Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-06-23 · Heft 509 (23.6.1920) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 509 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979587--04496-2990245
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

*fc509. Wien. Mittwoch, , Wiener M-rgenzeitunK 23. Juni 1S2S Seite r Hafionalrat für Oesterreich. Oeffentliche Plenarsitzung. In der Montag den 21. d. Ä. int Hotel Continental scheidustg über da) 'Eigeninm an dem zerstörten Material sowie mit dom LkUmit der Wiederaufnahme her Herstellung von Luftfahrzeugen verbunden sind. Dis N ich t d u r ch f ü h r ü Ä i m m u ntz.e n betreffend die L i e f e r u n g von Kohle, die von, den französischen Delegierten neü-'rlich ddlrcP^kgt wuOL. wird den Gegenstand einer. Entscheidung der Konferenz von Brüssel Nlden, die auf' GrüW '"eiM" Gutachtens deö 'Medergutlnachungskolnmission er'olgen wird. - Schließlich wurde vereinbart,, daß die in Ba N-< don mit den russischen Delegierten auf dem Gerbiete der Volkswirtschaft begonnenen. Verhandlungen^ fortgesetzt werden sollen, Wobei 'selbstverständlich".von einer Anerkennung der .Politik der Sowjets nicht die Rede ist. ' ' •>/ : /■' Die englischen Delegierten sind Nist 3 UW nach!- mittögs in ihre'.Heimat, die übrigen E halb' 5 Uhr nach Paris abg^reist. . PvluloANie, 22. Jüni. Der SvndeMrWWatter der'Ä ge ne e Ha v a s erfährt:. Die Verbündeten... beschlossen, der internationalen Finänzkonserenz in Brüssel' zwecks Mobilisierung der deutschen Schuld die. Äusgäbe internationaler Anleiheti zu empfehlen, die durch die Mnnahmen' DesttschlaildS' gesichert und deren Titers VWitüm', D'euis'chl>tm8s '-chMen,^'ab>er zunächst in die Hände der Äerbundeien ÜbeLg^hen würden, Wenn Deuisä)land bezüglich' der Dntchflihrung des' F-riedensverjrages bösen Willen' zeigen ’ tollte, {xf könnten bis zur Besetzung sich steigernde Zwangsmittel zur. §fot=* wendNüg gelangen. Ein Beschluß über die Verteilung der' deNtsch'N Wiedergutmachungssumme unter dre Verbündeten ist nicht gefaßt worden, Graf Sforza wendete sich gegen die ursprünglich festgesetzte 'Verteilung von 55 Prozent an Frankreich und 25 -Pryzent an EngWd, indem er auf die Opfer' btt iialienifchen Armee hinwies, und die wirtschaftÜDn' Äedurfüisse Italiens hervorhob. v 1 s . Die Verbündeten sind entschlossen, die EnitvLsfnung Deutsch lands mit a l l e r' S t r d n g e zu , lserfo tgen.' Die, Zerstörung des Kriegsmaterials wird, insbesondere was die Geschütze betrifft, beschleunigt Werden. . Auf Drängen VenHelyA wird Griechenland seine in Hmyrna befindlichen sTrhPPen ln Marsch setzen, um den Nationalisten den Weg zu versperren. Die.Engländer werden ihre. Truppen verstürben. Eine britische Flotte befindet sich bereits auf dem. Wege nach Kvnstantinopel. r : . Schließlich faßten die Delegierten der. Großmächte hen Beschluß, sich in Berlin durch Botschafter.vertreten zu lassen, die noch vor hem Zusammentritt der Ko Ilse xenzin Spa, am i. Juli aus ihren Posten eintresfim werden. Die Konferenz in Spa bleibt auf den 5. Juli angesetzt. Palästinas Zukttnft. Loudö«, Ä. Juui. (FunksprlrM Der nach Palästina abgeLeiste Ob e r k 0 r« rn i s s ä r S i k H e r d e r t Sastri» el »klärte Zritung-vtriretrtn gegruübrr, daß er, unterstützt durch die Einigkeit jener, denen die Entwicklung drS Landeam Herzen liegt und durch den g » t e n W i l l tii der arabisch en u « d ch r i st l i ch e n Bevölkerst« g, die Hoffnung -ege, Palästina eine Zukunft zu sichern, die nicht ganz unwert seiner großen Vergangenheit sein werde. Der Staatssekretär für jüdische Angelegenheiten in Lettland. . Warschau, 19. Juni: (Tel. d. .P)r. Morgenzt,.*) Me die Poln. Tel.