Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 487 (1.6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Dienstag ----——;—~——-—r~—“—:—.. Die kritische Lage i« Irland. Parlsj 31. Mai., (Korr.-Bur.) Heute findet in London ein wichtiger Miniftcrrat unter Vorsitz Lloyd Aeorges und in Gegenwart des Marschalls French stnd Sir Greenwoods statt, die eigens aus Dublin berufen wurden. Der Ministerrat wird sich mit der nischen Frage und mitden Maßregeln befassen, die )ie Sinnfei^erbeioegung erheischt. Der Transport von Munition und Verpflegungsgegenstättden für die Truppen bereitet immer größere Schwierigkeiten. Auch muß mit der weiteren Ausbreitung des Aüsstandes der Eisenbahner und Hafenarbeiter in Irland gerechnet werden. Paris, 31. Mai. (Tel.-Komp.) Wie bereits gemeldet, entsendete die englische Negierung zur Unter- Zückung, der irischen Unruhen eine Reihe von Regimentern. Als' diese ausgeschisst werden sollten, kam rs neuerlich zu s ch w er en Aus schreitungen. Als gestern ein Transportdampfer mit Schottländern an Bord entließ wollte vom Hafen aus ein Boot zur Ausschiffung auslausen.' Die Besatzung weigerte sich aber; diesest Befehl auszuMren. Gleichzeitig flog die Landungsbrücke in die Luft. Es ist bisher nicht gelungen, die entsandten Truppen auszuladen. Die Konferenz in Spa. Berlin, 51. Mai. (Trl.-Komp.) ' In Äerliu werden die Vorbereitimgcn zur Abreise der d e u t s ch e n D e legier t e n « a ch S p a iür den 13. Jun^^troffen. Von 'einer Vertagung der Konferenz scheint nichts bekannt zn sein. Zürich, 51. Mai. (Tel.-Komp.) Zur Konferenz in Spa erfährt der Vertreter der SHveizenschen Tclegraphrn-Jnfv'.mation, daß vor der Konferenz unbedingt das Prinz v der festen Summe und des. Abstriches fcstgclegt wird. Deutschland wird jährlich 7.2 Nülliyrden Goldmark zu zahlen haben. ’ , Einberufung des deutschen Reichstages. Berlin, 31. Mai., (Tel.-Komp.) Wie die Telegraphen-Union erführt, soll der Reichstag für den 16. d. M. einberufen werden. Eine internationale Anleihe für Deutschland. Berlin, 31. Mai. (Tel.-Komp.) Nach einer Pariser Äleldung beschäftigt sich die Entente mit den Vorbereitungen für eine intemationale Anleihe für Deutschland. Muna enthaftet. P.rag, 31. Mai. (Tschecho-slow. Preßbur.) Ten Blättern zufolge wurden auf Grund der gestern verlündsteN'Aumestie M u.n.a und.Genossen entbaftet. Muna begibt sich heute nach Kladno. Die Unterzeichnung des ungarischen Friedensvertrages. Budapest, 5!. Pstn. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Ennm Beschluß der Regierung zufolge wird der Friedensvertrag durch Dn August B e n a r d, Minister für Volkswohllahrtsowie Alfred v. Dräschei'ajnr, außerordentlichen Gesandten ' und bevollnmchtigteu Minister, unterschrieben. Die Genannten werden heute nach Paris «Kreisen. Vesnie für einen Ausgleich mit Italien. Belgrad. 31. Mai. (Südslawisches Preßbureau.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung erklärte Ministerpräsident Vesnie: Wir dürfen Italien nicht als. Feind betrachten. Mit Italien müssen wir über schwierige, große Fragen verhandeln. Alle sind darin einig-, daß zwischen uns und Italien normale, sreuudnachbarliche Beziehungen zu beiderseitigem Nutzen nur dann herrschen können, wenn, in diesen Begehungen möglichst wenige Ursachen zu Konflikten liegen. Wir und die ganze Welt wissen, daß der richtigste Weg zur Lösung der Konflikte derjenige wäre/ wenn die.Adria in ihrer Mitte die Grenze zwischen unserem jungen, ausblühenden Staate ■ und, Italien bilden würde, über welche hinweg wir gegenseitig die Freundeshand reichen könnten^ Jedoch in der jetzigen Lage ist. cs wahrscheinlich, daß wir eine solche Lösung mit Jtaiien nicht crrcjdjen können, nachdem sie nicht einmal unser bester Freund Wilson erreichen konnte. Dorum müssen wir den Konflikt mit- Italien auf eine Weile beilegen, welche gute, freundschaftliche-Beziehungen zwi'ckien beiden Staaten ermöglicht und aus dem n.a.tivnalen Kärver so wenig Wunden als nur möglich h'u'terläßt. .