Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 533 (17.7.1920)
- Date
- 1920-07-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 633 Wien. Samstag." .ferner auch der.' eherna'lipe 'Abgeordnete Bard.ü^ P-ä irfci,.' der in seiner/Grazer .„Deutschen'Zeitung"'habsbutürichen Plänen in geschickter Weise Vvrschubdtenfte leistet. - Die Karlisten front von Kunschak und Seipel über Wolfs urch OFLl bis zu Teufel pnd Pantz M Tpt^ach bamtt müssen alle Anschlußfreunde, rechnen und rhr Verhalten demgemäß cinrichftn." r . .!' „ Da ist eine ganz hübsche Gesellschaft bcrrammen; OM, Kunschak, Teufel,. Wichtl. die all «.mander trefflich verstehen^ nachdem sie sich im Horthy-Aor gesunden hgben. Ihre Politik ist einfach:..Darr Jud! Damit layy man Geschäfte machen. Orel ist Trödler, Teufel BanDirekbor und Wichtl Mt von indischen Juristen, denen er .Pandekten einpLuki. Ei« Plan zur Besetzung Wiens durch Anguru 7 Der Korrespondenz'Herzog wird ans München telegraphiert' Pie „München-Augshnrger Abendzeitung" brjW yus Innsbruck, wie sie behauptet, von gut unterM)Mer >GMe eine Darlegung der habsburgischen Ümtriebe, bicfid) unter Beteiligung der' franzöfiWst/ Diplomatie, zum Teil in L i n z, zum Teil « auf bayrischem Boden in R v s e n h e i m und R e g e n sbnrg Übgespielt hätten. In Linz habe eine ernste Besprschnng stattgefilnden, an der auch die Führer der Anhänger Kaiser Karls, Graf Ela in-Marti-' niH -Md'-G.daf/L'^d c b n r, ttilgeno in mejt Hätten und bei der ^fölMdes' Programm festgestellt Wörden sei: DiMchMWkch'iHek'Mpenländsr bilden zusammen mit Wchern enftn Staat „Großbauern", wogegen Wien und Teile Niederösterreichs bis zur endgültigen Rege- ..Weg:durch ungarische Truppen beseht werden sollten.' Da' ivber im Laufe 'der weiteren "Verhandlungen die Tschecho-Slvwakei, Jugoslawien und Rumänien sich gegenüber diesem Plan zur Wiederherstellung eines Donaubundes ablehnend verhalten hätten, sei der ungarische Vormarsch gegen' Wien, der für den 27. Juni geplant gewesen sei, vertagt worden. Ankunft einer russischen Mission in Wren. - Wie der „Abend" erfährt Fftht die Ankunft eiuyr russischen Kriegsgesangenenmissiop in Wien unmWlbar bevor. Zweck der Mission ist die Befchleunüdes KriegsgefangenenaustauscheS zwischen DM'schösterreich und Rußland. In Berlin ist im Jänner, her russische Pertoeter Wigdor Kbpp mit der gleichen Aufgabe betraut worden. Auch die Entsendung Liftoinochs nach Kopenhagen galt zunächst . diesem Zweck. In Berlin sowohl wie in Kopenhagen hat die Behandlung der Kriegsgefangencnsrage zirr Anbahnung von/ Handelsbeziehungen mit Sowft trutzland geführt. EZ„dars, erwartet werden, daß die Verhandlungen in. Bien do-r gleichen Verlauf nehmen werden. Stürmische Szenen im steirischen Landtag. Graz, 16. Juli. In der hentigen Sitzung des steirischeu Landtages kam es neuerdings zn stürünischen Auseinandersetzungen zwischen den Christlichsozialen 'und den 'Sozialdemokraten. Die sozialdemokratischen Landesräte Resel und Dr. Eisler hatten in der vorgestrigen Sitzung die Aushebung der Koalition im Landtage begründet und dabei heftige Angrifft gegen die christlichsozialen Partei und deren Führer erhoben. In deö" heutigen Sitzung erklärte Landeshauptmannstellvertreter Dr. Ah rer. Hatz die Bauern sich und die Allgemeinheit gegen die ungeheure kommunistische Gefahr und die schon beim Umsturz erfolgte Bewaffnung. der Arbeiter schützen mußten. Während der Ausführungen des Redners kam es wiederholt zu heftigen Zusä m m e n st ö ß 2 n zwischen den Sozialdemokraten' und• Christlichsozialen. Landesrat Ma chold (Sozialdemokrat) erwiderte