Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 471 (15.5.1920)
- Date
- 1920-05-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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T... iaiiiMimi<iWwiiitTirirTn^1^i't-~,1^^‘^ hi—' *~~ Sti 47t Wieii^SüNlSLatz - . '. Heute,. Samsisig» den 15. ff)at,5 Uhrnachm. tu Redner: Dr. Schmarjshu Lewin, Dr. Istdor Schatit Telegramme. Di« bedeutsamer Antrag der Liberalen frn englischen Unterhaus. Amsterdam, 14. Mai. Laut „Algemeen Handels- »lad" beabsichtigen die Lib er ylen im englischen Unterhause einen Antrag einzubringen, wonach das tzaus die sofortige /Ein-- e tu-jung der Völkermndsversammlung verlangen soll/ Ferner sollen die mglichen Vertreter beauftragt werden, den Antrag auf Zulassung D e ut s ch l ands, Ruß 1 ands und. anderer größerer souveräner V t a a t e n^z u m V ö lker b u n d zu stellen» . - V , Die polnische Llffenstve. Trotzki an der Frönt. Berlin, 14. Mai. (Korr.-Bur.); Der »Lokalmzeiger* meldet aus London: Das. polnisch-ukrainische tzeer setzt den V v r m a r s ch fort. Trotzki ist an die Front abgereist und leitet mit Brussilow die Operationen. - ' Ans Moskau wird gefunkt, die Eroberung Kiews dürfe keine Furcht erwecken, denn man werde den polnischen Vormarsch aufhalten, da die Verteidigung nunmehr organisiert sei. . Warschau, 14. Mai. (Furikspruch.) Im Gebiete bon Kiew bemüht sich der Feind, um jeden Preis das rechte Dni?p?üfer zu gewinnen, Unsere Truppen-haben Nicht einen Fußbreit Boden, verlohn. Ein Umzingelungs--. versuch des Feindes bei Darmitna wurde vereitelt und die Angriffe auf den Brückenkopf von Rieschitza Ärückgeschlagen.' ' . l;v •••. ■ ':•!*. . "■ ■ ' , 1 Paverewskr soll kaltgestellt werde«. mi. (Ter-Komp.)'Wre die Age'ntiir Dona äns Wars chau meldet, soll der Außenminister Pattzk Padcrewski die Vertretung Polens im ' Völkerbund Angeboten haben. Paderfwski habe - sich Bedenkzeit äüsoedungen. . . Ein Abkommen zwischen Sowjetrußland und Georgien. Paris, 14- Mai. Aus London wird gemeldet: Zwischen der Sowj-ötregiernng und der' georgischen Repkdlik sei ein Abkommen unterzeichnet worden.'Darin werde die Unabhängigkeit Gern .iuis anerkannt.'. Geor'l.ür werde die Gouvernements .Tiflis,-Kutais', Gatüm utit» die Distrikte von Sakatal und Sakhum und einen Te:i desl'. Gouvernements des Schwarzen Meeres umfassen. Wrgien werde alle der Sowjetregieruitg feindlichen Personen verhaften und sie sogleich internieren, um si-e her Sowjetregieruirg ckuszuliesern. , 1 * tzine tschecho-slowakrsche Kommission nach Sowjetrntzland . Prag, 14. Mai/ (Tel.-Komp.) Wie das „Cesko Slovo" meldet, verhandelt Minister Dr. Genesch in Paris auch in der Frage des Verkehrs der tschechischen Republik mit Sowjetrußland. Dr. Benesch wird in etwa zwei Wochen aus Paris zurückkehren und dann wird eine tschechische Kommission, nach. Sowjetrnßland entsendet werden, rrm mit der Söwjetregierung Heiter zu verhandeln. ' Kein Sonderfriedensvertrag mit Deutfchkanv. Washington, 14. Mai, (Reuter.) Auf Borschlag Lob ge,s hat der Senat in den: Antrag, betrefftud den Frieden,.die Stelle, worin Wilson ausgefordert wirdmit Deutschland Verhandlungen zum Abschluß eines Vondcrfriedensvertrages einzuleiten, gestrichen. Die Auslieferung der deutschen Schiffe. ' Berlin, 14. Mai. (Tel.-Kümp.) . Die zurzeit in London weilende Schisfahrtsdelegation hat hinsichtlich der Schiffereifahrzeuge mit der ^interalliierten Schiffsahrtslomnüssion citt Abkommen abgeschlossen, nach dein d'ie' Abgabe dieser Fahrzeuge auf eine kleine Anzahl Fischereidampfer beschränkt-wird.