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Wiener Morgenzeitung · 1920-08-03 · Heft 550 (3.8.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 550 (3.8.1920)
Date
1920-08-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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jjTStt. .550 W.M., Dienstag,. - De«tscher Reichstag. f ' iÜeM», 2. August. fJn der heMgeu'i Gitzun'K deö'- KeichstageS wurde das vorläufige ÄbkvmMen über 'die- Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen dem Deut- Wm Reich und Lettland endgültig äügenommen. ' Sodann folgte die Beratung des Vertrags zwischen btt deutschen und der niederläräischen Negierung über den von der letzteren gewährten Kredit. Der Vertrag Jkmnte endgültig angenommen, i Hierauf gelangte die Novelle zum Postgebühren- Zesetz vom 20. April 1920 zur Annahme. [4 Es folgte die erste Beratung des Antrages Müller-- 'Kranken (Sozialdemokrat) auf Porlgge eines allgemeinen iMnnestiegesetzes, ferner des entsprechenden Amnestie-!'gesetzentwurses der UnäbhäNgigerr Und eines Gesetz- .entwurfes der bürgerlichen Parteien auf Gewährung von Straffreiheit für <Straftaten zur Abwehr hochveri^ättzrischer Unternehmungen gegen däs Reich und für die Mitwirkung an solchen Unternehmungen, ausgei nommen die Urheber und Führer. | Abgeordneter Dr. Radbruch (Sozialdenrokrat) weist darauf hm, daß, wenn man im Sinne des bürgerlichen Antrages auch die Kappisten freilasse, auch vie 'Revolutionäre des Jahres 1919 und die bayrischen 'Revolutionäre straffrei bleiben müßten.! Abgeordneter Dr. Her z l (Unabhängiger) be- -gründet den Gesetzentwurf seiner Partei und fordert, -daß Straftaten, die zur Unterstützung des Kapp-Putsches dienten, von der Amnestie ausgeschlossen sein sollen.! Abgeordneter Bur läge (Zentrum) meint, die Unabhängigen vergessen, in welcher Art sie selbst die .Gesetzesübertretung gefördert haben. (Unruhe bei den I Unabhängigen.) Der Straffreiheit müßten gewisse!jGvsrizen gezogen werden, damit das Ansehen der Ge-! richte nicht allzusehr leide. Eine Denkschrift der deutschen Sozialdemokraten. , Die vom Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands dem internationalen sozialistischen Kongreß überreichte Denkschrift über die Verantwortlichkeit am Kriege erklärt, daß es vielleicht ein Fehler der deutscher: Sozialdemokratie gewesen sei, daß sie das; Bündnis mit Oesterreich-Ungarn nicht ebenso als Kriegs» gefahr erachtete wie das russisch-französische. Sie habe nicht genug beachtet, daß die Führung der deutschen ^'auswärtigen Politik ohne Kontrolle des Reichstages eine -Gefahr werden mutzte. Die deutsche Sozialdemokratie imstsse sich anklagen, der deutschen Revolution nicht schon -früher den.Weg gebahnt zu haben. Der Versailler Friede '.zeige, daß es den Entente-Staatsmännern mit ihrem an- : geblichen Willen, Freiheit und Frieden der Völker zu jfttfj’etn, nicht ernst gewesen sei. Eine einwandfreie Feststellung der Schuld könne erst erfolgen, wenn einem von nationalistischen Tendenzen freien Komitee sämtliche > Staatsarchive geöffnet werden. Die tieferen Ursachen -deS Weltkrieges liegen in den imperialistischen Strömungen aller Länder und in der unglücklichen Mächte-!konstellation. /Keine Mobilisierung in Rumänien. Dar rumänische Kommissariat in Wien teilt mit: Mit Bezog auf rin Telegramm de- Südslawischen PreßburrauS ans Belgrad dementieren wir nenerlich aufs entschiedenste die Nachricht von einer Mobilisierung in Rumänien. Zufolge eines gestern emgetroffene« Telegrammede- Große» Generalstadrs in Bukarest hat kein einziger russischer Soldat Veßarabien oder überhaupt rumänischen Boden betreten ostd herrscht im ganzen Lande