Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 515 (29.6.1920)
- Date
- 1920-06-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-..... Wen, Dienstag. •:; TageMericht. Die Mahleu zur KulLusgemeiude. - . Die Wahlresultate. . In der folgenden ilebersicht bedeuten die Ziffern: Zahl der Wahlberechtigten,. Zahl der abgegebenen gültigen'Stinimpe, zionistische, nichtjüdischuationalk. orthodoxe und sonstige-Stimmen. > Bezirk .... a .1217 . 526 ' 103 . 375: .. 46 1 21 v ' - . . b 1210 555 125 385' 41 4 16 H. Bezirk . . ‘ a 958 644 237 236 167 ^4 19 10 * h 1006 713 270 274 163 6 2 y fc » * C 1047 ' 559 280 274 48 7 92 . ck 1125 713 238 428 48 1 8 Iil. und XI. Bezirk a 823 452 194 238 16 .4 18 ' ' d , 808 418 175 228 14 1 15 1^. »ud V. Bezirk. 1050 483 35 308 37 3 17 Vl. und Vst. Bezirk.a . 1182 .628 .154 421 .53 — 19 - * . «• ■ b -1225 . 674 . .177 448 49 . — 19 l'lll. Besirl. . >. . 668 296 124 165 , 7, °— ■ 24!X. Bezirk . . « a 1361 609 239 320 45 5 .96 n b 1252 578 246 277 52 3 123 X. Bezirk .... 353 289 130 152; 7 — 3 XII., XIV., XV. Bez. 644 358 111- 205 42 — 15 XIll. Bezirk ... , 513 .. 239 74 159? 6 - — 14 XVI. u.XVIl. Bezirk 618 472 260 202 8 2 8 XVIII. Bezirk . . . 638 322 117 197 5 3 7 >'!X. . . . , . 794 447 150 287 8 2 2 XX. M * * 509 358 192 150 13 3 26 XXI. .. . . . 261 221 33 185 3 — — Totale...... 19.262 10.554 3614 5912 878 49 564 Die Samstag-Nachmittagssperre. Durch. die Verftigung der niederösterreichischen Landesregierung, alle Ladenbesitzer, welche die angeordnete 2 Uhr-Sperre am-Samstag nicht einhatten, an- Anzeigen, hat sich in den Kreisen der Gewerbetreibenden eine.Erregungausgelöst, die immer größere Kreise zieht. Me Gewerbetreibenden bezeichnen die behördliche Verfügung als unsozial, weil die'Arbeiter und Angestellten von ihr ebenso hart betroffen werden wie sie selbst,, .und nwtivieren ihre Behauptung damit, daß die Arbeiter, welche in den industriellen Betrieben tim Samstag zwischen 12 und 1 Uhr ihren Lohn ausgezahlt erhielten, nach ihrer Mittagsmahlzeit von 2 "Uhr an ihren Bedarf an Kleidung und Wäsche und anderen Bedarfsartikeln vor einigen Wochen noch decken konnten, sich dieser Möglichkeit jetzt beraubt sehen. Auch von den Angestellten gelte diese Behauptung. Kurz, die vollständige Sonntagsruhe und die nunmehr verfügte Samstag-Nächnrittagsperre treffe die Arbeiter und AngestMen'sehrhart. . . ’• Im überwiegenden' Teil der? Arbeiter---- und Angestelltenkreise herrscht aber, wie wir erfahren, die Meinung Vor, daß das Argument' der Ladenbesitzer durchaus nicht stichhältig ist und daß die Einkaufsmöglichkeit besonders für die Arbeiter durch' die Samstagsperre durchaus nicht so gesährdet sei, wie die Ladenbesitzer an nehmen. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß die Verordnung der Landesregierung gerade einen sozialen Charakter trage, und wenn sie streng durchgeführt würde, weder dem Arbeiter noch dem Angestellten Schaden bringen könnte, wie die Ladenbesitzer jetzt behaupten. . Die Vorschläge, welche die Ladenbesitzer der Landesregierung in dieser Frage bisher gemacht haben, waren, wie wir erfahren, nicht geeignet, die Landesregierung von ihrem einmal gefaßten Standpunkt abzubringen. Das Verbot des Offenhaltens, der Läden am Samstag von 2 Uhr nachmittags bleibt weck ter in Kraft und Zuwiderhandelnde machen sich einer strafrecht-! siche n H a n d l u n g schuldig. Der angebliche Untergang eines Kriegsgefangenendampfers. Ein Dementi. Wien- 27. Juni. Ein österreichischer Arzt, Doktor- Herzig, der auf seiner Rückkehr aus Turkestan sich anfangs'Juni in Petersburg