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Wiener Morgenzeitung · 1920-07-06 · Heft 522 (6.7.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 522 (6.7.1920)
Date
1920-07-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Berliner Korrespondent des „Daily Eroniele" will wiffeu» man sei in offiziellen Berliner Kreise» der Anficht, die Entente werde Deutschland ein Ultimatum bezüglich der streng e n E i» h a l t n « g der von ihmLber- » o m m e n e n Verpflichtungen übermitteln, falls die Konferenz in Spa Lein entscheidendes Resultat zeitigen sollte. Die dentsche Regiern»g werde jedoch ein solches Ultimatum ablehnen und sei eutschloffe», den Dinge» freien Laus zu lasse«. ♦ Der Londoner Monisten- Kongreß. 25 Millionen Psu«d für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Palästinas. London, 5. Juli. , (Funkspruch.) Am 30. Juni wurde hier der erste Iahreskougretz zionistischer Vertreter aller Länder eröffnet, darunter solcher ans Oesterreich, Ungarn, Deutschland, Holland, der Schweiz, Südrutzland, Weißrußland» dem Banat, Beßarabieu» Rumänien und Bulgarien. Dem „Observer" zufolge ist die Hauptaufgabe des Kongreffes die Aufbringung nön 35 Millionen Pfund zur Verwirklichung der zionistischen Programmpuuute, insbesondere des unmittelbar notwendige« Baues von 5000 Häusern in Palästina, der Errichtuna von Schule« und der Einwanderung. Verschärfung des Boykotts. j -. Die Korrespondenz Herzog ,erfährt aus gewerkschaftlichen Kreisen: Der Boykott gegen Ungarn dauert nun seit Äi^agen' u n g c s ch w-ä ch t an und - ist trotz der Ausspräche, der, Vertreter der Gewerkschaften mit dem un-. ggrischen Gesandten in Wien Dr. M r a tz im Momente - Milderung . oder , gar eine Aufhebung des - Boykottbefchlusses nich tzu de-nckem'Erst nach der. Bildung einer neuen Regierung wird es'sich zeigen, ob der Mnfluß der Bcachialformationeu - aich die Politik Mgarnsi-aufrecht -bleibt -inchob es dem Internationalen G^cherkschaftsbunde wird, HEPöWMeschMß^ zÄ''Md'E>FjstN''8ArMr A'r.mNe n - " wird derzeit gewiß einen solchen Antrag nicht stellen ' und., ist eher für die nächste Zeit m i t e-in e r V e r> s chä-r f u n.g des Boykott s gegen Ungarn sowohl seitens der österreichischen Gewerkschaften, als auch jener dyrtschecho-slowakischen, jugoslawischen, rumänischen und llglienischen zu rechnen. . Freigabe von Wäsche für die Budapester Kinder durch das Perwaüeuzkomitee. ' Das Perman;nzkomitee teilt mit: Im Stände des Bshkotts ist keine Aenderung emgäretm, er wird ungeschmälert weitergeführt. Die - beidem Permanenzkomitee einlaufenden Nachrichten ergeben dasselbe Blld über den Boykott in allen Ländern. Im Aufträge des Bürgermeisters von Budapest sprach bei dem Präsidenten des, Permanenzkomitees, Abgeordneter H u tb t r, der s o z i a l p o l.i t i s ch e R e f er e n t der Stadt Budapest, Dr. Emmerich F e r e n c z i, vor »yd ersuchte um die Freigab e. v o>n Kind er wasch e. Arzneien und anderen für die K i n d e,r vonBndapest b.e st iut -ttt t e n Liebesga d e n. Das Permanenzkomitee spyach sich für die Freigabe dieser für die Kinder bestimmten Liebesgaben aus, umsomehr, als die Not der Budapester Kinder - upd bi« schweren Folgen des AushleibenS.dieses Transports von dem Abgesandten des Bürgermeisters noch besonders hervorgehoben-wurden. Es wurde aber vereinbart, daß die Transporte kontrolliert und mit einem Gelr^i 1 schein des PerrnanenzkomiteeS versehen werden sollen/- \ Auch die ungarische» Ahgeordneten werde« von de» weißen Offizieren terrorifiert. ' Der Llbgeordnete der Partei der Landwirte, Dr. Rudolf Rupp e rt, nahm in der Nationalversammlung-wiederholt gegen die Uebergriffe der Offiziersdetachements Stellung. Er erhielt seither, ehenso wie die übrigen Mitglieder der Nationalversammlung, die es gewagt hatten, die Ausschreitungen d^r Offiziere zur Sprache zu bringen/ Drohbriefe. Votgestern, wurde