Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 524 (8.7.1920)
- Date
- 1920-07-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•SfmäV^ - 3*524 TWrn, Domwrstag ha t'' :! / 'V' f SW»,: 6. Juki. (Havas.) 'Nach Schluß der Nachnnttagssi-tzung der Konferenz wurde folgendes Eom- «iuniquee veröffentlicht: Die Konferenz befaßte sich mit der Frage der Durchführung der militärischen, Marine- und Luftschiffahrtsklauseln des Versailler Vertrages. Der ' deutsche Reichswehrminister wies auf die wirtschaftliche <Äage - DeutMstachs hin, um die Verzögerung in der Durchführung dieser Klauseln zu rechtfertigen. Er be- Mchnets es «!s unmöglich, die Effektivbestände rasch Dela c c o.t x und L l o y d Ge o r g e betonten die Notwendigkeit,^ daß von seiten der deutschen Regierung bestimmte und naheliegende Zeitpunkte für die Erfüllung dir Verpflichtungen angegeben werden, wenn sie aufrichtig den Frieden sichern und Vertrauen einflößen, »volle. Lloyd George ersuchte die deutschen Delegierten, : genaue Daten mitzuteilen. Nächste Sitzung morgen. Franzüfische Berichte über die deutschen Gegenvorschläge. Paris/ 7. Juli. (Korr.-Bur.) Der Berichterstatter des „Petit Journal" in Spa erfährt folgende Einzelheiten über die deutschen Gegenvorschläge in der Reparationsfrage:.Die Regierung Fehrenbach hat gegen den englischffanzösischen Vorschlag über eine internationale Anleihe verschiedene Emwande zu erheben: Zunächst befürchtet sie, daß die Sicherheiten, die man von Deutschland verlangt, .nämlich die Kontrolle des Zollwesens und der industriellen Produktion: eine/Einschränkung. der Souveränität zur Folge hatten. /Psntschland wolle, nicht in die Lage kommen, > in der sich die Türkei seit der Emission der ottomanischen Staatsschuld befunden habe. Weiters habe Deutschland nicht ein unmittelbares Bedürfnis nach Geld, und die Negierung balte eine Politik, die neue finanzielle Verpflichtungen schaffe, für gefährlich. Auch in der Roh- , stöff- und in der, Lebensmittelfrage müsse Deutschland die Politik der Einschränkung auf das unbedingt Notwendige fortsetzen,. Aer -deutsche Gegenvorschlag, der vom Minister Dr. Simons äusgehi, lautet dahin, das Deutschland die Wiedergütntachungsschuld wenigstens teilweise und für hen Anfcckg mit seinem einzigen wirklichem Besitze, nämlich -seiner 'Arbeit, abzutragen wünsche. Deutschland würde sich verpflichten, in einem Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren die zerstörten Gebiete vollständig wiederberzustellen. Diese gewaltige Aufgabe würde von deutscher Wiener MprOE«r«ttm»K Seite durch die industriellen Körperschaften ' berbürgt die gegenwärtig parallel zur Organisation der deutschen Arbeitskammer bedildet werden. Die deutschen Organisatioen müßten mit den französischen Jndustriegruppen an dein Wiederaufbau zusammenarbeiten.. Englische Stimme» Aber den Standpunkt der Enteyte Haag.. 7. Juli.. (Tel^-Komp.) „Daily Ehroniete" sagt, daß das Verhalten der deutschen Delegierten für die Alliierten eine allgemeine Uebcvraschung gewesen sei. Ueberall ist man vollkommen damit einverstanden, daß Lloyd George.mit fester Entschlossenheit drn Deutschen den. Standpunkt, der Alliierten klarlegte. Der gestrige Tag muß den deutschen Kanzler und ganz Deutschland davon. überzeugen, daß die Alliierten keineswegs gesomren sind, sich von den Deutschen Vorschriften über die Methoden zur Ausführung des Vertrages machen zu .lassen. Wenn der Kanzler und seine Kollegen dies au§ der gestrigen Sitzung gelernt haben,, sei der Tag nicht verloren. '; Nur die Richtlinie« ... Spa, 7. '-Juli.' Eine maßgebende französische Persönlichkeit erklärte einem Vertreter der Agenoe Havas, es habe den Anschein, als ob