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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-02 · Heft 488 (2.6.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 488 (2.6.1920)
Date
1920-06-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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f > Seite 2 Wien» Mittwoch Politische Rundschau. Dr. Straucher in die rumänische Kammer gewählt. Die bereits gemeldete Wahl Dr. Strau ch er s ist nicht für den Senat, sondern für. die Kam m e r erfolgt, so daß die Bukowina itt; die rumänische Kammer zwei jüdische Abgeordnete (Dr.vSLräucher und Dr. P i sti ne r). entsendet. Die jüdischem Kandidaturen wurden imletzten Augenblick umgestellt, so daß Dr. E b n e r für den Senat kandidiert wurde. (Die Senatswahlen erfolgten am 30. Mai, ihr Ergebnis ist noch nicht bekannt.) Eine starke Regierung für Palästina. In ihrer „EmPire"-Numm-er widmen die Londoner „Times" einen ausführlichen Aufsatz der durchdas britische Mandat in Palästina geschaffenen Lage. Es wird zunächst festgestellt, daß die englische Besetzung schon bisher eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und der Wasserversorgung herbeigeführt habe.. Der Litaniflnsz an der Nordgrcnze Palästinas wird für die Entwicklung.des Landes eine große Bedeutung haben, da er berufen sein wird,,Ha ifa, dem künftigen mittelländischen Hasen, der neuen Bagdadbahn und der Nöhrenleirung von den Oelseldern Mesopotamiens, die elektrische Kraft zu liefern. Haifa werde sich gegen Nordwesten und Süd osten hin erweitern können. Große, wichtige Verbesserungen stehen schon in naher Zukunft beoor. Der Artikel schließt nur der.folgenden .Bemerkung : „Eine starke Regierung werde in den nächsten Monaten in der Lage sein, viel dazu beizutragen, z w ischen den Arabern n n d den Juden in lehter?.-'it zuMge getretene Animosität, die zu den bekannten Ruh-siö-ungen führte, zu beseitigen und die bei Durchführung der in Aussicht genommenen .großen Plane auf technischem und-landwirtschaftlichem Gebiete leicht zu Ausschreitungerr geneigten Energien durch nützliche und fruchtbringende Arbeit zu bindenM,.' Ständiger Internationaler Gerichtshof. Der Völkerbimdrat hat beschlossen. eine juristische Kommissiou einzusetzen zur Ausarbeitung des .Planes eines ständigen Internationalen Gerichtshofes. Dieses Komitee.wird ans 10 Mitgliedern zusammengesetzt sein, von denen b Vertreter der Großmächte und 5 Vertreter der anderen Machte sind. Es und dies die Herren: Adatci, Altanira, Bevilacqua, Deschamps, Fadda, Fromagevt, Loder, Lord Phlllimon, Nm und Vesmcu Das Sekretariat'des Komitees wird von- Anzilotli gelestct.. Die erste Sitzung ist auf den 11. -Juni im Friedens-Palast im Haütz angesetzt. _ Ein Deutschnationaler über Antisemitismus. In seiner Schrift „Antisemitismus" beschäftigt sich Herr v. Oppeln-Bronikowski, ein reichsdeutscher Politiker, der voll S.olz seine konservativ-dsutschnatiönale Weltanschannng rind seine Ablehnung jeder demokratischen oder gar sozialistischen Tendenz betont, in einer Weise mit dem jüdischen Probte m, die feinen dentfchnationalen Freunden nicht angenehm in die Ohren klingen dürfte. Der Antisemitismus rechrferiigt sich bekanntlich mit der Behauptung, daß bie Juden „nur" ein „Gastvolk" seien und deshalb alle Schmähungen geduldig ertragen, müßten. Zu dem umgekehrten Ergebnis gelangt der deutschuationale Politiker: ■ - „Die: Juden sind nach denl antiseminschen Ausdruck ein ,G a-ft v o l V; ba» G a st r e ch t aber verpflicht et den Wirk wie. den Gast. Benimmt der Wirt'sich ruppig, so wird es auch der Gast tun. Benimmt er sich gastfrei, so ist cs Ehrensache des Gastes, gleiches urit gleichem zu vergelten. Er wird sich dann bgld so wohl fühlen, daß er v e r g i ß t„ ei n G a st z ü fern,, daß er bleiben will