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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-28 · Heft 544 (28.7.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 544 (28.7.1920)
Date
1920-07-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Wien. Mittwoch Wiener Movgenzeilmrg Die zionistische ]ahrc$konfcrcnz in London. London, 22. Juli. (Tel. der „Wr. Morgengig.")! Dr. Klee eröffnet die Vormittag,ssihung und gibt das! Wort Morris Mayer zur Begründung der Anträge der j ■ft o mmissionfürden Weltkongreß. Da sümt-?Uchö eingebrachtcn Amendements angenommen werden, ■lautet der Beschluß nunmehr: Die Zionistische Jahreskonferenz erklärt sich dafür, daß zu einem möglichst frühen Zeitpunkt ein ■jüdischer Weltkongreß auf demokratischer! Grundlage einberufen wird. Der Kongreß soll die autoritative Körperschaft sein, idie berechtigt ist, im Namen des jüdschen Volkes in allen nationalen Angelegenheiten zu handeln und izu sprechen. Zu diesem Zwecke wählt die Zionistische Exekutive -im Einvernehmen mit den Fraktionen eine Kommis«;f i o « von fünf Personen, die in Zusammenarbeit mit der -Exekutive die nötigen Schritte tun soll, um sich mit ü 11 e n jüdischen Körperschaften, die sich für einen jüdischen Weltkongreß ausgesprochen haben, in Verbindung au setzen zwecks Schaffung eines Organisationskomitees. daZ den jüdischen Weltkongreß organisieren und einbe- "rufen soll. Es folgt nun der Bericht der . Kulturkommission. Der Berichterstatter Lippmaun Lewrnson (Hapoel lHazair) führt aus, daß sich die Anträge der Kommission!auf drei Punkte beziehen, 1. dieErziehunginErez ^Israel, 2. die Erziehung in der Diaspora und;3. die Universitä t. Er spricht' nur über den Punkt .„Diaspora-Arbeit" und begründet die Anschauung der ^Kommission. daß die Erziehung auch in der Diaspora von der Zionistischen Organisation geleitet ^werden muß, daß hiefür ein gewisieS Budget festgesetzt wird und eine besondere Zentrale in der Nähe Osteuropas geschaffen wird. In der Debatte tuenden sich die Redner des D? i s r a ch i Dr. V e r g e r und Dr. W a x m a n zunächst ^dagegen,. daß die Zkonistische Organisation auch die Grundprinzipien der Erziehung sestlegen soll. Hieraus stellt Rev. S i l v e r (Amerika) den Antrag, alle Vorschläge der Kommission bezüglich der Erziehung in der Diaspora abzulehnen und statt deren eine Re« ifolutiun anzunehmen, daß die Leitung aüfgefordert wird, nch.mit den in den einzelnen Ländern bereits bestehenden jüdischen Erzielttnlgßinstituten ins Einvernehmen zu Isetzeu. um eine Beeinftusjuug dieser Institute, insbesondere in der Richtung des Hebräischen, zu erzielen. Kleber defen Antrag entspinnt sich eine lebhafte Debatte, än deren Verlauf Dr. Isidor MargüIiiS (Wien) und Zlatopolsky (Rußland) für die Fassung der Kommission eintreten und die große Bedeutung der Hebräischen Lehrerausbildung für den ge- -samten Zionismus und für das kulturelle Leben in Palästina darlegen. Dr. Margulies verweist dabei 'auf das Wiener Padagogium, das keineswegs lokalen Charakter hat, sondern eine zentrale Bedelttung für den gesamten Zionismus, da aus der ganzen Welt ’ Lehrer von dort angefordert werden. Bei der Abstimmung wird der Antrag- Silber vbgelehnt. Da die amerikanischen Delegierten hierauf zwecks Beratung eine Unterbrechung beantragen, vertagt her Vorsitzende David V e l l i n die Sitzung auf nachprittags. t- Nachmittagssitzuag. Nach Eröffnung der Sitzung durch David Sellin tzibt Rev.Silber im Namen der amerikanischen Delegation folgende Erklärung ab: Die amerikanische Delegation drückt ihre absolute Sympathi e mit den Motiven fcn§, welche die Resolu. tionen des Komitees für ErziehrmgS- und Kulturarbeit in bet Diaspora tragen. Sie