Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 488 (2.6.1920)
- Date
- 1920-06-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 488 Wien. Mittwoch * tttffcti der Kämpfe abhängig, denn die Grundlage.der polnisches MediMMgen ist, unverändert gebließesi und Polen suM'nicht-' etst 'iff-^rnem-Wasiensieg die Argumente, die die Gerechtigkeit seiner Forderungen bezeugen sollen. .. , Das Zmeikammerfhftem in Polen. ' Ärschüu, 1. Juni. (Meldung der „Poln. Stimmen".) Der Verfassungsausschus; des' Landtages hat mit 14 gegen 41stimmen dmi, Artikel 2 des Gesetzentwurfes iiber die Verfäffung. angenommen, der das Zweikammer. Wern norMiert. Gegen diesen Beschlus; legten die Polks- Partei, die Sozialdemokraten uitb der nationale Arbeiter» verband ein Separatvotum ein. .v i Reue Pogrome in der Ukraine. v Marschau, 31. Mai. (Tel. der „Steuer Morgenztg.") Im Kische n ew c r Tagblatt „Der Jude" wird &c« rHN,. daß laut den ün das Hilfskomitee gelangten MDtchten sich in der letzten Zeit diö Lage der Juden in öer Ukraine wieder stark verschlimmert hat. Es sritd wieder Pogrome' vorgekommen, welche von Denikrn-' und Petljura-Soldaten veranlaßt wurden. Folgende Städtchelr wurden betroffen: Stara-Uschitza, Styrnitzch Kolys (Gouvernement Podolren), Grigorjopol (Gouvernement Cherson) und andere. Die Juden der Gegend fliehen vor den Verfolgungen über den Dnjestr. —• Infolge dieser Nachrichten interveniert das Hilfskomitee in der Ukraine beiin Komitee der jüdischen Delegationen in Paris. Kein Abbruch derpolnisch-tschecho-slotvakischen Beziehungen. . Prag,!. Juni. Die Blätter bringen Nachrichten aus angeblich Pariser Quellen über den Abbruch der Hezsehungen zwischen der tschechy-swwakischen Republik und Polen. Bon kompetenter Stelle ist das Tschechoslowakische Preßhuveau ermächtigt, diese Nachrichten als vollkommen erfunden auf das entschiedenste zu dementieren. i, . Persien und die SorvZetrepubliK. ° Ntoskwu, 1. Juni. (Funkspruch.) Die Sowjetregle-!rüng hat an die Persische Negierung eine^Note gerichtet, iü her sie mit Befriedigung dw Absicht der letzteren zür Kenntnis nimmt, ständige diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern verzustellen. Die russische. Regierung sei bereit, mit Persien sofort den postalischen Und telegraphischen Verkehr aufzunehmen. Die Politik der russischen Negierung dem persischen Volke gegenüber sei Heute dieselbe, wie sie der russische Volksshtmmissär für, Mußeres. am 14. Jänner 1918 dem ^MMchen PotschafWr in Petersburg.gegenüber gekeuu--. zörch'net habe: In der Note der russisches Regierung vom 26. Juni 1918 sei in 16 Punkten angegeben worden, wie weit die Svwjetregierung bereit sei, die dem persischen Volke vön der zaristischen und der Kerenskischeu Regierung angetanen ^Ungerechtigkeiten! gutzumachen. Obwohl die persische Negierung in ihrer ^ote vom 4. Jänner 1918 die Sowsetregiernng anttlich anerkannt. habe, habe sie dennoch keine Mittel und' Wege gefunden, um gegen das unerhörte Verbrechen auHütreteu, das mit der Ermordung des Vertreters sWn Wowjetrußlatld auf ihrem Gebiete durch die von lDnMndern unterstützten Gegenrevolutionäre begangen ^p '|et. Die SowjetregierünH beni'che den Wtmsch Mrsieps, ntit ihr in diplomatische Beziehungen »n; treten, zu der Mitteilung, daß sie endgültige Garantien für die Sicherheit der russischem Vertreter auf persischem Boden erwarte, die durch Gewalttätigkeiten '■ etwa dort noch, befindlicher fremder Kräfte gefährdet fein könnte. ' . , Krassi« bei Lloyd George. Paris, '1'. Juni. Wie aus London gemeldet wird, hat Lloyd George gestern nachmittags Krass in empfangen. Vorher war eine Note der französischen Regierung