nun Ruppert durch ein in Zivil gekleidetes Mitglied des Pronah-Detächements, dem Oberleutnant Ladislaus S z a p p a n o s, tätlich insultiert. In der Partei der kleinen Landwirte rief dfe Affäre große Empörung hervor. Für gestem abends würde eine Konferenz einberufen, in der verengt wurde, daß wegen der groben Verletzung des Immunitätsrechtes die Nationalversammlung. unverzüglich einberufen werden muß. Die Partei trat durch Vermittlung des Grafen Viktor SzÄelhi auch mit der .Partei der chriftlichnaüonalen Bereinigung wegen dfeser Angelegenheit in Berührung. Zn dieser Partei verurtellten Minister Haller und die übrigen Mil- Mieder ebenfalls das Attentat. Indessen wurde mit Mcksicht .auf die. Regierungskrise von der Einberufung ldvi ÄWnAvWivimlung 'AWnV'gtznovünett. '7 y Budapester Prozeffe. 1 J Die Verhandlung gegen hie Volksksnuniffare. ' Budapests 5. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Budapester Strafgerichtshyf.begann heute die Verhandlung . gegen die zehn bolschewikischen Volkskommissäre, denen es nicht gelungen war, nach-dem Sturz der.Proletarierdiktatur aus Budapest zu flüchten, Auf der Anklagebank befinden sich der Zimmermann Vantus, der Eisengießer. Haubrich, der Steinmetz Bokanyi, der Kunstschlossergyliilse Bajaki, der Eisßndrechsler Dovcsak, der FeldarKeitex Nyiszto, der Äechtslehrer Dr. Agpstpn- NugMtein)^Mr Setzßx'HalWMM,^her Ingenieur. MtzlWMein'^'MDadoß. ' ' ' Die Anklageschrift ist eine Sammlung..der bekannten Beschuldigungen. . / , Die Oberstaatsanwaltschast' beantragt die Einvernahme von 400 Zeugen. Unter den vorgeladenen.Zeugen bnfinöet sich . auch ' der ehemalige Ministerpräsident Ber.-inkey. . Verteidiger Dr. Gal erhebt dagegen Einspruch, daß im Sinne des Ausnahmsgesetzes für-den'Kriegsfall das beschleunigte Verfahren Anwendung, finden soll, und fordert, daß der Gerichtshof sich als sticht kompetent erkläre und einen Beschluß der' Nationalpersammlupg -verlange, ob - auch noch Unterzeichnung des Friedensvertrages das Ausnahmsverfahren befolgt werden - solle. '' Verteidiger' Dr. BI au rer beantragt - die Vertagung. der' Verhan-lung, da der Prozeß nicht genügend vorbereitet sei. Es müsse auch die außenpolitische Lage vyr Ausrufung der Proletarierdiktatur in ein klares Licht gestellt werden. Solange die Zeugenaussagen des- Obersten - Romanelli. des Obersten Gunninghame, des Generals Gordon und des Prinzen Borghese nicht Vorlagen. könne »lber die Angeklagten nicht geurteilt werden. ' Oberstaatsanwalt Dr. Aczel nimmt gegen die Äussührungen 'der Verteidiger Stellung und:führt aus.: daß ’ dia Nationalversammlung bereits ihre Meinung kündgegeben habe, als sie die Dauer des Ausnahmsgesetzes aüf ein ^ahr nach Inkrafttreten-des Frieden verlängerte. Wds die seinerzeitige außenpolitische Lage betreffe, so könne sie keinesfalls als Erklärung dafür dienen daß man eine revolutionäre Macht einsetzte, die mit einer Entre^tstng einer'Million einherging. Die Anklagebehörde habe Schritte unternommen, das Prinz Borghese, Gäneral Gordon und Oberst Cuninghame einvernoMmen werden, allein dieses Ansuchen habe zu keinem'Erfolge geführt. Die britische Regierung habe ihre Zustimmung nicht gegeben, daß Oberst Cuninghame Zeugenaussagen mache, da dies jeder Gepflogenheit widerspreche. - Der Gerichtshof schloß sich den Erklärungen des Staatsanwalts an und schritt zur Durchführung der Verhandlung im Sinne des beschleunigten Verfahrens. ' Es wurde zunächst den Angeklagten der Reihe nach das Nationale abgenommen. GesastÄter Dr. Gratz — MimstOr des Aeußern. Die Korrespondenz Herzog meldet, daß der gegenwärtige Gesandte Ungarns in Wien Dr. G r a tz' dem Gnftigen Budapester Kabinett als Minister des Aeußern aNgehören wird. Dr. Gratz hat sich darauf beschränkt, ‘ gewisse Unrichtigkeiten der Argumentation des Boykottbeschlusses richtigzustellen, ohne jedoch aus das M e r r t ü m: Abstellung des Weißen Terrors, freie politische Entwicklung. der Arbeiterschaft in Ungarn, Einstellung'der pölitischen Prozesse und/ .Aufhebung. der ZÄUMrtenMer,'Mex MzugehM./ ' "" ' " ' " Das HUfswerk für die jüdischen Pogromopfer in der Ukraine. Das Skandinavislh-jü-rsche Zentralhilsshsmitee in Kopenhagen berichtet in der letzten Nummer seiner Mitteilungen ausführlich über die Hilfsorganisation für dlie-jüdi-- schen Po'gromopfer in der Ukraine. Wir entnahmen den interessanten'Darlegungen folgendes: .