Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 514 (28.6.1920)
- Date
- 1920-06-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Nr 514 Wien. Montag Wiener Morgenzetrung 23. ^unt iyzd Seite 9 trotzdem unter dem Verdachte des GattenmordeS in. Hastgenommen. Schließlich legte Sedlmayer ein Geständnis ab. Nester den Hergang der Tat erzählte er erst, er habe die Frau bloß geschlagen, so daß sie zu bluten begann. Dann gestand er, daß er sie aus ein Sofa niedergedrückt und ihr den Halsolangezu gehalten habe, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Um einen Selbstmord vorzutäuschen, setzte er die Leiche auf den Stuhl und hing ihr den Strick um den Hals. Im Besitze des Gattenmörders wurden 500 Kronen gesunden. Die Börse der Toten war leer. Vs wird angenommen, daß Sedlmayer sich das Geld der Frau nach der. Tat angeeignet hat. Sedlmayer wird heute dem LändeSgerichte eingeliefert werden. Verhaftete Kohlenschwindler. Einem seit Monaten ausgeführten Kohlenschwindel ist dieser Tage die Polizeimspektion Ostbahnhof auf die Spur gekommen. Es handelt sich um Herauslockung von Kohlen' durch gefälschte Nachweisnngen bei der Kasse des Regkekohlen-BerkaussplotzeS der Oftbahn. Ln dieser Affäre wurden der Kutscher Franz Wagner, im Hotel „Sonnenaufgangin der Fasan-- gasse wohnhaft, sowie der Tischlergehilfe Loses Pilnh verhaftet. . Wagner ist. schon zum. dritten Male verheiratet. Im Hotel mußte er für ein fensterloses Zimmer täglich 33 Kronen zahlen. Er lebte aus großem Fuße und gestand selbst ein, daß er einen täglichen Etat von 300 ins 400 Kronen hatte. Bei einer Durchsuchung seines Zimmers fand man Gasthausrechuungen, dis mitunter ^uf Tausende von Kronen lauteten. Der Schade,- den die Oststahu durch diese Machenschaften erleidet, beläuft sich auf ryindche«3 56.000 Kronen. tr 1 ■'WWW'».*'.»»'?'» ^rotzeö Erfe«bahnrmg!lück ln PSHme«. J4 Piksa, 27. Zum. (PrivM Anläßlich des Sdwlsestes find heute früh mehrere Extvazüge nach Krag atzMqpgen. Einer dieser Züge ist bei Böhtmsch?Brtzd mit cMm "änderen Zuge zusammengestoßen. Mehrere Waggonßingen in .Trümmer. v 'Koweik bis Mt ftststebt, bläust sich die Zahl der sechs Tote «nd mehr als fünfzig MpilWveie..--. 'ft‘; fr. '"'y »V f Le« Hausarzt 1 „ Redigiert von Dr. SaMet Vre«.? -r- -- -er :‘bU mmktfchreierifchen Naturheilmethoden beginnen manche Mutter schon beim NeugsboxenHv' mit ÄhhärtungSmaßnahmen und erstrecken diese gleich auf das' Kleinkinderbad, Nichts kann auf den kleiy^y.«KraanisnM schädlicher wirken als die starke'NVNRntMhDcj' 'littEinern kühlen Dauerbad oder p$t eine kalte Uehergießung, abgesehen davon, daß es ' Maniiberjveirde nur -äs kärper-. wqrmL Bäb und gebe nicht unter 30 Grad Celsius herab. Man gebrauche stets ein Thermometer, verlasse sich nicht auf das Lencheraturgefühl der Hand, zumal die Haut des Säuglings sehr empfindlich ist. UeberLrkestener Gebrauch der Seife wäre abzumten, da sonst der Harrt zuviel Fett entzogen würde. > Das Gesicht des Kindes, L'aS frei getragen wird und!ME^:''DWVßMßuchnderung gstvöhnen soll, soll nach Beendigung -es Bades mit reinem, kühlem Wasser Maschen werden.- /, Die einzige Abhärtung^ die für Neugeborene zu kmpMett tväre. ist-das Lust- und Sonnenbad. Der steine Körper gibt an die Lust nicht so viel Wärme ah. Mit Lustabhärtung kann man frühbeginnen. Man trage )ie.stinher schon bei einigen Wärmegraden ins Freie und lossö sie bei Zimmertemperatirr fleißig unbedeckt liegen. BÄNerkt man ein Kalt- und Blauwerden der zarten Harzt, so höre man auf. Die Haut gewohnt sich kehr eM'yy das Luftbad, welches darin langer ausgedehnt werden.