Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 490 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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UM» L Krone ättumtT«rtOM«preif t: «Bien: Bum Btftofai te toc «MHM*«» S. Besirf, Tado». I MB 3, oter ta cfoer; ' »aWcWWe i MMaatltA .türmen »iS«— - MettclJäWMk v „ 7ßt~ #KI V»p*rrs-u» für Wir» «ch . »Oeßerrrich: 'M»v«Nich .. Ikrou« 25»- VtaMtiiä. . Krone» io.— „ 30.- *» WSHnm, 1 Ungern: :-Mo»EchKrone« SL.- «txetr«tÄrttch \\ s» M,«ischer «Shrnng .. Din» Ns— Wte»teOich«Nch » t&- fSfatfiiJMfivttjßitft&t e,, Preis M $r*nt' i PrL»«mer»tt»»sP«!ise: { ... Voten: E ) MonnjliL ,. SHtitJ! S5k» DrertelrÄsrzch „ 1S..J' m pmuiMtt SBÄgssit ■ Dottscht»»: } ^KonatUch ... T.— Monottich. . . Frav«< 7.— j Unken:; WwurtM# ..,.SIM;SW . Monatlich??78«»c«r l*f-- Für fca* übrine «u8)and: . LrerteljShrlich Sr««» LSS^ RebafHtftt n. 91 bnitaiftcailM? Wie«,S.Brz..Tahorstr.1-W Lelehh»«« 44038, RedaM ob Ottftr«4ett»39H. : nüünrt». mW Nr. 490 Wien, Freitag, den 4. Juni 1920 Beginn am 30. Juni. Amsterdam, 3. Juni. (Haväs.) Das Bureau des internationaleu Gewerkschaftsbundes hat i« Eiuveruehmett mit dem Generalrat der Interalliierten Transportar-eiterföderation, der am 31. Mai und 1. Juni in Amsterdam zufammengetreteu war, beschloffen, am 30. Juni dt» v o l l ko m m e n e n B oh ko t t ge gen Angarn zuverk n n den. Von diesem Tage att soll jeder Verkehr mit Ungarn durch Eisend ah u, Schiff, Post, Telegraph oder B. erst eh rsmittel welcher Art sonst als Protest gegen die Verfolgung der un g ari scheu Arbeiterschaftvoll ständig still gelegt werden. Allen gewerkschaftlichen Landeszentralen der Transportarbeiter- und Eisenbahnerorgauisationen werden entsprechende Weisungen zugesendet. Ein an die Arbeiter aller Länder gerichtetes Manifest wird im Laufe der Woche erscheinen. 2. Jahrgang Das Programm des Kredttkomitees. Pari», 3. Jom.' Das Genrralsekretariat des internationalen KrrditkomiteeS zum wirtschaitlichen Wiederausdau sür die notleidenden Länder Zcntraleurovas teilt offiziell mit: Das Komitee hat seit der Pariser Konferenz vom 2t April zahlreiche- Beratungen abgehaltrn. Es kann nun'erklärt werden daß die neuen Hills- und Wicderaufbäukredrte hauptsächlich » der Form von Lebensrnittel» und Rohstofflirserungen von nach' stehenden Regierungen bereits definitiv siche,gestellt worden sind: Dänemark. Großbritannien. Holland,. No»wegen, Schweden Schweiz. Die französische Regierung-st bereit, vom Par!amen die'nötigen Mittel! m ve» langen. um an dem gemeinsamer Hillsplan mitzuarbeiten. 'Die argentinische Regierung hat vir Gesetz eing bracht, das einen Vorschuß von 5 Millionen Pest r langesähr 35 Millionen französische Francs: ermöglichen soll, nn' die italienische Regierung nimmt einen Kredit von IVO Millionm Lire m Aussicht, von de« gewisse, bereits Oester reich er wahrte Aushilfen in Abrechnung zu bringen wären. Man hoff: auch, daß Belgien und Kanada, die bei der Konferenz vertreib' find, gleichfalls in der Lage fein werden, an dem intei nationaler' LZcrle teilzunehmen. Bei der spanischen Regierung ist ein Schau unternommen worden; die definitive Entschließung steht noch au§ Die Bereinigten Staaten, d i e « o ch nick> t o f f i z i e l! iur Komitee vertreten sind, bemühen sich ebenfalls, du europäische Notlage dnrch Warenkredite zu erleichtern, und .arbeiten Händ in Hand mit d/nr Komitee, um die gle chcn Prinzipien, bei der Gewährung vonHillSlyditen walten zu lasten. Die.Knd'tt solle» sstr nachstebeM Lander verwendet werden: Po l e T s ch e ch o S l o w a f i e n. I u g o s l a w i e n, R u m 3 » i e n.. b a l tis ch e S t a a t e n. A r m en t e v Ge o r g »e n, O e st er re i ch Und 11« g a r n. Jedes Land das. ein Darlehen gewahrt, erhält v oll stä n d i a eF r e i he i» aus welche Lander rS leine Kredite ausgedehnt wiffrn will, erklär sich «her zugleich einverstanden, eine gememame Art von Sch U l d v e r f ch r e i bun g e n . als Deckung anzunehmen. 