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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-26 · Heft 512 (26.6.1920) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 512 (26.6.1920)
Date
1920-06-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 512 Wien, SamstaK Die jüdischen Kriegsinvaliden und die Kultus- Gemeinde. Jiu cutscheidenden Kampfe gegen die Hochburg der Assimjlattou müssen die jüdischen .Kriegsinvalidei, und Heimkehrer werktätig ein greifen und denen jum Siege verhetsen, die in den Tagen dcS Zusammenbruchs der wütendsten Juden-- Hetze, des Elends und Bersallü der wirtschaftlichen- Existenz der jüdischen Kriegerfamilien diesen die einzige Stütze waren, die. jüdische Stadtschnhwachc. zur Bewachung des Mischen EigMtmns und Lebens organisierten, Vorsorge für unzählige unglückliche Opfer des .Krieges trafen, Mische Kinder vor Hunger. und Tod retteten, indische Flüchtlinge, denen die- Tore der eigmen. Heimat .versperrt wgreu, in Schutz-nahmen. Wir Mische Kriegsinvalide, und Heimkehrer - können keinen Schutzbund keine -Hilfe vost. den heutigen Machthabern der Knltusgemeinde erwarten. Denn wo wären diese, als ' wir nach Jahren des blutigen Kampfes krank, gebrochen und arm in die Heimat ziirückiehrLen und Hilfe suchten,, wer .hat uns eurpfängen, wer reichte uns die Hand, was tat für ims während dieser langen Zeit die Kultnsgemeinda? Sie war berufen/ Recht und Hilfe für di« jüdischen KricgSinvalidcn und Heimkehrer .zu fordern. Taub Ware:: die Machthaber der. obersten Mischen Instanz gegen die Hilferufe' der Witwen und Waistn. .'In dieser' furchtbar«: Zeit, wo .es galt, fick), an.'die Spitze einer einheitlichen großenHilfsaktion zu.stell«:, gab sie die Parole zun: Bmderkamps, hetzte sie die Westler gegen die unglücklichen Flüchtlinge aus den: Osten auf, war sie die Avantgarde des ÄntistmitenbiMes. . . Wir. jüdische Heimkehrer haben im Kriege- Disziplin und Dienst gelernt. Wir waren diszipliniert und dieüteu ehrlich im Interesse eines Reiches, das fiir . uns wenig übrig hatte. Nun müssen wir Sonntag solidarisch beweisen, daß wir Soldaten des jüdischen Volkes und bereit sind, den letzteil Kampf mit den Verrätern an der jüdischen Sache auszufechten. Nur ehre tvahre Volksgemciilde, in der von uns freigewählte - und bewährte Vertreter walten werden, kann uns Gewähr geben, daß auch die Sache der jüdischen Kriegsmvalchen und-Hinterbliebenen gut vertreten sein wird. Jildem wir der jildischsiatioualen Liste zum Sieg verhelfen, belfen wir uns selbst. . Davis Er dir acht. - Leiter der Aktion für den Wiederanfbau der Existenzen der Mischet: Kriegsinvaliden und Heimkehrer.. Die Kandidaten der „Glanbeustrenen". Wir erhielten die folgenden Erklärungen: Die Herren Samson Schreiber, Leopold D i ch t er, Em»l Kollm a n n, R o t h, Bleiberg erklären, daß ihre Namen mißbräuchlich auf den Wahlaufruf der ,Glaubms- Ireuru" gesetzt wurden. — Die Herren K r ä n z l e r, Moritz H echt und Israel Teller, welche von der .vereinigte» gläubeustreue» Judenschast* als Vertrauensmänner des XVl./XVII. Bezirkes kandidiert werden, erklären, von dieser Kandidatur z u r ü ckz u t r e t e u. VersammlnnAskalender: Heute, 8 Uhr abends, Eichrnsüle X., Favoritensiiaße 71. Referenten: Abgeordneter Stricker, ^Grmeinderat Doktor Pla,schkes. Heute, V-6 Uhr abeudS, Swoboda, Prater. Masieumeeting. Referenten: