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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-20 · Heft 536 (20.7.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 536 (20.7.1920)
Date
1920-07-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien, Dienstag 29. Juli 1020 Rr. 538 Seite 2 Mrenrr MorirLnZertung Pottttsche^Undschmr. Die Ankrrnft IaboLinskys in Jerusalem. Das Jüdische. Korrespondenzbureau rtteTboi ans Jerusalem : Eine - vieitanfendköpfige Menge Le-; griifetc Jabokinsky und seine Kameraden bei ihrem Eintreffen in Jerusaleni. Sie wurden mit u n b efchreiblichem Jubel empfangen. Der Hofraiim der Lemel"Schnle und die anschließenden Gassen waren von der jubelnden Bevölkerung dicht besetzt. Es wurden^ viele BegrMungS reden gehalten. In seiner Antwort' dankte JnbotinSkh dem Higb-Commisfioner und sagte, er sei die Verkörperung des Besten, was im Charakter des-jüdischen und englischen Volkes liege. Er forderte die Bevölkerung Palästinas auf, Sir Herbert Samuel zu unterstützen, und sprach sich.anerkennend.über das Verhalten der arabischen Funktionäre im Gefainn ms aus. Ruhe in Trieft.. , Die Korrespondenz Herzog meldet aus' Trie st; Die Znsanlntenstöße zwischen Italienern nyd Slowenen Laben dank des energischen Einschreitens der Behörden ihr^Ende gesunden. Insgesamt wurden nahepn Hundert Verhaftungen wegen öffentlicher Gewalttätigkeit. Plünderungen nsw. vorgenommen, Bei einenr der Verhafteten pourde ein eiserner Geldschrank, der 11.000 Lire enthielt! gefunden. Die Erhebungen ergäben, das; der Schrank aus dem Narodni Dom.herstammt, der von den italienischen Demonstrnwen zerstörr worden lvar. Der Gesamtschaden, der durch die letzten öliuigen Ereignisse angerichtet wurde, ist noch nicht festzustellen, betragt jedock) nach einer oberflächlichen Schätzung mindestens 30 .Millionen Lire. Der serbische Konsul M a r k o v i ch hat für.sich allein eiyen Schaden von einer halben Milliom Are angemeldet. Sowohl die italienischen De--, HördenÄs auch andererseits die jugoslawischen Behörden in.Belgrad, Laibach und Agram sind auf das nach, haltigste hemüht, weitere Unruhen im Keime zu ersticken, um die ^gereizten Verhältnisse zwischen den extremen Parteien beider Nationalitäten zu mildern. In politischen Kreisen.rechnet man mit Bestimmtheit damit, daß der Au?hrrM. eines ernsten italienisch-jugoslawischen Konfliktes vermieden werden wird. ALsglerchsvsrhaudlrrngen zwischen Polen und Juden. ' Warschau. 18. Juli. (Privat.) lieber Einladung des' Minffterratspräsidiums fanden sich jüngst die Vertreter aller parlamentarischen Parteien in Polen zu einet Aussprache über die Lösung des jüdischen Probte ms in Polen zusammen. Die Konferenz fand unter dem Var fitz des Ministerpräsidenten Grabski statt;'Md.dauerte mehrere Stunden. Ihr gingen länger^ Varbereituilgen voran, die über Vermittlung von Doktor Alfred No ff i g gemacht ‘ wurden, der zur .Leitung.. dieser Vorverhandlungen mit den einzelnen jüdischen und christlichen Parteien von der polnischen Negierung autorisiert wurde. An der nunmehr stattgefundenen Konferenz war die polnische Regierung auch durch och' Minister' des Innern, den Minister für Volksbildung/ durch zwei Vertreter des Kriegsministeriums und einen Referenten aus dem Ministerium des Aeußern vertreten. .Ministerpräsident Grabski eröffnet« die Konferenz undwies auf die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Judenfrage in Polen hin, die zugunsten der Juden gelöst werden müsse, wobei selbstverständlich auch die Juden gewisse Forderungen des polnischen Staates zu erfüllen haben werden. Dr. Alfred Nvssig befaßte sich mit den gegenseitigen Beschuldigungen - der Juden und Polen und faßte seine Vorschläge zur Lösung der jüdischen Frage dahin zusammen, daß bloß der Versailler Vertrag als Basis für einen Ausgleich