Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 490 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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, Serie 2. Wien, Freitag Äas zweite Verwaltungsjahr im neue« Palästina. Der Jaffacr Dl. B.--Korresp0lldcut der „Nerjfrr Züricher Zeitung" veröffentlichte^ vor einiger Zeit unter dem obgenannten Titel ven nachfolgenden, vom Mörz datierten Aufsatz, dem wir die folgenden Stellen entnehmen, die trotz der seither geänderten!- politischen Situation .von ttiigeMuhyrtem - - - Interesse sind: " * ' - •; Die Behörden tonnten it|cfudaraus yusgehen,, Werke von wirklich' dauerndem Werse zu fchqffün, da Lei der noch' unbestimmten politischen Zufrmft des Sandes das britische Reichsbudget nicht mit großen Musgaben belastet werden konnte. Aus diesem Grunde 4md die öffentlichen Arbeiten nur andeutungsweise gefördert tootbtn; die Berwaltuugspraxis hat noch dis frülMen türkischen Gepflogenheiten und Bräuche zur Grundlage, da es nach dett verschiedenen Haager Militärkonventionen einer ' militärischen .Okkupationsbehörde nicht zusteht, grundlegende Gesetzesänderungen im okkupierten Gebiet zu vollbringen'. Nur wo sich die türkische Gesetzgebung atz vollkommen unzureichend-oder schädlich erwies, wurde sie glattweg außer Kraft gefetzt und durch provisorische Verordnungen ab gelöst. Deshalb konnten die für -hie Aufrichtung normaler 'Produktionsverhältnisse notwendigen Bedingungen' nur kin beschränktem Maße erreicht werden. So ist zum Beispiel die Einreise ins Heilige Land verbyten, ^während' doch ein vergrößerter Touristenverkehr für «dieses Land ein Lebensbedürfnis ist. So bleiht ferner Jeglicher Erwerb von Boden strengstens Mfexsagt, so Haß niemand größere landwirtschastli.che ytzex industrielle Anlagen errichten kann. Hft Erteilung von Kon- Zessionen für Handel, Jnd nstrie prny Ve-rkehrst. «einrichLungen ist, mit wenigen Ausnahmen, unterbunden mnd nur alle rd ringend sie Verkehrsmittel werden unter Militärischer Kontrolle geschsfftn oder ausgenützt. Uen-rrer sind Steuerans g tze Hieselben geblieben Mio unter den Türken und sie werdest, mit einigen' -durch' die Humanität her VßxWyltMg hZdistgten Uhsänderungen« auch in derselben Weise eingezogen, Ich Aggar hie Verwaltung der türkischen Meift publique mit ihxen schweren Lasten wird, von der englischen Militärbehörde fortgesetzt', ss daß Mm. WspKl der auf Palästina entfallende Teil her KitzmetergaMNtie Mr die Hödschas-Pahn, obwohl diese' kaum noch ich Zu- /samrneuhang mit dem eigentlichen Palästina steht, /immer noch entrichtet tÜerden muß. Auch-die türkischen -Zölle bestehen noch' in derselben Höhe wie früher; fca entsteht die traurige Anomalie, daß das reiche Deghpten nur 8 Prozent ad valorem-Zöll für Einfuhr- -guter bezahlt, während das weit ärmere unw vom Kriege so hart mitgenommene Palästina 11 - Prozent'!(nebst '1 Prozent Stadtzoll) entrichtet, was' namentlich chei den Nahrungsmitteln und 'Gebrauchsgegenständen -als entschieden zu hoch - bezeichnet - werden muß. Immerhin hat das Land unter -den. erwähnten -schwierigen Verhältnissen im allgemeinen rasche rtisch ritte gemacht. Die bebaute Landfläche ist während der englischen Verwaltung um 15 Prozent gestiegen, Her Handel hat eine bedeutende Entwicklung begonnen, Hie Schiffahrt an den Mstenüber trifft schon jetzt diejenige der Friedenszeit,- die- Sicherheit-des Lebens und des Besitzes ist überall gewährleistet, abgesehen von den Diebstählen auf den Eisenbahnen, dis durch' den Mangel einer straffen Orgönifstisn verursacht werden. Das Gesundheitswesen und hie öffentliche