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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-13 · Heft 469 (13.5.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 469 (13.5.1920)
Date
1920-05-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien» Donnerscag Wiener ÄkorgenZettmrs 13. Mai 1920 Ne. 469 Polttische^rwdschau. Me Affäre Low. Der Verleumder Hollusy. - lieber die abenteuerliche Gestalt Sandor Hollos y 8, der als Kronzeirge in der Affäre Low austritt, veröffentlicht „Eg yeN lös eg" am 1. Mai eine von der Niederländischen Lebensversicherungen A. G., Amsterdam, Damrak 74, und der Amsterdamschen Bank, Amsterdam, beglaubigte Zuschrift von Ernö Gold bürg, in der es unter anderem heißt: Holländer Samu, recte Holländer Samuel ist der Sohn eines in Ehren ergrauten Zipfer jüdischen Lehrers, der seinen vor zirka sieben Jahren ans dem Judentum Zum Christentum übergelaufenen Sohn wegen dessen Verrates am Judentum verstoßen hat. Es - entspricht nicht der Wahrheit, daß Holländer in Belgien fick journalistisch betätigt hat. Cc war Beamter einer - Hchtcrt Antwerpens Bank, wo er nicht lange, verbleiben - komüe. Er karu nach Budapest zur Holländischen Lebensmittelversicherrmgs-A.-G., von wo er jedoch wegen seiner'' Unverträglichkeit fort müßte. Durch Protektion des'• Handelsmannes Sandor Kaufmann in Amsterdam ge- ’mig es ihm dann, bei der Amsterdamschen Bank anzu- ' kommen, wo man ihn ebenfalls nicht lange behielt. Wegen seiner nicht ganz ins Keine gebrachten Affären entzog ' ihm der damalige österreichisch-ungarische Generalkonsul Kiraly-BalazS feine Unterstützung» Er tauchte dann für ganz kurze Zeit bei der Filiale der Rotterdamschen Bank m Amsterdam auf und verheiratete sich in Budapest mit der Löcht^' einer jüdischen Witwe. Rach mehreren mißglückten Ersuchen gelang es ihm, für kurze Zeit beider ungarischen Agrarbank in Budapest einen Posten zu erringen. Da brach die Revolution aus und er stellte sich unter dem Regime Karolyis als der Pressereferent im Ministerium des Aeußern vor. Auch diese Herrlichkeit war nur von kurzer Däner. (Weitere sieben Zeilen zur Charakteristik Hollosys hat die Zensur zustreichen für notwendig gefunden, wodurch sie eo ipso den so sauberen Patron ins richtige Licht gestellt hat. Es handelt sich anscheinend um die Tätigkeit Hollosys wahrend der Bolschewikenherrschast.) Die Ausbeulung der Affäre Löw. Im Anschluß an die Verhaftung Löws haben die „Erwachenden Magyaren" den Palast der Szegeöiner Freimaurerloge „Arpad" mit Gewalt beseht und expropriiert. Am Tage der Verhaftung des Oberrabbiners wurden in der Stadt große antisemitischeVolksvcrsainmlnngen abgehalten. Die nach dem in allgemeinem Ansehen stehenden Rabbiner benannte „Immanuel Löwgasse" wurde nach dem Feldprediger der Horthy- $r.mcc „Pater Stephrnrgasse" umgetauft. Die Szege- Äiner Judeirschast betrauerte den Tag der Verschleppung ihres Rabbiners: sämtliche Läden der jüdischen Kauflerrte blieben geschlossen. Schon Wieder find die Juden, schuld! Der inzwischen durchgebraunte Kommandant der -Marinebrigade im Münster Lager, Kapitän Ehrhardt, hat der Vertreterin der Londoner „Daily News" auf ihre Frage nach der Ursache des Mißlingens des!L a p P-P u t sch e s geantwortet: „Nicht dem Generalstreik, sondern den Intrigen jüdischer Unterstaatssekretäre, denen es gelungen war, einen Streik der Regierungsbeamwn herbeizuführen und so die Staatsmaschine lahmzulegen. Wir haben es unterlassen, diese