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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-28 · Heft 544 (28.7.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 544 (28.7.1920)
Date
1920-07-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 2üi«i, Mittwoch Zvln'i'.'nbildung und nationale, BüMc^ung 'im jüdischi'N £VU. Die frol;>» geistige Aufgabe des Sozialismus, alscn Nationen die Entwicklung ibrer rnat-eriellen und kul- ..inrelteu Pr'odul'tivtrasr jur ge währ leisten und .sie darin zu 'fordern, daniit sie sich i?r Freiheit eut'.'osckeln und ungehennnt/ di-rw Srii-ani'eu und Fesseln der Unterhr.ücknug 6ctm Anir-au einer neuen Menschheit p» sammeuwirkm könn'n. d ntz n'cht gegenüber einem Volk vernarblässigt werden, das den Willen zur Nation klar ausgesprochen und um der Volksgemeinschaft wie der Menschheirsidee willen ein Geschick voller Leiden auf sich genommen hat. Nicht um neue Reibungsflächen, zu schaden, nicht eines engstirnigen Nationalismus halber hat die Amsterdamer Sozialisteükonferenz sich für dcht jüdische Palästina erklärt, sondern sie ist dem Grundsatz, . des. Selbstbestimmung»rechtes ' der Nationen gefolgt, von 'dem eine einzige Abweichung die V'er-.ewaltiguNK einer Nation und damit, eyr Preisgabe des internationalen Gedaakrus hchcu et. Der Ausbau der sozialistischen-Jnternarionat-e,. in. dec sich alle Nationen zur' geistigen und, materiellen Zusammenarbeit vereinigst, wird den Haß unter den Nationen, wird auch den Antisemitismus ausschalten, wenn die jüdische Natron den ihr ge-, büyrenden Platz in der Internationale sinnehmen wird, fahrend die Sozialdemokratie hen politischen Tages-., kamps gegen die in den verschiedenen Formen erscheinenden Auswirkungen des Antisemitismus führt, soll sie -sich stets vor Augen halten, daß die ideenmäßige Nebernnndung. des deutschen.wie des internationalere, Antisemitismus von der Verwirklichung der nationaljsidismen ,diele, und von dem. Siege des sozialistischen. Gedan kens in allen Ländern ab hangt. KM ref 6* f PK'äftdent Masyrykr über den Bolschewismus. Präsident M asaryk äußerte sich einem Mitarbeiters des „A Hirek" gegenüber über aktuelle Fragen, wie, folgt: '„Die 'Aufgabe des soz'alistis.chen Landeskongre'sses^ der ini Herbst tagen wir.o, wird die Klärung her Situation sein.. Der Beschluß wird gewiß in dem Sinne ans'lingen,. dys; die sozialdemokratische' Partei auch' für die Fukunft an der Neg'e'n.'ng teilnehmen wisthtz.Die Koalition lriuß beibehalte'n werd ein,' fc-t keine Partei die absolute' Mehrheit bei den Wahlen erreicht hat. Es ist meine Ansicht, daß die, Koalition in bi'srr Form weiter andauern wird." -tzIle5er den Bolschewismus äußerte sich' Prä-.' sit'ent Masaryl frlgrndermane'.t: „Ich kenne zweierlei, säotschnrPHns, solche,, mir. welchen es möglich ist, zu unLrrhanch'fu-, und bei denen die Hossnung, zu einem' Einvernehmen zu gelangen, gLZ-eöeu ist und solche,, welche unter allen llmstände'n Unruhen herbeiführen wokle.7. u-1 in den trüben -MÄsse"n zu fischen. Zu diesen zähl.',..- sch auch die magyarischen, welche, wir nach dem--Namen kennen und deren Schriue wir bewachen, um sie i;;t geeigneten Augenblick unsch ädli-ch machen zu ke'.:ne..n. Durch diese boEchewikischen Umtriebe ist auch .die. Prokkrmierung -des S t-a-n d re ch i e s i n d e r S.tv w a k-ei begründet." Berinkeh über die Bildung -er Sswfet- , , .. regirrrrng in.Angarrr. s' VAdaPest, 27. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Heute wurde im Prozeß regen dir Volksbeauitragten das Zeugenverhör drs geweüucn MinPerpräsidenten B e r i n k e y sortgesttzt. Er erklärte,-- daß,, solange in fernem Kabinett nur zwei.Sozialisten saßen, 'sich diese immer ciuem enei-gischen Auftreten gegenüber den Konnnr.