Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 535 (19.7.1920)
- Date
- 1920-07-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien. Montag Wiener Morgeuzeituug 19. Juli 182V 8k. 535 Der tückische Müensvertrag. Ein Ultimatum der Entente. — Bis 27. Zuli. ikHanz hergestellt werden: die Einlösung der Krvuen- ^md Rubelnot>en in der Relation 1 : 1 ist ein dringendes Svirtschasttiches Postulat für die neuen Gebiete; die Mot her Beamtenschaft k<nat keine Grellzen. die Heim-, kieförderung der KriegsgJangen.n, die Ausnützungder heimischen Naturschätze, der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, die Reorganisierung des Schulwesens» — das -find die wichtigsten Fragen, mit denen sich die Kammer ^beschäftigen wird. f Die endgültige D urchf ü h r u n g d e r I u d c ndmanzivalion muß zu einer coiwit o sine qua non Iverden. Allein die Zilsaiunnnseuling der Kammer verspricht keine ersprießliche Arbeit. Insgesamt zählt die Kammer 369 Debütierte, die sich, wie folgt, verteilen: fl)artidnl Pepvruini (Regierungspartei) 2l4. die Föderalen 34, Sozialisten 19, Demokraten 14, Liberale 9, Zaranisten (Beßarabien) 25, Raüaualvartei 28, Sachsen und Schwaben (Siebenbürgen) 8, Unabhängige 4, Mis.ar-Partei 1. InSea 1, Ukrainer 1, Deutsche 1, Zaranisten aus Siebein.'nrgen '6. ' - Wohl in keinem Parlament wurde mit einer Ovvo- [utoit derart vr.'iahren. wie in Bickarest. Um sie ganz unmöglich zu machen, wurde dem Hause eine Aenderung ider Geschäftsordnung vorgelegt. Diese bezieht sich auf tzwei Punkt«. 1. Ein Deputierter, der im Verlauf seiner Mode die in der Geschäftsordnung sestgelegten Bestimmungen nnl-reü.ksichligt läßt, wird vom Prädentsn?4im ersten Male zur Sache, daun zur Ordnung gerufen. Wenn leide Ermahnungen ergebnislos bleiben, wird dem Deputierten das Wort entzogen. 2. Mit Zustimmung der Majorität bat der Präsident das Recht, einem Deputierten das Recht auf Teilnahme an den Sitzungen für längstens 30 Tage zu entziehen. Die von der Sitzung ^ausgeschlossenen Deputierten werben eintzelad-eu, den Saal zu verlassen. Im Falle des Widerstandes wird Gewalt an gewendet. Gegen dieses Attentat auf die Minoritätspar- Wien erhob.'n die Oppontio -ellen schärfsten Protest und verliehen den Saal. Die hierauf vorgenonnuene Abstimmung ergab 171 Stimmen für die Schandgeschäftsvrdnung. \ ttsitcc solchen Umfiänbcn erscheint dir Zukunft ^iefrs Parlamentes sehr fraglich. Telegramme. Truppen gegen die türkischen Rationalisten. Paris, 18. Juli. (Korr.-Bur.) Der Korrespondent des „Petit Parisien" in Spa meldet, Rumänien hätte vorgeschlagen, Truppen zur Verfügung zu stellen, um die Franzosen und die Engländer im Kampfe gegen die türkischen Nationalisten zu unterstützen. Telekis.. Verhandlungen ergebnislos. Budapest, 17. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die Verhandlungen des designierten Ministerpräsidenten Grafen Paul T e l e k i sind noch nicht abgeschlossen. Bezüglich des Justiz-Portefeuilles und des Ministeriums des Innern ist bisher keine Entscheidungzustandegekommen; doch dürfte dies ehestens der Fall sein. Bezüglich der Bodenreform meldet der „Pester Lloyd", daß die in dieser Frage gestern erfolgte Lösung bloß eine provisorische sei. Graf Teleki sei bestrebt, dieses Problem endgültig zu lösen. Nach der Konstituierung der Regierung werde ein Ausschuß mit der Ausgabe betraut werden, die Gegensätze zwischen den beiden Reformentwürfen auszugleichen. Er wird seine Arbeiten binnen acht Tagen beenden, worauf der Ministerrat zu der Frage Stellung nehmen