aufgehalten hat und zufällig gerade dabei war, als im Petrowak, der dortigen: Cvakuationsstelle, am 7. d. M. die amtliche Meldung über das Schisfsunglück erstattet wurde, dem in den Meldungen aus Helsingfors ungeheuerliche Dimensionen gegeben wurden, teilt folgendes mit: Das Schfff, dein das Unglück zustieß, war keineswegs ein. russischer -Ozeandampfer, sondern ein früher dem deutschen Roten Kreuze dienender kleiner Dampfer, den die russische Negierung angekauft hatte, um ihn zu Wohnzwecken zu verwenden. Auf dem Schiffe befanden sich etwa dreihundert Internierte. - Infolge eines, ungeschickten technischen Manövers kippte es um. - Cs gelang aber, fast sämtliche Internierte und den größten Teil der Besatzung zu retten. Ertrunken sind nur zwei Kriegsgefangene ungarischer Staatsangehörigkeit und - , acht Mann der russischen Besatzung. , Unter den Opfern be- .findetW' also 'kein Oesterreicher. . , ^dächtliche Huugerkrawatte im Landesgericht. In der vergangenen Nacht.wurden die Passanten der Äls'rstraße nnd der Flor'anigasse durch den gellenden Rmf „Hunger!", der vom Untersuchungsgefängnis des Landesgerichtes aus Hunderten von Kehlen in die Nacht hiv.au.sdrang, zum Stillstehen gebracht: Au den Fenstern der Florianiaaise. Wickenburggasse, Ulserstraße und -29. ^Uttt W2D m öiö- Mitteilungen ans dem Pndlikm. Zur Vermählung -*■ des Fräulein Pepl Schierer mit Herrn David Pineies gratuliert herzlichst Familie Katz Forderungen und Gläubiger existieren, bete# i Forderungen entweder. ausschließlich' auf B a l u t egelchästell beruhen, oder auf nicht einwandfreien. - das heißt, wucherischen Warerr- und Darlehensgeschä.fteu begründet sind. W^nn . auch diese Forderungen ziffernnläßig die überwiegenden sind, so sei es im Interesse 4, der Reinheit, zu verlangen, daß in dem Glänbigeraus- ' schuß auch Vertreter dieser Minderheiten vertreten. sind. Nach.einer längeren Diskussion wurde schließlich .1 im Kömpromißwegs riastimmig der Gläübigerausschutz gewählt. ___ :v Zur Vermählung des Herrn Gustav Bloch {Gw<kaft«i. der Firma ou» v->x-ni,erx) mit Fräulein Ella Faust gratuliert herzlichst das Personal der Firma Otto Wagenberg 3037 - l. TucMsuken!«i Möbel ii. Inneni CD IM flekoration m grösster Auswahl. Nur gediegene 10180, v! ., _ i 1 H. Z 691 Erzeugnisse- (Ecke Karl Schweighofergassci. B~giliiri&M'Tti? P£BLS8i und JUWELEN H ksuk« reurDr ©1$ « Vag6, Juwelier, i., Graben BEI ^N,Av L. beginnen in sämtlichen Abteilungen unsere Dauer: 21/. Monate Eintritt täglich! Tages* nud Abend- Ferien-Kurse für Knaben und Mädchen, Männer, Frauen verbunden mit Belehrongs-JExkursionen und Erliolungs- . ausflügeut Ae Schülerkurses I« Vorbereitung zu allen Prüflingen im September 1920: 1, Aufnahmeprüfungen in alle Klassen aller Wiener . Mittelschulen bis zur Matura. (Jüdisches Realgymnasium u. Handelsschulen nnr Lu.II.Klasse.) 2, Wiederholungsprüfungen in allen Gegenständen. II. Allg. Fortbildung für Schulentwachsene in den Unterrichtsgegenständen: Deutsch, Rechnen, Geographie, Geschichte, Naturlehre, III. Sprachen* Deutsch,Hebräischfspez. zur Vorbereit uugf, d.l.Kl.d.Jüd.Rg.), Franzos., Englisch B* Für Erwachsene* I. Libaiiors-Sprachkürse: Deutsch, -Hebräisch fAlt« und Neu-), Englisch, Französisch, Tschechisch, polnisch.Russisch u. aüe and.Sprachen II. iJniversdUBildungskiirse: Geschichte,Literatur,Kunst, Philosophie, Jus, kaufm. Fächer (Buchführung, Korrespondenz, Stenographie) AÜLim not ei einmal täglich (ausser Samstag und . Sonntag); JM Fleischmarkt 15i’ 2 b's 6 Uhr nachmittags, II., Obere Donaustrasse 91, 7,bis 8 Uhr abends, IV,, Wohllebengasse 10/11,10 bis 11 Uhr vorm. An letztere Adresse sind auch schriftliche Anmeldungen sowie alle Anfragen zu richten. goss ' Die leltüng der herein. Wiener ünlerricbtskorse: Dr. Pli. Goldberger LandesgerichtsstraßL erschienen die ans dem Schlafe geschreckten Parteien irr ihren Nachtoiletten und horchten auf die sich stets erneuernden nltd imrner stürmischer ne denden .Hunger!'