• Dr. Benno Straucher in den rumänischen Senat gewählt. HLzernowitz, 28. Mai. (Iüd. Korr.-But.) Bei den'hier-.abgehaltenen Wahlen in die gesetzgebenden Körperschaften 'wurde von der jüdckschenL i st e der" gewesene österreichische Reichsrytsabgesrdnete D r'.-Ä e.n ito 'St rauche r in den 6 c y a t ge« wählt.. Das Mandat in die K a m nue r. erlangte der jüdifthe Sozialdemokrat Dr. Pifti n e r. Von den Sozialisten, wurde auch der Rumäne G r i gor o v i e i gewählt. Die d e u t s ch e 'Minorität, welche das Abkommen mit. der jüdischen Partei auf Listenkoppelung n i ch. t. eingehalten hatte, vermochte infolge dieses Verhaltens kein Mandat zu erringen. (Die Wahlergebnisse in G r o ß r u m ä n i e n find bisher nicht bekannt. Die Red.) Wiener Morgen;eirunA Zionistische Bezirkssektion Wieden- Margareten l Heute Bezirk, 5. präzise halb 8 Ahr abends findet im.HotelIägerhorn, Wiedner Hauptstraße 108» eine MassenversaMMLung statt. Tagesordnung: 1, Die Beschlüsse von San Nemo und die Juden, 2. Die Kultuswahlen. Referenten r Abgeordneter Robert Stricker, Frau AnitLa Müller und Bez.-Rat Dr. Karl P o l L a k. Erscheinen ist Pflicht! Das jüdische PalÄftina. Die Ehristenmassakers in Galiläa. London, 31. Mai. (Iüd. Korr.-Bur.) In Galiläa haben die Beduinen einen Pogrom auf die Christen veranstaltet. Sechshundert Christen haben nnt.'r/ schreck ich n Leiden ihr Leben verloren. Die am. Leben Geb.iebeuen verlassen massenhaft das Land. Die Geulah-Woche in Palästina. LONdo», 30..9)cai. (Iüd. Kvrr.-Bur.) D'e Geutäh- ' ' Woche in. Palästina hat begonnen. Die Sammlungen werden mit .großer Begeisterung durchgeführt. Am ersten Tage wurden an Bargelo,'Gold, Juwelen und Bauplätzen 15.000 Pfund Sterling gesammelt. Das arme'Palästilm will die Sammlung mit rn.indestpus 30.000 Pfund Sterling abschließen. Gleichstellung der hebräischen Sprache mit der arabischen in Paläslßna. London, '30. 'Mai. (Hüd. Kor^-Bur.) Der militärische Gouverneur - von JerujWkein hat angeordnet, daß die hebräische Sprache im öffentlichen Leben dieselbe Stelle wie die arabische einzuüehinen hat. Die' . S t a d t v er waltung wurde angewiesenunvdrHglich einen S e kre tä r für die hebr äische Sprache anzustellen. ' " "" Feiern in Bulgarien. Sofia,' 28. Mai. (Iüd. Ko'.'r.-Bur.l Die -NMRcht' vom S an Reni,o'chat unker den Juden von Bukgarien die 'größte Begrist^rLng erMckt: Es'fänden bereits '' verschiedene Feiern statt. .Mir.--Hem'WlZstNaMiedLr»^ ausbä'üfvnds -ist.LersjiseWl-Milttön' Leva an^eürachW.l San Rsmo-Te sammlrmg des Misstachi / , Der - i:/ jüngster Zeit zu -regster Tätigkeit über- ', ge mugene Misrächi-Wien. hielt am 16. Mai im Saale Hs. n-i^eröstirreichissheu . Gewerbevereines eine Perialnnrlung 'ab.' In dem dichtgesülLten Saale folgten? Vertreter der - meisten Wiener gesetzestreuen. Vereinig - gungen mit gespannler Aufmerksamkeit dem Vortrage- , 1 e) Herrn Ole rabbi.iers -.Dr. I. Hoff tu a n lt - Ra- ’ dautz über das Thema/ „Erez Israel und.die gesetzestreuen, Juden". Der Vortragende wies darauf hin, daß (die Pflicht zur -Palästinaarbeit.nach dem großen Erfolge svon- San Nemo für jeden glaubenstreuen .Juden s doppelt verbindlich geworden sei. Denn nur bei Zu- I salnmenfassung der 5krcifte des gesantteu. jüdischen Volkes könne