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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-23 · Heft 479 (23.5.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 479 (23.5.1920)
Date
1920-05-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener MorgenzeiLunA 23. Mai 19^9 Leiter Die Wien in die Kultusgemeinde. Rckliunationm sind bis zu diesem Termin in der Kanzlei .' der Kultusgemeinde, I., Seitcnsiettengaffe 4, schriftlich einzubritißen. * Die Feststellung. ob jemand, der wablberecbtiat ist. auch in der Wählerliste ausgenommen :st. geslbieht durch Emsichtnabme in die Wähbrl sten, welche durch 1t Tage von. 0 bis 12 Ahr vormitiags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags "■ (mit' Ausnahme der Samstage) zur Einsichtnahme für die Kultusgememdeangrhörigen an folgenden Stellen aMegrn: Für die Wahlberechtigten des l. Bezirkes: I., Seiienstcttengafse 4; des II Bezirkes (rechts von der Taborstraße) : II., Temvclfliilte 3; des II. Bezirkes ll'nks von der TaborstraßeV: H., Malzgasse 16; deS. Ul. und Xl. Bezirkes: IIT., Untere Biaduktgaffe 13: des IW, V. und X. Bezirkes: V., Siebrnbrunnengasie 1; des VI. und VH. Beürkes: VI., Schmalchosgasse 3; des Vlll. und IX. Bezirkes: IX., Seegasse 9; des XII. bis XV. Bezirkes: XV., Turnergasse 22; des XVI. und XVII. Bezirkes: XVI., Hubergasse 8; des XVlll. und XIX. Bezirkes: XVlll., Schopmhaucrstrasic 39; des XX.' Bezirkes: XX., Kluckygassc^ll; des XXI. Bezirkes : XXI., Holnneistergaffe' 12. , Nach 8 5 der Wahlordnung für die Kultusgemeinde besitzen das aktive W a h l r e ch t alle KnltuSsteuertrager de, sraelitilchen Kultusgemeinde Wien ohne Unterschied deS Ge- 'chlcchtcZ, sofern sie daS für die Erlangung der Eigenberechtigung gesetzlich vorgeschnebene Alter (übcrschnrteueZ 21. Lebensjahr) erreicht haben, welche 1. am Tage der Ausschreibung der Wahl die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, 2. die ihnen für das Jahr der WM oder das vorangrgangene Kalenderjahr sta'nteugenms; vorgclchriebcne Kultussteuer bis zum Abläufe der Reklamationsfrist (Z 9 W.-O.) entrichtet haben.' Die Gemeinderabbiner und die dennitiv ang-stellten Beamten und Beamtinnen der Kultusgemeinde haben das Wahlrecht ohne Steuerleistung sstr die Kultusgelnemde. Wahlberechtigt sind ferner auch jene -das österreichische Staatsbürgcrrecht nicht besitzenden Kultussteuerträger,. welche bereits für die im Jahre 1912 stattgehabte Wahl m. den Kultusvorstand wahlberechtigt waren und der Im Punkt 2 geforderten. Voraussetzung.entsprochen haben. - Es rst daher notwendig, daß jeder Kultus st e u e r t r ii g e r. der das ö sterreickiische Staatsbürgerrecht besitzt nnd seine Steuer bezahlt har, ' sich unverzüglich überzeuge,.Zobi er in der Wählerliste ausgenommen wurde, mu im entgegengesetzten Falle sein Wahlrecht zu rekla- /Mieren. ' - DaS HaupLagitatiottslokal für die Krrltusrvahlen Das H a u P 1 a g r t a t r o n s l o k a! für die Kultus- , gemeindewahlen hat seine Tätigkeit im Lokal des Jüdischen! N a t i o n a l r a t e s. H.. Taborstraße 20», aufge-! nommen und amtiert täglich . von 9 b i § 12 U h r v o r-. m r 1 t a g s und von 3 b i s 5 U h r n a ch m i t t a g s. Jüdische Wähler und Wählerinnen deS IV. und V. Bezirkes. Alle