und ans einem Gaste zuM Volksgenossen wird." ■ , - ' Von psychologisch zutreffender Beobachtung zeugen folgende Worte de) Verfassers: - „Das Wüten gegen den jüdischen Geschäftsgeist' kömmt mir nicht selten vor wie das Zetern einer unterlegenen Firma gegen den ,bösen', siegreichen Konkurrenten.: Es ist nicßt immer reiner Idealismus, der dies Geschrei erhebt, sondern häufig auch der Acrger des schlechteren G c ch ti s l s m a nnes . . Nach. alldem ' glaube ich, daß inan gegen die jüdischen /Schädlinge' auch die tatsächlichen jüdischen Leistungen aufrechnen muß und daß der Saldo sehr zugunsten'der letzteren .ausfällt." . Ueber die - Betätigung der Juden in Kunstitttlf W i > i enfchaf t, in der sie nach antisemitischer Legende ganz besonders ihr „zersetzendes" Wesen zeigen sollen, schreibt v. Bronitvwsli: - , . „Wäre der deutsche Dichter', Künstler und SchrisiftcUc.: auf die staatserhallenben rechtsstehenden .Kreise angeivicsen geivesen, er hätte glatt verhungern können!" Tie Eharokjerisierung, die er seinen dentschnationalcn nnriseiuitifchen Parleifreunbelc zuteil tverden läßt, wird ihm nicht gerade das Wohlwollen dieser Leute eintragen. .-Was nüro wohl der K n ü p Pel-Kuuze sagen, wenn er folgende Eyarakterifierung liest: .. „Eine gewisse Abart der Antisemiten zeigt einen erscheeclendcil Tiefstand geistiger Bildung." Eurer besonderen Würdigung werdest schließlich noch die Junker unterzogen. Ter Berir.sfcr schreibt: „Es ist mir stets unbegreiflich erschienen, wie gerade der 'A.ntisemitisniuZ seine zahlreichsten Niihäugei: in einer christlich betonten Partei haben iann. Ein konsSguenter Äntiseinit niüßte mit dein Judentum doch iricht nur das Alte, sondern auch das Neue Testament vcrtverfen, wie es der n»tiseiiriüsche Philosoph Engen Dühring auch tatsächlich getan hat/ AnS der gleicheir Perspektive heraus empfand der ■ Moralist Nietzsche den christlichen Junker' -als .unrein-- i lichen' Becrriii. Wiener Morgenzertung An unsere p. t. Abonnenten! Oesterr. Postsparkassönkonto 15V 693. — Tschechoslowakischer Poftsparkasseverkehr 150.693. Zahlstelle siir Polen: Lombard- und ESKomptebank» .Krakau, Rynek 12, Wir ersuchen, die Abonnementerneuerung sofort vorzunehmen, damit in ---der Zustellung keine Unterbrechung eintrete. 1; Bezugsgebühren ab 1. Juni: Für Wien und Deutschösterrerch: monatlich Kr. 25, vierteljährig Kr. 75.„ Für die TlHecho - Slowakei r monatlich Kr. 1V, vierteljährig Kr. Äü tfchecho-flow.' Währung. Für Jugoslawien monatlich Dinar 6, vierteljährig Dinar 18. Für Polen monatlich 25 poln. Mark, vierteljährig 75 poln. Mark. •* . . Für das übrigL Ausland tnonatlich Kr. Ä5 österreichischer Wahrung. Mnzeleremplare K. 1. Wir bitten, uns -die Abonvementbeiräge durch die bezüglichen Postspark.assenämt.er und bovt, wo dieser Vorgang mcht möglich ist, durch eine Bank, welche mit Wien Verbindung hat, zulommcmM ltzssen-. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzertung" Wien» 2. Bezirk, Taborstrahe 1 bis 3. - hhHTM iilMWfT Die Schlußworte des Verfnssers, die er seinen deutschnationalen Parteifreunden zuruft, nämlich euren Strich unter die Vergangenheit zu machen und best Juden nicht mehr ihre Schuld borzuwetfcn, La dann auch sie mit Schuldrechnungen , kämen, wird ungehört verhallen: - /Nicht - so die Schrift des freimütigen Verfassers/ Die Deutschnationale Volkspartei und die ihr geistig Eng. verwandte Deutsche Volkspartei sowie die antisemitischen Demagogengruppen itt Oesterreich sind heute zu einem Sumpf jester Halbbildung geworden, aus der kein Mahnruf sie iherausführt. Die deutschnationale Partei, arm an Gebauten Und reich an Schlagworten, wird weiter ihre zerschettde -SuMpfpolitik fortfetzen, bis sie eines Tages, wenn die gwße Mehrzahl ihrer Anhänger sichangeekelt-von ihrem widrigen Treiben, von