auf der Konferenz in Spa nur die großen Richtlinien zur Lösung der Probleme aufgestellt würden' die einzelnen Fragen kämen, später zur Erledigung. Die Deutschen sähen nunmehr ein, daß sie keine Winkelzüge mehr machen könnten angesichts der geschlossenen Haltung der Alliierten zugunflen der Erfüllung des Friedö^svertrages. Spa, 7, Juli. (Havas.) Der französische Amanzminister Marsal ist hier eingetrofsen. Spa, 7. Juli. (Havas.) Der Vorsitzende der Konferenz, D e lä c r o i x, erklärte, die Frage, von Danzig solle nicht vor den Deutschen zur Sprache kommen, sondern lediglich unter den' Alliierten besprochen werden. Spa.^ 7. Juli. (Havas.) Um 11 Uhr vormittags traten die Vertreter der Alliierten zusammen, um die Antwort auf auf die Einwände der türkischen Delegation gegen die Friedensbedingungen der Alliierten zu prüfen. Die Finanzsachverständigen hielten ebenfalls eine Besprechung ad. ' » ' Die deutschen Minister berieten heute mit dem Reichskanzler über den endgültigen Plan, der den Alliierten unterbrditer werden soll. 8. Juli 1920 6efe3 Der Boykott gegen Angarn. DernnKMeifche Boykott dauert fort. Amsterdam, 6. Juli. (Korr.-Bur.) In der am L d. M. abgehaltenen Sitzung des Bureaus des Internationalen Gewerkschaftsbundes wurde der Bericht des Sekretärs hes'Blindes über die in. Wien wegen. Beilegung des Boykotts gegen Ungarn geführten Besprechungen gutgeheitzen. .Es wurde beschlossen/den Boykott ungeschwächt foirtzusetzek und wegen seiner Verschärfung mit den in Frage kommenden Organisationen in Verbindung zu treten. * Ä«S dem Martyrium der ungarischen Juden.' Ein aus,Sorokfar bei Budapest geflüchteter Advokat teilt über, seine Erlebnisse folgendes mit: In der Rächt vom-1. auf-den 3. Mai drangen um 1 Uhr etwa acht Offiziere .in' meine Wohnung ein, rissen mich aus dem Bett und 'schlügen eine halbe Stunde lang vor meiner Tochter upd meinen Bediensteten auf mich ein. Sie forderten-schließlich, meine Nqmenstafel müsse verschwinden-,'die Advokatur müsse ich niederlegen und dann zum Teufel gehen. Der Grund hiefiir war nur meine jüdische Abkunft. Von mir aus gingen sie in die Wohnung erstes. äüA dem rumänischen Gebiet geflüchteten Lehrers. Ho l l o s,. den sie ebenfalls vor seiner Familie mißhandelten. Dann wurde der Advokat Dr: Arnold F ö l d e s. Generaldirektor der Sparkasse, geweckt und erhielt das strenge Vefbot, die.Advokatur weiter zu betreiben und die Sparkasse-zu betreten. Die gleiche Behandlung erfubr her Generaldirektor einer anderen Bank, Heinrich G dtte s-'m a n n. -der. ein flegelhaftes Plakat der „Erwachendcn'Magyaren" von seinem Hanse hatte entfernen . lassen./Der Kaufmann Isidor M n n.k und seine erwachsene Tochter wurden aus dem Bett gerissen und ge- .prügelt. Her Seiler Markus Kohn. ein nervenkranker Möstst, dest ans.Jugoslawien nach Soroksar gekommen war, - um.Mine Tochter abzuholen, wurde ohne Grund in das GemeindegefLngnis gebracht und dort von Soldaten d.i-6' st a Uze N a ch t hindurch so m i ß h a n d e.l t, daß feilt Geschrei straßenweit zu hören war. Das alles ge- . Häh in einereinzigen Nacht. In der folgenden Nacht -stürmten Soldaten der Nationalarmee die Läden der Kstufleutst'Josef.Feith, Martin F.eith und Moritz Lei b l und. plünderten sie ans. Sämtlichen Juden Wurden die Fenster eingeschlagen. Ich selbst verließ am folgenden Lag den Ort und ging nach Budapest. Als ich erfuhr, daß; ich auch hier von den Offizieren gefncht werde, zog ich nach Preßburg. Meiner Wohnung samt Einrichtung bemächtigte sich ein Hauptmann der Nationalarmee, der sich mit'Frau. und Kindern dort brystmacht. ..Hchirr mist. sind, stoch mehrere andere, jüdische Familie" LMMeL. Die Bersammlungsfreiheit in Budapest. .Az Eft" meldet: Aus Aulaß per bevorftehenden Budapester GrmrinderatS-.wahl yrranstaltete die. national-demokratische Burgerpartri Soyntavormittags eine Wahlversammlung, di^ von Mitgliedern der ,Erwachenden Magyaren" gesprm.u wurde. iZahlreiche Teilnehmer der Versammlung wurden schwer v-ruriigelt. Fusion-bestrebnngen der ungarische« Parteien. ' Budapest, ' 7. Juli. Mng. Trl.