Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 503 (17.6.1920)
- Date
- 1920-06-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Hx. 5ÜA /Wim. Doimersnig - TelegramMe. Ankunft der ReparationskommiffäLe in Wien. Paris, 16. Juni. Klobukowski, der Vertrrter .Frankreichs i« der österreichischen Sektion der Reparationslkommission, reist heute nach Wien ab. G o o d e, der Vertreter ^Englands, tritt morgen die Reise nach Wien an. Die deutsche Kabinettsbildung. Dr. Mayor mit der Kabinettsbildung betrant. 5 Berlin. iS. Juni. Das „8 Uhr-Abendblatt* meldet, daß der Reichspräsident den Rat des Abgeordneten Tnnrhorn. den deutschen >GxschäftstrZger iu Paris Dr. M a y? r mit der Neubildung des jKahinetis zu beauftragen, angenommen hgve. Dr. Mayer, der!gegenwärtia in Berlin weilt und als Abgeordneter der Bayrischen lBolkSpartel in den Reichstag wiedrrgewähkt worden ist. lost auf Mrund eines Programms, daß er aufstellen soll, seine Mitarbeiter airsuMerr. Liuberufung des deutschen Reichstages. Berlin, 16. Juni. (Wolff.) Der > Präsident der Rgtionalversammlung hat den Reichstag für den 24, Juni. 3 Uhr nachmittags, einherufen. Alle Haßgesänge, verboten. // .Bern, 16. Juni. (Wolff.) Laut Liner amtlichen -Bekanntmachung des Chefs des französischen Generalistabes hat der kommaOievende General der Rheinlande fit? her durch dir französische Armee besetzten Hone in-!sykge tzsn ZtvischsnfäÜen und zur Vermeidung von sich, dtzraus ergebenden Unruhen verboten, daß' in dev Oesfsntlichkeit ober unter Uinständen, die der'DeffenL-' lichkeitgleichkommen, deutsche 'Hymnen oder Licher,' ' die' leinen feindseligen oder' provokatorischen' Charakter gieg-nüber Frankreich tragen, gesungen werden. Verboten sijrtz unter anderem: „Die Wacht am Rheins „DeUtsch- Mnd über alles", „Heil dir im Siegerkranz", „Siegreich; /wollen wir Frankreich schlagen",- - -,Der' K-ßgesang"-ujw.- zFerurr wird in der von den Franzosen besetzten Zone iunter alt'M Umständen das Flaggen in den nationalen (Farben, s§i.6s iu den alten oder neuen, verboten.!Jch>» Übertretung wirb als Ungehorsam gegen einen ivtzn den französischen Militärbehörden ergehenden Be- Wl betrachtet und als solcher bestraft werden. Die palästinensischen Deutschen. «■ Berlin, 15. Juni. (Wolff.) Bekanntlich hat dis englische Militärbehörde in Aegypten unlängst 250 Mitglieder der (seinerzeit aus Palästina vertriebenen und in Aegypten internierten deutschen Templer zwangsweise nach Deutschland perlschickt. In den letzten Tagen haben nunmehr' in Stuttgart und Mergentheim Versammlungen stattgefunden, in denen gegen die Zwangsverschickungen wie auch dagegen protestiert wurde, Hatz noch immer über fünfhundert Templer, zum größten Tßile -Frauen und Kinder, in ägyptischen Internierungslagern festgehalten werden, wo sie allen Entbehrungen des Gefangenen, lebens preisgegeben find. Mr Bormarsch der Bolschewiken in Persien. - Paris, 18. Juni. Der persische Minister deS Aeußern erklärte einem Vertreter der „Daily Marl" gegenüber, die Lage iPexsieuß, sei sehr ernst. Die Sowielstreitkmfte setzten ihren Vox-, mävch bis in die Rübe von Reicht fort. Weitere Kräfte werden an Hurkestan gesammelt, um sie gegen Persien und Afghanistan m verwenden. Eine Depesche aus Teheran meldet, daß sich Benti'chir Khqn mm Mrnisterprästdenten und gleichzeitigem KriegSmimster dev Sowjetregierung von Reicht ausgerufev habe. Der russisch-polnische Krieg. ' Warschau, 16. Juni. (Fnnlsvruch.) Generalsiabsbericht der polnischen Armee. An der nördlichen Front lebhafte Täugkeit mit Kampferiolgru. Abteilungen, dir an mehreren Stellen gegen die Verteidigungsstellung des Feindes vo, rückten, harten dessen befondkls harinäckigen Widerstand zu Lherwmden. In der Pylesie «UttkvohV es her .Feind bei