Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 495 (9.6.1920)
- Date
- 1920-06-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 495 Wien. ^Mittwoch Wiener Morgenzeittmg & Juni 19^0 Seite man 2iucm Volte/^nüL öcnt man nicht iH- Diegr stehe,. Ha»detsb.ezielMlgell, verweigere,. ,uui> chMWn vor seiner Regierung Abscheu empfinde.' , Krasstns Berhc^dlungen. AmsterdtW, 8. Jum. AiD London wird^gerneldet: HM Gurzoft und Bona^'Law sowie andere gstcher der Regierung hab/r Krass in zum zweiten Mals empfangen, Kramr/gab bezüglich der Kriegsgefangenen Und der bolseyewikischen Propaganda neuer» lich Ausschlüsse. /' Berlin. 8. Juni. «Die Blätter melden ans Basel; Wie aus London buchtet wird, hat Krassin der englischen AsegierunaK.behufs Einleitung der gegenseitigen HandvlsbeMyungen folgende Vorschläge" gemacht.: Wenn die Mglische Regierung die Räterepublik anerkennt und denfrussischen Kausleuten, die mit Pässen der Moskauer Regierung versehen sind, freien Verkehr und Handel auf/englischem Gebiet sowie die Üeber- Weisung von Wldern an englische Banken gestattet, werden die. eMischen Staatsangehörigen die gleichen Rechts in RuMlNd erhalten, während die RäteregiernNg ihnen BergwMkskonzessionen unter der Bedingung übergibt, daß ff mechanischen Mittel und daö techüische Personal gestellt werden. iu D^ russische Frontbepicht. .. . Moskau 8,Mni. (Funkspruch.) Westfront: Am rechten Ufev dsi Beresina haben die Rottruppen eine Anzahl von Stellungen südlich von Sevislodz (?) und nordöstlich VPN Bobruis? erobert. In der Richtung Slodin—Mosyr schte/unsere Truppen den Vormarsch fort. Südwestliche Front: Die Rottruppen haben das linjse Ufer des Dnjepr wieder erreicht, die Offen si tze ausgenommen und alle verlorenen Stellungen züxuckerobert. Im Gebiet von Kanio (?) nyd nördlich dfeser Stadt Melden die Rottruppen weitere Fortschritte.? Das neue litauische Kabinett. ' Komm», 8. Juni. (Litauische TelegMPhenaMnlur.) Das neue Kabinett soll von aDn Parteien des Landes gebildet werden, auch von den in der verfassunggeben'- den Versammlung; nicht ^verw:'tieuen Liberalen und Fortschrittlichen (Bürgerliche Partet>. Don der verfassungsgebenden Versammlung wurde Dr. Grinius mit der Bildung des Kabinetts beauftragt. Eh wird Akgleich das Ministerium des Aeußern übernehmen. Als Minister des Innern ist Staatsanwalt Skypytis (Msrql), als Berkehrsminister der' Vorsitzende der litauischen Friedensabordnung für Rußland Ingenieur Raruschewitschus (Liberal), der frühere Präsident der liiauischsn Friedensdelegatton. in Paris, in AnssichL genommen. Minister für Finanzen, Handel und Industrie wird der jetzige Ministerpräsident Ingenieur .Gakvanauskas, Das neue »kraimsche Kabinett. Wiuuitza,. 8. Juni. (Utr. Pressedienst). Aus Grund der Hrstimmuug des vkrainüchen Direktoriums vom 26. Mai d. I. wmde die ne« ukaimsche R^siemug aktiviert, du folgende Mn» glreder angehören: W> Prokopowycz, Miniüerprästdrnt; Salikowstzü. Minister de- Inner«; Tymoschenko, Eisenbahhmmister; Archipenko, Mmister für Handel und Gewerbe; Salsktzj, Kr-easmmcher; Köschenko, Minister für Post und Telegraphie; Sempkowskr (Pole), Äckerbauminister; Oy'ienko. UntmichlSminisirr r RckowSktzj, Minister des Aeußer»; Lewwkyj, Justizminister und Vertreter deS Miinsterpräfidenten. - In der Deklaration der neuen ustainlschen Regierung wird die Sicherung der Rechte der Bevölkerung und die Gleichberechtigung aller Nutionalitätm, die auf dem Gebiete' der ukrainischen Volksrepublik wohnen, besprochen. Alle durch Denikin erlassenen, Verordnungen wurden aufgehoben. Die Kriegsgefangenen in Rußland. Amsterdam, 8. Juni. Nach einer Londoner Meldung erklärte Nansen gegenüber