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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-23 · Heft 539 (23.7.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 539 (23.7.1920)
Date
1920-07-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wie», Freitag Wiener Movgvrizeitung 23. Juli 1920 Rr. 639 —— rrr r,iiWiiM,iMWi»»»<w.. .; ....1». .»wwe <I>I»W ■ ■ .. . . .. .Vr» -■.. — — -- -• Die rionismche JaMonferenz in London. Lords», 19. Aull. (Del. bet „Wiener Morgen« I Boden auSschließlich in Erbpacht, und Erb» Zeitung".) I» heb vergangenen Woche hatten, da die Kommissio nen' ihre Arbeit durch führten, Heine Plcnar Sitzungen dtt Kdn.ftrtznz stattgeftlndeN. Sir würben Man .banrecht zu vergeben; die Ansredlung Nlittellyser jüdischer, selbstarbeitender Elemente zu ermöglichen: dir jüdische Arbeit PolitischeNundschau. Die Beratungen über den polnisch-jüdische« Ausgleich. WarschM, 20. Juli. (Tel. der ,Wiener Morgenßerkung".) Der für den 17. d. M. vngefetzten ztveiteu Beratung der jüdischen und polnischen Vertreter über die Regelung der Verhältnisse zwischen Polen und Inden ging eine Besprechung der jüdischen Mitglieder voran, in welcher beraten wurde, welche Frage auf der zweiten Beratung zu behandeln seien. Es wurde einstimmig beschlossen. zu verlangen, daß zuerst die Frage der tzegenw artigen Juden Hetzen und Exzesse bereinigt werde, erst dann könnten sich die jüdischen Mitglieder an der allgemeinen Diskussion über die Judenfrage beteiligen.. Daher wurde beschlossen, der Ausgleichskonferenz ' folgende Resolutionen zur Annahme vorzulegen: Der Rat für Landesverteidigung habe iü einem Aufruf an die Bevölkerung das Aushören der Juhenexzesse zu verlangen; das Kriegs Ministerium, solle sich in einem scharfen Erlaß an die Truppen und Kommanden gegen die Exzesse wenden; das Innenministerium habe in einem Erlaß sejne Organe anzuweisen, daß sie Exzess verhindern und die Schuldigen der Bestrafung znführen; die Regier ungsvrgane müssen aufhören. Ausrufe und PvoDmationen zu erlassen, welche die Juden des Bolschewismus beschuldigen, ferner dazu verhalten werden, antisemitische. Und aufreizende Ankündigungen und Aufrufe polizeilich entfernen zu lassen und judenhetzerische Agitatoren der Bestrafung zuzuführen; die Regierung solle eine Konferenz der polnischen Presse einberufen und die polnischen Leitungen auffordern, die Judenhetze einzustellen; judenhetzerische Zeitungsartikel sollen der Bestrafung unterliegen; die Razzien zur Auffindung von Deserteuren sollen nicht, wie bisher, ausschließlich in den Judenjgassen durch geführt werden. - Die offizielle Beratung, an welcher der Minister des Innern, der Unterrichtsminister und Vertreter des Außenministeriums teilnahmen, begann um 12 Uhr mittags im Ministerpräsidium unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Grabski. Dieser erklärte, es werde notwendig sein, ein kleineres Komitee zu wählen, welches die Ergebnisse der Beratung verarbeitet und^die nötigen Materialien beschafft. Vorher solle die allgemeine Diskussion über die Judenfrage eröffnet werden. Abgeordneter I. Grünbaum brachte nun die eingangs erwähnten Beschlüsse der jüdischen Vertreter vor und verlangte vor dem Eintreten in die allgemeine Debatte die Beratung über die Forderungen, welche dazu bienen sollen, den Judenexzcssen Einhalt zu tun. Dafür sprachen sich auch Dr. Alfred Nossig, ferner der bekannte Assimilant Abgeordneter Löwenstein aus, welcher auf die Schädlichkeit der Judenexzesse für das Ansehen des polnischen Staates hinwies.! Nach einer Rede des polnischen Abgeordneten Z atzvrski, welcher die groteske Behauptung aufstellte, die Juden hatte eine große