jene, die bereit sind,- sich an den Arbeiten für die Kultüsgememdcwahlen zu beteiligen, mögen sich bei Herrn Paul J e l i u e k (SchuhwarenhauS Jelinek), IV,, Margaretenstraße 76; (Tel. 55-7-24), ehestens melden. Versammlung skale «der. D i r u s t a g den 25. d. M., 7 Uhr abends, XX., Wallenstein- , straße 72, W a l l e n st e i n s ü l e. Referenten: Frau Auitta Müller, Abgeordneter Ing. Robert Stricker, Gemeinderat Dr. Leopold P l a s ch k e s. Zutti Die Reklamationsfrist den 30. Mai. Dienstag den 25. d. M.. 7 Uhr abtnbZ, XXI., Holzmeistergasse 12, Srtzungssaal dec KultusgemeintzH Referent: D. N e b e n z a h l. Ueber „Knltusgemeinde unfc Erziehung der Jugend".! Mittwoch den 26. d. M., '/,« Uhr. I., Schottmrmg S. Hotel de France. Referenten: Abgeordneter Robert Stricker, Dr. Karl P o l l a ck, Dr. Emil Kras « h. M i t t w o ch den 26. d. M., 7 Uhr., H., Taborstraße 4, Hotel Continental. Referenten: Gemeinderat Doktor Leopold P l a s ch k e s. Geme'mderat Dr. Bruno Pollack- P a rm a u, Alfred M a y. ' Dounerstag den 27. d. M., 6 Uhr, HI., Hauptstraße 97. Dreher-Saal. Referenten: Abgeordneter Ing. Robert Stricker, Dr« Josef Auerbach, Gemeinderat Dr. Leopold P l a s ch k e §. D i e n s t a g den 1. Juni, Hör, IV., Hauptstraße 10?. Hotel I ä gerhor n. Referenten: Abgeordneler Fug. Robert S t r i cker» Auitta Müller, Dr. Otto A b e l e s. ' DienZtagden 1. Juni, 7 Uhr, XIV., Sechshauserstraße 52, M a r i e n s ä l e. Referenten: ■■ Abgeordneter Stricker, Gemeinderat Dr. P! a s ch k e s, Oskar G o l ds ch m i d t, Dr. D. F r i e d m a u n. Achtung, Kultnswähler l Kuliuswähler, die in den Wählerlisten des Bezirkes eingetragen sind, in welchem sie ihr Bureau oder Geschäft haben, cs jedoch vorzirhen, im Bezirkihrer Wohnung zu Mahle n, können dies dr^ch s ch r i f t l i ch e B e k,a « a t* gab e an das Steueramt der Israelitischen Kultusgemeinde/ l, Sertenstettengasse 4, erreichen. Agitatrsnsloknle, wo Auskünfte jeder Art erteilt werden. H a u p t l o k a l (Wahlbureau): II., Taborstraße 20». Dnrremstunden von 8 bis 12 Uhr und von 2 brs 5 Uhr. Tel. 41630. Für den II. B e z i r k r e ch t s d e r T a b o r st r a ß e: II., Kaiser Josefstraße 42. Bureaustunden von 2 bis 6 Uhr, Tel. 44.257. . Für den II. Bezirk links der Tabor st r a ß e: II., Kleine Pfarrgasse 5. Bureaustunden von 8 bis 12 Uhr und von 2 bis 6 Uhr. ' LY. und V. Bezirk: IV., Margaretenstraße 76 (Paul Jelinek). Bureaustunden von 8 bis 12 Uhr und von. 2 bis 6 Uhr. Tel. 3978/VI. VI. .u nd VII. B. ezirk: VI., Ameclingstraße 19. Bmeaustunden von 10 bis 12 Uhr und, von 2 bis 6 llhr. VIII. und IX. Bezirk: IX., Lichtenfieinstraße 11, Tür. iS. Bureaustunden von 11 bis 2 Uhr und 4 bis 6 Uhr. Eafs City. IX., Porzellangaste 1, von 8bis V-10 Uhr abends. Cafe Franz Joseis-Bahn, IX., Alchanplatz 4, von S Hs ■ ValO Uhr abends. i' X. Bezirk: X., Favoritrnstraße 130. Bureaustunden von : 2 bis 6 Uhr. XII., XIII., XIV. und XV. B ezirk: XIII., Remdlgaffr 44 (Ing. Steinherz). Bureaustunden von 2 bis 6 Uhr. XVI. u n d XVII. B e z.i r k: XVI., Cafä Neuland, von 8 bis V-10 Uhr abends. XVM. u r, d XIX. Bezirk: XVIII.. Abt Karlgasse 25, Eass Ecke. Bureaustunden von 2 bis 6 Uhr. Tel. 15209.! XX. Bezirk: XX., TrannfelZgasse 7, Tür 14. Bureäustundrir