Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 510 (24.6.1920)
- Date
- 1920-06-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«tftt 510 Wien. Ddnnerstag Meyer Morgerizrrlknng?A. 3unt*.I9Z0 tefebt Freie Ein'wandernng der Kudcrt nach Palästina unter der 5t'ontrolle -der zrvnist i sch e ff O r g a n i;'f ixt io nf der auch die staatlichen' Böden zur Verfügung gestellt werden sollen. Ausnahrne einer Anleihe voit 5 0 Millionen Pfund IS terlin g für große Erschließungsarbeiten im ganzen Lande, jüdische Miliz in allen größeren Wohnzentreu und in den Kolonien. ' ' Was die A b g r e ü-% u n g des. Lanres anbetNsft, so besteht die Hoffnung, daß die franzüsische Regie-' rüttg, die wiederholt .ihren Sympathien für das Mische Polk Ausdruck gegebe^ hat, inVeine Beilegung der -utt-'- natürlichen „Demarkationslinie"' von heute hinter den , Litani (Leontes). und' den He rm o n> einwilligeü/- werde. Im Osten iste es unerläßlich und durchs die traurigen Ereignisse" in der' letzten Kit ttüM'-mehr ' unterstrichen worden,-daß wir eine an die HedschaskÄhn sich anlehnende Grenze haben, denn mankann West- ' jvrdanien nicht lebensfähig erhalten, wenn man es vöL/ ^seinem! natürlichen' Hinterlande abschneidet.^ Des . wej--/ iteren erklärte Ufsischkin, daß-- er 'sichin <-Btzlde/-nach. London begebe, wo eine Konferenz der.-führenden zionistischen Männer siattfinden wird. Er verlangt, bereits 'fftc das. stächst? Jahr< ein--Vüd g e t von >6r e i Millionen Pfund Stornimg, damit die .ersten dringlichen Arbeiten für Unterbringung derEin Wanderer sofort beginnen können. Er denkt/ daß lvir vopl nächsten Herbst mit einer ziemlich.regelmäßigen Einwanderung von Mindestens 3000 Persomn monatlich «rechnen müssen, später würde diese Zahl natürlich stark zun ch ine n. Telegramme. i- .. Der russisch-polnische Krieg. WiarschM, 23. Juni. (Funksprüch.) Frontbericht. Wiederholte Aagrisse bolschewuischer Truppen auf Unsere Stellungen beim Dorfe. .Svkolowczyüa an. der Auch, wurdeli. abgeschlagen. In'der Polesie dauern die heftigen Kämpfe an.' Im Lallse eines Kampfes zwischen der Gruppe des, Generals Römer und dem Kavalleriekorps. Budieny erlitt das letztere schwere Verluste. Ein Brigadegeneral fiel. Die' bolschewikische Kävalleriemässe, die im Kampfe stand,' mußte, sich, fluchtartig zurückziehen iund weitere Angriffe, die geplant' waren, aufgeben. In Podolien 'Schärmützel. - . ' Moskau, 23. Juni! (Fünksprnch.)- Dia Eisenbahnlinie 'Schitomir^Berditschew-^-AasatiU^Mlinvwka — Winica ist gänzlichvom Feinde gesäubert/ Einschließlich Schmerinl'a haben die-roten Truppen jetztsünf Wichtige Eisenbahnknotenpunkte in Händen. Der Feind räumt "in Eile die westliche Ukraine.. Die deutsche Krisen . Berlin, 23. Juni. Iw Reichstagsgebänöe herrschte heute reges Leben. Fast Me Parteien hielten Früktiosissitzungen ab,' so die MehrheiissoZialisten, die- Demokraten und die Deiüschnationalen. Die Lage ist infolge^ der Erklärung der Sozialdemokraten, daß sie der neuen Regierung kein'. Vertrauen aussprechen würden, und wegen der Forderung der deutschen ' Volkspartei nach Umgruppierung der Mmisterposten mach wie vor sehr kritisch. Trotzdem will Reichskanzler F e h,r en bu ch den Versuch wachen, die Krise zu lösest. Man spricht weuerdingsboit, einer Kombination Zentrum- Demokraten. Mir morgen ist die. sozialdemokratische Reichstagsftaktiow zu einer neuen- Sitzung emberüfen, von der man erwartet, daß die Sozialdemokraten aus ihrer bisherigen Passivität.heraustreten.werden.. ’ Berlin, 23. Juni. . Di» sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in ihrer heutigen Vormittagssitzung einstimmig beschlossen, als stärkste Fraktion Anspruch auf den Platz des