wird, ob die Bodenreform von Szabo-Nagyatad oder jene Rubineks im August der Nationalversammlung vorgelegt werden soll. Die Aufteilung der Donauflotte. Prag, 19. Juli. (Privat.) Am 22. b. M. findet in Wien «me Konferenz der beteiligten Staaten über bie Austeilung der D o n a u f l o t e e unter die Donan-Ufcrstaaten statt. Die Entscheidung dürfte kaum vor drei Monaten zu erwarten sein. Deschanel genesen. •, Paris, 18. Juli. (Havas.) Ein Mitarbeiter des '»Echo de Paris", der vom Präsidenten Deschanel empfangen wurde, konnte eine sehr vorteilhafte Aenderung im Gesundheitszustand des Präsidenten ffcfifteUen, den er frisch und lachelnd antraf. Auf eine Frage des Mitarbeiters erklärte Deschanel, er ,hoffe, am 4. September, am Tage der Feier des fünfzigjährigen Bestandes der dritten Republik, in Paris zu sein. Der Generalstreik im Reichenberger Bezirk. - Prag, 18.'Juli. Zu dem für morgen angekündigten 'Generalstreik im Bezirk Neichenberg meldet das »Prager Tagblatt", daß die Streiknrsachen nicht bloß in der Er-?nähruiigslage, sondern auch in wirtschaftlichen Fragen, so -vor allem in der Einstellung der Arbeitslosenunterstützung innd in Arbeiterentlassungen infolge der Wirtschaftskrise stiegen. s Nach einem Bericht der „Bohemia" aus Reichenstierg wurde dort in einer Eisenbahnerversammlung beschlossen, den Streik mit allen zweckdienlichen Mitteln zuunter st ützen. Der Prager Tramwaystreik beendet. r Prag, 19. Juli. (Privat.) Der Tramwahstreik sfst beendet. Der Verkehr wurde heute früh wiederausgenommen. Paris, 18. Juli. (Havas.) Der türkischen Dclcgc.tion wurde die Antwort d e r A l l i i e r t e n auf die Einwünde der türkischen Regierung bezüglich des Friedensvertrages zugestellt. Es wird darin zunächst betont, daß die Türkei sich freiwillig an der Verschwörung gegen die Freiheit aller Völker beteiligt habe und daß nach Ansicht der Alliierten sich d i e T n r k e n auf diese Weise jenen Mächten gegenüber, - die ihre Freunde gewesen waren, als "Verräter e r w i e sie n hätten. «-Da die Türkei die Verbindung zwischen Rußland und Rumänien einerseits und den' westlichen Alliierten andererseits unterband, habe sie den Kr i c g um mindeste ii s z w e i I a h r e v e r l ä u gerl und so den Alliierten Verluste von mehreren.Millionen Menschenleben'und Hunderten von Milliarden zugefügt. . Während der letzten zwanzig Jahre hatten die Armenier unter Massakres und unter barbarischen Zuständen zu leiden. Die Alliierten können'keiner Aenderung jener Bestimmungen des Friedensvertrages züstirnmen, die Smyrna der türkischen Herrschaft entziehen und dieselben Betrachtungen finden - auf die Feststellung der Grenzen zwischen Syrien und der Türkei Anwendung. Die Alliierten können in keine Aenderung der Klauseln, die die Schaffung eines freien Armeniens betreffen, rinwilligen. Die Alliierten können auch die Grundzüge des Regimes, das die Freiheit der Meerengen verbürgen soll, nicht ändern. Immerhin billigen sie der Türkei und Bulgarien das Recht zu, je einen Delegierten in die Meeren ge n - K o m m is s i o n zu entsenden; ferner wird die Bestimmung des Friedcnsvertrages, die der Türkei die Ablieferung aller Schiffe von 1600 Tonnen und darüber anferlegt, gestrichen. Äm Schluffe der Antwortnote heißt es, daß der Friedensvertrag nicht die ihm von der ottomanischen, Delegation zugeschriebenen Eigenschaften besitze, da er den Weiterbestand der Türkei als Nationalstaat ausspricht und ihr ein weites pro- Tagesbericht. Die jüdische Universität irr Jerusalem. Der Bericht <m die zionistische Iahreskonferenz. London,. 15. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Seitens des Erziehungsdepartements wurde der zionistischen Jahreskonferenz ein Bericht über die Vorbereitungen zur (Schaffung der Universität i n J e ruf a l e m und einer Technik in Haifa vorgelegt. Die Universität soll in möglichst kürzet Zeit eröffnet werden und zunächst nicht komplett sein. Sie wird im Anfang lediglich aus Forschungsinstituten für Physik, E h e m i e, M i k r ob i o l o g i e, einem ' Institut für h ebräische Sprache und einer Anstalt für die Wissenschaft des Judentums mit Einschluß eines allgemeinen humanistischen Kurses bestehen. Die Schaffung einer vollständigen Universität ist zurzeit sowohl aus Schwierigkeiten technischer Natur als auch ans prinzipiellen Gründen fast unmöglich. Abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, wie Mangel eines entsprechenden Gebäudes in Jerusalem, den ungeheuren finanziellen Anforderungen' u. a., ist im jetzigen Moment die jüdische Bevölkerung Palästinas viel zu klein, um eine so große Hörerzahl beistellen zu können, daß die Schaffung einer kompletten Universität gerechtfertigt wäre. Dazu kommt noch der Mangel einer durchgebildeten wissenschaftlichen Terminologie in hebräischer «Sprache, der Mangel an Biblidtheken, wissenschaftlichen Korporationen, mit einem Wort an allem, was die spezifisch wissenschaftliche Atmosphäre schafft, die allein für eine produktive Arbeit einer Universität wie auch für deren Niveau von fördernder Bedeutung sein kann. Diese Umstände lassen es notwendig erscheinen, im Kleinen zu beginnen und die geschaffenen Institute allmählich zu Fakultäten einer Universität zu entwickeln und austzubanen. Um sich die Mitarbeit von Fachleuten zu sichern, hat das Erziehungsdepartement ein Beratungskomitee ins Leben gerufen, zu dem Spezialisten in allen Universitätsfragen gehören. Gleichzeitig arbeitet ein anderes Komitee unter Professor Marburg in Berlin und auch in Paris soll eine ähnliche Institution geschaffen werden. Viele Gelehrte von Wdltruf wie Einstein, Wassermann und Freud haben ihr lebhaftes Interesse bekundet und ihre Mitarbeit zugesichert. Mit Hilfe dieser Komitees wurden bereits Plän» für die Einrichtung bit zu schaffenden Institute entworfen. Zn Beginn wird ein jedes der Institute nicht mehr als sechs Lehrkräfte '(zwei Professoren, zwei Dozenten und zwei Assistenten) erfordern. Bon den einzuführenden Forschnngszweigen werden in erster Reihe die berücksichtigt werden, welche geeignet sind, die allgemeine Entwicklung des Landes zu fördern. In dieser Richtung wird auch die Spezialisierung dieser Institute gehen. Die Anstalt für die Wissenschaft des Judentums wird zu Beginn ebenfalls im bescheidenen Umfange bestehen und einen''Lehrkörper von zwölf bis vierzehn Personen erfordern. Was die Ausstattung dieser Institute betrifft, so wurde in einer der wicktiasten Fragen ein großer Sickritt duktivcs Gebiet sichert. Nichts verhindere das türkisHs Volk, sich als Nation gedeihlich zu entwickeln. Der Vertrag gehe so weit, Könstantinopel der Türkei als HauPtstadt zu erhalten, obwohl es sehr zweifelhaft sei, ob die Türken dort bi« Mehrheit bilden. Das Dokument schließt mit folgender Sätzen: „Wenn die türkische Regierung sich weigert, den Friebensvertrag zu unterzeichnen, besonders aber dann, wenn es sich zeigt, daß sie unfähig ist» ihre Autorität Wer Anatolien wiederherzusteüen oder die Erfüllung der Klauseln des Friedensvertrages zu sichern, kVrmlen die Alliierten entsprechend dem Wortlaut des