vollkommene Ruhe und Ordnung. l Schutz der Budapester Pogromhorden durch die Horthy-Arrnee. r , ' Aus Budapest wird uns berichtet: Alle Welt ist jheute überzeugt, daß die Pogrome der letzten Tage jvon militärischer Seste vorbereitet waren und daß sie «ebensowenig ihre gerechte Sühne finden werden wie die lErmordung der sozialdemokratische!! Journalisten So- 'invgyi und Bacsi und die ungezählten Morde und 'Grausamkeiten, die an Juden und Arbeitern in Hvrthy- , Ungarn bisher verübt worden sind. Die Polizei hatte ernstlich an der Aufhellung der den Pogromen vovange- Igängenen geheimen Vorgänge sowie an der Ausforschung -dtt unmittelbaren Tater und Anstifter gearbeitet und i ihre Arbeit hatte das Ergebnis, daß die Polizei bereits ^entschlossen war/ durch die Mitteilung über die Perihaftung einiger Mitschuldiger aus. die überaus erregte!öffentliche Meinung beruhigend einzu.wirkef.rj.' In diesem Augenblick trat, wie in aller: vorangegangenen Fällen, '.die Militärbehörde dazwischen und die Beröffentlichung wurde verhindert. Seit drei Dagen übt ein Vertreter der Militärkommandantur K,o nt tollt üb er die po li ze i liehe n Er he b u n- 'gen in dieser Angelegenheit und 'man spricht davon, daß die Polizei bereits völlig ausgeschaltet sei. Die .Militärkreise, unterstützt von den „Erwachenden Ungarn"' :uitb der Friedrich-Gruppe, fordern die Enthebung des -Oberstadthauptmannes M a t t y a j o ö s k y, weil er sich den Vertuschungsabsichten dieser Kreise nicht gefügig gezeigt-habe.- In Budapest ist die Stimmung in allen Kreisen eine sehr gereizte. Mün erwartet täglich die formelle Ausrufung der Militärdiktatur, die in der Praxis eigentlich sich schon fühlbar macht. Die letzten Vorfälle und: der Bormarsch der'russischen Sowjet- .armee werben den Dorwand bilden, um die- Gtablte-!^L^,MiMrdLktatur m all«r/Mrm^u.b!eW^MMw., Palästina. Hörbört Samuel in Rischo«-le-Zion. Jerusalem, 28. Juli. (Jüd. Aorr.-Bur.) Aus Anlaß des Beginns der Weintraubenlese in Palästina besuchte der High Commissionrr Sir Herbert Samuel die Kolonie Risch on-ft-Zion. Bei der Entleerung des ersten Traubenkorbes, in die Weinpresse sagte Sir -Samuel, daß die britischen und zionistischen Flaggen, die nebeneinander flattern, für die Zukunft Palästinas .symbolisch sind, dessen 'Gedeihen und Glück von der -freundschaftlichen Zusammenarbeit aller abhängen. Der Wiederaufbau Palästinas - Ls-itzon, 2. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Einer Reuter-Meldung zufolge richtete Sir Herbert S a m ne l an Lord Rothschild ein Telegramm, in dem er bekanntgibt, daß er die Erweiterung der Jaffa-Lüdd- Eisenbahn. bei Awkaff bereits veranlaßt hat und verspricht, für die Erziehung der mohammedanischen Kinder, die für die Entwicklung des Landes von großer Wichtigkeit ist, reichlich zu sorgen. Die Grenzen Palästinas. London, 1. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Eine Anfrage im englischen Unterhaus bezüglich der Verwaltung Transjordaniens beantwortete Mr. Bonar Law, daß das Ostjordanland vorläufig nicht der Verwaltung Sir Samuels untersteht. Was die Nordgrenze betrifft, so find die Verhandlungen zwischen Frankreich und England noch nicht abgeschlossen. Inland. Eine österreichische Note an die Entente wegen des Einbruches in Fürstenfeld. Ueber Auftrag des Staatssekretärs für Aeußeres überreichte der in Paris weilende Vertreter Oesterreichs Eich ho ff der Botschafterkonferenz eine Note, worin die österreichische Regierung von dem Ueber fall in Fürsten selb sowie von der nunmehr bestätigten W e t* b u n g von Frei.scharen gegen Oester» reich in Zalaegerszeg Mitteilung macht, gegen diese Maßnahmen Protest erhebt und um