Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 505 (19.6.1920)
- Date
- 1920-06-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 505 . Wien, Samstag ...—...:-. 'I1‘ , 'L ,, '4. Tr an fit sc ttd u n gey üü e r tt jt aaru: V^se haben in bisheriger Weise ausgenommen it»nb: Zveitergeleitet zu werden. Abbruch. Der Abbruch' des Berkehrsbvykotts wird von der Uewerkfchü'tverbandsleitung telegraphisch bskanntgegeher. Bon diesem Augenblick an werden die Vertrauensmänuerausschüssö das schärfste Augenmerk daraus zu dichten haben, daß nicht beförderte Sendungen ohne Verzug befördert werden. Ei« Bluff der Horthtz-Baudtten. Sie drohen mit Retorsionen. Budapest, 18. Juni. (Üng. Tel.-Korr.-Birr.) Der Darein der christlichsozialen Elsenbahner hielt heute eine Versammlung ab, in der eine Resolution gefaßt wurde, die besagt: Gegenüber dem in der vorigen Woche veröffentlichten Beschluß der Amsterdamer Sozialisten beschließt die heutige Vollversammlung der christsichen Eisenbahner, daß, sofern der Boykott am 20. d. M. in Kraft tritt, die ungarischen Eisenbahner als Retorsion die nach Oesterreich und den übrigen N ach barstaaten instradierten und vertragsmäßig bereits abgeschlossenen Waren- und Lebensmitteltransporte (?) zurückhalten und den Absendern zur Verfügung! stellen würden. Wie der ungarische Ministerpräsident lügt.! Das ungarische sozialistische Organ „Nepszava" schreibt, daß bei der Besprechung des Ministerpräsi-. Jjettffitt mit den Vertretern der Arbeiterschaft die Vertreter der Arbeiter ihre aus die Abwendung des Boykotts bezüglichen Erklärungen nur bedingt gemacht haben, das Ersuchen des Ministerpräsidenten - nur ad referendum nahmen und daß sie nur nach der Entscheidung der die Gesaintheit der Arbeiter vertretenden Form bindende Erklärungen abgeben können. Panama-Affären in Angarn. .Der ungarische Ministerpräsident will 90 Millionen „verdienen". ' '' Die eben erschienene Numnrer des „Az. Durber" beröffsntlicht eine Reihe von Panama-Affären und schreibt diesbezüglich: Die größte/ aber erst sin Werden > begriffene Affäre ist diejenige des Ministerpräsidenten Alexander S,i m o n y i - S e m a d a m, der. hie ungarischen Staatsbahnen einem vom MulLimillionars Äavon Groedl geleiteten Konsortium verschachern will.Hegen diaHerpachtung, beziehungsweise den VsMüf der Stgatsbahnen sprachen sichaber' .derStaatssekretär im "Handelsnnnisterium Bardu Wilhelm Le r s und eiyig^ reiche Mitglieder der Itationalversämmlung aus. Lers hat sogar auf seine Stelle reslAUiert. InBudapestsr Finanzlreiserr spricht man im Falle her DurchsfülMng dieser Transaktion von einer .Provision von -90. Mllonen Francs, 'die B e st e ch u u g s z w e cke n dienen, soll. Ministerpräsident Dr. Simvnyi-Semabam war' lange Jahve hindurch Rechtsanwalt beZ Harons Groedl. ' ' Herr Hejjas als Zwlebelhändler. Der Massenmörder und beriichtigte Führer der Weißen Terroristengruppe Oberleutnant Ivan Hejjas hat in dev Umgebung von Mako die Zwiebeln nur in dem Falls zum Export bereitstellen lassen, wenn'ihm die Kaufleute 14 Prozent des Bruttogewinnes ab geben. Bei dieser Erpressung stand ihm seine Brachialmann-- schaft beveitwilligst zur Verfügung. Sein „Reingewinn" bewägt.stwa zweieinhalb Millionen Kronen. Wie die Offiziere des Osztenburg-Detachements Geld erpressen. Offiziere des Osztellburg-.Detachenreuts erpreßten vergangene Woche vom Inhab er der Drechsler scheu Restauration auf der Andvasshftraße 100.000 'Kronen unter dem Vorwmrd, es befinde sich' in ihren; Arrest' ein Mann namens Josef Vas, der an ihn — Drechsler — eins Forderung von 100.000 Kronen hatte. Auf. die Beteuerung des Restaurateurs, er Habe niemals einen Josef Vas gekannt, wurde ihn; klargelegt, Mer Einwand könne ihm die Gesundheit oder bas Leben kosten. Der Mann zahlte und die Osztenburger entfernten sich. Erpressungen am Turf.