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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-04 · Heft 551 (4.8.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 551 (4.8.1920)
Date
1920-08-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Me«, Mittwoch Wiener Morgenzeitnng 4. August 1920 SMer Deutschland und der Bolschewismus. Unter diesem Titel veröffentlicht der dekannte russische Publizist Burze-w, dessen/ Entlarvung des Lockspitzels Azew^seinerzeit großes Auffehen erregte, einen Artige! in - der Rassischen Leitung", dem wir die solgentzen Stellen entnebmen: . ' NS der Krieg begann, wurden in Deutschland und Desterreich diele hervorragende russische Bolschewiken verhaftet und während alle anderen Russen an ihrer Person erfuhren, was solche Verhaftungen von Bürgern kriegführender Länder zur Kriegszeit bedeuten, wurden die russischen Bolschewiken sreigelassen» trotzdem sie militärpflichtig waren, um» zwar ganz gcfturde Leute, auf die man sich aber verkosten konnte, da sie den Bolschewismus in Rußland predigen unv mit scürer Hrtfe Rußland zersetzen würden. Die einen vcu ihnen reisten nach der Schweiz, wo sie in Zimmerwaid ' und Kienihal •/* *,* Grundlage zur künftigen bolftbewikischeu Inleraatiouale legten, die anderen aber nach Rußland. Lernn, Sinonüew, Bucharin und andere machten sich ik der Schweiz an die Arbeit. Die deutschen Agenten suchten ruf D-efehk von Berlin ihnen auf jede Weise behilflich zu sein. / re halfen ihnen, bolschewikische Organisaüonen zu gründen, dir bolschewikische Literatur zu veröffentlichen und zu verbreiten nsw. In allen Unternehmungen der russischest. Bolschewiken währeird 'des Krieges und nach dem Ätretze tonn man die L>and der deutschen Agenten spüren. In den Spalten des „Obsische Djelo" veröffentlichte ich in den Jahren 1017 bis 1020 g«n«E Angaben darüber totit Namen. Daten nsw. In meinem Artikel „Azew und Lenin* erzählte ich zum Beispiel mit Dokumenten und -Angaben von Zeugen» wie Lenin bereits im Jahve 1916—17, als er ein russischer Flüchtling war, - zu den deutschen Militäragenten Beziehungen anknüpste und von ihnen für seine bolschewikische Propaganda Gelder empfing. Zur Förderung der bolfchewikischen Propaganda in Rußland beorderten di« deutschen Behörden unter Verwendung von großen Geldmitteln eine lange Reihe russischer Bolschewiken in plombierten Wagen über Deutschland nach Rußland. Darunter Lenin, Sinowiew, Lunatscharski und andere, die dann unter den Sowjetkommissären eine führende Rolle spielten. Die bosschewekische Propaganda zur Zeit KerenSkiS wurde ,n Rußland in einem beträchtlichen Maße niit Hilfe deutscher Regierungsorgane und deutschen Geldes geführt. Mt ihrer Hilfe wurde von den Bolschewiken im Herbst 1817 der Staatsstreich ausgeführt, der den Anfang aller anderen Weltkatastrophen bildete, Katastrophen, Linier , denen außer Rußland, England und Frankreich' auch Amerika, Italien, Polen, slawische Länder, Tschechien und vielleicht "Lch mehr Deutschland und Oesterreich leiden. In der ersten Zeit nach der Staatsumwälzung behaupte!en sich die Bolschewiken in Rußland mit deutscher Hilfe. Mit deutscher Hilfe schufen sie auch ihre Armee, bis fix die deutsche Hrlfe entbehren konnten. Ohne deutsches Hilfe konnten die russischen Bolschewiken r also in Rußland nicht »uffommen. Sie hätten sich der Staatsgewalt nicht bemächtigen können, sie hätten nicht zu einer Weltplage toerdcn können. ' . Ihr Deutschen habt zugleich, um den Weltkrieg zu begrünen und die Entente zu besiegen, noch eine für die Russen furchtbare Katastrophe herbeigeführt. Ihr begännet, Rußland zu zergliedern, in eine Reihe von Kleinstaaten zu verwandeln, und daß habt ihr nicht nur mit Rußland versucht, sondern auch mit