Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-06-28 · Heft 514 (28.6.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 514 (28.6.1920)
Date
1920-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979592--04543-2990297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gnnetrrrmplar: Preis K Ä.SBO Pränumerationspreis e Sie«: AO» Mhole» te der Extzeditio«, L. Bezirk, Taborstratzr 1 biß 8. oder in einer ... verschleißstclle iTrasik): Monatlich. . Kronen «0 — Vierteljährlich „ «0.- . Mit Pöstverünid ffir Wie« «»• Oesterreich: Monatlich .. Kronen 30.- Nchecho^Slowakei: MonaÜich . . Krone« 18.— §8chEslaw§ische'rMS?n>«z Ungar«: , Monatlich .. Krone« so.- vierteljährlich 00^. 1« ««geaijcher Wahrnng - Jngssiawie«: Monatlich .. Dinar 0-— vterteljiihrlrch „ 18- Nr. 514 l'c, Wien, Montag, den 28. Juni 1S2V PrarramerationLpreijkr ^ole>»i - Mouk-tlich'. . >V|«tl »O.-i i8ierteljäi,rt,ikst - 00.-*i in pslnischcr'LSätzN»- ■ •< ■■ Monatlich;! . XUst 10.-* Monatlich^{jrrtHcd S,-^ _ . j Monatlich . ..Lire o.-- .' ^tC'Wtn: j Moiiatttch. . . Krailrd 3.-< tsiir dar iibrice'Auriand : > Bierteljuhrttch Krosri»: ISS,-*- Redaktion u.Zltzminiitration Wien.L.Pe^.Täborstr^—A Leletzbo«« Atzminiflratioa 44038. Rodatttoa 43310, ad 0 Uhr avenvs Sw 10801 Poftsparlaffchrtonto 15Ü.Ä0 2. Jahrgang Bei dt« gestrigen Wahlen in den Vorstand der Kuktusgememde wurden gewühlt: 13 Zionisten (bisher 2), 20 NichtMischnationale (bisher 34)/ 3 Orthodoxe (bisher 0). Wahloerechttgt waren von 300.000 Juden 19.000, abgegeben wurde« 10.553 Stimmen, davon 3714 für die Zionisten, 5912 für die Nichtlüdifchnationalen, 878 für die Orthodoxen. Ungültig waren etwa 300 Stimme«. Gewühlt find die folgenden zionistischen Kandidaten: - Abg. Robert Stricker, Dr. Isidor S ch a l i t, Dr. Jakob E h r l i ch» Kr. Leopold Plaschkes, ' Dr. Karl P o llak, ' Dr. Josef Auerbach, Rudolf Taufsig, , Max Mark»s, Dr. Ifidor M a r g u l i es, Dr , Kefider F r i e d m a n ».;f - Siegnmnd Ep l; A- Jakob P in k a-F Ifidor Mnsterlitz. Unser Steg.! —7. Wie«. 28 5kv«i. Mit zwei Mandaten sind wir in den Wahlkampf eingetreten. Mt dreizehn Mandaten gehen wir in die neue Periode. Die bodenständigen, sechsmal durchgesiebten weftjüdischen Wähler treten für uns ein, erklären sich, soweit sie nicht durch geschäftliche, verwandtschaftliche oder andere Rücksichten beeinflußt waten, für die Liste des jüdischen Volkes. Die Ehre der Nation stand ihnen höher als jede andere Rücksicht. Kein Renegat konnte sie me machen, kerne schillernde Phrase und keine Programmschreckerei abhalten. Wien hat jüdischnational gewählt. Was noch zu tun ist, wird geschehen. Den Nrchtjüdischnationalen hat nichts genützt, auch ihr Sklave Fleischer nicht. Die erste Etappe des Kampfes um die Kultusgememde liegt hinter uns: Mehr als ein Drittel der Sitze im Kultusvorstand ist von den Jüdischnationalen erobert worden, die trotz eines maßlosen, alle Grenzen überschreitenden Terrorismus, trotz einer an Lügen und Verleumdungen