Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 530 (14.7.1920)
- Date
- 1920-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Vilnius 3× ep/1000947
- Minsk 2× ep/1000754
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Die Entente verlangt für die nächsten sechs Monate zwölf Millionen Tonnen Kohle. Als die Vertreter Deutschlanjds dieses Ausmaß als zu hoch erklärten, wurde ihnen ein - neuerlicher Termin zur endgültigen Antwort ein« geräumt. Der Minister des Aeutzern Dr. «Simons machte klar, paß. der - Zwang einer bürgerlichen Regierung oder einLr fremden Diplomatie auf die Arbeiterschaft', nur das Gegenteil dessen zur Folge Hätte, was beabsichtigt sefi/ Er betonte, daß hie -deutschen Arbeiter den Stillstand der. Industrie befürchten, . wenn vorzeitig allzu grüße; Mengen Kohlen dem deutschen Verbrauch entzogen wüxhem -Wenn zu seinem Bedauern eine. Einigung über.' .die Kohlenfrage im Augenblick nicht möglich lei, so schlage er vor, die Wiedergutmachungskonunission weiter mit dev Festsetzung der notwendigen! Kohlenmengen zu betrauen und es ihr selbst zu überlassen, auf eigene Verantwortung die notwendigen Quantitäten in Deutsch?, land.zu. beschaffen. Ueber die Kriegsentschädigiurg wird, durch die-französische Agence Havas mitgeteilt, die deutsche Delegation, biete die Zahlung einer Pauschalsumme für die Wiedergutmachung von 60 Milliarden ' in.. 50 Jahrs raten an. wap'on 20 Milliarden für den Wiederaufbau', der verwüsteten' Gebiete bestimmt und in natura zu Erstatten wären' Dieses Angebot würde, wenn es angenommen wird,' die deutsche Volkswirtschaft nicht, so arg treffen. „ der Alliierten H Mch':MKftbekgM,.',döch läMMh!^chr^^^dM^bisheriMlWGwils^''choD^ Ä spMWen'.'üüf'.eiHr' StimWntzswechsÄ'MlWejn''^.Vs ' heMcht ein steündlicher, versöhnlicher Toni. 'Der.Grund hiMr!-liegt eben' in der persönlichere Aussprache . der Delegierten. Wenngleich Deutschland durch die EntseMung des sentimentalen Fehrenbäch und des zynischen KHgsgewlNners Gtiünes schwere Fehlhr begangen 'hat, so ' ist . doch das Verhandeln von Mann zu Mann, der Täusch von Rede und . Gegenrede der einzige Weg, von Mißverständnissen zu klaren Ergebnissen zu' kommen. '! B'eschlennigt wird diese Entwicklung durch die.Verhältnisse im Osten, wo die Dinge . bereits für eine WedMsinitiative der Entente reif. geworden sind. 7 Der Zystand, in den Polen durch den JmHrialismus'seiner Erschlichen '.französischen Freuirde, dsirch seine. Nach ., rdchts! orientierte Innenpolitik!imd nicht! zuletzt durch seifte chauvinistische' Sozialdemokratie geraten ist, läßt . sichftvon der Ferne aus nicht genau erkennen.! ' Aber Mn weiß ja, wie Oesterreich im Kriege ausgesehen, hat, irfid kann' sich -aus' den gewundenen' Verlautbarungen, dergeschlagenen Armeeführer ein Bild' von dem Zustand dK' Heeres machen, dessenWiderstandskraft erloschen ist. Die 'Friedensbedülgüngen der Sowjetregierung,' wie sie „Der»Kommunist" veröffentlicht, entsprechen der -militärischen Katastrophe Polens, sind aber doch ein Ausfluß nationalistisch gespannter Tendenzen und lesensichbeiläufig ffo, als waren sie in Brest-Litowsk' von General Hdfmantt verlesen worden. Die Bedingungen besagen nämlich: ' •:V '■ 1: Polen begibt sich aller Rechte ans Wilna, Minsk, Gradno.sowie auf. das Gebiet von: Cholm und auf die ,> Pplesi.e. Ueber . die Zugehörigkeit dieser Gebiete? lyird , . ^owjetrutzlaud auf Grund einer Einigung mit der Bevölkerung entscheiden. ' \ 2. Polen liefert an Sowjetrrchland sein Kriegsi material aus, löst die Armee auf und behält nnr eine /. Bolksmiliz. . > . : . ... •... 