allen unseren Verbündeten, hauptsächlich absr in Rußland, und hier habt ihr ««erhörte Erfolge errungen. Rußland wurde von den Bolschewiken in kurzer Zeit zugrunde gerichtet und verlor (natürlich nur vorübergehend^ seine Weltbedeutung. Ihr Deutschen habt Msiegt und . euer Ziel, Rußland zu zergliedern, erreicht. Welchen Preis habt ihr aber für diesen Sieg bezahlt? Weder die bolschewikische Propaganda noch Förderung de? Separatismus in Rußland, noch Unterstützung 8er Bolscbewikcnorganisaiion haben Deutschland nt diesem Kriege gerettet. Deutschland hat sich nur in eine unbeschreiblich schwere Lage gebracht und die ganze Welt der jetzigen Lolfchewikischtzn Anarchie preisgegeben. Daß war so Deutschlands Politik. Die alten Gewaltbaber haben sich mit den Bolschewiken verbündet, um die Welt unter ihre Knute, zu bringen. Förderung deS Bolschewismus. um die Reaktion zum Siege zu führen. Nun ober machen die deutschen Nationalisten und chre übrigen GesinnungSverwandten die Juden für die Ausbreitung der roten Ncllc verantwortlich. Der weiße Terror in Ungarn. Drr Jüdische Preßbericht IM mit: Maria K i s war Lehrerin in einem» Dorfe des Tolnaer Komitats. Sie wurde unter dem Verdachte kommunistischen Vorhabens verhaftet. Sechs Wochen be- Tönft sie sich beim Szekszarder Gericht in Haft. Hienach bar der Staatsanwalt die Anklage zurückgezogen'. Dann wurde sie nach Hajmasker gebracht. Am 3, Mai wurde -sie in Freiheit gefetzt. Da haben sie Brachialofflziere in ihrer Wohnung abermals verhaftet. Diesen Fall behandelt das nachberaumte, im Nechtsschutzbureau der sozialdemokratischen Partei aufgenommene Protokoll: Protokoll» ausgenommen am 6. Mai 1920 im Rechtsschutzbureau. Es erscheint Alexander Kis, wohnhaft m Budapest, und gibt an: Meine Frau, die Lehrerin Mariska K i 8, wurde noch m, 22. April pM .den AraMlofMerM W Käst ge- Rr. 851 ver polni$clHU$$i$d)e Mg. Die Bolschewiken für Waffenstillstands- und p für Friedsnsverhandlungen. Moskau, 8. August, 8 Uhr morgens. (Funkspruch.) Telegramm der polnischen WaffenstillstandSabordnnng an den polnischen Außenminister Sa Pie ha: „Die Abordnung des Kommandos der Westfront der Sowjettruppen ist in Baränowitschi eingetroffen und hat uns j mitgeteilt, daß die Sowjetregiernng gleichzeitig mit dem Waffenstillstand auch den Frieden verhandeln will. Sie hat uns vorgeschlagen, die Besprechengen am 4. August in Minsk zu beginnen. Die Sowjetregierung verlangt entweder eine neue Abordnung mit entsprechenden Vollmachten oder eine Aenderung unserer ° Vollmacht. Da wir deshalb die Waffenstillstandsverhcmdlangen, mit denen allein wir von der polnischen Regierung beauftragt worden sind, nicht beginnen können, haben wir beschlossen, .- nach Marschau zurückzukehren, um . . . (verstümmelt), den Vorschlag der Sowjetregie- -pung: Äöir reisen heute aij; sobald die Sowjetregiernng die hiezu nötigen Weisungen gegeben haben wird. WroblewSkr." -" Moskau, 3, August. (Funkspruch.) Der Volkskommissar für Aeußeres teilt amtlich mit: Nachdem die Sowjstregieruug die'Friedensvermittlung Englands abgelehnt hatte, hat die polnische Regierung atn 22. Juli an Rußland den Antrag gestellt, einen W ä f f e n st i l h st and abzüschlretzen und die F r i e d e n s v e r h a n dlungen aufzunehmen. Rußland beantragte bei der polnischen Regierung, ihre bevollmächtigten Vertreter am 36. Juli an die Frontlinie zu entsenden. Am 1. August hat die polnische Abordnung in Daranowitschi den russischen Bevollmächtigten erklärt, daß sie vom polnischen Oberkommando die Vollmacht habe, einen Waffenstillstand zu schließen. Die russische Abordnung erklärte, daß die Bevollmächtigten der polnischen Regierung laut Keren erstem Antrag nicht nur die Vollmacht für Waffenstillstands-, sondern auch für Friedensverhandlungen haben sollten, und beantragte, die polnische Abordnung möge sich mit ihrer Regierung ins Einvernehmen setzen, damit die neuen Vollmachten am 4. August in Minsk einlangen. Der polnische Frontbericht. Warschau, 2. August. (Poln. Tel.