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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-06 · Heft 522 (6.7.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 522 (6.7.1920)
Date
1920-07-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Dienstag sich mit den bekanntesten jüdischen Hilfsorganisationen in Rußland in Verbindung gesetzt, welche sich in der letztes Zeit zu einem „Vereinigten Komitee der jüdischen sozialen Organisationen" verbunden hatten. Dieses vereinigte Komitee übernahm die Verteilung der Hilfssendungen. In den nächsten Tagen geht über Reval'die erste Hilfssendung für die jüdischen Pogromopfec in dcc-Ukrame ab. An dieser Sendung beteiligt sich auch das Mierican Joint Distribution Committee mit Waren im Aexte von 25.000 Dollar. Inland. Instruktion -er Aborenzurrgskommisfion. Ter Negierung ist in den letzten Tagen vom Generalsekretariat der Friedenskonferenz eine Instruktion für die im Staatsvertrag von Saint-Germain zur Feststelluug der neuen Staatsgrenzen vorgesehenen Abgrenzungskommissionen zugekommen. Diese Instruktion enthält eilte Reihe von Bestimmungen, die zum Teil über den Wortlaut des Stäatsvertrages binauszugehen scheinen und im Falle ' ihrer strengen Durchführung eine Beschränkung der der Abgrenzungskommission eingeräumten Beftlgnisse zur Folge haben könnten. Da gerade Oesterreich mit Rücksicht auf die an sich schon so ungünstigen Bestimmungen des Staatsvertrages an einer vom Geiste-des Wohlwollens beseelten, den Existenzbedü müssen des 'Staates und der Länder Rechnung tragenden Durchführung der Grenzregelung auf das lebhafteste interessiert ist, hat es die'Regierung als ihre Pflicht erachtet, unter-Hinweis auf die fiir uns auf dem Spiele stehenden wichtigen wirtschaftlichen und allgemein-staatlichen Lebensfragen' gegen diese Bestimmungen in Paris Vorstellungen zu erheben. Gleichzeitig hat die Regierung btcfeu Anlaß 'dazu benützt, um die Aufmerksamkeit des Obersten Rotes neuerlich darauf zu lenken, daß die in der Begleitnote zum ungarischen Friedensvertrag vorgesehene Möglichkeit eines Appells an den Rat des Völkerbundes im Wege der zuständigen GrenzkoMinission -zur--Beseitigung van Ungerechtigkeiten der Grenzführung in ethnographischer oder wirtschaftlicher Hinsicht billigerweise auch den zur Festsetzung der österreichischen Grenzen berufenen Kommission gewährleistet werden müßte. Eine rein christlichsoziale Larrdesreqierrrna. Aus Innsbruck wird gemeldet: An Stelle des zurückgetretenen sozialdemokratischen Landeshauptmannitellvertreters Preiß wurde Dechant Fink gewählt, so daß die Vorarlberger Landesregierung nunmehr ausschließlich aus Christlichsozialen besteht. Landeshauptmann Dr. En der sprach dem Abgeordneten Preiß den Tank und die Anerkennung für seine Tätigkeit als Landeshauptmannstellvertreter aus. Der Arrstaufch der Deposits« mit der Tfchecho« Slowakei. Wien, 4 .Juli. Das „Prager Tagblatt" meldet: Da die mit der österreichischen Regierung bezüglich des. Austausches der Depositen schwebenden Verhandlungen sich in die Länge ziehen, hat das Finanzministerium eine Note nach Wien gesandt, worin eine Beschleungung der Verhandlungen gefordert wird. Die Regierung soll entschlossen sein, gegebenenfalls die Reparationskommission um ihre Intervention zu ersuchen. Wie wir dazu erfahren, hat sich diese Note mit einer Note des österreichischen Staatsamtes für Finanzen gekreuzt, die einen analogen Inhalt hatte und nach Prag abgewndet worden ist. Telegramme. Die Einsetzung eines Verteidigungsrates i« Dolen. Krakau, ö. Juli. ÜReldung der „Poln. Stimmen".) Tcr Beschluß des Landtages, auf Grund dessen ein mit sehr weitgeh-nden Vollmachten ausgcstatteter Verteidigungsrat ins Leben gerufen wirb, bildet den Gegenstand eingehender Erörterungen