Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 465 (9.5.1920)
- Date
- 1920-05-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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6eüe 2 0 Wierr, Sonntag Wiener MorgenLettrrug ..-..., ..««ji.i.n i 'mium* ii ■ > — —> . wi—in.gT■*— . 1,1 ■" - ....- — Polttische^tundschau. 1 .Der Prager Jüdische Ratio ualrat beim 1 Präsidenten Masarhk. Aus Pra g wird uns geschrwben: DinrStag Leu i. d. M. empfing Präsident Masaryk die Leitung -,eS Jüdischen NationalraLes, Dr. Llürwig Singer und Dr. Max B ro d. Die Genannten wiesen auf dcn Lahlerfotg hur, der sich rin der - Konzentration von. 60.000 Stimmen Lei den Wahlenin das Tlbgeord^ ’it'tcn'tjauö und von 60.000 bei' den Senats Wahlen, also.;ec riüerwiegenden Majorität der jüdischen Stimmen in der t?!epublik, gezeigt hat." Trotz dieser großen Stimme na nz.a hl - ist die j üdi sche , M i nvritäL oh'na parlnmentu rische Vertretung geblieben. Die Herren schilderten die hürrnls sich ergebende politische Situation. Präsident M a s.a r y k drklärte, daß auch er in dem Lahlresnttat einen bcöenieuden Erfolg der jungen jüdi-, scher: .Bewegung erblicke und das; die Unvollkommenheit o-cr Wahloronuug. in dieser Hinsicht jedem klar sein müsse. Cr gab seiner tlrüerzLugiurg Ansdruck, daß diese >60.000 Stimmen nicht verloren seien, daß sic im GegeniQ\i uidjt ohne WidcLhäbl rutd nicl/t"ohno günstigen Ein-, tz.ns; aus die Zumnst des Zu.deutums in der Republik bleiben lvürden. Hiermis entwickelten die ersehieneum Vertreter die Ab sch: des Nationalrates, einen Kongreß all-r. Kcrndida,ten der jüdischen Listen, denen die jüdische Wählerschaft ihr Vertrauen votiert hat, zu dem Zwecke emznbcrufeu, damit dieser Kongreß eine, definitive legale Vertretung der volksbewüßten Juden erroähte. Der Präsident äußerte sich zustimmrnd, indern er diesen Plan für richtig erklärte. - In der Unterredung wurden noch andere Fragen behandelt, zu denen.der Präsident mit dem gewohntes Verständnis für die kulturellen Bedürfnisse her jüdischen Minderheit Stellung nahm. . Zrüand. Die parlamentarische Situation. / */' Die christlichsoziale Korrespondenz „Austria" meldet: Die Christlichsoziale Vereinigung hielt in den Letzten Wochen tagtäglich Beratungen ab, die hauptsächlich den jeweiligen Verhandlungsstadieu über das Budget, die Vermögensabgabe und Sen sonstigen Ausbau unserer Steuergesetzgebung' sowie der Verfassüngsirefyrm im Plenum, beziehungsweise im Finanzausschüsse der Nationalversammlung galten^ SM ^verständlich soll diese unausgesetzte. Arbeit der Lei. g . .. enriaftester Sorgfalt tunlichsten B.schLeunigung zu: .,, ' ftellung dieser Materien dienen-. Jedes Ein schäm cerungssystem ist entschieden zurückzuweisen. Es bedarf deiner. Denwnstrationen, um bic Christlich sozialen zur Erledigung der Vermögensabgabe anzusporrren. Der Ruf „Heraus mit der Verfassung" wird auch in.der Bevölkerung immer lauter. Zahlreiche Kundgebungen aus fast allen christlichsozialen Wahlkreisen liegen bereits vor, die nachdrücklichst die eheste Einbringung derRe-- Iierungsvoxlage fordern. Uebrigens ist bekannt, daß die am Mittwoch begonnenen Konferenzen Dr. Renners, des Vizekanzlers Fink, des Staatssekretärs Dr. Mayr und Dr. Kelsens in der Staatskanzlei rüstig vorwärtsschreiten und die Verfassungsarbeiten so fördern, baß eine rasche Beendigung d^r Vorarbeiten für den Negierungsentwurf und dessen Vortage an den KoaliLionsünsschuß und das Gesamtkabinett zu erhoffen ist. Die Verfassung muß vollendet werden und gleichen Schrittes mit ihr der Ausbau unserer Steuergesetzgebung einschließlich (hier besteht der Natur der Sache nach ein selbstverständliches I ü n kti m) der Vermögensabgabe, tii nur einem fertigen