Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 534 (18.7.1920)
- Date
- 1920-07-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979612--04720-2990494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*& SvmrtSA »lLtl'MM»»«,«»»-> i — ’wmmmtt -»» ■ i iTg.; Telegramme. Brussa von den Griechen \ besetzt. Paris, 17. Juli. (Funksprllch.) Nach Mel» ^tAge« ans Konstantzirwpel hat die griechische Armee B r u s s a kampflos beseht. Die Franzosen marschieren gegen Faisnl. London, 17. Juni. (Korr.-Bur.)' Die „T i m e s" melden, die Franzosen hatte» am Miitlooch dem Emir Failul ein Ultimatum gesendet/ worin sie ihn aus-- fordern, Linnen 21 Stunden das französische Mandat über Syrien anznmhmen, welches die Anerkennung der französischen Sprache als Amtssprache und der französischen Währung als gesetzliche Wahrung beinhaltet. Am Tounerstag, nach Ablauf der gestellten Frist, begannen die Franzosen die Feindseligkeiten, tn* dem fic aus Aleppo und Damaskus marschierten. . Die Araber sollen bisher keinen Widerstand entgegengesetzt haben. ' Pie Korrferenz in Spa beendet. Paris, 16. JüN. Der Sonderberichterstatle - der Agerrce Havas iu Spa meldet: Die Frage der Wiedergutmachungen ist einer gemischten, aus je zwei Mitgliedern jeder Macht zusamnleugefetzteu Kommission zur Prüfung überwiesen worden. Die Kommission wird wahrscheinlich in der zlveiten Auguftlvoche irr Genf zm iammentroten. —- Nachdem die Konferenz, in Spa beendet ist, werden sämtliche Abordnungen morgen früh Spa verlassen. . ... Wichtige Verhandlungen zwischen Bulgarien und Rumänien. Berlin, 17. Arli. (Drl.-Komp.) Wie uns Bukarest yemelüer wird, haben mit stillschweigender Einwilligung der Entente zum Zweck: einer Revision des bulgarischen FriedenSvertrages Verhandlungen begonnen. Ta t<i Ione§ cu führt ans rumänischer Seite die AerhanLLungen. -- Kabinettskrise in Dentschlaud. Berlin, 17. Juli. (Tel.-Komp.) Wie das .Merliner Tageblatt" nisldet, scheinen die Verhandlungen in Spa eine latente Krise der deutschen Ztegierung im Gefolge ZN haben. Der Minister des Auswärtigen soll sich mit Rücktrittsabsichten tragen und in den nächsten Wochen stehen innerpolitische Auseinandersetzungen in Deutschland bevor. Auch das Kabinett in seiner jetzigen Zusammensetzung scheint nicht ganz festzuftehen. Der Kongreß der Dritte» Ztttesnati-naLe. St. Petersburg, 16. Juli. (Funkspruch.) Zunc Kongreß der Dritten Internationale sind bereits Vertreter aus Deutschland, Dänemark, Norwegen, Mexiko, Amerika und Vertreter der sozialistischen Partei Indiens Mgetroffen. Standrecht in der Slowakei. Weg«« Bedroh«*- der Ernte r»«d antisemitischer Propaganda. Preßbnrg, 16. Juli. (Tschecho-Slow. Preßbur.) In der letzten Zeit find Erscheinungen zutage getreten, welche die solventen einer (momentan nichtjüdischen) dramatischen Schule. Im Elyseum-Theater, welches die Wilnaer beherbergt, sahen wir unter anderem die Originalstücke: „Der Stumme" von A. Wester, „Der Gott der Rache" von Schalom A f ch, „Die grünen Felder" von Perez Hirschbein und die Uebersetzungen aus dem Russischen „In der Stadt" von Sch. Juschkiewicz, „Der ewige Wanderer" von Osfip Djmow und „Eifersucht" von M. Arbybaschew. In diesem Stück offenbarten sich »ur Talente, Künstler und Künstlerinnen, die uneingeschränkt diesen Ehrentitel verdienen und einer jeden europäischen Bühne von Ruf gewiß Ehre machen könnten. Die „Wilnaer" sind redlich bemüht, ihr