Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 548 (1.8.1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4^ 5 Sonntag J! * ■ ui.. m rTff;-"'-arta_a;^^ tBlMif Morgenzeitung 1. August 19» toi/üt.afcat'a. Rr. 848 Palästinas Aufbau nötig sind, so K..rd der befruchtende Strom ^euett Lebens auch das beste Mittel sein, um die arabischen Massen zu überzeugen, daß die Ausführung des zionistischen DedankenS auch für ihre Position im Lande einen neuen Aufschwung bedeutet. Deshalb sieht die jüdische Bevölkerung des Landes gegenwärtig mit großem Interesse den Ergebnissen der in London tagenden zionistischen Konferenz ent» hegen. B. M. " Die poale-zlonistische Wettkonferenz. r Die Sitzungen am Mittwoch. Donnerstag und Freitag waren mit der Debatte über den Rechenschaftsbericht des Verbandsbureaus auög-füllt. einer Art Nvtbebatte. Es hat sich nämlich die eigenartige Situation ergeben, daß ein Rumpfvarlam-rit tagt: Die „linken" Delegierten aus Oesterreich und der Tschecho-Slowakei nehmen an den Verhandlungen nicht teil, solange die Delegierten aus Rußland nicht eingetroffen sind (was erst Montag der Fall sein dürste), da die bisherige Zusammensetzung der Konferenz ihrer Meinung nach nicht der Ausdruck der tatsächlich in der Partei herrschenden Richtung ist. Sie haben auch bisher das ßhnen zustehende Mandat d-rr Mandatprüfuugskomrnission, welche die jeder Landsmannschaft zustehende Mandatszahl festzusetzen hat, nicht besetzt. ’■ Aber es hat sich gezeigt, daß in de: Partei nicht bloß der Gegensatz zwischen „links" und „rechts", das heißt kommunistischem od-r sozialistischem Pvatt- ^Zionismus besteht, sondern auch in der Rechten ist, wie die Debatte über den Bericht der Berbandsleitung gab, seine Anzahl von Unterstrvmungen zu unterscheiden. Die verschiedenen sozialistischen Aussassungen, welche sich in den einzelnen Ländern hvrauSgebildet haben, find in den Reden der poale-zionistischen Vertreter der einzelnen Länder deutlich erkennbar und damit wechselt auch die §lrt der Einstellung auf den nationalen und Palästina» Gedanken. Don diesem ist der der „Linsen" nicht allzuviel übrig, geblieben. In der „Rechten" bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Hwale-Zionisten Amerikas, Palästinas und Polens. ' In Polen ist. wie aus den Debatdrnreden der Delegierten Srrubabel und Dr. Schipper zu er» sehen ist, die Rechts der Partei gewissermaßen „Welt» evolutionär" orientiert, auch was die Stellung zum Palästina-Problem anlangt. Dagegen kann die palästinensische Auffassung der Poale-Zionist-rn aus Amerika. Heren Wortführer aus der Konferenz der Delegierte jgudfcrmann ist. als eine Art Nation almilitarismuS bezeichnet werden, in welchem ein Sozialismus Gvmperzscher Prägung eingesügt ist. Nur ein Punkt in der Metze, welche Zuckermann in der Debatte hielt, führt hur realen Wirklichkeit, indem er sagte: Das jüdische .Dvlk ist nicht bloß dasjüdische Pro!eta riat. Dieser Kernpunkt des jüdischen Problems scheint nicht Überall in der Partei bewußt zu sein. Die Delegierten aus Palästina, von denen T a b entern, Kubaschow, Kahenelson zu Worte kamen,' vermissen in der bisherigen Politik der Parteileitung rinen aktiven PalastiniSmns (ein Grava/n-en, das Übrigens auch -»» allerdings milder nüanctert — von Heu Debattern aus den westlichen Ländern vorgebracht wurde, wobei sie auch auf die Notwendigkeit engerer ^Verbindung mit der englischen Arbeiterpartei hinwiesen, hie allerdings für die kommende Gestaltung der sozialistischen Entwicklung von großer Bedeutung werden kann). Sv spiegelt die Beratung schon bisher eine Buntheit sozialistischer und nationaler Strömungen wider, die