gelten könne. Abgeordneter Grünbaum wünscht, paß es nicht wieder bei Versuchen und optischen Täuschungen bleiben möge. Cs sprachen noch die Deputierten Wroblewski, Ussicki, Starowiejski, Barlizki, Stank'ewicz und ein Delegierter aus Posen von polnischer sowie die Deputierten Dr. Schipper, M. Priluzki von jüdischer Seite. Ministerpräsident Grabski faßte die Ausführungen der Parteiführer zusammen, bei der Regierung einen besonderen Rat. für die jüdische Frage zu bilden, bestehend aus Vertretern aller parlamentarischen Parteien - und aus einigen Regierungsreferenten. Wegen vorgerückter Stunde wurde die zweite Sitzung, die sich mit der Festlegung der Kompetenzen dieses Rates befassen wird, auf Montag den 19. Jnli anberaymt. Die Bolschewiken in Lida. .Warschau, 19. Juli. (Funkspruch.) Jrontbericht vom 18. Juli. Im Gebiete von Li da dauern die heftigen Kämpfe an. Lida wurde vom Feinde besetzt, yestlich von Nowogrodek—Baranowitfchi—Oginski Kämpfe gegen den herannaheüden Feind. In der Südpolesie hat eine unserer Angriffskolonnen die bolschewikische Garnison aus Dombrowica vertrieben. Vor der Stryfront entwickelt der Feind lebhafte Aufklärungstätigkeit und bereitet den allgemeinen Angriff Richtung Kowel vor. Im Gebiete von Dubno hat unsere 18. Division die Jkwa überschritten und den Feind zum Rückzug gegen Osten gezwungen. Feindliche Angriffe gegen Kremenez wurden abgeichlagem Das neue Wahlgesetz.! Herite gehen die drei großen Parteien der National» i Versammlung daran, sich durch die Dotierung des Ge» fetzes über die Wahlordnung ihren Mandatsbesitz Sit sichern. Dies geschieht offensichtlich auf Kosten aller kleinen Parteien, die in der heutigen Negierullg nicht vertreten sind. Wohl haben die einzelnen Parteien ver- ' fucf)t, die int gegenwärtigen Wahlgesetz bestehenden Ungleichheiten in der Mandatszuteilung an die einzelnen. Bezirke anfzuhebon; an dem Grundfehler jedpch,. daß nämlich aus Gründen der Wahlgeometrie der ganze Staat in Wahlbezirke zerteilt wird, wurde festgehalten? Der gestern erschienene Bericht des VersasstmgsausfchusseZ zählt eine .Reihe krasser Ungleichheiten der Wahlbezirke auf.. So entfällt zum Beispiel im 6. Wiener Wahlkreis auf 46.371 Einwohner ein Abgeordneter, in Salzburg daAMn.schop.auf W. 5.54 Einwohner. .Würden die Mandate ngch den: Eal-zburgcr Schlüssel aufgeteilt, so müßte Wien 12 .Mändäte. mehr erhalten.. Durch die Wahlkreiseinteilung Hat..Mederöstexreich mit Wien um fünf, Steiermark um eilt Mandat zu wenig, während' Tirol um ein, Salzburg urn zwei und Vorarlberg um ein Mandat utehr zählt, als nach dem Proporz gebührt. Die Christlich) pAialen ließen an der bisherigen Wahlkreisemteilimg altern einem politicum nicht rütteln. Der! Ausschuß lsiclt bei der Frage der Mandatsverteilung j daran fest, daß die Ergebnisse der Volkszählung vom Jänner 1920-noch nicht als feststehend gelten können, da man erst nach. Ratifizierung des Friedens von Saint- Germain hierin definitives werde wissen können. Die Koppelung würdevollen gelassen. Die von der Stimmenzählung übrigblüibenden Stimmen werden, in einem zweiten Ermittlungsverfahren nochmals gezahlt und auf 15 Mandate aufgeteilt, von denen alle Parteien profitieren, die. im ersten Wahlgang mindestens ein Mandat erhalten haben. Im ganzen ist das neue Gesetz trotz. des zweiten Skrutrninms ein Rückschritt, da es von nun an kleineren Parteien, selbst, wenn sie im ganzen Reich Organisationen besitzen, nach Wegfall, der Koppelung fast unmöglich gemacht wird, ins Parlament zu gelangen. Unter diesem Gesetz stehen, als Berichterstatter die Namen Otto Bauer und Friedrich Adler. - Das Gesetz sieht so ans wie die Demokratie dieser Herren^ ’ Aus der Reparationskommifsion. Die Verteilung des Donan-Schifipaekes. Wien, 19, Juli. Die Reparationskommission hat ln ihrer letzten Sitzung beschlossen, Herrn Hines, der gemäß Artikel. 