Bestes zu leisten. Alles, was sie auf die Bretter bringen, läßt sich gut ansehen, wenn auch nicht alles in literarischer Hinsicht wertvoll ist. Sie haben auch die Behauptung der westlichen Kritiker, dem jüdischen Theater fehle es an einem gediegenen, rein dramatischen Repertoire, ad absurdum geführt. Nur eines tut der glänzenden „Wilnaer Truppe" not: Ein für ihre Kunst entsprechendes Theater, Ln welchem sich das Ensemble voll entfalten könnte. Hier müßte die jüdische Bevölkerung Polens das ihre tun. Die Absonderung der Operette vom Drama und Schauspiel hat auch die Leistungen des Centraltheaters stn Warschau, welches die jüdische Operette pflegt, gehoben. Auch dieses erfüllt seine Aufgabe zur Zufriedenheit der Kritik und seiner Besucher. Vor allem wird hier für eine schöne Ausstattung und für erstklassige musikalische Leistungen gesorgt. Man kann hier ein recht gutes, anständiges Orchester, geschulten Chor und erst- Flüssige Solisten hören. Die Differenzierung der Genres und die Spezialn ssierung der Schauspieler ist eine grundlegende künstlerische Forderung des jüdischen Thegters. Aber von der jüdischen Intelligenz ist persönliche, werktätige Mt- Wirkung zu fordern, wenn sie auch am Anfang dieselben Materiellen Opfer bringen müssen wie die Wilnaer. Denn mur dann können nur hoffen, endlich einmal ein anständiges jüdisches Ehester hierzulande und anderswo zu gekommen» Dr. Anselm Klernmann. nrynBBrrt- — se»zett»«A begüMSe heurige Ernte, insbesondere in den an Magymckett angvenzeichen Bezirken bedrohen. An einigen Orten haben gewisse Faktüreir bekundet, daß , sie die Verordnung Über den AuÄrusch Wth^t sticht . ayerck^Men und Nicht sin Sinne derselben arbeiten werden, ferner daß sie die Drstcksorten der Getreideanstalt Nicht artnehmen, düs Gdtreide nicht abliefertt und keine Kontrolle dulden werden. Außerdem 'würde an perschienen Orten Mit der Resistenz bei der Ablieferung deS Getreides begonnen. WelterLwuvde beobachtet, daß die antisemitische. , P t o y <rg and a i n hohe. m ptf ß e z unimmt u n d k ü n ft 11 ch ll n z u f ri e i> e n h e i t % e r vör- -t uf t, um den ruhigen Verlauf der Erntearbeiten unmöglich zu machen. Im Hinblick darauf war es nötig, zu schärferen Maßnahmen zu greifen. Der bevollmächtigte Minister hat daher eine Verordnung über die Pröklannerung des StcmdrechteS erlassen. Danach wird das Standrecht verhängt über das Llonntat Komorn mit den zugehörigen Teilen der Komitnte Raab und Gran und der Stabt Komorn, weiters über den Bezirk %ebd, über das Komitat Rowohrad und über die Bezirke Zeledin und Torney, iikber das Kmnitat Ab auj-Tür na mit der Stadt Kaschau und über das Komitat Zemplin mit den zugehörigen Teilen!^Z Komitats Ungbar. Der Sekretär des New-Porker doLschewikische» Bureass «usgewkesen. London, 17. Juli. (Reuter.) Der Sekretär des bolschewikischen Bureaus in New-Iork Nuorteva ist ausgewiesen wordep. Er befindet sich auf dem Wege nach Rußland. . ... Englaud gegen eine Korrferteriz inDrest-Litowsk. Amsterdam, 17. Juli. Wie die „Times" melden, ist die Regierung Großbritanniens mit dem Vorschlag der Sowjetregierung? die Konferenz zwischen Rußland und den Randstaaten in Brest-LitowSk abzuhalten, nicht einverstanden. . Zar Verfügung Polens. WckrsHLu, 16. Juli, i (Polnische Tel.