den Schutz der hohen Mächte ersucht. Die Note führt aus: Oesterreich fühle sich doppelt schutzlos, weil es in treuer Erfüllung der Friedensbedmgungen gerade jetzt die Waffen auszuliefern beginne, während Ungarn weiter rekrutiere und mit allen Mitteln vermehrte Bewaffnung anstrebe. Wegen des Ueberfalles in Fürstenfeld sei die Bevölkerung auf das äußerste erregt und beunruhigt. Nach allgemeiner Ueberzeugung Oesterreichs müßte die Entwaffnung Ungarns gleichzeitig mit jener Oesterreichs erfolgen. Die Verantwortung/welche die österreichische Negierung für ihr Land und Volk trage, zwinge sie, die hohen Mächte auf die wachsende Gefährdung unseres Landes aufmerksam zu machen und auf rascher Abhilfe zu bestehen. Wahlvorbereitungen. Am 5. b. M. wirb die U-eberprüfung der Haus¬ und Wvhnungslisten durch Beauftragte des'Magistrats beginnen. Die zur Beurteilung der Wahlberechtigung' notwendigen Do kame nte sing insbesondere von jenen Wahlberechtigten vorzuber-iten, welche, seit der letzten Wähleraufnahme (Jänner 1919) ihren Wohnsitz verändert haben. Der: Wahlberechtigten steht es auch frei, ihre Anmeldung zur Aufnahme Ln bas Wählerverzeichnis unmittelbar beim magistratischen Bezirksamt ihr«s Wohnsitzes zu erstatten. 'Solche Anmeldungen sind bis längstens 8. August vorzunehmen. '■ Telegramme. Moskauer Frontbericht. Moskau, 2. August. (Funkspruch.) Frontbericht vom 31. Juli: An der deutschen Grenze haben wir die^Wisna überschritten und rücken aus dem rechten Ufer des Flusses vor. Der Nar-rw wurde überschritten. Unser Vormarsch auf Lomscha und westlich von Bialyft o f geht rasch weiter. Bielsk wurde genommen. Bei Kobrin wurde der Feind aus mehreren Ortschaften vertrieben und vier Geschütze erbeutet. An der Südwestfront, Richtung Kotvel, haben die Rottruppen an der Bahn'von Sarny eine Linie 8 bis 10 Werst östlich' des Stochod erreicht. Weiter südlich wird am Stochod gekämpft/ Im Gebiet von Luek Kampfe. Im Gebiet von Tarn o pol wurde ein f.r'.ndticher Angriffs- Versuch abgewiesen, An der Knmfront dauern heftige Kämpfe längs der Linie 30 Wcrst südlich Alrxaudrowsk- Nogaisk an. - ' Polnischer Frontbericht. Warschau, 2. August. (Fiinkspruch.) Frontbericht vom 1. August: Längs der Flüsse Pissa und Narew bis Thkocin ist die Lage unverändert. Südöstlich von Tykocin besetzten unsere Abteilungen die Flußlinie der Slina über Syenatycze bis Brest-Litowst. in dessen Vor« selb Kämpfe stattfinden. Im Abschnitt von B r o d y ent« wickelt sich unsere Aktion weiter für uns günstig. Zn der Schlacht poy Loporotz? tzel der AtMchef. des ä, äp'fn*Ä'V'; " ' ' ' " Seite » ' feindlichen Reiterheeres, bei dem Operationsbefehle, 'aufgefunden wurden. Beträchtliche Kriegsbeute, darunter die Fahne der zweiten bolschewikischen Kavalleriedivision, wurde erobert. Am S e r e t h wurden alle Angriffe ahgewiesen. > . Die polnischen Parlamentäre bei den Bolschewiken. Warschau, 2. August. (Funkspruch.) Die polnischen Parlamentäre haben am 30. Juli um 8 Uhr abends die bolschewikrsche Front überschritten. . £ Verlin, 2. August. Die „Bosstsche Zeitung" meldet: Dje polnische Delegation für die Wafsenstillstandsverhandlnngen, di« am Freitag 8 Uhr abends bei den russischen Linien eingetroffen ist, besteht ans folgenden- Personen: Generalleutnant Römer, Oberst Dowoyno-Sologub, Rittmeister Slamirowski und Hauptmann Jaworowsü. Als Verve.er der Warschauer Regierung ist den Parlamentären der Unterstaatssekretär im Ministerium des Arußern Wroblrwski beigegeben. Die Ententsangehörigen verlassen Warschau. Pari», 2. August. (Wolff.) Wie die „Time S" ans Warschau meldm, haben die englischen, die amerikanischen und die französischen Gesandtschaften