überreichen Geyenagitaiion. den Beweis erhalten und geführt haben, daß ohne sie die Kultusgemeinde nicht mehr bestehen kann. Auf unsere Anstrengungen ist es zurückzuführen, das zum ersten Male wieder eine starke jüdische Wahlbeteiligung in die Erscheinung getreten ist,' daß das jüdische Volk in Wien wieder Interesse für die Entwicklung seines Lebens gewonnen hat. Dreizehn Mann stark zieht die zionistische Delegation in die jüdische Ratsstube:ein. Sie kommt mit dem ernsten und entschlossenen Willen, den Wahlrechtsraub, der 280.000 von 300.000 Angehörigen der Gemeinde rechtlos macht, nicht mehr zu dulden. Die Kraft unseres national-kulturellen Programms hat uns von den zur Urne zugelassenen 20.000 Stimmen Lher ein Drittel gesichert. Wir haben dieses Resultat einzig allein der Reinheit unserer unverrückbar feststehenden Grundsätze zu danken. Wir haben kein Kompromiß geschlossen, uns standen nicht die 'großen Geldmittel zur Verfügung, die die assimilatorische Plutokratenclique in die Wahlen werfen konnte; wir sind eine Volksparlel, die sich nur auf das Vertrauen des Volkes und auf den jüdischen Idealismus stützt. Wir wurzeln' im Volke und; der Auftrag, den uns die jüdische-Masie erteilt hat, die Türen und Fenster des jüdischen Rathauses weit dem Zeitgeist zu öffnen, wird ausgeführt werden. Unsere Gegner werden keine guten Zeiten haben und es wird nicht irrehr Icutgc dauern, bis zu dem neuerlichen Apell ur Dreizehn Zionisten an die Wische Wählerschaft. Wir haben gestern mehr als ein Drittel der Mandate dank der Schlagkraft unserer unzählige Wale erprobten Organisation errungen, aus unserer eigenen Ktast haben wir gesiegt und wir werden den Sieg festhalten und erweitern. Gestern ist die erste große Bresche in das Bollwerk der Assimilation geschosien worden, das seine bisherigen Besitzer und ihre Helfer für unüberwindlich gehalten haben. Nun ist die Festung sturmreif. Sie wird, fallen. Denen, die uns geholfen haben, die in nimmermüder Treue die blau-weise Siegesfahne getragen haben, unseren Wählern« unserer begeisterten Jugend sagen wir Dank. Wir wissen, daß sie wieder zur Stelle sein werden, wenn wir im Namen des jüdischen Volkes sie wieder rufen werden. Unseren Gegnern, die erstaunt find, daß sie noch leben, sagen wir: Auf Wiedersehen! " Der Kampf. Die -estrigen Wahlen in die Kultusgememde haben der zionistische» Liste den Sng gebracht, der nicht allein nach der Zahl der abgrgebme«CtinMtn^abM zu ziehen,staß W gesamte modern^nd WiokraÜsch m empsindsude jüdische Wien von der Teilnahme i an Är Wähl auSgeschlosienwar, daß die Wahlordnung derart zNgestutzt wurde, daß die entjudete, affimilatorrsche Großbourgeoisie, welche sich seit je gegen ein lebendiges Bekenntnis zum Judentum stemmte, öon vvrneheremdaSUebergewicht haben sollte. Nicht das Verhältnis zum' Judentum, sondern der Steuerzettel «nd die Staatszuge-örigleit sollte entscheidend sei«, damit jene Clique die Vorherrschaft behalte, welche einzig das goldene Kalb anbetet. Dem