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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-28 · Heft 514 (28.6.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 514 (28.6.1920)
Date
1920-06-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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L>eite 2 xoien, vzroraag «O, ^}UIV» 1P0V nb (ixv PoMsche^undschau. Drthvdsxs „Politiker" in der Slowakei. Aus der Slowakei wird uns geschrieben: Gewisse jüdisch-orthodoxe Kreise in der Slowakei zeigen sich seit Beginn der politischen Neuordnung bemüht, die jüdische Einigkeit im Lande zu untergraben und alles vorzu> kehren, damit ihre Sünden aus der früheren Aera in frischer Erinnerung bleiben. Der Präsident der slowakischorthodoxen Zentralkanzlei in Pretzburg Hermann Steiner versendet ein Rundschreiben an die orthodoxen Kultusgemeinden, in welchem er seinen Rücktritt in folgender Weise motiviert: „Sofort nach meinem Amtsantritte und in prolon gierte rem Maße nach den durch meinen Amtskollegen in der denkwürdigen ersten Sitzung der Landesrepräsentanz provozierten erbaulichen Szenen begann ein re i able- K.s'elt^iben Iegen mich. Nicht ma?e ielle Vorteile. noch auch das Streben nach Würden und Ehren, sondern einzig und allein das Ideal, für Jisroel wirken zu können, haben mich bestimmt, das Ehrenamt eines Landespräsidenten anzunehmen. und dachte. Hand in Hand Mit meinem Amtskollegen Ersprießliches ünd Segensreiches zu schaffen. Leider habe ich mich in meinen Erwartungen getäuscht, denn meine Vorschläge wurden negiert. Eine Geheimnistuerei verbarg mir die wichtigsten Angelegenheiten, ohne mich zu befragen, ohne mich zurate zu ziehen, wurden diese erledigt. Gegen meinen willen und gegen meine dezidierte Stellungnahme wurden im Namen der Kvntrolleitung Verfügungen getroffen, die ich nie gutgeheißen hätte. Zu solchen Machinationen, die lebhaft an die dunklen Tage einer gewissen Kanzlei erinnern, tvill unir kann rch mich nicht hergeben. Ich will und kann auch nicht die Verantwortung tragen für Geschehnisse, an denen ich keinen Anteil habe." Die Angriffe dieses Schreibens beziehe» sich deutlick» auf den Mitpräsidenten OberrabLiner Weber, cm dessen Machinationen Steiner nicht teilhaben will. Die Genannten sind beide Gegner des Zionismus. Mch dem Umsturz hat Weber alle Mittel angewsndet, um den von allen Karteien angestrebten Zusammenschluß der Juden heit zu vereiteln. Er hat sich in der verwerflichsten Weise an den damaligen Minister SrvLar, einen Erzfeind des Judentums, angebiedert, und dies zu eiuer Zeit, Moder Jüdische Bolksverband infolge anhaltender Judenverfolgungen, die teilweise auch auf die Hetzreden des Ministers Srvbar zurückzufÄhren waren, gezwungen war, dis jüdische Solidarität anzurufen. Obzwar Weber davon unterrichtet, war, hat er mrt anderen Vertretern seiner Clique anläßlich der Volkszählung offiziell angefragt, zu welcher Nationalität sich die Juden zu bekennen haben, worauf ihm die beschämende Antwort zuteil wurde, daß die Regierung diesbezüglich keinen Zwang ausüben wolle. Rabbiner Weber hat in jeder Hinsicht bas Ansehen und die Interessen des Judentums gee schädigt. Er hat insbesondere bei den Karlamentsrvahlen gegen die ,Bereinigten jüdischen Parteien" offen Stellung genommen. Die Kanzlei, der er vorsteht, hat insgeheim den Einfluß in konfessionellen Angelegenheiten dazu mißbraucht, um die Wahl der Srobar-Partei bei den Juden zu propagieren. In seiner Eigenschaft als Präsident der orthodoxen Landeskanzlei, deren