betont, daß die Zionisten der ganzen Welt und insbesondere die amerikanischen Zionisten als einzelne oder in ihrer Gesamtheit in ihren Wvhnländern an der großen Arbeit der Gründung und Forderung aller nötigen Einrichtungen, für die Derbreitung und Entwicklung unseresnationalenKultu r- Programms in der Diaspora Mitarbeiten müssen und werden. . Jedoch sieht sich die amerikanische Delegation verpflichtet. der Jahreskonserenz zu erklären, daß sie der Verwendung zionistischer Gelder für irgendwelche andere Zwecke als rein administrative und Palästinensische unbedingt widerspricht. Sie sieht mit Besorgnis den Versuch, die Organisation aus ein spezifisches ErziehungS- und Kulturprogramm in der Diaspora sestzulegen, welches die Ausgr.5? wachsender Summen autz den zentralen Mitteln erfordern würde. Die amerikanische Delegation hält daran fest, daß die Frage der Verwendung von Geldern für kulturelle vnd Erziehungsarbeit in der Diaspora, die Gründung feftfc Subventionierung von Lehrerbildungsanstalten usw. rin« grundlegends Frage der Politik und des Prinzips sufrvllt. Sie ist fest überzeugt, daß die amerikanischen Zionisten entschieden dagegen sind, baß die Zentrale ZiojMlfche Organisation eine solche Politik übernimmt. Daher' lehnt edie amerikanische Delegation im Namen der amerikanischen Zionisten ab, irgendeine Verantwortung für die Handlung der Konferenz zu diesem Gegenstand zu übernehmen und irgendwelche finanziell« Verpflichtungen, die daraus entstehen, auf sich zu nehmen. Die amerikanische Delegation wird ferner die nächste Zionist Convention in Amerika auffordern, zu erklären, inwieweit sie Fraktionen innerhalb der internationalen Zionistischen Organisation, welche einen kleinen oder gar keinen Anteil an den finanziellen Lasten derOrganifatton tragen, gestatten will, durch VereinigUtttz ihrer Kräfte bei der Abfttmmung über Gelder der Zionistischen Organisation die Entscheidung herbeizuführen. Der Antrag der Kommission wird unter Stimmenenttzattung der Amerikaner angenommen. Der zweite Antrag der Kommission, daß die Zentrale des Erziehungsdepartements in Palästina sein soll, .wird angenommen. Der Antrag, daß ein autonomes Zentralbürsau für die Erziehung in der Diaspora in einer Stadt nächst Osteuropa geschaffen wird, wird mit dem Amendement angenommen, LaS dis Leitung ermächtigt, dieses Bureau am Sitz der Zentrale der Organisation zu errichten, solange sie eS für nötig halt. DaS Amendement des M i Sr acht wird in der Form angenommen, daß die Tätigkeit des Bureaus einer Aufsichtßkommisston unterstellt werden soll, in der die Fraktionen vertreten sind. Der dritte Punkt der Kulturresalu* tionen, der die Errichtung bestimmter Kategorien von Schulen fordert, wird der Exekutive gugewiesen. (Die Resolutionen haben wir bereits in der gestrigen NUMN..H mitgeteilt. Red.), Hierauf berichtet Dr. M o s s t n s o h n namens de- AuSschusies für Erziehung in Palästina: ES ist ein vollständiges Einvernehmen mit den Vertretern des MiSrüchi erzielt worden, aus Grund dessen eins Aryah! von Resolutionen vorgeschlagen wird, deren grundlegende folgende sind: . 1. Die Konferenz betont, daß er von Dichtigkeit fei, daß in allen-palästinensischen Schulen Handwerke erlernt werden. " | ' 2. Die Konferenz beauftragt das Departement für ErziehungZwesen in Palästina, sein besonderes Augenmerk auf eine u m f a f s e n d e pp pul 3 xe Erzt^ hung zu werfen, damit die Kenntnis -et hebräisch e n Spräche und Kultur unter allen Volkss ch i ch t e n verbreitet werde. 3. Me Erziehungsanstalten Palästinas müssen die P r i n z i p r e n, die als Grundlage der palästinensischen Erziehung dienen, in bezug auf Lehrsprache, Schulhygiene und das Minöeftprogramm anderer Lehrfächer als rein jüdischer Art akzeptieren. 