Bildung sind -ebenfalls bedeutend gehoben worden und das GeÄchtZ- Zweftst mußte, obwohl nur prö.viforischfastgaüMch wmgearbeitet ioerden, da die türkische GerichtsprozÄrrr wicht ausreicht. Die Bevölkerung des Landes hat sich' Langsam aus den verschiedenen §)rten, wohin sie ge-- rsbohen war, wieder eingefunden. Heute^zählt Palästina ^'soweit es unter der britischen Militärverwaltung steht,- jalso vorläufig ohne den Nordzipftk Galiläas und Ost-^ >sordanie?rs)' 618.000 Einwohner, .wovon etwas unter!80 Prozent Araber, üher .10 Prozent. J u d e st, 6 Protftnt Christen sind und her Rest anderen Nationalitäten jund Religionen angehört. Die Produktion h?s Landes jist, wie gesagt, ebenfalls vergrößert worden. Das der-, iqangene Erntejahr war kein gutes und brachte , trotzdem eine Ernte im Betrage von mehr als 50 Millionen Franken ein, Heuer wird' sie auf 46.000 Tonnen Getreide. 27.000 Tonnen Gerste usw. im Werte, von mehr als 60 Millionen Franken geschätzt. Auch die Vieh-, gestände sind sehr bedeutend vermehrt worden. Heute szählt Palästina über eine Viertelmillion Schaft,, an die K320.000 Ziegen, etwa 15.000 Kamele, außerdem eine stattliche Anzahl Rindet und sogar 500. Stück Güfftljochftn. Auch das sonstige Vermögen der Bevölkerung wn Tieren, Geräten und Arbeitsmaschmen wurde vermehrt, wenn auch nicht in dem für einen normalen .wirtschaftlichen Betrich notwendigen Maße. k " Interessant an der Verwaltung der Okkupattons- Kehörde ist der Umstand, daß bereits -jetzt die Aus» ^aben für die VertoalUmg durch die Einnahmen gedeckt norden und daß die Budgetkomnüssion mit ^tolz sagen kann, die Administration Palästinas koste jygj. M. Regierung" nicht einen Rappen. Dabei ist j$u bedenken, daß das Land eine Besatzung von mehreren Divisionen ernährt und beherbergt. Einzelne Ver- 'wxrltnngszweige bringen sogar schon Nettoeinnahmen, H» die Post (15.000 Pfund Sterling), der Telegraph j£3750 Pfund Sterling) usw. Die Zolleinnahmen, aus -deuerr der größte Teil des Budgets bestritten wird, 3vit 3M.00.0 PkU.nd Sterling WechM die ftrMn Miener Morgenzeiterttg 4. Juni 1920 Nr. 490 * Paris, 3. Juni. (Hävas.) Ministerpräsident M i H e r and hgt den fvanzdsifchen Per, treter im interalliierten WfrtfchaftSrat in London, A v e n o l, empfangen und ihm endgültig« Weisungen bezüglich der wirtschaftlichen Verhandlungen mltKrassin erteilt. London, 3. Jstni. Das Neutersche Bureau erklärt, datz noch keine neni Zusammenkunft der Vertreter der englischen Regierung rr-st Krasfin festgesetzt «orde« sei. Der iu den Verhandlungen mit der russischen Abordnung verfolgte.Hauptzweck sei, wirtschaftliche B ezi eh ungen herzu st e f l c it «nd den UüKßaufch tzyu Lebens. Mitteln und Rohstoffen für die Herstellung jener Artikel herbeizuführen, deren.die russischW Bauern am meisten bedürfen. Das Datum der Konferenz mit der Kommission dos obersten Wirtschastsrates in London sei noch nicht festgestellt. T ' LEvst, 1. Juni. (Jyd. Wrr.-Dür.) Pm 30. Mlwurde dis Jahreskonfepenz der Englischen Zionistischen Föderation abgehalten. Nach Eröffnung der Konftreyz bean'wort-ste Weizmann die an ihn gerichteten Fragen bezüglich des neuen Palästina. „Meiner Meinung nach wird die Immigration, in den ersten zwölf Monaten sich auf 25.000 bis 30.000 Mann belaufen und wenn die Elektxi.stziMlngs-r' und Bewässerungsarbeiten ausgenommen' werden--sollest,' so dürfte pft EfttxMttUstg de? HWr-MWi MbPter dft ZM, pHIEeMr^y.dM exrsiMn.'Dje. Ich. die. Mnwmcherüttg späftr - gestalten'' werde,"dsft^'sich" "sticht" voraüs sägen. Bis ^^Verwaltung wird''v>orerst eins britische und keine