ihr ttbwenden wird, an ihrer eigenen Wühlarbeit zugrunde geht. , Beginn der Tätigkeit der Reparations- Kommission in Wien. Wie verlautet/ findet die erste Sitzung der Neparatlonskommijsiön in Wien am 20. d. M. statt. Keine WaffenlltferÜngen nach Polen. Amrl ch wnd mitgcieilt : - Gegenüber den im-3n- und AMastdc verbreiteten GüÜchieN über W a f f e n ü c f e r u n g e n der österretchischett Negierung nach Pole n wird festgrsteüt, daß seit Monaten aus den staatlichen Bestünden keinerlei..Lieferungen von .Waffen und Munitionan Polen getätigt wurden. Oesterreich— Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation. Das heutige Staatsgcsetzblalt verlautbart folgende Kundmachung des Staatsamtes für soziale Verwaltung : Zufolge Kabinetrsratsjreschlusses, vom 28.- Mai 1S30 tritt dieRepublik O e st e r.r e i ch der Internationalen Arb eitero r.g a ri j s n.t.i>s,wals.M i t,g l i e d mit den im Friedennsvertrage von St. Ge.rmain-en-Laye enthaltenen Rechten und Pflichten bei. * ' , - - -J .J.. i Telegramme. Hrrbert Samuel— selbständig«» politische« Administrator Palästinas. ' LoMon, 31. Mai.- - Md. Korr.-Vür.) Durch die Berufung Herbert S ä'nt ue-l s zum High-Comm'sfi-oner in Palästiüä üwird' gleichzeitig Marschall Al le tt 5 y von den Lasten der politischen Administration Landes enthoben. Mr. Samuel wird unmittelbar der Regierung in'London veranttvortlich sein/Dadurch soll dem Uebergreifen m'litärischer Einflüsse ans die ittnere : Politik in Palästina ein fester Riege,l vorgeschoben werdest. - . , ' „Mc.nchest-eMuardian" b-cmerkt h'ozu: Mv. Samnet f wlrd Mn an 'den Aufbau der Zivilregierung in Palästina schreiten. Allerdings tvird ein volliommener Ansi bau derselben nicht vor endgültiger Festlegung' devi Mandatsbetciils, ' welche gegenwärtig ansgvarbeitBt werden, Möglich - sein. Die' endgültige Fests.chung der MaNdalsbedinguilgen dürfte jedoch noch vor dem 1. Juli, dem-Amtsantritt Samuels, erfolgen.' David JeAin -- Vszrbürgermeistsr von Iernialem. Lon au, 31. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Wie bereits gemeldet, haben die Behörden in Jerusalenr einen neuen Gemeinderat einges)tzt, der ans ztvei Juden, zwei Mohammedanern und öUhh Ehristen besteht. Zum Vizebürgermeister tvnrde David Jellln bestimmt. (David 2. Juni 1920 . Nk. 488, spi‘ JeMn ist eine der angesehensten Persönlichksiten bt9: neuen Jifchuws in Palästina und kann als der Schöpfer, des hebräischen Gchultperkes im Lande anL-sehen werden. Selbst eiM angesehener Forscher aus dem Gebiete der hebräischen Sprache^ war Jellin der Führer ln 'dein vor einigen Iahten geführten Kampfe gegen die sremd- .sprachigen Bestrebungen in Palästina, welche der assimilatorische „Hilfsverein der deutschen Juden" pröMgierte und aus dem bekanntlich die zionistische Sachs als völliger Sieger hervorging. In jüngster Zeit bdgah sich Jcllin nach London, mm bei der englischen Regierung wegen der Exzesse von ^Jerusalem, zu intervenieren. * Iabotinsky für eine jüdische Legion. London, 31. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) JabotinsÜ) richtete aus dem Gefängnisein Schreiben an die zionistische Leiiung, in welchein er die baldige Gründung einer'starken jüd'schen Legion als uNetlaßlich betrachtet. Das Schreiben schließt mit den Worten: „Ohneeine jüdische Legiyn für die Landesverteidigung — kein jüdisches Palästina!" '-T;:.Hi : - * Die Forderung scheint angesichts der starken Unruhe unter den Ärabern/'welche anscheinend voll gewissen Seiten systematisch '«ufgehetzt und mit Waffen versorgt werden, nicht unbegründet. So berichtet „Eassel'S Saturday Journal", daß d'ie Araber beträchtliche Waffenmengen, sogar moderne Feldartillerie, nach Transjordanien schmuggeln. Das Blatt fordert die englische Regierung zur tlntersuchung dieser Umstände auf- und spricht-die Befürchtung aus, daß. .sich bei ruhigem Zuwarten die Exzesse wiederholen könntet». San Nemo-Ferern in Litauen. Kowni, 27. Mai. <JÜd. Korr.