-Ag.) Nördlich von Ostrolenka bis zur deutschen Grenze ist die Lage unverändert. In? Gebiet von Nowogrod und Lomza sind die feindlichen Angriffe bedeutend schwacher gewordden. Unsere regulären und freiwilligen Abteilungen greifen hier die feindliche Kavallerie und Infanterie an. Vom Narew bis zum Bug haben wir die Fühlung mit dem Feinde östlich der Linie Mozowieck—Wyszonki— Kosciela-^-Cichanowiec. Am Bug Kämpfe in der Gegend dorr Mielsiia. Bei B r e ft hat der Feind bedeutende Kräfte aller Waffen konzentriert -und greift die Festung und die Stadt an. Die Aktion bei B r o d y, an welcher beiderseits größere Kräfte teilnehmen, entwickelt sich für uns günstig. Am Sereth nehmen die lokalen Kämpfe einen schärferen Charakter an. Es wurde hier die Ankunft feindlicher neuer Abteilungen festgestellt. Moskauer Frontbericht. Moskau, 3. August. (Funkspruch.) Frontbericht vom 2. August: Im Gebiet Lomza Vorrückung. Südwestlich von Bialystok wurde Masowezk genommen. Nach heftigen Kämpfen wurde am 1. August Brest« Litowsk genommen. Gefangene gemacht und Kriegs- , gerät erbeutet. An der Krim-Front heftige Kämpfe an der j Linie Ronskaj a—B erdjansk. — Bei Tarnopo! i wurden die Polen geschlagen, die Verfolgung gegen Westen wird fortgesetzt. nommen. Ich wußte nicht, wohin sie geraten ist. wir suchten sie überall, bis wir endlich erfuhren, daß sie sich beim Pronay-Detachement in der Ofner Burg befindet. Wir baten, mit ihr sprechen zu dürfen, das wurde uns nicht gestattet. Schließlich erfuhren wir, weshalb es uns nicht gestattet wurde. Am 29. April, also - am Tage nach ihrer Verhaftung, hatte man fie so geprügelt, daß sie, die .in gesegneten.Umständen war, abortierte. 'Vorher aber hatten ihr sämtliche dort wachenden Soldaten Gewalt angetan. Infolge der vielen Qualen starb sie und dann hat man sie in die Donau geworfen. Das Wasser hat bei Eresi den Leichnam einer Frau ans Land gespült. Ich habe festgestM, daß es. der Leichnam meiner Frau war. Er war in der greulichsten Weise verstümmelt, von Bajonetten zerstächen, der Bauch äufgeWitzt. Die Wilden hatten ihr beide Brüste abgeschnitten. Die Staatsanwaltschaft hat die Oeffnung der Leiche angeordnet. Gelesen und genehmigt. : Alexander KiS m. p. Am 6. Mar 1620 erschien in den Budapester Vlattern folgende Nachricht: Don der Donau ans Land gespült. Bei Ercsi warf die Donau den Leichnam einer 28 bis 30 Jahre alten Frau ans Land. Der Leichnam wurde als derjenige der Lehrerin Mariska Kis agnosziert. Die Leiche wies keinerlei Spuren äußerer Getzralt auf. Daß es keinen Weißen Terror gibt, beweist auch' das folgende Protokoll: Protokoll, ausgenommen im Rechtsschutzbureau. Es erscheint Max Klein, wohnhaft in Budapest, und gibt an: Mein Vater, der 68jahrige Adolf Klein, wurde vor einigen Tagen aus seiner Wohnung fortgeschleppt. Zwei Offiziere und Soldaten des Pronay-Detachements haben ihn abgeführt. Tage hindurch suchten wir ihn, aber nirgends gab man uns Auskunft über seinen Aufenthalt. Endlich kam er beinahe bewußtlos nach Hause. Ein vorbeifahrendec Fuhrwerker hatte Mitleid und brachte den alten Mann nach Hause. Mein Vater war fürchterlich abgeschunden, Er legte sich ins Bett .und trotz fürsorglicher Pflege ist er nach drei Tagen gestarben. Der behandelnde Arzt hatte festgeftellt, daß ihm drei Rippen gebrochen wurden, wahr» scheinlich ist man ans ihm hernmgetreten. Die Herzklappen waren verletzt. Stephan Friedrich — Haus Dampf in alle« Gaffen. . . Budapest, 