-Korr.-Bur.) Dis drei großen Gruppen der Nationalversammlung, und zwar die Partrr der kleinen Landwirte, die christlichnationale Vereinigung und die Dissidenten haben einengeres Komitee zur Feststellung eines gemeinsamen Programms gebildet Auf Grund dieses Programms der drei.Parteien soll ein engeres Zusammenwirken derselben behufs Unterstützung der neuen Regierung herbeigesührt werden. Das Aktionsprogramm umfaßt nach Blättermeldungen f-olgende Punkte: Sicherung der Rechtsordnung. Regelung der Finanzsragen, Bcsitzresorm. Lösung der Judenfrage, soziale Gesetzgebung. Lösung der Beamtenfrage, Wahlresorm. Das . hierauf bezügliche Elaborat wird im Lauf» des heutigen'Tages einer interparteilickM' Konferenz sowie dem Plenum der erwähnten Parteien vorgelegt werden. Gleichzeitig wird das Elaborat dem Reichsverweser übergeben werden.! ' . - - Grn Versuch zur Ehrenrettung HolofshS. Die „Union der auswärtigen Korrespondenten" hielt vorgestern ihre Generalversammlung ab, in welcher der Vorsitzende Leopold Mandl, Holossys Freund, dessen Affäre zur Sprache brachte. Im Verlauf der Debatte erklärte ein ungarischer Journalist, er müsse es als Christ als eine Schande bezeichnen, daß sich irgendjemand noch für Holossy einsetze. Die Versammlung faßte den sonderbaren Beschluß, die Angelegenheit einem Ehrengericht zu übergeben, das aus dem Abgeordneten S e i p e l. dem Rechtsanwalt Dr. H a r p n e r. und;dem gewesenen Leiter des Presfedepartements des Auswärtigen Amtes,.Sektionschef Jettel. besteht. Es werden also Nichtjournalisten mit einer journalistischen Angelegenheit befaßt. Da es sich herausgestellt hat, daß Holossy Mitglied der Union ist, so ist es auch möglich, daß er der. „Organisation der Wiener Presse" angehört. Wir möchten die Leitung. der Organisation öffentlich fragen, ob dies der Fall ist. Sollte dies zutreffen, dann müßte in weiterer Folge die Frage gestellt werden, weshalb die „Organisation der Wiener Presse" zu der skandalösen Affäre dieses Spitzels, der in der gewissenlosesten Werse mit J Hilfe eines gefälschten Interviews einen 66jährigen Mann in den Kerker gebracht hat, bis heute geschwiegen hat? Wir wartey An ustsere p l.^Abonnenten! Der heutigen Postauflage nach Pole« und bet; Tschecho-Slowaker liegen Posterlagscheme bei. Wir bitten unsere p. t. Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände find, die Bezugsgebühren sofort eiuzu» zahlen, damit in der Zustellung' des Blattes kernt Unterbrechung eintrete. Diejenigen unserer Bezieher,! die die Gebühren bereits entrichtet haben, wollen dem Erlagschein zur Werbung neuer Abonnenten benützen.! Wir bitten die neuen, ab 1. Juli geltende»' Bezugspreise genauest zu beachten. » ‘-f Fit» Wie« (rum Abholen m dm Trosike» »der per Post) . ... . «r. 30.— FS» »ie Sstttreichische Provmz . Kr. 30.— „qg ,*V' " FS» die Tschecho^Stowakei . . . Kö. 13.— »» H »» F»r J«goslawien . . . . Dinar 6.— „ f' „ Für Palen. . . . . pol«. Mark 30.— w U „ , Für Dentschland ...... . Mark 10.— »» " »» Für die Schweiz . . . . ^Franke« 3.— „ », A««ü«ien . . . . . . . ... . Lei 10.— „ „ Weltpastverei« ......... Kr. 45.