Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-07-13 · Heft 529 (13.7.1920) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 529 (13.7.1920)
Date
1920-07-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979607--04675-2990444
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 Dien, Dienstag -Machen-' -"des.- "Treibens' und' verhaftete mehrere lLcmonftranten.. ' Die Hvrthy-Banditen lassen nicht locker. Budapest, 12. Juli (Ung. Tek.-Korr.°Bur.) Wie seinerzeit gemeldet wurde, hat der Budapests Strafgerichtshof 'sich'in Angelegenheit des ehemaligen Pcäsideutelt /des ' Obersten iStaatsrechnungshoses Doktor Stephan S t r a ntz, gegen welchen die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Verbrechens der-Aufreizung -erhoben ba.tte, inkompetent erklärt mit der Begründung, daß die Angelegenheit vor einen parlamentarischen. Gerichtshof gehöre. . Die Staatsanwaltschaft hat dagegen an die tönigliche Kurie Rekurs erhoben, von welcher.heute die Entscheidung.herablangte,-daß die Auffassung des;Budapester. Strafger-ichtshofeseine irrige-sei und.die Aburteilung'-dieser Angelegenheit, nicht einem parlamentarischen-,.Gerichtshof, sondern dem gewöhnlichen Strafgemcht'Mn'terliege. Auf^Grirnd dieses.Bescheides wird nunmehr die Staatsanwaltschaft gegen-Dri Strauß neuerlich das Verfahren einleiten.- .Budapest, 11.. Juli. (Ung.. Tel.-Korr.-Bm-), Der RAchW^rwewr'hat.den.Richter am Vc rivaltun gsgerichtstzößr-/.Dr^ Älsr.'d Zavadov s k i, zum - Vizepräsidenten dc^ Obersten -Stvätsrechnüngshofes'ernannt und ihn bis ' zur '''gesetzmäßigen Besetzung 'her Präsiöentenstelle mit'';/ber''■Stiiunfj. der'. jPrästdialagenden Letvaut. BelänüLli'ch.,". wurde - der - ehemalige - Vizepräsident des Staatsrechuungshofes, Stephan -Strauß, der währ^rdt d.esst Karloh-Regimeszum-^Präsidenten ernannt worden' war, bolschewikischer Umtriebe beschuldigt und b'esagh'/-W'dinige Tage" in Untersuchungshaft-' bis er schlietztich -pensioniert wurde. .Die' ebenfalls während dtzs -Ka-roktzr-Regimes erfolgte - Ernennung -.des Vizepräsidentm von Balogh wurde vom Mnistervat als ungültig erklärt. < Budapests .12. Juli. (Ung: Tel.fKorr.-Buw) Der ehemalige' ^Oberstabsarzt Dr. H a z a y wurde, wie die Blatter melden, unter. der Beschuldigung, drei Mordtaten (?) begangen zu haben, verhaftet. Telegramme. , Die Botschaft Sir Samuels. London, 12. Juli. (Funkspluch.) Der britische Kommissär für Pcllastma, Herbert Samuel, hat den Notabeln von Jerusalem dir Botschaft des britischen Königs verkündet und die Umrisse der britischen Resierungspolitik skizziert. Krassin «ach London abgereist. Aondqn, 12.. Juli: (Fmrkspkuch.) Krassin istvon Moskau nach.London abgereist». um die Verhandlungen.mit der brikschen Negierung'wieder aufzunehmen. Der russische Wiederaufbau. . fSosfttu, 12. Juli. (Fmüspruchi) Der. industrielle Wiedereusbau Sorpjctrußlands schreitet günstig vorwärts. Die Eisenbahnwerstiätten von Krementschug, die im Jänner täglich sechs Lokomotiven.und fünf Tender wieder herstrllten, sind im Juni aus tirrr-Tatzesleistung. .von 14 Lokomotiven und 14 Tendern gekorMep. ..Die.'Fabriken von Rostow am Don haben fast vollen Fri^rpsbetrieb.. , Italien räumt Albanie«. . Paris, ,.,12. Juli. „Figaro" meldet: Das Abkommen Giolittis mit per cstbanischcn Regierung gehe dahin, daß Italien ganz.Albanien. einschlicßüch .Balonas -räume und sich auf die Besetzung--der Insel.Sasseuo beschränke, die Italien zur Aufrechtrrhalmng der Kontrolle in der^ Adria genüge. Das Abkommen soll.am.Montag, oder Dienstag-veroffeytlicht werden. Wiens? MorgeazeUrrug MitteilmM ms dem Publikum. £ea JfCortt JlHarkus Roth Prag Kaschau empfehlen sich als Verlobte. Prag, im Juli 1920. 