> Schwierigkeiten litt S. H. S.-Staate. LaiVach, 14. Mai. (Tel.-Komp.) Die Negierung steht vor neuen Schwierigkeiten, die aus der Agrarfrage entstanden sind. In der Frage der Aufteilung des Großgrundbesitzes ftub' zwischen den Demokraten und dem Ministerpräsidenten 'Prohic Differenzen entstanden und die Demokraten fordern jetzt die .Auflösuüa keLMrlameutes.. . ". AZierlerMürgenzeitün^ 161 Mai 1020 eem» “ in öle Wtusgemeinck. AM 27. A«ni. Durch die Korrespondenz Wilhelm wird mitgeteilt: Die Neu mahl von 3 b Vorstands Mitgliedern und 1326 Vertrauensmännern der Kultusgemeinde findet auf Grund der neuen Wahlordnung am Sonntag den 27. Juni d. I. statt. Die Wählerlisten liegen durch 14 Tage, und zwar vom 16. bis 30. d. M im Gemeindehause, I., Seitenstettsngaffe 2, III. Stock ^Steuetamt) «std in den einzelnen Wahlbezirken zur Einsichtnahme auf.'Während dieser Zeit können Reklamationen wegen Aus' taffung von Wahlberechtigten odeO Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen in der Kanzlei der Kuttusgemeinde» I. Seitenstettengaffe 4, schriftlich eingebracht werden. Juden Wiens; Sichert euch das Wahlrecht für die Knltnsgemeinde! Mehrere tausend Kultussieuerzahler, die Anspruch aus das Wahlrecht für die bevorstehenden Kultüswahlen hätten, würden aus dem Grunde nicht in die Wählerliste ausgenommen, weil ihr. österreichische Staatsbürgerschaft angezwelfelt würde. Ucher Emschreitender zionistischen Mitglieder des KustusvorftandeZ ha das Präsidium . an' diese Gemcindemitglieder die nachfolgende Zuschrift gerichtet: Laut tz 6 der neuen Wahlordnung für die Kultusgemeinde Wien ist eines der Erfordernisse für das altrve - Wahlrecht die österreichische Slrcusbürgnschaft. Da nach den gepflog neu Erhebungen hinsichtlich Ihre' Staats maehönakeit Zweifel bestehen, werden Sir' elngeladeo falls Sie die' österreichische Staatsbürgerschaft besitzen sollten dies unter Vorlage der berügl wen Dokumente dem- Steueram der Kulluspemeinde, 1, Seitenstettcngaffe % entweder schriftlir! oder niimdl'ch ehestens bekanntzügeben. (Partrienverkehr vo> 8 bis 2 Ulir. - Es ist P f l i ch t eines jeden Kultursteuerzahlers, vor allem cider jedes kultinstmerzablcnden Zionisten, der eine solch 'Zuschrift erhält, auch wenn'er -sie nicht erhält und in de. W 8 h! e r l i st e s ü r d i e l e tz t e n G e m'e i n d e r a t s n n d Landtä g sw ah len n, i ch t. e n t h a l t e n w a r vbgle-ch er schon damals osterrelchischer Staatsbürger war, obc weil er erst seither österreichischer Staatsbürger geworden ist u n v. e. r.z ü g l i ch seine, östnrnchtsche. Staatsbürgerschaft iw Steueramt der Kultusgememde -nachzuweisen, um uüch in dir .Kultuswählerllste.ausgenommen zn werden! Es handelt sich um rascheste Sicherung er« es der wichtigsten Rechte! Kultnswahlen im Sommer. Dex 11i -Mai' wird.«in bemerkenswertes Datum in bex. Geschichw/-der WiHuer,/ jühzschssn Gemeinde:; 6teiöeit. Kn diesem Tage wurde in«* Gleichstellung unserer Beamten sämtlicher Kategorien -mit ben> -Staats- und Köurmunalbeanrten, die. Aufnahme, eines. Darlehens bis zur Höhe von finrf MUlionen.uud die Vornahme der Netrwahlen noch vor dem Sommer LefchloWfolgenschwere Schritte in materieller wie in moralischer- Beziehung. In der endlich erreichten prinzipiellen Gleichstellung unserer Angestellterr sehen wir nicht nur ejn den Säckel