liier Pflicht mit s-ener Sachlichkeit entsprochen l tverden, die 'nach', menschlichem 'Ermessen die Garantie; {es -Er/olges in sich trage. In der z.i o n i st i s che n; O.rgautsa'ti an aileiit fei her Nahmen für diese I Kräftezusäminenfassung gegebetl, da sie nicht nur die i für intensivste Palästinaarbeit erforderlichen Jnftitu- - tionen allein lesitzü', sonderir Wls. K8mPsepinJüm('hetk ( glücklich erreichten Erfolg der Zuerkennung Palästinas - an das jüdische Volk auch das moralische Astrecht auf die i rechtmäßige Vertretung desselben habe.' SodastNergriff d§r "Oberr'abbine: von Wien, Dr. Ch a j e s, das Wort, "uni'die thevre.ischert Ausführungen. deö Herrn Dr. Hofsmann durch Mirteiltutgon' aus. den Tcchchi der -wichtigsten Verhandlungen von Pab is un^ ' DaN - Rem o zu illustrieren./Er' führte hiedurch' den Z'sthörcrn klar vor Augen, welche fast übermenschliche . Leistung die zionistische Vertretunz in jenen-entscheidende.k Tagen vollbracht haß we'che SchwstriglLften — selbst von sogenannt jüdischen' Seiten — ihr irß .den .Weg gelegt mtb doch glücklich überwunden würden. Beide Nedner ernteten den lebhaftesten Daitk' der Versammlungsteilnehmer. . . . v? PVMschL Mmdschau. Dia „Auffiläpung" der heimkehrenden?.engarrfcherr Kriegsgsfangeney. Aus B ü d ä P e st tvird. uns berichtet': Der gewesene Mini'slerpl'ciside'nt H u s z a'r wird sich.im Atiftrage der ungarischen Regierung stäch Amerika begeben, um von dort aps die Heimbeförderung der ungarischen Kriegsgefangenen aus Sibirien in die Wege zu 'leiten. Die Kosten dieseb Heintbeförderungsaktipn machen der Regierung keine überniäßigen Sorgen, da die in Amerika lebenden Ungarn dazit verattlatzt wurden, die seinerzeit vom Grafen Karolyi in den Vereinigten Staaten gesammelteit Millionen, die noch in Amerika .verwahrt 1. Juni 1920 :Nt. 487 --:— russischen Gebieten heimgekehrten kriegßgesangenen Ungarn bereits, erprobt. - Die Heimkehrer wurhen nüm-. lich an der Grenze über . die neuen.BerhäMrsst^n/ Ungarn „aufgek.lq-rt". .In welcher Richtung.diese Aufkläruugstätigkeit sich bewegt und ' mit welchem Schrecken die l'j.Ad fßch e.n/K r i eg i ge f ckst'g en eii,s die von den „neuen ßVerhältstiHn" in der Heimat, für/ welche sie ihr Lebsü aufs Spiel gesetzt hattens noch nicht unterrichtet sin3^ bei dem Gedanken., an die Heimkehr er-, füllt', werdest, gehl aus.erster Interpellation des Graforr 'Viktor Szechestyi..hervorZ/die.er' ist'einer der letzten Sitzungen der Natlonalversanrmiüng' an den Ministev des Aeutzern gerichtet hat. Drafi.SH.KH.esstH^Motz nämlich seine Anfrage mit der folgenden,(c,Han'Arlf-- klärungsdienst an der. Grenze kennzeichnendere Bö- .merkungp..., ......Z. „Sicherlich wird/es . viele unter H^n, hermkchrenE Krregsgefarrgencnß. - geben, - die mit"" bölschDfkischen Ideen - erfüllt . 'zurüstMrWh.Das kgnn. aber,, die. RegÜi?. rung nicht daran hinhern, bemüht zu sein, diese. Mannp; . d,u r chstnp n s.ch 'lj ch e./B ehastd bst st g.-Sst'.beNerst'.H^/ bedingt müsse jedoch.hör ünhaltbäre Zustand aufhöreü, daß die KriegsgefangMMMr-dch: Gr§stze gegest Maßest. Parteien und Konfessronen Verhetzt werden."'' Z Die auf diesenTeilAder-.Anfrage vom. Minister des Aeutzern Grafen Teleky ' erteilte Acktwort wich, wie "werden, für die Hermbeförderung der urrgarischen Krregs'gesau.genen-. zur Verfügung zrr stellen rmd den vorhandenen Betrag burch' eine rreue S^murlungs zu vergrößern. Größer istdie Besorgnis der Regierung darüber, daß die Heiinkehrer wahrscheinlich von bolschelvikischen Ideen erfüllt sein werdet: und durch ihre Agitation für den Komrnnnismus einen neuen Umsturz in Ungarn