-Agentur.) Anläßlich des ftauzöjischen Nationalfeiertages wurde hier ein BanSett veranstaltet, wobei der französische Oberst Gail erklärte, daß sich alle französischen Offiziere zur Versüzung der polnischen Mlitärbehöitzen stellen. ' ' .. Die Lage in Warschau. Warschau, '13. Juli. (Polnische Tel.-Agentur.) Nach feiner Rückkehr aus Spa hatte Ministerpräsident Grabski eine längere Konferenz mit dem Staats!- 'chef Pilsuds kst. Gestern hielt der Staatsverteidigungsrat eine Sitzung ab> der große Bedeutung beigemessen wird. Den Blättern zufolge galt die Sitzung der Feststellung des Standpunktes Polens hinsichtlich, der Ostpolitik. Minister des.Aeußern Fürst Sapie ha erklärte Pressevertretern gegenüber, baß bezüglich des Abschlusses eines Waffenstillstandes und des Friedensschlusses bisher keinerlei Beschlüsse gefaßt worden seien. Dir von der Entente vorgeschlagenen Bedingungien würden bis zum Eintreffen einer Antwort auf die Vorschläge des Premierministers Lloyd George aelleiingehallen werden. Aufruf der Kirchenfürste«. Wmrschrnr, 15. Juli. (Polnische Tel.-Agentur.) Die polnischen Kirchenfürsten erließen einen Aufruf an den Episkopat aller Länder, worin darauf hinge-- wiesen wird, daß Polen'gegen die Bolschewiken kämpfe und damit die Europa drohende bolschewikische Gefahr abwehre. Der Chef der französischen Militärmissivn Henry hat sich an die polnische Nordfront begeben. Verhaftung von Kommunisten. Warschau, 15. Juli. (Polnische Tel.-Agentur.) Hier und in der Provinz sind zahlreiche Verhaftungen von Kommunisten vorgenommen tverden. , , ' Die Anerkennung Nansens verweigert. Moskau, 17. Juli. (Funkspruch.) Die Sowjetregierung hat die Anerkennung Frithjof Nansens als Abgesandten des Völkerbundes verweigert und die Vollmacht jedes einzelnen Staates verlangt, der mit Rußland wegen Heimbeförderung der Kriegsgefangenen in Unterhandlung treten wolle. Der russisch-litauische Vertrag. Moskau, 17. Juli. (Funkspruch.) Der zwischen Sowjetrußland und Litauen abgeschlossene Friedensvertrag enthält Bestimmungen, die beiden Vertragsteilen die Aufstellung oder den Aufenthalt von Organisationen auf ihrem Gebiete untersagen, .die einen bewaffneten Angriff eines Landes gegen das andere vorsehen. Marschall Fach über die Kriegslage im Osten. Warschau, 17 .Juli. (Poln. Stimmen.) Marschall Fach äußerte sich in einem Gespräch mit dem Kork>espandenten des „Kurjer Polski" folgendermaßen: „Erteilen Sie, bitte, Ihrem Volke den Rat, einig zu bleiben. Man muß immer daran denken, baß, wer baut, vor allem Material sammeln muß. Ich kann Euch keine Versprechungen im Namen der ganzen Entente machen. Handelt weiter! Ihr werdet siegen, wenn Ihr Nur dazuseht, baß bas ganze Volk mittut. Seid guten Mutes, der gemeinsame Sieg wird nicht ausbleiben!" l». /xmati. Mitteilmrgell aus M PMtwL Jetffia Kern Redakteur Adolf Seltenste!! Verlobte« Wien, im J.nli 1920. zzz, Möbel n. Innendekoration i» größter AoswajM. Htr gtdtegtte 191 £r2tfj»ni*$fc. J.SPIM ihn. iMMMnttnj. 11, r (Ecke Karl Schwelghöfergstsae). n»l| 1 AftinriTM^^BNunCIJAIWEUM |jFullB«lHffftRl I EmIw kauft teurer als jedcr «d Vsgö, Juwelief, 1., Graben Soeben erschienen : sisc „An der Schielte der Wlederjfebtttt<4 _ (H(.'RAUSGBBKR: DAVIS KKTjTRA OHT) Ä® alästiua Das Latid der jftdiflehea Gegenwart und Zukunft Produktivkräfte Und ExistenzmögHchkelten, 12SSeiteu Die baiühmtest^a PaUatlna-FoHSCher v. Faehtoünner. wie PROFESSOR DOKTOR CARL BALLOD (Berlin), DOKTOR ARTOR RÜPP1N «afTa). J.