4. Die Erziehungskommission (Waad Hachimich) soll aus neun Mitgliedern bestehen, von denen mindestens drei Vertreter des orthodoxen Judentums sein sollen. 3. Das Drrektorium des Departements für Er» ziehungswesen soll aus drei Mitgliedern bestehe«: dem Direktor des Departement- und zwei Inspektoren, von denen einer die allgemeinen Schalen «rtb der andere die orthodoxen Schulen überwachen soll. Ein Antrag Simon, die Resolutionen der Exekutiv-» -ui überweisen, wird abgelehnt, ebenso ein Antrag Silber auf ftzborweisirng ftner Paragraphen, welche Budgetsyrderungen enthalten. Hierauf.legtDsktor Mossinsohn die-Richtlinien der weiteren Tätigkeit der Waad Hachinuch bar, auf ßjnm!) bet-sit das vorgeschlagene Budget des Waad tzachinuch von der Konferenz angenommen wirb. Hierauf berichtet Dr. PoznansN über die Nesylntio^n bezüglich der Universität, welche wir Ferrits in unserer gestrigen Nummer mitgvLeilt habe«. Delegierter Adolf Böhm referiert über die soltzenden Thesen der JinmigrativnSkommission, welche angensmrnen werden. Die Organisierung und Leitung der Einwanderung nach Paläsiinr obliegt der Eiirtvairderung^zenträte, disofort in Palästina einzusehen ist, und den Landes-Palä stina-Aemtern. Die Zentrale kann an wichtigem Hafeuplätzerr Hasmu. ämter errichten und nach Bedarf einzeln«n LandeS- Palästitta-Aemtern zentrale Aufgaben zuweisen. Die Dritung der LavdeZ-Palastina-Aernter obliegt eitler Kommission. Dies« soll bestehen vuö Dertrrter«. die bas Zlvnisttfchr LandeSkomit^e und alle in dem betreffenden-Lande'organisierten zionistischen Sonderyerbände und zionistischen Fachvrganisationrn der Palästina- AnSwandevrr gemäß ihrer Stärke zu wählen haß««. Die Kommission der Landes-PalSstlna-Aemlsr führt deren Arbeit nach hen von der Zionistischen Weltorganisation beschlosssnen Prinzipien und nach den Weisungen der JmmigratümszEntrake der Zionistische« Organisation. Die Arbeit der Palästina-Aemter soll nach Ressorts geteilt werden. In jenem Ressort, welches die Organisierung und Vorbereitung der Arbeiterelemente für j «Lrez Israel ein sch ließ sich der Cb altt sim bearbeitet, Men j dieftnigen Urbeilec, und Fach.irganisat!snen vertreten sein, vi« sich mit diesen Angelegenheittn beschäftigen. 28. Iu« im ’ . ' Ü5T 644 V Die Beschlüsse des ArLeiterrefsSktS unterliegen, so wie jene aller anderen Ressorts, der Entscheidung beit leitenden Kommission. ES ist wünschenswert, baß die - Lanbes-Palästina- Aemier jene jüdischen Gemeinden, Körperschaften und Gruppey, die sich an der Palästina-Arbeit beteiligest wollen, zur Mltarbstt he ran ziehen. Jens Einwanderer, die als für den Aufbau Palästinas nötig befvndsn werden und außerstande sind, die Reisespesen voll aus eigenem zu decken, sollen von den EinwnnberuttgSämtrra Darlehen erhalten. Die hiezu tt'6tig>rn Fonds hat die Leitung zur Verfügung zu stelbrn. Di« sprachliche und berufliche und insbesondere landwirtschaftliche Vorbereitung der Einwanderer soll durch die Landesämter laut Weisungen der Zentralen «ach einheitlichen Grundsätzen besorgt werden. JnSbesvndbre ist die Ausbildung der Chaluzim zu fordern. Zur Mckung der so erwachsenden Auslagen sind in erster , Reih» bi* im Lanh* Mrkenden Institutionen herauzuziehen, erforderlichenfalls sollen auch von der Gesamtvrganisation hiefür Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dft Zionistische Jahreskonferenz anerkennt, daß im Interesse der sirlonisatorischen Arbeit die Ausbildung 'und Einwanderung von Lhaluztm in umfassender und syflemattschrr Weife gefordert werden sott. (Amendemeirt Kaplan.) Als wesentliche Bvr-r^ettung von künfttgen Siedlern sind in de« einzelnen Galuth-Ländern, soweit