Reichstagspräsidenten zu erheben und für'diesen den bisherigen Vizepräsidenten der Nationalversammlung Lobe borzuschlagen. Me Rückwirkung der Kriegsanleihevorlage auf die Banken und Sparkaffen. Prag, LZ. Ilnä. (Privat In den Senat kam heute eine große Deputation von Bmi.k- und Svnrkasteudeamten, die beim Fmanzminister Dr. Englisch vovprach und ihn ausmerkiam machte, daß die Einleger aus die Banken und Sparkassen eintotüfcn/ftc mögen als/Plvtcst gegen die Kriegsanleihevorlage gegen die neue vierte tichechiülse Staatsanleihe Stellung nehmen. Den Beamten der Geldinstitute drohe Beschäftigungslosigkeit. Der Minister e,klärte, eine Abänderung der Vorlage sei nicht durchführbar.- weil die. varlamcntarlsche Snuatwn eine solche nicht vertrüge. Es werde, alhs Mchthew bannt Verluste von den Sparinstituten abgewendet werben.. Eine Deputation des Verbandes der deutschen Industriellen Prags sprüch beim Präsidenten Masaryl und beim Finanzminister in der gleichen Angelegenheit vor. - ' 5 ft b tsche F r an e *t «ab M ä b ch e tt, erscheinet »»llzahlig bei der he u t e. 7 Uhr «benbs, im Hotel Post, t.. Fleischmarkt (Eingang Drachrttgasie), ftattfiudenden Frauenversammlung. Tagesordnung: „Die Kultusgemeinde und die Frauen". Referenten: Anitta Müller, E. P a t a k, Abgeordneter Stricker, Gemeinderat Dr. P lasch keS. Erscheinet in Massen! Für da» Frauenreferat des Zionistischen Landes- Komitees: Lotte K c m p l e r. Der Boykott gegen" „ . s Jin Lüüfe des gestrigen Tages haben /sich die t s ch e ch i s ch e n G e w e rk sch a s t e n dern Boykott gegen Ungarn' aftgeschbossen. . D amit' ist - die. Absperrung der Horthy-Regi-erung' vollständig geworden. -Die s Östbahn hat - sowohl dest'-Pspsonen-:wie/dM GMvytzpkehr;nach Ungarn eingestellt. 'Die -dentschnationalen mü> christlichsozialen Beämten, die den Ätagyaren,he^sen' wollten, haben'.'demStpeik 'Provoziert, der äuf/der ganzen' Ost?-, bahnst'Lecks m'üsgebchchen jststD' a d n'r ch, nicht aber durch -den.-.Boykott. '■ eine. A^tläge jür stAien /gefcha.fffen tvordeit, /An. Meftungät'w wird.^didstd/estk t s ch e Bevölkerung '.mit .Ulfe - dex'--Wrenex^CH'ristÜchßchtM;t' von lnaö^'tlr{fc^en titcrngfaU^ict,- v ^Me-^Mtpesstötideftz -'WiLZög s'Deri'chtet:'' Tels- Hraychen, vepschärft. D ie bevorstehende Demission der uugarischen der kseinen Landtvirte den Sieg und dadurch die Mehrheit ich ungarischen Parlament erlangte, begründet, sie ist aber zweifellos durch den, BoyMt sowie durch die Schilderung der 'englischen Arb'eiterdelegäLion Aber ihre Wahrnelilnllngen 'über den Weißest, Terror .in Ungarn beeinflußt iviordep. In politischen Kreisen-wird es als zweifellos bezeichnet, daß schöti bei Bildung des .kommcnden.Kabinetts auch bezüglich der Aushebung des Boykotts Verhandlungen werden geführt werden. Die HaLtimg der Entente gegenüber de« . Boykott. Die Korrespotwenz Herzog erfährt aus Kreisen der hiesigen Ententevertretung, daß die Entente entschlossen ist, insolange der Boykott'Ungarns nicht die Versorgung , Oesterreichs beeinträchtigt, sich in keiner Weife in den politischen Kampder Gewerkschaften gegenüber der derzeitigen ungarischen Regierung einzumischen.. Zusammenbruch der Budapester Mordregierung« Budapest, 23. Juni. (Ung. Del.-Korr.