-OETTINGER (Haag) v. a. erörtern aasiflbrlieh die BfttwtcHdlsl*- and Exietetirmöglielik eiten inPnlSjtinft. Für Jeden Interessenten das Veste Handbuch. Der bekannte Palfistina-ForsC-her Pref. Peter Thomeeo nennt dieses Palüstina-Buoh als das beste in d. neuen Paläsiina-Literatur. ZU BEZIEHEN'. DURCH ALLE BUCHHANDLUNGEN. Kommissionsterlag: A-SCHONFELD. Buchhandlung Wien. IX., tlniTersitÖtaelrtti« « ZMehritten: VERLAG „WIEDERGEBURT“, Hociuschulc für Welthandel. Wien, XIX. In Vorleieitnng das epochale Werk: „Die Juden im Weltkriege“ von Davis Erdtracht RüTREPflRATUR-AliSTAlT Panama, Girardihüt» und allerhand Hut« reparataren werden nach heoeeter Mode prompt and billigst moder&Stiert XVTII.. Wihr! ngar Gürtel 21 and VX1., MariaRUferntrasaa 80 Iugoflatvie« fordert Schadenersatz. Belgrad» 17. Jnli. In der Ratisnalversamml^na pellirrtea mehrere Abgeordnete verschiedener Parteien die Regie» rung wegen der Vorfälle in Triest und im t'esetzten Gebiet, sowie wegen der angeblichen Besetzung von Dakar durch italienische Truppm. Ministervräsident B e S u i c erklärte, die Regierung habe ihn« Vertreter in Rom angewiesen, v. .* d:r italienischen Regierung de» Bericht deS Generaljivilkommissärr, ferner Schadenersatz ns«, z« verlange«. Eine Antwort sei dijetzt nicht ein- Gelangt. Die Regierung werde dem Obersten Rate nahelegen, daß H seine Wicht sei, dem durch die traurigen Ereignisse herbeigeführte« Zustand ein Ende z« machen. Redner bitte, vorläufig «st dieser Antwort sich zufrieden zu geben. Tagesbericht. Ein Herzl-Film. ' Das schicksalsreiche Leben Theodor HerzlS, dem das jüdi» sche Vylk zum Schicksal wurde, ebenso wie er das Schicksal des jüdischen Volkes geschmiedet hat, biDet den Inhalt des Filmspiels „Theodor Herzl, der Bannerträger des jüdischen Volles", dessen Preffsvorführung heute im Zentral-Kino stattfand. Das Spiel wurde durch eine sttmmungsvolle musikalische Einleitung von Josef Sulz er eingeleitet, worauf Josef S ch i I d k r a u t den nachstehenden von Heinrich GlückSmann verfaßten Prolog ausgezeichnet zu Gehör brachte: Lang stand sie, schamvoll in sich selbst gefaltet. Im Kehrrichtwinkel da der Weltgeschichte, Bei den verstaubten morschen Altertü^nern, In deren Glorie Rost sich frißt und Moder. Lang stand sie so, um einstigen Glanz betrogen, Die ruhmbekränzte Fahne Israels, Die tapfern Heldenscharen vorgeflattert, In mancher von des Hasses Sturmgewalt Und von der Furienjagd des grimmen Neides Dem Bott des Friedens aufgezwungnen Schlacht. — Lang stand sie so, bis daß der Eine kam. Der Gottgesarchte, um mit festem Griffe Sie zu erlösen und sie hoch zu schwingen Und um das alte, neuentrollte Banner In jungerwachter Lebenskraft zu sammeln, Geeint durch gleiche Sehnsucht, gleiches Ziel, Das seit Jahrtausenden in Schmach und Schmerz Zerstreute Volk aus Jakobs Stamm und Samen. Der Andern kaum ein Hoffen, kaum ein Traum, Sr sah ihn hinter schwarzen Wetterwolken Verheißend blinken, glänzen, leuchten, strahlen, Den hehren Stern, der ZionS Morgen kündet, Den Sonnenaufstieg der Vergangenheit, Dis aus der Gruft ersteht und wacht und wandelt Und Werke setzt und stolz als Zukunft prangt... Gr sah den Zionsstern, wies ihn den Brüdern, Den Wshgebannten, Leidgeketteten, Und Zauberkraft entströmte seinem Schimmer, Die laues, faules Blnt zu Brand entfachte Und feiges Zagen rasch zu Kraft und Tat, Und heimlich Wünschen zu gewaltigem Wollen, Das wie Orkan hinbvaufte durch die Welt Und die Verstocktesten zum Lauschen zwang.