Gsiboz, in unsere Front emzubrecheu, erlitt aber dabei one schwere Niederlage. In der Ukraine wird der R ü ck zu g der Armee in voller Ordnung fortgesetzt Otto Stoetzls „Der Hirt als Gott«. (Freilichtaufführung im Gartentheater tzer Kunst- Oeffentliche Generalprobe vom 15. Juni 1920.) J' Gin Sinngedicht, nachdenklich und von Musik erfüllt. ganz schlicht, doch von sittlicher Größe, ist dem feinen Poeten Otto Stoeßl geglückt. .So meileM fern vom modischen, lärmenden Wvrtemachen, so einfach >ht der Diktion und so weise, daß man ernster Sammlung bedarf, wenn man es liest, weil sonst diese geruhsamen Berse vorüberklingen und diese zarte und doch blutvolle Gödankenlhrik verloren geht, wie sie auf der Szene verblassen muß, weil diese „Dramatische Sage in drei Aufzügen" alles ist, nur nicht dramatisch (ein Schicksal, das sie stns mit manchem größeren' Werke, wie zum Exempel dein Gyetheschen „Dasso", zu teilen scheint). Es erging hiß Weissagung, haß hie ßynigstochter Maja sich selbst, Werl Vater und HinMeich vernichtete^ wenn fie sich eirsirm Menschen vermählte. „Dieser Mensch aber würdezutage t'omnwn wie ein Gott und nur der Gott könnte sie retten, der zutage kommt .wie ein Mensch." Die Weissagung beginnt sich zu erfüllen. Mit Feuer und Schwert jagt der Iönig des MchbarreicheZ eirrher w^e .ßtn Gott Md begehrt! «Maja. Damit die..Gottheit als Mensch niederfahre und sie errette, dient Maja ihm alle Tage in Inbrunst und verspricht sich ihm. Aber ein Hirtenknabe findet mit frischen Sinnen, den Weg zu Maja und wird als d<r Gott verehrt, der in Menschengestalt als Erlöser erschien. Der Dichter kennzeichnet die Wesenheit dieses iM'W. Jtete LWi- -/Wrsnop MsrgenZeitung , Moskau.^. 16..Juni. (Funkspiuch.) FronfberiHt. Im Raume von Kiew setzest wir den Vöxruärfch fort. In Kew wurdest laut ergänzenden Meldungen 14 Geschütze, ferner Waggons mit Munition und Panzerautos er» beutet. Im Raume von Gajsin nähern sich unsere Truppen der Stadt Vrazlay). i Die ptttrttsche Mnisteokxise. Amsterdam, 15. Juni. Wie der Korrespondent der „Times" aus Warschau meldet, sei das Ende der polnischen Ministerkrise noch nicht abzusehen. Die -Tatsache, daßöie 'Volkspartei von Pilsudski ab ge fallen sei, deute darauf hin, daß die Linke vollkommen die Oberhand Über die Rechte habe. Jedes künftige Ministerium werde deshalb unbedingt Vorschläge über FriedenZverhandlungeN mit den Bolschewiken einbriugen müssen. Die Lage werde durch die gegenwärtig herrschende Streikepihemie erschwert. - Die italienische Arheitepdelegatiorr Ln Rußland. Moskau, 16. Juni. (Funkspruch.)' Die hier eingetroffene italienische Arbeiterdelegatton wurde vom Vorsitzenden der Sowjets, Kamenew, begrüßt, der daran erinnerte, daß dis italienischen Arbeiter als erste der dritten Internationale Lei» trafen. Der Delegierte Seratti erklärte, daß die russischen Arbeiter auf die Hilfe der italienischen Arbeiter rechnen können. Die französische SoziaUftonmWon in Rußland« Paris, 16. Juni.!Korr.-Bur.) Longijet veröffentlicht in der „Hnmanitö" einen. Artikel über die Mission Cachins und Frossards in Sowjctrußland. Er stellt fest, daß die Pertreter deS sianzösischen Sozialismus gegenwärtig schon iy Sowjetrußland eingetroffen sein dürften, doch fehle bisher jede direkte Nachricht. Die französische Mission werde int Einvernehmen mit den deutschen unabhängigen Sozialisten unternommen. C a ch i n und F r y s s a r d hätten sich im ganzen etwa 14 Tage in Deutschland aufgehalten. Di? sozialistische Partei erwarte viel von der Mission. Die Mißverständnisse, die zwischen den Parteigenoffen im Westen und Osten geschwebt haben, würden zerstreut werden, und. eine einzige Internationale werde die Organisationen des kämpfenden Proletariats der ganzen Welt