einem Mitarbeit« der »Observer*. in 6 i b i r i e n befänden sich wahrscheinlich 160.000 bis 180.000 Kriegsgefangene. Einige Tausend davon sind in Türke st an, deren Heimkehr die größten Schwierigkeiten verursache. Im übrigen verkehren trotz Mangels an Eisenbahn- Material Füge Mt Kriegsgefangenen zwischen Moskau Md Rarwq. Die Behandlung der Kriegsgefangenen in Rußland laste nichts zu wünschen übrig. Prager Abgeordnetenhaus. & --Juni. Das Abgeordnetenhaus setzte dis Debatte über das Regierungsprogramm fort. Der Redner der deutschsn Christlichsozialen Abgeordneter Schnäl tzktz erklärte/haß ferne Partei im Kampfe M das <Älbstbestinnnungsrecht des erbangesessenrn deutschen BolM stets an der Seite der ülwigen^euLschen Parteien zu finden fein werde.- Gin Zusammenleben dtt Böller stn tschschp-stowakischen Staate fei nut bei chjaichb-rechtigung und tveitestgehender SelöstverwaltUNg möglich. ' Im Laufe btt Debatte hielt der dsutscheDsmo- Mr Prsftfso? -Vr. Kgfka Ms großangelegte Rede, in der er die Schaffüng des tschscho-slawattschenMaatss stnvi» lM bisherige ksKecho-slivwakisch» Regime vom Mtsr«chtlichen Standjinuk« Ms einer eingehsnSen Mittt UnMog.' Prag, 8. Juni. Im Einlauf dar heutigen Sipung des Abgeordnetenhauses befindet sich ein Antrag der chmtsch^n Sozialdemokraten, MAn die Regierung Ms» gefordert wird,' spätestens za Beginn der ordentlich eit MbUrsjM , dM WWWMbM «M BiÜSLM Die Wii i die" ' „ * '. Wählt« g: Sonntag den 27. Jnni. Nachweis der österreichische« Staatsbürgerschaft im Steueramte der K«It«ch gemeinde, l. Seite«stette»gasse 2» III. Stock. Dio Gegner erklären hundertmal, unsere Politik sei schädlkll für die Juden; wir sind keine „ZufallSjüden", wie sich d« Listenführer der Nichtjüdischuationaleu Generalstabsarzt t. Pj Die letzte Unverschämtheit der jüdisch-deutschliberalen Antisemiten. .j . Wntäg fand im Rathause eine Hetzverfanimlung des Antisemitenbundes statt, in welcher unter dem Vorwände des Kampfes gegen die »fremden Elemente" die wüsteste Pogromhetze gegen die jüdische Bevölkerung Wiens betrieben und zu Gewalttätigkeiten aufgefordert wurde. In dasselbe Horn stößt nunmehr dgA^. Kultuswahlkomitee der „Nichtjüdischnationalen" Cligus., Dieser letzte'schäbige Rest' der schimpfsich abgewivtschaftsien DeüWliberalsn Partei hat die Vermessenheit, die Wiener Juden zum Kümpfe gegen die . «fremden Elemente" aufzufordern, die in dje Kultusstube eindrmgen wollen, stntetz diesen „fremden. Elementen", ist -die zionistische Liste gemeint,,.an deren Spitze der Abgeordnete Stricker steht und welche eine Reihe von Gemeinderäten, Bezirksräten, Kultusvorstehern und anderen öffentlichen Funktionären enthalt, welche M vielen Jahren in selbst-. losester und uneigennütziger Weise im Dionste der jüdischen Oeffentlichkeit wirken. Diese Männer als »fremde ©ine drin gkin ge" hinzustellen wagt ein Mensch, der noch nie in feinem Leben ein unbezahltes Wort fstr das Judentum gesprochen hat und. berufsmäßig die schäbigsten Wahl« machen betreibt, der berüchtigte Provisionspolitiker und Wahlagent Fleischer. Unsere Üangmut ist. zu Ende. Wir, die chir mit hen deutschnationaley Radaubrüdern fertig geworden sind,' werden auch mit, der MarionetterkMöllschüft, die sich um dieses skrupellose Individuum schürt, gründlich abzurechnen herstehen. Mr haben diese anonyme Hetze satt. Wr verlangen, daß die Kandidaten der„ÄichtiüdischncktionalünPartei" in öffentlichen > Versammlungen, endlich erklarsn, ob:sr» sich mit diesen Lumpereien solidarisch erklären. Wir machen die jüdische Oeffentlichkeit darauf aufmerksam, Mit welch schmutzigen, vergifteten Waffen der- Kämpf gegen uns geführt wird, nüd lehrten, falls der Hetze