eingetroffen, die sich, wie der „Matin" berichtet, auf das Argument stütze, daß auf der Konferenz in San Nemo ttur die Einleitung wirtschaftlicher Verhandlungen .nnt Rußland beschlossen worden sei. Die Aufnahme offizieller Verhandlungen mit den Vertxsstern Lenins und Trotzkis müßte früher oder später auch die offizielle Anerkennung der Sowietregierung mit sich bringen. Frankreich beabsichtige daher, keine politischen Delegierten zu stellen. Nach „Matin" werden die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs von Halgoust vertreten; es sei auch möglich, daß der französische Finanzdelegierte beim Obersten Wirtschafts rat Avenol in London eintreffen werde. > Lloyd-George empfing Krassin in Gegenwart Lord Turzons und Sir Robert Hornes. Krassin war von feinem Mitarbeiter K'lischke begleitet. Die Unterredung dauerte nur ganz kurze Zeit. Es handelte sich lediglich um Vorbesprechungen. Die Besetzung von Sussak. Paris, 1. Juni. (Funkspruch.) Einer Depesche aus Belgrad zufolge haben die Truppen d'Annunzios sich des jugoslawischen Dorfes K-belog bemächtigt und hätten die Absicht, Sussak zu besetzen. Verzweifelte Lage der armenischen Republik. ' Baris, l. kluni. fftunfcforucfi.’i Einer Develcbe ■ Barts, 1. fluni fftunfcforucfi.) Einer Develcbe qus jv u ii n u u u u u p u dufuige |ei mc Lage oer armenischen Republik verzweifelt. Eine Hungersnot fei sicher, wenn die amerikanische Hilfsaktion nicht 'ML'- '; - iBicncr Morgenzeitung *_ * Gin Antrag auf Enthaftung des Oberrabbiners Lön» abgelehnt. S z o g e bin, 1. Juli. (Ung. Tel. Korr.-Bur.) In der Angelegenheit des Oberrabbiners Löw hat der Antersuchungsrichter die weitere Inhafthalt ung des Angeklagten angeordnet. Gegen diese Verfügung appellierte der Verteidiger des Oberrabbiners, wobei et um Freilassung des Angeklagten oder um Bewachung in seiner Wohnung gegen Erlag einer Kaution ersuchte. Der Szegediner Gerichtshof hat dieses Ersuchen mit der Begründung zu rückgewiesen» dak er mit Rücksicht aus die vom Untersuchungsrichter vorgebrachten Argumente die weitere Inhafthaltung des Oberrabbiners für angezeigt halte. (Die grauenhafte Komödie der ungarischen „Justiz", die sich von einem Holossy Argumente holt, wird unentwegt fortgesetzt. Die Erklärungen des holländischen Blattes und seines Korrespondenten hätten sämtliche „Anklagen" entkräften mögen, aber im Lande Arpads steht das Wort eines verächtlichen Spitzels höher als Gerechtigkeit. Der Greis ist ihnen nur im Kerker sicher genug und auf die Stimme des Weltgewiffens hört das christlichnationale Ungarn nicht. Die Redaktion.) Gegen den Horthy-Terror. Eine Interpellation in der schwedischen Kammer. Berlin, 1. Juni. (Korr.-Bür.) Die Blätter melden aus Stockholm: Der Linkssozialist L ö f g r e n interpellierte in der Zweiten Kammer den Staatsminister B r a n t i n g wegen des weißen Terrors in Ungarn. Die Interpellation 'lautst: Ist die schwedische Regierung gewillt, allein oder im Einverständnis mit anderen Staaten von der ungarischen Regierung Zutritt für eine parlamentarische Ilntersuchungskonmnssion zu verlangen, oder ist die schwedische Regierung gewillt, auf andere Weise zur Einführung einer menschlicheren Ordnung in Ungarn beizutragen? Der Interpellant fühlte Beispiele des weißen Terrors in Ungarn an und sagte: Es ist Pflicht eines jeden Landes und jeder Organisation, alles aufzubieten, um eine menschlichere Ordnung angesichts des herrschenden verbrecherischen und gewalttätigen ungarischen Regimes zuwege zu bringen. Minister Branting ^n»rddie Interpellation noch in dieser Woche beantworten. Wien als wirtschaftlicher Zentralpunkt Mitteleuropas. Eine französische Stimme. Paris, 