-nisten widersetztcn. Später, als vier Sa Misten im Kab-.nelt einen» Sitz hatten, willigten diese anfangs rin, daß-/'dis .Kommunisten energischer verfolgt werden' sollten, doch fanden sie Gelegenheit, die Verhaftung der Kommunisten, zu veczögeru. Als dir Verhaftung dennoch erfolgt«, ließ sich die Frau Gränn Michael Karolyi vergewissern, ob die Kommunistinnen, die verhaftet worden waren, genügend Bettzeug hätten. Graf Karolyi machte dem Zeugen Vorwürfe darüber, daß die Kommunisten 'in Stt-äflmgskleidern in das SämmelgefängniZ gebracht worden waren. Gleichrcitig gab Karolhi den Auftrag, die Komniünnten als politische Gefangene 'zu behandln.- Kunfi zeigte sich in dem daraus folgenden Blinisierrate sehr erbittert über die Mißhandlung Bela Kuns. Kts.-st betont.' dem Zeugen gegenüber immer, daß Lenin, mit Rttc-rüonen drohe, falls dm Kommunisten etwas geschehe. Zeug/, habe ,ab.er nie ein: derartige Depesche Lenins mit eigenen Augen gesehen. Die Abdankung Karolyis geschah überraschenderweise hinter. de.m Rücken der bürgerlichen Minister und entgegen emrr am' Vortag grtrofsruen Vereinbarung. Im Minrstercat vom 21. März erklärte Kunst, daß. die sozialdemokratische Partei die Regierung übernehute. Diese Erklärung konnte nicht anders aufgefaßt werden, als daß.nun/cine rein sozialistische Regierung ans Ruder käme. Zeuge'nnd srütrbürgerbchen Kollegen wußten in dieser Sitzung 1 *$od} nichts davon, daß Kunst schon vor der Sitzung im Sammelgrfängnis gewesen sei und mit den dort befindlichen Kommunisten die Vereinbar»«- zvr Ueberuahme der Macht unterschrieben habe' Magyarische Agenten in der Slowakei. Aus Preßbttvg wird berichtet: 'Hier hat in lctzter Zeit die Agitation magyarischer Agenten an AiMehnung zuge.nomrnen, welche auf jede , mögliche bestrebt' .sind, , die hiesige Bevölkerung von der LMaetz Arbeit abäubrinLen. JnZbeWlöere. an der Lp-iener magyarischen Grenze verbreiten diese Agenten Flugzettel, in welchen sie die Bevölkerung ansfordern, kein Getreide abznli-efern. und die. Staatsanleihe nicht zu unterstützen. Diese Agitation griff bereits, auf das Nentraer Gebiet über, wo die Propaganda der magyarische Hauptmann Zatkovie leitete, welcher die Verbindung zwischen Budapest und den hiesigen Agitatoren vermittelte. In Groß-Tapolcsany bewirkte Zatkovie genieinsam mit anderen die Jnsultierung der dortigen tschechischen. Beamtenschaft. Diese legte dem Minister Dr. 'Derer, bei dessen Eintressen in Groß-Tapolcsany. diesbezügliche Beweise wor. Nach , einer beschleunigten Untersuchung wurde die Schuld des Zatkovie sestgestellt und dieser noch am selben Tage über die Grenze gebracht'und,.für immer aus der tschecho-slowakischen Republik verwiesen.'Gegen die,anderen Agitatoren wurde die strasgerichtliche' Untersuchung eingeleitet. Generalstreik iur Melniker Bezirk. Prag, 27. Juli. Im Melniker Bezirk, der mehr als 7 0 Gemeinden umfaßt, ist seit gestern G e m e r a l st r e i k. Die Landarbeiter haben die - Arbeit niedergelegt und die industriellen Arbeiter haben sich zum-Teil mit ihnen solidarisch erklärt und ihnen angeschlossem-Jegliche Landarbeit.ruht. Der Schnitt ist wohl zum großen Teil-beendet, aber bas Getreide steht in Garben noch uneingebracht auf den Feldern.- Den Hauptgrund des Streiks bilden die hohen Lohnforderungen der Landarbeiter, welche außer dem Deputat in Naturalien,. wozu auch' Kohle gehört wöchentlich tsch-. K. 2.00 Legen bisher 40 Kronen .verlangen. Die Landwirte wären mit dieser Summe einverstanden, wenn sie die Arbeiter nicht rückwirkend ab 1. Jänner 1920 beanspruchten. Die Stimmung unter der .Arbeiterschaft ist schon seit Wochen'äußekst gereizt. Voneiner-Seite wird hiezu auf die angebliche Anwesenheit zahlreicher ungarischer Kommu nisten hingewiesen, die einen gewissen Einfluß zu gewinnen verstanden haben sollen: von anderer Seite wird die Bewaf fnun g'der Landwirte und die M i ß h an d l u n g eines Vertrauensmannes durch Landwirte als Grund angeführt. Diese gereizte Stimmung führteschon in der Vorwoche zu den gemeldeten A u s s ch r e i tu n g e n in der Umgebung von- Melnik. Mrüfter Dsrer über die Zustande in der Slowakei. „Ncrrodm Listh" veröffentlichen, «me vnterredmch mit dem bevollmLchÜZlen.Mlncster für die.Slowakei, Dr.