umfassen. Ernste Lage der Franzosen in Syrien. Paris, 15. Juni. (Privat.) „Matin" meldet: Die KoMUlissiou für auswärtige Angelegenheiten hat gestern die Prüfung der Orientfragen fortgesetzt. Es entspann sich eine Debatte, in deren Verlauf die Lage'Frankreichs in Syrien, ZiliZien und Konstantinopel als so ernst bezeichnet wurde, daß die Kommission die Entsendung einer Delegation nach dem Orient beschloß, um an Ort und Stelle eine Untersuchung einzuleiten. MobMsierrmg 4n Griechenland. , Berlin» 16. Juni. Die «Lossische Zeitung" meldet aus ^ariS: Nach einer Meldung der Agence Havas aus Athen hat die griechische Regierung die vorzeltige Einberufung der Jghresklaffe 1931 angeor'onet. Das Kabinett Knudfen zuruckgetreLen. Kopenhagen, 16. Juni. Wie die Blätter aus Christiania melden, hat das Storthing gestern das Wegebaugesetz des Ministeriums 51nlldsen mit 74 gegen 51 Stimmen abgelehnt. Infolgedessen ist das radikale Ministerium Knudfen, das seit 1913 im Amte ist, zurückgetreten. Die Mehrheit bestand aus Konservativen und Sozialisten. Das neue Kabinett wird wahrscheinlich von den Konservativen mit dem Storthingpräsidenten Halvorsen an der Spitze gebildet werden. Krise auf der Belgrader Börse. Agram, 16. Juni. (Tel.-Komp.) Infolge der Speknlalivn hiesiger und Belgrader Banken auf den Börsen mit Devisen, was zn einer Steigerung der fremden Devisen zum Schaden der Oeffentlichreit führte, verbot das Finanz- „Div ganze Welt ist in mir, sch vertrage mich mit mir, die Welt ist mir gut. Ich bin mit rnir einverstanden." Der riesenhafte Wächter, neigt sich vor ihm, Maja wird sein Weib, alle werden ihm gefügig und er läßt sich als Gott lieben: „Wer Macht über Menschen hat, ist ihnen göttlich. So will ich Gott sein, denn ich habe Macht über sie," sagt er. Und er behält die Macht, auch über den greisen König, dem er zurust: „Siege durch Demut!" behält sie, da er später kundtut, daß er nicht der gepriesene Gott, sondern ein Hirt aus dem Tale sei, ja er behält sie, siegreich der Gottheit selbst gegenüber, die unter Blitz und Donner niederfährt, die Braut einzuforöern. Diese letzte Szene, in der die Gottheit den: Hirten das Schwert gibt« damit" er es begrabe, , und von ihm die Hirtenflöte.überninlmt, als Hirt der Menschen „HochzeitSlicher dieser Welt voll Leid" zu spielen, ist die dichterisch schönste und tiefste. Die Gottheit spricht zum Schluß bei der Schwertreichung an den Hirten: ' . . ' „Ihr dankt euch selber: alle Lust und Klage, Die Götter schaffen euch,' daß ihr sie schafft. Und menschlich macht die Götter eure' Kraft:" Und der Hirt antwortet: „Bür ich dir recht, dann ziemt dir dieses Schwert', Ich bm des Gottes, du bist der Menschen wert." Man weiß, daß der Gedanke, der in diesen Schluß- Versen ausgesprochen wird, von urjüdischer Religiosität erfüllt ist. Es ist dir Wische Auffassung, daß das Schicksal Gottes von den Menschen abhängt und nicht bloß das Geschick der Welt von Gott (Kiddllsch Haschem). * 17. Juni 1920 Seite 3; Eingesendet. Regine Feld Elias Pinesj Wien empfehlen sich als Verlobte. Wien, im Juni 1920.;8tnd. phil. 'r" Charkow 1 >S80( BAD UND SANATORIUM Mödling bei Wien Telephon Mödling 454. 8516 Verwaltung: B. Doll — Aerzfliche Leitung: Dr."Max Scheinpfiu'gJ^ NSehet Halls,teile der Straeeenbahn Ganzjährig geöffnet i 3546' Herrliche Lege — flgodorne Kurbehelfe — Gute, kurgemiwo Verlegung —- Advokat Dr. Isidor Rath hat seine Advokaturskanzlei in ,Pa4fo>uz bei Drohobycz (Naphthagemeinden: Opaka, Kropiwnik, Prop erystina, Äalokiec, Bystrzyca, Dollie etc.) eröffnet. ,s»54 miniftcrium den Banken den Devisenverkauf, an das Musland. Da einige Banken das Verbot zu. umgehen trachteten!: und durch Strohmänner Devisen verkaufen lftßen, hat dgsj Finanzininisteriuln eine strenge Untersuchung eingssleitet. Auf der Belgrader Börse kam es infolgedessen zu einer Krise^ 'so! baß'der Börfenrat voir der bisherigen Leitung zuruckgetreben! ist. Es wurde ein neuer Börsenrat gewählt. Dieser Vorfall! erregte in der gesamten Oeffentlichkeit das größte UusfvWr- Die Einfifung der KriegsanLeiheKirttd^p r; Tschecho-Slowahei, Prag, 16. Juni. (Tel.