1 Was Oesterre ich und Ungar n anlangt, so wir diesen Schuldverschreibungen ein Porr a n g vor den R c p a r'a t i o n S z a h l u n g e n e ngeränml und sie unterstehe so.der Kontrolle der oste r r e r ch i s ch e n Sektion de Reparatronskommission. Die Hilfe für vesterreich. - Die Notwendigkeiten der einzelnen Lände: find durchberaten worden. Ein allgemeine Programm für die zu gewährende Hilfe wir vorbereitet. Zn gleicher Zeit ist die Kredit gewährnno praktisch in Angriff genomme worden. - So soll Oesterrei ch eben jetz von pen Vereinigten Staaten 200.000 Tonne Weizenme l erhalten; für den S^iffsraum t von oritischer Seite Vorsorge eetroffen wordeu Auch erhält Sesterreich jetzt auf Abschla britischer Kredite 3000 Tonnen gefrorenes Hammelfleisch und 4vvvTon«en Speck.Don Engi land wird auch argentinischer Mais vexfrachtet werden, den Oesterreich so fürseine augenblicklichen Bedürfnisse von Holland z« leihen in den Stand gesetzt ist. Die Schweiz hat sich erbötig gemacht, augenblicklich fär Oesterreich 20.000 K sten Kondensmilch Vereitzüftetten mV außerdem später Käse und ebendes Vieh zu liefern. Wenn Ser argentinische Kredit bewilligt wird, so würde er zur Beschaffung von Cerealien v e r w ende t w erden. In reicher Weise sollen sür den sranzVsischen Kredit verschiedene Lebensmittelanschaffungen erfolgen. Es find eine Reihe von Anterndlun^en im Zuge, um O est e r r e i ch mit Mais, Käse, Heringen und Zucker ans Rechnung holländischer Kredite, mit Hörnend Borstenvieh, mit Margarine, Fischen und O 'l auf dänische Kredite, mit Fischen auf norwegische Kredite und verschiedenen anderen Lebensmitteln ans italienische Kredite zn versorgen. Auch andere Lander werden schon jetzt bedach! werden. So tollen 200.000 Tonnen Mehl eben jetzt von den Bereinigten Staaten an Polen abgrhcn und 25v.!0 Tonnen an die D'chechv'- Slowalei, ferner an Ungarn 1&.000 und an Armemen 43.000 Tonnen Mehl. All dies zumeist mrt briti'cher Fracht. Neben diesen und anderen Maßnahmen sür die Lebensmittelversorgung bereitet daS intern'glionale Komitee für den W eder' u bau Kredsie znr Beschasiunsz von Rohstosten für die Industrie vor, die verarbeitet und rm Austausch auf dem Weltmärkte verwendet v rden sollen» um wieder neue oder-ergänzende Rohstoffe zu er- '-rbm und so.zur Wsderaufrichtung des wrrtscha tlichen Kreislaufes nzütragen.: Die.destnttiven Beträge der Kredite, sowcrt sie bisher n, geteilt wurden, sind folgende: Dänemark 12 Mtll onen Kronen, ^roßbrttannten lO . Millionen Pfund, Holland 12'/, Millionen dulden, Norwegen 17 Million-n. ^Kronen. Schweden 10; loiten' Kronen und die Schweiz 15 Millionen Francs. Bei nnem dieser-Beträge ist der Vorschuß eingerechnet, der früher als ,it Beginn .dieses Jahres von denalliierten oder neutralen Mächten gewährt worden ist. Die österreichischen Delegierten in Paris. Paris, 3. Junü (Korr.-Bur.V Die zu Verhandlungen über Abrechnung der Vorkriegsschulden zwischen osterleichischen und r inzösischen Staatsangehörigen in Paris eingctrostenen oster' eichischcn Delegierten wurden vom österreichrschen Bevollmächtigten l chhoff gestern nachmittags dem franröfifchen Leiter der Könferen , i-^lionschef im Mimstermm des Aenßerrs H e r b e 11 c, rn .»essen Bureau vorgestcllt. An diese Vorstellung knüpfte sich eine i kurze, vor bereiten de Unterredung. Die erste Sitzung findet heute nachmittags im Ouar d'Orsaß statt. Bor den deutschen Wahlen. .; —7. W i e n, 4. Juni. . Uebermorgen ist Wahltag in Deutschland. breiten Massen der'deutschen Nation sind, zum'Merten, Male seit dem Waffenstillstand, zur Urne gerufen. um die. Entwicklung der allgemeinen Politik'.Deutschlsinhs für. die nächsten zwei. Jahre zu bestimmerst Si<müsten' ih/Urteil darüber sprechen, ob sie mit dem K.oalitionAsystem zufrieden sind oder ob sie die Äendetrmg' d^s Kurses wünschen.' Der Wahlkampf, der. mit' in 'Deutsch--, land