3114 OBS ‘f 'AART-fril PERLE»! und JUWELEN raltLsaHGl fl Kl1« kauft teurer als ledar 4ä Va^o, Juwelier, I., Graben Die Änruhen im Orient. Washington, 12.' Juli. (Funksprnch.) Die b r.i tis ch e Besatzung von.B a g.d ad ist' seit drer Tagen durch arabische Truppen von der Außenwelt a b g e s ch n i t t e n. Das Äbstimmuttgsergebuis in Ost- und Westpreutzen. Berlin, 12. Juli. (Wolff.) Das vorläusige Abstimmungsergebnis stellt sich folgendermaßen dar: A) in Westpreußen: 99.360 abgegebene Stimmen, davon 91.634 deutsch, 7682 polnisch, hienach 92% deutsch. 8% polnisch. - B) O st p r e n ß e n: 361.036 abgegebene Stimmen, davon 352.655 deutsch, 7408 polnisch, also 97.9% deutsch, 2.1% Polnisch. . ' ' Berlin. 12. Juli. (Wolfs.) Nach dem amtlichen Ergebnis wurden in Westpreußen für Deutschland 96.889 Stimmen abgegeben, für Polen 7975, zusammen 104.866 Stimmen. Für Deutschland stimmst» 92.4%, für Polen 7,6%. 13. Juli 1920, Nr. 529 . Hie Forderunge« der öffentliche» A»,efte«te». - Die paritätische Lohn kommt ssion der öffentlich«! Angestellten hielt gestern nachmittags im Partameri eine Sitzung ab, in der die Frage der Regelung h« Urlaube und die Bezahlung der Ueberstunden beratei wurde. Wie verlautet, ist die Regierung geneigt die Ueberstunden je nach der Beamtenkategorie mit l bis 20 Prozent zu entlohnen, doch findet diese Regelung bei den Bearnienvertretern keinen Anklang, -bi esne derartige Bezahlung der Ueberstunden den tat sächlichen Tages- und Stundenlöhnen der öffentliche, Angestellten nicht entsprechen würde. Im Lause de, Beratung verlangten die Vertreter der Landesangestellten, daß sämtliche Gehalte und Gebühren de, öffentlichen Angestellten u m 10 0 P r o z e u t e r h ö h! werden. Die Bewilligung dieser Forderung würde etwi 5 Milliarden erfordern. Die in der Gewerkschaft^ kommission vertretenen Angestelltenverbande begnüg te n sich jedoch gemäß einem Anträge des Abgeordneter Zelenka miteiner entsprechenden Erhöhung der gleitenden Zulagen^ die einen Jahresautzvand von 2,2 Milliarden notwendig machen würde. Ihr Wortführer, Abgeordneter Zelenka, verlangte, daß hie Regierung dahin wirke, daß noch die konstituierende Nationalversammlung die Besoldungsreform der öffentlichen Angestellten erledige. Einen weiteren Gegenstand der Beratung bildete die- Einteilung in die Ortszulagenklassen. Abgeordneter Zelenka nahm hiebei gegev die vom Staatsamte der Finanzen geübte Praxis, di« sich über die diesbezüglichen Beschlüsse der paritätische* Lohnkommission hinwegsetze, Stellung. - Die Negierung wird, wie verlautet, zu den Forderungen der öffentlichen Angestellten bis Montag t«u 19. Juli Stellung zu nehmen haben. Tagesbericht. Die Lohnbewegungen. Bei den städtischen Beamten. Wie die städtischen Beamten mitteilen, find die Verhandlungen bezüglich der Lohnforderungen,, die die städtischen Beamten zur. Befriedigung des dringendsten Lebensbedarfts gestellt haben, jäh abgebrochen worden. Infolgedessen haben die städtischen Beamten den Beschluß gefaßt',' 'Ws. die Hesprechnngeü nicht wieder ausgenommenwerden, ' respektive bis Dienstag 12 Uhr nachts zu keinem günstigen Ergebnis führen sollten,, am Mittwoch 12 Uhr nachts in den Streik zu treten. Dieser Streik, der nach Mitteilung der Beamten einen Verzweislutigsbeschluß der hungernden Familienväter^ dar-stellt, würde natürlich die Betriebe der städtischen Gas- und ElektriziMtswerke,' der> Straßenbahn, des Brauhauses, der Leichenbestattung, kurz der wichtigsten kommunalen Unternehmungen in höchste Gefahr bringen. Mitteilungen aus dem Nathause. "Von