Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 551 (4.8.1920)
- Date
- 1920-08-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 4 Wien, Mittwoch Die tschechischen Eisenbahner verlangen strikte > Neutralität im russisch-polnischen Konflikt. Prag, 3. August. (Privat.) Heute abends findet hier eine öffentliche Versammlung der tschechischen Eisenbahner statt, welcher eine R ejf o I u t i o n vorgelegt werden wird, in welcher außer den sozialen und materiellen Forderungen der Eisenbahner auch energisch die strikte Neutralität her tschecho-flomakischen Republik im russisch-polnischen ^Konflikt verlangt wird. Deutsche Waffen für Polen? t Berlin, 3. August. (Wolfs.) Nach Blattermeldungen hollen die Alliierten in Berlin den Vorschlag unterbreitet Kaien, das; Deutschland die Waffen, die es vertragsgemäß krusliefern -muß, direkt'' bett alliierten Missionen in Polen Wbergibt. An amtlicher deutscher Stellt nft von einer derartigen Aufforderung nichts bekannt. Aeberprüfung des russisch-litauischen Friedens- Vertrages. Amsterdam, 3. August. Laut „Times* hat die litauische Regierung den Vorschlag Moskaus angenommen, daß in Wilna eine gemischte Kommission zur Prüfung des Friedensoertrages ,nom 20. Juli zu- -iammentreten soll. Zips. Prag, 3. August. Nach den „Narodni Lisch" empfing gestern vormittags Minister Dr. Be ne sch eine Delegation aus der Zip s, welcher er erklärte, es wäre nicht möglich gewesen, bte ursprünglichen tschechischen Forderungen zu verteidigen, da die Magyaren sich bereits aktiv auf die Verte Polens stellten und es wahrscheinlich ist, daß sie sich für ähre militärische Hilfe gegen die Bolschewiken ein Entgelt an der Md- und Ostgrenze der Slowakei ausbedungen haben. Eine Protestresolution gegen die Pogrome auf dem Moskauer Kongreß. London, 3. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Ein Funkspruch süus Moskau besagt: Frumkin, Mereschin und Kann brachten am Kongresse der Dritten Internationale in -Moskau eine Protestresolution gegen die Pogrome ein, die unter der Herrschaft der bourgeoisen Regierungen verübt worden sind. Der Protest wendet sich beisouders gegen Pilsndski, Moraczewski, Petljura Äber auch .gegen die britische Militärverwaltung in kPalästma. Die amerikanischen Ungarn gegen Huszars Besuch. , Netv-Dork, 2. August. (I. K.-B.) Alle fortgeschrittenen Ungarn, die in Amerika leben, widersetzen sich scharf der Ankunft!des gewesenen ungarischen Ministerpräsidenten H u s z a r in Amerika, unter dessen Regime die gemeinsten Pogrome gegen die Huden und Arbeiter verübt worden sind. EisenbahnerstreiK in Zrttau. 3. August. (Wolfs.) Die Eisenbahner haben heute ■btc Arbeit niedergelegt. Der gesamte Zugsverkehr ruht. Die Züge -von Dresden nach Zittan verkehren nur bis Niederodcrwitz. Ein neues Fürstenfeld? / Belgrad, 2. August. (Südslaw. Preßbur.) Nach Meldungen aus S u b o t i c a ist e i n e m a g y a r i s ch e ^Räuberbande am 30. Juli 14 Kilometer nördlich von Subotica in das jugoslawische G e b i e t eingedrungen -und hat 600 Rinder, weggeschleppt. Der Gesamtschade beträgt' '4 Millionm Dinars. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, Um -sestzustellen, ob an dem Raub auch reguläre magyarische iT r u P p e n teilgenommen haben. Die Ostseebader ohne elektrisches Licht. Zufolge Streiks. t Sitnttemünbe, 3. August. Seit heute vormittags ist ganz Vorpommern mil den zahl- «reichen O st f e e b ä d e r n ohne elektrisch es iL i ch tun d Kraft, weil sämtliche Arbeiter und i Beamte der Ueberlandzentrale, Stralsund wegen ver^ -weigerter Lohnforderungen in den Streik g eit r e t e n sind. Der Streik hat auch auf die Betriebs- «werke in Swinemünde übergegriffen, so daßsämllrche a d e o r 1 e det Umgegend in Mitleidenschaft gezogen sind, desgleichen auch Aas Wasserwerk. Die Zeitungen können nicht erscheinen. Alle bisherigen 'Verhandlungen sind ergebnislos verlausen. Ein Blutbad