es fraglich erscheinen lassen, ob es möglich fein wird, fvie Einheit der Partei zu erhalten; der Kernpunkt liegt Kann sein, der Bauer ist für ihn 'so Wa8 wie feilt wübler Geruch, er fühlt ihn immer und unwillkührlich htuß er immer von chm sprechen. Gerne stellt er schwierige Fragen, die irgendeine Fall« Enthalten. Lügen kann man nicht vor ihm. Wie ein ^händelsüchtiger Recke macht er es da. Auf die Probe t stellt jer einen, alles versucht er, bereitet sich wie gu einer Schlätzerei vor. Das ist sehr interessant, aber nach meinem jtzerzen ist es nicht. Er ist wie ein Satan, und ich ein so ßunger Kerl, und er soll mich lieber nicht anrühren. I Da fragte ich ihn einmal: »Sind Sie nicht einverstanden mit dem Satze: daß die Doktoren schon Tachxnde von Leuten zugrunde gerichtet haben, und noch zugrunde richten?" »Ist Ihnen das so wichtig, zu wissen?" — »Sehr!" — „Dann sage ich es Ihnen nicht." Und auflachend ließ er Feine großen Finger knacken. Ueber Frauen spvicht er sehr oft und so gerne wie ein französischer Romanschreiber, dabei aber mit der Grobheit <deS russischen Bauern. Heute fragte er ick Mändelhain Tschechoff: „Sind Sie in Ihrer Jugend viel auf schlechten Wegen gewesen?" Tschechoff lächelte leicht verlegen, er sagte irgend etwas -Unbedeutendes. Nikolajewirsch aber sah hinacks aufs Mott Änd sprach: „Ich war unermüdlich." In betrübtem Tone brachte er das. Da bemerkte ich zuerst, wie einfach er seine Worte brachte, «lß gäbe eS jeweilig nichts Würdigeres, die Gedanken auszudrücken. Alle Worte, die über feine Lippen kamen, klingen so einfach, so gewöhnlich, wie ein Ausdruck soldatischer Knurrigkeit und „Grobheit. darin, baß es ein homogenes, jüdisches Proletariat eben nicht gibt^ Demgemäß ist die Stellung der Parteileitung, welche sich bemüht hat, die Einheit der Partei zu wahren,!und dabei, wie aus der Debatte hervorgeht, es niemandem recht machen konnte, schon jetzt schwierig. Nun sollen nach dem Eintreffen der russischen Delegierten die Hauptfragen, die der sozialistischen und der zionistischen Zugehörigkeit der Partei, geklärt werden. Die separatistischen Strömungen, besonders was das Verhältnis zur zionistischen Organisation anlangt, machen sich auch bei einer Anzahl von „Rechten" geltend und bezeichnend sind darin die recht zweideutigen Erklärungen von Berl Locker, welcher in seinem Schlußwort über die Frage der Betätigung der Partei an einem zionistischen Kongreß die Berechtigung der Anschauung, „mit den übernationalen Vourgeoiszionisten, welche jeden Fortschritt in der jüdischen Gasse bekämps-rn", nicht zu einem Kongreß zu gehen, anerkannte und doch ein opportunistisches Aber hinzusügen zu müssen glaubte. Die nächstem Tage werden nun wohl reinliche Scheidung und Entscheidung bringen. In der Gamstagsitzung erstattete V e n - F e r i den Bericht über den Paläst ina - Arbei terfonds der Poalc-Zion, mit dessen nicht allzu reichlichen Mittelst eine ziemlich rege soziale Arbeit in Palästina geleistet wurde. Damit ist Wohl b,»r Teil der Konstrcnz, welcher sich mit der Partcitäiigkeit der letzten -Jahre besaßt,-abgeschlossen und die nächsten Beratungen der Konferenz werden über die Zukunft der Partei zu entscheiden haben. Der Kongreß der Zweiten He«f, 31. Juli. (Wolfs.) Der Kongreß der Zweiten Internationale wurde ^ubr vormittags durch den Generalsekretär Huysmans eröffnet. An Stelle des infolge Erkrankung am Erscheinen verhinderten Artur Henderfon und des durch dienstliche Geschäfte zurückgehaltenen schwedischen Ministerpräsidenten Branting empfahl das Bureau dem Kongreß, den englischen Delegierten Shaw zum Präsidenten und den holländischen Delegierten