einer.maßgebenden Persönlichkeit im Rathause wird zu den Forderungen der Angestellten der städtischen Unternehmungen mitgeteilt, daß diese Forderungen ungefähr ' 1Ö0 Millionen Kronen ausmachen. Es' "bestehe t ci i.n e, 'Möglichkeit, sie zu erfüllen. Man erwarte vielmehr von den Beamten, daß sie die Unternehmungen, von denen sie ja leben, auch sogar ans Kosten eigener Entbehrungen nicht unmöglich machen. Keine passive Resistenz der stadttschen Beamten. Gestern waren Gerüchte, verbreiiel, daß die Beamten des Rathauses angesichts der Schwierigkeiten, die sich ihren Gehattsforderungen entgegenstellen, mit einer passiven Resistenz eingesetzt haben-. Diese Gerüchte entbehren jeder. Grundlage. , Der Lohnkampf der Landarbeiter. Der österreichische land- und forstwirtschaftlich- Zentralarbeitgeberverband nahm in einer Dersaminluno Stellung zu den Lohnforderungen und Beschlüssen der letzten Vertrauensmännerversammlung des Verbandes der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter, mit welchen die Beschlagnahnie der Ernte angekündigt wird. Nach eingehender Debatte wurde ein Beschluß gefaßt, in dem erklärt wird, daß die für alle Loüngebiete in Aussicht gestellte 20prozentige Erhöhung der Barlöhne das äußerste Maß eines Zugeständnisses darstellt. Der Zentralarbeitgeberverband ist der Ueberzeugung, daß die Negierung einer ungesetzlichen/ Handlung, -zu welcher die Verwirklichung her lebten Beschlüsseder Vertrausnsmännerversammlung Anlaß gibt,. mit -allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten'muß und wird. Rur in dem Falle, als in Bezug auf Getreideverkehr und Preisbildung solche Boraussetzunge-n eintreten, welche die am 26. Juni der Regie-' rung vorgelegten Bilanzen günstiger gestalten würden, erklärt sich der Zentralverband bereit, mit der Regikrung wegen Redigierung des bestehenden Lohn- und Arbeitsvertrages in Unterhandlung zu treten. , Bevölkerungssiatistik in der Tschecho-Slowaker. Nach der ersten Nummer des „Ctaüstschen Anzeigers" mißt die Tjchecho-slowakische Republik 142.575 Ouadratkllemeter nnt 13,811.655 Einwohnern (nach der Volkszählung vom 31. Dezember 1910). Hievon sind 6,715.892 » « t t (daS ist 48,6%) mtb 7,095.763 Frauen (daS ist 51.4%). Nach der llmgaugsspra-e waren: 6,291.237 Tschechen (das ist 45.55%), 3,828.974 Deutsche (daS ist 27.72%), 1.762.799 Slowaken (daS fft 12.76%>. 1.071.578 Magyaren ldas ist 7.76°/t>), 432.929 Ruthenrn (das ist s.14%> 277.792 Palen (das ist 3.01%), 145.346 andere (das ist 1.96%). 7 Beethoven. .. . Von Jeno Moha c s i.. U.Wjedermanns Herzen wacht eine alte Trailrig-?elt,.i7ln.w.ergesicner Traum, eine fahl gewordene Freude.. Wohiumführt uns das entflammte. Äuge, wenn, wir Töne entWuinmerter Gesänge, hören? - - Also -isr es auf der dritten Sette eines -seltsamen Buches-.--zu--7 lesen,'- das ich dem Verständnis'der Lesernähev-bringen möchte. Es ist ein kleines Werk'des ungarischen Schriftstellers Bela Revesz,' vor.kurzem im Verlage-'Ä-urt Wolfs (Sammlung: - Der jüngste Tag) rndnr.ieu. Tiefe Phantasie ist mir seit Jahren vertraut, ich imöc sie mehreremale wie ein Andachtsbuch gelesen. 