Terror und den Millionen der Dimer Großinden, welche übrigens auch als ge« lehrige Schüler der Christlich:vzialen zum Mittel der Fälschung von Stimmzetteln griffen, konnten die Zionisten von vorneherün kein wirksames Gegengewicht entgegenstellr«. Und die vereinigte jüdische Assimilation hat eine für sie ganz ungewöhnlich starke Beleibgung an der Mahl aufzmveise»: all die Leute, denen nichts ferner liegt als eine wirtliche Beteilignug an jWische» Dinge«, eilten pünktlich zur Urne, um zu retten, was für sie z» rette« war, u» zu erwirken, daß in die mussige Verkrochenheit der Kultusstube kein frischer Lusthauch dringe, daß sich daS Judentum auch weiterhin nicht an die Oeffentlechkeit wage, daß ein freimütiges Bekenntnis zur jüdische» Sache auch fürderhin verhindert werbe. Charakteristisch hiefür ist die Wahlbeteiligung in der Inneren Stadt, wo die Assiunlankn wir ein Mann-kamen, um für Pick und Rappapori zu stimmen. H,n, in der Hochburg der Assimilasiyn. wo die reichen Geschäftshrrren ihren Druck auf ihr Personal auSüben konnten, haben die Zionisten trotzdem ein Drittel der Stimme» aus sich vereintst. Bezeichnend, baß in der Brigittenau, einem der volkreichsten jüdischen Bezirke, u« Ganzen ein paar hundert Wähler wahlberechtigt sind! In der Leopoldstadt zeigt sich schon eine kleine zwmstische Majorität und man kann sich leicht vorsiellen, wie groß sie geworden wäre, wenn all die Tausende, zum Votum gekommen wären, die es um jeden Preis mundtot zu machen golt. In solchem Lichte gesehen, bedeutet das Ergebnis der gestrigen Wahlen rmen zionistischen Sieg! Wir marschieren vorwärts, allen Widerständen zu Trotz! Wir entsenden eine starke Gruppe aufrechter jüdischer Männer in die Gemeindrstube, die auf Ordnung sehen und einem neuen Geist die Tore öffnen werden. Die Wahlen haben klar das eine erwiesen: Die große Masse des jüdischen Wien, all die deS Wahlrechtes beraubten Massen, stehen hinter uns. Die Zionisten sind noch immer in der Minderheit, aber sie sind stark genug, um das reaktionäre Wahlrecht' zu Fall zu bringen und duechemwirkllch demokratisches zuersetzm.Das Anwachsen der zionistischen Stimmen wird augenfällig. wenn man dre im Jahre ISlO.sialtgesundeuen Wahlen m Betracht zieht, bei denen -- unter einem noch reaktionäreren Wahlrecht — bloß '800 Stimmen auf die Zionisten entfielen. Die Tage der Borberrschast der jüdischen Baukönekivren, der zusammeugeschloNeuen Plutokratie. der Clique, die crwlesenermaßen sogar Getaufte zur Urne schleppte, sind gezählt und bei den nächsten Wahlen wird dafür gelorgt sein, daß wirklich die jiidtsche Wählerschaft zu Worte komme! Die iusische Volksgememde ist uur noch eine Frage d:r Zelt! Der Verlaus des Wahltages. . D;e Wahlen in den Wiener-' KültuLvorstand Mßür ustter ganz ungewöhnlich starker Beteillgung — jenes MimnrUmi statt, dem die Machthaber der Kultnßgemeind« dal Wahlrecht eingvräumt Huden. Von den sage und schreibe:.) e ch s P h e-»t Wahlberechtigten d er' Wie« er'. jÄHsi's'ch^« B e v'll l 11 u « n g schrut der fti’Siite Teil zür UciicM Äbte» in Floridsdorf brinahr alle Wähler chr Wahlrechtchuß.' Am stärkste« stieg das Wahluebir^um: die ' Morgrustttude.