Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 530 (14.7.1920)
- Date
- 1920-07-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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14. Juli 1920 | Seite 2_ Men, MGwoch LV»»er Morgenzettmrg Nr. 530 „Me große Täuschung". Seit je stehen wissenschaftliche Forschung und Tendenz- ^schriffftellerei einander als unversöhnliche Gegensätze gegeniüber. Wenngleich psychischen Grundgesetzen zufolge jeder Mxiffenschaftlichen Produktion, außer etwa auf den Gebieten Exakten Naturerkennens, ein Quentchen Subjektivität beigepnengt ist, so sind Literatur — und Geschichtsforschung zumal Abhängig von der Gesinnung, aus welche der Bearbeiter von liHaus auö eingestellt ist. Vollends dort, wo der Gegenstand ides Forschens ein Objekt ist, das in die Gegenwart hinein-!reicht und in der Diskussion des Tages eine Rolle spielt. Man itzoird Arbeiten auf solchen Gebieten nur bedingt den Charakter ernster Wissenschaftlichkeit zusprechen. Wie aber, wenn ein Gelehrter unter direkter oder indirekter Bevufung auf seinrn Namen, den er sich auf einem Boden erworben hat, der jeder MesinrrUngSwertung entrückt ist, wenn ein solcher Mann unzweideutige Tendenzmacherei begeht, hieße eS da nicht übers Ziel.schießen, wenn man eine solche Schrift hinsichtlich ihrer Wissenschaftlichkeit einer Prüfung unterzöge oder gar widerlegte? Friedrich Delitzsch, der Berliner Asshriologe, hat jüngst unter dem obenstehenden Titel «kritische Betrachtungen gu den Ättestamentlichen Berichten über Israels Eindringen' in KanaaN, die Gottesoffenbarung vom Sinai und die Wirksamkeit der Propheten"*) erscheinen lassen, ein Buch, daß er selbst eine «Kampfschrift" nennt. Wir kennen ihn als Kämpfer. Dor zwei Jahrzehnten kämpfte er in den Bibel-Dabel-Vor- Kragen gegen den „Nimbus des Volkes Israel", den er von, Grurrd aus zerstören wollte. Und in diesem neuen Büche »Lampst er mit in Gift getauchter Pfeilspitze gegen'^rs, Judentum im ganzen, gegen den Gott, den es die Menschheit ge-! lehrt hat, und vornehmlich gegen düs jüdische'. Volk,' das, »diesem Gott treu ist bis aus diesen Tag. Er kämpft mit einem ileid^enschaftlichen Hasse, der f c t n e § q 11 iche n »nicht hat weder in der gelehrten, noch in der »polemischen, ja selbst in dev ttzststäüdigen politischen Literatur. Er steht imalttesbamrntlichen ^aho die „Karikatur des Goitesbegriffes", im jüdischen Molke das ewig -unstete und flüchttge", «freiwillig Vaterlandslose und internationale Voll"; er verlangt die Ausscheidung 'ibes Men Testaments aus "de - christlichen Theologie, seine Äechtung und Verbannung aus Schule und Haus, er setzt den Dvekalog/ das Gebot der Nächstenliebe, den Sabbath, die From- Änigkeit der Psalmisten, die Religiosität der Propheten.herab, jer verhöhn5 «Israels vorgebliche Weltmission" und findet seinen anderen Ausweg aus der «jüdischen Gefahr" als den lNat der Hctmane aller Zeiten und Zonen: das jüdische Volk, HieseS vdium generis humani, auSzurottenuNd zu vernichten. Allen feinen «wissenschaftlichen" Schilderungen jder Lebensgeschichte dieses Volkes folgt der wenig variierte »Mefrain: «Und so ist es geblieben bis auf diesen jTag." ES hätte füglich wenig Zweck, den «wissenschaftlichen" Resultaten, die Friedrich Delitzsch hier just heute, denen worträgt, die es gerne hören» Forschurrgsergebniffe und Lehr» m«i«uttg.»n ernster christlicher