-Ag. aus Riga meldet, ist zum Staatssekretär für i ü d i s ch e A « g e l« g e « h e i t e » in , dem von Ministerpräsidenten Ulmani - neugrbildetrn Kabinett, in, welchem alle Parteien mit Ausnahme der SozialdemokrÄen vertrete» sind, der Vorsteher der nationalen Minderheiten in Lettland M i n tz ernannt worden. Die Lösung der deutschen Krise. Berlin. 22. Juui. (Korr.-Bur.) Wie die ^Politisch-Parla- «entarische« Nachrichten" erfahren, haben General Groner und Grheimrat Simondie ihnen angetragenen Ministerposten angenommen. Grüner wird daß Verkehr-Ministerium und dem Geheimrat S i « 0 n s die Leitung des Auswärtigen Amtes übertragen werden. Die Zmtrumsminister bleiben auf ihren Posten, ebenso die demokratischen Minister. Die Frage der Besetzung de- Reichs- «irtschaftSministeriums ist .noch ungeklärt, da Dr. Melchior abgelehnt hat. Nunmehr kommt für das ReichSwirtschaftS- oder das Schatzminlsterium der Abgeordnete der deutschen Volkspartei Dr. Becker (Heffen) in Frage. Jndnstriekrise in der Tschecho-Slotvakei. Eine Folge des Weltpreissturze». Prag, SS. Juni. (Privat.) In der heutigen SenatSsitzüng »rächten die Senatoren Dr. Witt und Genossen eine Interpel lat io» wegm Herabsetzung der Preise im Auslande «nd ^- Verhaltender tschrcho-siowMchen Industrielle« hrezn> ein. Ewird auf den Preisrückgang i» Amerika. Westeuropa und Deutschland hingewitsen u»d festgestellt» daß ln der Tschecho- Slowakei sich die Folgen de- Preisrückgangs noch nicht eingestellt haben, wodurch die große« Masten der Konsumenten eine bittere Enttäuschung erlebe«; denn die Produzenten halten noch immer dre hohe» Preis« unter dem Schutze der Einfuhrvorschriften und arbeiten einer Preisermäßigung in dtt Weise entgegeu, daß sie einen künstliche n S t i llst a n d d er P r 0 d «kt iw n herbriführe». Die Industriellen beabsichtigen eine E i n s ch r ä nk o a derPr 0 vuk ti 0 n, insbesondere in der Meialstndustrie, Beneidunas- und Schubindustrie; waS in der Entlastung vieler Hunderter Arbeiter bereits seinen Ausdruck findet Und zu muereu Störungen führen muß. Prag, 22. Juni. (Korr.-Bstr.) Fm ischecho-slowakischen Senat hat heute der deutsche Generalredner Prof. Pollack lSyzialdemokrat) einen neuen Streik in Nordböhme« tvegdn LchmSmiUtlutanaels apgekündist» äbgehaltenen. öffentlicheu Plenarsitzung, welche überaus zahlreich besucht war, hat der Jüdische Natronalrat für Deutschösterreich der jüdischen Oeffentlichkeit Bericht über dre Tätigkeit erstattet, Welche er im Interesse Ser gesamten Judenheit entfaltet hat. Der Jüdische Nationälrai, welcher Won der z i 0 n i st i s ch e n Partei in den Lögtzn des Umsturzes^ gebildet wurde, um die Rechte der Juden zu lvahren und ihnen Schutz vor drvtzenden Eingriffen in ihre'persönliche, soziale und rechtliche Sicherheit, zu gewähren, hat allmählich seine Tätigkeit auf alle Gebiete des jüdischen Lebend erstreckt. Und heute, da er die so notwendige Berufs Umschichtung der Juden, ihre Zufüh'rirng zu produktive^ Arbeit in die Wege geleitet, da er eirle soziale.Fürsorge organisiert hatwelche in den weitesten Kreisest DaNk und Anerkennung findet, da ihm ein j.üt)isches Sä;nlWerk m Wien zu dankest 'ist, das beispielgebend in der ganzen jüdischen Welt dasteht, heute wagen es Leute/ welche an dem völligen Versagen der Wiener Kultnsge mein de auf diesen in ihr Tätigkeitsgebiet fallenden Belangen, so mitschuldig sind, daß sie. nur durch den Trick,. ftp übernehmen keine V e ran t w 0 r t..u n g für. die frühere Tätigkeit des, K u l tm i v 0 r st an d e s, in dem die meisten von ihnen gesessen sind, das drohende Strafgericht für ihre, allen jüdischen Empfindens und.allen jüdischen sozialen Gewissens bare Sterilität in jüdischer Arbeit -abzuwenden versuchen könnenHerste wagen es diese Leute, uns