dieser jüdischen Antisemiten^ kein Ende gemacht wird, jede Verantwortung sür die Form der notwendig gewordenen Abwkbr gegen diele bezahlkS Schamlosigkeit eines gedungenen Verleumders ab. Aqtt«tore«vettammlu«g. Heule, 8 5ffiv abeüdS, im Eäf6 City, t. Werde«- törgasie-B örfeg affe, A Mütsrenversammlung. Erscheinen Pflicht. Sprechet werdsn: Abgeordneter Stricker, Gemeinderat Dr. P l a f ch k e S. Kultuswählerversammlunff in Marrahilf. Der Saal im Verbandsheim, 6. Bezirk, Königseggasse, war voll und er Hot dgs erfrischende Mld, daß viele streitbare Gegner der Jüdischnationalen gekommen waren, zu hören-und ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Dadurch war die Gelegenheit gegeben, die Gmndppknzipien der Gegnerschaft zwischen .JüdischnationalM und NichtMifchnütionalen klarznlegen, . * . Gemeinderat Dr, Pollak - Parna N prägte dafür da8 für Miener Verhättniffe richtige Wort: Es M die Regung der . ^atuzeierten,, hetz, SZ it ixt' eind Bewegüng, die nicht bloß dem nachsterr Interesse des einzelnen di^nt, sondern dem Gesanrtinteresse. Zum Kampf, zur Bewegung langt es bei diesen Menschön nicht, es ist nur IKegung, Reaktion. Aktive, militante Bertreter jüdischer Gesäintinteressen aber können nur nationale Juden fei». . Mgeordneter Stricker bewies die ALLivttät der Misch-. iiationalen Politik, ihren Ruhen für die jüdische Gesamtheit klar und offen; darauf wußte niemand etwas zu antworten. A8««lE Dr. Pick nannte, welcher bisher nie midjüdischen Angelegen^ ' heilen etwas zu Lun hatte, aber wir lehüeN es auch ab, vors zufälligen PükterkönstollatiMen chnsere 'EeichbLtöchttgung' ab< hängig zu Machen, sorrbern wir find die jüdische Partes un^wüMk die volle GleichberechtigUig äls Iüben haben! Ms aber haben die Gegner dazit zü sügm- Endlich ivagte es einer von ihnen, Rechtsanwalt Dr. SttraüK seins Tfnschaüimgen offen h0rMbtinKn, und man erfühl mancherlei Jnterefsantes. Die Nichtjüdischnattonältzn — ty bekannte der arrfrechte nüd aufrichtige liberale Käwpa sind keine Patter, .sondern es haben sich hier alle mögliches - Elenwnte gesundm und sie wählen jeden, wenn er nmr nicht jüdischnatwnal ist. >Denn die Jüdischnationalen sind eine Gefahr, weil die Antisemiten bemerll:n und schreien, eS seien zuviel Advokaten, Aerzte, Pressejuden usw. da, und das wäre, doch ein Nachteil. Nämlich für die Prefsejuden und dergleichen, fiir die Gesamtheit sicher nicht. Es ist .dH Psychologie der Satten, die aus solchen Argumeicten spricht; was über den engen eigenen Horizont hrnausgeht, ist schädlich^ Und solche Leute wollen jüdische Gemeinbepolitik macheüj Dann versuchte es Dr. Strauß damit/ die Wirkung intevt nationaler Bindungen durch den. Völkerbund in Abrede hü stellen, nach dern Milster der Kasrlliwker Inden, welche altz sie zum ersteil Male von der Eisenbahn hörten, die Sache als Lüge bezeichneten, aber als ihnen jemand sbeteüerle^ ans der Eisenbahn gefahrm zu sein, sagten: „Gut; Witz - glauben eö; sieexistiert; aber sie wird sich, uicht halten!^! Und für die Herren bonr. Schlage des WM Dr. SträW ist-der historische Prozeß des Jndentums, bsrdvr beinj Forum der Welt eritschteden wurde, noch immer Nicht entzf schieden. Es ist die sch limmste Rückständigkeit, die hier walte?