'Veethvnen:' der Titel ist anmaßend. Aber der k?amc des größten deutschen Tondichters blinkt^nur ein rinzig'ös'-Mal in''diesem-Werke auf: eben auf dem Lntelblütt." Nur in den Seiten der kleinen Dichtung xcistet etwas mit Beethovens künstlerischem Wesen Verwandtes, ein Chaos'wirbelt darin, aus dem eine neue, harmonische^ Wett-geboren wird. Ter Dichter sitzt an den Ufern des Gardasees in ker -Fabrüärfonne, aas'der Terrasse des weißgetünchten Ileinew'Hotels^"-Um ihn herum rauscht oder flüstert das Leben,'', er weiß es nicht,' denn der Dichter ist taub. "Er ist taub "wie Beethoven.' Seine Augen trinken die Schönheit'der Berge, seine Haut.saugt den S.onnencilast.auf, der Dichter sitzt vereinsamt unter den Menschen nnd'horchk irr sich hinein, er verbirgt'vor der Außenwelt hie Schmach des Taubseins unter der Larve des Lächelns. Uuh Herr verschlossenen Ohren erklingen die Töne cutschlruirmMerstGesänge. Es sind die GMtzLe ßeipec Kindheit. Es toar einmal vor Sonnenuntergang auf der Schloßtreppe in der kleinen Donaustadt, in welcher der Fürstprimäs von "Ungarn,. der , höchste Kirchenherr, thront. Ein GloLenspiel trillert, die Glocken der vielen kleinen. Kirchen singen. In die harfenbeschwingte Stille klingt, tönt die große Glocke der Basilika. Und wieder: Plötzlich erinnert, er . sich des kleinen jüdischen Tempels, in dessen . Chor erhebräisch sang und der Dichter weint seiner Stimme 'nach:-Wie war meine Stimme? . Nun ist er wieder in der - Gegenwart,' die Leute lachen um ihn - herum, er' sieht' es. ' Warum lachen die ^eute? ' Und' der Dichter,' um . nicht aufzufallen, - zwingt sich ' krampfhaft die schmerzhaften Grimassen des Lachens auf« - - - -- *• Vor seinen iutnflorten Augen sieht, er gröhlend . einen Buckligen'tänzeln,' der seinen Leibesfehler - zu verbergen sucht, indem er an seinen Kleidern herumzerrt. Und der Tagtraum aller von der Natur Geschlagenen überfällt den Dichter: , „O,i wenn,Mer Mensch bucklig wäre!" . . . Wie oft erhebt sich in des Buckligen umengter, verwaister Einsamkeit dieses Phantom:) Der Mensch-würde so geboren, auf dyr Bryst ein . Buckel, auf dem Rücken ein Buckel, wäre. jches' ..'llWss^u.' .Hals,' kurz, zwischen Körper und Kopf. vom .MMß^fel abgegrenzt?, Jeder Mensch wäreso, und der BucklrK könnte auf: den lenzlichen -Str.aßen promenieren wie die übrigen' Menschen/könnte unter den Menschen sitzen wie die übrigen Menschen, stünde vor dem Chef wie die übrigen Menschen, badete auf dem Lido wie die übrigen Menschen . . . Und der Hinkende? . . . Der Hinkende? . . . Ob wohl auch auf dem gehupften LebenMud mitunter der spielerische Traum aufgeht? ... Gott schuf deu Menschen . . . Wenn Gott es so machte, daß bei jedem Menschen das eiue Bein kürzer wäre als das andere? Und jeder hinkte? Ich eile quf der «Straße dahin und auf der Straße hinkt jedermann? Die Soldaten hinken, die Buchhalter hinken? Um die große, blonde Frau, herum hinkten alle Männer? Niemand spielte Fußball, niemand liefe Schlittschuhe, niemand spränge auf die Elektrische? ... Wenn jedermann klein ivüre? ... Und der Blinde? Der bloß die schwarzen Schleier löst und niemals den Lichtvorhang erreicht?^... Und die übrigen? ..." Plötzlich überkommt den Dichter das Wissen um seine Geburt. Heute ist sein Geburtstag und mit einer Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit von Gottesgnaden fühlt er diese Nacht, die Nacht seiner Geburt, ja, er fühlt noch weiter zurück, als er noch vor seinem Menschwerden unter dem Herzen der Mutter lebte. Eine wunderbare Klarheit kommt hier in diese Dichtung, die nicht beweisbare Selbstverständlichkeit von überirdischen Dingen. Jugenderinnerungen, die dumpfe Lust im Baterhause, die traurige und in der Erinnerung dennoch so wuMpbore Jugend eines ungarischen JudenjMgen. Kein Werdegang: die Phantasie eines tauben Dichter:« * Ich will hier nur kurz von Bela Revesz Werdegang berichten. Er ist der einzige bedeutende sozialistische Dichter, den Ungarn besitzt. Aber er ist es 'ganz ohne jede Tendenz. Er wurde es durch seine Stofswähl und vielleicht durch die Auerkmnuma leiucr Ge.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.