Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 534 (18.7.1920)
- Date
- 1920-07-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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«eite 2 ihffin.-ri awtasi Wien. Somüag hifmifrirt »i> Sßtntir M»egetezeitu«z 18. Juli 1920 a«NiÜfiü»ii Sdl.834 Die Sünden der Väter. Eiü^charäkleristischeL Zeichen für den Niedergang Europas ist auch die traurige Tatsache, daß die Zahl der großzü^gen Politiker unter allen Nationen in erschreckendem Niedergang begriffen ist. Unerläßlich für eilte gute Politik ist allerdings, daß füstumschcrebene-! Ziele msttolS-einer, nchfigey Taktik ihrer Verwirklichung zngeführt werden. Wettn aber die -^cüosigkeit sowohl in der äußeren wie ftt der inneren VolitiL vorherrscht, und die Aufgabe der Taktik vorwiegend darin besteht, diese Ziellosigkeit beziehungsweise die /Prinf.ipiSnlosigkeit zu verdecken und im Lehen ddr Siaaren ünd Volker auf diese Weise nur einzeliw Personen an der Macht 5u Halten oder anderen die Wege hteM zu ebnen, dann muß die.Poltik jenes Ergebnis für die Kulturmenschheit zeitigen, cas'ibr ihr seit sechs Jahren zuteil wird. )'"'©et berühmte, oder richtiger gesagt, berüchtigte Aus-' surü'ch deZ ehemaligen österreichischen Mitüsterprasidenten (•»caf Sa cf et „ES wird weiter. gewurstelt," scheint nur gleichmäßig das Leitmotiv für die sogenannte konservattve ^oie revolutionäre Politik zu sein. Sie leben von ihren gegenseitigen Fehlern und stützen auf. diese Weise einander so trotz ihrer heftigen gegenseiti-M 'Bekänchfüng. ..Pesoickers'.^uMW' kann inan dies.wieder einerseits anläßlich des russisch-) polnischen Kriege'andererseits 'anläßlich des ''immer größere Dimensionen annchmercken j u g o s l aH> i s ch - i t a-. lienischen Konfliktes beobachten. Das Stpebeüi der Enteirte. gleichzeitig die dauernde/ Hegemonie allüberallfläch Niederwerfung der Zentralmächte sich zu sichern, zugleich aber mittels der Hilfe Polens, Rumäniens - und eventuell auch Ungarns- Jugoslawiens —- unter Umständen auch Tschechow Slowakiens — den russischen BolschswiMius niederzUringün-. soroie sein Eindringen in das Territorium der Sieger zu verhindern, mutz vorläufig als gescheitert betrachtet werden. Die polnische Front ist geschwächt, Warschau und Lemberg ist von drn Stuften, bedroht, innerhalb Polens erhebt dix soziale Revolution dxohend ihr Haupt und, der weitere Besitz O ft g a l i z i e n s ist für den polnischen Staut «lehr als fraglich geworden. Die polnischen Chauvinisten, welche den uatidnalen Ausgleich mit Ukrainern und' Juden ablehnten, die weiters daS wirtschaftliche Elend bis zur Katastrophe anwachsen ließen und nun für all ihr Unglück die jüdischen „Fremdlinge" verantwortlich machen, erblicken nur ihre einzige Rettung in der Intervention derEntente. Diese aber — in sich selbst zerspalten — ist angchichts der steten Furcht vor einem Kriege mit Deutsch. Land und angesichts der weiteren Möglichkeiten, daß bei einem ruftisch-rumänischen Zusammenstöße auch Rumänien einem ähnlichen Schicksal enbgegengehrn könnte wie Polen nicht geneigt, über ein gewisses Maß hinaus sich für Polen oder Rumänien zu engagieren. Für die Entente liegt umsomehr Grund vor, möglichst bald einen russisch-polnischen Frieden zu wünschen, da ein siegreiches Vordringen der russischen Truppen sehr leicht die in sämtlichen russischen Parteien ausnahmslos vorhandene Expansionslust — welche unter anderen auch auf Bukowina und Betzarabren gerichtet ist — steigern und weitere Komplißationrn herbeiführen konnte. ' Eine solche äußerst