in der gesamten polnischen Presse. Allgemein wird betont, dajz die militärische Lage zwar ernst und schwierig, aber durchaus nicht so katastrophal sei, wie sie von der bolschewikischen Organen und von einem Teil der Auslandspresse dargestellt wird. Die Meldungen über angebliche entscheidende Niederlagen der polnischen Armee und über eine „Panikstimmung" in der Zivilbevölkerung sind einfach aus der Luft gegriffen. Die polnische Hauptfront an der Beresina ist intakt und unerschüttert und wehrt mit helbendafter Ausdauer alle.von numerisch noch so überlegenen Kräften geführten russischen Angriffe ab und was die ukrainische Front anlangt, so versichern die maßgebenden militärischen Kreis», daß eine allzu pessimistische tzluffassung der Lage durchaus deplaciert wäre. Es. besteht begründete Hoffnung, ja die größte Wahrscheinlichkett, baß auch an der Südfront in Bälde eine Wendung des Kriegsglücks zugunsten der Polen eintreten werde. In der Landtagsdebatte über das Gesetz, betreffend den Verteidigungsrat, wurde Ministerpräsident Grabski vom Abgeordneten Daczynski gefragt, ob der Verteidigungsrat befugt sein wird, eventuell Frieden zu schließen und erst nachträglich die Bestätigung des Landtags einzuholen. Der Ministerpräsident -erwiderte: „Es ist 'jedenfalls eines der wichtigsten Ziele des vorliegenden Gesetzentwurfes, diesem Wiener Morgerrzeunng zum FriedenSschluß zu bieten, wenn sich eine sehr rasche Entscheidung in der^ Frage, des Fisiedensabschlilsseö in einem Zeitpunkt, da der Landtag nicht versammelt ist, als notwendig erweisen sollte." Der russisch-polnische Krieg. Der polnische Frontbrricht. Warschau, 5. Juli. (Funkspruch.) Heeresbericht des polnischen-Gentralstabrvom 4. d. M. An der Nordwcstfront erhöhte Artillerietätigkeit. Im.Raume von Czubarino griffen die russischen Truppen an; sie wurden im Gegenangriff zurückgeschlagen. Im Norden der Polesie herrschte Ruhe. Im Süden der Flusses Pripet wurde der angreisende Feind geworfen und ließ mehrere Maschinengewehre und Berpflegsvorröle in unseren Händen. Bei Laticzow ist die Lage unverändert. Defferung der Situation an der polnischen Front. Krakau, 5. Juli, (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Warschauer Korrespondent des ,.Czas"'berichtet von bestinformierter Seite, daß sich in den letzten Tagen die Situation der polnischen Front bebeuienb gebessert habe. Die Polen, die neuerlich.erfolgreiche Gegenangriffe an der Nordfrönt unternahmen, beherrschen die ganze Slucz- L'inie. . Die russischen Friederrsb edingungen für Polen. Wilna, 30. Juni. Der „Tag" meldet ans Riga: Die Sowjetregierung hat bekünntgegeben, daß sie einem Frieden mit Polen nicht abgeneigt und bereit ist/ in Kriedensverhandliingen einzütreten, wenn Polen auf die Grenzen 'vom Jahre 1772 v erz icht e t. Das Maximum dessen, was die bolschewikische Regierung Polen zugestehen kann, ist die Anerkennung der Ansprüche Polens auf die Gebiete 'von B reft «Litowsk unch Bialystök, welche schon im Brester Frieden ausgesprochen worden war. Für Litauen anerkennt die Sowjet-» regierung die im Brester Frieden zugespro.chenen Grenzen mit der Hauptstadt Wilna. Die sozialistische TarLarenrepublik ausgerufen. Moskau» 6. Juli. (Funff'prnch.) Das revolutionäre Komitee der sozialistischen Tartcnenrcpirblik und das bevollmächl-m Komitee des Gouvemements Kasan haben die svzialistlsche Tartarenreyublik ausgerujen. Die Lage in Palästina gebessert.; Jerusalem, 4. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Lage in der Gegend von Jordanien hat sich bedeutend gebessert. Die britischen Behörden geben unverhüllt ihrer Zufriedenheit mit der . Haltung des jüdis ch e n Bataillons Ansdruck, das zür'Verstärkung der indischen Truppen nach Jordanien beordert wurde. Die Jordanbrücke gegenüber Jericho wird auf dem einen User von jüdischen, auf dem zweiten von Emir Faisuls Truppen bewacht. Eine Anfrage bezüglich Iabotinskys im englischen Anterhause. London, 5. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Brigadier General Calvin richtete im Unterhaus eine Anfrage an Miüister Churchil, betreffend die Verurteilung Jabotinskys, und fragte, ob! der letztere während des Krieges vielleicht keine guten Dienste sowohl im Felde äls auch im Hinterland England erwiesen habe und ob es nicht gerechtfertigt sei,' daß er Schritte unternommen-habe, sich selbst und die anderen vor den arabischen Ueberfällen zu verteidigen. Mr. Churchil. antwortete, daß zwar das britische Tribunal es anders befunden hat, daß aber Sir Herbert Samuel Gelegenheit haben werde, im Einvernehmen mit Lord Allen by diese Angelegenheit einer Revision zu unterziehen. Uebrigens wird die Ankunft Sir Samuels in Palästina durch eine allgemeine Amnestie aller politischen Gefangenen, ohne.Rassenunterschied, gekennzeichnet sein. Die deutsche» und österreichischen Siedler in Palästina. London, 2. Juli. (Tel. der, „Wr. Morgenztg.") Auf eine Anfrage Lord Newtons im.Ooert/:iüe betreffs der in Aegypten internierten Deutschen aus Palästina, antwortete Lord C u r z o n: Die deutschen, und österreichi s ch e n Kolonisten irr Palästina wurden nach der Besetzung des Landes aus militärischen Gründen interniert. Man hat ihnen dann freigestellt, nach Kriegsende entweder in ihr Vaterland zu gehen oder nach Palästina zurückzukehren. Einige Kolonisten sind tatsächlich nach Deutschland zurückgekehrt: man hat jedoch in Deutschland die Leute, weil sie mittellos waren oder aus anderen Gründen ungeeignet erschienen, nicht haben wollen. Andere Kolonisten, die wieder nach Palästina zu gehen wünschten, wurden ordnungsgemäß dorthin gebracht. . ' . Die Teichrrer Frage. Prag, 5. Juli. Der „Czas" reproduziert eine Meldung der Pariser „Poloma", wonach die Arbeiten für das Plebiszit eingestellt würden und ein' Schiedsrichter die Entscheidung zu fällett haben werde, der jedoch nicht zugunsten Polens vitierey werde, indem das westliche . Teschener Gebiet, das Kcrxwiner Becken, definitiv dem tschecho-ftowakischen Staate zufalle.. Diese Nachricht erhält dadurch , erhöhte Bedeutung, daß sie vom Organ des Ministers des-Aeußern Dr. Benesch gebracht wird.^ Der Feldzug gegen die türkischen Nationalisten. London, 5. Juli. (Tel.-Komp.) Der britische Heeresbericht vom 3. Juli besagt, daß die britischen Truppen, unterstützt von der englischen und griechischen Flotte, am 3. Juli KandeM bchtzt haben. ' 6. Juli 1920 Nr. 522 *• Dr. Benesch reist nach Jugoslawien. Prag, 5. Juli. (Prio.) „Narodni Listy" melden: Minister Dr. Benesch wird' sich nach den Konferenzen in Spa nach,Südslawien begeben, üw mit der Belgrader Regierung verschiedene gemeinsame Angelegenheiten zu besprechen. Eine Registrierung der Geschäftsnamen i« der , Tschecho-Slowakei. Prag, 5. Juli. (Tel.-Komp.) Die Negierung plant nach englischem Muster ein Gesetz über die Registrierung der Geschäftsna men. Durch dieses Gesetz wird unter anderem die pflichtgemäße Bezeichnung der Nationalität des Geschäfts» ' besitzers auf allen Geschäftsdrucksachen angeordnet.' Wirtschaftliche Vereinbarungen mit der Tschecho-Slowakei. Prag, 5. Juli. (Tel.