herbeiführen, könnten. Die tlngarische Regierung hat sich allerdings' bereits ein Mittel zur'Batmung dieser Gefahr zurecht'- gelegt und das Mittel bei . den aus näher gelegenen > nicht anders vorcmsznsetzen war, dem Kern der Frage - aus. Er sagte hierüber: - „Die heimkehrenden Kriegsgefangenen werdest meiner' vierzehntägigen Quarantäne unterworfen, wobei sie selbstverständlich -auch über diein Ungarn seit ihrer 'Geftmgennahnte erfolgten Veränderungen Aufklärungen e r h a l t e st w e rd an. Man dürfe freilich nicht., glauben,, daß / die bom Bolschewismus Jnfizierletr ^-in vierzehn Tagen .vollständig , umyestrrnm!. werden könnten.? Sie söllen? auih fernerhin . 6eV obachtet w erdien,,ohne haß jedoch diese.Beobachtung 'ihnen, zstr»Last.fälle'n-'M'."''? / : AnAaretr WoxteiOheißt. das so viel, daß die Heftikehrer, d'i.e in' den, vierzehn Tagen noch. nicht. genügst. $ ' verhehiHnd uttd Hey „Veränderungen" keinen Göschrft/E ' abzugewinneti. perntägen: - von einem Heer ' von Spitz? r . und-Provokateuren beobachtet und entweder dem nei V Kurs gefügig., oder unschädlich gemacht werden. - / ZrWnd. Vor der SoMmerfesfiou. Bermösensabgabe. — Die Neuwahlen. — Deutsch-- Wesinngarn. Bekanntlich ist von ch ristlichsozi.aler. Seite ein Vorschlag gemacht Worden, der-eine Fortsetzung der . Verhandlungen über die Vermögensabgabe erntöglichen soll. Die Sozialdptstpkraten.Werden in diesen Tagest/zst diesem Kompromiß ^StststUnL Lehmen. In inforstnerten l parlaistentarischen Weisest glochbt man, daß sich daIIpnst.; promiß auf folgender Pchiß /hewegen dürfte: Als Grustdf läge, für die ^Abschätzung.- der.Zandwirtschqftlichen. WM {wirst ein VielfachetzZ -|el . ^atastralremerirägA j angenommen' werdest.,'Lme Abstüfutlg/ zwischen' ] kleiyen,, miftleren„ große::.- Hastexstgüterst und. dem Gro^- ■ grundbesttz erfolgen, Zvobeß / die/beiden erstereN Kate- '> gorien. auf Kosten 8er.DMM-HegüWaungen erhaftest sollest. Ein ähnlicher Vürgäng soll auch böi' dek/. lsteuerung des Ein-kommens eingehaltest wek° {dep. Da^.. fteu e rfr-eie^E^AstMiNA.n,,dürfte .apf i 6000 Krönen erhöht'? wsMn^'H^äWfNgeUön nistdtr- \ getett steuerpflichtigen Einkomniest bikften mit herab- ’ gesetzten Abgabesätzen-bMessest - werd^, dck' ist^ ldivse -! Kategorien bereits auch' die manuellen Arbeiter fallest!' ' Die Herabsetzung -füll Nttdererseits ihre Kompensätimt', ' in der Cr-höhustg-der Abgäbesätze bei den größeren Ernkommen finden. Die Wähler der beiden Koall-i- - tionsparteien sollen demnach so weil ., 'w r e m ö g li ch g e sch ö nt w er d e n, auf Kosten/ Mr ' außenstehenden bürgerlichen Steuerzahler. Die Festsetzung.de§ Termins für die Neuwahle n- ' hängt von der Fertigstellung der Verfassung ab, die ini Juni vor das Haus kommen soll. Wenn die Be- . schlußfassung noch in der Sommersession erfolgtkönnest- - die Wahlen im Herbst stattfinden. Falls.aber .erst.stm . Herbst die Nationalversammlung Ihr Arbeitspensum/eyr- . leöigt/ so ist es möglickd .datz die Neuwahlen im Winteh. oder am Beginn des Frühjahres erfolgen werden.! Die Ratifizierung?.. deS Friedensvertrages - vost Saint-Germain durch..den französischen Senat ist ist. den nächsten Tagen zu.erwarten. Die Vorbereitungen. . für die Uebernahme. .von De.utsch°Westungarn/. die nach der Ratifizierung erfolgen soll, sind bereits ge° . troffen. Die österreichische Regierung wird für Deutsch? Westn.ngarn zunächst esne provisorische Landes'-, r e g i e t u n g mit hem Sitz in Ä e d e n b u r g ein« richten. Alle leitenden Beamten, dieser provisorischen . Landesregierung werden vorläufig den einzelnen östetz . .rMMen StaatZämtM entnommen werden » »ini' iiiimniiif