ihre Staatsangehörige» ausgefordert, Warschau auf dem schnellstenWege zu verlassen. Diese Ausforderrmg der Gesandtschaften habe in Warschauer Kreisen einen s^hr peinlichen Eindruck hervorgerufcn. Die Kosaken an der deutschen Grenze. Berlin, 2. August. Das „8 Uhr-Abendblatt" meldet, daß die äußersten Spitze» der bolschewistischen Reiterei an der deutschen Gren.',e entlang vorschwärmen, ungefähr die Höhe von Ortelsburg erreicht haben und in weiterem VordriNgm gegen Westen begriffen sind. Masseuverhaftungen von Juden in Polen London, 1.' August. (Jüd. Korr.-Bur.) Ans Warschau wird berichtet: Der'jüdisch-parlamentarischr Folkistenllub überreichte dem Mmist-erünn des Innern ein Memoriale wegen der Ve rh a s t ungen von jüdischen Bürgern im ganzen Lande, gegen die keinerlei Verdacht irgeirdwelcher Natur vortregt. Dem Memorials wurde eine Liste der in d en letzteti Tagen vorgenommenen Arre-- tierungen beigeschlossen. Der vor einiger: Tagen internierte Redakteur der „Hazefira" wurde wieder in.Freiheit gesetzt. ■ - - .. - Der polnische Kriegsminister gegen Iudenexzeffe. Warschau, 2. August. Der polnische Kriegsm r n i st e r erließ einen Tagesbefehl an die gesamte Heeresmacht, in dem angekündigt wird, daß jede Ausschreitung, gegen die jüdische Bevölkerung verübt, sei es von einzelnen Soldaten oder ganzen Truppenabteilungen, tnit der größten Strenge geahndet werden wird. Lemberg wird befestigt. London, 2. August. (Tck.-Komp.) Die „TimeS" melde« aus Warschau, das französische Ofsiziere dabei mitbefchästigt find. Lemberg in den Verteidigungszustand r« setzen. 600 Todesurteile in zwei Monaten. Kopenhagen, 1. August. Wie „BerlingSke Tidende" auS Kowno meldet, hat der Präsident der russischen Sowjetrepublik offiziell mitgeteit, daß die Gesamtzahl der vom 2. Mai bis zu« 26. Juni verhängten Todesstrafen sich auf 600 brlanse. Wegen Desertion wurden 273 md wegen gegrnrevolutonärer Handlungen 35 TodrZmtrile gefällt. Kommunistische Fraueukonferenz in Moskau. Moskau, 2. Auaust. (Funkspruch.) Die internationale kommunistische Frauenkouserenz wurde gestern eröffnet. B u ch a r i n begrüßte die Abgesandten im Namen des Zentralexekutivkomite^s. Der Vorstand besteht aus, Abgesandten Schwedens, Deutschlands, Rußlands und' Englands. _ Eine Anfrage wegen Bela Knn. Bndapeft. 2. August, kling. Tel.-Korr.-Bur.) In. der heutigen Sitzung der Natiorialversawmlugg unterbreitete Abgeordneter T o m o r y eine dringliche Interpellation . an : de« Minister des Aeußcrn in Angelegenheit der Flucht Bela K u n s« Er fragt, wieso cs komme, daß der Kurier de- Ministeriums des Aeußern, der mit dem A u S l i e f e r u n g S b e g e h r e n nach Berlin geschickt worden war, nicht rrchtzritidort eingrtroffen sei. Der Weiße Terror wird gefeiert. Bvdapcst, 2. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Anläßlich der Jahreswende des jSturzes 'der Proletarier- diktatur veranstaltete der „Verein der Erwachenden Ungarn" gestern vormittags aus der Generalswiese in Ofen unter Teilnahme einer vieltausendköpfigen.. Menschenmenge eine Gedenkfeier, an der auch eine große Deputation der Landeswehrmachtvereine teiluahm. Rach! < Absinguug der Nationalhymne wurde eine feierliche Feldmesse zelebriert, worauf der reformierte Bischof ündder evangelische Bischof Gebete sprachen. Die. Gedenkrede hielt der Vizevrä'ident der Nationalversammlung ' Szmre esa ny i.Mit derNbsingung patri-.ttischcrLied-rr . schloß die Feier. Die angemmmelw Menschenmenge zerstreute sich hieraus in voller-Ruh».? Die Griechen in E«os Abrianopel, 2. August. (Reuter.) Die (Kriechen. . sind m E n o s emgezogen. .

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