- -7 Vor einiger Zeit koWituierte sich in Kopenhagen ein internationales Hilfskomitee fürdie Rotlesdende»';ttt Rußland', um eine Zentrale aller-ausländischen Hilfsor'gattisätionen für ' Rußland/' zu ' sch'äststiV/'-ChDNter und "Wcfgabe«" dieftr! Komjtees wurden offiziell durch' nachstehendes^ Schreibende^' Litwinows, des HvollmSchtttz^n -Vertreters .der Mowjet-j regieruug in Kopenhagen, formuliert: . ' „Im Einvernehmen mst/ dem Volkskommissariat für- Ätußenangelegenheiten und dem Präsidenten - der ^trygrader. Sowjets habe ich die/Bildung eines internationalen Hilss-j kömiters - für die Notleidenden in Rußland gestattet; dieses! besteht'-aus dem Vertreter des dänischen Roten Kreuzes, Doktor! Mark i n i/ dem Vertreter der „Norwegischen' Gesellschaft zurj Bekämpfung des Hnngers", P. Giawer Cragh, und bemij Vertreter der „British' Society os Friends", Mr. -Hysmvy^ John -Baker. Die Aufgabe dieses Komitees ist, von den , verschiedenen philanthropischen.Organisationen die DkedffMenta^ und Lebensmittel' zu' übemdstMn, welche für Rußland' Be*; stimmt sind und sie in Petwigrad und anderen Städten zu! verteilen, wobei volle Berbiftdpng mit dem' russischen Zhoten! Kreuz, dem Kommissariat für Volksgesundheit und deni zu-! ständigen lokalen Sowjetbehörtzeu besteht.". Bemerkt sei, daß die, inHitwinvws. Schreiben eypähnttz- „British Society, of. FrienW die bedeutendste --Org<mifatio«H ihrer Art ist. . Sie zählt W ihren Mitglieder» die einflußreichsten -Persönlichkeiten Englands, welche der Mmemfchafti der Quaker angehören, und.hat noch während deS Skriege^! eine großartige Hilfsarbeit iy verschiedenen Ländery p«d«. wickelt. - -! Das Skandinavisch-jüdische ZentralhilssLomitee HÄ sich! bald nach der Gründung j des erwähnten internationale»! Komitees mit dessen Kppenhagener Repräsentanten Dr. Martini, in Verbindung gesetzt, nrit ihm wegen der Durchführung öotfj Hilfstransporten für die jüdischpn Pogromopser in derstkrains! verhandelt u»d sofort ftcuudliches Entgegenkomme» gesunden/ Daraufhin hat das 'SkaMnabisch-jüdische Zentralhilsskomitesi telegraphisch die größeren Hilfskomitees in verschiedenen! Ländern zur Zusamny:narbeit im ukrainischen Hilfswerk aufgefordert. Es fanden sich, auch Vertreter verschiedener Hilfsorganisationen. in Kopenhagen,ein und hieltv>r> «ine Reihe-vo»- Beratungen mit den Mitgliedern des. Zenftalhilfskomitees!! und Professor D. Si m on.s o h u, dem BertrytN:"deS., Dsänischz'- iiibtfd>cu Hilfskomitees ab,, a^/dcneu sich auch unter änderest Dr. Jo chelma uu.als Vertreter des ukrainischen Beröandes.j iu London, Professor D». Tstefez, der Vorsitzende .deS., Hilfskomitees für die Pogrvmdpfer beim Roten Kreuz, in der! Ukranre,, Dr. G o l d m a n, der Direktor' des - American Joint^ Distribution Committees, ferner die Mitglieder der.stuneri-. kanisch-südischen Kommission,. Professor. F rie d l ä.ud er und^, M. K a tz, sowie Leo M o tz k i n, Generalsekretär, des KowiteeS.-. der jüdischen Delegationen in Paris, beteiligten. . s Am 3. Juni 1930 kehrte Dr. Martinü. aus/Ruß-> lanb zurück und hielt zusammen mit Professor. D. Simon-: s o h n undem Skiutdinavisrh-jüdischen Zentralhilfskomitee eine Reihe von Beratungen ad, in denen die. auf .Grund der Er- /gebni.'se seiner Reise ejnzuschlagendLU Wege für dst/Hilfe-. 'ÄtWg rü der: Uk.yaiM tzr.ÄMtz wurbM, hgtts

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