-Komp.) Zwischen der tschechische«' und deutschösterreichischen Negierung sind hinsichtlich gemeinschaftlicher Festsetzung von Mindestexportpreisen Verhandlungen ein« geleitet worden. Betreffs Brennholz wurde bereits die Ausfuhr von 15.000 Waggons aus iGr Tschecho-Slowakei nach Deutschs Österreich in Aussicht genommen. Tagesbericht. Zionisten? Heute sind es 16 Jahre seit Theodor Hetzl, der j Schöpfer des politischen Zionismus, die Augen geschlossen. An diesem Tage bringen wir die Erinnerung an den Mann, der sich in den Herzen des jüdischen Volke? durch sein Wirken ein lebendiges Denkmal gesetzt hat, zu' sichtbaren! Ausdruck. Heute, 'da sein Schöpferträum,i seine hohen Ziele, vor der-unmittelbaren Verwirklichung" stehen, ergibt sich für uns der besondere Anlaß, das Ge- . denken du ihn zu erneuern, der vor der Erfüllung hingehen mußte, und wie Moses in der Fremde starb, ohne Las neue Zion geschaut zu haben. Der große politischzionistische Erfolg von San Nemo wäre nie, möglich ge- - worden, wenn nicht Theodor Herzls großzügige. staatsmännische-Konzeption die Grundlinien für die zionistische Arbeit vorgezeichnet hätte. Er war es, der da? jüdische Problem zu einer Weltorganisation machte, der es mit seinen reinen Händen hinaustrug aus der Ghettoenge und die. gesamte zivilisierte Welt, die Regierungen und die Machthaber zu dessen Lösung aufrief. Er hat uns die Weite des Blickes, die jüdische Würde und den jüdischen Stolz wiedergegeben. Er hat uns nufgerrchtet; und sein persönliches Vorbild war eine lebendige Vor-! ahnung des künftigen jüdischen Menschen. Er hat inj unserem Volke ein Licht entzündet, das nimmermehr der-! löschen wird. In den Tagen, da sich der von ihm erweckte jüdische Lebenswille so machtvoll manifestiert un^! wir an der Schwelle der Erfüllung stehen, wollen " das Andenken an den Unsterblichen würdig feiern.! Solange der Döblinger Friedhof noch birgt, was an Herzl sterblich war-, wollen wir nach langjährigem Brauch 1 zu seinem Grabe ziehen. Mr fordern alle-Zionisten auf, Sonntag den 11. Juli am Gange zum Grabe Herzls teilzunehmen. Es soll eine imposante Heerschau der Zionisten Wiens! werden, eine Manifestation unserer Stärke, die schönste Ehrung, des großen Führers. Zionistisches Landeskonlitee für Oesterreich: Jakob W einer. Ing. Robert Str ick er. < Sinnbild. Gum Todestage Theodor Herzls ) Eine merkwürdige Gepflogenheit zieht unsere Blicke-! unsere Gedanken an. Alljährlich am ersten freien Tage nach dem Todestage Theodor Herzls wandern mitf- Blumen und Standarten, mit Liedern und Lauten« ' spiel die Manipel der neuen jüdischen Jugend zur Grabstatt am tzDöblinger Friedhof. Im hellen Morgen kann man sie im hallenden Gleichschritt über die anmutige .Hochstraße anrücken sehen, von der die Augen das köstliche Landschaftsbild der grünenden Hügel, der ver« streuten Landhäuser, dev blau verschleierten Stadt umfangen, und wenn ein günstiger Wind weht, klingt au?" dem Tale ein Turmglockenspiel herüber (so lieblich wie jenes, das Herzl wahrend seiner Salzburger Gerichts-' .Praktikantenzeit in die Amtsstube grüßte). Wer ein Jahr früher zugegen war, trifft — wir wetten drum — im nächsten just doppelt soviele Knaben und Mädchen,. Jünglinge und Jungfrauen, sonnverbrannt, im.Wander« kleid auf dieser Höhe. Keine Spur von Trauerstimmung! Die Glieder, straffen sich, greifen präludierende Akkorde auf de«' Lauten, ein frohes Lied fliegt aus, die Fahnen senket sich über dem teuren Hügel, und hinaus geht's voms Döblinger Friedhof zur Tageswanderung in bett!v Wienerwald. Wer hat es ihnen eingegeben, diesen ganz Jungen, , also vor aller Welt zu bekräftigen, daß der, ach, so frühe'' still gewordene Mann sein Volk aus Siechtum und Ver^ zweiflung und Scham!zur Gesundung, Frohmut und>! Stolz erlöste? Wer sagte es ihnen, daß dieses herrlichä Zeugnis neuen jüdischen Lebens alle kleinlichen oderbösen, ehrlich ungläubigen oder klug verlogenen Gegner' einfach entwaffnet? Wer lehrte sie dieses Heilmitteln, finden für die, welche in elender Enge seit zwanzig Jahren und länger für die zionistische Erlösungsidee! wirken, aufgerieben' und verbraucht diirch 01^8^1111« fl« MM. ZMMLÄ »M MM« AM-,!

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