-Bur.) Wie von der christlichnationalen Vereinigung mit ge teilt wird, wird die Regierung Sonntag oder Montag i h r e D <z miss i o ri emreichen, um, dem Reichsver--' Weser und der Nationalversammlung Gelegenheit zu gebest, eine der g e g en w ä r t i gen p o l i t i scheu Kv ste l la ti an entsprecheilde Regierung zu bilden.. DaS amtliche Kovrespondenzbureau für Horthh-Ängarn. > Seit einigen Tagen befleißigt sich das K'orrespvn-, donzbureau, Kundgebungen der diversen. Tischgesettschasten in-Salzburg, Graz und Innsbruck, die ,sich gegen Pen Boykott richten, der Dresse zu übermitteln. Wir ivürdeu -wsmscheni .daß auch bei a n der en v v.el. wichtigererr Ang.elegenhei-ten das Korrespvnsdenzburean sich so ins Zeug legen wllr''?, U's bei der Unterstützung. der Horthy-Banditen. . Die UJaMen in die Hultusgemeinde. Wählt a g: Sonntag den 27. Zuni. An alle Wähler! Wähler, welche Kerne Wahttegitimation erhalten habe«, Können trotzdem ihr Wahlrecht ausübe«. Zhre Legitimationen erliege« in den Wahllokale«^ wo fte ihre Stimme« abzugeben habe«. Auf jeden Fall genügt jedoch ein Identitätsnachweis (Geburtsschein, Heimatschein usw.). Die Orthodoxie und die Kultuswahlen. (Von sehr geschätzter orthodoxer Seite.) - Die Erobeimng der Kultusgemeinde durch die -National-- juden wird eine sehr -wichtige Etappe auf-dem Wege barstellen,' dev zur Wiederäufrichtung des jüdischen Volks führt. MsML rMgiösen Interessen anlangt, so werde,r diese gewiß pevtre'ten Und -gewährt werden. Die zionistischen Führer haöeik-' das - binbendstd Versprechen abgegeben, daß religiöse Fragetl durch däs RabbiNat und eine eigens zu diesem Zwecke eist zusetzende,- gars th'o rastreueu- Juden Be st ehe »t b e Ko m Miss ion e nt sch ied e n werden so l len. Jede' Forderung, welche die religiösen Bedürfnisse der Wiener thoratteuen- Juden betrifft/ wird auf das Pünktlichste erfüllt. tötzrdeN' Uv' kantet die 'Zusage der. 'jüdischnationalen Führer uNb es liegt wahrlich kein Grund vor, an deren Aufrichtigkeit zu ztveifeln', - Es ist daher ganz begreiflich', daß die national gesinnt« ostjüdische Orthodoxie sich in diesem Wahlkampf' auf die Seite der Nationaljuden gestellt hat. Nichtsdestoweniger hat diesß Stellungnahme bei den „echten" Orthodoxen große Entrüstung hervorgerufen. „Wie" — fragen sie' — „ist - es möglich, baßorthodoxe Juden sich ül diesem. Kampfe deni jiidischen Nationalismus zur Verfügung Hellen, anstatt für die Kandidatenliste der „echten" Orthodoxm zu agitierest? — Nein, die, ivelche so handeln, sind keine Orthodoxen, sondern „Orthodoxe" strit Gänsefüßchen; sie handeln nicht ans ehrlicher Meherzeugung, sondern aus anderen einlenchtenden G'ründerk j?)",,.s Meine, lieben <Sntcilftetcn! Wir schätzen euch eurer Frömmigkeit' wegen,, aber wir können trotzdem nicht Zn diesem Wahlkamps mit euch zusainmcngehen, weil wir eure antiuationale P.o.liti k, die,ih r stets getrieben, sowohl fftt unser Volkstum aks auch für unsere Religion al's schädlich öetrachte'n. 'Wir fürchten,' ihr .werdet 'die KulMsgemeiude z u.m In strumen t eurer sch ädl ich en- Po liti.k machen.'' Unter den Nationaljuden gibt cs zlvar viele Nichtreligiöse, aber ihre Irreligiosität ' ist zunleist nur die Folge ihrer unjüdischest^ Erziehung. Wir sind jedoch überzeugt, daß die Rückkehr zum jüdischen Volke bei vielen auch 'die' Rückkehr zur jüdischen- -Religion nach sich ziehen wird. Enem Jude«, der sein Volk zu lieben beginnt, /kann desM Kulturwert, deren höchster die jüdische Religion ist, nicht gleichgültig bleiben. Welche traurige 'Konsequenzen aber der jüdische Aniinationalismus haben kann, lehrt uns dir Mende'lsohüsche Epoche. Es ist also eine niedrige Verleumdung, wein, einer der „echte,Orthodoxen diejenigen Thoratreuen, welche int gegenwärtigen Wahlkämpfe bic Nationaljuden unterstützen, der „betvußten Irreführung der glaiibenstreneii Mühen" zstht. Man kann ein ehrlicher, fromntev Jude sein und trotzdenp nicht in allen Punkten nnt dem Leitartikler der'„Jüdischen Korrespondenz" übereinstimmen. Derselbe schließt seinen die Kultuswahlen betreffendest Artikel mit folgenden Worten: „Die einzige'Urkunde, tvelche das Recht des Judentums