Zionisten^ hie. Legitimation für eine Verwaltungstäfigkeit in der' Kultusgemeinde abzusprechen. Die gebührende Antwort darauf gibt die Ueberstcht über die Tätigkeit des Jüdischen Nationalrates. Was hat die Kultusgemeinde und die sie wieder zu besetzen gedenken, dieser Tätigkeit auch Nur annähernd Gleichwertiges entgegenzustellen?' Züchtung des unproduktivsten Schnorrertums, Mitschuld cm der Zwangstaufe verelendeter jüdischer Kinder, Entjudung der. jüdischen Jugend durch den offiziellen' Religionsunterricht — das sind die Ergebnisse der Tätigkeit der „nichtnationalen, rein religiösen" Kultusgemeinde. Was die Ergebnisse, der Arbeit des Nationalrates sind, her., ohne hie rechtliche Legittmation, fast ohne Mittel, auf eigene Kraft gestellt,. gearbeitet hat, das ersieht der Leser aus dem nachfolgenden Bericht.über die Sitzung des Rationälrates: Zunächst totcS Dr. Sprrch«.r, wW.K Me Sitzung leitete, darauf hm, baß sie den ZMck häbe.Vbie Kritik der .jüdischen Oeffentlichkeit an den' bisherigen. Leistungen des:: Jüdische«» Notivnalrates M' hök^tt Und Ms^rhr die Richtlinien für seine weitertz Tätigkeit zu empfangen, welche stets daraus gerichtet ist, bas Interesse aller Junen Oesterreichs zu wahren. Dr. Brand, Sekretär des Jüdischen Nationalrates, berichtete hierauf über die Tätig keüt 'dos Bureaus.• Das Bureau des Nationalrates. hat .in der nbgelaufenen Periode ist zahlreühen .Fallen -chei frcriiden M i ssi0n c» und Ge f^andtschaf r e n' zu inttzr.de st i e r e n gehabt und zumeist mit Erfolg. Das Präsidium drs Nationalrates hat sich als KriegsgefangenöftSuteau konstituiert und seiner, durch'die dankeuÄverte Vermittlung des American Joint Distribution Committee erfolgten Einwirkimg^ ist es. zu danken, daß sieben große ainerikanische Hilfsaktionen die Heunbefürdernng . der in Oststbirien befurdlicheu Kriegsgefangenen, besonders aus D'eutschöste rr ei ch, P o le n und R u m ü n re n auf fünf eigens zu dtesein Zwecke gecharterten Schiffen am 1. Juli ans Wladitvostok aus beginnt. Ueber Initiative des Sekretärs Erwin Kohn Wurde ein Krie g s g e fa n genen-J rr fo v ma ti0 nsbureau, das direkte Nachrichten aus der Kriegsgefangenenzeirtrale in It'knts k strhält, mit Amerika, Sh au g H ai, Tokio und anderen Platze^ wichtige Daten und Materialien über die Kriegsgefangenen erhält, durch heirnkehrende Ge-- fangene ans Sotojetrußl and von dort direkte Nachrichten bekonnnt, die bisher infolge der Unterbindung des Postberkehres unmöglich waren und infolge h'teses gut organisierten Nachrichten- und, JnfoMationsdtelrstes von Inden und N i ch«t j u d e n in. einem steigeridem Mäße in Anspruch' genomnwn wird. Das Bureau des Natioualrate§./ist natürlich mit der Juden schaft der übrigen N a ti 0 nalstaa ten und des wtzi-te reu Anslä ndes iw steter Verbindung Mid hat Kontakt mit dem Komitee der jüdischen Delegationerr bei der Friedenskonferenz in P a.r i s, dem es häufig Nachrichten üher die Läge der Juden in Ungar n, im' B a n a t und in Groß Rumänien übermitteln konnte, wo den Inden die für sie.so.notwendige direkte Verbindung mit dein' Komitee der jüdischen Delegationen nicht nröglich war. Aus dieser Tätigkeit des Bureaus, ergibt sich deutlich die umfassende alljüdische Arbeitstenbenz des Nationalrates, der schon ein Exponnent der jüdischen Einheit ist. Dr^ Zweig erörterte dann das KultuSgemeittbeprosramm, welches unsere Plattform bei der gegenwärtigen Vorstandswahl bildet und legte dar, daß dieses,Prograntin bereits seit 1900 in seinen Grundsätzen feststeht und so ein organisches Gebilde ist, das nicht aus der zufälligen Wahlkonjunktur 'geboren ist. Es g«ht von dem Fündainentalsatz aus, daß das jüdisch t. Vo lk der ganzen Welt ein e Un tr e n n b a r e E