/ Darauf wies tu seiner ausgezeichneten Erwiderung Herts Dr. Defider'Friedmann hin und legw dar, daß: bötz Schutz selbst eines machtlosen Völkerbrmdes besser wäre bßi die Sicherheit, die man sich bon dem Än-bredvrN an Rationen erwartet, die uns Nicht haben wollen ünd sich unser« Kirtzs Mischung in ihre Angelegenheiten verbitten. - Nachdem Herr Oskar Goldschmrdt noch den W'ersj sozialer Arbeit, welche gbxade von den Jüdischnattonalew inauguriert wurde, gegenüber dem kleinlichen, der Pshchologitz der Satten antsprechenden priv'aten WohltättgkeitsbettitLi hervorgehoben hatte, schloß die von Temperament getragen^ Versammlung. Sie ist ein deutlicher Beweis dafür, Smjjj zwei Weltanschauungen im Wiener Judentum einander Men«? überstehen: »die einzelner, welche nur sich sehen und dis derer, die sich als Glieder der Gesamtheit des Fünfzehn^ mMonendolkes betrachten. Hier gibt e§ keine Berührungspunkte. Hier gibt es nur offenen, ehrlichen Kampfs dieses Muß und wird die vom Willen der Gesamtheit ßetragentz Bolkskraft, die in der Mehrheit der Wiener JrMl stertt^ siegreich überstehen. / Bersammlu»sskale«der: Heute dm 9. d. Ä., V-8 Uhr abends, GsM? HilfKgemrmschaft (Amtta Müller), H., Pratersiraße 17. Refermtr»--^ Grmelnderai Dr. Jakob Ehrlich, Gemeinderat Dt. Leopold PlaschkrS, Aron Schwrrtfinger. .; Heute dm s. d. M.. '/,8 Uhr abends, Restaurcms j Reis», Vil, Mariahlfferstraße 124. Refrrmlm: Dr. ■ Frirdmau», Dr. Max Beinharnd. unterbreiten, du^ch dis das Wehrgesetz nach folgenden! Grutcksätzen,abgeändert^wird. s Der Militarismus wird abgeschafft. An seine Stelle' Mit eine Miliz, die in territoriale Bataillone.gegliedert ist und deren AuKh ebungsLezirk Mttonal ab gegrenzt wird. Die Territorkalbat-aillons wählen ihre Kommandanten und setzen ihre Kommando spräche fest. Kein DerriLorialbataillon darf, im Frieden außerhalb leineß Uebungsbezirkes verwendet werden. Jeder Wehrmann hat seine Waffe und Mmition im Haus. Die von Frankreich verhafteten Deutschen werden freigelasse». Paris, 8. Juni. (Havas.) Nach Millrilnngm des »Mätin" wurde seitens des Dnektors der MiliiSrjußiz Mgeordnet, daß' sofort alle deutschen Staatbürzer, die nach dem 0. Jänner 1920 vtthastet wurden, m Frechrit zu setze» sind, einerlei uuiee welch« Anklage sie sieben und wie weit die Voruntersuchungen fortgeschritten sind. Eine Rcblsio» d«L Straf- Verfahrens gegen die vor dem 10. Kinner verhafteten deutsche» Staatsbürger soll später erfolge«. SES um Jüdische Uswätiier u. -Wähierinnen \ Wi&mkmmmkwm ü<mnmiig,ämW. stmj. 8 Uhi afeendä, IVRvP^lcIV ttückm fei Resfäuräftt „wiJdef Mann", 18. Verüb, Währingeratrasse 83, eins Die Vorgänge 1« Graz. Im Laufe der Nacht sind noch' vier der_,_ vsrketzren gestorben, fo daß die Zahl der ^odeß^ opfer elf beträgt. Nnttr den Loten und Schweif verletzten find mehrere Personen jugendlichen Alters und ein Mädchen. Während der gestrigen Exzesse wuU den sechs Polizisten zirm Deik schwel: verletzt. j Graz, 8. Hmti. (Privat.)' Dre jlntersuchüug' ha-kj ergeben, daß insbesondere in später Nachtstunde Ge-i sindel die ^Geschäfts plünderte. Eins Reihe von Aus-! lagen ist total aus geplündert und die Waren sind ve^ schleppt worden.! K Graz, 8. Juni. Die für heute anöeraumbe SitzünZ des steiermäkisch-n Landtages wurde zum Zeichen dsp Trauer für dis Opfer der gestrigen Ereignisse nach einer Ansprache des LandeshcmptmMnetz Prosesso^ Dr. Rintelen geschkossen. ' lNatt llekseoMM: Abgettdnefft Slri<et«ry GmdMfrikt DomcHP i Ehrlich und Seroeinde-rrck Or. Karl Polffflc« 1 Erscheinen wnbedingtef flichttf Die Gsnatsivahten fit her Bukowina. . Ezernowitz, & Juni. Bei den Wühlen zuntz Senat wurden sechs Mitglieder der Regierungspatteiein Sozialdemokrat (Dr. Grigorsoicij und eia Ruthene gewa'hll. In Czernowiß blieb der Kandidat der Jüdischen Nationahiartei Dr. Ebn et 2274 Stimmen in der Minderheit. Keine Sonderbestenernng der Anskffnder -sr Schweiz. j 4 S. Ä«»i. Der Zenttakoorftand der WdeiMchnj Merstmvg-deMkr«^che« Pamtz tm Mstzts» p-lilischm Partei m Schwei;, hak beschtosien, die Ernsührmkg einer Oouderbtst ^er Ausländer in der Schweiz abzulrhurq, D.+/.A