Arrrtta M ü I I e t, Abgeordneter Str i ck: e r, Gemeindrrat Doktor PlafchlleS. ■ Heute, Vj6 Uhr abends. Wallen steinsöle, XX., Wallrnstriustraße 72. Referenten: Dr. W a l d m a n », Löbl Taubes, Dr. Karl P o l l a k. ' Heute, 5 Uhr : Der Verband der t h o r a t r e n e » I u d e«- „A g u d a t h - Hacharedim" ersucht alle Vorstandsmitglieder wie auch alle .KultuSwählrr von ihren Vereinen, heute um 5 Uhr nachmittags zu einer Wähler» Versammlung im Vereine. „M achsike Hada ß" II., Schissamtsgasse 20, pünktlich und bestimmt zu erscheinen. ' N8ure Iehuda. Besprechung aller nicht bereits für die Wühlarbeiten eingeteilten Vundesbrüder heute, 7*5 Uhr, C«f6 Ecke, XVtll., Abt Karlgaffe. Erscheinen unbedingt notwendig. Sämtliche Agitatoren vom IV. «nd V. Bezirk haben sich heute um 8 Ähr abends im Terraffsn- Cafö, V., Margaretenplatz, einzufinden. Die Agitator e n d e s S p r e n g e l s H l in k s der,Taborstraße treffen sich heute um 7S8 Uhr abends •, im Lokale der. Macksike Hadaß, ll, Schiffamlspasie 20, zue \ letzten informativen Besprechung. Pünktliches Erscheinen aller unbedingte Pflicht. . - Agitatorer: des U. Bezirkes links der Tab otstraste! S o n n t a g ' T r x f f p u n H f ä m 11 ich er A' g i t a t o rnt und Mitarbe i t e r im W a h l -- k r e i s h auptlobal. U., Schl f f a m t s g a f sie 2 0, tun. - 7 U h r f r ü h. Pünktliches Erscheinen . Pf licht. ' Zionisten des IX. Bezirkes! [ Der von euch im IX. Bezirk unsere Arbeit am Wahltag unterstützen will, der finde sich zuverlässig um 8 Uhr vormittags im HauptägitätionSlokal, Caf 6 Iägerhöß IX. Porzetta n» gasse,22, ei«.. . ... Gesinnungsgeuvsien! Wir erwarten von euch, daß jeder ' Mann nüd Frauseine Pflicht erfüllen wird.. ..Zionistische Bezirkssektion Alsecgruud ' Dr. I. Schallt. ' .... Jiouistische Bezirkssektion bis XV. .' )e«t'e, '/,8 Uhr abends, dringende letzte Besprechung im. «* 7ü.:rnsaäl, XV., Herklotzgasse 21. Erscheinen Ehrenpflicht st-.'/ Gesinnungsgenossen wollen sich dortselbst. zur. Entgegen« nghlüc weite,er Weisungen melden. Brigitteuauer Agitatl§Nin! versammeln sich Sonrrtag den 27. b. M. um 7 Uhr früh im AL'tatwnslolal, X?k.. T r a .u n f e l s g a s i c 7/14, wo Instruktionen erteilt werden. Angestellte der Kirltussemerrrd«! DaS AgitationSlokal der iüdischnatlvnalen Angestellrrn der Kullrisgcmeinde befindet sich Cass City, I., Wcrdertorgafse. Z - sanmienkünsle täglich von 6 bis 10 Uhr abends. Alle Iugendliüieu werden anfgefdrdrrt, morgen um 7 Ahv früh im BcreiuolyUale der Jüdische«: Balls Wiener MovgenKÄttnns 2b. Ium rv2S AMT» ,.— ...— ----- ■' ■ i, > — >—' ■ -- i.i>rar' 'irairriAi>gBMauMai»iAm* n dibtiothek Fiö», II., Glöckrusafie 30, zu erscheine», «es ch eineu ist Pflicht! Achtung '. Wähler deS XVUI, Bezirkes. Das Hauptagitationslokal sör die Wahl am 27. Juni ' befindet sich in Aufha u sers Gasthaus. XVIII., Sch o p e n h a u e r st r a ß e 41, neben dem Temv.lgebäude. / ' Alle jüdischnationalen Wähler trrfien sich vor Abgabe der Stimme im obaugesührten Lokal. Achtung l Die Mchtjridischnatiormlerr hoderr während der Wahlagitation durch bezahlte Fleischerknechte und Pülcher mehrfach Terror zu übe« gewagt. Es wäre daher nicht verwunderlich, daß sie es am Wahltage auch versuchen werden. Doch ist dafür gesorgt, daß kein Wähler, der zionistisch wablt, beheMgt werde. Jüdische