1. Juni. „Eclair" wendet sich in einem Artikel gegen die Absicht, den wirtschaftlichen Mittelpunkt Zentraleuropas nach Prcßburg zu verlegen. Diplomatie und Geographie stünden hier im Widerstreit. Die künstliche Erhebung Prcßburgs zur wirtschaftlichen Hauptstadt Zentraleuropas werde Milliarden kosten und den Verlust wertvollster Zeit bedeuten. Das Blatt tritt dafür ein, W i e n als Berkehrsmrttelpnnkt Zentraleuropas bcizubehalten, da Wien durch seine Vergangenheit und seine geographische Lage einzig für diese Rolle in Betracht komme. Auch finde man in Wien alle wirtschaftlichen Vorbedingungen, die anderswo erst mühsam geschaffen werden müßten. Die Verlegung des Handelszentrums von Wien nach Prcßbnrg bezeichnet das Blatt als ein' tolles Unternehmen. Deschanel amtsunfähig? Ein neue« Vizepräsident in Frankreich. Paris, 1. Juni. (Tel.-Komp.) Da es einigermaßen zweifelhaft ist, ob Präsident Deschanel vorläufig seine Verpflichtungen wird voll erfüllen können, wird die Frage erörtert, ob nicht das Amt eines Vizepräsidenten geschaffen werden kann. Rach dem „Petit Parisien" nimmt dieser Plan jetzt festere Formen an. Nach einer Meldung der Havas-Agentur besteht in politischen Kreisen die Absicht, beide Kammern zu einer gemeinsamen Sitzung in Versailles zwecks Revision der Verfassung zusammenzuberusen, um die Schaffung des Postens eines Vizepräsidenten zu ermöglichen. Der Spandansr Millionendieb stahl aufgeklärt. Berlin, 1. Juni. (Wolff.) Der Millionendiebstahl in der . Spandauer Zitadelle, wo vor Jahresfrist 60 Millionen rumänische Lei gestohlen wurden, ist nunmehr aufgeklärt. Als Täter wurden vier Männer verhaftet, die damals im Heeresdienst gestanden und mit der Bewachung des Schatzes betraut waren. Die Verhaften sind geständig. Drei von den Dieben hatten das gestohlene Geld in Grundstücken oder Geschäften angelegt, der vierte hat es durch Leichtsinn wieder vergeudet. Die Siegesfahrt Mnnas. Prag, 1. Juni. Wie die Blätter berichten. fuhr der aus der Haft entlassene Kommunist Mn na noch gestern in Begleitung tschechischer, deutscher und niagyai riM.r Genossen nach Ktadno. SchM m. den. Arischen-; 2. Juni 1920 ___ ' Seite stationen wurde er von der sozialistischen Arbeiterschaft begrüßt und in Kladno selbst übeväus sistlich empfangen'^ Auch der Burgerineister hatte sich rnt Daynhvs einge^ fnnden und hielt eine Begrüßungsansprache an Muna^ Nach dem Einzüge in die Stadt Nnrrde eine Verfamüt^ lung unter freiem Himmel veranstaltet, an der ung'e^ fahr 35.000 Arbeiter trilnahmen. AM Muna ergriff! das Wort und sprach fite die Dritte Internationale,! wobei er sich gegen und Ktofac wandte, die.sich! vergeblich bemüben. Len revolutionären SosialismnÄ aufzuhalten.! ' ' " m . fr M h Die ttngavrsche Getreideausfuhr. Budapest, 1. Juni. (U.T.K.B.) In der heutigem Sitzung der Nationalversammlung wandte sich Abge-! ordneter Gasion G -l l in längerer Rede gegen di^ vom Ackerbauminister geplante Monopolisierung der- Getreideausfuhr. 1 Ackerbauminister Rubinek erklärte, er sei ein Anhänger des f r e i e n H a n d e l s. Die Behauptung, die Regierung wolle die Valuta ausschließlich aus' Kosten der Landwirte verbessern, sei nicht stichhältig.^ Wenn es durch die staatliche Getreideausfuhr gelinge^ die Valuta zu verbessern, so gereiche dies mich den! Landwirten zum Nutzen, da man dann auch die In-! dustrieartikel werde billiger beschaffen können. Finanzminister Baron Koranyi betonte gleich-! falls, daß er im Prinzip ein Anhänger des freien1 Handels sei. Eine Verbesserung der Valuta werde allen1 Gesellschaftsklassen Nutzen bringen. Tagesbericht. Die amerikanische Hilfe. 