Dliegen zum Vizepräsidenten zu wählen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Präsident Shaw schildert die trostlose Lage der verschiedenen Staaten Europas und erklärte in bezug aus Rußland, aus wxtMm Lande er erst vor kurzem als Mitglied der! englischen Delegation zurückgekehrt ^'sei, daß in dem Gebiete der Sowjetrepublik die Bevölkerung kaum die Hälfte der ihr normalerweise zukommenden Ernährungsquvte erhalte. Er kam sodann auf die . in der Jnternatiöstäle eingctretenen Gegensätze zu sprechen und sagte,, daß die Internationale den Gedanken ausführen müsse, ein einheitliches, für alle gültiges Arbeitsprogramm in allen Ländern auszuarbeiten. Was Rußland antange, so.wolle er sich jeder Kritik enthalten, und nicht entscheiden, ob für dieses Land die Diktatur des Proletariats wirklich die geeignete Form zur Verwirklichung der sozialistischen Ziele sei. Jedenfalls wolle er ftststellen» daß er dir russische Methode entschiede« ablehne« müsie. Die Zweite Jntenrationälr dürfe sich aber nicht als Feindin Ruß lanb s betrachten. Die West» machte haben die Haltung gegenüber Sowjetrnßland bereits wesentlich geändert,/wobei der Labour Party ein großes Verdienst zukvmNir. Der zu erwartende Ab» „Ueber die Weiber werde ich die Wahrheit sagen, sobald ich mit einem Fuh im Grabe siehe. Ich werde sie sagen, in den Sarg springen und den Deckel schließen. So, und jetzt mögen sie über mich kommen." Sein Blick flackert so kampffroh und fast boshaft auf, daß auf eine Minute alle verstummten. Noch ein Wort'von ihm: „Kalif Atdur Ächman hatte in seinem Leben vierzehn glückliche Tage, und ich werbe wahrscheinlich nicht soviel haben. Und wovon kommt alles: daß ich nie gelebt habe, daß ich eS nicht verstehe, für mich zu leben, für die Ssele, fondttn nur auf daö Geheiß der Leute." Tschechoff aber sagte mir: «Ich glaube eS nicht, daß er nicht glücklich war." Er war es nicht. Daß er aber «auf Geheiß" lebte, dem ist nicht so. Von feinem Ueborfluß gab er den Leuten wie Bettlern. -- Tief überzeugt bin -ich, daß, was et spricht, mit wenig von dem wiedergibt, wcrS er sonst vttschweigt. Sogar in seinem Tagebuch schweigt er, er sagt „eS" keinem. Hie und da springen in seinen Gesprächen so-kurze Andeutungen auf, Andeutungen finden sich auch in zwei Heftchen, die er mir und SulerschenSky zu lesen gab. Ich fand da etwas wie die „Verneinung aller Behauptungen". Das war tiefster und bösesttt Nihilismus, wie er auf dem Boden endlostt Verzweiflung wuchs und, — Einsamkeit, Einsamkeit, wir sie wahrscheinlich noch kein Mensch bis zu diesem Grade er» fahren hat. . Er erinnert an einen von den Wanderern, die ihren Stab von Kloster zu Kloster tragen oder von Moschee zu Moschee, ohne Zuflucht und jedem und allen fremd. Die Welt ist nicht für sie da, ebenso Gott. Sie beten aus Ge«, wohnheit zu ihm, doch im Grunde ihrer Seele Haffen, sio ihn. Ich bin selbst kein Gottgläubiger, und ich habe meinen Grund, recht vorsichtig auf ihn zu sehen» ein bißchen furchtsam auch. So sehe ich auf ihn und denke: „Dieser Mensch ist — gottährrlich." schluß eines Friedens mit Rußland würde auf jede« Fall den arbeitenden Klaffen alter Länder zugute». Fall den arbeitenden Klassen aller Länder zugute kommen. Redner kam sodann auf den russisch-polnischen Krieg zu sprechen und gab der Üeberzeugung Ausdruck, daß der polnische Vorstoß eine Folge von Abmachungen zwischen Polen und dem ukrainischen Diktator Petljura war, auf Grund deren Polen ukrainisches Gebiet in Besitz nehmen konnte. ■ t Der Präsident berührte sodann die sogenannte Verantwortungsfrage. Er meickte. daß die Schuldfrage nicht mehr zum Gegenstand eines