i« Hermannstadt? Budapest, ‘ 3. August. (Ung. Tel. - Korr. - Bur.) „Az Est" berichtet über, ein Blutbad, das rumänische Soldaten in H e r m a n n st a d t angerrchtet haben sollen. Die in die rumänische Armee eingereihten Ungarn sollten von HeRnannstadt nach Bukarest transportiert werden. Die Frauen der Ungarn hatten sich von ihren Männern auf der Station verabschieden wollen, seien jedoch daran in brütalster Weife gehindert worden. Die Rumänen hätten mehrere Frauen niedergeschlagen, worauf es zwischen deren Männern und den rumänischen Soldaten zu einem Handgemenge gekommen sei. Daraufhin hätten die Rumänen telephonisch drei Kompagnien Soldaten Lu .Hilfe gerufen. Als diese mit Maschinengewehren im Bahnhof eingetroffen seien, habe ein Gemetzel begonnen. Mehrere /hundert Ungarn seien getötet oder!schwer verwundet worden; auch von ihren 'Angehörigen seien viele Won den Kugeln det Maschinengewehre .n1eder.gestceckt worden. Wiener Mvrgenzeitnng Die Wettkohleimot Internationaler Bergarbeiterkongretz. Genf, 3. August. In der heutige» Sitzung des Internationalen Bergarbeiterkongresses, in der das Mitglied des Vorstandes des Deutschen Bergarbeiterhundrs S a ch s e den Vorsitz führte, wurde ein Antrag der Engländer über die N a t i o n alisierungderBergwerke erörtert. Generalsekretär H o d g e begründete ihn und erklärte, daß die englische Forderung auf Nationalisierung der Bergwerke identisch sei mit den Wünschen der Deutschen auf Sozialisierung der Bergwerke. Die Nationalisierung allein könne aus der W e l tkohlennot herauSführw. In den letzten sechs Jahren sei die Erzeugung um 400 MillionenTonnen zurückgegangen. Einzig Amerika weise eine bescheidene Steigerung der Erzeugung auf. Die Lage in Europa sei geradezu trostlos. Man könne nur mit ernster Sorge in die Zukunft blicken. Infolge des gewaltigen Rückganges der Kohlrnerzeugung sei der Kohlenprris ungeheuer in die Höhr geschnellt. Wenn dieser Zustand anhalte, werde es immer schwieriger sein, die Lage der Arbeiterschaft zu verbessern. Darum muß der Kohlenbergbau in denAllgemeinbesitz iibergxführt werden. Der internationale Kohlenrat, wie ihn die Deutschen vorschlügen, würde nur dann einen Zweck haben, wenn die Nationalisierung durchgefühtt wäre. Der internationale Kohlenrat werde die Erzeugung zu regeln, die Preise sestzusetzen und ihre Verteilung vorzunehmen haben. I m b usch (Deutschland) erklärte, daß der Vorschlag der. Engländer aus Nationalisierung der Bergwerke bei den deutschen Delegierten großen Beifall gefunden habe. Notwendig sei die Herbeiführung einer möglichst hohen Erzeugung mit möglichst geringen Kräften. . ' Die Entwaffnung der Einwohnerwehren in Deutschland. Berlin, 3. August. Der Reichstag nahm die Vorlage zur Durchführung der Bestimmungen des Friedensvertrages über gemischte Schiedsgerichtshöse und die Vollstreckung a u ssändischer Urteile an. - Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Entwaffnung der Bevölkerung. In der Debatte sagte Reichsminister Koch : Wir wollten verhindern, daß in Zukunft politische Auseinandersetzungen mit, den Waffen sin der Hand vorgenornmen würden. Nach heftiger Opposition der Unabhängigen wurde schließlich das Gesetz in zweiter Lesung angenommen. Der Reichstag wendete sich dann der dritten Lesung des Notetats zu. Deutsche Formationen in der tschechoslowakischen Armee. Prag, 3. August. (Priv.) „Narodni Listy" melden: In der morgigen Sitzung des ständigen Ausfchuffes der Nationalversammlung werden die deutschen Mitglieder beantragen, der Ministerrat solle die Assentierungen auf einen späteren Termin vertagen und inzwischen in der tschechoslowakischen .. Armee besondere deutsche Formationen errichten. Tagesbericht. Die Amerikanische Kinderhilfsaktion für Oesterreich. Der Direktor der Amerikanischen Kinderhilfsaktion, Schrffsleutnaut G. B. Stockto tt, lud für gestern die Vertreter der Wiener Zeitungen in sein Bureau