Organisation in den Dörfern, um gegen die Anleihe und gegen den Militärdienst zu agitieren (?), sprachen von jüdischer Seite die Abgeordneten Rabbiner Halpern und N. Priluzki, von den polnischen Konferenzmitgliedern die Abgeordneten Gdyk, Mar hlski, Swiha, Dobrvwolski und Dembinski. welch letzterer beantragte, die Resolutionen der jüdischen Konferenzmitglieder anzupehmen. Nachdem noch der Abgeordnete Kosmoska die Einhaltung eines bestimmten Systems in der Diskussion angeregt hatte, um diese nicht ins Uferlose gehen zu lassen, erklärte Hauptmann Pvljakewicz jals Vertreter des Kriegsministeriums, daß dieses die schärfsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Exzesse treffe. Dizeminister Wroblewski, Chef der Präsidialkanzlei des Ministerrates, welcher an Stelle Grabskis iim Laufe der Verhandlung den Vorsitz übernommen hatte, schloß die Beratung mit einer Erklärung, in welcher er darauf hinwies, daß eine offene Aussprache der polnischen und jüdischen Vertreter wünschenswert sei. Es müsse zu einer Verständigung kommen, in Polen dürfe es keinen Antisemitismus geben. Es wäre zu wünschen, daß die Verständigung so weit komme, daß die polnischen und jüdischen Parteien sich zu einem 'gemeinsamen Aufruf vereinigen (Aha! D. Red.), welcher sicher starken Eindruck machen würde. Zum Schlüsse stellte Wroblewski fest, daß alle Versammelten die Vorschläge der jüdischen Vertreter akzeptierten, daß die Regierung sie prüfen und alles Nötige tun werde. Die nächste Beratung ist für den 23. Juli in Aussicht genommen. Li« Anfr«f der Dritten Internationale. Aus Moskau wird gemeldet: Der zweite Kongreß Her kommunistischen Internationale hat an das Weltprokejariat folgenden Aufruf gerichtet: Der zweite Weltkongreß der kommunistischen Internationale versammelt sich, in dem Augenblick, wo die Ävte Armee der russischen Arbeiter und Bauern gegen .das weißgardistische Polen und die kapitalistische Reaktion schwere Opfer bringt. Die russischen Arbeiter und Bauern haben den Kampf gegen Polen ausgenommen, um diese so zu schlagen wie die gegenxrevolutionären Armeen Judenitsch, Koltschak und' Dejknikin. Die polnischen Kapitalisten haben den ehrenvollen -Frieden der Sowjetregierung abgelehnt und gegen Wowjetrußland ihre ganze Armee geworfen, die nun Mr dem Zusammenbruch steht. Die polnischen Magnaten tag den 19. d. M, um 11 Uhr vormittags wieder qufgenommen. Präsident Brand eis eröffnete die Sitzung und entwarf den Arbeitsplan für die restlichen Sitzungen. Es ist beabsichtigt, die Jahreskvnftrenz Mittwoch 'den 21. d. M.,. M. schließen. Den Vorsitz übernahm bann AoÄO.v^h.schild, welcher ankündigte, daß zunächst die« Anträge her' Palästinakommission zur Behandlung gelangen sollen. Gemäß einem Beschluß des, Seniorenkonvents sollen zu jedem Antrag der Palästinakonnnission je zwei Pro- und Kontraredner, für jdden Antrag btt übrigen Kommissionen je ein Pro- und Kvntrarchner und für jeden Minvritätsantrag nur ein Redner das Wort ergreifen. 1 ’ Adolf Böhm (Oesterreich) erstattete den B e r i ch t im Namen der P a l ä st i n akommi sf iv n. Diese hatte sich gleich nach .BeLinn ihrer Beratungen in fünf Unterkommisjionen geteilt, welche die Gebiete der Bodenpolitik, der Kolonist tr in, der Emigration, die medizinischen und die t i cf> u t s che n Fragen behandelten. Böhm berichtete übe: die erste Gruppe der Kommissionsänträgc, Fragen der Bodenpolitik, und führte aus: Zur Bodenpolitik verlangten die Vertreter der radikalsten Gruppe einen Beschluß, welcher den Bodenkauf ausschließlich dem Jüdischen Nationalsonds Vorbehalten und jeden privaten Bodenkaus aus.schließen solle. Hiefür spreche die Befürchtung, daß