Unter strratssekretäre zu erschießen, ein bedauerliches Versehen! Die Feigheit beä Bürgertums ist ebenso verantwortlich für unseren Mißerfolg. Die Bürgerlichen waren zwar über unseren Putsch entzückt, blieben aber zu Hause und wuschen ihre Hände in Unschuld/ anstatt offen herbeizueilen und uns zu Helsen." Zunächst ist zu bemerken, schreibt, das .Mrliner Tageblatt", daß es ganz einfach eine Unwa hrheit ist, wenn der Kapitän Ehrhardt von „Intrigen jüdischer Unterstaatssekretärc" spricht. „Jüdische" Unterstaatssekretäre waren in den Re'chsmiuisterien gar nicht vorhanden und die Protesterklärung gegen die frevelhafte, Deutschland i» neue Gefahren und neue Verwirrung stürzende Putschregierung, zu deren Werkzeug Herr Ehrhardt die ihm anvertrauten Truppen gemacht hatte, ging von Unterstaatssekretären aus. die ihren politischen Ansichten nach wohl zur Rechten, zu den Konservativen, gezählt werden müssen. Eine „Intrige" haben' diese Männer nicht gesponnen. , sondern sie haben in einem ehrlichen Vaterlandsgefühl, das erhebl'ch anständiger ist als die Großmannssucht eines Wallenstein-Jmitators, Volk und Land gegen eine verbrecherische Intrige verleibigt. Wenn der Herr Kapitän bedauert, daß er diese verfassungstreuen uub gewissenhaften Unterstaatssekreitäre nicht h o terschießen basten, so zeigt er damit in sehr dankenswerter We'.se seine Moralauffassung und die Richtung seines Geistes. Das Bild wird, vervollständigt durch die weitere Bemerkung, die er gegenüber der englischen Korrespondentin getan hat: „Die Negierung muß soviel Nerven haben, einmal 10.000 Menschen im Nördlichen Berlin Hungers sterben zu lassen." Von einigen Personen, die mit ihm in Berührung gekommen waren, wurde Herr Ehrhardt als eine „Figur aus dem dreißigjährigen Kriege", aber immerhin als eine nicht ganz unsympathische Figur geschildert. Er scheint, als er dtL Engländerin empfing, es darauf angeleg zu Hab u. den zweiten Teil dieser Schilderung möglichst gründlich W. zaiM'im* v > Heftige Gegenangriffe der Sowjettruppen. Warscha u, 12. Mai. (Fmrkspruch.) Seit dem Morgen des 10. Mai bat der heftig« Kampf auf dem linken Dnjedrufer wieder eingesetzt. Der durch neue, von Nord und Süd herbeigeschaffte Streitkräfte verstärkte Feind griff nach h «ftiger Artillerie Vorbereitung unsere Stellungen,' die den Zugang nach Kiew verteidigen» an. Einige Dunkte fielen in die Haube des Feindes, schließlich jedoch könnt?» nicht nur alle Angriffe abgeschlagen, sondern durch Gegenstoß bis »och Vrowazh voroetragen werden. In der Polesie wurde die Linie der unteren B e r e s i n a erreicht, die Eisenbahnbrücke von Meschitza unbeschädigt genommen. Der internationale Gewertzschaftsbund fordert den ' Boykott Ungarns. Ä m st erd a m, 12. Mai. (Korr.-Dur.) Wie ^Telegraaf" meldet, hat das Bureau des internationalen Gewerkschaftsbnndes bei der in London ab gehaltenen Zusammenkunft beschlossen, die am vergangenen Montag angenommene Entschließung wegen des Boykotts gegen A n gar» unverzüglich zur Anwendung zu bringen. Die Aufnahme Oesterreichs in den Völkerbund. Zürich, 12. Maü (Privat) Wie die «Basler Nachrichten" ans eingeweihten Kreisen erfahren, wird der Bölkerbundrat bereits der ersten in dev kommenden Woche stattfindende» Vollversammlung des VSlkerbrmdes den Antrag auf Aufnahme Oesterreichs in d e « V ö l k c t ft ii it b unterbreiten* , » 20 Dampfer amerikanischen Getreides für Oesterreich unterwegs. Trieft, 12. Mai. (Tel.