-Ru.>. DasLandes.geticht5geb:'u'e war strotz der späten Stunde von Menschenmassen umstanden. Die Rufe, an denen sich, wie man deutlich hörte, sowohl die. inhaftierten Männer wie die Frauen beteiligten, begannen nach.10 Uhr abends und dauern zur Stunde 12 Uhr nachts — noch ungeschwacht an. Nych Mitternacht fuhren vor dem Ha^pttor des Landesgerichtes' sechs, mächtige, mit Polizisten besetzte Kraftwagen vor? Die Polizisten' — zirka 300 an Zahl — gingen unter der Führung von Polizeioffizieren zur Verstärkung der Justizwache ' in ' das Ländesgericht hinein. /? ' Ein .paar Polizisten bemühten. sich, die. vor dem Grauen Hause stehenden Menschen „auseinander" zu treiben. Die Leute.gingen von einer Seite fort und sammelten sich wieder aus. der anderen Seite an. Die Gläubiger der SLella Jerusalem. Im " Bureau des Obcrlandesgcrichtsrates Chwoi'ka fand gestarrt die erste Gläubigerversammlung im Konkurse der aus Wien flüchtigen und steckbrieflich verfolgten Jndustriellenwitwe Stella Jernsalem statt, zu der eine große Anzahl von Gläubigern erschienen .und zirka dreizehrr Millionen der ans achtzehn. Millionen, bezifferten Schulden vertreten waren. Die Gläubigerversammtmlg bestätigte einstimmig die' Wahl , des vom Konkursgerichte aufgestellten einstweiligen Masseverwalters Dr. Berthold Spiagle r' . zum fdefüntiven VLafsePerwalter und wählte .zum - Stellvertreter - ..Dr., .Emil K o l l e k. Bei der -Wahl des Glänbigerausfchusfes kam eS zu einer .längeren, Mlenweise sehr erreg teil'Diskussion,' indem Dr. AleiNperex.'värschlug, daß. auch andere Personen gewählt? werden mögen. Es gehe aus dem Berichte der einstlveiligen Massevermalter hervor, daß neben den einioaudsreieil Gläubigern n i ch t e i n w a it d s r e i e Rektor Schwind berichtigt. - Zur Zeit der antisemitischen Exzesse deutscher Hoch» . schul er an der Wiener Universität konnte man beobachten,. daß Rektor Schwind eine recht merkwürdige Hattung zur / Schau trage,' die. weder als objektiv noch als eines Ge- .1 lehrten würdig beZeichnet werden, konnte. Hofrat Schwind erwies srch als ein gelehriger Schüler seiner chauvinistischen' . Hörer und ging so weit, sich selbst zu desavoui'eren, um dem - Dr. Last, gegen den sich.der Zorn der Studenten richtete, -- eins anßuhangen. Die ldaüi'abe'.n Vcrgänge an der llniverfi-? rät f>alcit natürlich auch die Aufmerksamkeit des- Auslandes . erweckt, wo mau Wien noch immer als eine alte Kulturstätte { anzüh'hen geneigt ist, und die Auslandspresse berichtet unter ' anderem, daß mehrere jüdische Professoren in Anbetracht der autiseuMschcn Haltung des Rektors die Universität zu der» st lassen geneigt'seien. Das ist natürlich der Magnifizenz ün. - angenehm-und so schreibt er an die englische Presse, niemand ' dsnked'äran/' die „loyalen österreichischen Juden" zu bef hcllrgen. e§ bestehe lediglich eine starke Bewegung gegen die * Einwanderung jüdischer Studenten aus Osteuropa. Ja was hat.danst.den Rektor bewogen, seine deutschnationalen und t chnstÜMsialen Studenten ungestört zu lassen, als sie nach st 1 BudahestcrMuster die jüdischen Hörer ausnahmslos aus ' der Usiiveffität verdrängen wollten und auf der Straße N?