^ ,©i t e r, der sich untcr. qnderem .folgendermaßen ärrßert« : Die ärgste wivtschaftliche Krise m der Slowakei ist schon sber'Ännden. Im allgemeinen kann man fsgem-daß am meisten g e g e n b.t e A b i i e f e r n n g d e s G e t r e i ,d e s tu den Bezirken agitiert wird, wo die Klerikalen in der. Majorität ' sind,' und dann iw den südlichen Teilen der -Slomäkei,'wo die magyarische ' christlichsoziale Parin mit Hetzplakaten cktbeitet.-cDie' Avtrovisionierüng d'tt Slowakei ist hcner bedeutend beffer als im Vorjahre. Im heutigen Mimsterraie wird über die.Erweiterung des Standrechtes auch, ans die Fälle des S. ch m u-g'g e l e x p o r t s verhandelt werden. . - - Der Medeusvertrag und das WiederM- Machungsgefetz in Frankreich. Paris, 27. Juli. (Hav-s.) Die beiden Unterkommissionen des FinaNMÜnisieriumZ und des MmisterinmS des Aeußern, die mit der Ueüerwachung der Ausführung des Friedensvertrages betraut sind, hatten gestern nachmittags einen längeren Meinungsaustamch mit dem Mintst'erpräsibenten, auf Grüü8 dessen sie die Notwendigkeit anerkannten, den..von -der.Regierung vorgelegten Gesetzentwurf, wodutch das Protokoll von Spa ratifiziert werden soll, irr den Kammern vor den , Ferien zur Sprache zu bringen. Sie verlangten ferner, daß,das Gesetz, betreffend die Wiedergutmachungen, an die Kommission für. auswärtige. Angelegenheiten überwirsr« werden soll. ... Bodenreform m AngÄru. Bndsprst, 27. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der Frage der Bodenreform wurde eine Einigung auf prinzipieller Grundlage'erzielt. Wie in wohlunterrichteten Kreisen verkantet, wird die Bodenreform den freien RealitStenverkeh'r nicht beeinträchtigen. Der Kauf und Verkauf wird auch in Zukunft freisiehen. Der Vorgang wird jedoch in der Weise geregelt, daß in erster Reihe diejenigen Bodenbesitz erhalten, die darauf. Anspruch haben. Die Anspruchsbcrechtigung wird durch das LandeSdefitzregelnngsgericht entschieden. Dlr Vorlage bestimmt prinzipiell, daß ein Drittel des Grundbesitzes entergnet «nd den Anspruchsöerechtigteu übergeben werden kann. Ein Maximum an Bodenbesitz wird nicht festgesetzt. Vergessen Sie nicht die Erneuerung des Abonnements in Ihrer Trafik! 28, Juli 1920 Rr. 54£. ' 1 . ■ .. " ..ui^ Telegramme. Me Gntentemtffionen in Warschau eingetroffen. ' Paris, 27. Juli. (Funkspruch.) Die Mit« glreder der franzöfischen und^der britische« Mission sind gestern irr Warschau einaetroffen und haben vier Stunden mit dem Minister» Präsidenten beraten. Der französische Gesandte in München bleibt. Paris, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Rach einer Meldnng des ^Temps" wurde der Einspruch Bayerns gegen die Ernennung eines eigene« französischen Gesandten in München zurückgewiesen. Spaltung unter den türkische» Natroualisten. Paris, 27. Juli. (Fnnksvrnch^ ,Tempr* meldet 0»- Stoa* stantinopkl, daß in der türkischen Rationaliffe»- p a r t e i eine Abspaltung eingetreteu sei. Ukber 2<XX) Parteigänger hatten sich deS festen Platzes Tfchern« bemächtigt. . Der Befehl Kemal Paschas, gegen Armenien »orzn-ehe», fei nicht befolgt worden. Griechische Einber«s««ge». Athen, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Die griechische Regierung hat ein Manifest erlaffen, durch das die