— Razzia auf Zeiß-Trleder. ' Am Page des Königspreises hielt des Osztenbnrg- D'etachement eine Razzia auf dem Turf ab. Sie, nähmen die feinsten Zeiß-Trieber und andere Ferngläser mit der Begründung weg, die Nationale Armee bedürfe solcher Gläser. Magnaten, die sich gegen den offenbaren Raub sträubten, wurden verprügelt. Der Häuptmann-Ayditor Tahy hat die serbischen Staatsbürger Matej Dugancic, Nikola Sintonovits und Dragutin Antonovie unter der Bedingung auf freien Kuß gestellt, daß sie seinem Freund, dem Advokaten Dr. Holzmaun, je 15.000 Kronen für die Intervention übergeben. Er selbst hat den Verhafteten das Goldgeld abgenvmmen und glicht mehr zurückerstattet. Ein englisches parlamentarisches Komitee für die Fragen KleinafienS. . London, 17. Juni. tJüd. Korr.-Bur.) Im englischen Unter hause bildete sich ein aus mehreren Mitgliedern bestehender Ausschuß ffc die Fragen K l e i n a s i e u s, in welchem die bekannten Philoziomsten Lord W i» st e r t o n und Major O r m s b v die führende Stellung einnehmeu. Sie «ofa» LenurLbü vov Llovd George «üvjange» werde». Wiener MorgenZeiLunF Großer hAlgKrischer Maistransport für Oesterreich. Paris, 18. Juni. (Korr.-Bur.) Präsident der Friedenskonferenz Atillerand hat an die internationale Donaukommisfion das Ersuchen gerichtet, dem aus Bulgarien erfolgenden Transport von 20.000 Tonnen M a i s, die für Oesterreich bestimmt find, zu sichern. Sin französisches Kanonenboot wird von der Kommission besonders bestimmt werden, das die Fahrt des „Kondor" bis Wien sichern wird. Die Ankunft der Reparationskommisfion. Sir William Goode. Präsident der österreichische» Sektion. Auf dem Nordbahuhofe sind gestern mittag der französische Vertreter der Revaralionskommiston für Wien Herr Klobuk o w s k i und Herr B a t h, Generalsekretär der amerikanischen Kommission, in Begleitung eines großen Teiles des technischen Personals der Reparationskoimmssion angekommen. Es vcrlautbart, daß die erste Sitzung der Kommission am I. Juli stattsinden wird. Auf Wnnsch der französischen Regierung nnd da der Präsident der in Paris versammelten Hauptkommission ein Franzose ist. wurde der Vorschlag des französischen Delegierten Klobukowsky. zum' Präsidenten der Wiener Sektion den englischen Vertreter Sir William G o o d e zu wählei', einstimmig angenommen. Gleichfalls einstimmig gewählt wurde zum ersten Vizepräsidenten der italienische Vertreter Scaramagna und zum zweiten Vizepräsidenten der polnische Vertreter, der gleichzeitig die klemm Mächte in der Kommiffio zu vertreten hat. Telegramme. Die Teschener Frage. Eine Erklärung des Dr. Benesch. Prag, 18. Juni. (Tschecho-slow. Preßbur.) Minister des Aeußern Dr. Benesch gab gestern nachmittags in einer genremsamen Sitzung des auswärtigen Ausschusses' der Abgeordnetenkammer itnd des Senats eine ausführliche Erklärung über, den-Stand, der Teschener Frage ab.. Danach , legte der. Minister nach seiner Ankunft in Paris, der Botschafterkonferenz einen Protest gegen die Arbitrage vor, in dem er dieHerstärkung der Besatzung, die Herstellung der Ordnung, die Durchführung des Plebiszits, und die Beseitigung der polnischen Gewalttätigkeiten verlangte sowie-'darauf drang, daß die Versuche. die beiden interessierten Völker gegeneinander aufzuhetzen, aufhöten müßten. Nach der Initiative der Botschasterkonferenz verhandelte Dr. Benesch in Paris mit dem polnischen Minister des Aeüßern Dr. Patek. Sie einigten sich dahin, daß die Frage definitiv nur in Prag Nnd War sch a u g e l ö ft' werden k ö n n e, wohin die beiden Minister zurückkehrten, um mit den kompetenten Kreisen die Angelegenheit zu Ende zu beraten, worauf sie in den allernächsten