-kann. Große Borsicht verlangt aber das Sonnenbad der Kleiiren. Man beginne mit zwei Minuten der Ein» lvMü'ng 8er Sonnenstrahlen und dehne sie nicht über EMiMtW auS, west sonst leicht stärkere Verbrennung MW.? Auch im Winter läßt sich beim Fenster eine SdvnenE mit den Kleinen durchführen. '" Alle diese Maßnahmen lassen sich selbstverständlich anr bei einem gesunden Kinde anweuden, bei dem Me Funktionen geordnet vor sich gehen. ME. u.)o Schwangerschaft. Eins Nsibe von Erkrankungen erleidet erfahrungsgemäß durch Schwangerschaft. Geburt und Wochenbett Verschlinmurrnnaen, die häufig lebensbedrohlichen LhaMerannehmön. ' Das gilt insbesondere von der Lungentuberkulose, lieü Herzfehlern und der Niereuerkrankung. Bst eine ftrni also mit einem schweren Leiden behaftet, so ist es ratsam, auf Nachkommenschaft zu verzichten. Sollte sich doch Schwan gersscha ft einstellen, so haben die Norzte zu entscheiden, ob eine Nnterhrechimg der Gravidität hex, beizuführen ist. Wenn völlige Sicherheit gewonnen werden soll, bann die operative Erzwingung der Sterr- Ätät (Upjinchiöütkell), „die Sterilisation", in Frage kommen. Die Gefahren des FleischgenusseS. Der Fleischgenuß kann mit zahlreichen Gefahren für die' Gesundheit verbunden sein. Es können im Fleische verschiedene tierische Parasiten enthalten lein, die sich im Menschen ansiedeln und zu verschiedenen Störungen Anlaß geben. Es handelt sich meist um die Trichinen und Finnen des Schweine- und Rindfleisches. Auch auf pflanzlichen Parasiten (Bakterien) beruhende Krankheiten werden auf den Menschen bei Genuß von Fleisch der an Perlsucht, Milzbrand und Rotz erkrankten Tiere übertragen. Wichtiger sind die als Fleischvergiftung auftretenden Massenerkrankungen, die nach Genuß von Fleisch solcher Schlachttiere austreten, die durch Wucherung bestimmter Bakterien erkrankt sind. Das Fleisch kann aber auch nach dem Schlachten Krcmklreitskeime. aufnehmen und die Gesundheit sehr bedrohende Vergiftungen herbeiführen. Gegen die geschilderten Gefahren des Fleischgenusses steht eine Reihe von wirkungsvollen scmitatspolizeilichen Maßnahmen zu Gebote, welche teils die Haltung der Schlachttiere während des Lebens betreffen, teils in der Fleischbeschau. während des Schlachten?, dann in zweckmäßiger Aufbewahrung des Fleisches bestehen. Nur Vernachlässigungen der bestehenden Vorschriften fiir den Vieh- und Fleischverkehr, wie sie während und nach dem Kriege vielfach vorkamen? haben häufig Schädigungen der Bevölkerung herbeigeführt. Jedenfalls sollten die Käufer verdorbenes Fleisch, das übelriechend und mißfarbig ist, zurückweisen. Das Fleisch ist als abnorm anzusehen, wenn es keine frischrote, sondern grünliche oder blasse Farbe hat/wenn auf Druck reichlicher mißfarbiger Saft herausquillt, wenn das Fett weich und gallertartig ist statt fest und derb. Die minderwertige Beschaffenheit wird oft durch Zusatz von sogenanntem Konservensalz, welches das Fleisch rot färbt, verschleiert. Derartige Zusätze sind neuerdings verboten. Bor den meisten Gefahren kann man sich Mützen, wenn man Fleisch niemals in rohem Zustande genießt, auch dann nicht, wenn eine geordnete Fleischbeschau besteht. Durch Kochen und Braten werden die Parasiten und Bakterien im Fleische getötet. Badeorte für Kraükheiftu der Luftwege. Patienten mit chronischem Katarrh der Luftwegs ~* wobei von tuberkulöser Erkrankung abgesehen wird sind jetzt zu Beginn der Badesaison "im unklaren, welchen klimatischen Kurort sie austuchen sollen. Es kommen in .Oesterreich in erster Linie hi<r kochsalzhättigen Quellen pon Hast, Ischl und Aussee in Betracht.. Die Einatmung der salzhaltigen Lust ist besonders angezeigt fstr trockene Katarrhe und für Emphysematiker: die Solbäder für Skrofulöse Die Natriumbikarbonat enthaltende alkalischen Quellen von Gleichenberg sind bei dem b^rt herrschenden günstigen Klima für Katarrhe zu empfehlen, dm zu akuten