von 3 bis 7 Uhr. XX., Kretzgasse 8 (Dr. Ruß), von ' 12 bis 1 Uhr. Tel. 98912. * Gemeinsame Borstandssitzung btt Sektionen XVIII und XIX über die bevorstehenden Kultusgemeindewahlen, Montag dm 24. d. M., 8 Uhr, im Tempelvereinsgebäude, XIX., Dollinez> gaffe 3. Nr..479. - Wien, Syimtag gemeinde wohl eine Art ichierer Autonomie gegeben,-,ih'r^ auch das Recht der Steüereinhßbung verliehen, ihr. äbeh gleichseitig die Machtmittel versagt^ dieses -Recht wirksam auszugestalten. Während zum Beispiel in Deutschland der Staat mit Rücksicht auf die innere Steuerhoheit der. einzelnen.Konfessionen die allgemeinen Steuerlisien nach Konfessionen gruppiert, und bas; fo, gewonnene. Steuerbemessungsmäterial den elnzelnen Kultusgemeinden als/Basis für eine gerechte Laltussteuerbemessung zur Verfügung stellt und HylicheS auch-in^ Ungarn.geschieht, wird rn Oesterreich, das Gßse.tz. über die Heyeimhattustg. 'des gesamten, Steueraftenryaterials auch den Kultusgemeinden gegenüber mit ganzer Strenge gehaydhabt,.so haß die angebliche.Steuerhoheit der Kultusgemeinde /ein Titel ohne Mittel, in. des Wortes unan* genehmstem. Siirue geblieben rst. .Die Kültusgemeinde. muh , daher .mit, ihrer Steuerveranlagung' mit, den primitivsten,.auf allen anderen Steuer-, gebieten schon, 'längst. als unzuläyglich, .jeder Korruption zugänglich, daher für den Bestand der sich solcher Mittel.bedrenenden Gemeinschaften als. gefährlich erkannten^ Misteln astbeiten. Die. Steuerbemessyngtzkommiffion isst gezwungen,^ Nach . Aeußerlichkeiteru wie gum Beispiel nach dem Aüftvand des/ hu Besteuernden, aus Grund von DenunZiaLionen^ und Züttägereren,' tm besten Falle auf Grund vpn . Recherchen oder /Angaben von mehr^ oder .weniger parteiischen' B'erufsgenossen und dergleichen zu urteilen und. die Steuervorfchrerbüng zu -'chachem 'Ueö'er / die so. entstandene Sieuervorschreibaug . hcst , dünn ein ' 8sikopfiger /Vorstand, der. / die. Materie nicht kennt/ endgültig '"zü >entscheiden, also eyentüell Korrekturen vorAuirehMen. /Äuch hier ist rnenschliche Schwächst, ÄorerstgenommenheiL für oder gegdn- -jemanden v(ehr am' Merke als wirkliche Sachkerlntnis. Eine/ Schwäche Lurigens, die rncht nur bei der'KÜltüs^emeinde zutage Iritt.'Eme SchMche aber,/ dse,' ivenn' sie zu stark und auf/dre/Dauer geübt wird, einer so schwach fundierten'Organisation, wie es Kultusgemeinde immerhin ist, ans Mark gehen'kann. Und alle' diese Steuerkommifsionen ' und dieser Vorstand' -wirken auch direkt oder indirekt an der Entscheidung ' über ihre - eigene Kultussteuer sowie über diejenige ihrer. Verwandten, ihrer Klienstrst Kommittenten, Patienten .Und. wie alle- -die in Fremdwörter, gekleideten gesellschaftlichen Beziehungen noch hstißen mögen, mit. Dabei ist zu berücksichtigen,-daß bei dem bisherigen ' plutokratrschen Wahlsystem der Kultusgemeinde solche Einflüsse srnanziell schwer iw die Wagschale fallend Es ist daher gar kein Wunder, daß allmählich die Auffassung bstychdringt, daß die Funktion eines ' Kultusvorsteh'ers- oder Vertväuensmannes unter Umständen' kein' völlig unbesoldetes Ehrenamt ist. . - st Es /'ist nur selbstverständlich, ' daß eine Steuc-rhorschreibung mit solcher Entstehungsgeschichte von Ungerechtigkeiten strotzt und eine Flut