konsolidierten Staaiswesen auf- Hegt werden kann. ( ■ .M^L. -: - > Margaine in Wie». Mit dem Ententezug ist gestern auf dem Wiener Nord» tzühuhof Herr Margaine, der Berichterstatter dck franz8sischerr Kammer über den Friedensvertrag mit Oesterreich, ««getroffen' Er erklärte den zu seiner Begrüßung erschienenen Herren, daß er nur bis Dlenswg in Wien bleiben Md an diesem Tage nach Paris zürückkehrrn werde. Gestern nachmittags wurde er vom StaaManzlee Doktor Renner empfangen, ferner hat er mit einigen Nessoltlelte''n der österreichischen Staatsämter sowie mit Vertretern der Handels wkv.Gewerbes und dcr Industrie konferiert. Die Verhandlungen irr Prag. Prag, 8. Mai. (Korr.-Bur.) In der Zeit vom 4. biß zum 8. d. M. tagte in Prag unter dem Vorsitz des Srktionschefs H o l tz l die von der Ischechs-slowakisrhen und der österreichischen Regierung eingescdrc zwischenstaatliche Kommission zur Bereinigung der sich aus den internationalen Verträgen von St. Germam ^gebenden Fragen der Staatsbürgerschaft und. des M i n d e r h e r t s s ch u tz e §. In den meisten Verhandlungs- Punkten gelangte die Kommission zu einer übereinstinunenden Äufsossung. Die Verhandlungen werden in dm nächsten Tygen, h Wien fortgrscht werden. Die Abschaffung Vela Kuns nach Rußland. Moskau, 8. Mai. (Funkspruch^ Der Volkskommissar deS Aeßrra T f ch i t f ch e r i n hat dem britifcheu Außenminister S n t-i 9 n mitgetAit, daß bre russische' Reglttvng die W11 ge» 4.»«a.der britischen Mme.ntna, B?laKu» uud die k-öngerr Gokolorv und Weizmapn in London. Begeisterter Empfang. ' London, 8. Mai. (Telegrarnm der „Wiener Morgenzeituntz") Dre AükuUft Sokolvws und Weiz- Manns gestaltete sich zu einer euckhusiastischen Kundgebung für .die erfölgverchen zionistischen. Führer. Mittwoch abends versammEe sich eine überaus große Menge y'nf dem. Biktoria-Bahnhvfc, um die Ankonuttenden zü/begrüßeir. In Vertretung des.kranken Chief Rabtzi Dr. Heritz begrüßten die Rabbiner Londons die Führer und überreichten ihnen nach einer Ansprache des I. Chacham ^aschi Jakob Meir und anderer l Rabbiner eine Thora. So ko low übernahm die Thoravolle und sprach das „Sch hechejnmc". Hierauf bewegte sich der Zug zu dein reichdekorierten -Ientralbureau der.Zionistischen Organisation, vor rvelchern eine nnliö ersetz bare Menge dev Ankommenden harrte.- Die Führer wurden zunächst von G o l d b e r g, N a i d i t f ch, . Nord au und Nellin tvillkommen geheißen, tvnhrend draußen d ie Ncengs' die „Tikrvah" arrstinunte. . a Merzmaun danttr für den so freundlichen Enrpfang und betonte, daß,die Arbeit ersd jetzt begimce. Lloyd George habe ihm vor seiner Abreise aus San Renro'gesagt: „Ihr habt jetzt den St.aat, es lte'g t n n u a n e u ch', c s a u ch iu Z u ku u f t gutzurna ch e u!" Die Meng? .a'kklamrerte die Führer und Weidmann, - Sololow. und Mltin mußtmr an die Ber^ sammelten Ansprachen richten, die mit Begeistermrg aufgeuommcn wurden. ' Am Donnerstag, dein 'S a g - B ä v merfest e, be- - grüßten Sonna, Landnmnu und.Hernmnn nän^u? der ' Beamten und Funktionäre aller zionistischen Aemi-er die Führer. So ko low dankte den Mitarbeitern, die den Führern dies,.Erfolge möglich machten.^Um die Mittagsstunde fand unter dem Vorsitz Nordaus eine Festsi'tzuug zur offiziellen Begrüßung der Führer statii.' ' In. cher Eröffnuttgsveds zollte No« d a n den Führern für ihre Erfolge, deren Bedeutung ohnegleichen sei, dievollste Anerkvnnrmg. Sie haben Herzls Werk vollkommen gemacht: ' - .We izma un: Du B''deu'ung von SanNcmo liege darin,. daß s durch dis-' doot gefaßten Beschlüsse dem zionistischen. Programm die politische Fundierung gegeben werde.» . -.SokolowL Die Vorgänge in Jernsalenr schließen eintragisches Kapitel derGaluth ab. San Re uro