestern, abends abermals' zu Schießereien in den Straßen. Internationaler Bergarbeiterksngreß. " Genf, 5. August. Der mternationsle Vrrgarbeiterköng«ß setzte heute vormittags seine Beratungen mit der Behandlung des belgischen Statutenentwurfes fort. In der Frage der Arbeftszeit begründete Hue (Deutschland) die Notwendigkeit der Einführung der Sechs, stundenschicht in Deutschland, wo. schon die Sieben-' stundenschicht durch geführt sei. Griechenland hat den Frieden-Vertrag ratifiziert. Athens ö. August. (Trl.-Komp.) Grirchenland hat die Fnedensverlräre mit Deutschland n«d Oesterreich ralisizint. 6. Slufluft 19Z0~ jitt55$\ rnmmn’+mpm ,» ... .n .ii.rt 7ÜVii'Ik ... . - Attentat ans den ehemaligen Gonvernenr votz Barcelona. j '''?' Madrid, 5. August. Auf den ehemaligLn' Gow ' veeneur von Barcelona, Lacort e, wurde, als er vo» , einer Haftnspazierfahrt heimkehrte, in einem Vorort von Valencia geschossen. Laaorte und feine Genvahlr, wurden schwer verletzt, die Schwägerin LaoorteZ wurde getötet.; j , Der deutsche Reichstag nnd die Ereigniffe in Ssie«. Berlin, 5. August. Der Aeltestenrat des Reichstages lehnt deu Antrag ab, wonach der Reichstag wegen der politischen Las weiter beffammrn bleiben soll. DaS Heus wird sich bis.Ostobv vertagen. Sollten die politischen Ereigniffe es erforderlich «acheq so ist Borsorge getroffen, daß der. Reichstag jederzeit frühe, ' zusammrntreten kan». Das EntwaffuuttgSgeseh in Deutschland angenommen. Berlin, 5. August. (Wolfs.) Der Reichstag Hai heute das E n t w a f f n u n g s g e s e tz mit einem Kom« promißantrag der Regierungsparteien, wonach dem Re» gierungskommifsär ein parlamentarischer Beirat beigegeben wird, in dritter Lesung angenommen. Gegen das Gesetz stimmten die u n a bhängigen Sozialdemokraten, die Bayrische Volkspartei und ein Teil der Deutschnationalen, der besonders der Befirgnis, eidesstättige Versichenmgen bezüglich des Besitzes von Waffen zu verlangen, nicht zustimmen wollte. Im Laufe der Wechselrede führte Reichsminister des Auswärtigen Dr. Simons unter anderem aus: Wir müssen unsere Neutralität ausrechterhalten. Die Entente hat ein Interesse daran, Truppen, durch Deutschland nach dem Osten zu senden. Wenn es sich bewahrheiten sollte, daß bereits Vorbereitungen hiezu im besetzten Gebiet getroffen würden, so wäre damit die deutsche Neutralität verletzt. »Denn ob unbesetzt oder besetzt: Deutsches Gebiet bleibt deutsches Gebiet, nnd kein Gebietsteil einer neutralen Macht darf zu Truppenbewegungen bennht werden. Wir werdest unsere Neutralität mit allen Mitteln zu schützen versuchen. -<r Noch immer die Flaggenfrage. Berlin» 5. August. Die Flaggenfrage ist, wie das Wvlff« Bureau erfährt, Gegenstand ewes Notenwechsels zwische» der französischen Botschaft und der deutschen Regierung. Die letztere hofft. Mittel und Wege zu finden, die aus der Flaggen* angelegenheit entstandene Spannung i« Sinne der Völkerönndakten zu erledigen. Die Unruhen in Mesopotamien. London, 5. August. (Funkspruch.) Das KriegSamk teilt mit, daß die Unruhen in Mesopotamien fortdauem.' Am 24. Juli wurde eine starke Abteilung, die zur SSt* kundung südlich von Hilla ausgesendet worden war, 70 Meilen südwestlich von Bagdad, angegriffen. ES gelang ihr, Hilla^ wieder zu erreichen. Die Verluste betrugen 300 Mann; der Train, die Pferde und 12 Maschirlengrweh're mußten fctt Stich gelassen werden. Die Bahn zwischen Bagdad' und Hilla. ist an mehreren Stetten unterbrochen. Von bey eingeschlossenen Besatzung von Kufa sind keine neuen Nach^ richten eingelangt. v-,!; v: "II. Kampfe in Albanien. Durazzo, 4. August. (Stefani.) Die serbische Artillerie beschießt den Fluß Pronisat (?). Die. Albaner rücken gegen die Kastrati vor. 40 Gendarmen mit einem Offizier wuchen umzingelt und scheinen in Gefangenschaft geraten zu sein. i ~ ■ ■1':-■ j ■ Der Bericht der sozialistischen Antersuchnngs- Kommission über die Pogrome in Polen vor der Zweiten Internationale. Genf, 4. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Der Bericht der sozialistischen Untersuchungskommission über die Judenpogrome in Polen wurde dem Kongreß' der Zweiten Internationale vorgelegt. Der Bericht, welcher von Renaudel, Kohn und Shaw ausgearbeitet wurde, betrachtet als die Hauptschuldigen an den Pogromen Dmowski und seine antisemitischen Parteigänger. Der Bericht unterstützt die Forderungen der Juden auf vollständige nationale Autonomie in Polen und die Ansprüche der nationalen Minderheiten unter dem Schutze des Völkerbundes, wie auch die Ansprüche der Juden auf Palästina. Mobilisierung-Vorbereitungen itt Rumänien. Moskau, 5. August. (Funkspruch.) Nach Melduvgeu vo» der nnnänische» Grenze werden in R « m 8 n i e» Modi l if 111 it * |« d 61 & t * t x t b » $ t« srtrofftn. DaS Vieh der Grenzgebiete wird bereitweggetrieben. Dr. Hegedäs in Pr«g verhaftet. Prag, 5. August. (Tell-Komp.) Gestern wurde in Prag der Führer der antiffchechifchen Agitation i« der Slowakei, Dr. HegrdLS, verhaftet. Generalstreik in Asch. Asch, 5. August. (Trl-Komp.) Bekanntlich ist hier zu den Asientierungen niemand von den Ausgerufenen erschienen. Da nun «it militärischen Zwangsmaßnahmen gegm die Stellungs- Pflichtigen vorgegangm wird, ist heute 12 llbr mittags der G-r n e r a l st r e i k proklamiert worden.

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