129 Waggons Waren und um 220 Millionen Dollar- ■ pakete. . Eine gedrängte Statistik der Tätigkeit des anurikanischr»! Roten Kreuzes in Wien besagt: In der Zeit von Anfang! März d. I. bis Mitte Mai hat das amerikanische Rote Kreuz! 120 W a g g o n s Waren erhalten und an die Wiener! Spitäler und Hilfsorganisationen abgegeben. Schätzungswert! dieses Materials in den Vereinigten Staaten 1,275.000 Dollars Das annrikanische „Hilsslagerhans in Wien" hat die irr'? diese neue Eitzrichinng gesetzten Erwartungen reichlich erfüllt. Eine ungemein große Anzahl von Dollarpaketen ist von in Amerika lebenden Freunden und Angehörigen gekauft und «ach Wien gesendet worden. ' « Seit Bestand der Dollarpaketaktion wurden m Wien aus-- gegeben: In den Anfangswochen des Monates März zusammen 2113 Pakete, davon 1369 Type A (io Dollar), 562 Type «! (50 Dollar), der Rest Type 6-und v. Insgesamt sind bis 15. Mai im Wiener HilsSlagerhauS ab-! gegeben worden: 48.868 A-Pakete — 488.680 Dollar, 8940 B*j Pakete - 447.000 Dollars, 12.163 O-Pakete --- 121.630 Dollari und 840 v-Pakete — 42.000 Dollar; zusammen 70.811 Pakete ---! 1-099.310 Dollar. Nach dem Kurse jenes Datums waren dies! ungesähr 220 Millionen Kronen. Es liegt ans der Hand, daß! die vielen Dollarpakete, die nach Wien gesendet worden stnd^ ihren Einfluß aus dcn Lebcnsmittelmarkt und die Preisbildmig! übten — die neue Aktion der „American Relief Administration] Warehouses“ erfüllt also einen ihrer vorzüglichsten Zwecke iw Diensten der Allgemeinheit. .! Die Einfuhr von Banknoten der Oesterreichisch-1 ungarischen Bank. Die Staatskorrespondrnz meldet: Das häufige Vorkommen! falscher Stempelausdrucke auf den Noten der Oesterreichisch-> ungarischen Dank sowie der Umstand, daß deutschösterreichischj gestempelte Noten in großen Mengen ohne Bewilligung nach de«! Auslande gebracht werden und für diese dann nach Rückemsuhv. ins Inland die Gutschrijt als ausländische Guthaben beansprucht! wird, läßt es als notwendig erscheinen, die Einfuhr von Nolurj der Oesterreichisch-ungarischrn Bank einer schärferen Kontrolle z«! unterziehen. Das StaatSamt für Finanzen hat angeordnet, daß von \\m an die Einfuhr von Banknoten der Oesterreichisch-ungarischerr' Bank ohne Unterschied, ob gestempelt oder nicht gestempelt, daß! ist also auch di^Einsuhr der mit dentschosterreichischem Stempel! versehenen Noten, nur mit einer brsonderenBewilli»-! gun g des StaatsamteZ für Finanzen gestattet ist. Vom Ausland Einreisenden ist Einbringnng eines Betrages! von K 2000 deutschösterreichisch gestempelter Noten pro Kopfi ohne besonderes Ansuchen gestattet. Gesuche um Bewilligung der Einfuhr von Banknoten sind! an die Deutschösterreichische Devisenzcntrale zu richten, die dom! Staatsamt für Finanzen zur Erteilung der Bewilligungen er-! mächtigt ist.; Es kann demnach auch die Gutschrift für aus dem Auslarrd. eingebrachte Banknoten auf dispositionssreiem Auslandskonto, nur dann gestattet werden, wenn die Einfuhr dieser Noten mit Genehmigung des Staatsamtes für Finanzen, beziehungsweise btt Devisenzrntrale erfolgt ist. Auf tschecho-slowakische Staatsnoten sowie ans jugoslawische Kronen-Dinar-Noten bezieht sich das Verbot nicht, diese Noten können daher unbeschrältkt eingesührt werden. Der Raubmord ans der Wagramerstvaße^ Wie berichtet, wurde am frühen Morgen des 2(>J N. M. in einem Düngerhaufen auf der Wagramerstraß«, die Leiche des 20jährigen Kutschers Karl I u r e n d m anfgefünden, den sein Dienstgeber tritt einer Ladung Stroh aus Barbasdors nach der Brigittenau gesendet hatte. Der junge Bursche war Erschossen worden, wo^ Mur Magen, Pferde und Ladung im Gesamtwerte vore .200.060. Krpnen LeMbL.wMdW tM. Die WerlauÄ