Privateigentümer Spekulation betreiben würden. Sie würden ferner, selbst beim besten Willen, durch die Verhältnisse gezwungen, nichtjüdische Arbeiter beschäftigen zu müssen, und damit wäre der Boden nur juristisch, nicht aber in Wirklichkeit jüdischer Boden. Die Vertreter der anderen Richtung argumentieren etwa so: Der Jüdische Nationalfvnds verfügt zurzeit nur über sehr geringe Geldmittel und es ist nicht anzunehmen, daH er in kurzer Zeit derartige Mittel erhalten kann, um jeden zum Anbot gelangenden Boden .anzukaufen. Damit würde der Fall eintreten. baß zum Verkauf stehender Boden zu einer Zeit, wo der Preis noch verhältnismäßig niedrig ist, von Nicht!uden gekauft würde. Gegen jeden Mißbrauch des in privater Hand befindlichen Bodens Wnnm gewisse. Sicherheiten gefunden werden. Es sei auch undenkbar, daß wir die Juden in Palästina unter ein minderes Recht stellen, nachdem Christen und Araber wohl in der LgZe sein sollen, Boden Hu kaufen, Juden aber nicht. Demzufolge stellt die Palästinakommission folgende Grundregeln für die Fragen der Bodenpolitik auf: 1. Das Grundprinzip der.zionistilche« Bodenpolitik ist, den Boden, aus dem die jüdische ' Äoloni'at o.n erfolgt, in taS Gemeineigentumdes jüdischen Volkes zu überführen. Die Exekutive wird aufgefordert, alles aufzubieten, um diesen Grundsatz zur vollen Durchführung zu bringen. 2. Der Träger der jüdischen Bodenpolitik in Stadt und Lan d ist der Jüdische Nationalfvnds. Seine Ziele sind: Durch Verwendung freiwilliger Volksspenden den Boden Palästinas in jüdischen Gemeinbesitz, zu überführen; den und Kapitalisten rufen alle Welt auf, baß Polen in Gefahr wäre, und bitten die ganze Welt um Hilfe. Rußland hat die Unabhängigkeit Polens schon im Frieden von Brcst-Litowsk anerkannt, c3 war bereit, sogar mit den polnischen Kapitalisten Frieden zu schließen. Wenn nun die polnischen Arbeiter und Bauern unter dem Vormarsch der Rottruppen die Macht erringen können, wird dies auch den Arbeitern der anderen Länder leichter werden. Arbeiter und Bauern, laßt nicht einen Zug, nich. ein Schiff durch, das für Polen bestimmt wäre! Der Ausruf schließt mit einein Hoch auf Sowjetpolen. Die Lage der Juden in Betzarabken. Kischiucw, 18. Juli. (Jüd. Korr.°Bur.) Die Lage der Juden in V e ß a r a b i e n hat sich in letzter Zeit bedeutend gebessert. Die Behörden zeigen der jüdischen Bevölkerung gegenüber weites Entgegenkommen. Der Antisemitismus ist so gut wie verschwunden. Die Juden genießen vollkommene Gleichberechtigung. Infolge der unterschiedslosen Erteilung von ausländischen Pässen an Juden und Nichtjuden hat das' wirtschaftliche Leben einen bedeutenden Aufschwung erfahren, wodurch eine allgemeine Verbilligung sämtlicher Bedarfsartikel eingetreten ist. Tie Organisierung der jüdischen Bevölkerung in politischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung macht große Fortschritte, wobei die zionistische Organisation überall eminenten Anteil nimmt. Vor kurzem wurde in Kischinew die zionistische JahreSkonferenz abgehalten, der auch Vertreter der rumänischen Zionisten beiwohnten. Der Generalgouverneur erschien mit seinem Stabe beider Konferenz unb überbrachte ihr z u sichern; di". Nutzung des Bodens zu überwachen und der Ausübung der S p e t‘ u \ ati o n e n t g e g e nzu wirken. 3. Die Kreditmit'.el i:tc Zionistischen Organisation dürfen in erster Reihe nur solchen Ansiedlern zugute kommen, die sich den Prinzipien des jüdischen Nationalfonds unterwerfen. 