8. August. (Ung. Tel. - Kort. - Bur.) Im Prozeß gegen die ehemaligen Dolksbeauftragten erklärte heute der gewesene Äckerbaumimfter Barnabas Buza als Zeuge, daß die bürgerlichen Minister des Kabinetts Berinkay nicht gewußt hättest, daß der Kommunismus folgen werde, da Graf Karolyi ihnen immer versicherte, daß ein sozialistisches Ministerium ans Ruder komme. Bezüglich der blutigen Demonstrationen an der Kettenbrücke erklärte Buza, daß die Menge nach Ofen ziehen Wollte, um in die Burg zu gelangen. Mehrere Mitglieder der Unabhängigkeitspartei seien dagegen gewesen, dach Stephan Friedrich sei zum Fenster geeilt und habe geschrien: Meine Brüder, gehen vnik nach Ofen! Dann habe Friedrich eine Fahne ergriffen und sich an die Spitz? der Demonstranten gestellt. Am PetofftPlotze stand Militär, doch nachdem Friedrich mit dem Kommandanten gesprochen hatte, erhoben die Soldaten zwar ihre Gewehre, schossen. aber nicht. Der Staatsanwalt sprach sich gegen die Beeidigung des Zeugen aus, weil derselbe an der Demonsttation bei der Kettenbrücke teilgenommen habe, was die Staatsanwaltschaft als Delikt betracht^ Inland. Die Drsprechnnq Dr. Renners mit de» Gesandten. Heber den Standpunkt, den die österreichische Regierung in den verschiedenen Fragen einnimmt, die den Gegenstand der gestrigen Besprechung des Staatssekretärs Dr. Neuner mit den Vertretern der Hauptmächte der Entente bildeten, wird uns mitgeteilt: Bezüglich der Durchfuhr von Waffen, Munition, Kriegsgerät und Pferden schließt sich die Regierung der Auffassung au, die die deutsche Regierung in einer denselben Gegensiand behandelnden Note an die Mächte vertritt. Diese Note jagt, daß die Neutralität durch de« Frieden-Vertrag nicht aufgehoben, sondern vielmehr geboten ist. Eine spezielle Verpflichtung gegenüber den Mächten besteht noch ntzcht, well das Deutsche Reich noch nicht dem Völkerbund angehört, Im Friedensvertrag ist die Durchfuhr der genannten Gegenstände nur soweit vorgesehen, als sie zur Durchsetzung des Vertrages notwrrp big ist. Die jetzigen Ereignisse liegen aber jenseits dessen, was im Friedensvertrage vorgesehen ist. IM Hinblick auf die Gleichheit des Textes der be-' treffenden Artikel beider Friedensverträge wird die österreichische Regierung abtparten, wie die, Verhandlungen der Entente mit Deutschland ausgehen, Die Lösung, die sich ergeben wird, werden wir auch für uns als bindend anerkennen. Was unser Verhältnis zu Ungarn betrifft, si> resultiert die Unstimmigkeit zwischen den beiden Staaten, und,dte Gefährdung Oesterreichs aus der Verschiedenheit der Termine der Friedensvertragr. Wir haben einen schon jetzt ratifizierten Vertrag, die Ungarn werden den ihren vielleicht erst in Monaten haben. Wir müssen schtzn jetzt abrüsten. Die ^ntrollbommission ist schon da und in Wirksamkeit. Die Ungarn hingegen kömnln Noch mobilisieren und sie tun dies auch. Bon. den zwei benachbarten Staaten wird also der eine in Wehrlosigkeit, der andere in volle Wehr gesetzt. Daraus entsteht eine unerträgliche Gefahr für Oestetreich, solange »rs der Absichten der Ungarn nicht gewiß ist. Die österreichische Regierung will Siche r h e i t für baS eigene Land. Diese können die Mächte geben; es find htesür vielerlei Mittel denkbar, unter anderem die dauernde Kontrolle der G renzvrt e durch Ententeoffiziere. Die Antwort der Botschafterkonfereuz wllb die Voraussetzungen für weitste Entschließungen der österreichischen Regierung schaffen müssen. Der Kopenhagener, Bsrtrag über die .Heimschaffung der Kriegsgefangenen hat dm Gegenstand von starken Mißdeutungen gebildet. So haben nanrentlich manche französische PceßorganL aus dem zeit^ lichen Zusammenfallen deKJnkrafttvr.teM deZ Friedens-

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