auf die Ausführungen des Landeshauptmännstellverttreters Dr. Ahrer und bestritt es, daß die Arbeiterschaft sich zuerst bewaffnet habe. Graz, 16. Juli. In der NachmittagSsitz'nng des Landtages wurde in die Speziäldebntte über den Landesvoranschlag eingegangen. Landesrat Resel stellte gegenüber den Ausführun- . gen des Landeshanptinannstettvertreters Dr. Ahrer fest, datz.die Arbeiterschaft sich beim Umsturz,yur im Juteresse der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung mit Waffen versehen habe. Die Waffen seien dann abgeliefect worden.. Er verweist auf das verdienstvolle Verhalten des Arbeiter-HUfskorps während der Aufrichtung der Republik. Die Arbeiterschaft habe niemals das Bestreben gehabt, sich dauernd zu bewaffnen. Demgegenüber..feien die Heimwehren und die Bauernkommandos fortwährend mit Waffen ausgestattet worden und hätten mit den Horthy-Truppen in Ungarn Fühlung genommen. (Stürmische Protestrnfe bei den Christlichsozialen nnd Bauernbündlern.) Die Arbeiterschaft werde immer bereit stehen, um die Republik zu schützen. In der Besprechung der .Haltung der Gendarmerie in Steiermark erhob Redner Angriffe gegen den Landeshauptmann, der die Beseitigung des GendarmeriedireftorS von feinem Posten verhindert habe. Landeshanptmannftellvertreter Dr. Ahrer nahm die 'Heimwehren nnd die Gendarmerie vor dem Verdacht monarchistischer Gesinnung in Schutz. Der Landesgendarmetiedirektor habe in der Gendarmerie eine für . die Bevölkerung und für die Sicherheit und Ordnung im ^ande verläßliche Truppe geschaffen' "; " ■-» nj'ijTvr » Wiener MorgerizeitunK 17. Juli 1920 Seite'3 - Der russisch polnische Weg. Polnischer Frontbericht. i Warschau, 16. Juli. (Funkjpnlch.) Frontbericht vom 15 Juli: An der Nordfront hat der Feind nach hartnäckigem Kampf S in orgonbesetzt nnd, gegen Süden borstoßend, Oschmjany erreicht. Starke boMewikische Angriffe auf Luck wurden abgewiesen, der Feind gegen Osten, verfolgt. Die Kämpfe, die inr Gebiet von D u b n o- Krem enezam 14. Juli begannen, Lauem an. Die seindlickM-Abteilungen die unter unserem Druck Dubno räumen mutzten,, haben ihren hartnäckigen Angriff wieder ausgenommen. Südlich dieses Gebietes-greift der Feind ohne Unterlaß unsere Stellungen bei Wischgorodo? an. Wilna besetzt. | ÄowNä/ 16. Juli. (Litauische Tel.-Agent.), Die BylsWviW/habM Wfl na h a setz, t und find bis in ^dre"''vörKriE'M "sie ctuf die ■ litauische Armee stießen. ' .Die - Polen ziehen sich in > de.r Richtung auf Bare n a ltnb Gr o d n o zurück.! Zur Freigabe der Stadt Wilna an die Litauer sind von zuständiger Seite diptomaiische Schritte eingeleitet worden. - \ . Moskau» 16. Juli. (Funkipruch.) Frontbmcht vom' 15. d. M.: An der Nordwestiront stehen unsere Truppen vor Wilna. Im Gebiete von Ada wurden Stellungen 10 Werst westlich Smorgvn erreicht. 20 Werst westlich von Molodetschno wurden Borunv und O l s ch a n v eingenommen. Im Gebiete von Baranowitschi Vorrückung südwestlich von Minsk. Richtung Stack wurden Stellungen 60 Werst westlich BobruiZk erreicht. Im Gebiet von Kowel wurde der Sthr erreicht. Im Gebiet von Podwolvtsch'.Zk und Kamcnetz—Podolßk dauert die Vorrückung an. j Kampfe zwischen litauischen und polnischen Truppen. j K w!a, 16. Juli. (Litauische Tel.