auf Palüstina bestätigt und begründet, ist die Thora. Diese enthält aber auch 613 Gebote lmb Verbote und nur derjenige hat das Recht, sich auf -die Thora zu berufen, der sie irr allen. Teilen anerkennt," . Das ist richtig!' Aber glücklicherweise ist Gott gnädiges als dieser „echte" Orthodoxe. Der Midrasch Rabba (Eoha) erzählt von einer Diskussion zwischen Gott und dem jüdischerr^ Volke. Jener spricht: „Kehret zu mir zurück, und ich werde euch dann in euer Land zurückbringen." — DO Mische Volk aber antwortet; „Führe uns zuerst in unser , Land zurück- und dann werden wir zu dir zurückkeh'ren." (Vergl. Iben Esra, Echa 5, '21.) San Nemo zeigt, daß der allgütig< Gott, ohne sich um die Meinung des „echten" Orthodoxen/ zu bekümmerst, auf den Vorschlag des jüdischest Volkes eiugegangen ist. / Ich hege die feste Neberzeugungdaß das jüdische Kolk ferne Zusage halten und in - Erez Israel zu Gott, das ist zur heiligen Ethik der Prophetenzurückkehren wird. ' —»•'' - Die Wählerversammluug im Hotel Continental. In der Wahlervkrsammlung, die am 13, d. M. im Hotes Continental stattfand, führte Herr Torczyner in längerer Rede das Programui der jüdischnationalen Organisation in bezüg auf die Kultusgemrinde ans. Den Bestrebungen der Jüdischnationalen ist es zn danken, daß das jüdische Volk heute öffentlich als Nation anerkannt ist und daß chm Erez Israel zurückgegeben wurde. Di« jetzigen Machthaber in der Führung der Wiener Knltukgememde haben kein ZugehörigkeitSgesühl zum Volk und keine» Sinn für jüdisches Gemeinwesen. National stnd -sie deutsch, religiös überhaupt nicht und hängen mit dem Judentum durch ein dünnes konfeffionellcs Band zusammen. Außer ihnen steht den JLdischüationalen aber auch noch ein zweiter Typus von Affimilanten, die frommen Juden, gegenüber, die sich unter der Firma »Adas Jisrorl" in der Schiffgässe etabliert und ihre offizielle Bezeichnung von den Griechisch-Orthodoxen entlehnt haben. Sie behauptendie Kultusgemcmde müsse eine religiöse Gemeinschaft sein. In Wirklichkeit aber ist unsere Gemeinde seit ihrer Gründung in Babylon bis zu der am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in Frankreich »nd Deutschland erfolgten Verfälschung nichts anderes als die jüdische Volksgemrinde gewesen. Durch die Wiederaufrichtung der Volksgemeinde können wir die jüdische Position im Staate starken, aber auch dafür Vorsorgen, daß die religiösen Bedürfniffe der frommen Judenheit gesichert werden, falls die Trennung von Staat und Firche erfolgen sollte. Die Zionisten werden ihre Politik offen führen. Sie kennen keine Hintertreppcnpolitik, keine unstatthaften Zuwendungen u»d keine Monopole. Daß sie damit den Unmut der Gegner des Judentums, des Schattenjudentums auf sich laden, ist zu erwartengewesen. Wcr aber für ein lebendiges und gesundes Judentum eintritt, muß am 27. Juni für die Liste der nationaljüdischen Partei stimmen. ' Kultuswählerberfammlttng im IX. Bezirk. Die zahlreich besucht« Wählerversämmlutztz im Cafö - -JttbiläUmsthcat'Lr zeigte wieder einmal,'daß eine offene Aussprache der Wahrheit am leichtesten die von den Nichtjüdischnationalen verbreiteten Lügen über unsere' Ziele, welche die Wähler verwirren-^ans der Wjelt' zu ' schaffen geeignetist. -; Nachdem Archon rat Beer die Versammlung begrüßt und den Gegnern volle Redefreiheit Zugesübert hatte, erörterte Gemeinderat Dr. Pollack-Pa rna u den Gegensatz zwischen unserer Partei und den Nicht- Mischnatronalen. Dieser spricht sich schon in der Person des Listenführers aus, da der nichtjüdischnationale Listenführer Dr. Pick zugestandenermaßen sich' nie mit jüdischen Fragen beschäftigt hat, während;/ -unsere Partei, eine wahre jüdische .XI £ A-D