und gab ihnen über die- Zukmrftspläne des Fürsorgewerkes der Amerikanischen Kindethilfsaktiön'folMde Aufklärungen: „Wir waren.uns schon vor geraumer Zeit bewußt, daß die E t n st eXi u n g" bcr Kmderausspeisung diesen Sommer möglicherweise best vollkommenen Verlust der durch die Ausspeisnng des vergangenen Jahres gewonnenen Vorteile bedeuten werde, weshalb wir die Frage wegen Fortführung unseres Werkes Mr. Ho ober vorlegten. Nach sorgsamer Prüfung des vorhandenen Fonds schlug Mr. Hoover der österreichischen Regierung vor, die Ausspeisung von täglich 200.000 Kindern vom 1. September fo. I. bis 1. Juni 1921 unter der Bedingung fortzusetzen, daß die österreichische Regierung sich bereit erklärt, das für die Durchführung unseres Programms nötige Mehl beizu st euer«, und zwar aus den Vorräten, welche sie von der U. 0. Grain Korporation erhalten hat, worauf die American Restes Administration Europeen Children's Fund dann alle anderen hiezu nötigen Lebensmittel: Kakao, Zucker, Milch, Erbsen, Bohnen^ Reis und Fett betstellen wird. Die österreichische Regierung hat sich mit diesem; Vorschlag grundsätzlich einverstanden e rklärt und ebenso zugestimmt, die Kosten für die Verwaltung und den Transport von den Abladehäfen in Europa bis zur Endbestimmüngsstation in Oesterreich auch weiterhin zu tragen. Da keine Anzeichen für eine merkliche Besserung, der Ernährungslage in Oesterreich für dieses Jahr vorhanden sind> sind wir in Verhandlungen, um die Zahl der auszuspeisenden Kinder noch über 206.600 zu vermehren, unter der Bedingung, daß die österreichische Regierung zustimmt, die Betstellung des für ein größeres Programm nötigen Mahles zu sichern. Da die Kosten für Transporte und Verwaltung ständig wachsen, sind wir schon an die verschiedenen Landesregierungen mit dem Ersuchen herangetreten, die Kosten für die Fracht der Lebensmittel von unserem Zentrallager in Linz zu den Provinzküchen zu tragen, und erhielten entgegenkommende Antworten. Auch hat uns die österreichische .Regierung vorgeschlagen, die Eltern der von uns aus- gespeisten Kinder ciu&i Ml Kosten für. die. LferwastuM 4. August 1920 .Nr. 553 übernehmen zn lassen; es ist unsere Absicht', den Preis für eine Mahlzeit von 60 Heller, der nicht einmal für die Zubereitung der Mahlzeit ausreicht, auf eine Krone zu erhöhen. Wir setzen jedoch eine Bedingung für diese Steigerung des Regiebeitrages für eine Mahlzeit voraus: daß kein Kind zur Zahlung dieses Betrages verhalten wird, dessen Eltern Nachweisen können, daß sie finanziell nicht in der Lage sind, diesen Betrag zu entrichten. Ich wünsche, klargestellt zu sehen, daß dieser Bettag nicht für die Mahlzeit eingehoben wird, sondern nur ein Beittag de« Eltern ist, um die Kosten für Kohle, Gas und die Lohne deS Personals zu bestreiten. Wir haben in Oesterreich mehr als 17.000 Tonnen Lebensmittel erhalten, von denen beiläufig 13.000 Tonnen bis zum 1. Just sowohl in Wien als in dertt Provinzen verteilt und verbraucht wurden. Im Anschluß an dieses Ausspeiseprogramm hat die American Relief Administration Europeen Children's Fund 100.000 Mäntel, 100.000 Paar Schuhe und 100.000 Paar Wollsttümpfe verteilt. Die Mäntel wurden in Oesterrerch verfertigt und die Erzeugungskosten von der österreichischen Regierung getragen. Ebenso hat da» American Relief Administration Warehouse nach Oesterreich durch die Lebensmittelanweisungen (Dollarpakete) Nahrungsmittel im Werte von 1,500.000 Dollar nach Oesterreich gebracht. Niemand rst sich dessen besser bewußt, als Mister Hoover, unter dem die Leitung der Arbeit der American dielief Administtation Europeen Children's Fund und der Warehouses stehen, daß diese Maßregeln nur eine vorübergehende Hilfe gewähren können; er hofft jedoch, so vielen Menschen als nur irgend möglich und besonders den Kindern über die gegenwärtige kritsiche Zeit hinübechelfen zu können. Wir hegen die aufrichtigste