Forscher, die ungeachtet »hrer christologischen Brille, ohne welche sie an das sogenannte Mte Testament nun einmal nicht herankönnen, entgegentzfustellen, die wesentlich anders lauten; etwa ganze.Partien aus den Schriften von B u d d e e, S t a d e, C o r n i l l,. K l e i» yr e r t, Jeremias, B o u s s e t, S e l i n, Wünsche u. v. a. .Mnz zu schweigen von Hermann Gunkel, dessen Vür- Ävort zu «Die Urgeschichte und die Patriarchen" eine Apotheose 'Her jüdischen Bibel genannt, werden darf. („Bibel, wunderbares Buch. Lehrerin der Menschheit, Grundlage unseres jgeiftigen Seins! Du gleichst jener verklärten Gottesstadt auf sagendem Wellenberge, die dem Hnnürel nahe liegt! Die Molker schauen dich und trinken von dem lebendigen Wasser deiner Strome! Ganze Geschlechter mögen sich Von dir wenden und dich geringschätzen, weil sie dich, nicht kennen; immer wieder kehrt die Menschheit zu dir zurück.") Auch der Nachbocii, daß Delitzsch den traurigen Ruhm für fich in Anspruch nehmen darf, einen de L a g a r d e, E. v. H a r t m a n n, Ha fast selbst einen Eisenmenger und Chamberläin Lief hinter sich zu lassen, lohnt ebensowenig der Mühe, wie jder Hinweis darauf, daß Delitzsch für die Deduktionen Keiner teuflischen Nutzanwendungen nicht die geringste Originalität in Anspruch nehmen kann. Denn der marktschreierische Titel, unter welchem er diese seine Hatz« vrgie aufführt, hat mehr in der naiven Auffassung des Verfassers seinen Grund als etwa in der Aufdeckung von Anzweifelbarem. das nicht schon seit langem die wissenschaftliche Diskussion beherrscht. Ist es nicht -u höflich ausgedrückt — Naivität. wenn Delitzsch, wie er im Vorwort von sich erzählt. als er eines Tages als junger Student im Kolleg hörte, daß das Deuteronomium gar nicht von Moses verfaßt fei, feinen Lehrer auffuchte um ihm zu sagen: Da ist also doS;6. Buch Moses, was man eine Fälschung nennt? Und der gleichen simplicitaS ist heute noch der vielerfahrene Gelehrte ergeben; nur daß es, das bezeugen die radauantisemitischen iKonklusionen, nicht eine sancta simplicitaS genannt werden kann! ' Nur einen andersdenkenden Forscher, der sich durch .genau die gleiche wissenschaftliche Vorarbeit, durch Leistungen,!viuf und Ruhm von genau gleicher Qualität legitimieren kann, möchte ich Herrn Professor Delitzsch gegenüber. Kellen. Dieser mein Gewährsmann hielt am '16. Dezember 11914 eine Rede, die in der Sammlung «Deutsche Reden ir» schwerer Zeit" (Carl HehmannS Verlag, Berlin) erschienen ift( jetnc Rede, betitelt: «Psalmworte für die Gegen-!to ä r t" und heißt Professor Dr. Friedrich Delitzsch i Eine Nebeneinanderstelbuirg dieser zwei Lehrmeinungen Ergibt das nachfolgende Bild: . Die Konferenz in Spa. Der deutsche Vorschlag in der Kohlenfrage. Spa, 13. Juli. (Havas.) Die deutschen Kohlensachverständigen hielten heute vormittags eine Sitzung ab, der die alliierten Vertreter in offiziöser Form beiwohnten. Die deutschen Sachverständigen machten den Vorschlag, monatlich 1*1 Millionen Tonnen zu liefern, diese Lieferung ab 1. Oktober auf 1*4 Millionen Tonnen zu erhöhen und, falls eine Besserung in der wirtschaftlichen Lage Deutschlands eintrete, schließlich auf eine Lieferung von 1-7 Millionen Tonnen ab 1. Jänner 1931 zu kommen. Verbesserung der Ernährung deutscher Bergleute. Spü, 13. Juli. (Wolfs.) In einem amtlichen Bericht über die gestrige Unterredung zwischen