dev- Stelterzahler empfindlich chelastendes Novum; uns erfüllt, diese Emanzipation mit hoher | Hoffnung wird in die Gemeinde emz'rehen. Befriedigung. Bisher, wattu' unsere Beamten gegenübev Gemeindegew altigen ungefähr das, was diese gegenüber nichtjüdischen Staatsgen offen: Menscherl . zweiter, ' niedrige Kategorie, dazu gestempelt durch die schlechte Bezahlung. und durch die geringere Achtung, die ihnen ^iezollt wurden Der deutlichste Beweis für das letztere war ja erst jüngsts anläßlich der Wahlreform durch die Verweigerungbes passivem Wahlrechtes geliefert worden. ' Jetzt werbendie jüdischen^ Gemeindeangestellten in materieller - Beziehung ihrerr christlichen Kollegen gleichgestellt sein; der zweite'Schritt, bik moralische Wertung, wird nicht ausvleiben.- - - - Das jetzt in- Kraft tretende Wahlrecht ist nicht' das letz'tL Wort, das gesprochen ist. Dannwerdensie sich für v»lu öefriedigt erachten dürfen, dann wird aber auch -bas groß« Opfer nicht vergeblich gebracht sein; denn wir'erwarten-mit'; voller Zuversicht von unseren Angestellten, daß sre> beM heute so beliebten Schlagwort, für höheren Lohn^ tzerülgeltz Arbeit zu leisten, nicht verfall«! werden. - Und es wird redlichster Arbeit bedürfen, den verfahrenen: Karren ins rechte Geleise zu bringen. Denn die -Wienerisraelittsche Kultusgemeinde steht schlimm genug da. Ver-i waltet von einem Manne, der den Forderungen , der Zeit?hilf»s los' gegenübersteht, geführt von einem Vorstand, - der trotz! vieler Kooptierungen auf Zwei Drittel seiner gesetzlich-.normierten Zahl zusammengefchmolzen - ist,, bestehend-, aus- Leuten,' die von ihrem Prrbatberuf so sehr in Anspruch genommen sürd, daß ihnen nicht Zeit noch Interesse genug-, für.^ anderes übrigbleibt; -.Unterricht und Kultus aufs schlimmstes vernachlässigt, das Spital nur niehr von Aerzten, Schwestern'- und Arbeiten aller Art voll beseht, von Kranken aber zu -zweij Dritteln geräumt, das.Versorgungshaus vor der Schließung,! auf den teuren Augartengründen, statt des. dringend .nötigem Kinderspitals eine armselige Ambulanz, dieAngestMen sämtlicher .Kategorien verbittert,- im Streik oder in /Streik»' . -. rohung, die Finanzen zerrüttet, mit einem? voraussichtlichen! Jahresdefizit von 7,2 Millionen Kronen, im Begriffe, dens ^.samten Realbesitz bis auf Friedhof und Tempel-zu ver.j pfänden, wahrhaftig, cks gehört ein unbeugsamer Optimis-! ums. dazu, hier an eine Gesundung zu glauben. Aber die: Zionisten haben ihn. Das wäre kein rechter Zionist,- der ihn nicht in allen Fragen feines Volkes hätte! Wir haben den Rechenstift und die zaghafte Logik der -nahen- und nackten Gegenwart immer unseren -satten «Glaubensgenosseck" überlassen und wir haben schließlich ^echt behalten. Unterstützt von eiüer zufrredengestellten Beamtenschaft/ wird sich die Gemeinde in nicht zu langer Frist wieder aus..dem Verfall herausarbeiten durch den Idealismus^-und die moöernhtt Ideen, ihrer neuen Führer, durch das neugeweckte Interesse und die Opferwilligkeit ihrer -.alten-..und.-. -^eue»^.Mrtzliede)e> durch ^ie besseren Zeiten, die kpmnren. nlüsien, wpnn^^r 'nW mehr eine «israelitische Kultusgememde", sondern efne der. größten- Galuthgemeinden 'des.freien 14-MMonenvolkes dw Juden sein,, werddn. Der. erste- Schritt - zur Entwirrung-dev! Lage ist. gemachte Der Vorstand hat in der letzten Sitzung! nqch eindrucksvollen Reden der Opposition sich bereit gefundeii^ entgegen .dem letzthin gefaßten Beschluß, die Neuwghlerv ehestens außzuschreiben. . Neue- Männer, - neuer Mut, neu«? - JV'-jK Gespännte Lage In Frankreich 1 Auflösung der G. G. T. — GeneralstreLkparole. Basel, 14. Mai. (Tel.