Reservisten deS Jahrganges 1905, die auS dem Gebiete des alten Griecheuland stammen und die feit Mar 1918 als neunatnralifierte Grrech« zu den Waffen gerufen werde«. Einberufen find feruer verschiedene Kategorien von Hafenarbeitern »nd die i« Jahr» 1900 geborenen Griechen. Die Einberufung erfolgt i»folge de«' ' Verluste in den Kämpfen mit den Türken.' Terror der italienischen KriegSgewinner. . Asm, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Die beide» bekannte» sozialistischen Deputierten Modigliani «nd D e l l a G e t a sind von Angehörigen deS ^Fascio naziouale* tätlich aagegriffen worden. Dir Berletzsngen, die Modigliani hiebei erlitt, geben zu Bedenken Anlaß. Giolitti hat in her- . Kammer angedeutet, daß die sich im Hintergrnnde haltende» - eigentlichen Urheber deS Attentats, welche bezahlte Jndividne» -0», mietet haben, bekannt seien «nd in d e n R e i h e» d hr. - Kriegsgewinnerz» suchen sind. Die Epidemien i« Osten. Moskau, 27. Juli. (Funkspruch.) .I» Odeffa find vor» gestern zwei italienische Dampfer eingetroffr», die Medika»ento und chirurgische Instrumente im Werte von S Millionen Lire str .Sowjetrußland an-Bord hatten. Ein Teildieses Materials iß vom italienischen Roten Kreuz gespendet. Rote-^ Kreuz-Missionen aus Italien werde» sich in nächster Zeit »ach Rußland begeben, um die Epidemien zn bekämpfe». DerhoAändifche200-MMonen-Gnldeu-Kredtt. ÄmftsL'dam, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Die niederländische Negierung beschloß nach dem „Wgemee» Handelsblad", angesichts der Erklärung des deutsche« Außenministers Simons die Behandlung -der Kreditvorlage von 200 Millionen Gulden bis zur neue« - Sitzung der Zweiten Kammer, das ist bis September, zu vertagen. Die W z ltgetreideernte. Rom, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Das landwirtschaftliche internationale Bureau teilt mit. daß die kanadische Ernte auf 82 Millionen Meterzentner! geschätzt wird. Die gesamte amerikanische Ernte wird mit 302 Millionen gegen 309 Millionen im Vorjahr angegeben. In Nordafrika wird die Weizenernte mit 17 Millionen Meterzentner veranschlagt. In Britisch-Indien bleibt das Getreideausfuhroerbot aufrecht. Teilweise Aufhebung der Zwangswirtschaft in SüddeuLschland. München, 27. Juli. Gestern fand in Würzbnkg eine Konferenz der süddeutschen Ernährungs- und Landwirtschaftsminister statt, an der Vertreter Bayerns, BadeuS» W Ürttemb e r gs und Hes s e n S teilnabmev. Die Versammlung beschloß die Aufhebung der Z lv a n g s w i.r t s ch a f t auf mehreren Gebieten deS Eraährungsweseus nud erklärte sich nur für die Beibehaltung der Zwangs- Wirtschaft bei Brotgetreide, Kohle, Zucker, Milch Md Butter. Lebensmittelzuschüffe für Deutschland. Paris, 87. Juli. (HavaS.) Infolge der in Spa getroffeueu Brreinbarnugen, die eine Unterstützung der Lebensmittelversorgung für die deutschen Bergleute bezwecke«, haben sich die alliierte» Regierungen von Frankreich, England, Belgien und Italien veranlaßt gesehen, gememsam L e d e« § m i t t e l z n s ch ü s s« an Deutschland zu gewahren. Die Regierung hat heute eruen Gesetzeutwnrs erngebracht, der den Finanzwimster ermächtigt, an den betreffenden Operationen terlznvehmen. Der Streik i» Meluik. 27. Jali^ (Tel.-Ko«p.) Zur Unterdrückimg vo» Gewalttäügleitrn wurden kürzlich einige hundert russiche Legionäre nach Melnik beordert. Die Vertrauensleute der Arbeiter erschienen daraufhin bei der Bezirlshauptmanuschaft und verlangten die Äbderusung des Militärs. Diesem Verlangen wurde nicht, entsprochen und das war das Signal zuin Streik» lauSbruch. Die Arbeiterschasl ist außerdem auch über die in Ahndung der Ansschrei.ungru ersolplen maffeiihatten Vcrhaskuugen sehr

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