Statuten drer. Tage vor» den Wahlen vom damaligen Minister Srobar bewilligt morden sind, hat er sich mit fßtiteiit bisherigen Mitvräsidenten Hermann Steiner aus Neutra, arg verfeindet. Steurer hat nun das hier nntgeteiltö Rundschreiben an alle orthodoxen' MftuSgetmindM her Slowakei versendet. Dieser Brief bildet eine schwere Anklage nicht-nur gegen Rabbiner Webber, sondern gegen sämtliche Kreise, welche aus selbstsüchtigen Gründen, selbst in den gefährlichsten Zeiten, bereit >ino, das Judentum zu schädigen. Der Delegiertevtag der deutschen Zionifteu.?e>- '16. D'c^gierteniaa der Zionistischen, Bereini- •'.trta iü: Deutschland ist ant 20. Juni eröffnet worden. Ter g)-oße Raum des Blüthner-SaaleI war übereil? Mehr al« 250 Delegier re und über tausend ' a-avcs; anwesend. Die ^Delegierten gruppierten ».cd N2Ä vre' Fraitivueir: Misrachi. Hapoel Ha^air, d-e n?3riura^sfi'che Palästina-Föderation, ferner esne up■:?. die eine Heranziehung der gssamtjüdi- > *:• e 11 -? rSfie südas Paläftinatm.rk rrstrebt. nnd b5.n:'rrtip.'echsnd?ür eure Asuderung der zionistischen Taktik oittfritr. Dr. Alfred Klee erösfntzte den Deleg..' r.'-iling mit eir.sr wirkungsvollen Ansprache, in der ' u:tt W-irdigung her Beschlüsse von San Remo n:r - .'7 -chicksalhaste Bed.eutuuz de? gegenwärtigen ^;cua-sä-niitss hiuwiss. Lebhafter Beisatt wurde laut, üs. N.öner die Verdienste So kv lows und Weizr.i -r r - u,n die Verwirklichung der Herzlschen Ideen wü:dlgt7. Edens-- fand seine Forderung, daß die zionisü,7 D cgamsafion die Reinheit ihrer nationalenGrund- ^beim ZusamnrLnrrbLiten mit anderen Gliedern rc: Jucenhelt unverfälscht wahren müsse, laute Zipstimn.uug. Namens der zionistischen Zeitung begrüßte P:osesfor Dr. Warburg den Dekegiertrntag mit dkm ci::» die eugerrn Zu-annneuhün,^. zw-'ch?n brr 8^'.LNitLioA.iMchM Leitung, und den deutsche!: ZMniften, Der Boykott gegen ftortby'Ungarn. Die Verhandlungen der Gewerkschaftsvertreter. — Falls Ungarn keine Bürgschaften gibt, erfolgt der Abbruch der Verhandlungen. In der GewerkschaftSkommifsion in Wien wurden gestern unter Teilnahme deS aus Amsterdam emgetroffenen Sekretärs deS Internationalen Gewerkschaftsbundes Edo F i m m e n Beratungen sämtlicher Angehörigen der Kommission abgehalten. Es wurden im ersten Teil der Verhandlung, die bis zum späten Abend währte, allgemeine Fragen der ge-; werlschafiücher Organisation besprochen. Ueber den Boykott gegen Ungarn erstatteten die österreichischen GewerlschaftSkommissionsmitqlieder, insbesondere Nationalrat F 0 r st n e r vom Trartsportarbeiterverband Bericht und es wurde festgestellt, daß im allgemeinen die Durchführung des Boykotts eine! energische und w i r s a m e sei. Staatssekretär Himmer erklärte, daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Hollands den Boykott vollständig durchführen und daß auch die Berichte der GewerkfchaftslsitnnZen allerStaaten, auch Englands, die strikte Durchführung des Boykotts beinhalten. Es wurden sodann die Forderungen wiederholt, die von der «ugarrfchen Regierung für den Fall der Aufhebung des Boykotts zu erfüllen sind, nnd die darin gipfeln, daß die nngarifche Regierung sämtliche verhafteten Gewerksch aftler sreizulaflenund für die normale nnd ungehinderte Entwicklung der sozialistischen Bewegung in Ungarn ausreicheude Si ch erh eiten 5« bieten habe. Es wurde beschlossen, in diesem Sinne auch den ungarischen Gesandten Dp. Oratzzu informieren, m! t dem heute .die Verhandlungen beginnen sollen. Wie wir von anderer Seite erfahren, sieht