-Komp.) Aus Paris wird gemeldet. Das Gebäude des Allgemeinen Arbeiterbundes in Paris wurde gestern polizeilich geschloffen^ Millerand erhielt von der Kammer die Ermächtigung zur A n f l ö f n n g der G. G. T.» deren Bestrebungen umstürzlerischen Charakter tragen. Die radikalen Pariser Blätter ^Populaire" und ^Radikal" fordern znm allgemeinen L a n d e s streik auf. Die Leitung „Le Sowjet" die offen zur Revolution aufforderte, lpurde verboten. Paris, 14. Mai. (H'avüs^ Die St^eiklage wird von den Glüttern optimistisch beurteilt. Ein Minister erklärt im „Echo de Paris", daß alle Vorkehrungen getroffen, seien, nm der Bevölkerung iben Gasbezug zu sichern. Das Unterstaatssekretariat der Posten erklärt inr „Eclair", bei ei nein eventuellen Streik der Postantzestellten sei es sicher, daß kaum zehn PrvMt des Personals, dem Stceikbefthl gehorchen, werde. Huerta — Präsident von Mexiko. > Berlin, 14. Mai. Die Blätter melden ans Washington r Einem Drahtberichte aus Mexiko zufolge hat H ht e r t a provisorisch die P r äs i d e n t s ch a f t der Vereinigten Staaten von Mexiko übernommen. Palästina-Ferern. In Wilna. Warschau, 14. Mai. (Tel. der ,Memr Morgenzettung".) Dienstag fand anläßlich der Anerkennung der jüdischen .Rechte auf Palästina int Kt-adtsaate in —»n,,. ■■■■ Wilna ein Massenmeeting statt, welches von elweruaW Tausenden zählenden Menge besucht war. Die Redem tyurdett von den Vorstehern der zionistischen Vereini-s gungen gehalten und fanden.enthusiastische' 'AüfnaWxÄt .An Lodz-. ' ' - -.; , s Lodz,' 11'. Mai. (Del. der „Wiener Mo^genZtst."^' In Lodz wurde die Anerkennung des jüdischen Halä< stina von der gesamten jüdischen Bevölkerung festlich; begangen. Die Feierlichkeiten wurden vormittags durchs einen Festgotjesdienst in der großen ShttatzogL eröfftret^ bei welchem Rabbiner Pr. Grande die'Bedeutung des Ereignisses von San.Neino würdigte. Um-14 Wr vormittags fand ein feierlicher Umzug.der zionistischen; Vereine, der jüdischen Turner,- der Schulkinder - und von Abordnungen der jüdischen Vereine statt. Blau-- weiße Fahnen wurden jeder Gruppe vorangetragen.; "Nachmittags wurde vor der Stadt din -Massenmseting. unter freiem. Himmel abgehalten.. Die FeiLr verlief würdig^ getragen vom Enthusiasmus der jüdischest Bevölkerung. Bemerkt zu werden verdient, daß beim Um-- zug arrs polnischen Privatwohnungen unh aus einest Konditorei Wasser ans die vorbeiziehenden Kinder ge»' gossen wurde. - ' -r'- •’ ’.' JnLemÄerg. Lrmb^evg, 10.. Mai. (Tel. der „Wiener Morgeriztg." Die Feierlichkeiten'anläßlich des Beschlusses von S-cü Remo, welche am 9. Mai stattfanden, zeigten deutlichdie Freude und Begeisterung der jüdischen Bevölkerung« Die Fenster- und - Balkone der jüdischen Wohnung«'«^ waren mit Herzl-Bildern und blau-iveißen Fahnen ge»! schmückt. Die Versannnl nng, welche nachmittags jr» großen Hof in der Kolontaja stattfand, war.von meho als 20.000 Personen besucht, Welche die Ansprachevi der Herren Dr. Leon Re ich, Wittels und Disney mit Begeisterung ausnahmen. Nach der Versammlung' formiw^en die Teilnehmer einen Dcmonstrationszug/ welcheVunter Ab singung hebräischer und jüdischer Liedes zur Passage Hausmann zog; dort wurden wieder Ansprachen gehalteil. In der Vorstadtsynaaoüe Md., eist Festgyttesdienst statt. '