gefahrdrohende Komplikation droht der immer mehr sich zuspitzende ttalienisch-südslawis ih r Konflikt herbeizusühren, dessen letzter Grund denselben Motiven' entspringt, wie die allpolnische und grotzrumänische Politik: Die drohende soziale Revolution durch Auspeitschung des nationalen Chauvinismus und Antisemitismus bis zur GluHitze zu verhindern oder nach Möglichkeit Hinauszuschieben. Die Vorgänge in Triest und Fiume, bei denen der wahnwitzige Chauvinismus Orgien feierte, und die ihre würdige Ergänzung in traurigen Exzessen in Spalato, Pola und Pisino gegen die slowenokr-atische Bevölkerung fanden, haben bereits zu sehr ernsten jugoslawischen Gegendemonstrationen in Laibach, Agram und Sarajevo geführt. Rach sechs Jahren Krieg und Scheinfrieden hört man wieder v» Süden den Ruf: »Krieg gegen Italien! Befreirmg unserer geknechteten slawischen Brüder!" Das sind die Früchte der dilettantrnhasten Politiker in London und Paris, wo man Italiener und Südslawen zugleich für den englisch-französischen Imperialismus dadurch eiufangen wollte, daß man den Größenwahn der italienischen und serbischen Chauvinisten gleichmäßig gvoßzog und dem einen wie dem anderen Teile dieselben Gebiete versprach. Die Geister, die man rief, die wird man nicht mehr loS! Hätte man in London und in Paris weitsichtigere Politik betrieben, dann hatte man vor allem Triest und Fiume ebenso neutralisieren müssen, wie Teschen und das angrenzende Gebiet, dann hatte man aber auch, wenn man ernstlich die Donauföderation — als den einzigen Ausweg aus dem ChaoS in Mitteleuropa und am Balkan — erstrebt, dies Ziel mit mehr Energie und Nachdruck gegenüber verschiedenen chauvinistischen Strömungen vertreten sollen. Daß speziell die komplizierten Probleme des alten Oesterreich-Ungarns nicht vom Auslände verstanden wurden, kann umso weniger Erstaunen erregen, wenn man berücksichtigt, welches geringe Verständnis für die verschiedenen nationalen Fragen bei den wechselnden Ministerien, Parlamentsmajoritäten und selbst bei Publizisten und Historikern nicht nur im alten Donaureiche, fordern auch bei ihren Erben in den verschiedenen Sukzeftionsstaaten vorherrscht. Das zeigt unter anderem auch die Wirksamkeit des vor kurzem tzerstovbrnen Historikers Dr. Heinrich Friedjung, ebenso wie die vielfach einseitigen und oberflächlichen Nekrotege über ihn. Heinrich Friedjung kann nur verstanden werden als einer derjenigen Politiker, die zugleich Großdeutsche und Großösterreicher sein wollten und die, anstatt ein aus Her Gleichberechtigung aller seiner Reichsvölker In den letzten Monaten waren verschiedene ungarische .Politiker. mit Horthy, dem nominellen Neichsvcrweser au der Spitze, unausgesetzt bemühh durch Erklärungen und Zeitungsartikel-hie" Welt 'glauben hü machen^, daß.MgaW^Dh auf dem Wegtz zur inueren Konsolidierung befistde. Diesem ) Zwecke diente auch dte' Einladung der italienischen ürw Englischen ÄrbÄwrdelegierten. Man hatte in Ungarn gehofft, auch diesen Ausländern einredcN zu können, datz in UnggkN feit ) dem August 1019 überhaupt kein Nechtobrnch geschehen M daß nicht Tausende gemordet, zahllose Frauen geschändet, Männer entmannt wurden, und daß die Berichte über die Greuel von Ciofok, Orgovany, Abony, Szölnok und wie sonst die. Leidensstatiouen der Verfolgten heißen, pure Verleumdung seien. Diese HoftnMg erwieS siU.'akS^MDrrschb'''Söivbhkdte jiM) äuM ditzs tNglsschen D^egasiorM hahvn Ms) WsttW i des ) weißen Terrors sesigestellt. Denn diese ließen sich nicht wie Clark, Hörowitz, Hohler, Tröubridge und' ärMrö' es