in he i t bildet und rückt uns daher i»t diametralen Gegensatz zu den Nichtjüdischnationalen. Unsere Erkenntnis, von der nchlionalen Einheit des jüdischen Voltes verlangt zwingend die von uns. seit je vertretene, jetzt aber programmatisch in den Vordergrrmb gerückte Umwandlung der Israelitischen Kultusgeweinden . ftt jüdische V 0 l'k saemeind en, welche sowohl die lokalen Aufgaben in allen Richtungen zu fördern, als auch an allen Aktionen des Gefamtvolkes, insbesondere am Aufbau Palästinas mttznwirten haben. Die jüdischen Volksgemeinden, tvelche die Vertretung aller in ihr wohnhaften Juden nach außen sind, haben sowohl die staatsgrundges etzlich gewährlcistete GlLiäibetechtignug der Juden zu verteidigen, als auch darüber hinauK. Die Minderheitsreckte der Juden im Sinne des Frtedensvertrages wahrzunehntert, wobei sie insbesondere auch die durch den Hriedensvertrag gewährleisteten finanziellen Ansprüche auf staatli che Beitr ä ge zu ihren Institutionen geltend zu machen hat.-. Diese VolksgemeistdeU Oesterreichs find, der wirksamen üwfassenderen Vertretung nach aicheu halber, zu, einem Gern e in d e b u n d . zusammenzltfassen. Diese. Orirrrdprinzipien . bringen unsere bekannten programmatischen Forderüngen üufdem .Gebiete..des. .Stenerwesens, des ällgäMe'iil.LW, ' «gl e.ich en Wahlr echtes für.a l'le im Gemeinde- : gebiet wo hu haf't en Inden ohne Mcksicht aüf Mesthlecht, Stand und Zuständigkeit, auf Refor m d es Beamtenwesens, auf Förderung der religiösen I N st i t u t i 0 n e n, auf Organisation der k rl l t u r e l l e n Arbeit ans dem Gebiete der Jugenderziehung. Ünd des 'jüdischen Volksbildungslvesens.und anf^sbzia ler^r Geriete du'rch' Errichtung eines jubischen GeWerböföLbernngs- »mb eines zentra len Wohl fahrtsgmtes, durch R efor m des Arme uwesens sowie Errichtung eines m i g r a t i. o n s a m t'e s. DieVer'alnmlung nahm die Ansfüh nngen d.s Reerenten mit Akklamation zur Kenntnis. Frau. Amtta Müller erstattete sodann das Referat über die soziale Fürsorgetätigkeit des Jüdischen Nationalrates und wies darauf, hin, daß die Zionisten die soziale Arbeit nicht im alten philauthropischenl Stil begonnen haben, sondern dabei das ganze jüdische Volk im Auge behalten, wenn ste dem einzelnen Mtgnede des Volkes Bilfe leisten. Es geht um die Rettung des Volkes in Materieller, geistiger und moralischer Hinsicht. Vor allem mutzte angesichts der Krieasnot die Materielle Hilfe in die Wege geleitet werden.- In dieser. Hinsicht war der Jüdische Nationalrat/der erste, wlcher die Notwendigkeit. eines übersichtlichen Materials ük.rr die materielle Notlage der Juden in Wien und Oesterreich erkannt hat. Ttm dieses Material zu samnmln, wurde das statistische Vureau . des Nationalrates begründet. Dieses hat Material über daS Wohnungs- und.Zinderelend in Wien gesammelt und es in Wort^und Bild für das Hilfswerk verwertet., Dwse Materialien haben bei der Judenschaft des Auslandes viel.zur Weckung ihrer .Hilfsbereitschaft beigetragen^ Sie haben auch die. Tätigkeit für die Kinderartion>N'esentlich erleichtert. Voml. Mai 1919 bis 6. Mai 1920 wurden^ ' 6200 Kinder ins Ausland geschickt, weiche zwei bis sechs Monate dort blieben. Die , --- soziale Fücsorgestelle des Jüdischen Nationalrates, hat sich 'auch an die Juden des Auslandes, welchen es nicht möglich war, Kinder aufzunehmcn, gewendet, damit sie für die'Kinderaktion Barmittel zur Berfiigung stellen und , .. und hat unter anderem für das Kinderhilfswerr aus dem - Deutschert R c.iche zirka 800.000 Kr0neu zur Ver. ’ sügnng gestellt erhalten. Obwohl die materiellen Verhältnisse- . der delltschcn Juden heute nicht allzu glänzend sind, konnte die -Fürsorgestelle es durchsetzen, daß nach Mainz und.nach dem