hie Gr- < Werkschaftskommission in dem Umstand, daß. die ungarische Regierung7keine Vertreter aus Buda- Nach otzr Wahl des Bureaus erstattet- D'r. SUe« den Tätigkeitsbericht. Er schilderte die gegenwärtige katastrophale. Lage des Mischen Kolkes in der Dia-, spvra und beleuchtet demgegenüber die Bedeutung ^von San Renw. Der Zionismus knüpfe an den Völkerbund an und fördere nach Kräften^ die Völkerbund Politik. Bezüglich der zionistischen Arbeit m Deutschland betonte der Redner die Notwendigkdit der Hebrürlierung der zionistischen Jugend, bii Wirkungen der Kongreßb e w e g u n g, und oie Begründung des Palästina- Amtes. Sodann wres er auf dre Bedeutung der o stjüdr^chen Ernwanderung in Deutschland hin und hob vabet dre Tätigkert per r ü d l s ch e n A r b e i t s« ämter und des Ger Landes her Ostjnben in Deutschland anerkennenb hervor. Zmn Schluß mahnte er zux Eniigkett Stürmischer Jubel löste dis Mitterluug Dr.'Klees ans. daß die Gemeinde- Wahlen den Zionrsten einen glänzenden Sieg brachte. Dre Eröfftumgsschung schloß Mit einem Referat böit Richard LrchtheLm über die po litischen Aufgaben des Zionismus. Der M-eront beleuchtete dre gyoßen Mögüchkeitan her neugeschasstnen Situa- -- tson sowie auch die außet-ychenilich schweren Ausgaben der nächsten Zulnnft. Tagesbericht. Selbstmord der Vnrgschauspielerin Kutschers. Am frühen Morgen des Sonntag hat Bllrgschauspielerm Fräulein Tilly Kutschers, die Tockter Viktor . KutscheraS, in einem Anfälle momentaner SinneSver- . Wirrung ihrem Leben ein Ende gemacht. Mathilde (Tilly) Kutschera wohnte bei ihren Wern im zweiten Stocke des Hauses Neubau, Neustiftgafie 17. Gestern früh um etwa 4 Uhr stürzte sie sich' an8 eiyem Fenster der Wohnung in den Hof, Sie erlitt einen Much des Schädelgrundes und innere Verletzungen. Di^ RettlmgSgesellschaft wurde wohl berufen, fand sie aber schon to f. Die snrckitbare Tat der licheuSwürdigen Künstlerin, die d erst im 29. Lebensjahre' stand, wyr die Folge einer .seelischen Depression, unter der Tilly Kuischera schon feit Wochen litt. Die Ursache deS zerrütteten Seelenznstandedes Mädchens war m einer Gnttänschung zu suchen, die Tilly Kutscher« erleben mutzte. Ein junger Mann, Sohn einer anaeseheneir Wiener Fantilie, hatte Tilly KntscheraS Sympathien gewonnen. Das Mädchen schien sich der Hoffnung hinzugeben, daß sie die Gattin des Mannes würde. Diese Zuversicht hat sich nicht nur nicht erstM, sondern der Mann, der sich von seiner ersten Frau hatte scheiden lassen, heiratete eure andere Dame, die Trlln Kucjcheras Kollegin ani > Burgtheater nt. Die Tatsache dieser Heirat hat Pest entsenden und nur den Gesandten Dr. Gratz für die Verhandlungen bevollmächtigen will, das geringe Entgegenkommen der ungarischen Regierung. ES haben sich angeblich unter den Gewerkschaftkommissionsmitgliedern Stimmen erhoben, daß, im Falle die Verhandlungen mit Dr. Gratz nicht erkennen lasten, daß der Gesandte tatsächlich für die Durchführung der Maß. nahmen in Ungarn ausreichende Bürgschaften bieten kann, die Verhandlungen abzu-rechen seien. Vorläufig wird eine Verschärfung des Boykotts u i ch t erfolgen. Die Maßnahmen bleiben in der bisherigen Form aufrecht, solange die Verhandlungen mit dem Vertreter oder den Vertretern der ungarischen Regierung nicht zu einem greifbaren Resultat geführt haben. 1 Der Präsident des Internationalen Gewerkschastsbundes A p p l e t 0 n ist bisnun nickt in Wien eingelaugt. Er soll jedoch noch im Lause dieser Woche hier eintreffen. Fortdauer des Iustizterrors in Ungarn. Budapest, Sö. Juni. (Ungar. Tel.