West, irreführen und durch lukullische Soupers und Jagdfeste vqn. ihrer'Pflicht, ablenke.n, sich der Tausende auzunehMen, die als politisch Verfolgte Höllenqualen zu erleiden haben, Das VorhandeusciN des weißen Terrors würde so lange in Abrede gestellt...so lange.er mit ganzer Wucht und mir allen seinen Schrecknissen nur gegen die Arbeiter und Inden gerichtet wM. .AufAeNMl^iter und guf. den Juden zu hauen, bildet honte daS gemeinsame Interesse aller gegenwärtig an der Macht befindlichen ungarischen Politiker. Nun geschah aber ein?Ma!heur. Die Organe deS weißen Terrors, Hejjqs, Bibo, Pronah, Ostenburg und Genossen, begannen nicht mehr bloß Juden und Arbeiter zu behelligen, sondern beleidigten auch did Nationalversammlung und griffen auch in die Interessen der Abgeordneten und Großgrundbesitzer störend ein. Die Leute her Hejjas-Gesellschaft, die im Namen der' christlichen Nächstenliebe die -Kommunisten" hrnmordcten, haben sich selbst als Kommunisten aufgetan und begannen den G roh grün dbesi tz zu kommunisieren. Das konnte selbstverständlich nicht mehr wortlos hingenommen werden — und es fanden sich einige Abgeordnete, deren wirtschaftliche Interessen durch solche Aktionen der Ofsiziersdetachements direkt oder indirekt gefährdet wurden, die öffentlich gegen HejjaS und Konsorten Stellung nahmen, aber nicht um dem weißen Terror ein Ziel zu sehen, sondern um die Offiziersbanden auf solche Weise zu zwingen, von der Kommunisierung des Großgrundbesitzes abzulaften. Dazu gesellte sich noch ein anderer Grund, der einzelne Politiker bewogen hatte, die Gefahren des weißen Terrors in der Natinalversammlung zur Sprache zu bringen; das war die Drohung mit dem internationalen Boykott. Man glaubte, den Boykott durch öffentliche Versprechungen abwenden zu können und nur um eine Gelegenhett zur Abgabe solcher Zusagen für die Zukunft zu haben, wurde der weiße Terror in der Nationalversammlung zur Sprache gebracht. Diese beiden Aktionen — die der Großgrundbesitzer und die der Diplomaten — fielen nur zufällig zeitlich zusammen, waren aber voneinander unabhängig und verfolgten verschiedene Ziele. Abermals haben sich di« politischen Regisseure verrechnet. Der Boykott konnte nicht abgewendet werden, hingegen wurde die Feindschaft Hejjas gegen die Nationalversammlung, die schon seit der Wahl des Neichsverwesers bestand, nur noch verschärft und richtete sich jetzt auch gegen die Regierung Simonyi-Semadam. Jetzt war für Hejjas und seine Kameraden die Zeit gekommen, der Nationalversammlung und der Regierung offen entgegenzutreten, die Regierung zu stürzen und entweder ein neues. Kabinett Friedrich, oder aber die Militärdiktatur zu erzwingen. Ihr Auftreten war so energisch und nachdrücklich, daß schon zwei Tage nach dem parlamentarischen Angriff auf Hejjas im Parlament selbst die loyalsten Erklärungen abgegeben werden mußten, daß der Verband der »Erwachenden Ungarn" eine die patriotischesten und schönsten Ziele verfolgende Vereinigung sei, und daß auch gegen HejjaS kein Tadel erhoben werden könne. Die Regierung aber mußte gehen. So wie König Koloman im 12. Jahrhundert das Verbot erließ, van den Hexen, die nicht existieren, zu sprechen, so hat auch Horthh einfach verboten, vom, weißen Terror zu sprechen, da . er — nicht existiert. Damit war das Schicksal der Regierung besiegelt. Sie hat eS gewagt, den weißen Terror zur Debatte zuzulaften, hat die Geister gerufen und nicht mehr die Kraft gehabt, sie zu bannen. Das mußte sie mit ihrem Sturze büßen. Der Sturz des Kabinetts Simonhi wurde gleichzeitig auch durch die Gestaltung der äußeren Politik beschleunigt. Der Boykott wurde nicht abgewendet und die Lage Polens, zu welchem die Außenpolitik Ungarns seit dem Zusammenbruch des Kommunismus tendiert hat, wurde täglich verzweifelter. Die Regierung mußte also gehen und damit ist die neue n/ngärische Politik in bas Stadium der gefährlichsten Krise getreten, , );i'".i';") ') . •) Mr unqartsD chviftlichL Kurs, zu dem weder im u'ug'ari-- MeN)MsitzMstasid,.'nvch.