Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 539 (23.7.1920)
- Date
- 1920-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979617--04760-2990539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ÜRi* K l^BO ■M«»t Bm M#r l Badrf SETV^TK? QifpPVIfPCM %lm Mmm#: .. Ihn— ®0.- äwU*^ knt . 53b s«b K Vtämraterafid f Pol«! Msmrtlickr .. M«E M «»-«-»pjhrNch BO « polnischer WLtzr«, . Ä Deutschlondr ' ' •hwalildSi.'. . Wlarf W*- Frankreich: - .t «—ttichTTTA«-, «4 _ Italien: VtomtlUI .... Sir» &n Mir M «rtae «n«»>»r^'' ««selMMch tf-t l ~ Sr-daktt»«». ttfemtaiftf«th« wJäjÄi QiibSi «E» WWPMHVIMWU— AWILSK «eJNfrMteflmiMite UOuM Nr Wien» Freitag, den 23. Juli 1929 2. Jahrgang Der Jahrestag der Szegediner Erdesleistnng. . i . Kr. Dirn. 23. Jul:. .. Einen Trauertag der Zivilisation hat Ungarn am 20. d. M. als patriotischen Festtag-gefeiert: Am 20. Juli ist es ein Jahr geworden daß der nationalen Armee in Szegedin von dem damaligen Vikar der ungarischen Militärseelsorge, Pater Zadrawecz, - der Treueid abgenommen - wurde.. Worauf die unter den sonderbarsten Begleiterscheinungen ' zusammengeworbene nationale iArmee damals den Eid geleistet hat, wofür sie ihren Vorgssttzten unter allen'Umständen zu folgensich eidlich ver- MMet. hatte — das wissen wir heute nach Ablauf dieses traurigsten, beschämendsten Jahres-in der Geschichte des Ungarischen Volkes. Heute weiß man. es und -es wird kaum mehr, versucht, in Abrede zu. stellen, daß an jenem Mglückstag. im Namen des Christentums ein grausiger Mütvörtrag geschlossen wurde. durch welchen sich Führer usth Verführte verpflichteten, die Juden auszurotten und Wen, der nicht einwandfrei weiß befunden wird oder Mals auch nur rot geschillert hat, den.Folterknechten ^der. gär dem Henker zu überantworten. Die blutrünstige Zackt, die der militante Pater Zadrawecz vor einem Jahr in dre Herzen des'magyarischen Volksheeres gestreut hat, htzt^ blutige Ernte zur Reife gehracht: Tausendevon Juhen verstümmelt, zu Krüppeln geschlagen, ihrer Habe beraubt, entwurzelt und als heimatlose Wanderer in die ferne Welt getrieben; viele Hunderte,von Juden schuldlos b'exsWepPt, entnüiiint und dann ermordet oder lebendig begrüben, ungezählte jüdische Frauen und Mädchen auf . hUMylische Weise entehrtj durch Fofter rmd-Oualen ge- Hew^tzt/ um nachher noch Zeugest / des! gewaltsamen. - ihrer Pätstr: 'Männer oder'/BHtd'?r./jjzuHHH?/ hMdeAe- 'Whettier- 'htNgenchMj' DrÄd' tau)ende iMt' ArescheE ^raÜbt/das freie Wort'unterdrückt. Schrecken' sind Hpffetzen erfüllen das Land, das^ einst stolz star,./als' Mmböl und Muster der Freiheit zü gelten. . ' :: /..Stuf dem historischen „Blickfelde" in Ofen — Npsten ist wmen — hat die. große Parade, zur Feier 'des'Jahres«, tstges der Szegediner Eidesleistung, stattgefunden ' pnd P'ätier Zadrawecz, der seither, als Lohn für sein erfolg- Mches christliches. Liebeswe'rk, zuM.Pischof von Szegedin irrNcknnt wurde, hat nach ZekebrierUnß/der Feldmesse eine Osde gehalten, die, wie alle'Enunzicktionen dieses famosen Zeölenhirten, an Doppelzüngigkeit stichts , zu wünschen Mßig läßt. Der heilige Manndankt der nationalen Wmee und jedem ihrer Mitglieder/für ihre bisherige patriotische Haltung Und fleht btn- Segen Gottes auf dieses „Kleinod 'und die Hoffnung des Magyarerckums" bxrab, damit sie der ihrer harrenden großen Aufgaben, dem- '.Schutze der Rechtsordnungs und der Autorität ge. -wachsen sei. V' Das wägt ein Mann zu sagen, der ein ganzes Volk «Wf die 'abschüssige Bahn des Rechtsßaubes geführt/ der MMördzum Patriotismus erhoben, der den adeligen Mordbuben den Segen der Kirche in ihr gottloses Mord« Hschätt mitgab. Bischof Zadrawecz wagt es, vom Schutze her Rechtsordnung in einem Staate zu sprechen, in Welchem dank, seiner bischöflichen Lehren der hundertfache Marder HejjaS zum, Stadthauptmann von Kecskemet, der Stätte der fluchwürdigen Betättgung dieses UnmenschlWn Sadisten,' ernannt wird und dessen Spieß. ggsMen zu Kommandanten wichtiger Teile dernätiopalen Armee