Tagen wieder zusanunentreffen werden, um die definitive Entscheidung ' beider Parteien einander mitzuteilen. Die Alliierten wollen in dieser Angelegenheit weder der Tschecho-Slowaker noch Polen etwas ailfzwingen, noch auch gegen den einen oder den anderer: entscheiden. Es sei absolut übertrieben und unrichtig, als ob die Alliierten den Frieden von Saint-Germain verletzen wollten. Der Minister wird eine Reihe von Details noch in einzelnen Sitzungen des Auswärtigen Ausschusses der Abgeordnetenkammer und des Senates vortragen, wo sodann eine Debatte abgeführt und die Antwort an die Botschafterkonferenz vorbereitet werden wird. Der russisch-polnische Krieg. Warschau, 17. Juni. (Funkspruch. Polnischer Heeresbericht.) An der nördlichen Front rückten rmsere Abteilrmgen nach harten Kämpfen vor und besetzten mehrere Ortschaften. In der Gegend von Lakoszusze wurden bolschewikische Angriffe abgeschlagen. Südlich und westlich von Czernöbyl längs des Uszaflusses erbitterte Kämpfe, in denen unsere Abteilungen den Feind bis über die Weresnja zurückschlugen. In der Gegend von Radomysl umzingelten und flchugen unsere Infanterieobteilnngen in einem vorbereitenden Manöver eine feindliche Division, wobei sie 800 Gefangene machten, 2 Geschütze und 600 Trainwagen erbeuteten. Moskau, 18. Juni. (Funkspruch.) An der Beresina wurde der Feind nach starkem Widerstand geschlagen. Unsere Truppen haben die Linie Rutsch:—Tscherecna- Sergutsch erreicht. Im Raume von Korostyn'wird der Zurückgehende Feind verfolgt; er sprengt alle Eisenbahnbrücken und zerstört das zurückgelassene Kriegsmaterial. Im Raume Winnica—Smermka rücken unsere Truppen vor. Die polnische Kabinettskrise. Warschau, 18. Juni. (Tel.-Komp.) Aus der Regierung nahestehenden Kreisen wird mitgeteilt: Die projektierte Koalition der Volkspartei und der Sozialisten kann als gescheitert betrachtet werden. Dadurch erscheint die Kandidatur Daszynskis als Minister des Aeußern endgültig erledigt. Dagegen nehmen die Verhandlungen zwischen der Volkspartei und den \ reKssteHenderr Karteien einen günstigen Aerlauj« Da 19. Juni 1920 Seite 3 der Minister des Äeusiern Batek Atorgen aus Paris in Warschau eiritrifft, dürfte Atontag bereits die Lösung bev Krise erfolgen-. Als zukünftiger Minister des Aeußern gilt' der bisherige Gesandte in Berlin Schebeko, falls man nicht im letzten Moment noch an Minister Patek festhält, der zu den leitenden Staatsmännern der Entente beste Beziehungen unterhält und bisher sehr gute diplomatische Erfolge aufzu-. weisen f>atte. - England gibt Malta Selbständigkeit. Haag. 16. Juni. (Privat.) Einer Meldung des ^Trle* graas" aus London zufolge wird durch königliche Verordnung der Insel Malta eine eigene verantwortliche Regierung gegeben. Das Parlament wird aus einem Senat und einer gesetzgebende« Versamnrlung bestehen. Das Ministerium soll höchstens sieben Mitglieder umfassen. Die Amtssprache ist Englisch, bei den Gerichten Italienisch, Parlammtsreden können auf Englisch, Italienisch und Mal--! tesisch gehalten werden. Kerne Aenderungen am türkischen Vertrag. Washington, 18. Juni. (Funllprnch.) Meldungen aus^ London zufolge beabsichtigen die Verbündeten nicht; Aenderungen am türkischen Friedensvcrtrage vorzunrhmen. Die ernste Lage in Irland. London, 18. Juni. (Reuter.) Heute sind' aus,England große Truppenabteilnngen in Dubliir emgetroffen. Sie werden sofort über die Unruhebezirke verteilt. 