Wähler, übet unbesorgt alle euer Wahlrecht aus. Ihr seid geschützt! Die Mitglieder der „Selbstwehr" werden aufgefordert, am Wahltage sich in de« ihnen bekannte« Lokale« einzufinde«. Agitation»- arrd AnskunstSloLale für den Wahltag. I. Bezirk: ^Wiener Stadtcafö*, I., Koblmeffcrgasie 2. U. Bezirk links von derTabvrftraße: H.,Skölstamt§gaffe2ü (Tel. 45021); Cafs Nembcandt, U , Untere Äugartenstraße 11 (Tel.40381); Restauration Brate«, II., Kleine Pfarrgafie 22; Ieschtrath Israel, II., Leopoldsgasse 30; Caiö Ravpaport, II., Obere Donaustraße 71; Cafe Buchsbaum, II., Taborstraße 11. II. Bezirk rechts von der Taborstraße: Zionistische Sektion, II., Kaller Iosesstraße 42; Restauration Straßenbof, U., Glückcngasie 3; Cafs Nrw-Nork, ' II., Praterstraße 50; Artisten-Caf4, II., Praterstraße 43: Betbans, II., Sebastian Kneippaaste 1; Caf« Glaser, II., Stuwerstraße IS; Vcrein Zion, II„ Glockengüsse 30; Ziomstischrs Bureau, II., Zirkusgaste 33. lll./Xk. Bezirk: Restauration Littmann, HI.. Radetzkyfiraße 21. IV.,V^X. Bezirk: Terraffen-Caf6, V., MaMerenplatz. Vl./Vll. Bezirk: Zioürstrsche .Sektion, Yh; Amerlingstraße 19; VI., Schnmlzhofgaste 8. VIII. Bezirk: Unitas - Lokal, VIH., Auerspergstraße 21 rSouterrain). ' IX. Bezirk: Ccllä Zägerhof, IX, Potzellangaste 22. Xll.bisXV. Bezirk: XIV..Herklotzgaste 21.1. Stock: HietzingerHof (Weißer Saal), Xlll., Hirtzinger Hauptstraße 22. XVI./XVII. Bez.: Eas6 Neuland. XVI., Thaliastraße 22 (Tel-19166). XVIII. Bezirk: Anfhausers GasthanS. XVIII., Schopenhauerstraße 41 neben dem Tempel. XlX. Bezirk: Eaf6 Döbling, XIX., Hauptstraße 39 (Tel. 93590). XX. Bezirk: ZionistllÄe Sektion. XX., Karl Mestelstraßc 5; XX., Traunfrlsgasse 7/14. XXI. Bezirk: Dr. Ruß, XXI:, Kretzgaffe 8 (Tel. 98912). Tsgesbericht. Ms Hsfardseuche. Ist 1er Rachk zum 25. d. M. -hst der Pottzeckkommissär unt den Kriniinalberrmten - H öX t m ü l 111, Spclitz und Lang irr der -als Bakkaratspielhölle bekannten Wohnnrrg der üstjährigen Generalkonsuls-> Witwe Jda Singer, '4. Bez., D,annhaitzerg>asse 10, Nachschau gehalten und dort eine Gesellschaft betreten, die, den cingeleitetezr Erhebungen zufolge, bis ' knapp vor Eintreffen der Amtsorgane Bakkarat gespielt hatte. Festgestellt wurden die Nmnen folgender Personen: x Der Kaufmann Hugo Knepler, der 21.000 Kronen bei sich hatte, der Juwelier Alfred Spitz, der 9000 Kronen beijsich hatte, der Fabrikant Theodor Tn riet, der 9000 Kronen bei sich hatte, der Hvteldirektvr Rudolf Ro nach er, 2600 Kronen, der Privatier Doktor F. M u h s, 16.000 Kronen, F. Hirsche n h aus« r, 18.000 Kronen, der Kaufmann Rudolf Walter.^die OpevLtlensüngerin Klara Werner, die Rechtsanwaltsgattin Emmy' SchticpP. Während die Kommission noch aintierte, kam auch der Rechtsanwalt Dp. FriLdrich Schn epp. Bei der Revisipn in der Wohnung wurde noch ein Brutei mit Bakkaratbarten gesunden. Ein Spieler hatte Jetons bei sich. Als die polizeilichen Organe auf die Straße kamen, waren diese und der.Vorgarten des Hauses mit Bakkaratkarten geradezu übersät. Sie sind jeden falls beim Einschreiten der Polizeiorg-ane vom Fenster auf die Straße geworfen worden. Gespielt wurde in einen: Atelier, das durch eine Wendeltreppe mit der Wohnung in Verbiiidung. stcht. Die Psgromfiüchtlinge «nd die französische Regierung. Das Jüdische Presilureau, Paris, meldet: Am 8. Aprll brachte Herr