jüdische fein Upd wird Mit dem L Wli be-'. tzjflyetz. Mftchjngs werden W Jpden Jini M ökonomischer Kontrolle durchs^rnMrechsrl^e 'Abmachungen' Mit' der Landesver- - waltung ausüben können, auch ist es wahrscheinlich, daß die ^MgstlieMng.der. Eiilwastderung..Mischen schäften obliegen werde. Was die Reibungen-Ehrend der letzten zwei Jahre betrifft, sind sie auf Mißverständnisse mit den Arabern zurückzuführen. Dieft Miß-- verständnisse werden äbex verschwinden, wenn wir die Araber aufklären, daß bist Zukunft des Landes in der innigen Zusammenarbeit der Juden und Araber liege und eine etwaige' Abweichung von dieser Politik für die letzteren derhängützvolt sein könnte. Bezüglich der ' - Nordgrenze Palästinas f sagte D'r. Weizmann, er. gtzubs nicht, daß es' gelingen werde, den Litanifluß dem Lande einzuverlsibsn-. Jedochhabedis englische. Regierung.. versprachen, ihr Möglichstes zu tun, um zu einem Erfolg p gelangen. Die Wasserkräfte zu. Zwecken dev' Entwicklung des. ÄstM dürfte jedych frej ftE' 7' " ' Mas den 'PZiederaüfbäu' ddss Landes HStMst, ft müsse er in Jvirtschyftlicher, rfidnstrielker Steuern mit 280.000 Pfund Sterling, die Einnahmen von gerichtlichen Akten 55.000 Pfund Sterling usw. Das Gefamtbndget den Militärverwaltung des Landes Palästsüa (soweit es in englischen Händen ist) beläuft sich auf ejwas Über 735.000 ' Pfund Sterling oder an die 18,5 Killtznen Aranken in Normalwdhrung. Ein recht bescheidenes Budget für ein solches Land, aber eben hgs Budget eines „Provisoriums". Eine Durch sch nittsb^rechnnng ergibt, baß jeder- -Einwohner über 1 Pfund. Sterling an die Perwalttlngskosten beisteuert, ‘ " Hervorgtzhoben sei an dieser Sftltz,' daß öft englifche ßKhörde trotz ihres noch nicht dauerndest EhMkLers doch schon eine Reihe von' Vorkehrungen' getroffen'hat, die auf Frftdeusarbeit .hindeuten. So besonders die Bestimmung, welckft einen Betrag von lOOMO-Pfund Sterling für Anleihen upd Unterstützungen^andie Bauern und die durch den-Krieg in Bedrängnis -geratenen Pflanzer auswirft. Ferner die von Erftlg^ begleiteten Bemühungen, die große Teuerung durch Lieferung von billigem Mehl und. unentgeltlichem Saatgut zu beheben, Bestrebungen, die namentlich der arbeitenden und armen Bevölkerung sehr dienlich sind. In einzelnen Landstrichen mußte die Regierung au weite Kreise der Bevölkerung Getreide umsonst lieftrn, um drohender Hungersnot vorzubengen, da die betreffenden Gegenden entweder infolge der Kr'.egswirren noch nicht bebaut werdsn konnten oder aber nicht genügend Ertrag gaben. Allen Bauern -und Pflanzer», .die Nachweisen, daß sie durch, den Krieg in Bedrättgnis gekommen sind, wird die Steuerzahlung gestundet und auch sonst Nachsicht geübt. An den öfftntlichen, von Juden, Christen und -Mohammedanern verwalteten Wohltätigkeitswrrken (Spitäler. Waisen- und Armenkinderschuken usw.) beteiligt sich die Regierung mit namhaften Beiträgen. Fortdauer der Anruhen in Galiläa. ■ London, 2. Jum. (Aeuter.) Ein Telegramm der zionistischen Organisation aus Jerusalem vom 31. Mai meldet, daß die A n g r i s s e der Beduinen in Galiläa sortdauern. Zwei Juden sM getW worden. 