1 * Die Sowjettruppen räumen Persien. Paris, 18. Juni. (Havas.) „Matin" meldet ans Londop^ Wie „Daily Telegraph" berichtet, ist die Tlnttvort aus Moskau! wegen des persischen Protestes gegen den bolschewikischen Einfall gestem abends in London c''r getroffen. In gut untere richteten Kreisen erkläre man, die Moskauer Regierung habe die Ränn:ung Persiens befohlen; sie erkläre jedoch,! sie könne weder garantieren, daß die unabhängige Republik; Baku sich diesem Vorgehen anschließe, noch könne sie ver-j h'indern, daß' die persischen Bolschewiken handeln. David Bellin über die neue Stadtverwaltung ln Jerusalem. London, 17. Juni. (Jüdisches Korrespondenz-Brueau.^ David Dellin, der neue Vizepräsident von Jerusalem, äußerte sich gegenüber einem Vertreter des Londoner Jüdischen Karre-. spondenz-Bureaus über den neuen Stadtrat und seine nächsten , Aufgaben. Er bemerkte, daß die Ernennung von R a gi b ' Baj, welcher sein persönlicher, Freund ist, zum Präsidenten.Jerusalems den Beginn einer neuen Epoche be-i bellte. Der neue Pärsident ist ein Mensch 'von / modernen- Anschauungen und besitzt ein großes Interesse "daran, daß -hip] Stadt,, wo er gebaren ist, nunmehr einer mächtigen Ent--.' Wicklung in rascherem Tempo entgegenschreite. Der neue Stadtrat wird eine schwere Aufgabe haben, er mutz trachten,: daß alle Errungenschaften der europäischen Zivilisation der> Stadt dienlich gemacht werden, - dabei aber nicht vergessen-- daß Jerusalem die Merkmale seiner Umgebung, seinen orien-! talischen Charakter, nicht verlieren darf. Jeder, der nach Jerni salem konnnen wird, muß es aber auch empfinden, daß er sich in der Stadt der Könige Salomo und Hiskia befindet. > Dr. v. Holtum von den Polen verhaftet. V Berlin, 18. Juni. (Wolff.) Das Mitglied des deutschenj Ausschusses für Westpreußen Dr. v. Holtum, der sich zur- Besprechung in Abstimmungsangelegenherten nach Berlin begeben wollte, wurde in Neustadt von den Polen au8 dem Schlafwagen! des Schnellzuges Danzig—Berlin geholt und ohne Angabe von^ Gründen festgenommerr. lieber das Schicksal Dr. v. Holtums,!, der sich im Besitz eines ordnungsmäßigen Paffes der interalliierten- Kommission in Marieuwerder und eines Visums des dortigen polnischen Konsulats befand, ist nichts bekannt. f Berlin. 15. J«m. tWolff.) Wie von zuständiger Stelle mitgcteilt wird, sind wegen der Verhaftung Holtums Proteste an die polnische Regierung nach Warschau und an die interalliierte! Kommission nach Marienwerder gerichtet worden. Die interalliierte Kommission bat bereits die erforderlichen Schritte wegen F r e t*1 lassung Holtums bei den polnische« Behörden eingelettet. .^j Was treiben die Franzosen in Ludwigshafe«^ Ludwigshafen, 18. Juni. (Wolfs.) Heute früh wurden^ von den Besatzungstruppeu neue Verhaftungen vorgenommen«s Verhaftet wurden: Stadtrat und Arbeitersekretär Rauschers (sozialdenwkratische Partei Deutschlands), Stadtrat und Metall-! arbeiterverbmidsbeamker Fischer (sozialdemokratische Partei^ Deutschlands), Stadtrat und Eisenbah'nerverbandsbeamtell Bairm (unabhängige sozialdenrokvatische Partei Deutschlands)-' Sie wurden in einein Auto curs der Stadt weggesüh'rik< ns Heute früh rückte eme große Kavallerieabteilung mih- Maschinengewehren ein. Die Lüge hat' sich noch weiter gu^, gespitzt. ■; v Die tschechische Kabinettskrise dauert an. Prag, 18. Juni. (Korr.-Bur.) Nach überein-! stimmenden Meldungen der Blätter dauert die Kabinetts-! Krise unverändert au, da die gestrigen Verhandlungen über die Bewirtschaftung der heurigen Ernte zu keinem Ergebnis geführt haben. „N a r o d n r Politika*! schreibt, daß sich innerhalb der Agrarpartei eine! Agüation gegen den Minister des Innern Svehla. und! gegen die Partelleitung überhaupt bemerkbar mache.l Prager Parlament. Prag, 13. Juni. (Tel. der »Wr. Morgeuztg.") Inf Senat wurde die Debatte über die Regierungserklärung auH , heute nicht zu Ende geführt. ”«! In der Klubobmännerkonferenz wurde beschlossen, boi( einer Debatte über das Teschener Problem im Plenum abzm sehen aus Gründen de,r äußeren Politik sowie ans NückMk auL die Entente,^