4. Um beim Bodenerwerb den Jüdischen National« fonbs zum maßgebenden Faktor zu machen, müssen ihm jederzeit ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zwecks Erweiterung setzier Aktionsfähigkeit soll der Jüdische Nalioiialsyrws Anleihen aufnebmen. die durch keine Pgchteinnakmen zu verzinsen und zu amortisieren sind. Der Jüdische Nationalfvnds soll berechtigt sein, unter Ausschaltung der bisherigen Reservenverpflichtung seine gesamten Mittel ohne jede Einschränkung in Palästina zu i n v e st irren. Die Bodenpolitik des Jüdischen National onds muß durch Kreditinst itute für landwirtschaftlichen und städtischen Besitz gefördert werden. 5. Der Bvdenkaufin Palästina durchJübev soll bei einem offiziell anerkannten, unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation stehenden Institut zentralisiert werden. 6. Im Interesse der schnellsten Erwerbung des größten Teiles des palästinensischen Bodens soll der Jüdische Nationalfvnds Formen finden, in denen neben dem eigenen Kavital des Jüdischen Nationalfonds auch das Privatkapital sich bodenkaufend beteiligen kann, rn einer Weif.e, die den späteren Uebergang der so gekauften Ländeweien in den Besitz des Volkes gewährleistet. Der Vorsitzende teilte hierauf folgenden MinoritätSantrag mit: Der Bodsnkauf in Palästina soll ausschließlich dem JüdischenRativnalfonds zustehen, damit der gesamte Boden zum unveräußerlichen Eigentum des jüdischen Volkes werde. In der Debatte sprach sich Delegierter Pines (Frankreich) für absolute Nationalisierung und gegen jede Privatinitiative aus. Nur nationaler Boden könne die Ausnützung des Landes für die Ansiedlung selbstarbeitender Juden gewährleisten. Der Zionismus müsse eine Antwort auf die ökonomische Juden frage geben, sonst erkläre er seinen Bankrott. Wenn der Boden Palästinas in der Hand einiger Privatbesitzer sei, kömre die Mehrheit des Volkes vom Boden ausgeschlossen werden. In der Palästinakommission habe niemand gegen die Nationalisierung gesprochen, es habe sich nur um die Aufbringung der Mittel gehandelt. Aber wenn die Mittel für eine nationale Kolonisation nicht vorhanden wären, so würden sie auch für eine private Kolonisation nicht da sein. Delegierter Dr. Hausmann (Ostgalizien) und Levin Epstein (Amerika) sprachen für den Kommissionsantrag. Katzene l son (Pal. Arbeitervereini. gung) und Sprinzak (Hapoel Hazair, Palästina) für die reine Nationalisierung. die Glückwünsche der Regierung aus Anlaß der Entscheidung in S a n R e m o. Die Arbeiten der Konferenz fanden mächtigen Widerhall in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Beßarabiens. Der Generalstreik in NordbShme«. Prag, 32. Juli. Nach einem Berichte der „Bvhemiaaus Reichenberg kam bei der gestrigen Vertrauens-^ Männerversammlung neuerlich hie Frage der Errichtung der Ärbeiterräte zur Sprache. Ein Redner erklärte, die Verhältnisse würden sich so lange nicht ändern, als nicht die Arbeiter die Sache selbst in die Hand nehmen. Er forderte zur Errichtung von Arbeiterräten auf, die eine Vorstufe für die Volksrepublik und den Arbeiterstaat bilden sollen. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende teilte hierauf mit, daß die Verhandlungen bezüglich der Arbeiterräte mit der tschechischen Gewerkschaftskoni- Mission geführt tverden. Di« Verpflegsnrije. Prag, 82. Juli. Die tschechische nationalistische Presse vertritt die Ansicht, baß es sich den Deutschen bei dem Generalstreik in Norbböhmen darum handelt/ die ellgemüine Verpflegskrise zu Agitationen für die Selbständigkeit Deutschböhmens auszunützen. Auch das naLionalsozialtstische' „CsSke Slovo" schreibt, daß die Bewegung beutschnatösnalen Charakter annehme. In Gablonz organisiert« sich die Räterepublik. Ihre Organisatoren trügen Armbinden mit der Aufschrift: „Selb- , ständiges Deutschböhmen".

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