seltener Erbitterung , geführt wurde, zeigt, dätz.sich eigentlich nicht viel in der gänzlich unpolitischen'Artung' der Deutschen geändert hat. Die alten Parteien, dre^ alten Losungsworte: es ist nichts Neues. Der'Aufmarsch der Wähler vollzieht sich ganz in den alten. Formen des Obrigkeitsstaates und die in weiten Kressen sich ganz unverhüllt aussprechende Sehnsucht nach ’ der starken Hand des militärisch-bureaukrätischen Regiines knüpst' rückhaltslos 'an dem Zustand an, wie er im' November 1918 mit der Flucht des Kaisers Wilhelm 'eingetrete» war. Was' an Unglück seither über' Deritschl'änd gekommen ist, der Frieöensvertrag, die soziale Ünrühe, bte blutigen Putschbersuche der' Radikalen vonrechts imdlinks, die Massenstreiks '-— all das wird von'der bürgerlichen Wählerschaft kediglich als Einzelerscheinung gewertet, die' aus der .republikanischen Staatsfor-m resultiert, nicht' aber als logisches. Glied inidertzKette der Wv siMsse>?die^^as>alte? System. dÄ EntfeMüng' dtzs . worden^ nirgends zeigt .sich' in der Politik:DeutschlanW der Wille zur Versöhnlichkeit, und so blickt auch, setzt dashatzerfüllte.- .'Ausland'' voll Liefen. Mißtrauens äuf 'die- Wahlen.- - i U : ' ,Jn drei großen -Parteien tritt.die deutsche'. Wählerschaft an die-Urnen: -Zentrum, Sozialdemokratie ' und deutsche Volksparter. Die -zwei ersteren sind-tief zer-' klüftet. Das ^Zentrum hat mit der. Absplitterung ' .der bayrischen Volkspartei.- der christlichen Volks.pmtei im Rheingebiet und der hannoveranischen. Partei' /, zu-. Mm: Den Sozialdemokraten stehen die Unabhängige^ gegen-' über, die jeden Fehler der Scheidemann-Noske-Regierungschonungslos ausaenüht nnd sie schon in den letzten:Wochen: bet verschiedenen Nachwahlen schsver geschädigt haben.' Mit ihnen in der gleichen Sturmlinie gehen -die Kom-' munisten vor, die ihre Taktik der Wahlenthaltung aufgegeben haben. Die Mehrheitssozialisten werden^ dlfo übermorgen einen sehr schweren Stand haben und e§; ist mehr als fraglich, ob es ihnen gelingen wird, einen nennenswerten Bruchteil der fast 14 Millionen Stimmen vom Jänner 1919 zu retten, von denen'überdies eine ansebi'trchc Summe den Bürge'.-Uckien zugute kommen wird. Die deutsche Volkspartei, wie sich jetzt die Nationalliberalen nennen, führte den Wahlkampf, wie wir schon des öfteren erwähnen konnten, in der ordinärsten Form der Hetze gegen die Republik, die Juden, das Ausland; in ihren Reihen stehen alle Todfeinde, der Revolutrott, alle Gegner des sozialen Fortschrittes und alle Kriegs-, freunde. Die ungeschickte und schwache Regierung ihal ihnen so viele Trümpfe in die Hand gegeben, daß man Liese Partei wohl als die drittstärkste ansprechen kann. Es würde sich — soweit man bei Wahlen dies Vorhersagen kann — etwa das kolaende Bild eraeben:/ Sozialistischö Parteien. Zentrumsfraktionen, Deutschnätionäle,' Demokraten. Da Las Wahlgesetz keine bestimmte Anzahl von norniH: sondern nur festsetzt, daß. aus 60.000 Stimmen ein Abgeordneter, entfällt, läßt sich über die Mandatsverteilung nichts Sicheres sagen.- ^Zluch vou der Wahlbeteiligung wird viel abhängeu. ' ' Im großen ganzen ist der Zug -nach rechts in Deritschland unverkennbar und dies wird, sich aller Voxaussicht-nach in dem Wabibildsehr' kräftig -zeigen. -Das.-betzentei natiirlich wieder neue politische Krisen für Deutschland und damit für die.ganze Meli. - - -? ' Auflösung des Obersten Natts? .Berlin, 2. Juni. (Korr.-Dur.) Die .Bvssische Zeitung^ meldet aus Genf: Nach franzöfiichrn Blätterweldungm so8 Lloyd George die Absicht baben, selbst die Vertretung Englands 'm Rate des Völkerbundes zu übernehmen, was die - allgemeine AuflosungdesOberstenRate s zur Folge haßen müßte Lord Robert Cecil ist, wie e8 heißt, mit diesem Plane Lloyd Georges durchaus einverstanden, da er den-Werterbestanß des Obersten Rates als schädlich und als er» schweres Hindernis für die volle W rksamkeit des Völkerbundes-betrachte.. 6