aber eröffne--die Aspa der Geullah (Befreiung). . . >■ H'ä-n-1'.k:>e^baMe -hep-Führern näMLns der zivni-- stifchen Exekntive. ' s / ' . - Herbc.rt. Sa, Dieser Augenblick bedeute' den Triumph. Herzls, den der große Führer -leider nicht erlebt habe. Man - müsse aber auch der. P a l ästrna-Pioniere in Ehre und Dankbarkeit gedenken. Nach seinem Gesuche in Palästina sei er von der praktischen Durchführbarkeit der zionistischen Vorschläge unerschütterlich überzeugt. ES sei g e n u g R a u m f ü r Jude n und Araber.. Der Janhagel, der sich in Jerrlsalem austobte, stelle nicht die Majorität der Araber bar. . Lord Rv^hschuld appelliert an die Einheit aller Juden. Jeder Jude, welcher Anschauung er auch sonst sein möge, müsse von nun an zum .Aufbau der jüdischen Heimstätte beitragen. . ~ James de Rothschild erklärte, baß seinVäter Edmono und er selbst aufrichtigen Anteil au der Freude über die erreichten Erfolge nehmen. .Herbert Samuel, Präsident des ,Moard vf Deputies", wies gleichfalls auf die Notwendigkeit der Einheit und Einigkeit unter den Inden hin. Es sprachen noch Goldb lnm für die englischen Zionisten,/Fräulein Sie ff namens der zionistischen Fxauen, Chachambaschi Jakob Merr, der betonte,' daß der jüdische Gerechtigkeitssinn'ein friedvolles Zusammenleben mit den Arabern herbeiführen werde, JohamÄ Kckemett-ezkh- (Wien), der den Führern für-ihre, große-Urbeit dankte, und Alexander Goldstern namens der. r u s s i s ch e n Zionisten, deren Grüße er überbrachte und die entschlossen seien, an Palästinas Wiederaufbau mit Löib und Seele, mitzuarbeiten. n n ■ i. . ii u Mitglied» der ftirierzritigru ungarische n Sowjetregimmg nach Rußland schaffen zu lasten, tief bedauere. Die russische Sowjettegierung sei jedoch fest überzeugt, daß dre britische Negierung ihre.Haltung. ändern und der Ausreise der fraglichen Personen auZ 01 ft e r r e i ch nach Rußland Mstrmmen werde. Die HeimHeförderung der Lschecho-slowakrschen Kriegsgefangenen. Prag, 8. Mai. . (Privat.) Die tschechische Negierung hat der Kommission zur H e i m b e f ö r d e t it n g der G efa n g e n e n .a u s R u ß l a nd 300 Millionen Kronen bewilligt. Für den Transport kommen drei Wege in Betracht: Aus N o r d r u ß la n d über Reval und dann zu Schiffmach Danzig- oder Stettin; aus I n u e ru n d S ü d t u ß lau d über Odessa, Vacka uud Bulgarien: aus T u r k e st a n über Krasvowodsk—Baku-Kionstantinopel—Triest. Die deutsche Regierung hat die Bereitstellung von Waggons uud die Kreditierung der Transportkosten -zugesagt. Für die vielen versprengten KriegSgrsangenen. die den Heümveg zn Fuß omgetreteu haben, ist eine Sammclstelle in N o w oros s i js k «eichtet worden, welche Etavpeustationen und SinntÜtsftellen lä»LZ deS RirckzugswegeL bauen soll. "0. Mai L92V ' Nr. 465 . Tblegmwme. Vertagung der Konferenz itt Spa. Brüssel, tz. Mai. (Havas.) Me man aus sicherer Quelle erfährt, wird die deutsche Negierung von der franHSsischeu die Berta g u n g der auf. den 28. Mai festgesetzten Ksrrfererrz Ln Sjh« mit Rücksicht auf die Reichstagsrvahlen verlange«. Ber"itt, 8. Mai. (Tel.-Äomp.) Dis auslattdifchen M'Adttngen über -ein Gesuch dar dsutschen' Regierung! über die .Ve.schiebmlg der Konferenz iü Spa bis nach! deck deu scheu Wählen werden von der heutiZen Abendpees so. widerlegt.-Die Regierung hat, wie dip Blätber von zuständiger Stelle erfahren, kein offizielles A n s it ch e n ml die -alliierten Regierungen geschickt! Die Tatsache, daß M besonders, die franzöfischen Blätter! immer w'cder mit d'v Stellung der Deu'schen in Spa beschäftige^ und die 'Bedeutung der Konferenz h-eräbizusetzeü suchen, gibt der Berliner Presse zü der überein-, stimmenden Feststellung Veranlassung, daß. es - immer wieder Frankreich sei, das Lloyd George unp ' Nittil. in ihrem Wunsche, Deutschland -als §lcichberechtigL.zur Verhandlnng zn hbin, iimfiimmcit rvolle. - Cavranza geflohen. - London^ 7. Mai. - (Nenter.). Die- Blütti« meldru arrL Washington, daß Carranza aus MeM nach Bcracruz geflohen sei. Basel, ^8. Mai. (Tel.