-Komp.) Dem über Anregung der Triefter ^Handelskammer erfolgten Einschreiten dev^ausländischen Vertretung Italiens ist es z« danke«, daß die Verschiffung eines großes Teiles der für Oesterreich bestimmten 300.000 Tonne« amerikanischen Getreides im Teiester Hafen fichergestekt ist. Es find bereits 20 Getreidetransportdampser mit der Bestimmung Triest »b egangen, die «och im Laufe dieses und des nächsten Monates eintreffeu werden. Inland. Die Budgetberatung in der Nationalversammlung. Vor, unserem Parlamentsberichterstatter. Zn Beginn, der -gestrigen Sitzung der Nationalversammlung unterbreitete die Regierung die Vorlage über den dritten Nachtragskredit zum Finanzgesetz. » In ' die Debatte ■ über die Budgetkapitel: Inneres, Unterricht und Kultusgriff Unterstaatssekretär Glücket mit einer längeren Rede ein, in der er eingehend die vom Uirterrichtsanrt begonnene Schulreform -erörterte. Er kam bann auf 4 . - < : ble StaatsHeater zu sprechen und befaßte sich sodann mit dem ' KtNowcsM. Hier ist eine außerordentlich lebhafte Gefrhr ausg'^uchr und wir werden uns bei der Bekämpfung der Kinoplage absolut nichi von irgendwelchen Sentimentalität m leiten lassen. Es ist unmöglich, aus die Dauer Unserem Bolkr das Gift länger zuführen zu lassen, das sich so deutlich und so tragisch Aag für Tag zeigt. Nachdem noch die Abgeordneten Matthias Herrmann, Sponer, Alois Bauer und Scheiben: zu diesem Kapitel gesprochen haben, wurde das Kapitel Inneres, Kultus und Unterricht angenommen. Die Ausländer an den Hochschulen. Der Entschliefjungsatttpag des großdeutschen Antisemiten Ürsin, die Regierung wird aufgefordert, der Nationalversammlung ein Gesetz zu unterbreiten, wonach Ausländer/ soweit sie nicht deutscher Nationalität sind, nur itt beschränkte in D?aße zum Studium an den österreichischen Hochschulen zugelassen, Oftjuden aber grundsätzlich vom Studium an den österreichischen Schulen ferngehalten werden , und von den in Oesterreich geborene» Und nach Oesterreich zuständigen Juden nur eine dem Zahlen-. Verhältnis, der Juden, zur Gesamtbevölkerung entsprechende Anzahl an den, Hochschulen inskribiert Iverdm Ws, wffrdo dem Finanzausschuß zutzewieseu. . / Die großbeutschüN Antisemiten mqchtetr nach her Ausschuß..gestimmt hatten,. wo er «UN länger« Zeit ruh«E dürft«. Anscheinend hatten die Christlrchsozialen eingesehen, baß der mrritorischs Inhalt deS Antrages mit'dem Friedens vertrag und dem Staatsgrundgesetz im Widerspruch steht, und die Großdeutschen mit ihrerantisemitischen Demagogie allein gelassen. ' ‘ . Es gelangten hierauf hie Kapitel Land- und Forstwirtschaft und Dolksek trährnng zur Berhandlyngi und im Zusammenhang Hamit ein Bericht des Ausschusses für Landwirtschaft, betreffend die Budgetierung eines Pe-> träges vö» 2 Millionen Kronen zur Errichtung einer Haupt- Lehranstalt für Milch- und Weidewirtschaft. ' Hiezu sprachen außer den Berichpirstatter» noch elf Redner, die sich mit dem Meliorationswesen, dem Schleich- Handel, der Wiederbesiedlung, dem DLngermangel. usw. sehr ausführlich befaßten. . Dir notete ZnMendang« m btc Boamte». Dm Schlüsse der Sitzung unterbreitete' die Regiemng den Entwurf eines Gesrtzes über Abänderungen" des Desoldungsübergangs- und des Besolbu^sgesehes.' Die Negierung ersuchte um schleunigste Behandlung dieser Vorlage Sie wnrdd sofort dem ^inarr-z- und Audgetausschuß zagewiesen. , ' ' Nächste Sitzung: M o r g e n, F r e i t a g, 1 Ithr' mittäM Tagesordnung: Bericht des Ausschusses für soziale Äsrwaltung über das Spi elab gabege setz. Sodann Fortsetzung der heutigen Tagesordnung. Die Anfnahine in den österreichischen Heimatverband. AnUlich wird verlautbart: Personen, welche Nachweisen, daß sie infolge Kriegsgefangenschaft oder aus anderen durch den Krieg bewirkten Ursachen vor dem Jnkraftsehen deS Gejches. dom 17. Oktober"1919, St.