von Rekursen zeitigt, die besonders bei. den Uochjuden zu dem..völligen'-Zerreißender Vanffe, die/ sie mA dem Judentum noch verbMenst führen mstffen. Da ist es'dann möglich, daß zum/Beispiel'.jemand Jahrzehnte hindurch, weil er ein bescheidenes äußeres Leben' führte, jährlich 20 Kronen Kultussteuer bezahlte-und', als er dann starb, ein Millionenvermögen hinterließ. Dakann es aber auch andererseits ^geschehen, daß wieder ein astderer Krhre hindurch, nur weil er zur Aüfrechterhättüng - des Kredits scheinbar 'ein großes Haus führte, ■ eine'- -höhere Steuer bezahlte und, als er das Zeitliche segnete, ^/!eine Konkursmasse mit'einer unversorgten Fmnilie -hinterlietz. Da Ist es aber auch nicht so selten, daß, was übrigens fchost - alltmeiner bekannt ist, dc«»Angestellte einer Firma-das -Mehrche von dem an Kultussteuer zahlt als sein-Chef.'Aber-am krassesten wird die Unhalöbarkeit des jetzigen KultüssteuersystemS durch die Tatsache beleuchtet, daß Juden 'in Wien Jahrzehnte leben, Fanrilien gründen, Vermögen 'erwerben können, ohne zur Steuerleistung herangezogen zust'werden, wenn sich kein Denunziant findet, der sie dem' 'Steuvramt j^ev Kultusgemeinde bekanntgibr. ' " . / . Die zionistische Minorität im Kultusvorstarld kämpft '.feit ihrem Einzug in die Wiener Kultüsstube ohne Hrfolt;/gegen Hose Ungerechtigkeit und 'Unzulänglichkeit^ des HD'Kge« Steuerwesens an. Gehen die Jüdischnationalen. - äüsv.^denl Menwartigen Wahlkampf siegreich hervor, so wird'^eS; eine mcer ersten, und wichtigsten Aufgaben sein, hier" Wandeh-zu sMaffeNt Das Steueramt der Kultusgemeinde' ist/ 'süweiL/ die Beamten in Betracht kommen/ eines der besten Steuexäsnter. Wessen es bedarf, ist ein mutiger, moderner, von alley'Nebentücksichten freier Vorstand, mit dem es die Reformpläne Durchfuhren konnte. ' ' '. PoMsche^RundschW. d Berliner Brief. :/ ' Von Unserem Korrespondenten. / / - Im Zeichen der Wahlen vollzieht-sich jetzt einekseme. Umgruppierung der deutschen Parteien. Es wird riumer jflarer, daß aus den Wahlen die radikalen Parteieil' a'm stärksten hervorgehen werden. Bei den Wahlenzür/v'erfvssunggebenden Versammlung der freien Stadt- Da-yzig eichielten die meisten Stimmendie Deutschnätionäle'n, oni zweiter Stelle stehen die Unabhängige'«.- Ken Landtagswahlen in Braunschweig hat der nationale Mock rMgefähr ebensoviele Stimmen wie die UnaHanAgen, öie Mehrheitssozialisten haben nur ein Drittel-/ der Stimmen der Unabhängigen erhalten. Außerordentlich rege ist in der Agitation die deutschnationa^e' Volksöartei, deren wichtigster Programmpunkt nqtürlich^dcr Antisemitismus ist. Die „Deutsche Tageszeitung"',chnngt täglich antisemitische Leitartikel, deren einer' blöder'ist als der andere. Graf Reventlow lützt"die ganze/jungsie antisenistische Literatur anfmarschiexcu. Da kommt Die große Täuschung" von Friedrich Delitzsch, dieses Macht Werk, das allein genügt, den Nus der deutschen Wissenschaft für immer mit unauslöschlicher Schmach zu bedechen, dann das „Die Geheimnisse der Weisen dop Zion", das ein Herr „Gottfried zur Beek" in einem Berlmer antisemitischen Verlag erscheinen läßt und das eine Häufung völlig irrsinniger Fieberphantasien dar« stellt. (Siehe Nr. 477 der „Wiener Morgenzeitung".) Selbstverständlich