3, Polen bezahlt Sowjetrußland dessen Krkegs- ' ausgaben .i« Salz, Jndustrieerzengnissen nnd in Mat schinen. ' 4. Ueber die Regierungsform Polens entscheidet eine . Bottsabstimmung, die längstens binnen einem Jahre nach . FriedenSschluß durchznführen ist. Bis zu dieser Zeit wird r;Mc Staatsgewalt einer Bolksregierüng anvcrtraut, die im ft -Einvernehmen mit den Sowjets gebildet wird. . U 5. Die Sowjetregierung läßt während deS Zeitraums ,., nau. fünf Jahren ihre militärischen Reserven ans polnischem Gebiet. ... . . ' 6. Dir polnischen Kohlen- und Salzbergwerke werden * einer Sowjvtadministratibe untergeordnet als Garantie z dafjjr, dgß Polen wirklich die Entschädigung leistet. - Man muß annehmen, daß diese Bedingungen im Hinblick auf den morgen in Moskan beginnenden Kongreß der dritten Internationale gestellt wurden. Die Durchsqtzimg des dritten Punktes wäre die totale- Aushlmgerung der durch den Krieg .verarmtenvolnischitw min$k von den Russen besetzt. Warschau, 13. Juli.. (Funkspruch.) Frontbericht vom 12. Juli: Südlich Swensjary. lebhafte Ausklärungstätigkeit. Im Gebiet von Molodetschno dauert der hartnäckige Kampf an; unsere Abteilungen widerstehen bis gufs - äußerst-, .so daß die feindlichen Divisionen^-nur Schritt für Mhritt' borrücken können. Nach nächtlichem Kämpfe desetzte der Feind Minsk; unsere Truppen zogen sich in! vollster Ordnung gegen Westen zurück. Südöstlich Minsk wurden die 8. Sowjetdivision und das 6: Infanterieregiment durch unsere Abteilungen fast völligvernichtet. Die Bahnanlagen östlich Dyszenkü wurden von ünserenr 85. Infanterieregiment vorübergehend besetzt. Durch P a n z e r z ü g e unterstützte feindliche Angriffe längs des Pripjetflusses im Gebiet von Petrikowo-Horodys zerschellten am Widerstand unserer Truppen. Westlich «Sarny, bei Mala-Werbeza, wurden feindliche Angriffe zurückgeschlagen' und viel Kriegsgerät erbeutet. Im Gebiet von R ow n o nimmt der! Feind nach seiner Niederlage vom 10. d. M.., eine' zuwartende Haltung ein. Feindliche! Angriffe gegsen D u b n.o wurden abgewiesen. An der Südsront,.! im Gebiet von Winniza. rege Aufklärungstätigkeit. Wilna wird verteidigt. . Warschau,. 13. Juli. (Funkspruch.) Der - Armeegruppenkommandant. von Wilna hat. verlauthart, daß die Stadt -verteidigt werden wir-d und die Dzirger zur Mithilfe allsgerusen. Waffen und Münition seien aus- ' reichend vorhanden,- der Feind werde 'mit Hilfe her 'Bevölkerung zurückgetrieben. wMhen! können.^, Der. Stadt- Hörden -zu ersuchen, ditz. Gesamtbevölkerung dieses. Gebietes zu den Waffen zu rufen. Marsch all Fsch greift er». Basel, 13. Juli. (Privat.) Das „Echo de Paris" meldet aus Warschau: Marschall Foch telegraphierte an den polnischen Truppenkommandanten, daß er den weiteren Berteidigungsplan gegen die bolschewikische'* Armee ausgearbeitet habe. Der Marschall. steht in ■ dauernder funkeutelegraphischer Verbindung mitchsr. mschen Heeresleitung. Die Warschauer Presseageutuk meldet^ daß WaWän ' vorläufig außer Gefahr sei. Die bolsche'wikischen Bor-i truppen stehen noch 125 Kilometer von der Häuptstadt'' entfernt. Trotzdem wird der Verteidigungsring um öle. ' Stadt selbst überaus verstärkt. . . ' Warschau» 13. szlüi. (Prwiü.) Gerttra! Httnhs hiest em»! dreistündige Konferenz mit-General Haller ab.! Gegenständ d!r»!, Beratung bildete die Hilsrlegtung Frankreichs für Polen..!".. /! . Die Gerüchte von dem angeblichen Eintreffen frar^ösischek! - farbiger Truppen in Polen haben ehren Ursprung in'dsr.Tatsache,! daß die letzten fiR Polen bestimmten Transporte.technischer.HllsK' ' . miitel aus Frankreich von den Seuegaltrnppeu eskortiert waien. Aeufiernngen Grabskis. Paris, 13. Juli. (FunHruch.) ^Figaro7! meldet! aus Warschau, daß Ministerpräsident GrabM' de« - dortigen Vertreter des „Figaro" mitgeteilt habe, er habe ' das Gefühl, daß der Waffenstillstand in allernächster Zeit: werde abgeschlossen werden. ' . : Keine Antwort aus Moskau. Amsterdam, 13. Juli. Dir- „Times" melden aus S p a, > daß. bisher keine Antwort auf -a.S von der englischen RegirMN-; am 'Samstag nach Moskau gesandte Telegramm/ betreffenb: einen; Waffmfüllstand zwischen Sowjrtrußland und Polen emtzegäNKen ist. < Eine Föderativ» zwischen Polen und LiLanen? . Krakan, 1-3. ' Juli-.. -.