Vertrages sich veranlaßt fühlen, diese Bestimrrmug zu ändern und die Türkei diesmal für immer ans Europa zu verweisen. Durch das vorliegende Dokument geben die Alliierten der ottomanischen Delegation bekannt, daß der Türkei eine Frist von zehn Tagen zugeftanden wird, um die Annahme der Friedensbedingungen und die Bereitschaft, sie zu unterzeichnen, bekanntzugeben. Die Frist endigt am 27. Juli um Mitternacht. Wenn der Friedensvertrag nicht unter den angegebenen Bedingungen unterzeichnet wird, werden die Alliierten jene Maßregeln ergreifen, die ihnen den Umständen entsprechend angemessen erscheinen." nach' vorwärts gemacht. Die zionistische Organisation hat die alte, öon Dr. Chasanowitsch gesammelte „Beth Nseman"-Bibliothek, die gegenwärtig 40.000 Bände zählt, übernommen und für eine gute Verwaltung vorgesorgt. Dr. Hugo Bergmann, gewesener Kustos der Universitätsbibliothek in Prag, hat sich' bereits nach' Jerusalem begeben, um die Verwaltung der Bibliothek zu Übernehmen. Es wurden auch Schritte unternommen, sm entsprechende Ergänzungen für diese Büchersammlun^ sicherzüMllen. Besonders hervorzuheben ist, daA die holländische Akademie als erste ihre Unterstützung.'der hebräischen Universität versprochen hat. Auf Bücherspenden von Freunden der hebräischen Universität, besonders solche für Mathematik. Physik, Chemie «iund Mikrobiologie und solche allgemeinen oder speziell jüdischen Inhaltes wird besonderer Wert gelegt.. Das jährliche Budget für alte Institute -einschließlich des Institutes-für hebräische Sprache und der Abteilung für dir Wissenschaft des Judentums beläuft sich auf 40.000 bis 45.000 Pfund Sterling. W-irm keine unvorhergesehenen Hindernisse in den Weg treten, wird die Eröffnung dieser „Voruniversität" im Frühling oder Herbst 1922 stattfinden. Was das Technikum in Haifa anbetriffft, so wird der Plan, welcher vor dem Kriege für dieses Institut ausgearbeitet wurde, jetzt einer Revision unterzogen und es werden wesentliche Abänderungen getroffen werden. Es wird beabsichtigt, die Bauingenienrabteilung auf Kosten der Maschinenbanschule zu erweitern. Zur Erleichterung des Studiums am Technikum hat das Erzrehungsdepartement die Ausgabe eines technischeu Wörterbuches in hebräischer Sprache veranlaßt. Das Werk wird die ganze wissenschaftliche und mechanische Terminolgie enthalten und in zirka einem Jahre in Palästina erscheinen. Das Technikum wird zu Beginn einen jährlichen Aufwand von 8000 bis 9000 Pfund und die Werkstätten 6000 bis 7000 Pfund erfordern. Die Eröffnung ist fiir den Herbst 1921 geplant. Keine ungarischen Obstsendungs« nach Deutschland. Budapest. 17. Juli. Das Ung. Tel.-K.-B. meldet: Nachdem der Wiener Krei-arbeiterrat zwei für Deutschland bestimmte Obstzüge beschlagnahmt hat, hat daS Handelsministerium die weitere Abfertigung nach Deutschland bestimmter Sendungen verboten und die Stationschefs angewiesen, anrollende Sendungen aufzuhalten. Der Abtransport der italienischen Garnisoueu. Die „Korrespondenz Herzog" meldet: Die Italiener treffen bereits alle Anstalten, um Oe st erreich zu verlassen. Der Abtransport der italienischen Garnison aus Nordtirol wird sich m der allernächsten Zeit vollziehen und auch aus Wien werden die noch hier weilenden italienischen Offiziere und Mannschaften in ihre Heimat zurückkehren. Lediglich jene Offiziere, welche der Gesandtschaft oder der Wiener Sektion der Reperationskommission zugeteilt sind, verbleiben anch weiter in Wien. In Klagenfurt und Villach werden die Italiener bis nach Durchführung der Volks-