0 44 Hilf» kulturslker Hinffchf MüW MOeu. W tzW in Palästina große, unb ebaute K Andere lest die früher der türkischen Regierung und jetzt der M ä ndataryracht zur Verfügung stehen, auf diesen Känbereftn gederrken wir eiue jüdische Kolonist ti.ou zu entwickeln. Es gibt g^nug Raum für eim Flächenbesiedelung mit einer Bevölkerungsdichte vor IW MuwHhstelpn per Quadratkilometer ohne die Eigen« ' tümsrechke der jetzigen Besitzer dadurch in irgendwelchem . Wejs^W beünträchtigvn.Dalästiaa.blitze'wsder Gold« . ftWMych^stphWhfrgwtzHftr. tzK' ite:. WM. zum. Lnmmßlplatze dtzs" internationalen Spekulgnftn» tu'Ms ^erWn". E^ besitze jeboch ly Jeluen' ngtürliNa Wlfs^krüfftn -«iuegenügeübe- BovaussetzüUg'sÜr /W ' Hkoßo Htzdu^plAle Enttültttung,' 'r' 7^ dft-mchf. durch' iuternatftMftZ, sondern' durch VW den Ziönistest aufgebrachtes ^jüdisches' KaPitsts '.ysth nütionaka Ar Seih Mit dem ausschließliMfl Zweck dirnationals Heimstätieznerxichten bewirkt werden . sokft. Ferner führts D'r. Weizmann «us,. hast-itz kultureller Hinsicht der nationalen Er ziehung ei« großeS-Augenmerk zugetvendet werden solle. Es wird ein h i ch t e § N e tz v 0 y S ch u l e n verschiedener-Tysttzst, Heren Krone hie hehräische llstiveisität hiHn wirb, entstehen, die die Kultur im ganzen Lande per^ hreiten werden. Die Bestimmungen des Mandats sind klar und eindeutig genug, um eine glatte DürA führung tzftftLv Aufgaben vorauszusetzen." ' " r ... P'r». Weizmann schloß seine Ausführungen mit der Erklärung, daß er. auf die holdigt Fkittgsbe dev Einwanderung. hofft und appeIierft. an, dft /engljschsu. -Aftyist'en, kemeW -persönliche, vher materielle Otzschr. Wiederaufrichtung Palästinas: als natiorlaftL. HejmstäW des jüdischen Polfts. zu.scheuen,-Es sMchest.MchMhum Sockölow ünh Md Aoihschtld. BÄ. Bkrstzt««». weröev-MMÜ'.sprtgMK...- .... ... ......hi; jkd^ V:''V;';| r „^^10^:29. JKöi, '(M^'htzi „Keuer^Hoxgestztg.") D'as'Drg.qn. tzloyd .,A)gily b^-. spricht heM dft WdMung.der ltzrueWuug Herhexß SamuelK zmn.'High MmmMostL? pM. Mästim, f der 'beftnsttlich ,.am 20.. jj). M stZresst. Dieiue MkuuI in PslästM Uschxeibt daWW --- bedeutet. hest.Hegln« der Wirkfamftil Mgnhgts,,. sie heheutzch den Üebergaug'vyn dgr LliMMchev MrMstu.yg^ dW sich, lwch ppm .Kriege hex. HÄM,, zu einer WUG, yftft verWenhen Z-viftegieMg. tpäre ahev oft großep FehD,.H)rzuuehm^i,. bM PaMfta dadurchsyMichem iüdlschqr'. Staat .Die tztzstländer chabeu ,dM NjanvÄ, über'"ein 'Kandmit^ gemischter BchöMrüng! übernöchMsüDft. fttzst-n' 'Astsschrtzifuntztzn ßegest'' ,4>te; Judtzst Ntth dft FöWu Hey' falschen Wastbests,. baß dft. Araber v.;rdrMt s wLrLcU"' foMtz. " Dieser GMsse. .U, . ftchk -tzerZGftrtitzt.^^ Die^^.'ZüstzinMiinfttzung Hes ernanstftu Stadtrafts. für JerstsalM zeigt, ftiedie Behörden 'zstk Ausführung ihrep Anfgahen schreiten^ Die btstischr' PölM'iü.aM.'kesrm' -fMrftchö, eft Mno-. ritäMhjwSleiyzststzhren;. Dlejchzejttg. aber..wttd. en^ schiedest bstabsiHtig^'in Palästina ein nationales Heim für bas jüdische Mlk' ztz errichten Und die. JmmaMtwu. zu fördern. MMista hat jcht-NÜI eine» Bruchteil4W1 Bevölkerung. M es imstande wäre, aUfzunehmck. ) Die' Araber Md reist ackerbautreibendes. Volk und.- . deshalb gibt'es . außergewöhstlich. günstige Wlegenheit. für die Vytwicklustg der Agrikultur, öbenft tpft für hft Industrie- und HandslsLfteige, ’M denen die Juden! so' Großes leisten. Die jüdischen Gemeinschaften in> verschiedellen Ländern gehen daran, ungeheure Summen für den Wftdstraufbau Palästinas 'zu. sammelst und den Jmmigratronsstrom zu organisieren. Professor Patrick G e d d q■?[ arbeitet bereits an einem Stadtbaftnttyurh für Jeruftlem- und' «stne Pro-Kcrusalew-Geftllschast nv* beibst an verschiedenen induftmellen Verbesserungen für.: die. Stadt. Cs unterliegt keinem Zweifel, daß die Juden ‘ mit ihren ungeheuren Quellen, Fähigkeiten und, Begeisterung bald dazu kommen wechen, das auch in Zahl stärkste und bestorganifierte Elementim Lande zu sein. Ihr Hinkomnlsn bedeutet den Begum siner tvest-- lichen Zivilisation auf asiatischem Boden. 49400166