-Bur.) Die litauischen Juden veranstalteten eine inrposante Kundgebung vor dem britischen Konsulat.- Mehr als 20.000 Juden mit zahlreichen weiß-bläusn Fahnen waren zugegen. Unter den in jiddischer und englischer Sprache gehaltenen Fahneninschriften.befanden sich solche, Welche die Freilassung der nationalen Helden,,namentlich Jabotinskys, förderten. Der Konsul Eolonel Ward empfing eine Abordnung und hielt unter den Klängen der jHisch'en und britischen Nationalhymne eine mit großem Beifall aufgenommtzne herzliche Ansprache an die jüdischen Manifestanten.. Die bolschewikische Offenfive stoüt. Warschau, 1. Juni. (Funlsprilch.) Frontbericht dev polnischen Armee vorn 31. Mai, Die große bolschewikische Offensive, die M 14. Mai. mit allen Kräften des Feindes zwischen den Flüssen Düna und Pripet rhrerr Ausgciüg nahm/ ist M den Letzten Tagen .völlig ins Stochen ge« raten. Die Hauptangriffe der Sowjetarmeen . waren einerseits längs der'ÄahMme Polock-?-Glemboeki^Mo-. lodetfchno, andererseits über die Heresina gegen Mmsk gerichtet. Aus aufgefangeneü Befehlen Sowjet; truppen geht hervor, daß die Besetzung der Linie LMlddetschno-Minsk beabsichtigt war. Die unerschütterlichs Haltung unserer Truppen, besonders jener, -die die. obere Beresina verteidigten und zwischen Vorisow und Bobrmsk Gegenangriffe ausführten, vereitelten die weitgehenden Pläne des feindlichen Oberkommandos, Bei den Gegenangriffen der letzten Tuge wurden mehrere hundert Gefangene etngevracht und zahlreiches Kriegsmaterial ierbeutöt. ' In der Ukrarne wurden die Angriffe der feindlichen Reiterei, endgültig abgewmfen, der Feind, züin Rückzug'gezwungen. Im Gebiet von Wolödarka wurde. Her Feind aüf Wolodarka zurückgeworfen, wobei eine feindliche Brigade zu uns überging. Kopenhagen, 1. Juni. Nach einem Telegramm aus Warschau meldet der polnische Generalstab i Längs der Eisenbahnlinie von Polot^k in der Richtung nach Südipest werden die An griffe der Uolfchswrken - infolge der erlittenen großen Verluste und ihres Waugel^r an Proviant und Kriegsmaterial schwacher. Gm neßer Versuch der Bolschewiken, die Vereslna zwischen BvrisMv und Bobrutsch zu überschreiten, ist gescheitert. Zw er Infanteriedivisionen^ und eine Kavallerredrvii non, denen es gelungen war, das.Westußer des Klujjes zu erreichen, tvurden) bei Jakoszyce umringt.. und vermchtet. Wrr machten Über, 2000 Gefangene. Der Rest der bolschewrkischen Truppen flüchtete m wilder Panik über die Beresr'tta^ zurück. Pelm Tnjestr haben wir m?c dem ukrainischen Heere -ane.Angriffe abgeschlagen und einen kräftigen Gegeüaiigrifs eingeleitet, wobei wir die Städtr Zabokrzyky und Obodowka einnahmen. Polens FriedensbeeeitschafL. Warschau, 1. Juni. (Meldung der „Poln. Stimmen".) Die „Gazeta Warszawskä" meldet: Minister Patek erteilte den Warschauer Pressevertretern Informationen in der Frage der Friedensverhavdlungen mit Sowjetruhland. Er sagte unter anderem:' Nack) dem Niederringen der russischen KoNteroffensive in der Ukraine war ich bereit, im Anschluß an dte bekannte Erklärung des; Minlsterpräsidenten Skulski bezüglich der Erneuerung der Verhandlungen initiativ vorzugehen. Inzwischen; fetzte die russische Offensive ein, die für eine Zeitlang meine Absichten paralysieren kann. Wir werden die gegenwärtige Äffensive aufhalten, die polnische Regiersing hegt diesbezüglich nicht die geringsten Befürchtungen. Unsere Note betreffend, die Aufnahme von'Friedens- Verhandlungen ist fertiggestelli, und wir warten nur den Zeitpunkt ab, da wir sie werden abscnden können. Polen macht feine Friedensbedingungen nicht von den Ergeh-,

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