bestellt-werden, von welcher Seine biscköfjiche Gnaden den Schutz der Rechtsdrdnung und der Autorität erwartet. Es ist unerhört, von Rechtsordnung rw einem Lande zu reden, in dem auch jetzt noch kein Tag vergeht, an dem nicht Dutzende von Menschen unter dem Verdachte politischer Unverläßlichkeit verhaftet werden, in einem Lande, in dem erst vor wenigen Tagen di^,, offiziösen Organe des christlichen Kurses. triumphierend verkündeten, daß die königliche Staatsanwaltfchgft in Budapest auch in der heißen Sommerszeit un- , ermühlich an/der Verfolgung der Bolschwiken und H?Mr/mißliebige. Mensch wird.Heute in ÜngaMnicht züm Bolschewiken, gestempelt — arbeite und .abermals hundert Anflageschristen gegen Bolschewiken * fertig ge-; M habe. ' V / . Unwahrheit und Unaufrichtigkeit waren hisM die chäxafli?nstischenMerkmale der'weißseMrisüschdst.DWik. h^r ungarischen. Regierungen/ des; .letzten Jahres.. Wan Ht/ es sich abgewöhnt, ungarischeRegierungsstorte so nehmen,, wie' sie gesprochen ^wurden; / undihren -Der« ftchörüngen für die Zukunst Gläübssi'Zu schenken.' Nur Penn das .SchreckgestzettA'der ALtechnung mit Pen wirk Cloyd George zur Antwortnote der London, 22. Juli. (Funkspruch.) Zur. AuLwortnote der Sowjetregiernng an die britische Regierung erklärte Lloyd George, daß die Forderung Rußlands, mit d« bestehenden polnischen Regierung nicht Zu verhandeln, unzulässig sei, da die polnische Regierung ans Grund^des allgemeinen gleichen Wa/)lrechtezustande gekommen wäre, Pole« daher gerade diese Regierung sich erwählt habe. Es sei völlig unzulässig, daß irgendein« auswärtige Negierung einem SLaat eine Negierung aufbürden wolle, die dieser nicht wünsche^ Eine Eroberung Polens wäre für den europäischen Frieden verhängnisvoll und ein unermetzlichrs Anglück. England sei, wenn Polen in seinen natürlichen Grenzen angegriffen «erd« durch de» Friedeusvertrag, durch seine eigenen Jutereffen sowie durch die Jntereffe« Enropas und die der ganzen Welt zur Verteidigung verpflichtet. EntentehiLfe für Polen. P a r i s, 27. Juli. (Korr.'Bur.) Die. französische Regierung wird^ eine Komm'rssicru nach Dolen entsenden zur^ Prüfnnz der dortigen Lage und der eventuell dagegen zu ergreifenden M a st n a h m e n. Die englische Regierung wird zu dem gleichen Zwecke den englischest Botschafter in Berlin nach Warschau entsenden. MilleranÄ wird am Mittwoch die englische Kommission empfangen, die sich Meichzeitig mit der französischen nach. Polen begehen wird. Der russische Frontbericht. Moskau, 22.' Juli. (Funkspruch.) FroNtbexW' vm«- 21. .Juli: Richtung Grodno geht der ^Vormarsch er^- f-o I tz r e i ch vor sich. Olita,. Meretsch und MarzrnkanzY wurden genommen. Dubitschi und Radun wurden besetzt.-' Südwestlich von Lida wird an der' Lebedgekämpft. Bei!' Nowogrodek wurde der Njemen - in 20 Werst- Bretteü b erfch ritten. Nowogrodek ist 'vom Feinde ge»- räumt. Am 19. Juli wurden nach heftigen Kämpfe»- ' Äe . Bahnknotenpunkte Baranowitschi und Luninez ge*i' nommen. Im Raume von Dubno' wurde der feindliche - Widerstand gebrochen,- der Feind nach Südwesten zurück-- - gedrängt. -/Am Zbrutsch wurde bei Wolotschisk undj tHstft<wM^r-Hemd.-.Pschbrse» uM der VwrmarsM die schnelle Veränderung, der Läge an der polnischen j/a.uf g alizisch en B o d en an getreten^ Jmi; Krimabschnstt örtliche Kämpfe. Die feindliche Abteiluna-' die? ber-Taganrog landete, wurde geschlagen .und n Norden abgedrängt. Kämpfe 50 Werst nördlich vor Taganrog. / ' ' Ein englisches Geschwader in der Ostsee^ Kopenhagen, 22. Juli. (Tel.°Komp.) Die BM Front 'die Regiernng bestimmt habe, die KÄeMreitschaft.-!. KrimabschnÄ örtliche Kämpfe. Die feindliche Abteilung^ eines Teiles des fväüzösisch^Heer'esst--äuszüsprOchem. i Marschall Foch erhielt den Auftrag des alliierten Rates,! die zur Durchführung des. Friedensvertrages mit Polen! erforderlichen. Maßnahmen zu^^ treffen. - > Paris, 22/ Juli. (Tel.