den Führern der bLiderseÜigen Delegationen heißt es: Bei den Mittelungen über die Unterredung mit den deutschen Bergleuten erklärten die Alliierten in spontaner Weise, daß sie geneigt seien, der Frage einer Verbesserung der Ernährung der deutschen Bergleute näher zu treten und ersuchten die deutschen Delegierten, ihnen Vorschläge yi dieser Hinsicht zu unterbreiten. Millerand bleibt in Spa. P-arrs, 13. Juli. (Havas.) Nach dem „Echo de Paris" soll der Entschluß Millerands, in Spa zu bleiben, auf den .Einfluß Lloyd Georges zurückzuführen sein, der erklärt haben soll, daß ein zu schneller Abschluß .der Konferenz van der öffentlichen Meinung und besonders vom--Parlament nicht verstanden würde. Es-müsse, bewiesen werden, daß kein Mittel Unversucht" gelassen worden sei,, die Möglichkeiten der Ausführung der Bestimmungen des Versailler Vertrages zu erörtern. Nach dem „Matin" sollen die Erwägungen einer eventuellen Besetzung des Ruhrgebietes bei beü Verhandlungen eine Rolle spielen'. Es bestehe nämlich die Gefahr, daß sich bei Ausführung dieser Zwangsmaßnahme alle Ber garb eiter der Welt zu einer gemeinsamen Aktiv n vereinigen würden. Dieser Erwägung habe Millerand Raum gegeben und deshalb darauf verzichtet, schon in zwei Tagen nach Paris zurückzukehren. Millerand konferiert mit Simons. Dpa, 13. Juli. (Havas.) Minister Dr. Simon», der den Wunsch geäußert hatte, sich mit dem Mmisterpräsibenttn Millerand zu besprechen, wurde gestern vormittags von diesem empfangen. Milleränb machte sodann in der Sitzung des Obersten Rates von dieser Unterredung Mitteilung. Im Laufe des Meinungsaustausches wurde beschlossen, daß die Führer der Alliierten und der deutschen Delegation zum Zwecke einer Vollsitzung nachmittags zusammenkommen sollen. Im Fortgang der Arbeiten der Konferenz macht sich eine Wendung bemerkbat und es ist möglich,, daß sie in drei bis vier Tagen, vielleicht auch bis Ende der Woche, zum Abschluß geführt werden könneg. Erkrankung Lloyd Georges an der Ruhr. BerU«. 13» Juli. Aus Spa wird drin «Berliner Tageblckst* gemeldet: Lloyd George ist an Ruhr erkrankt. Die Erkrankung ist auf daß schlechte Trinkwasser ist Spa zurückznführen. Die internationale Finanzkonferenz. Parts, 13. Juli. (Havas.) Nach Blättermeldungen aus Spa ist es wahrscheinlich, daß die internationale Finanzkonserenz, die der Völkerbund für den 23. Juli nach Brüssel einberufen hat, auch dann stattfindew wette, falls bis dahin die Verhandlungen, die jedenfalls, nach dem offiziellen Schluß der Konferenz von Spa fortgesetzt werden, noch zu keinem endgültigen Ergebnis geführt haben sollten. Der Kommission, die die deutschen Vorschläge prüfen soll, gehören auch die Botschafter Frankteichs, Englands und Italiens in Berlin an. Der italienische Botschafter ist zu diesem Zwecke eiligst nach Spa abgereist. Die Kommission soll dem „Echo de Paris" zufolge nicht das Recht haben, eine Summe, die Deutschland bezahlen soll, zu geraten. Delitzsch, Dezember 1914. - ... «habe ich nie aufgehört «t betonen, daß weder die inbische, noch die babylonische, ndch die semitische Poesie überhaupt eine Liederlcmiuilang besitze, dir tra poetischer Schönheit vieler Emzeldichiungen. vor allem aber au ernstem Sichver- 's i »1 e» in dt »Rätsel d e S Mensch ein! eb en - und an ergreifender Betätigung lauterster Religiosität auch nur annähernd einen Vergleich mit