Verschlimmerungen neigen. Aerztlicher Fraqekafterr, DiefmiMckliKe. Der Zustand rvcist auf Ihre nervöse Erkrankung hin. Fragen Sie einen Arzt. — Treue L'":ri». Frage unverständlich. Schreiben Sie ausführlicher. — Gallenne,melden. K. S. Sie können auch nach Rohitsck» (Steiermark) fahren. Erfolg derselbe wie nach Karlsbader Kur. — Rosa Gürtler. Die Warzen an der Hand sind von einem Achte abzutragem Oft Besserung nach Arsenkur. — Mvriv H.. Donan. straße. Schon ,m Talmud heißt eS: Der Arzt, der für nichts behandelt, ckt nichiß wert. Von Humanität allein kann halt der Arzt nicht leben. __ Kleine Chronik. Vom Mische« Geist. 1'. Tachktr») Bo c dem Kriege hieß es, der U tili Lar i smuS fei etwas Jüdisches. Professor Werner Svmbart schrieb ein Buch und bewies, daß der semitische WÜstensohn sich vom germanischen Wald- und Sumpfmeuschen durch Rechenhaftigkeit des Geistes unterscheide, die ihn zu jeder heiligen Begeisterung für das Göttliche in der Siunenwekt unfähig mache. Damit wurde von Sombart im wesentlichen nur wiederholt, tvas vor ihm Richard Wagner schlichter so'ausgedrückt hat: „Die sinnliche Anschauüngsgabe der Juden ist nie vermögend gewesen, bildende Künstler aus ihnen hervorzuhringen: ihr Auge hat sich von je mit viel praktischeren Dingen befaßt, als da Schönhell und geistiger Gehalt her körperlichen Erscheinungswelt find." Während des Krieges' hieß es dann: Der U t klltariSmus sei etwas Englisches. Professor Somhart schrieb ein neues Büch und bewies, daß daS englische Kramervolk sich von der deutschen Hekdenuation gleichfalls durch Rechenhaftigkeit des Geistes unterscheide. Ein anderer deutscher Professor, dep sich bis zu hem Ausspruch verstieg: „Europa sind wi^, schrieb damals: „Ich weiß, daß die Zahl der Männer Legion hei uns ist, für die Katholisch- und Protestantischfein eine ernsthafte Sache bedeutet, eine Sache eines lebendigen Prozesses der Vertiefung und Weiterbildung, und daß nufere Mrchen noch heftige. Orte sind. Ander s!v v ist hei l ig uur d ie B ö rse" Seit dem Kriege können selbst solche, die früher raffen- oder kringsblind waren, wieder lesen, daß der UnlitariSinuS au ch etwas Deutsches ist. Je gehässiger sich insbesondere die Deutsch-Bölkischon gegen dieses angeblich lan-vfremde Wesen hehren, «nt so unverkennbarer tritt es an ihrem eigenen in die Erscheinung. •) HchriüsH, ^Fweckb?d»chthlii.* Die Wahrheit, daß Juden, Engländer u«t Deutsche gleich große Idealisten und gleich tüchtige Utilitarier sind, befindet sich auf dem Marsch. Da Bier neuerdings dünner, Blut wieder dicker ist als Wasser, wird auch nichts imstande sein, sie aufzuhalten. 2. Kirche, Jud' und König. Es gibt eebildete Antisemiten, die wähnen, in Go e t h e zu leben, wenn sie Judaismus und Mammonismus verwechseln. Aber diese gleichen nur dem. Geist, den sie begreifen, nicht ihm. Wenn im „Jahrmarkt zu Plundersweiler" der Antisemit Ha man sagt: Der Jude liebt das Geld und fürchtet die Gefahr Er weiß mit wenig Müh' und ohne viel zu wagen. Durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen; so läßt Goethe den König Ahasver ihm antworten^ „Ich weiß das nur zu gut, mein Freund, ich bin nicht blind. Doch das tun andre mehr, die unbfisch nit ten sind." Und wenn im „Faust" der Teufel intolerant wird und zu predigen anfängt: „Die Kirch' allein, meine lieben Frauen, Kann ungerechtes Gut verhauen", läßt Goethe den guten deutschen Geist ihm erwidern: ,,Das ist ein allgemeiner Brauch Ein Jud' und König kann das auch." Der gute deutsche Geist ist.eben objektiv und weiß, daß selbst in seiner eigenen Brust — leider zwei Seelen wohnen. Von diesem guten deutschen Geiste sind diejenigen gänzlich verlassen, hie mit rasserein pharisäischer Salbung bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wiederholen: „Deutsch .s e i n h e i ß t e i n e S a ch e u m i h r e r s e l b st w i l l e n tun." . Halbe Walirhsiten sind oft ganze Lügen. Es gibt Sache«, dll jedermann um ihrer selbst willen tun muß. wenn er sie richtig tun will. Diose um ihrer (elbft willen zu tun. ist keim deutsch« BÄsoBfirh-LiL. Ein Jud' unh ein Errgländer tun das auch'. Es gibt andererseits Sachen, die man gar, nicht um ihrer selbst willen tun d a'r f. Wer zum Beispiel einen Krieg ohne bestimmteZ - Ziel führt, einen FvLedfin ohne Verständigung anstrebt, Putsche mehr zur Herbeiführung neuer Unordnung als zur Beseitigung veraftcter Ordnung veranftalLet, der handelt nicht deutsch/ sondern unvernünftig und unverantwort lich. Auch die Landsleute Jmmauurl Kants Mu, obwohl sie in der Mhrzahl keine Philosophen-sind, ihre Sache« < in der. Wgzl . u«t pvaktischssvernüttstiger Zwecke willen. Es ist nur Sache deutschvölkischer Demagogie, jeden Dsutschen'Ms eine Spielart des „reinen" No'rdmenschen vom "Schlage iWW^Skegfrieds hin?nstellen. Allein auch dies e. Sache geschieht, durchs ans nicht um ihrer selbst wftlen.?• - 3. Affenkomödie. t{^j. * Der jüdische Geist hat niemals einen neu e Gedanken hervorgebracht. Seine Geschichte ist eine ein-, zige Affenkomödie.;'j- Das Christen tu m ist trotz Luthers Schrift,- „daß unser Hirrr Jesus ein geborener Jud gewest" keine jüdische Reformation, sondern cinr indogerm«inische Renaissance. Die Schöpfungsgeschichte der Bibel ist durch die deutsche Wissenschaft als Plagiat entlarvt. Sie beruht auf Verletzung babylonische« Urheberrechte. Die Schöpfung selbst ist unvrv ginell. Alles ist schon einmal dagewefen. Die Erkenntnis, daß allss schon einmal dagewesen ist, wirhi zwar einem jüdischen Weisen namens Akiba zugeschrieben. Allein Gott mag wissen, wo. der sie her hatte. ■ („Jüdisches Echo-,.) Ei« Beitrag zur jüdischen Ksstümkunde. E§ war auno dazumal, da hrrrschte noch nicht dieKonigmMobtz unumschränkt über alle Stands Der Stil unterwarf seinem Zepter alle LrbrnSerfcheinungen, er wkb zum Ausdruck jeweiliger Äulwrepoche. Er war nicht lannenbaft wie die neuzeitliche Mode. Der Stil hielt sich jahrzentelang ans feinem Thron. Auch die jüdische Fra« hatte ihre Tracht. Und diele Tracht hatte Stil. Roch vor wenige« Jab roboten gab es in Galizien zahlreiche alte Franc», '.hie vnd da auch jüngere, die die Pansrr Modediklatür ignorierten «nd in althergebrachter Weise sich kleideten. Heute hat dieser Frauewypus schon ganz wenige Vertreterinnen. Mün heutiger Besuch im Jüdischen Museum (lt.. Malzgasse 16) brächte alte Saiten irr mir ins Klinge». — Dem Sammeleifer des Kustos Dr. Brauner gelang es, eine Spenderin zu sivde«,, deren Gabe einen Beitrag zyr jüdischen.Kostümkunde darstrllt. Fra« Adele Mieseschenkte dem Jüdischen Museum eine Sammlung jüdisch kostümierter Puppen. Die jüdische Franmtracht deK neunzehnten wie auch des achtzehnten Jahrhunderts ist hie? repräsentiert. Bei Betrachtung dieser allen Frauengewandrr werden vor meinem geistigen Auge zwei längst dahingegangene, mir teure Weien lebendig — meine beide» Großmütter. Ich sehe diese vergeistigten, fast heiligen Antlitze «Mrabmt, vom hunkelbtannen seidenen „Haarband", das ein „Stirntüchek^ schmückte. Ein solches „Haarband" umschloß den ganzen Kopf, nur eine« Teil der Stirn freilaffend. Ueber dem ^Haarband* wurde ein hell- oder dunkelbrauner kleiner seidener Hut bestimmter Fasson getragen. Das ^Dtirntikchü" war em länglich iassonniertes Diadem. Pesien und DiamantLn waren zv hübschen Ornamente« verarbeitet. DaS war die Kops" tracht der DürgerZfrauen m 19. Jahrhundert. Im 1?. und teils m der ersten Hälfte des 19. Säkulums trugen sie e^ne Art Haube (Knvkol^ genannt). E'ne solche KovtbM ist im Mm>unr