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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-20 · Heft 506 (20.6.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 506 (20.6.1920)
Date
1920-06-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Air. äü6 üBtcu, Lomuag ■ >>.....■,-----.wt- Telegramme. Die Kabinettskrise in Pole«> Warschau, 17-. Juni. (Tel. der „Wr. MorgenAg.") Die von der Witos-Partei gepflogenen. Verhandlungen' über die Bildung eines Linksministeriunls, welches alle Demokratischen Elemente, von den Sozialdemokraten be-. ginnend, zu einer Mehrheit vereinigen sollte, sind nach aussichtsreichen Fortschritten g e scheite t t. Die R e ch t e hgt eine Gegenaktion unternommen, bei welcher der LandtagspräsidentT r o m pczyn skr eine höchst zwei- Leutige Rolle spielte. Es gelang, vor allem durch-den 'Hinweis darauf, daß der Sozialdemokrat D a s z y n s k i, welchK M i n i st e r d e s A e u ß e r n werden sollte, dentschfreu ndlich sei, dem. Staatschef Prlsudski die Gefahr eines Linkskabinetts deutlich zumachen. Die Witos-Gruppe hat infolge dieser Angriffe ihre weitere Beteiligung an der Kabinettsbildung abgekehnt. Da der bisherige Innenminister Wojciechows k i, der mangels einer entsprechenden Landtagsmehrheit ein Linksoöör Mittelparteikabineft nicht bilden konnte, hat Präsident Pilsudski den bisherigen Ministerpräsidenten Skulski wiederum mit der Kabinettsbildung betraut. 'Es heißt. daß ein polnisch-neutrales F a ch m i n i st e r i u m gebildet werden soll, für welches die Nationüldemokraten eifrig plädieren, Natürlich nur deshalb, um den Einfluß der Linksparteien zu untergraben. Die Krise dauert fort, wäre auch durch ein Fachministerimn nicht zu lösen. Es bleibt abzüwarten. ob nicht äußere Ereignisse die fetzige Verlegenheitsphase der Krise jäh zu meiner Entscheidung drängen. Proiski bildet ein Kabinett. Warschau, J9. Juni. (DeutsApolnischer Pressedienst.) Der Präsident der nationalen Arbeitspartei Proiski W den Auftrag zur Neubildung des Kabinetts angenommen. Der polnische Frontbericht. Warschau, IS. Juni. (Funksvruch.) Frontbericht vom 18. d. M.: An der Nocdfront dauert die lebhafte AufklarungstLtigreit an. Unsere Abteilungen haben nach hartem Kampfe Pokolow genommen. Unsere Patrouillen haben zwei Brücken über die Beresina zerstört, die der Feind wahrend seine Offensive gebaut hatte. In der Poleffe unternahm, der Fe-nd einen Angriff in der Gegend von Cerewa; (?). Die blutrgen Kämpfe dauern an. In der Ukraine herrscht Ruhe. Ein Sowsetanfrns an das alte Offizierskorps. Kopenhagen, iS. Juni. „Berlmgske Tldende" meldet «S. HelsingforS: Lenin, Tr o tzk i j ■ und. Justsiministex KnrSkij sordern m einem Manifest das alte Ofsiziersk-orPS auf, die Kampfe in der Krim, im-Kaukasus und in Sibirien einzustellen und sich der Sowjetreqierung im Kampfe geigen das imperialistische Polen zur Verfügung zu stellen. Wenn ste znm Siege Rußlands beitrügen, würde ihnen Amnestie für ihre frühere Tätigkeit in den Heeren Koltschaks, Denikins und. Wrattgels gewährt werden. > Ein ähnlicher Ausruf, sich dem Vaterlande zur. Verfügung Zn stelle», wird auch an die Marineoffiziere und .an die russische Intelligenz gerichtet. Befchlüsie der Botschafterkonferenz. P«riv, 19. Juni HHavas.) Die Botschaftrrkonferenz hat bep Wunsch ausgesprochen, daß der Friedensvertrag von Saint» Germam io bald als möglich in Kraft gesetzt werde, da die Unsicherheit der gegenwärtigen Lage den interessierten Bevölkerungen schwere« Schaden bringe. Die Konferenz hat e»ne Note genehmigt, worin gegen die Ua« Deutschland zwischen den fremde» Mächten gemachte Untercheidung, besonders bezüglich der Ausfuhr und der Zölle, protestiert wird. 1 ■ ■ ■ Die nächste Sitzung der Botfchafterkonferenz findet morgen