ädd)e'n'prügelten? Wohin rechnet Herr Schwind drn Doktor Last, den er öffentlich in seiner Ehre gekräükt hat, weil er ihn .schutzlos wußte? Was hat er getan, um den Professor Tändler, einen Wiener, vor der Horde zu schützen, die seine Auslieferung an den akademischen Pöbel forderte? Die Freigabe militärischer Objekte in Oesterreich. Das Staatsamt für Heerwesen hat eine von Dr. Friedrich R a fl 11 verfaßte Broschüre herausgegrben, aus der hervorgeht, daß bis zum Mai l. I. von insgesamt 513 äranschen FriedcnSobjekten und Lngenschaiteu auf dem Boden der österreichischen Republik 165, daS ist fast ein Drittel oder 33»/,, dauernd der ’ zivilen Benützung übergeben worden sind. In Wien steigt dieser Hundertsatz sogar auf 42,' in Tiro! auf 86‘06, in Obrröstrrrnch aus 38. Was Wie» betrifft, so verfügte hier die österreichische Militärverwaltung zur UmsturMt über- 71 Objekte. Da die Wohnungs» ) not in Wien bekanntlich am drückendste» ist, müßte die HeereS--'- Verwaltung in der Hauptstadt des Landes bei der Freigabe von Baulichkeiten ganz besondere Rücksicht waltm lasse«. Bo» den 71 militärischen, aus der Friedenszeit stammenden Gebäuden in Wien waren am 1. Mai 1920 30, ■ daö ist 42*/# rückgestellt und 21, daS ist 80*/„ zeit- oder teilweise abgegeben. Im ganze» hat also das Militarärar in Wien von 71 61 Liegenschaften . freigegeben, das sind 72*/« oder fast */. deS gesamte» Bestandes. .Dre Zister wird die Oeffentüchkeit überraschen, d« gerade in Wien die lebhaftesten Klagm gegen die Heeresverwaltung wegen ihrer angeblichen mit Kanzlei- und Kaserncnräume» gehaltenen Verschwendungssucht nie verstummen «ollen. , Für bas Jüdische Nationalmuseum i« Jerusalem. Einer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenbrit. mit de» Direktor-deS Bezalel in Jerusalem, Herrn Professor Morig S ch a p> der bekanntlich gegenwärtig in Wien weilt, über seine bisherige. Wiener Werbearbeit für daS Jüdische Nalionalmuseum . zu iprrchen. Herr Profestor Schatz ist überrascht und gerührt von.der», werktätigen Interesse, welches in allen Schichten der iüdischen Bevölkcrnng dem Gedeihen unseres NationalmvsrmnS entgegengrbracht wird. . Von allen Seiten komm« ihm künstlerisch und historisch wertvolle Spenden zu und die Liebe, die Freude, mit der die Gaben gebracht werden, erfüllen ihn mit . großer Genugtuung. Eben erh.elt Herr Profestor Schatz die '. Nachricht ' aus Philadelphia, daß eine Serie vo« , 45 Krirgsbildern deS berühmten Malers Abel Paun von einem jüdischen Mäzen. Herr F e tz m a n n, auf der dortigen Kunstausstelkung käuflich erworben und für daS Jüdische Nat'onal» musrum gespendet wurden. Hier in Wien wird die Sammlung noch kurze Zeit fort- ' gesetzt. In den letzten Tagen sind Herrn Profestor Schatz neuerdings folgende Spenden zugekoMmen: Felix S a l t e r n: „Ziegenhirtin", Kopenhagm; Maler Leopold G o t t {11 b: „Geigenspieler". Selbstbildnis; P olturak M.: Silberner Einband eines Gebetbuches und Misrach: Maler L. Kxestin: Chauukah.lampe; Doktor B r o n n e r: Antiker Zinnteller; .Maler Leo Eichhorn: Selbstbildnis; Naftali Winkler^ Em altes Manuskript und eine siebenröhrige Menorah; Baruch D o r « h e l m: Wandtust«; Max S t r a u ß: Leuchter (Empire). Herr Prof. Schatz; empfängt täglich von 2 bis 4 nachmittags in der Wohnung des Malers L. Krestiu, Wik». I., Concordiaplatz 5. Exzesse tschechischer Soldate» in Mavkaes' Wie das „Jüdisch« Bolksblatt" in Mährisch'- O st r a u meldrt, versuchte am 12. Juni eine Schar be- 1 waffnetLr Soldaten (angeblich eine Patwuille) in das Mische Wirtshaus der Mtwe Salomvn, welche^ zwischen den Dörfern Klorsano und Oroszveg bei