Ü>eniHr in der Bürgerschaft, in WM'' sichtest auch nicht iü der Aristokratie irgendeine WesenstzemMschast besteht, hät teine Hauptstützen in der öffentlichen Beamtenschaft uyd' in der Naüonalarmee. Die Nattönalckrmee Ueüt tzeW'trichf''nrichv'MMpolitkschen Zielen, sondÄn ' eigenen „individuellen" Zwecken, die sio mit allÄ Gewalt züns Durchbruch bringen will. Äuch die andere "Stühe ist ins ) Wanken geraten und droht einzustürzen. 'Die öffentlichen Angestellten sind nämlich miteinander beschäftigt, zerfleischen sich gegenseitig. Unter solchen Umständen ist tzs klar und verstände 'Ach^baß' sich die bewäsfitete Macht'heute iiber alles und'jeden )tzHebt> chaS aber nicht mehr im Interesse des Staates, sondern' bloß, um ihre» Sonderinteressen zu dienen, geschieht. Ihren-'' Interessen entspricht es aber am besten, wenn sie "heute schon die Macht auch offen an sich reißt. So erklären sich die letzten Vorgänge, - das Kapitulieren der scheinbar maßgebenden Fäk»/' loren vor Hejjas, desseti Proklamattonen usw. ■ Das ist schon jetzt im Wesen nichts anderes, als Militär- ° diktatur. Da aber die formelle Diktatur auf sogenanntemp „verfassungsmäßigem" Wege noch nicht durchführbar erscheint, . soll jetzt für ein Uebergangsregime gesorgt.werden- -Gelingt) der Versuch deS Reichsverwesers, eine Regierung herbeizuschaffen, so wird der BerfassungsmäßiMit wenigstens dem Scheine nach entsprochen sein. Mit einer solchen Regierung). würi8e dann HsjjaS leicht fertig werden. Gelingt aber.die Kabinettsbildung nichtso bleibt eben als ultimo ratiq nichts, anderes übrig, als die langersehnte Militärdiktatur, dis- Herr-- schaft Hejjas, Friedrichs, und her „Erwachenden Ungarn". , In Ungarn liegt die Sache heute so, daß der Reichsverweser nichtanderes bezweckt, als den Schein der Ber, faftungsmäßigkeit zu wahren. Er empfangt Politiker, desig-/ inert einen Ministerpräsidenten. Es entsteht eine rinheitfiche Regierungspartei, aber ihre Komponenten, die ChristÜchnationalen und die Partei der kleinen Landwirte, behalte» ihre polittsche Selbständigkeit. Dies gescheht, um sich im Notfall das Hintertürchen zu sichern. Die Landwirtepartei, di» sich gern demokratisch ne'nnt, bleibt selbständig, um in jedem Falle sich auf ihre. Zwangslage zu berufen und im Falle, als es vielleicht doch noch ohne Putsch abgeht, an der Macht teilnehmen zu können, Derselbe Gedankengang leitet auch die Christlichnationaten mit dem Unterschied, daß sie den Putsch, herbeisehnen und fich nur für den Fall deS Mißlingens rückversichern wollen, um an der Macht teilhaben zu können. Im übrigen steht die chvistlichnationale Partei auf dem -Standpunkt, daß die Militärdiktatur unbedingt notwendg sei und. fördert die Herbeiführung derselben mit allen Mtteln. y Es ist heute noch ungewiß, ob jetzt in Ungarn eine Regierung zustandekommt und demnach die Diktatur jetzt oder erst später auf den Plan treten wird. Schon die verschiedenen Experimente bei der Mldung der Regierung lassen erkennen, daß eS sich nicht um eine gewöhnliche Regierungskrise, sondern v um die Krise der ganzen ungarischen Politik, um