statt. * Kouferenz der Enterrtsstaatsrnärmer. Paris, 19. Juni. (HavaS.) Ministerpiasident Millrrand ist heute früh von Paris über Boulogne nach England abgereist' um mit dem Premierminister Lloyd George in Hythe vor der Konferenz zwammevzutressen. In der Begleitung MlllerandS befinden sich Marschall Foch, Finanzminister Marsal und , General Weygand. Revifion des türkischen Friedensvertrages. Nom, 19. Juni. (Stefani.) Die italienische Preffe rechnet mit der Möglichkeit einer Revision des türkischen Friedens' vrrttageS. Der italienische Ministerrat für die Herstellung der Ordnung. Nom» 19. Juni. Der „Tribuns" zufolge hat gestern abends em Ministerrat staugefunden, der sich mit den Maßnahmen zur Psr e d er h e rst e l l u n g der o f s e« t l i ch e n O r d- « » » g i m L a n d e sowie insbesondere zur B e e n b i g u n g des Eisenbahnerstreiks befaßt. Die Lage iu Albanien wurde ebenfalls erörtert. Da nach den letzten Meldungen die Albaner neue Angriffe auf B a l o n a vorbereiten, wurde« die für den Gegenangriff notwendigen Maßnahmen getroffen. Generalstreik in Ludwigshafen» Berlin 19. Juni. Die Blätter melden aus Frankfurt: Der G rneralstreik in Ludwigshaftn.'ist v o l lkommen durch geführt worden. Auch im Telegraphen- und Telephondienste sowie bei" dem Elektrizi-. .tatS? und Wallerw^rken wurde die Arbeit niedorgclegt. Wieuer Mvrgeuzettuug Eine Adresse der englischen Zionisten an Sir Herbert Samuel. London, 18. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Exekutive der englischen zionistischen Federation veranstaltete, wie bereits gemeldet, für Sir Herbert Samuel ein Abschiedsbankett) wo ihm eine in herzlichen, Worten .abgefaßte . Adresse überreicht wurde. Die Adr'sse enthält die GlückwünHe der Federation zu seiner/ Ernennung und zu seiner/Neuen Arbeit. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß/seit dem Erscheinen der Balfour-Deklaratiow bis 1 zu dem Tage von San Remo, wo Herbert Samuel durch seinen Rat und seine Autorität Dr^. Wetz ma n n und Sokvlow unschätzbare Dienste erwiesen hat, der Zionismus und die jüdische Sache , vonihm. auf das wirksamste untevftüpt toutben. Nun gehe er nach Palästina, ausgestattet mit dem Vertrauen des'Königs und begleitet von den Hoffnungen nrld -sehnlichsten' Wünschen des jüdischen, Volkes. Ihm werde die'Ehre zuteil, eine neue Aera in der Geschichte des jüdischen Volkes zu inaugurieren und die Visionen der Propheten zu verwirklichen. Die Adresse-'drückt die Hoffnung aus, daß es ihm gegeben sein wird, das Einvernehmen zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung herzustellen, was der h-öißeste Wünsch des jüdischen Volkes sei, das in Freundschaft und herzlichen Beziehungen zu seinen arabischen Rassebrüdern leben will. Zu diesem Bankett wurde eine Reihe von Persönlichkeiten der politischen Welt sowie Repräsentanten der Presse eingeladen. Fast alle erschienen, auch der Premierminister Lloyd George, Lord Curzon, Viscount G r e y, Lord B a l f v ur,. Lord So utborough, Dr. Max Nvrdau und Walter R un c iiitttii entschuldigten sich in überaus herzlichen Zuschriften und begrüßten Sir Samuel in längeren schriftlichen Ausführungen politischer Natur. Die englische Preffe über Sir Herbert Samuels neues Amt. London, 18. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Die gesamte englische Presse bespricht in größeren Aufsätzen die Bedeutung des bevorstehenden Amtsantrittes Sir Herbert Samuels als High Commissioner in PalD^ stina. So schreibt „Daily Telegraph" an leitender Stelle: . i „Sämtliche Parteien Englands beglückwünschen die Regierung zu ihrer getroffenen Wahl, indem sie Sir 20. Juni is&ü fett Sf i Herbert Samuel mit' der Verwaltung Palästinas' Üiilöf traut hat. Es ist wohl ein ebenso ehrenvolles wi« schweres Ami, da Sir Samuel sich die Aufgabe stellt^ einem verwahrlosten Lande wieder zu Ruhm und Ans* schwung zu verhelfen sowie Friede mW Eintrag zwischen Religionen, die in letzter Zeit sich, in erbittertem Kampfe gegenüberstehen, wieder herzuftellen) Bei Währung der religiösen Freiheit für sämtliche Ein-»! wohner des Landes, werde er unentwegt der Verwirk^ lichung seiner Politik zustreben, die n a t i o n a l e H e i m# statte des jüdischen Volke.s zu errichten. Sitz Herbert Samuel kann aber bei der Verwirklichung seines Bestrebungen aus den Beistand des Völkerbundes und! Großbritanniens sowie auf Unterstützung aller, deuew Palästina ein heiliges. Land bleibt, verträuÄnsvslA rechnen." . 1 Die „Times" vom 16. d. M. schreiben: „Durch die; Annahme dieses schweren Postens hat Sir Herbert Samuel großen Mut gezeigt. Wir glauben, daß er bei der nunmehrigen Durchführung seiner Absichten! gleiche Weisheit an den Tag legen wird. Mejur feilt Werk, wie wir erhoffen, von Erfolg gekrönt sein wird/ so wird es ihm gelingen, für eine große Masse derj schätzenswerten und mutigen Juden eine auf Gere ch?! t i g k e i t gegründete Heimstätte aufzubauen. In seinem/ Bestreben, das Recht für Juden, Araber und Christ«« in gleichem Maße walten zu lassen, findet er dam Vorbild in den Ueberlieferungen der besten britischem Staatsmänner und im Verantwortungsgefühl gegen/ über den Interessen seines eigenen Volkes, was sowohll in der Stimmung wie auch in den Reden der zionistischen Führer am Abschiedsbankett Ausdruck gefunden hat. Er wird auf seinem Wege nach Palästina vom Wohlwollen aller begleitet sejn, welche die außerordentliche Wichtigkeit nicht verkennen, das jüdische Problem in einen richtigen Rahmen zu bringen unds den Juden die Möglichkeit zu geben, als Juden! auf sicherer Basis, unter den großen Völkern der Erde^ fortzubestehen." Der Papst und das neue Palästina, Rom, 18. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.). Der .Papstes empfing heute den Patriarchen von Jerusalem, Mo»/ signore B a r l a s s a n a, in privater Audienz. Ders Papst informierte sich bei ihnr über die Lage in heiligen Stadt sowie über die gegenwärtigen Sirm--! mungeu unter der Bevölkerung Palästinas^ hinsichtlM des Zionismus und der Nationalitätenfragen^ ' Zwischenfälle haben. sich bisher nicht ereignet. Wegen der von den Franzosen durchgeführten Zensur kann bis jetzt nichtfestgestellt werden, in welchem Umfang .der Generalstreik in der besetzten Pfalz durchgeführt wird. Jedenfalls ruht der ganze Eisenbahnverkehr. LuÄwigshascn. 18. Juni. In einer an den Plakrisänlen angeschlagenen Bekanntmachung weist der französische Kommandeur nochmals darauf hin, daß die von den französischen Militärbehörden vorgenommenen Verhaftungen keinen politischen Charakter trügen. Das eingsleitete Verfahren richte sich, gegen Sp io nagetätig keit und gegen die Organisation für einen Aufstand gegen die Besatzungsbehördeu. . wofür das Militärgericht Beweise in den Händen habe, i Dieses gerichtliche Verfahren werde sich ordnungsgemäß abwickeln. In den Straßen würden selbstverständlich keinerlei Unruhen geduldet werden. Krawalle der Deutschnatioualen in der Prager Nationalversammlung. Präg, 19. Juni. (Del.-Komp.