-Korr.-Bmeäu.) Der Präsident des Obersten Rechnungshofes Dr. Stefan Strauß wurde unter Anklage der Auf» reizung, begangen während der Proletarierdiktatur. verhüttet. Budapest, 36. Juni. (ling.-Tel.-Kürr.-Bureau.) Der Prozeß gegen die m Haft besindttche» 10 B 0 N s« kommiskäre wird am ö. Juli vor dem Straft gerichtshof beginnen. ES sind ungefähr 500 Zeugen vorgeladen. Die ungarische K-Lmettstzrise. Budapest, 27. Juul. (Uug. Tel.-Korr.-Vur.) Der Reichs» Verweser hat heute im ZusamWenhang mit der ResitrunsSkrue e« Präsident«« der Nationalvrrsamwlung Stephan RakevSzly mrd de» Abgeordnete» Gräfin Wert A p p - n Y i empfangen. Morgen wird der Abgeordnete H t n t $ (Ehriülichnatianale Bereinigung) empfangen werde«. Auch drr Mgesrdyeitz Gasion Gaal (Kleine Lavdwirte-Partei) ist pym Reichsverwster zu einer Besprechung eingeladm. das junge Mädchen dermaßen ans dem stMchen Gleichgewicht gebracht, daß sie nur mehr den Tod als Erlösung von der Oucck unerfüllter Liebe sah. r Todesstrrrz eines Fliegers. i Der 30jährige gewesene Rittmeister Wedinger» Froh re ich unternahm am Sonntag ans dem Flugfeld' zu Aspern einen Probeflug mit einem Flugzeug, das einen neuen Motor erhalten hatte. Als das Flugzeug die Höhe von beiläufig 500 Meiern erreichte, sah man, wie plötzlich eine Flamme emporschlug. Im nächsten Augenblicke sauste das brennende Flugzeug in die Tiefe und bohrte sich auf dem Flugplätze tief ein. Bon allen Seiten eilte Mannschaft herbei. Die Rettnngsgesellschast wurde bemfeu. Rittmeister Wedinger hatte einen Bruch des SchädelgrundeS und Brandwunden aller drei Grade am ganzen Körper erlitten. Er war auf der Stelle tot geblieben. Der Unfall hat sich wahrscheinlich dadurch ereignet, daß eine Tragfläche brach nnd dann eine Explosion de- Motors erfolgte. 1 _ | Die Frau erwürgt. ' Ein Selbstmord, über de» schon mit einer gewissen Reserve berichtet wurde, hat sich am Sonntag als Gattenmvrd herauSgestrllt. Es handelt sich um den T-d der 31 jährigen Frau Marie Sedlmayer der Gattin des 87 jährige« Zuckerbäckers Adalbert Sedlmayer, der mit seiner Fra« im »Freihans" ans der Wieden. 7. Stiege. 1. Stack wohnte. Es wurde berichtet, daß Frau Sedlmaycr am Samstag früh Mer ganz sonderbaren Umständen als Leiche, aufgesunden worden ist. Frau Sedlmayer saß tot ans einem Sessel, der auf einem Tische stand. Sie hatte um den. Hals einen Wäschestrick geschlungen, der am oberen Ende am Plafond an erneut Haken befestigt war. Am Kopfe der Leiche waren frische Verletzungen wahr-. 1 nehmbar.; ' Bei seiner ersten Einvernahme durch Polizeiko«missar Dr. B v hm behauptete der Gatte der Toten, daß ein Selbstmord vorliege. Er erzählte, er sei Freitag jum 11 Uhr abendnach dm Besuche zweier Gafthäuier heimgekchrt, doch sei ihm trotz heftigen Läutens nicht gehssttet worden, so daß er die Nacht in einem Automobil in einem Hofe des Freibausezugebracht habe. Zahlreiche Umstände wiesen jedoch darauf hin, daß die Frau das Opfer eines Verbrechens geworden sein müsse: Die eigentümliche Lage der Toten, ihre Verletzungen sowie Angabe» von Hansleutm über hävsige Streitigkeiten -wischen den Eheleuten und die Tatsache, daß Sedlmayer am 2$, d. nachmittags gesehen wurde, wie er sich beim offenen Küchen* finster mit einem Strick ra schaffen machte. Die polizeilichen Erhebungen führten zur Feststellung, daß Frau Sedlmoyer erwürgt worden ist. i Sedlmayer leugnete zuerst hartnäckig, wurde aber

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