Zwistes auf einem sozialistischen Kongreß gemacht werden dürfe. Er schlage deshalb dem Kongreß vor, daß die verschiedenen Parteien, die sich für die Verantwortlichkeitsfrage inLeresfieren, je einen Vorschlag einbringen mögen und daß dann über diese Vorschläge einfach ab gestimmt werde, wenn sich eine besondere Debatte entspinnen sollte. Shaw sprach sodann über die Frage „Diktatur oder Demokratie" und betonte, daß der Sozialismus auf dem Wege der Demokratie seiner Verwirklichung entgegengeführt werden müßte. Generalsekretär Huysmans teilte mit, daß er als Generalsekretär zurückzutreten gedenke und eirck Verlegung des Generalsekre'ariats von Brüssel nach London empfehle, weil die englische Partei heute eine der stärksten Parteien darstelle. Rozier (Frankreich) erklärt, daß die französische Delegation sich vorbereiten möchte, die Frage der Verantwortlichkeit in oller Freiheit zu diskutieren, da gerade diese Frage im Interesse der Parteieinheit klar entschieden werden müsse. Der Präsident empfahl, die Frage der Verantwortlichkeit erst dann zu behandeln, wenn der Bericht der definitiv eingesetzten Kommission vorliege. Abg. Dr. B r a u n (Deutschland) erklärte, baß die Deutschen sehr wohl, begriffen, daß die und die belgischen*"Delegierten die Frage er Verantwortlichkeit nicht beseitigen lassen wollten. Aber die Deutschen seien bg: Meinung, daß es sehr schwierig sei, die Verantwortlichkeit am Weltkriege sestzustellen, da die Deutschen die einzigen seien, die die Akten bisher vollständig veröffentlicht hätten. Notwendig sei die Diskussion der Schuldfrage und eine Debatte über diese Angelegenheit erschiene den Deutschen für die Gestaltung der Zukunft' des Proletariats erforderlich. Generalsekretär H u y s tu'tt it s teilte mit, daß airs Wunsch verschiedener französischer und belgischer Delegierter der Ingreß eine Resolution zu Ehren Jauröö' beschließen möge. Wenn dieser noch leben würde, wäre er sicher heute zugegen und würde für die Verwirklichung des Sozialismus durch die Demokratie emtreteu. . Die Versammelten erhoben sich. Polen lehnt den Frieden ab» wenn. . . « Lsndo «, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Ei« Telegramm a»S Warschau meldet: Wen» die Fordenrugen der Bolschewiken tettdoeise darin bestehen svkte«, daß in Polen ei« Sowjetreg i m e eingesührt oder eine Einrichtung getroffen würde, durch die di« Bolschewiken einen Zugang «ach Deutschland bekämen, wen» sie ferner verlangen solltendaß Polen teilweise entwaffnet werde oder daß die Grenze so verändert werden sollte» daß die Lage noch ungünstiger würde alo nach den Vorschlägen Llohd Georges, so müffe» die Pole« die Bedingungen ablehneu Bialystok und Tarnopol von de» Rottruppen erobert. Moskau, S1. Juli. (Funkspmch.) Der wichtige BahnknotenpunLt Bialystok w u r d e g e st e r n genommen. Tarnopol wurde erobert, die Vorrückung auf Lemberg wird beschleunigt fortgesetzt. Die Vorstädte von Breft-LitowSK genommen. Moskau, 31. Juli. Fronibericht vom S0. d. M: An der Nordweftfront wird der Feuermarsch fortgesetzt. Am 29.Juli wurden die Vorstädte von Brest-Litowsk genommen. Im Raucke von K ö w e l wurden die Polen auf den^ Stochod zurückgewürfen. IM Gebiete von B r ü d y fetzt der Feind starke Reitermasien ein» um unseren Vormarsch aufzuhalten. An der Krimfront wird der Kamps zwischen Alrxandrvwsk und Notzaisk fortgesetzt. Aebeetritt Polnischer Truppen auf deutsches Gebiet. Beeli«, Sl. Juki. Die „Bsssische Zritlmg* «Ädri, baß ps luischt Truppe» i« der Stärke von 3000 Mau« und 40 Offizieir» bä ProSkm Über die deutsche GrenzE geirrte» si«d. A«ge»blicklich schwebe» mch die.9»twaffLp»LSveihMd!«uW»..