--Komp0 Wie der „Temps" mtttäilt,- beschloß dev Oberste Rat die inilWrische Hilfe-, leistüng für Polen durch Mobilisierustg von sechzehn Divisionen. melden, daß am Mittwoch ein starkes englisches schwader mtt östlicher Richtung und dem Kurse nach Rigajin der Ostsee gesichtet wurde. /- Das Fest der Horthy-Banditen. .Budapest, 22. Juli. .'(Ung.-Del.-Korr.-Bur.) Der ne».- erirannte Lanbesver^ idigungsministsr Generalmajor S r e t e r hat einen Hp?ehl crlä^fen. wöriu e? .heißt: Die ungarische.Nationalarmee hamil stuterstützung der patciotischen Bürgerschaft ünse: armes,/vom Schicksal verfolgtes Vaterland aus dev Brandung der schmutzigen Re v o l y,l t o n Zf ln t gerettet. Zum Wiederaufbau des Nationalstaates bedürfenwir einer in jeglicher Hinsicht hervolpratenden Armee,s hie. in stedareinüimmuna Mit allen vätz-iotisch einpfindenden Söhnen der ungarischen Nation burch alle Käiupje' hindurch nur eines will: Das auf nationaler und rechtlicher Grund-' läge aufgebaute, angesehne und glückliche Ungarn. Unser wichtigstes Interesse ist die Wahrung eiserner Disziplin, Unparteilichkeit und Zuverlässigkeit der Arnwe. Wie,ich mit größter Strenge gegen jene ans unserer Mitte ' vergehen würde, hie ^egen Recht lunds Ordstung handeln sollten, so werde ich unerbittlich' mttj denmir zur Verfügung stehenden Mitteln, nötigen^ falls auch mit Inanspruchnahme her Armee, diejenigeni nietzerschlagen, welche die Disziplin, Unparteilichkeit und Züverlässigkeit der Arm^e -aufzulösen versuchen sollten^ Leider gibt es noch in unserem Lande Elementes die ihre Seelen rür bvlschewikisches Geld verkauft haben und Anhänger staatsfeindlicher Ideen' geworden sind^ Diese nützen jeden Anlaß, so auch die aufgebäuschte« Ergebnisse der ^bol-schewikischen Waffen, aus, um ihre» eigenen' Irrglauben zu stärken und schwankende Eharak-- tärtz für ihre destruktiven Ziele zu gewinnm. Hü^tj euch vor solchen Leuten! Zn ihrer Ausrottung müssen l wir uns alle zusammenschließen. Unser Wahlspruch sei: ' Das Vaterland über altes! -- ' /." .. ,j lichen Verrätern an dem nwgyarischen Volke über die. Grenze ins Land hinübergrinst, wird ein Angstgestammel laut, das abwechselnd wie Fluch, Bitte und Drohung: klingt. - Man beachte doch die Rede des Bischofs Zadralvecz, die Einführungsrede des Ministerpräsidenten; Grafen Teleki und den ersten Armeebefehl des neuear ungarischen Landesverteidigungsministers. Zadrawecz'. spricht vom Schutze der Rechtsordnung und der Autorität, Ministerprsiädent Teleki droht mit Gesetzen, die auf. dem Gebiete der Volkswirtschaft und des Unterrichts- Wesens die christlichnationalen . Interessen sichern. Und der Ländesverteidigungsminister rasselt mit dem Säbel und schwingt das Henkerbeil drohend gegen die inneren und äü^eren^ Feinde' der Armee, als ob der Verband der Detachementsoffiziere noch' immer seinen Einfluß auf die ' Armee auSübte und andererseits jeder zweite. Soldat ein Bolschewik wäre'oder die russische Rote Armee schon in Raab stünde. . .... Der Jahrestag der Szegediner .Eidesleisttrng .trifft/ Ungarn nicht anders, als es nach treuer Erfüllung jenes Eides werden nrußte. Ungarn ist heute der Schandfleck der Zivilisation. Es hat, von einem furchtbaren Wahn besessen, das . moralische Harikiri an sich vollzogen. Dev Kulturmensch ist. von.Grauen erfüllt, wenn er an Ungarns denkt. Wem Freiheit noch erstrebenswert gilt, wünscht, daß dieses' Land von seinen in patriotischer Verkleidu^» tobenden Würgengeln befreit werde. - Keine, energische Außenpolitik, wie sie Graf Teleki arlkündigt, und'kein» energische Innenpolitik, wie sie Landesverteidigungs^ minister Svetar androht, kann Ungarn die Ruhe wieder-! geben, solange das Reckst interniert und die Gerechttg* keit mit.'dem Schwerte immer die Unschuldiger trifft. Nur reuevolle Sühne aller von Amts wegen verübten und' geduldeten Verbrechen vermag, den entschwundene» Glauben der ganzen Welt an den guten Willen, big. Rechtsordnung in Ungarn -herzustellen und zu schützen^ wiederzubrmgen. Zu solcher^ Sühne aber haben sich jbitf, üngarischen. Machthaber bishex noch nicht Mattiert.