800 des Vertrages von Saint-Germain zum Schiedsrichter, für die Verteilung des Schiffspark e s. ,d ep ' D ö n a u bestimmt wurde, zu der Sitzung der Kommission am 23. Juli einzuladen, um. Beifügungen über die Herstellung der Verbindung zwischen der Kommission und dem Bureau des Herrn Hines zu treffen. Admiral Sir Ernest Troubrrdg e, der Präsident -der interalliierten Donaukommission, wird an dieser 'Sitzung gleichfalls teilnehmen. Es sollen die feine Kommission betreffenden Fragen und die Regelung der direkten Beziehungen zur Reparationskommission besprochen werden. Auch die Spezial- Commission in Budapest wurde zu dieser Sitzung einigeladen, um den Kontakt'dieser Kommission mit der österreichischen Sektion herzustellen. In den beiden letzten Sitzungen der Sektion wurden verschiedene, mit der Anwendung deS Vertrages von Saint-Germain zusammenhängende Finanzfragen erörtert. Ge§en die Gleichberechtigung der Inden. An) drm Döbl'NZkr Bezirkskathol»krntag, der am So««tag siatrfand, mm de eine Entschließung angenommen, die folgende Sülle enthält: „Wir vnwngrn die Bewahrung des Christenvolkes vor denzersetzendenEinflüssenjüdischen Geistes. Nicht haßerfüllten Kampt gegen bic einzelnen Juden, sondern volle wirkliche Scheidung deS Chr.strnkolkes von ihnen fordern wir. Dir Judensindeine eigene Geistes- und Kulturgemeinschaft; man sondere tie als solche auch im öffentlichen 9 e b e n a b, man schütze s i r u n d u n s v o r j r d e r V e r m e n g u u g? Wenn man unter, dieser ^Abiondernng" unsere nationale Autonomie für alle j üblichen Angelegenheiten versteht, so Ünd wir zu einer Anösprache bcce t. E ne Beeinträchtigung nufcier Rechte als Bürger des Staat's dulden wir nicht. Wir sind nämlich n cht nur Bi'ir^r. sondein auch Steuerzahler, von denen der Staat lebt. __ Die paritätische Lohnkominissiou gegen die Negierung. Demission dcs Vorsitzenden Tomschik. In. der Sitzung der paritätischen Lohnkommifsto« v»n> 12. d. M. wnchen Peschlüffe wegen der sofortigen Einleitung einer neuerlichen No t st a.n dSaktlon für d i e öffentlichen A n g e.st eilten gefaßt und der Negierung mit dem Ersuchen., übermittelt, in der Sitzung dcr Lvhnkommlssion am 19. d. M, ihre Stellungnahme bckanntzugeben. Die Regierung zog c§ vor, stait in diese Siyung einen Bcrtreier zu enl- 'end-n. durch den SkäatSirstktäc Dr. N e c s ch den Obmann der Komm sston (Grupve Arbeitnehmer), Abgeordneten Tvmschik, auf b r i r f l t ch e nr Wege Mitteilungen zu machen, dir einem Ausweichen gleich tommen und erne Verschleppung der Erledigung auf unbestimmte Z.eit beinhalten. . Da ffti durch längere Zeit die Beobachtung gemacht werden mnßMdaß das Staatsamt für Finanzen sich nur durch untergeordnete Organe vertreten ließ, der zu bindender Erklärungen nicht erniächtigt waren, hatdreKommissio» den Eindruck gewonnen, daß es sich seirenS der Regierung m» eine absichtliche Mißachtung gegenüber der vom Kabinett Nenn« eingesetzten Körperschaft handle. Ans diesem Grunde sah si4 der Vorsitzend» Abgeordntttt To ms ch ik veranlaßt, sein» Stelle n i e d t r z u l e g e n. Er führt btt G 'schkiste vvvvisvnsch weiter. Die Kommission beschloß, g-gßn die Haltung der.Regterung die schärlste Verwahrung ein' Kulegrn, wobei sich die Organisationen Vorbehalten, gegebenenfalls mitallenihnenzuGebvtestehenden Machtmitteln ihren Forderungen Geltung zv verschaffen. Sollten hieraus der Bevölkerung Schwier'gkeiten nnd Nachteile erwachsen, so trifft die Verantwortung hiefstr ausschließlich die Regierung. Die Lohnkommissiov eioiterte noch die Frage der R ende s e tz u n g d e s B o r s i tz es. Da die diesbezüglichen Verhandlungen noch nicht abgeschloffen werden konnten, wurde Abgeordneter Tomschik ersucht, die Geschäfte provisorisch weiterzusühren, wozu sich dieser