Heinrich F. Braunstein in der Sitzung des leitenden Komitees der Zionistischen Föderation in Frankreich die Frage der Pogromflüchtlinge zur Sprache und wies darauf hin, daß diese von den französischen Verwaltungsbehörden drangsaliert werden, indem sich diese darauf berufen, daß die Flüchtlinge ohne Visum des französischen. Konsuls ihres HestnatlandeS nach Frankreich gekommen sind. Das Komitee beauftragte Herrn Braunstein, bei der französischen Regierung zugunsten der. unglücklichen Opfer zu intervenieren, die sich aws der Hölle von Mittel- und Osteuropa vor den schrecklichen Verfolgungen der Behöxden gerettet haben. - Der Generalsekretär Simon Ginsburg mrd die beiden Delegierten des Hilfskomitees Adolf Pessi. mü> Paul Bachner schlossen sich dieser Aktion an. Die Delegation wurde zweimal, am 10. und 17. April, vom Minister des Innern Steg empfangen und ülrergab ihm zwei Memoranden über v - die Flüchtlinge und über die zu ihrem Schutze und zu ihrer Uni.'i-'inbnng von in".- bicfcm 'Mecle lonslltiüertcn „Union Größte Auswahl! Billigste Preise! y «io Leopold Stei»hart,Meli, IMberstraße 8. »NM Oeckeutenc! ver-^rö88erte, mit allein Howkort aukxestaitate lohalltülen. Kenckervoua samtiiekar Lionisten. Xludlolcal 6er Hako,h. 412 KTJDOZ.F OEQUITD, CaKtiw. Ecke HMllWM der jüdischen Gesellschaft" in Frankreich. Der Mmster ber wrllkjstL sofort einen zeitlich begrenzten Auffchsh und die generellen AuSwrisungenhörtenauf. Am 27. April urü»'4. Mai hatte die Delegation «euttliche ^Besprechungen mit M. Kampfam, dem SektioSnchej im Ministerium des Innern, und legte ihm ein Muster vün durch die französischen Behörden anzuerkennenden provisorischen Legitimationen für die Flüchtlinge vor. Am 8. Mai fand' wieder eine Besprechung n:it M. Lab u f s i e re, dem; Direktor der Sicherheitspolizei, statt, bei welcher die Vidierung, Legalisierung und. Signierung dieser Leqitimationskarten durchge^Lhrt wurde. Die Aktion zugunsten der Flüchtlinge hatte sonrit emen v o l l ft ä n d i g e n E r f o l g. > Der Tärrfting als Pogromhetzer. 'In War scha u gibt es ine „Liga zur Bekämpfung des Bolschewismus", deren einzige Tätigkeit bisher tk .der giftigffeeu Judenhetze besteht. Welche Ziele diese Liga verfolgt, geht daraus hervor, daß auf ihrem vor einigen Monaten abgehaltenen „Kongreß" die Einsetzung ein« „starken Diktatur nach innen und außen", also «iirt* .Art Hvrthy-Systern, gefordert wurde. Diese Liga hielt, wie der „Kurzer Warszawsk:" berichtet, am 18. Juni ein stark besuchtes Meeting ab, bei welchem sämtliche Redner bald im ju den Hetzer ischesten Fahrwasser schwammen. Besonders aber verdient hervorgehoben zu werden, daß Waclaw Mitten m i l ch, ein bekannter getaufter politischer AbenteurLr, sich mit einer Rede produzierte, in welcher er daplegte, an allem Unglück Polens seien die Juden schuld und mit ihnen müsse inan wie mit Spionen und gefährlichen Verbrechern verfahren. Der Ehrenmann beantragt« Konfiskation des gesamten jüdischen Besitzes und Ko«-- zentrirrung der Eigentümer dirser Vermögen in Ge- ^angensnlagern. Die Rede machte, wie der „Kurzer Warszawski"' schreibt, auf dir Zuhörer, „gewaltigen Eindru^. Sie macht ihn nicht auf einen Kenner/ der Wiener Berhältnisse. Wir kennen ja die Gesinnung der Täuflings h la Sieghart und Konsorten, welche bei ihven politischen Abenteuern sich nicht scheuen, die