(Privat.) Per,, .KrLlqHchs'.. uKurjer Godzienny" meldet: Polchhat die UnabhängM ' keit - LitüueM anerkannt; und ihm b env Wiln a'tr: Bezirk abgetreten, w ofür Litauen ei» r Bündnis mit Polen sch ließt, welches in weiterer' Folge in ein föderatives Verhältnis^ zwischen den beide»!' Staaten umgewandelt werden wird. Die polnische Behörden und Truppen haben zugunsten Litauens Wilna geräumt. - Me Vermögensabgabe im Ausschuß erledigt. Der Finanz- und Budgetausschutz erledigte in der gestrige« Nachtfitzung die strittigen Punkte der Vorlage der großen VermögensabgLbe. Der Stichtag für die Vermögensabgabe wurde auf den 30. Juni 1920 festgesetzt. Die Aktiengesellschaften können die Vermögensabgabe in Gratisaktien bezahlen. Anm Berichterstatter für die Plenarsitzung der Nationaiversammlung wurde Abgeordneter Dr. Weitzkirchner bestellt. Am Dienstag den 20. d. M. wird sich die Nationalversammlung mit der Vorlage befaffen nnd diese in drei Sitzungen erledige«. Große Unruhen in China. Die Lage ernst und besorgniserregend. London, 13. Juli. (Fuukspruch.) Laut' Pekinger zMeldüirgsn sind 55 Meileü nordwestlich' von Peking /große Unnihen ausgebrochen. Neber die Provinz wurde 'das jStavdrecht verhängt. In Peking herrscht-Panik. -Die- Pekinger Zeitungen sind'-'überzeugt,- daß der dustrie, während die folgenden Punkte bie Bestimmungen des Versailler Gewaltfriedens noch hinter sich lassen, der! wenigstens offiziell fede' Einmengung in die inneren Verhältnisse des geschlagenen Gegners vermeidet. Die Entente muß nun vermitteln. Der Oberste Rpt bat bereits diese Verpflichtung anerkannt und nach einer Pariser Meldung die Basis seiner Aktion in . folgender Art ulnschcieben: Polen soll dem Obersten Rat unter Verzicht auf jeden imperialistischen Plan bedingungslos die Grenzfestsetzung und auch die Entscheidung hinsichtlich Danzigs und Teschens überlassen Die polnischen Truppen , sollen sich auf die Lime Grödno—Br'est-Dit'owsk zurückziehen, die Sowjettrrchpen bis-zu einer Liliie 50 Kilomctc>‘ entfernt davon.vorrückeu. Die Alliierten würden Ausbruch von Feindseligkeiten nur eine Frage rp»M Tagen ist. Die amerikanischen» Behörden haben''die--so-.! fortige Räumung der' Provinz Pantingsu von alten - jainerikanischLn Staatsbürgern ' ungeordnet. 1200 ameri- > kanische Matrossn mit Geschützen sind zur Ausschiffung'? -bereitgekellt' worden. Amerikanische' Kriegsschiffe Haheatt vor Taku Anker '.geworfen. Trotz .°der'.' Ab-leügnüstgeni * chinesischer diplomatischer Kreise sn^d die 'aufstMÄfHOi'. Truppen im Anmarsch' auf die Hauptstadt. - . A - - ' Nach Ansicht Londoner biplomatischer Lkreise istchiou Lage -in China als ernst - und'. .besorg'mserrLgeuy:.^Nrsr-!bezeichnen. Die Unruhen werden auf die'BLstrehungx'N'c -Tuan-Chi-Juis Zurückgeführt, '-fer in der DümdschurLi': zur Macht gelangen will. . Dnan-Chr-Jut' ist:'vv»Xöe-i- ,scheidener 'Herkunft und war . zuletzt' Gouverneur '-der.' , Mandschurei. ____________ '.'! . Die Prager Ministerkrrfe. . Prag, 13. Juli. (Privat.) Das Abendblatt des „Cr§* ■> meldet: Finanzministcr Dr. E n g l i sch und Minister für . Außenhandel Dr. Hotowetz haben heute, mittag^' ihrer Demission überreicht. ) Die Nachricht ist verfrüht, da der Ministerrat' erst um 4 Uhr nachmittags zusammentrat. Jrn Ministerrat-- wurde, auch Bericht.erstattet über die Tätigkeit des Ministers Doktorv Benesch in Spa. - >«»» ,i i wiiim wiwrtl -jedoch Polen unterstützen, falls die Roten Truppen die eigentliche polnische Grenze überschreiten sollten.' Dis Friedenskonferenz soll in London zusamnientreten. An ihr sollen tcklnehmen: Sowjetrußland,' Polen, Fjusiland'^ Litauen und Ostgalrzien, das die Möglichkeit haben'soll,' dos Recht aus UnabWngigkeit geltend-zu machen, ft ' Diese Friedenskonferenz könnte sich natürlich nicht 'auf die Ostfragen allein' beschränken, deren blutige He- -stältnng ja auch eine der Folgen von Versaille ist:- Eine 'Beilegung des polnisch-russischen Streites wäre nur Stückwerk, wenn nicht dasganze wirtschaftliche "und' ttzrritoriale Problem Europas und Borderasiens vonrwuem besprochen und geregelt werden kann. " -