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam es während der Rede des Abgeordneten Dr. Raschin, der die Vorlage betreffend die Entschädigung der Kriegsanleihebesitzer, bekämpfte, zu heftigem Wortwechsel mit den deutschen AbgeordnetLn, als Dr. Raschin in seiner Rede die Deutscheu „Kolonisten" nannte. Der Lärm steigerte sich' derart, daß Dr. Raschin sich nicht verständlich machen konnte. Die deutschen Abgeordneten schlugen mit. den Fäusten auf die Bänke, trommelten mit den Pnltdeckefn, plötzlich wurden schrille Pfiffe laut. Es sah aus, als ob es zu Tätlichkeiten konunen sollte. Präsident Tomaschek übernahm den Vorsitz, es gelang ihm, sich Gehör zu. verschaffen. Als! die Ordner versuchten, die Namenderjenigen Abgeordneten festzustellen, die Lärmszenen hervorgerufen hatten, kam es neuerdings zu Tumulten, so daß Präsident Tomasckek die Sitzung unterbrechen^ mußte. Um halb 2 Uhr nachmittags wurde die Sitzung; neuerdings eröffnet, doch waren die deutschbürgerlichen, Abgeordneten fast vollständig ferngeblieben. D'? Prager Kabinettskrise. Prag, 19. Juni. (Del.-Komp.) Die Verhandlungen' über die Erweiterung der Regierungskoalition sind, wie dir „Narodni Politika" berichtet, auf einem toten Punkt angelangt. Gegen die Zuziehung der deutsche« Sozialdemokraten in die Regierungsmehrheit haben sich die tschechischen Rationalsozialisten ausgesprochen, ebenso hat sich die Partei gegen die Aufnahme der tschechischen Kle i a'en in die. Regierungsma'o.ität gewendet. Die Partei werde sich jedoch, schreibt das Blatt, entweder für die deutschen oder für die tschechischen Klerikalen entscheiden müssen. Tagesbericht. Die Verleumder. Der Boykott/ der seit heute nachts gegen Ungam eingesetzt hat, wird die Herstellung der Gesetzlichkeit und der Autorität des Rechtes erzwingen. Ungarn ist zwar, von der Maßregel überrascht worden. Die Zeitungen! wurden von der Zensur daran gehindert, der Bevölkerung die drohende Abschnürung rechtzeitig mitzuteilen und die beruhigenden Erklärungen der Horthy-Regierung, die wir täglich in den Wiener Horthy-Organen, nämlichj der „Neichspost" und der Benediktschen „Neuen Freiers Presse" sowie im Sieghartschen „Neuen 8 Uhr-Blytt^ zu lesen bekommen, sind leere Worte, hinter denettl schlotternde Angst steckt. Ungarn hat keine Vorsorge»! getroffen und wird sich bald dazu bequemen müssen, z« den Rechtsanschauungen Europas zurückzukehren. Daran? tdirb auch die geradezu infame Art nichts ändern, mit: der die Wiener Presse und nur diese zum Boykottbeschluß! Stellung nimmt. Das „Neue Wiener Journal", datzi sich „unparteiisches Tagblatt" nennt, kämpft Schulter aW Schulter mit dem Abendblatt der „Reichspost" gegen — Dr. Renner und sein Kabinettdie Bedingungen btt internationalen Gewerkschaftsleitung, die nur Selbst-. Verständlichkeiten ^lalten, nennt diese Zeitung grotesk!' und wagt die Behauptung, daß hier ein ungeheuerlichem Eingriff in die freie Rechtsprechung eines souveräne»! Landes vorliege. Ja, was ist's denn mit den schauerlichen Folterszenen in den Kellern der Offizierskasernenin Budapest? Was mit den Leichen im Orgovanyei/ Wald? Das Blatt meldet auch aus verläßlicher Quelle^ daß die Reparationskommission an die österreichische Bevölkerung eine Ermahnung richten wird, sich von alle», parteipolitischen Maßnahmen im Hinblick auf Ungar»-; zu enthalten. i Wir stellen auf Grund authentischer Informationen fest, daß an dieser Meldung auch nicht ein Wort wahr ist. Das „Neue Wiener Journal" wird von Juden sehr stark gelesen, wenn auch nicht so stark wie die „Wiener^ Mittags-Zeitung", die heute in einem telephonische» Bericht ihres Budapester Korrespondenten die frvbe Lüge „daß die ungarischen Verleumder sozusage» bi, uif den letzten Mann Juden find". Das hat nicht: einuml noch Horthy gesagt! Es ist auch eine etwi^ zuj starke Sache, die englischen Arbeiterdeputterten mit dem! Obersten Wedgwood an der Spitze einfach zu Juden z» stempeln. Aber der Regierungsrat Klebinder. feE in - der „Sonn- und Montags-Zettung" die englische» Feststellungen veröffentlicht, bringt das Kunststück fertig, durch seinen Herrn Olden, einen von der Meinlsche» „OesterrAchisch-politischen Gesellschaft" zu unbekannte» Zwecken zur ungarischen Negierung, entsandten Sekretär^

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