— .» „ Die Administration der^»Wiener Margenzeitn»-". TelegMune. Die Botschafterüonferettz. Paris, 6. Juli. (H'avas.) Die BotschafterkonferenH setzte den 16. Juli für den Austa'usch der kntionen des Friedensvortrages von Saint^-Germni« fest^ Der Präsident der Botschasterkonferenz" sandte au^ die Präsidenten der tschecho-slowälischen und der pvlni»: 'chen Abordnung ein Schreiben, worin er mitteilt, bofjjg mit Rücksicht auf den von einer der beteiligten Kar teien gegep einen Schiedsspruchs in der Teschener Fra erhobenen Widerspruch man auß^die Durchführung ein Plebiszits ^urückgekommen sei. \ y rj sä > Die italienisch - südslawische« Derhandlmrsen Belgrad, 6. Juli. Das Südslawische PreWureau meldet aus Paris: In politischest Pariser Kreisen'wÄ mit Sicherheit angenommen, daß die jugoflatoisthe Re^ gierung ihren Delegierten weitgehende Instruktion!^" erteilt habe, um neue direkte Verharcklnngen mit Jtali führen zu können. Die Verhandlrmgen sollen e\ beginnen und italienischerseits vom' Grafen Wo.stz jugoslawischerseits vom Minister Tr>uwbix werden.. - - ' 1 ■ A j 1 'i'J'v Die Ursachen der Abreise Kraftdr». London, 7. Juli. (Tel.-Konip.) Der MWch'L cespondent der „Morningpost" gerichtet, daß die Ar-Ä .fache der. Abreise Krassins nach Mossau darin daß ec bei seinen- Vorgesetzten in Ungnade gestrllsr seiÄ weil er sich seit seiner Ankunft in Euochmd K» schrk a»i> sein Versprechen gehalten Hobe, während feines duner AüfsnthaÜes reine bolschewikifche ^pagaada zch treiben.. Auch glaubt man, daß er bei den NerhawdHch-! gen zu gemäßigt war. Es ist möglich, aus Moskau ein treffen tvird. Sicher sei. jedoch,. dNW Krassin nicht mehr nach London zurÄckkehnm whcd.^ Der Krieg gegen die türkische« Natisnalifte»«» St«*»«, 7k Juli. (K»rr.-B»r.) Rach emer^MÄdm,- drq „Time-" aus Konstantiyopel hoben. >« türkisch« Ratzonaliftiaj am 5. d M. beim An-rist auf BeikoS die Lebm-mittawag plündert und sich rcst nach dem Eintresien ariechischer Mlungen znrückgezygku. Weitere Mck»ungrn besag», dich, trirche« a« e.l.M. B r »ss a ja besetzen htff«, »»^ ationalchen düse Stadt geräumt habe». Der Brünner Staatsvertrag ange«om«e»^ Prag, 7. Juli. Der ständige Ausschuß der. National versammlüng verhandelte heute den Entwurf, betreffenby den Brünner Sbaaftvettrpg zwischen-Oesterreich .und der^ Tschechö-Slöwakei. Nach längerer' Tiebätte über die Kom-<j peteuz des Ausschusses für die Behandlung des Gesetz-? entwurfes wurde in die meritorische Besprechung singe-? gangen. Zum Berichterstatter für das Haus wurde Ab^. geordneter Markovic bestimmt. . \ Berichterstatter Dr. Soukup sagte: Durch diese«. Vertrag sollen die Differenzen und Unstimmigkeiten 6e*i festigt werden, welche inr Friedensvertrqg enthalten find^ Es ist unbedingt notwendig, den Vertrag in der kürzesten-' Zeit durchzuberaten. - t Bei der Abstimmung genehmigte der Ausschuß mit; Dreikünftslmehrhest, dgß die Nationalversammlung de^ tschecho-slowakischrn Republik beschließe: Der am' |7. HE 1920 in Brünn zwischen der ifchecho-flowakischen Re-! public und der Republik Oesterreich über die S ta a.ts-> b ü r g e r.s ch a f t und den M i n d e r h e i t sschu Mab-! geschlossenen Vertrag wird genehmigt.. Verurteilte tschecho-slorvakische Spione. Leipzig, 7. Juli. Der zweste Strafsenat des Reich?-' gerichtes verhandelte heute gegen zwei tschecho-slowakischs Spione, den Gärtner Josef Hartl und den Jngemeust Robert Hromatka., Beide hatten versucht, sich Nach-I richten über den östlichen Grenzschutz, über Pulver* fabrikation usw. zu verschaffen. Hartl hat außerdem iny August11519 beim österreichischen Konsul in Berlin drei! Aktenbündel mit Nqturalisationsuckunden gestohlen^ während Hromatka sich noch des Vergehens gegen § 65 des Spionagegesetzes und der schweren Urkunden^ Fälschung schuldig gemacht hat. Hartl wmche jiti and erthalb Jahren, Hromatka zu rLL^LMnLM.^UuMst». />v!