-Komp.) Der ^New-Uock Hrrald"iwclbe! aus Mexiko: Der Fall von Deracruz steht bevor, da die Stadt von den Rcbellcn seit zehn Tagen eiugeschlossen ist und ausgchungert wird. Die amerikanischen Marinestrertkräste haben sich in den Hasen von Veracruz zurückgezogen. Die-Insurgenten sind' ü solcher Uebermacht, daß mit der Kapitulation der Bundes truppen gerechnet wird. Nach Meldungen aus Washington ist Präsident Carränza nachVeracrüz geflohen. Er will ms AMänd gehen, wenn d-.e Rebellen die Oberhand behalten. Als zukünftiger Präsident von Mexrko wird in erster'Linie der Führer der Auf-'! standsbeweguug General Obrogon genannt. Carvanza gegen die Aufständischen. Mexiko» 8. Mai» (HavaS.) Präsident C a t r auz a «- klärt in einer Kundmachung» er. w e i g e r e f i ch> den Posten des Präsidenten zn verlassen, solange kem. legal gewählter Nachfolger vorhanden sei. Er. werde die Rrbellen bis zum äußerster» bekämpfen. ... Amerrtza die Völkerbund frage.; . ÄylsLcvdaV, ß. Mai. Der BeLichkrstattLr - .btzr „Tittles",in.Hasr)ington meldet MpubWanische Senatoren .aus. altsn Staaten hielten -eine,Versammlung, ab', in der beschlossen wuche, bei der Präsidentenwahl'düs. amerikanilche Volk.Mer die Völkerbundfratzp. enischnden zu lassen, Zu diesem Zwecke wurde eirre Erklärung angenommen, d.ie die Völkerbundstatuten in der Form, in der sie Wilson aus Paris gebracht hat, vernrlei'L. Der W.s',ing!omr Berichterstatter der ^Times"- meldet-weiLers. die Entscheidung der Republikaner werde zwischen Johnson und Knoz: schwanken. <; . Ger Verkehrs streik in Frankreich. Paris, 8. Mai. (Havas.) Der Derwaltüngsrcil des allgemeinen Arbeiterverbandes teilt mit, daß die Bergarbeiter der Departements Nckrd und Pas-de« Calais in den Ausstand getreten sind. '! McD.dem ^Echo de Paris" sollen die Hafenarbeiter fast allgemein mit Ausnahme derjenigen von Dünkirchen zum Telle die Arbeit wieder ausgenommen haben. Verbot dev kommunistische« Versammlungen N in Frankreich. -; Berlin, 8. Mai. (Korr.-Bur.) Der «Lokalanzelger" meldet' auS Paris, daß die französische Regierung - in ganz Frankreich d.a§ Abhalten kommunistischer Versammlungen verboten habe. ' Der türkische Friedensvertrag. Bafel, 8, Mai. (Tel.-Komp.) Der Friedmsvertr'as mit der Türke: wird. Pariser Meldungen, der Schweizer Presse zufolge am Dienstag den 11. d. M., nachmittags, i Uhr, ifn Ministerium des Auswärtigen der türkischen Abordnung übergebe» werdeii. Das japanisch-englische Bündnis. , New-Pork, 8. Mai. (Tel.-Komp.) .Anltlich wird bestätigt, daß eine Vereinbarung über die Ver-- längerung des britisch-japanischen Bündnisses auf die Dauer von sieben Jahren getroffen, wurde. Der Wortlaut des neuen Vertrages wird pflichtgemäß deür Völkerbund mitgekeilt werden. Er wird so gefaßt sein, daß seitens der Vereinigten Staaten keinerlei Einwand erhoben werden kann. Eine Drohung d'Annunzios. Paris, 8. Mai. (Korr.-Bur.) d'Annunzio erklärte einem Vertreter des „Echo de Paris^. gegenüber, ehe er Fiume ausgebe, sei er entschlossen, alle Brücken, den Bahnhof, die Stadt und sich selbst in die Lust zu sprengen. Das Kabinett Koltfchaks in Omsk interniert. Berlin, 8. Mai. (Korr.-Bur) Die .Vossische Zeitung^ meldet aus Kopenhagen: Koltschaks Minister und die anderen höheren Beamten seiner Regierung sind, wie „Berlingske Tidende" aus Helsingsors - erfahre^ nach Omsk gebracht worden, wo sie veruttM werde sotten. Es handelt sich im ganzen um 22 Beamte. Ä 9