notwendig, von dev Zionistischen Lanbesvrganisatione« landwirtschaftlich« und handwörkliche Ausbtldüngrmügltchwitett zu schaffen, die erforderlichenfalls auS den Mitteln der Gesamtorganisation finanziell unterstützt werden und btt fachliche Beratung seitens der Leitung genießen sollen. Zwecks Durchführung der Liquidation des Vermögens der Auswanderer und aller mit der Auswanderung zusammenhängenden Finanzoperationen sollen in de« wichtigsten AuSwawderungsländern Finanzinstitute im Zusammenwirken mit den zionistischen, in Palästina tätige« Finanzinstituten begründet werden. Eine Anzahl von Beschlüssen der Kommission für Immigration wurde der Exekutive überwiesen. Namens der Kommission für nationale Arbett tu der Diaspora referierte Abgeordnete* Stricke*. Er schiwert die Entwicklung der nattonal-politischen Bewegung in den einzelnen Ländern und die Bedeutung des Komitees der jüdischen Delegationen. Er fordert die Versammlung auf, diesem Komitee, das gerade in der nächsten Zeit außerordentlich wichtige und vielleicht traurige Arbeit zu leisten Haben wW,'durch einstimmige Annahme der Msolutionen den notwendigen moralischen Rückhalt zu geben. Die folgenden Resolr;- tionen werden auch' einstimmig unter lautem Beifall angenommen. Die Zionistische JahreSkönferenz billigt die von der Lyirdvner Zionistischen Konferenz heS Februar 1919 -und von verschiedenen Landesverbänden rrgrifftne Initiative zur Schaffung xsines Instituts zur Vertretung d«rr bürgerlichen, politischen und nationalen Emanzipation vor der Friedenskonferenz. Im Einklang damit begrüßt die JahreSwnftrenz die frührre» Aktionen zugunsten der Schaffung beS amerikanischen jüdischen Kongresses, der Ukrainischen Nationalversammlung, der pislnischen Vorkonferenz, der verschwdener Nationalräte, Nattonalverbände, die die Arbeit vyr der FrivdenskünserLuz vorbereitet Hatten- ' In Fortsetzung dißft* Initiative beschließt di« KousevLnz, die Zionistische Organisation soll dahin wirken, daß sine alljüdrfche rntsrterriLoriale Institution geschafftn werde^ welchö dazu dienen soll, auf internuttzfträleNr Wege, insbesondere aber vor dem Völkerbund, die bürgerlichen, politischen und nationalen Rechte in den Ländern, wo solche auS politischen, lüP turellen und wirtschaftlichen Gründen notwendig sindzu realisierrn. zu schützen und weiter auSzu bilden. In diesem Sinne begrüßt die Zionistische Organisation den Beschluß beS Komitees der jüdischen Delegationen wegen Schaffung eine- Waad Haarazoth ai,f demokratischer Grundlage. In der Lchlüßsitzung (Vorsitz Jrrstice Brand «iS) legt H. Raid ir sch die Resvluston dm Palästina-Finanzkommission, betreffend den Krren H«f e ssod (Fsnd -um Aufbau Palästinas) vor Md begründet sie kurz. Die Kommission fei nach langen und schwierigen Beratungen zu dem einstimmigen Beschluß hti Schaffung eines Kvlonifativns- und JmmigrationSfvndS gekommen. Von dieser jb-mftrrnz soll ein Appell an dieganze iüdische Welt hiNauSg'rhe«, um diesen Fonds zu errichten. Zlatopolsky MiterstÜht dsn Antrag Naiditsch. Wtr können keine Steuern einheben, da wir keine Exekntiv^rwalt besitzen, aber mit Almosen können wir Palästina rsicht aufbanen. Da finden wir einen Ausweg in unserer Geschichte, die uns das Beispiel des „Massel darbietet. Der Maasser hat die Bedeutung einer Steuer unb doch wurde er nie mit Zwangsmitteln, aufgebracht. Er wer immer ein« freiwillige Abgabe. MitttlS deS Maasfer hat die Diaspora immer Palästina erhalten. Run wollen wir den Maasser leisten, um dem großen Augenblick gerecht zu werden, von dem Herzl gettänmt hat und der jetzt gekommen ist, und um gleichzeitig die Massen bedrängter Inden des

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