die Krise deS „Kurses" handelt. Das weiß heute jeder politische Anhänger in Ungarn und deshalb hört man heute alle Instrumente deS gegenwärtigen Kurses das Lied ablviern: DaS christliche Ungarn kann nur durch eine starke Hand gerettet werden! In Wahrheit' geht es ihnen aber 'gar nicht um Ungarn, sondern sie wollen durch die Diktatur noch rasch retten, waS für sie zu retten ist. Vor allem gilt es, Stefan Friedrich zu retten. Die Verhandlung des Prozesses wegen der Ermordung b«S Grafen Disza kann nicht gut länger aufgeschoben werden. Bei dieser Verhandlung muß aber Friedrich die Macht in Händen haben, muß zumindest Ministerpräsident sei«, um den Gang der Verhandlung zu „dirigieren", Weil sonst rin unabhängiges Gericht gezwungenermaßen die Äüslieferung deS Friedrich verlangen und ihm den Prozeß machet müßte. t Ungarn nähert sich mtt jedem Tay der Militärdiktakü^' die unbedingt kommen Wird. Unausbleiblich ist die gefürchtete-. St.-DarttzolomäuSnacht, Ermordung der Arbeiter, Juden, unb aller, die sich dem christlichen Kurs nicht gefügig zeigen. . Sie werden bestimmt kommen, die Tage deS Schreckens im Namen der heiligen christlichen Nächstenliebe, weil es keine Macht' gibt^ welche diesem Kurs Hält gebieten möchte, fei es auS JndifferentiSmuS, fei es ans Berechnung. Aber sicher ist auch, doch' sich diejenigen der Verantwortung nicht werden entziehen können, in deren Nacht es stand, Millionen vor furchtbaren Qualen und sicherem Tod zu bewahren, es jedoch unterließen, einzugrokfen und gugeben, daß im 20. Jahrhundert mitten in Europa eine Bande von Mordbuben ihr mörderisches 'Handweck ungestraft Üben kann. Quo üSque? s—f. s aufgebautes föderatives Donaureich im Bunde mit einem föderativen Deutschland zu erstreben, an der Fiktion der deutsch-magyarischen Hegemonie sesthielten. Bei Friedjuug kommt aber noch der Umstand in Betracht, daß er ein überzeugter jüdischer Assimilant war, obwohl er des öfteren mit scharfen. Worten die VeMegdung der piLnisch.jtzdischen und magyarisch-jüdischen Assimilanten krittsierte. Sein größter in keinem Wiener Blatte berührter Fehler aber war — ein Fehles drn er allerdings am Abende, feines Lebens einscch — daß er am 15. Juli de- Jlchres 1832 einer jener unglückseligen Urheber der Sprengung der damals geplanten österreichischen Volkspartei war, welche die demokratischen Elemente aller Nationalstaaten einigen sollte. Dieser 16. Juli 1882 war der Anfang vom Ende Oesterreichs und der Geburtstag des politischrn Antisemitismus in Oesterreich, des Äusstieges der Ehristlichsozialen. in deren Lager man Karl Lueger hinübertrteb. DaS alte Österreich-Ungarn ist zerfallen, seine Probleme bestehen weiter. Wenn, wie die bisherige Entwicklung zeigt, auch die Staatsmänner und Parlamentarier in den Sükzeffionsstaaten sich als unfähig zu ihrer Lösung erweisen, dann werden diese Pvobleme immer mehr und mehr, als es ohnedies schon der Fall ist, einen gesamteuropäischen Charakter erhalten und ihre Lösung durch außenstehende Faktoren finden, . ■.. . , X , ■ . ' ■ ■» Die Sotvjeturisfirm für Wien. \ Die russische Dowjetmission für Men, bestehend äuS eftwA Vertreter der russischen Regierung und drei biS. fünf Delegtexftn, dürfte Bereite in dar allernächsten Zeit in Mm etntresfeü- Die offiMlen Uufgahen der russischen Mission in Wien werden ähnliche sein, wie die Kostpv in BerlW Die WtoderausNahMe der Handelsbeziehungen zwischen Oesterteickj und Rutzlayd. wird nicht vor der Unterzeichnung des Bt.-rlrages zwischen Engsand und Nußlnnd erfosgen, dann aber bald ängestrebt werden-