-Agen t.) Gestern fuhr ein Zug mit litauischen Soldaten von hier nach Wilna. Bei Landwarowo wurde der Zug von polnischen Franktireurs angehalten. Die Litauer entwickelten sich, Worauf sich ein dreistündiger Kampf entspann, der mit dem Rückzug der Po len in. der Richtung nach Wilna endete. Südlich von Meischapals.stießen die litauischen Truppen während des Vormarsches ans eine polnische Brigade, die sich auf dem' Rückzug., voll bev | Front befand. Die Polen wurden entwaffnet, wobei den Litauern große.Beute an Kriegsmaterial in die Hände fiel. Die litauischen. Truppen stehen vor den Toren Wilnas. Weiter wird gemeldet, dgß sich die Bolschewiken östlich.von Wilna weiter an die Stadt; heranschieben. Wilna selbst sei von den Polen vollständig geräumt worden. > Kotvns, 16. Juli. (Li'lmusche Tel.-Agent.)' Dejs der Eutwaffnllng einer polnischen Brigade dürÄ litauische Truppen handelt -es sich um 2500 polnische Soldaten, die mit vier Batterien ausgerüstet wavem Sie tuaren seit einer Woche beständig auf der FluKy und wurden von russischer Kavallerie verfolgt/.^ .Die Grenze zwischen Nutzland und Litaue«^ \ Stoma*, 16. J«!i. (Korr.-Bur.) Der Friedeusvertrag zwischen Rußland und Litoum setzt ungetiihr iolgrnde Grrnzlime frstr Bon der Düna über den Erivifta-See, Narosch-Stt Molodetschno, entlangt der Brrestna westlich von Memel, dem Memel entlang über Grodno bis in die Gegend vo» Augustow^ dann nördlich zur deutschen Grenze. Litanen erhält auch Grödittt und Lido. Akrainisches Friedensangebot an Sowfeti. rutzland. Der Ukrainische Pressedienst meldet auS Paris: Hava? zufolge hat die ukrainische Delegation, die auS dem Grafen Tyschkewytsch und de« Gesandten v. W a ss i l k q besteht, dr» Vorsitzende» der Konferenz in Spa eine Note Nerreicht, in der an die Entente die Anfrage gerichtet wird, »b di, Alliierten bereit würm, der Moskauer Regierung den Friedens schluß mit der Ukraina nahrzulegen, wie dies deziiglich Palms geschehen ist. Die polnische« VerLeidigungsvorbereitungen^' Warschau, 16. Juli. (Funkfpruch.) Trotz der MogTH»' feit von Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen! werden die Verteidigirngsvorbereitungen vom ganzew Volk mit größter Opferwilligksit fortgesetzt. Unter an<- derem hat sich ein jüdisches Komitee zur Verteidigung des Vaterlandes gebildet, das gemeinsam nnt dem polm^ scheu Volk arbeitet, um die Freiwilligenarmee aufzusteller^ Ambulanzen zu errichten und Geld- und Natriralspendew für die Bedürfnisse der Armee zn sammeln. --,'"7! Boykott Polens? Moskau» 16. Juli. (Fnnkspruch.) Die russischen Gewerks schostcn fordern die Gewerkschaften aller Staaten auf, gege^ Polen wegen dessen Zerstörungen von Städten und FabrikS^ anlagrn bciin Rückzug u:rd wegen der Erschießung russtschvf Arbeiter den gleichen Boykott zn verhängen lute gegen Ungar«, i j Nntzland wünscht in BresL-Litowsk zrr j verhandeln. ' 1 London» 16. Juli. (Reuter.) Die Sowjetregiernns «rklarte^ die vom Premierminister Llopd George ansgesteüten Waffe»/ stitlstLndtbedingungen anzuncbmen, mit der AnSnahmr, ' da§ st«' "für den ZustUttmeiülitt der Frirdeuskoüfereuz Brest-Litowsk staft London vorschlägt. \ Politische Rundschau. Die AbftimmungsKommissio« in Klagenfurt t eingetroffen. Klagenfurt, 16. Juli. Heute früh sind die britische und die französische Sektion der Pletnszitkommissiou mit Sonderzug von Ostende hier eingetroffen. Der Präsidellt der Ab st im > r > u n g s kaut m i s sio ir Oberst Pcck und der Ches der französischen Sektion Graf Chambrun treffen voraussichtlich Montag in Klagenfurt ein. Auch die italienische Sektion und ihr Chef Prinz Bo r g Hefe dürften in den, nächsten Tagen in Klagenfurt cintr>fsen. Keine Mobilisierung in Rumänien. Das rumänische Kommissariat in Wien dementiert aufs entschiedenste die in letzter Zeit in Wiener Blattern veröffentlichte Nachricht über eine Mobilisierung in Rumänien. Es hat weder eine allgenreine, noch eine Teilmobilisi7rüng stattgefunden. Vielmehr wird die mit königlichem Dekret angeordnete Dernobilisierung ivc'ter fortgesetzt. __ Telegramme. Eine Rede des Abg. Dr. Straucher in der rumänischen Kammes. Bttkavest, 12. Juli. (Jttd. Korr.