Hoffnung, daß, wenn diese Mission Oesterreich verläßt, sie eine bleibende Wirkung ihrer Tätigkeit dadurch zurückläßt, daß durch die Gesetzgebung für das Wohl der Kinder vorgesorgt wird!" Dr. Blase! fordert die Aufstellung einer Terror- Armee. Massenversammlung der Gastwirte. In Swobodas Phönixsaalim Prater fand' gestern nachmittags eine von der Wiener Gastwirtegenossenschaft einberufene Versammlung statt, in welcher gegen die von der Gemeinde beschlossenen Abgaben und Steuern Protest eingelegt wurde. Die Versammlung nahm zeitweise einen erregten Verlauf. Referent Dr. Blase! führte ans: Die Mietaufwand steu er bedeute eine Mietzinssteigerung, wie sie kein Hausbesitzer gewagt hättet Durch diese Luxussteuern werde ein Schweinsbraten nicht unter 70 Kronen und ein Kaffee nicht unter 10 bis 15 Kronen verkauft werden können. Es gäbe kein anderes Mittel für die Schankgewerbebetreibenden, als an einem festzusetzenden Tage die Betriebe zu sperren. Ein weiteres Mittel sei die Verweigerung aller Steuern (Zustimmung) und die B i l d u n g e i n e r T e r r o r a r m e e, denn es sei besser, im Kampfe rasch zugrunde zu gehen als langsam. Hotelier Keller gab namens der Hoteliers eine Solidaritätserklärung ab. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden wurde eine von Herrn Rumpler beantragte Resolution, die im Sinne des Referats gehalten ist, einstimmig angenommen. Zionistische Studenten-Wetttzonfepenz. Kurz nach Eröffnung der zionistischen Jahreskonserenz «ahm auch die gleichfalls nach London einberufene Weltkonferenz zionistischer Studenten ihren Anfang. Sie wurde am 11. Juli unter Beteiligung von 14 Ländern, darunter Palästina, Amerika, England, die Schweiz, Rumänien, Oester> veich und Ungarn, durch' Professor' O'rustein (Uttecht) eröffnet, worauf narnens des einberufenben Komitees' Ingenieur Bawly (Delft) die Verhandlungen mit seinem Programms^ scheu Resevat über die Ziele und Aufgaben eines Weltverbandes zionistischer Akademiker einkeitete. Dann erstatteten die Delegierten Bericht über dir Situation und die Arbeit der zionistischen Studentenschaft in den einzelnen Landern. Hierauf wurde in die Generaldebatte über das Programm des zu schaffenden WeltvvrbandeS eingegangen, in der vor allem die Delegierten der politisch und wirtschaftlich schwer erschütterten Länder auf die unaufschiebbaren Aufgaben der Diasporaarbeit mit besonderem Nachdruck hinwiesen, während die anderen die Not. Wendigkeit betonten, daß die zioni stischen Akademiker, nicht bloß die zionistischen Studenten, sich mit allen Probleme^ des Auf baues Palästin as wissenschaftlich auseinander, setzen und so für die Her an bildung von Fachleutev in allen Zweigen der Palästina-Aufbauarbeit gesorgt' werde. Don den folgenden Sitzungen war eine den Arbeiten gewidmet, die schon jetzt und hier von den zionistischen Akademikern im Hinblick ouf den Aufbau von Erez Israel geleistet werden könnten, eure andere galt — anschließend an ein Referat Glicks (Wien) —■- der Besprechung der kulturellen Erziehung des zionistischen Studenter und seines Wirkens in der jüdischen Genreinschaft. Dr. Krw« (Wien) schilderte in der vorletzten Sitzung die entsetzlich« wirtschaftliche Lage der jüdischen Studentenschaft jener Länder Mittel- und Osteuropas, die besonders hart unter den wirtschaftlichen und politischen Nachwirkungev des großen Zusammenbruches leiden, ihren Kampf gegen Mißgunst und Feindseligkeiten der Unwersitätsbehörden uni khren aufreibenden Kampf gegen den sie umgebenden AntisamittSmus niedrigster und gemeinster Art. Die Konferenz voran die Vertreter Amerikas, drückte, bewegt durch das Bill tiefer Tragik, bas sich ihr entrollte, ihren leidenden uni kämpfenden Kollegen ihre tiefempfundenen Shmpathien aus, nachdem vorher Chacham Ga st er nlit der ihm eigenen Ein« dringlichkelt darauf hingewiesen hatte, daß "die wirtschaftlich« M haM vexbu.nlM ditz LMgliM M grsW MMej