Horthy- Pogrömisten in ihrer Presse als unschuldige Lämmleiu hinzustellen und in trautem Verein mit den „Nichtjühischnatronalen" und der „Reichspo^ die Judenhttze Hl' der Form der Ostjudenhetze zu betreiben. Der Unter- . schied zwischen Warschau und Wien ist nur, daß die. Warschauer Siegharts sich vor Nichtjuden pvoduziereu, während das Wiener Judentum sich lecher vo«. seinen Siegharts und seinem nichtjüdischuationalen Anhang solches bieten läßt. Ei« merkwürdiger Fakt von Bigamie. - . In Emzelfällen lebt nach dein Kriege die RonrarsH des Mittelalters wieder ans. Unter den Heimkehrern b<K 23. d. M. befand sich auch der Dächdeckergehilfe Kart Ba uer, der vor dem Kriege in Meidling, Fockygasse Nr. 31, wohnte. Der Mann war verheiratet Uno hatte zwei Ki«d-Sr als er einrückte. Nach dem ersten Falt 'der Festung PrzenchA geriet er in russisch! Kriegsgefangenschast. Er wurde nach Irkutsk verschle;ipt. Da erreichte.ihn ich Jahre 1916 mtter dem Namen Karl Bauer ein Z^legramm aus Wien, bäs besagte, daß seine Frau gestvrb en sei. Bauer konnte und mußte sich für einen Wittver hätten. Einige Monate .später erkrankte Bauer im Barackenlager zu Irkutsk schwer und war nahezu auf ge geben; aber unter den Schwester« im Spital des Lagers war -eine, Anissa I e f remo w a, da ihn mit tvahrer Aufopferung Pflegte. Ms Bauer wieder zu Kräften kam. faßte er eine tiefe Zuneigima zu seine« Pflegerm. Eineinhalb Jahre nach Erhalt der Depesche, die ihn zum Wittver machte, führte Därrer die Jefremoloa zu« Altar. Zwei Jahre lebte er mit ihr in mrgetrübter Ehr, aber immer sehnte er sich nach der Heimat, ba er Wegs die Absicht hatte, in Rußland zu bleiben. Als sich! nun vor einigen Monaten die Gelegenheit ergab, mit eine« Heimkehrertrcucsport nach Oesterreich zu kommen, ergriff Baue» die Gelegercheit it# trat mit feiner zlveiten Frau die Heimreise an, die ihn über Narwa führte. Sein erster Wetz führte ihn in seine alte Wohnung, und da harrte seintzv eine überaus große Ueberraschung: Seine totgesagte Fri»' enkpsmg ihn siisch und gesund mit ihren Kindern. Bauer wollte seinen Augen, kaum trauen. Aber schließlich mutzte er doch arr die Wirklichkeit glauben. Er erzählte von dem Telegramm, das er er haltert. Das Rätsel 'fand alsbaldseine Lösung: In der nämlichen Baracke,, in der er in JrkutÄ interniert war, war auch ein gervisser Franz Bauer kriegtzgefcucgm:. Und die Frau dieses Franz Dauer ist gvstorbsr, als er in Gefangenschaft war. AG man den Frau; Bauer' von dem Tode/, verständigen wollt«, wurde irrtünliick . statt an Franz Bauer an den Kart Bauer depeschiert, so daß Franz Bauer keine Nachricht bekam und Karl Bauer sich für einen Wittper halten konnte. Nun war Karl Baver m schwerstem Gewissenskonflikt. Bon seiner jetzigen Fra», sestrer Lebensretterin, wollte er sich nicht ttemrctt, zumat er sie aus ihrer Heimat weit hergebracht. Andererseits wvkli« er seine Kinder nicht verlassen. In seiner Gewissensnot begab er sich gestern zürn Polizei^ konünissariat Meidling und ließ sich dem Polizeirat Doäo« Bilinkrewicz Vorführer,; dem Polizeirat erstattete die Selbstanzeige wegen Bigamie. Polizeirat Dr. Biltnttew:^ konnte dein Manne auch nicht helfen. E.r nahm die efeq nutgeti'ltten Angaben zu Protokosl und wird den, Sacht ULrhair der b.l.tzMMMrÄlläst mitjeiler^

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