dem. alttestamenrlicheu Pfalmbuck znlaffes diesem vom stillste« Piano drs m vollakkardigem Fortissimo ayschwelleuden Hohe«liede drsG oit Vertrauens"... «Die Psalmen find jübisch r L i e d er, von und für Angehörige des indischen Volkes?edichtet, über sie sind seit u«u ald zwei Jahrtausende» auch für die ch r istl\cht Kirche d aS geistige Lieverbnch in eminentem Sinne geworden. Mit Recht, insoiern das Christentum seinem Ursprung nach mit dem Jude« tum engst verwachsen ist und die Christenheit fick als das «geistige Israel" auch shrrrs eilS zu dem Gorte bekennt. w»e chn die führenden Gerster Israels in immer reinerer Weise geschaut, alS den einige« Gott aller Völker deS Erdkreises, den Schöpfer und Erhalter des Weltalls, den böchstenGesttzgeberund gerechten Richter der Menschheit." — «Ja. wir verlangen nach rmrm Ziel, daS das menschliche Lebe» allein lebenswen macht und das allein Kraft und Mut, Stille und Freudigkrn zu geben vermag in allen Lagen dieses wcchselvollen Lebens. Dieses Ziel aber heißt Gott, wie die semitischen Völker seit Jahrtausenden in unendlich tiefsinniger Weise Gott El., das heißt dar Ziel, nennen, düS Ziel des suchenden ÄugrS, des hoffenden und betenden Hrr-enS.. .* Delitzsch 1630 (seit 1914 - drnckbereit). «Der gläubige christliche Leser wird sich ja leider vrel zu wenig darüber'klar, daß die schönsten Stellen deS Alten Testamentes f ö r a l l e N t ch tisraelrten gar keine Bedentnng haben." <S. Yi). . «Daß sogenannte »Alte Testament" ,st für die christliche K i rch> e und damst auch für die christliche Familie vollkommen entbehrlich. Es wäre ungleich ratsamer, daß wir »ns von Zeit z« Zeit in die liefen Gedanken versenken würden, dw unsere deutschen Geistes Heroen über Gott und Jenstus und Unsterblichkeit gedacht habe« ... (S. 95.) . . . «wenn wir erkannt haben, daß Jaho lediglich ein G ätz e, Israels fingierter Nationalgott rst — da entpuppen sich alle diese Verheißungen als AnSgeburte« eines überspannten National bewußtieinS.... dos... wach erhalten, ja ins Uugemeffene gesteuert worden ist dnrchdir Hypnotifiernna der Cbrtstenheit, daß Iah» eins sei mit Gott".! S. 8«.) «Iaho steht anfeiner tnü zu tiefen sittlichen Stufe... Dem hebräischen Nationalgott mögen sotchr Untugenden zugefchrieben werden, aber der wahrhafte heil,ge Gott ist darüber rrhabm wie die Sonne über einem schwelenden Lämpchen." (S. 75.) «DaS viel gehörte und gelesene sentimentale Wort, dass daS Judentum «das Heil der Welt" helvorgebrachl. sollte für immer dem geschichtlich ««gleich zw e i felloferen Worte weichen, daßdasJnden' tum daS tzeil der Welt getötet h a t.. .* (S. 94.) «Aber alle diese alttestament. licken Bücher von Genesis bis Daniel haben in religiöser Bezrehirng tür uns Jetztlebenden. insbesondere für un^ Christen, schlechterdingskrineBedentNng. Das gleiche gilt auch für die prophetischen Bücher undP s a l- Men (S. 93) «Ab« ... z,m Teil sehr späte Lichtblicke,... reiche« nicht entfernt dam hin. nm das über das althebräische Schrifttum als vermeimlickeS «Wort GvtteS" zu sprechende Verdrkt zn ändern oderanch nurzumildern." (S.80.) Diese Protzen mögen genügen, um darzutun, wie wenig die Erinnerung an den hinter uns liegenden gemeinsamen Schützengraben veredelnd gewirkt hat. Naumann ist rechtzeitig gestorben. Fragt map sich aber, wie erklärt sich dieser sinnverwirrende Parorysmus des H.aIes, der dem Delitzsch