-Kvmp.) Heute sollte ' bekannt lich der Regierungswtwarf über die Kriegsanleihe! fit hex Nationalyersammlnng erledigt werden.. Infolge der unzählige mündlichen, brieflichen und telegraphischen Proteste gegen dieses Gesetz und das entschiedene Auftreten der deutschen Abgeopd^ neten wurde erreicht, daß die heutige Sitzung, her Pationq^ Versammlung an die Erlebligung 'Lieses/MseM nicht-her trat, sondern den deutschen Parteien erlaubte,. morgen init den Vertretern der Kriegsanleihe-Schutzverbände, derr-i^pats lassen- und Bankenvertretern eine Enguete. zu 'tzepanftflMk^ in der zu dem Regierungsentwurf Stellung genommen werden kann, «m dann morgen nachmittags in der Bnbgetausschijßsitzung endgültig zu der Regierungsvorlage Stellung.'- zu nehmen. Ueöernwrgen soll dann dieser - Gesetzesantrag ppr das Plenum des Abgeordnetenhauses kommen. Man hasst in deutschen Abgeordnetenkreisen, daß es noch! möglich'sein wird, die schädlichsten Bestimmungen für die kleinen Ren wer und die Sparkassen ans dem Msetzentwurf zu öesiittgen. . Eme^tschechische Frnarrzkrise. :A Prag, 16' Juni.' (Körr.-Bur.) In' Besprechung der Arssei bezeichnete „Närodni Politika" die Lage als sehr verwickelt^ Es drohe eine Finanzkrise, eine Krise der Koalition und. öey Siegierung. Namentlich die Angelegenheit der Ginlösung deri Kriegsanleihe in'Verbindung mit der neuen .StaatsäMW sei sehr ernst. .. . ' „Narodni Listy" beurteilt die innerpylittsche Lage sehn . pessimrsttsch und bemerkt, daß auch Minister deS Aentzernl Dr. Benesch aus Paris keine frohen Nachrichten binrgen dürste^ Besondere Beachtung wrdnren die Blätter den Verhand«- langen der Reegierung mit der Katholischen Voftspartei, deren! Anschluß an die Koalition sie erwarten. schienen vier Musikanten, deren Papiürkostüm auf ein kommendes Fastnachtsspiel vorbereitete. Die pierurnsteu Musiker .vom Vläserchor der WilharMnMr^fMM nicht nur Faschingsniützen, sondern laüch, Mann W HHn --' eine Art Luftpolster, wie ihn.an Mnw^hvi^' ältere Herren mit sich zu führen pflegen, legten hje vier bunt ausstaffterten Polster sm, Gleichtakt auf dje Rampe, setzten sich hin — und. bliesen eine, herrlich^ Weise. Der amüsante Auftritt wiederholte sich pyr jedem Akt. Auch die Pqpierkostümierung der Akteur« war zwar höchst phantastisch tmti> .von, den . auf der Bühne üblenkend/ aber durchaus safchingsmüßig^ (Nur die Kleidung des Gottes/schien Ms sehr ein"! drrlckSvoll und künstlerisch , bedeutend, - hingegen -das» Kleid des önigs, der doch im Stück einen Golgatha^ Weg zurückzülegen hat, einfach ülkig.) Das Bühnenbild, in den bogenförmigen, Ä>len' Wandelgang des Gartens eingebaut, war hingegen wunderschön. Figurinen und Bilder stammen von Pwfessor Lichtblau^ die treffliche SpieMtnng/hattS-Mvekto^/G-e'.y -innv^ Das Spiel, dem jeder dramatische / Impuls fehlt, stellt / afi die Darsteller große Anforderungen. Der Hirt, ein . Mittelding zwischen „reinem Tor" und genialischem! Ueüermeujchen, gelang.dem begabten, ernst -strebenden) Felix Steinbvcküberraschend gut. Eine reifere künst-i lerische Persönlichkeit könnte die Rolle freilich noch Werts eindringlicher gestalten. T.refsiich Werner Schott aW. Gott und voll Verdienst Vilma Aknay, .MMds Schreiber und Rudolf Teübler. . Der Beifall des zahlreichen Publikums dankte OtÄ Stoeßl nach allen Aktschlüssen für das schöne GedichH Merkwürdig, ganz merlwürdig wurde die Dichtung 0846