--Bur.) In der rumänischen Kammer entspann sich anläßlich der Rede des Deputierten D'r. Straucher. ein heftiger Wortwechsel zwischen dein Redner und den antisenfttischen Deputierten. Im Verlauft seiner AnZfübrungen richtete D'r. Straucher an die Negierung die Art frage, vb ihr bekännk sei, daß die Advokatenkammer die Aufnahme der jüdischen Rechtsanwälte B. Ne untö-it it nnd Marinkilian S ch v r r trotz ihrer rumänischen Staatszngehörigkftt verweigert hat, ferner vb die Regierung vom Befehle des Kriegsministeriums Keimtnitz hübe, sämtliche jüdische Gagisten und Soldaten ans den Militürkanzleien zil «ntternen. ' Deputierter Brestina: Sehr gut! Ein anderer ZwifckMruf: Ruhe, Schande! . ■ Deputierter Z am firese >:: Bitte, nicht mehr solche Zivischenrnse zu inachen. (Großer Tumult.) Nachdent 'sich drr Tumult gelegt hatte, fetzte Dr. Straucher seine iM ftAM&jto&J mals Legen die den Juden gegenüber angeioeudÄLtp Willlüva'kte 'nachdrücklichst Einspruch erhob', schloß» «Ä mit der Erltäning, daß diese Praktiken gegen beit! öiöMjj der Regierung Unterzeichneten Friedeusvertrag .VkÄ' stoßen. . . : : i '• : :> : --.SS* ' ' ^1«: . Der Berliner Awischenfnw beigelegt. Berlin, 16. Juli. (Wolfs.) Amtlich wird' fceförtnfcj. gegeben: Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt mÄ der Stellvertreter des Polizeipräsidenten statteten heuty vormittags der französischen Botschaft einen Beftuh E nur wegen der Verletzung der französischen Flagge cmck^ sich das Bedauern auszusprechen. Ilm 1 Uhr wurde drq französische Flagge auf' dem Botschaftergebäude mieden! gehißt. Eine Kompagnie Reichswehr erwies dem intet*!, nationalen Branche gemäß die Ehrenbezeigung. Deft preußische Minister des Innern hat zwei veranÜrW^-« liche Beamte aus dem Dienste entlassen. . Berlin, 16. Juli. Heute vormittags wurde, wie Rq Blätter melden, der Schlosserlehrling Paul Perzs^ nl i n s k i, der die französische Flagge von der fragzÄ fischen Botschaft heruntergeholt hat, verhaftet, v Zusammenschluß der Anabhängigen mie de« Kommunisten. 4 Berlin, 16. Juli. (Tel.«Konip ) Wie die ,Münch«« :)<citeflcn Nachrichten" rnelden, hat der srührre Polizeipräsidetv Eichhorn den bevorstehtvde« Zusammrnschlvß der unabhängig«/ sostaldemokraiischen Partei mit den rnssischen Revolutionäre» afej ackündigt. Die Unabhängigen haben ebewo wie die Komnnmrstvl Vertreter zum zweiten Kongreß der Dritten Internationale iw« MoSkiw gesendet. Eine Erklärung Giolittis. B.om, 18. Juli. (Stestun.) Am Schluß der Ausipracho über die NegierungscMrung im Senat sagte Giolitti, Italic« müsse die volle U n a b.h L n g i g k e i t Albaniens «As Auge fassen. Diese sei die einzige Garantie für die Freiheit de4 Adriatischen Meeres. Die Ncgirmng werde sich um die Gesundunä der Finanzen bemühen nnd Ersparnisie machrn, wo cs nur angehe. Auch dir Frage dcs Brotpreises werde eingehend geptth werden. Ein kleines, aber leistnngsfähiges Herr mW beibthaltcu werden. Die größten Steuerlasten mW» die wohlhabenden Klassen tragen. Giolitti vrrdamuttt dk frühere Finanzpolitik, die ein Sinken der Staatspapiere Otftafc gerufen hübe. Die Regierung hege über wegen dieser Politik iM' Besorgnisse. Sir werde Vielmehr mit allen ihr zür Br» stignna stehenden Mitteln für Rnhe und Ordnung sorgen. ' - D.r Ausführungen GiolittiS wurden von dm ^eiint'otert mit anhaltendem Beifall ausgenommen.