- Jltsbesonderr in der LrüpoldftM ste.M.sich. die -bir den Wahllokalen derart, daß der.Emzelne nngesäh'.': tz'ckr'Stunde' warten imiftt, bis er daran kam."' . : Dre Gegner des lebendigen Jüdeniums, die sich; unter Firma „Nicläftidischnakional-: Partei" verelnigt' hattrrk.Htrch'-'üls ss'lke er-, sich b«r einem Pogrem'zu schützen. Düiit der JüdifchnatÄnalen, •toctCrcf bic Wahl involler' NrM unsere unervtjrdliche» Agitatoren arg provoziert wurden.'! ^o!rr« - eignete es sich in der Praterstraße/ daß die Grgn« iides.:WÄ^c übsingen und ihr: vrräulaßten, ihnen den W a hrl-z^t^t e-.l zu. zeigen. War er ihnen nicht".^.ä'jeckhru,. weil »her Zettel auf bit '8 j st e B V t i ck e r lautete, so' snchken'ffi ihm die Wahlllste dchIsWlanjen ^inzMndi-xm^% steÄN^drrsee. ungehörigen, gesc tznüd ritzen Emz'WgÜ'WT":r ' '' q- ’ ’; : -Ganz anßel ordentkch, über - jedes Lob erhabM/ Mt wieder die H a l t ü n g ' d e r W i e u!e iO sti..u d e «. Diese Entrechteten, . von ' den sogenannten -^tzode»« ^ständigen* Verratenen, habe« mit wahrer Anfopferring'ügitsert, ütu wenigstens die Stimmen ihrer wahlberechtigten' BMuntd»'drr.- zionistlschen Me zuzuwenLsn. - - »'.-ch''./ ■: f ■ . In der Mittagsstande flaute die Wahlbeteilignntz äh! mrd um 8 Uhr war eigentlich die Wahl abgeschlossen.' Dex GE!^ - regen Leeir.tr8chtigtr das politische.Futerrssr ganz.' aüßirörLMd^-- aber auch dieses veus.emscbins. konnte den Sieg der zivnWscht» - Liste nur eivfchränkcn, aber nicht verhindern. Dir. nichWisch« nationale« Lügner -gehen schwer« Tagck emzegrui - Für'sie gst das Geld, für «ns das Volk. Wir treffe» uns " Di« Wahle» iu die BezirkskoMMijfiO»e». . Es wurden gewäblt: 45 Zio«isie«, krMchsiüdis^nesisffgs». Z-Orihodope. , 2000 Kriegsgbsangrne ertrunken. f BSrli«, 28. Juni. Der ^Deutsche» A3» gsmeinen Zeitung" wird aus HeLfiugfvrs derichtetr Girr bolschewikifcher Lrauspyrtvauzpfer vs« 8000 Lsnrre» rft am 6. Juni iu dec Nesva gesurrken. A« Bord oefanden sich 2000 firrulsche, östsrreichifchs rmd englische KriesSgefaugeue, die aus Rußland abtrausportrert Werde» fofiteu. Sie sind sämtlich ertrunken. Nach einem Ko^euhagsuer Telegr»«« des „LoLalanzeiger" Sesagt eine Meldung aus HelsmgsvLS, daß der Lraurpsrtdamvfer än der Newa-Mündung gesunken sei.- AK Berd befanden sich Gefangene deutschem Hfiexreichischer und englischer Nationasitüt. Alle ^ereu ertrrrnke». - ___ D!: ueuen Steuern i« Pslen^ . Varis, L8. Juni. (HavaS.) Das Amtsblatt veroMsiichr bas Gesetz betrcjfrnd die rn'urn Steuern, die 5'/» Milliachrk einbnngcn sollen. - . Dor eiuer Lagung des BSLKerdtzuder. HVashinaton» 86 Jmii. (Reuter.) Die Miierten haben Wilson um die Emberüftmq des 'BsWbnnder eriucht. Betreffs der Wahl des T^zm^sortes.schchaule« sie zwischen Genf und Brüssel. " ' \ v B M

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.