Rheinland Kinder geschickt werden. Dies ist ein Erfolg unseres Vertrauens auf die Einheit und Solidarität d e r 'J u d e n. Die Kiuderhilfsaktion des Jüdischen National»; rates hat gezeigt, wie es möglich ist, mit verhältnismäßig kleinen Mitteln Großes zu leisten. Allerdings ist der sozialen Einsicht des „American Joint 'Distribution Committee" tatkräftige finanzielle Förderung des Hilfswerkes zu danken. So wird es auch ernröglicht, daß, im Herbst des jüdischen Familien in Belgien-, einige hundert jüdische Kinder werden untergebracht werden können. Hier umd in der Tatsache, daß die Mnderaktiün des Jüdischen Nationalrates die e r st e war, /welche nach dem ■ Kriege Kinder*nach Italien senden konnte, ist die politische - Bedeutung der Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen *n den früher feindlichen Staaten deutlich sichtbar. Anzustreben ist gegenwärtig eine'0rganistnt.orische Konzentration der s 0 z i a l e n F ü r s 0 r gr. Diese ist Aufgabe einer jüdi«. schen Volksgemeiude. / Dr. Sprecher referierte" über die Tätigkeit des Gewerbefördernngsnmtes. Das Amt, welches der Ueberführung der Juden aus unproduktiven in produktive Berufe dient, hat für diesen Zweck die vom Verein Jischuw Evez Israel und dem Palä» stina-Amt angelegte Schl0sse.rei übernommen, Mit#bei dankenswerten Unterstützung des Joint, diese maschinell modern /ausgestattet und so einen durchaus leistungsfähigen Betrieb daraus gemacht. Die großzügige Hilfe -des Jomt, welches die soziale Bedeutung des Gewerbeförderungsamtes rechtzeitig erkannt hat, ermöglicht es dem.Amte, in der nächsten Zeit .eine, jüdische Kunstge.werbeschule, elektrotechnische Kurse Und-eine Tischlerei zu gründen. .. Regierungsrat L.oWH ergänzte den .Bericht durch wert? s volle Details. Der Schlosserei, Welche schon heute soviel Auf-! träge hat, daß ste ihnen kaum Nachkommen kann, wurde ein' Maschine n b ä u- und/te ch n0l0gis che r--Kur s ange- . gliedert, welchen die Lehrlinge der Schlosserei besuchen. Doch wurdqjr auch Abendkurse dieser Art für Astgehörige anderer Berufe eingeführt und dort sind typische geistige * Arbeiteram Schraubstock zu findest/ weil sie ihren Hang nach produktiver Arbeit betätigen wollen. Ferner hat das Gewerbe», förderungsamt den von der technischen Studiengruppe des. Palästina-Amtes ins Leben gerufenen theoretischen elektro» technischen Kurs übernommen.. ES hat ferner sich eine.. Berufso erätu ngsstelle und einen Arb eit Nachweis angegliedert. Vom i, Mai 1919 bis 1. Juni 1920 ‘ . wurden 492 Berufsberatungen durchgeführt, welche überaus genau und auch mit ärztlicher Begutachtung für die Berufs» ' eignung vorgeuomryen werden. .Der Arbeitsnachweis hat von 1787 sich nwldcnden Arbeitnehmern 722 untergebracht unddamit die Ansprüche, von 428 Lkvbeitgebern, von denen 898. Leim Arbeitsnachweis um Ueberweisung von Arbeitskräften/ vorstellig geworden waren, befriedigt. Ueber das Schulwerk , des jüdischen Nationalrates, welches die glänzendste Leistung darstellt, referierte in grundlegender Weise Dr. Isidor Margulies. Er wies darauf bin, daß der Nationalrad im Nahmen seiirer bescheidenen Mittel und ihrer begrenzten Auswirkung das vorgenonnnen hat, was als eine der wichtigsten Aicfgaben einer jüdischen Volksgemeinde zustehest wird. Vor allem handelt es sich um Verbreitung jüdischen Wiffens in der Allgemeinheit und speziell in der jüdisches Studentenschaft.' Dabei ist auf die Vermittlung lebenmyen, den wirklichen Verhältnissen entsprechenden jüdischen Wissens' durch Vortragskurse itflo. besonderer Wert zu legen. Daher hat das Unternchtsamt im Vereine mit dern Jüdischen Hoch» ickulauslchuß die von bictem begründeten jüdischen Hoch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.