von. ,k 1920 die Feder geführt hat, so gibt Delitzsch selbst die Antwort auf diese Frage. Er beginnt seine erste Betrachtung mit den Worten: „In einer Zeit wie der unserigen, in welcher so viel von der zionistischen Hoffnung auf Rückkehr des „auSerwählten Volkes" in das «gelobte" Land die Rede ist, dürfte der Versuch..., das Interesse weiterer Kreise finden" und hebt S. 46 durch fettesten Sperrdruck hervor: «daß Palästina das rechtmäßige Land Israels und JahoS weder gewesen, noch auch trotz?l-nwendung brutalster Gewalt 'geworden war..Rechnet man den verlorenen Krieg hinzu, so fällt vollends die Maske vom Antlitze dieser „Mffenschaftlichkoit"'. Wie einst die Sumerer den nachstürmenden Semiten weichen mutzten, trotzdem sie selbst die Msbünde aller Tugenden und somit dem deutschen Volke wesensverwandt waren, so liegt der preußische Militarismus (und die engelsreine Schwerindustrie) am Boden, wählend daS «alle Reichtümer der Völker in sich aufnehmende" jüdische Volk sein Recht auf Palästina anerkannt sehen soll. Und haist denn doch zu viel! Darum hetzt Delitzsch: «Auch daS deutsche Volk wird beizeiten sich den Schlaf aus den Augen reiben müssen, um zu erkennen, daß die jüdische Frage vielleicht diejenige von allen Fragen ist, welche die ernsteste Behandlung erheischt. Zu ihrer richtigen Würdigung auf Grund der Geschichte Israels beizutvagrn, ist der Zweck dieses Büchleins" (S. 104). Und noch ein zweites Mal kommt Delitzsch aus den Zweck seiner Publikation zurück und setzt damit der in dieser Tendenzschrift niedergeleyten Selbstcharakteristik die Krone auf.. Man höre: Der «Pro Palästina" überschviebene von Ballod, Cohen (Reutz), Delbrück, Erzberger, Gothein, Fehrenbach, NoSke, Sombart u. a. m. Unterzeichnete Aufruf will dafür werben, daß JtaS jüdische Volk... auf dom alten historischen Boden Palästinas eine nationale Heimstätte jüdischer Kultur und Wirtschaft errichte", und daß eben damit «in der jüdischen Frage gründlich Wandel geschaffen werde". Der zweite vom «Arbeitsausschuß für Volksaufklärung des Bolkskraft-BundeS" Unterzeichnete Aufruf will dem «gegenwärtig im ganzen Vaterland eifrig geschürte«, dem Ansehen deutscher Kultur völlige Vernichtung drohenden Judenhaß entgegenwirken" und wurde auch mir zugesandt, mit der wiederholten Bitte, „als nichtjüdischer Volksgenosse über die Judenfrage zu urteilen". Auch dieser Bitte glaube ich mit der Veröffentlichung devorstehenden Büchleins entsprochen zu haben."!! Gegenüber diesem Streiche — derart kalter grausiger Hohn gegen dar, was ernsten, edlen Männern heiligste Herzenssache ist, brutale Steinwürfe statt der mtt hingehaltener Hand erwarteten fteundlichen Gabe — ist nicht Zurückweisung am Platze, sondern nur — tiefes Mitleid! Ö» deutsche Gelehrtenherrlichkeit, wohin bist du geraten! Dllrch «die große Täuschung" hat ein deutscher Gelehrter Harikiri begangen. DaS ist vor allem um seinetwillen traurig. HoffenMch bloibt aber diese Tragödie der Nachkriegspfychose im deutschen Volke, dessen Genius wir gerne mit Delitzsch trotz alldem für unzerstörbar halten möchten, vereinzelt. Aber sei dem wie auch inuner, Gott, dem Judentume und dem jüdischen Volke mag eS gleich bleiben. «Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet „der Gewissenlosigkeit solch teuflischer Täuschungsbersuche. Prof. Dr. M. Rosenfeld. * Datsche Verlags-Anstalt, Stuttgavt-Berlin 1920,