-G.-Bl. Nr. 481.. nicht in der Lage waren, um die Aufnahme in den Heimatverband einer Gemeinde der Republik Oesterreich anzusuchen, bau» Personen, deren 'Ansuchen schon vor deni Inkrafttreten keS erwähnten Gesetzes der Gemeinde Vorgelegen ist, jedoch poch nicht erledigt war, kan» die Aufnahme in den Heimatverba^d bewilligt werben, wenn die Landesregierung, in deren Gebiet die Gemeinde liegt, der Verleihung des HeimatrechteS zustimmt. Ferner kann Tlngrstellten 'des auswärtigen Dienstes, die bas Heimatrecht, in einer Gemeinde der Republik vevmöge ihres Amtssitzes nicht besitzen, die Aufnahme in den Heimatverband einer österreichischen Gemeinde bLwllllÄi, werden. . Nene 600 MSione» für die StaatsdeamteNs! Der Kabinettsrat hat in mehrstündiger Sitzung die neu^n B am enfo d rungen bi) zu einer Höhe von 600 Mi lipnen Kronen bewilligt. Die be re's"'Nde Dop«» läge soll noch im Lause dev Woche im Parlament . Mledrgt werden.. .^ Telegramme. Eine Niederlage Nittis. Nom, 12. Mai. (6tefanl) Mmisterprasidenl Nitti hat irr der Kammer eine Niederlage erlitten, indem sein Vorschlag, über die Interpellationen bezüglich der Bewegung der Post- und Telegraphenangestellten keine Debatte abzusühren, mit 193 gegen, 112 Stimmen abgelehnt wurde. Demission der italienischen Regiernng. ' Rom. 12. Mai. (Stefani.) Jnsvlge der Abstimmung in der Kammer wird die Regierung morgen ihre De-» Mission geben. Die Konferenz in Spa. Berlin, 12. Mai. Der «Vorwärts" meldet:2JMe wir von zuständiger Seite erfahren, ist von einer Verlegung der Konferenz von Spa auf einen späterm Termin im Auswärtigen Amte nichts bekannt. Die Streik» in Frankreich. Baris, 12. Mai. fHavas.) Die Besserung ht der Strerklage hält auf allen Eisenbahnnetzen an. Die kleinen Schiffahrtsuntermhmer haben sich dem Ausstand der Flutzschiffahrtsangestellten angeschlossen. Paris, 12. Mai. (Tcl.-Komp.) In d«n Bureaus der C. G. T. wurde eine H a usd urch s u churhg psrgenommen. Es war jedoch niemand von der Streikleitung anwesend. Bei Galpeyrao, Laurant/ Lep'erre, DuMSulin »tnd J)uhaux wurden zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Es kam zu keinem Zwischenfall. Dis Auflösungper C. O. T. wird gefordert werden. In der sran'ösischrn Kammer laufm immer neue Interpellationen und Anfragen über die StreiflagÄ ein und man erwartet beim Zusammentritt der Kackmev am D'enstag große Kundgeb ungen. Pon setteu der Regierung wird Miller and eine Erklärung abgeben. Das Chaos in Armenien. Da» Kabiaett zurüMgetretea. KL«vfe. Lsudqn, 12. Mai. (Tel.-Komp.). Der Korkespoudent der „Times" in Ko istantincpel me d.t,. daß Mitglieder d?r armenischen R.'lieflommission ans Armenien in Kvnstan:in<pel einget:off'n sind. Sie er lärten, daß der stellvertretende Präsident Armeniens , und sein Kqbimrtt zLrüölgetreten seien. B i Susak wird zwischsn ÄMenier» und Thrakern gekämpft. Zwischen georg'.schen Truppen und Wqtumer Bttotefr truvosn finden, ebenfalls Mltwle statt.' 1 | stimnrung den Christlichsozialen Vorhalte, büß sie mit den 1 SoMdKMkrstM für Lutveifung des. RntryM^ an den

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