ist auch die Ostjndenhetze im ganzen'? Reich ein willkommelres Agitationsmittel. Anr schlimmsten steht es augenblicklich in Bayern. Dort wird die Ausweisung der Fremden mit rücksichts-. /loser Härte vorgenommen. In München besteht jetzt eine'- richtige Pogromstimmung, inan meint oft: in Budapest ' zu sein."Im bayrischen Landtag erklärte der Mmrst^r- Präsident v. Kahr, daß die Regierung in der Judenp frage auf dem Boden der Verfassung stehe,- die jedem- Staatsbürger ohne Ansehen der Person und des Glaubensden staatlichen Schutz gewährt. Man dürfe sich aber nicht , verhehlen, daß die antisemitische Bewegung in weite - Kreise auch der Arbeiterschaft emgedrungen ist und daß - im Hinblick auf bekannte Vorgänge auch in ruhig den- , kenden Kreisen ernste Besorgnisse bestehen.. Herr v. Kahr .mahnte zur Mäßigung und sagte Wörtlich': „Was. an 'der Bewegung berechtigt (!) ist, kann auch ohne Rassen- ' hetze erreicht werden." Da sich die ständig betriebene , Judenhetze zu einem kaum mehr zu überbietenden Grade steigerte, sei es dringend notwendig gewesen, im Juter- ' esse der Ruhe und Sicherheit das außergcwöhmliche '- stRittel des Zeitungsverbotes anzuwendeu. Der zunehmende Antisomitisnrus hatte zur Folge, daß die- Judenheit begann, sich zusammenzuschließen: allerdings^ -ist der beschrittens Weg nicht sehr wirkungsvoll. In l Nürnberg wurde eine Gesamtorganisation der bäurischen ■MMKDMUHHBBVMansnHHMWMHMaMMHMHMMMMMMHl Gemeinden geschaffen, ein nicht sehr lebendiges Gebilde, dgs sich vor allem wieder durch die bekannte antidemo- . kratische Tendenz auszeichnet. Die Stimmung der bayri- - scheu Juden ist sehr gedrückt und es fehlt natürlich, auch nicht- .an würdelosen apologetischen Anbiederungs- - versuchi.-n, durch die die Position der. Inden nur ge-- schädigt wird. >;. / In Berlin ist am t. Mar eine neue Meldevorschrist' für: Ausländer publiziert worden. Die Verordnung soll, i öffenbar einex Handhabe für Zwangsmaßnahmen gegen die/nichtgemeldeten Ostjüden bilden. Seit dem Kapp-- . Putsch hat sich die Berliner Polizei zweimal den-Spaß, einer kleinen Ostjudenverfolgung geleistet.- Die ec,uv 'fvnrde vom General Seeckt Ende März inszeniert und' ffihrte nach einer Razzia, die in der Grenadierstraße an - einem Samstag vorgenommen/wurde, zur Jntenüerunq. von 281 Ostjüden als des Schiebertums oder der politischen Unzuverlässigkeit verdächtig im Konzentrations?. lager: Wünsdorf bei Berlin. Dort blieben die Leute- - beinahe eine Woche interniert und wurden in bestiali-- - scher Weise gequält. Schon bei der Festnahme wurden- Kolbenstöße, Ohrfeigen und wüste Beschimpfungen wahllos ausgeteilt. Im Lager selbst wurden antisemitische Flugblätter angehestet und die Gefangenen-von den Soldaten beschimpft und bedroht. Auf die kleinste Unvorsichtigkeit wurde die Todesstrafe gesetzt. DaZ'Essenbestand aus einer ekelhaftei:, ungenießbaren iaffi. Das Arbeite rsürsorgeanit der jüdischen Organisation-'s- Deutschlands hat sofort Schritte eingeleitet und konnte vier Tage nach der Wegschleppung eine Kommission unter Leitung eines Polizeirates nach Wünsdorf e«tsenden. Es wurde festgestellt, daß kein einziger dev Festgenommenen irgendeiner Unrechtmäßigkeff de-

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