unter dem Vorbehalte bereit erklärte, daß die Lösung dieser Frage mit möglichster Beschleunignnerfolge. Der polnisch-russische Krieg. Litauer gegen Pole«. Moskau, 19. Juli. (Funkspruch.) Frontberrüst vom 17. Juli: Bei der Einnahme von Wilna wurde sehr viel Kriegsgerät aller Art erbeutet. Unserem Vormarsch auf Grodno haben sich die litauischen Truppen an geschlossen, die mit uns Len weichenden Feind verfolgen. Richtung Baeau<witfchi wttrde der Nröafluß erreicht. Richtung Ltminee wurde eine Reihe von Ortschaften genommen. Im Gebiete von Dubno— Rowno wird ein Werst östlich von Luck gekämpft. Bei Kremenez wurde das zweite polnische Regiment geschlagen, hiebei zwei Geschütze erbeutet. Richtung Alexgndrowsk—Orjechow stehen die Rottruppen mit der feindlichen Reiterei in heftigem Kampfe. Rußland wünscht den Friede«. London, 19. Juli. (Reuter.) „Daily Telegraph" glaubt zu wissen, daß die Sowjetregrerung in ihrer Antwort an die englische Regierung erkläre, sie würde keiner Nation das Recht zuerkennen, zwischen den Sowjets und Polen zu intervenieren. Die Sowjetregierung sei geneigt, den Waffenstillstand anzunehmen, wenn Polen darum ansuche, denn Rußland wünsche den Frieden. Minister Sapieha «her die gegenwärtige Situation. Warschau, 19. Jitli. (Poln. Stimmen.) Der Minister des Aeußern Fürst Sapieha erklärte den Pressevertretern, er sei bezüglich' der Ergebnisse seiner Spaer Konferenzen den Alliierten gegenüber zur Geheimhaltung verpflichtet. Er könne also auch den genauen Inhalt, der englischen Bedingungen nicht cmgeben. Diese Bedingungen seien sehr hart und entsprächen mehr weniger den bekannten Veröffentlichungen der Blätter. Jedenfalls — sagte der Minister — dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben, sondern mit der Wirklichkeit rechnen. Wafstnstillstandsverhanblungen siüd noch keine Friedensverhandlungen. Es kann uns noch die Notwendigkeit eines Kampfes auf Leben nnd Tod erwachsen und deswegen dürfen wir nicht in Apathie versinken. Minister Sapieha erklärte schließlich, baß die Wilnaer Frage durchaus noch nicht endgültig erledigt sei. Unrichtig sind alle Meldungen, als hätte Polen auf Wilna verzichtet. Das Schicksal Ostgattziens. Der Ukrainische Pressedienst meldet aus Dondvltt Nach dem Parlamentsbericht der „Times", stellte das Unterhausrnitglied Oberst Wedgwood in 5er Sitzung vom 14. d. M. an die Regierung die Frage, vb bia Delegation O.stgaliziens bei der borgeschlagenen östlichen Friedenskonferenz, die in London stattsinden wird, von der polnischen oder von der ukrainischen Negierung bestimmt werden wird und ob Ostgalizieu als ein Deil Polens angesehen werden soll oder nichts Borrar Law sagte im Namen der Negierung, er glaube, es sei unmöglich, diese beiden Fragen zu beantworten. Na best gegen die Tschecho-Slowakei. Prag, 19. Juli. (Tel.^KomP.) Der „Cas" veröffentlicht dir Uebersetzung eines Artikels des. russischen Kommunisten Radek, in dem dieser erklärt, Rußland habe außer Polen auch Litauen und die Tschecho- Slowakei zu Feinden, wo gleichfalls ein weißer Terror wütet. Nach Bezlvingung Polens werde die Rote Armee gegen Prag marschieren, wo sie mit Freuden empfangen werden wird. Präsident der tschecho-slowakischen Republik werde Muna oder Smeral werden, die Tschechen werben mit Freuden das Sowjetsystem übernehmen. . Eine Rote Tschitscherins. Moskau, 19. Juli. (Funkspruch.)^ Volkskommissar deS Auswärtig.-Ud T s ch i t s ch e r i n hat dembritlscheu Außenministerium mitgeteilt, daß die Note der briti« scheu Regierung, welche, beabsichtige, von Polen die Folgen der Feindseligkeiten abzuwmden, die für Po len j so verhängnisvoll gewesen seien, nicht als von einer! unvoreittgenommenen, dritten Partei kommend ange--I sehKll werden könnte, welche allein allenfalls E

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